Ausgabe 
23.9.1931
 
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Süddeutscher Herbst.

Bon Wilhelm Housenstein.

Dasßamm" ist ein Gasthaus und steht mitten im Badischen. Es steyt im verjährten Schutz der $burg, nicht weit von dem Weinstädtchen Bühl und von dem meinigen Affental mit den guten Reben.

Wir sind von der yburg niedergefahren, und die Zweige mit den unzählbar vielen roten Aepieln haben das Dach unseres Wagens und fast unsere Scheitel gestreift. Jetzt sitzen wir im Garten. Wir sitzen und sehen rechtshin an den tannengrünen Schwarzwaldbergen hinauf. Links draußen ist die Rheinebene und dann das Elsaß und tfrancreid); wir spuren die Nähe der Rheinebene; wir spüren die Nähe des Stromes und des Flachlandes mehr als daß wir sie sehen ... Bor uns, wie das Altar, bild im Kirchenchor steigt der Weinberg seine Mauerstaffeln hinauf, schaut er ruhend und von Schwere erfüllt auf seine Mauerstaffeln hinunter. Es ist der große Neuweirer Weinberg da steht er, vor uns, lauter Wirklichkeit. In Sayern drüben märe er nur ein Hügel; dort würde er aber auch keine Frucht tragen. Hier trägt er Frucht. Eine Erdenbrust, voll von Säften des Lebens, wölbt sich dem Himmel entgegen und ist ein Berg.

Wir schauen den Weinberg an. Mauerstaffeln wechseln mit Rebstöcken; Grau wechselt mit Grün und Grün mit Grau.

Da wächst der Mauerwein.

Hoch droben in der Mitte der Wölbung steht ein frommes Steinkreuz viel frömmer als wir selbst. Dahinter kommen Kiefern mit rötlichen Stämmen und Pinienhaften Kronen: verwunderliche Gestalten der Unfruchtbarkeit dicht neben dem Reichtum des Rebbergs, der gegen Südwesten schaut, gegen Mit­tag und Abend, und den Glanz der gehenden Sonne empfängt als einen wirkenden Segen.

Wir könnten in der Laube sitzen; dort steht sie wie eine Kapelle, die halb von der Kunst, halb auch von der Natur gebaut ist. Aber mir setzen uns lieber ins ganz Freie, in den Garten rnittenhinein. Er hegt uns genug.

Auf den Wegen, in den Beeten liegen Pflaumen mit weißer Patina, die aussieht wie Reif. Da liegen faulende Aepfel und ungare Birnen und mischen ihren Geruch mit dem herbstlichen Brandgeruch des Erdbodens, auch mit dem Duft von Walnüssen.

Sonnenblumen blühen aus den Astern und Dah. lien; ihr Blühen ist ein wenig matt, ein wenig ab. gelebt fast wie das späte Blühen der Blumen in dem wasserarmen Italien.

Die Beete sind abgeerntet; sie liegen in jener sanften Müdigkeit und Nachlässigkeit, die das intimste

Die neuen Aoiverordnungen.

Vanlcnaufticht Atttenrechlörcform.

Lteueramnestie Londcrncrichle

Wir haben uns allmählich daran gewöhnen können, daß das Wochenende das Gegenteil einer politischen Ruhepause ist, Mangels feststehender Ent­scheidungen haben wir uns wochenlang mit Betrach, tungen darüber beschäftigt, wann, in welcher Reihen- folge und in welchem Gemisch die Entscheidungen getroffen werden. Aber was uns amtlich oder halb­amtlich mitgeteilt oder angebeutet wurde, hat feiten gestimmt. Die Notverordnung über die Reform des Aktienrechts sollte bereits Ende Juli un­mittelbar bevorstehen. Auch die Verhängung einer staatlichen Bankenaufsicht wurde bereits für August erwartet. Die Verlängerung der Steueramnestie hätte bis zum 16. September erfolgen müssen, weil dann die bisher gestellte Frist ab lief. Alle drei Fragenbereiche sind schließlich durch eine Notverordnuna vom 19. September behandelt worden, die im Wortlaut ober erst nach einem neuen ereignisreichen Wochenende am 21. Septem­ber bekanntgegeben worden ist.

