Ausgabe 
23.11.1931
 
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Wessen Md bin ich?

Vornan von Ar. Lehne.

Urheberschutz durch T. Qkfcrmann, Romcmzcntrclle Stuttgart.)

10. Fottsegung. Nachdruck verboten

Was würde er gedacht haben, wenn sie jetzt noch zu ihm.

Sie Wichte, er liebte es nicht, sich beobachtet und kontrolliert zu fühlen; er wollte absolut frei sein, und nie hatte sie in ihrem langen Zusarnrnen- leben fein Arbeitszimmer betreten, ohne daß er sie vorher AU sich gebeten hatte. Darum war es jetzt auch für sie unmöglich, ihn zu stören, nach­dem er erst kurz vorher noch mit ihr gesprochen. Sie kannte seine Eigenheiten; ganz unberechenbar war er. Es gab Tage, an denen er mit niemanden ein Wort sprach, nicht einmal mit ihr Tage, an denen er ganz unsichtbar blieb; sogar die Speisen lieh er sich dann in seinem Zimmer servieren. 3n einem solchen Gemütszustand konnte er keinen Menschen ertragen. Anfangs hatte es sie gekränkt; doch bald hatte sie seine Eigenheiten erkannt und sich darein gefüat. Zu anderen Zeiten wieder wich er nicht von ihrer Seite und über­schüttete sie mit Zärtlichkeiten; ganz gab er sich ihr dann in seinem fühlen und Denken. Sie be­wunderte ihn rückhaltlos was für weltum­fassende hohe Gedanken wohnten hinter dieser schöngemeihelten Stirn. Gin Künstler, ein Dichter war er, der es nach seinem hohen Gedankenfluge wohl mit den gan* Großen aufnehmen konnte. Verse von wundervoller erhabener Schönheit flössen aus seiner Feder. Glücklich fühlte sie sich, die Gefährtin eines solchen Mannes sein zu dür­fen, und gern ertrug sie seine Eigenheit und das, was ihr an ihm unerklärbar und unverständlich war.

Sie war ganz sein Geschöpf geworden; sie sah mit seinen Augen, hörte mit seinen Ohren, dachte in seinen Gedanken. Sie wußte nichts weiter als ihn! Was war gewesen, ehe sie ihn kennengelernt? 3ahre hindurch hatte sie es nicht mehr gewußt, bis vor wenigen Tagen da war etwas in ihr erwacht, wovon sie sich selbst kaum Rechenschaft abzulegen gewagt, geschweige, daß sie zu ihm darüber gesprochen hätte.

Und dann arbeiteten die Gedanken weiter bis zu den bittersten Selbstvorwürfen was hatte sie getan unter dem Banne seines Willens, in ihrem Drang nach künstlerischer Betätigung, in der Behauptung ihrer Persönlichkeit alles wie eine drückende Fessel von sich gestreift und dadurch zwei liebe Menschen bis in den Tod betrübt und sie um ihr Lebensglück und ihren Alterstrost betrogen!

Eine Schuld hatte sie auf sich geladen riesen­groß eine Schuld, die durch nichts gutzumachen

war... waS half da bitterste Reue vielleicht nur übertroffen von einer anderen ein leises kaltes Rieseln ging durch ihren Körper, da dachte sie daran!

Weil - weg hatte sie die Gedanken gewiesen, und sie waren unter den Eindrücken, die eine fremde Wunderwelt ihr gegeben, bald ganz ein­geschlafen!

Run aber kam. als Heimatluft sie umwehte, alles in ihre Gedanken zurück! Sie sah zwei alte, weißhaarige, schmerzgebeugte Leute sah ein kleines hilfloses Kindlein.

Ach. was mochte daraus geworden sein?

Brennende Sehnsucht erfüllte sie. es zu wissen.

Eie hatte es nicht gewollt, nein, gewiß nicht! Aber ihr Widerspruch hatte nichts genützt! Frei wollte er sein, ganz frei nicht durch Familien­bande gefesselt; und sie hatte sich ihm gefügt in ihrer grenzenlosen Liebe und Willenlosigkeit ihm gegenüber mochten auch Herzen darüber in Stücke gehen!

Warum tarnen ihr nur heute Rächt alle diese Gedanken, die sich wie laute Anklagen erhoben und nicht wieder zu verscheuchen waren?

Rie hatte sie so über ihr Leben nachgedacht wie in dieser Stunde.

Als Künstlerin dessen war sie sich bewußt stand sie auf einsamer Höhe. Aber sie hatte sich nicht so auswirken können, wie sie wohl gewünscht. Jahrelang hatte sie keine Gelegenheit gehabt, aufzutreten, und dann hatte er nicht gewollt, daß sie sich durch ein festes Engagement binde. Die gelegentlichen Gastspiele konnten ihren künstle­rischen Ehrgeiz nicht so recht befriedigen; ihm jedoch genügte es so er wollte ja, daß sie in erster Linie für ihn und nicht für die große Masse spielte, die ihm nur lästig war.

Plötzlich riß es sie im Bette hoch ganz deut­lich hatte sie doch klagende Laute vernommen oder ein Röcheln angespannt lauschte sie in das Dunkel hinein da wieder--

Furcht erfüllte sie, daß ihre Glieder zitterten.

Sie machte Licht, stand auf und warf ihren Schlafrock über das leichte Rachtkleid.

lind wenn er ihr zürnte sie mußte der ihr unheimlichen Unruhe Herr werden!

Leise schlich sie nach seiner Tür. Schwacher Lichtschimmer kam durch die Türritze. Er las wohl noch im Bett. Sollte sie wieder umkehren und in ihr Zimmer zurückgehen? Sie wollte ihn doch nicht stören! Aber ein seltsames Gefühl hieß sie bleiben, befahl ihr, die Hand auf den Türgriff zu legen und behutsam zu öffnen. Er müßte doch mehr Rücksicht auf seine Gesundheit nehmen und durste nicht bis tief in die Rächt hinein lesen, dachte sie.

Bon der Schwelle aus nannte sie leise, dann lauter seinen Ramen.

Er antwortete nicht; schien gar über dem Buche, das auf der rotseidenen Decke lag, eingeschlafen!

Sie trat an fein Bett heran. Der rechte Arm

lag auf der Brust, die Hand leicht geballt, der andere Arm hing steif herab. Sie neigte sich über den Schlafenden.

.Sascha, Lieber flüsterte sie und strich dabei kosend über seine Wange. Doch in jähem Schrecken erstarrte ihr Blut voller Entsetzen blickte sie auf den reglos Daliegenden. Der hörte sie nie mehr der würde die Augen nie wieder auf­schlagen und sie voller Liebe ansehen! Rie wieder toüröe sie ein liebes Wort hören denn er hatte sie für immer verlassen war gegangen ohne ein Abschiedswort.

Hatte er gar selbst?

Doch nein das war ausgeschlossen Sünde sogar war dieser schattenhaft auftauchende Ge­danke an dem bleichen, stillen Manne--

Sein Herz, das schwache, hatte einfach nicht mehr mitgetan!

Unberechenbar wie fein Leben, so war auch sein Scheiden, und das. was seit Jahren schon drohend über ihrem Glück geschwebt, war nun so über­raschend, so grausam schnell gekommen, daß sie es nicht zu begreifen vermochte.

Sie drückte ihr Gesicht auf die erkaltete Hand.

.Sascha, du mein lieber, geliebter Mann, warum hast du mir das getan?

Dann brach sie zusammen

War es nicht, als sei ein Steinchen gegen ihr Fenster geworfen?

Ebba öffnete es und spähte hinaus.

Ein feiner Regen sprühte ihr ins Gesicht, daß sie den blonden Kopf schüttelte. Sie blickte nach rechts und nach links; in der Dunkelheit des Sep­temberabends konnte sie aber nichts sehen dafür fühlen cip Paar Männerlippen auf ihrem Munde und hörenmein kleiner Liebling, mein holdes Mädchen, ich muhte dich heute noch sehen meine Sehnsucht nach dir ist so unbändig'groß" wieder fühlte sie seine Küsse; fest wurde sie am Kopf gehalten, und der Der- such, sich zu befreien, gelang ihr nicht.