Die Mißstände im Aktienwesen sind in den letzten Monaten sozusagen publikumsnotorisch geworden. Der erste Teil der Neichsnotverordnung vom 19. September schafft Kautelen gegen den Er­werb von eigenen Aktien, gegen Bilanzunklarheiten, gegen Häufung von Aufsichtsratsposten, gegen Selbstkreditierunq der Geschäftsführer durch die eigene Gesellschaft und gegen Kliquenherrschaft in Kozernen. Das Maß an Verantwortung und Arbeit, das künftig den zahlenmäßig verringerten Aufsichts- räten obliegen wird, dürste wesentlich dazu bei­tragen, den in Dutzenden von Aufsichtsräten sitzen- den Verbindungsleuten den Geschmack an der Aemterhäufung zu verleihen und sie mit der Be­schränkung der Posten (höchstens 20 Posten in einer Hand und höchstens 30 Plätze in einer Gesellschaft) auszusöhnen. Dieser etwa 800 Druckzeilen umfassende Teil der Notverordnung wird in der Praxis noch manche Fragen und Zweifel aufrollen. Aber jeder Anhänger der Privatwirtschaft wird es begrüßen, wenn an die Stelle der bisherigen Lieferungs- und Belieferungsautokratie großer Finanzkonzerne wie­der eine nur durch Qualitätsleistungen zu erwerbende und zu behauptende wirtschaftliche Wahlverwandt­schaft tritt Auch die Sortierung des neuformulierten § 260b 2 des Handelsgesetzbuchs:Der Jahresabschluß ist so klar und übersichtlich aufzustellen, daß er den Beteiligten einen möglichst sicheren Einblick in die Lage der Gesellschaft gewährt", wird überall dort Sympathie finden, wo man wünscht, daß sich unser Wirtschaftssystem neu bewähren, nicht aber hinter überholte Rechtsnormen verschanzen möge.

Der zweite Teil der Notverordnung vom 19. September behandelt die 2 a n k e n a u f s i ch t. Sie bringt über das hinaus, was bereits vorher belanntgeworden ist, laum etwas Neues. Es hat sich wieder einmal gezeigt, wie mißlich eS ist, von werdenden Dingen Momentphotographien herzustellen und zu veröffentlichen. Dor einigen Tagen brachten Blätter, denen man besondere Beziehungen zum Deichsfinanzministerium nach­rühmt Einzelheiten aus der Festlegung der Be­fugnisse für denNeichskommissar für das Bank­gewerbe". 3n der fertigen Verordnung ist keine Silbe davon enthalten. Wohl sindBefugnisse" vorgesehen- Aber es handelt sich hierbei aus­schließlich um Rechte der Einsichtnahme und der Teilnahme an General- und sonstigen Mitglieder­versammlungen, nicht aber um die Abgrenzung von Eingriffsbefugnissen. Der Reichskommissar wird vielmehr zurBeeinflussung der Bank- bezichungen zum Ausland sowie der Banken­politik vom Standpunkt der deutschen Gesamt» . wirtschaft" Vorschläge auszuarbeiten und dem fünfgliedrigen Kuratorium, an dem er selbst bc- >. teiligt ist, zu unterbreiten haben. Lieber Art und Umfang dieser Beeinflussung ist in der Derord- 7 nung nichts gesagt. Die Reichsregierung will unter keinen Umständen d i e Selb st Verant­wortung der Banken irgendwie einschrän­ken oder gar eine materielle oder auch nur moralische Verantwortung für das private Bank­geschäft gegenüber der Kundschaft übernehmen. Bemerkenswert ist, daß die Ban'enaufsicht als ein Interesse der Banken selbst angesehen wird;

denn die Kosten der neugeschaffenen Dienststelle sollen unter den Privatbanken umgelegt werden.