Hanno!"

Erst muß ich satt werden, du", unb wieder folgte eine Flut von Küssen, die sie geduldig über sich ergehen lassen mußte, eS half ihr kein Wider­streben. Breit stand er vor ihrem Fenster, in seinen Wettermantel gehüllt.

So!" sagte er,nun kannst du mich einlassen oder fortschicken die Hauptsache ist für mich erledigt: meinOluftrag'* an dich! Run hat aber Matz auch einen: ein Küchenmädchen ist plötzlich erkrankt, sie selbst hat eine geschwollene Backe na, und wenn Mamsell Augusta, unsere Matz, nicht wohl ist, sieht es böse auf Reinshagen auS, das weißt du auch! Sie bittet dich, morgen bei den Vorbereitungen zur 3agb zu helfen! Matz hofft übermorgen, am 3agbtag, toieber so weit in Ordnung zu sein! Doch bas können wir auch brinnen erörtern! 3ch komme nach j)om durch den Garten"

,3a die Haustür ist. glaube ich. noch auf* Hanno nahm sich noch schnell eine Wegzehrung mit . auf morgen, mein Allerliebstes. Dann bog er um die Hausecke, während Ebba vorsichtig 1 das Fenster schloß.

Gleich darauf huschte eine schmale Mädchen­gestalt, in ein dickes Tuch gehüllt, vorüber.

Es war Lotte Mähler.

Dodbaft und triumphierend lächelte sie vor sich hin.

Wovon sie jetzt zufällig Zeuge getoorben, war 1 unbezahlbar für sie.

Da sehe einer die Scheinheilige, die Sbba Lenz!" dachte sie,nach außen tut sie so fromm, unb dabei läßt sie sich von einem jungen Grafen am Fenster abküssen! Gut. daß ich es weiß!"

Und wie gerne wäre sie an SbbaS Stelle gc- \ wesen doch, wie sie auch Hanno Reinshagen I in den Weg ging, er sah über sie hinweg, unb ' daS kränkte sie in ihrer Eitelkeit, weil m der Stabt bie Männer sich alle nach ihr umsahen. Sie war viel bei ben Großeltern, weil sie sehr oft ihre Stelle wechselte unb wochenlang nichts sank»; bann waren bie alten Leute ihre Zuflucht, wenn baS Gelb alle geworden.

3m Dorfe war sie nicht beliebt; bie jungen Mäbchen, mit benen sie xur Schule gegangen, kümmerten sich nie um sie. Sie hatte keine Freundin, unb es ärgerte sie boch. bah man sie mied! Unb ihr alter Reib auf Ebba Lenz war ?cblieben. Wenn sie ber hätte etwas zufügen önnen mit Wonne hätte sie es getan* Run war sie froh, bie Gehaßte in ber Hanb zu haben! 5

Die Lehrersleute waren ein wenig verwundert, baß bei bem Wetter unb um biefe Zeit ber junge Graf noch bei ihnen vorsprach unb ihnen Marn- * sells Bitte überbrachte.

Das Wetter. lieber Lenz? Das macht mir boch nichts! Mit Vorliebe streife ich ba mal meine 3agbgrünbc ab. Unb bei ber Gelegenheit war es eine Kleinigkeit für mich, Fräulein Ebba Mam­sells Ditte zu unterbreiten! Allerlei interessante Beobachtungen unb Begegnungen unterlaufen einem ba! Zum Beispiel ist mir ober richtiger bin ich bem Schmiebfranz auffaücnb oft über den Weg gekommen--

Der Lehrer nickte unb sah Hanno Reins­hagen an.

Die beiben Männer hatten sich verstanden.

Wehe ihm. wenn ich ihn erwische!

Er macht seinem Vater viel Kummer!