Die Bestimmungen des dritten Teils der neuen Notverordnung, die sich mit der Verlängerung der Steueramnestie beschäftigen, fordern ernste Kritik heraus. Schon vor einigen Tagen hieß es, ein bereits Ende Juli erörterter Plan, die amne­stierten Fluchtkapitalien d u,r ch eine Zwangs- anleifje zu erfassen und der Dcffentlidjteit dienst­bar zu machen, sei wieder aufgetaucht. Die neue Amnestieverordnung läßt dem Steuerpflichtigen die Wahl zwischen der bisherigen nachträglichen Angabe der verheimlichten Werte, Vermögen oder Einkom­mensteile auf der einen Seite und der Z e i ch n u n g einer 4^prog. steuerfreien Eisenbahn- an 1 eihe auf der anderen Seite. Für diejenigen, die troh dieser Amnestieverlängerung und diesem neuen Anreiz zur Steuerehrlichkeit in der Sünde verharren, werden wesentlich verschärfte Strafen festgesetzt. Die Eröffnung eines zweiten Weges zum Wiedererwerb der Steuerehrlichkeit ist sehr bedenk­lich. Denn die Bemühungen zur Mobilisierung des flüchtigen Kapitals für ein Arbeitsbeschaffungs­programm der Eisenbahn laufen doch praktisch auf eine Prämiierung der Kapitalflucht hinaus. Wer auf das erste Angebot der Steueramnestie bis zum 15. September eine Anzeige gegen sich selbst erstattet hat, muß Steuern nachzahlen, wer aber hartgesottner war und das Weitere ruhig abwartete,, kann sich auch jetzt noch in Sicherheit bringen, indem er die Goldbonds der Eisenbahn zeichnet und sie ruhig in seinem Tresor liegen läßt, uni damit sein Alibi nachweisen zu können, falls die Steuerbehörde ihm doch hinter feine Schliche kommen sollte. Er kann sich also seine Kapitalhinter­ziehung gewissermaßen selbst amnestieren und be­kommt dafür noch ein Goldpapier in die Hand, das zwar nur eine verhältnismäßig geringe Ver­zinsung aufweist, aber dafür in der Steuer bevor- zugt ist und im ganzen genommen, eine wesent­lich höhere Rente abwirft, als im Ausland in Aus­sicht steht. Das ganze scheint uns ein etwas ver­zweifeltes Experiment, das nicht gerade dazu bei­tragen wird, die Moral der bisher noch Steuer­ehrlichen zu unterstützen.

Aber die beiden Wochenendtage, die zwischen der Ankündigung und dem förmlichen Erlaß der Verordnung lagen, haben die Möglichkeit, den zweiten Weg jju beschreiten, überhaupt in Frage gestellt. Am Freitag der vergangenen Woche no­tierte die Hilferding-Anleihe von 1929, die sie­benprozentige steuerfeste Reichsanleihe, an der Berliner Börse 86,5 Prozent. Die sechsprozentige Reinhold-Anleihe von 1927 bedang 71,25 Prozent. Wie wird sich so muh sich der für den zweiten Weg zur Steuerehrlichkeit Optierende fragen die 4,5prozentige Dietrich-Anleihe oder (Dorp­müller-Anleihe) im Kurs stellen? Lind wie wird sie verkäuflich sein, wenn die fünfjährige Sperr­frist für Amnestie-Zeichner abgelaufen fein wird? Hier wird in die Steueramnestie ein spekulatives Clement hineingetragen, das höchst bedenklich ist. Das verstärkt die Bedenken gegen die neue Form der Steueramnestie und gegen das neue Anleihe­experiment. Wir sind der Ansicht, daß es im Hin­blick auf die bevorstehende Reichsnotverordnung und ihre Autorität besser gewesen wäre, wenn man auf künstliche Verlockungen zur Steuermoral verzichtet hätte.

Völlig überraschend kommt auch der Vorschlag, den das Reichskabinett dem Reichspräsidenten unterbreiten will, Sondergerichte nicht nur gegen die Steuerflucht, sondern auch gegenTerror- atte einzurichten. Das klingt wie eine Propagie­rung des Standrechts. Daran scheint aber die Negierung zunächst wenigstens nicht zu denken. Sie will vielmehr wohl nur eine Beschleuni­gung des Verfahrens, die ganzen Straf­taten also, die in dieses Gebiet hineingehören, aus dem Bereich der ordentlichen Gerichte her­auslösen und Sondergerichte ', überweisen. Eine Verbesserung, die zu begrüßen ist, denn die be­schleunigte Justiz wird abschreckend und beruhigend zugleich wirken. Sie wird vor allein dafür sorgen, daß das Vertrauen in die Staatsautorität wieder steigt und gleichzeitig das Verantwortlichkeitsgefuhl gegenüber dem Staat gestärkt wird. Wobei freilich immer wieder der Zweifel offen bleibt, ob auch hier noch mit solchen Mitteln der rollende Stein aufzuhalten ist. Das

Zeichen des Herbstes ist. Die Luft ist lau. Der Himmel ist blaßblau und mit dem Rosa des späten Nachmittags mild angeglüht. Die seltenen Töne der letzten Singvögel fallen einzeln durch den Raum, in dem die Luft und die Zeit still geworden sind fast fallen die letzten Töne der Vögel durch den Raum wie ein Echo, das von langsamen Engelschwingen weggetragen wird.