Der alte Schmied ist ein achtbarer Mann! Darum nehme ich schon mehr Rücksicht, als ich cs in einem anderen Fall tun würde! Vielleicht können Eie ba in wber Schmiebe gelegentlich einen kleinen Wink" geben! 3ch bin nicht so nachsichtig wie mein Vater! 3n meinem Zagb­revier bulbe ich keinen anberen! sagte Hanno sehr bestimmt, unb man sah ihm an, daß es ihm ernst mit seinen Worten war.

(Fortsetzung folgt.)

«er*;

Jede Umhüllung eines MAGGf-Suppen-Würfels gilt-auch wenn sie noch nicht mit Gutschein-Aufdruck versehen ist-als 1 Gutschein.

Beschluß

in bem Vergleichsverfahren über das Ver­mögen des Kaufmanns Leo Abramowih in Gießen, Inhabers der Firma Kaufhaus Hansa in Gießen, ber Firma Simon Pfef­ferkorn in Bayreuth unb ber Firma Joses Hartog in Norben.

1. Der in bem Vergleichstermin vom 5. November 1931 angenommene Ver­gleich wirb hierburch bestätigt.

2. Infolge ber Bestätigung bes Vergleichs wirb bas Verfahren aufgehoben.

Gießen, ben 12. November 1931.

Hessisches Amtsgericht. 7965V

hiine

jung u. strebsam als Provisionsreisender auf bem Lande in Polsterarbeiten all. Art ges. Große unb ausgedehnte Kund­schaft vorband. Ein­tritt sof.Jnter.woll. sich melden bei L. Völxlng, Hoflleter., Groß-Felda.

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DerKongreß tanzt Das gibts nur einmal das kommt nicht wieder. .

Sichern Sie sich Karten im Vorverkauf von 111 Uhr, Kasse Lichtspielhaus. Da in Frankfurt in der ersten Woche allo Vorstellungen ausverkauft waren, ist abends Riesenandrang zu erwarten. Wir bitten daher, nach MögUchkeit die ungekürzt. NachmittagsvorsteUungen besuchen zu wollen. 7953 c

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Breslau, Deli...............

6767

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Chemnitz, Kammerlicht...

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2. Bestimmt:

1 Schreibtisch, Klavier (dunkel Eiche ge­best) unb 1 Schreibtisch.

Wilh. Hebbel

Gerichtsvollzieher in Gießen Wilhelmstraße 6 11 Telephon 4039 Zn unser Hanbelsregister, Abteilung A, Nr. 1, würbe heute bei ber Firma Hörster & Jlkolaus, Cid), folgenbes eingetragen:

Der Gesellschafter Karl Nicolaus ist ge- [ storben. Emst Nicolaus in Lich betreibt I das Geschäft unter ber alten Firma als Cinzelkausniann weiter. 7959D

I Lich, ben 18. November 1931.

I Hessisches Amtsgericht.

Allgemeine Ortskrankenkasse Gleßen-Gtadt.

Die rürfftänbigen Beiträge zur Kranken-, Invaliden- unb Erwerbslosenoersicherung für ben Monat Oktober 1931 können noch bis zum 30. November b. 3. ohne Kosten bezahlt werben. 7950D

Nach Ablauf biefer Frist erfolgt Kosten­berechnung unb evtl. Beitreibung. Die Ein. Zahlung kann täglich, außer Samstags, von 8 bis 1 Uhr bei unterer Kasse ober auf unser Postscheckkonto Amt Frankfurt a. M. Nr. 10833 erfolgen.

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Gießen, ben 21. November 1931.

Hessisches Forstamt Schiffenberg.

Nicolaus.

Zekannlmachvng.

Sei ber am 15. Nov. stattgefunbenen Vorstands- unb Seiratswahl würben nachstehenbe Herren gewählt.

A. Zn den Vorstand:

Ferbinanb 2är - Galli Josef

B. 3« den Beirat:

Frih Austerlitz. mso

Das Protokoll unb bie Anlagen liegen brti Tage lang auf bem Büro des Unterzeichneten offen.

Einwendungen gegen bie Dahl unb gegen Me Perfon bes Gewählten kSn- nen während ber Offeniegungsfrist bei bemfelben vorgebracht werben.

Gießen, ben 23. November 1931.

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