Nebenan arbeitet die Sägemühle. Sie macht die Musik, die meiner ganz frühen Jugend aufgespielt hat. Man hört Bretter fallen, und man riecht das frisch- geschnittene Holz. Frischgeschälte Balken liegen weiß- glänzend wie ein unbekanntes Metall, in schweren »eigen, und alte Balken sind unter Luft und Regen und Sonne silbergrau geworden. Die Säge kreischt, die Säge singt. Vor uns läuft die Landstraße vorüber und mit ihr der Bach. Der Bach macht uns sicher. Er trennt uns vom Draußen, wie vordem ein Festungsgraben Städte und Schlösser gesichert hat.

Die Erde der Gartenwege ist mit dem Reisigbesen gefegt wie ein Zimmerboden. Die festgetretene Erde ist hell; sie ist mit dem Sand des oberen Rheins vermischt. Die Wege steigen leise an; einige laufen quer wie eine Terrasse. Unser Tisch steht ein wenig schief, ein wenig bergab.

Das Grün der Thuja macht dunkle Flecken in die Welt und verbreitet eine Ahnung der Trauer. Aber nahe steht auch das lichte Weiß und das belebende Rot der Oleanderblüten.

Vor uns auf dem ländlich gedeckten runden Tisch steht der weiße Wein in der gewöhnlichen Glas­karaffe, und die Schüssel mit den gebogenen Forellen. Der Wein ist zartgolden, seine Süße ist nicht zuckrig und feine Frische nicht sauer.

Alles ist mild, und beinahe alles ist hell; vor dem Dunkel des Schwarzwaldes wird das Helle noch heller, und vor feiner baren Landfchaftlichkeit wird die Fruchtbarkeit des Weinlandes noch fruchtbarer; vor feiner Strenge wird das Sinnliche der Frucht­barkeit noch köstlicher und noch sanfter.

Alles ist mild und lebt zum Hellen hin. Es ist das Lamm. Die schöne Unschuld des Augenblicks schenkt uns das schöne Leben noch einmal und ein noch schöneres Leben.

Der Weinberg da ist ein biblischer Weinberg ein Weinberg des Herrn, und was wir trinken, scheint uns weit über das Gleichnis hinaus seinem hingebenden Blut verwandt ...

Aber auch was stillzustehn schien, wird wieder in Bewegung aufgelöst, und nie sind wir da angenom­men, wo wir bleiben dürfen.

Auch dies hier, die Stunde, die dankbar fast schon In der befreienden Unendlichkeit befestigt schien, ist zu Ende.

Kabinett kommt nun einmal um eine orga­nische Wirtschaftsreform nicht herum. Alles andere ist nützliches Rankenwerk, aber grundsätzlich geholfen werden kann damit nicht.

Das Programm des Radikalen Mittelstandes.

Konstituierender Parteitag in Frankfurt a. M.

WSN. Frankfurt a. M., 20. Sept. In Frankfurt a. M. konstituierte sich die Bewegung desRadikalen Mittelstandes" in ihrem ersten Parteitag. Nach eingehenden Referaten wurde die Annahme eines Programms beschlossen, das u. a. in folgende Forderungen mündet: 1. Sozial­einrichtungen gehören in das Gebiet der wirtschaftlichen Selbsthilfe und sind der staat­lichen Finanzierung zu entziehen. 2. Kartell- und Syndikatspreisvereinbarun­gen und Lohntarifvereinbarungen über einen einzelnen Betrieb hinaus sind durch Gesetz für nichtig und strafbar zu erklären. 3. Be­amt e r ist nur, wer Staatshoheitsrechte ausübt, aber nicht, wer wirtschaftliche Tätigkeit verrich­tet. Der Aufgabenkreis sämtlicher Behörden ist entsprechend zu beschränken. Alle Wirt­schafts- und Regiebetriebe der öffentlichen Hand sind aufzulösen. 4. Der Verproletarisrerung der geistigen und künstlerischen Mittelschicht, eben­so wie der wirtschaftlichen Mittelschicht durch Lleberführung der freien Persönlichkeit in ein Angestelltenverhältnis ist entgegenzuwirken. 5. O r g a n i s a t i on s f o r m e n der Wirt­schaf t, die eine Zusammenfassung wirtschaftlicher Herrschaft über die Grenze rein technischer Not­wendigkeit hinaus bedeuten, sind aufzulösen. 6. Die geistige, wirtschaftliche und politische Posi­tion der Mittelschichten des Volkes ist aufs äu­ßerste zu verteidigen. Kredite an den Mit­telstand zu den heutigen Wucherzinsen sind hierzu ungeeignet und wirken flch als Ent­eignung aus. 7. Die sogenannten Repara - tionslei st ungen dürfen nicht wieder aus­genommen werden, weil sie nicht geleistet wer­den können. 8. Lleberführung der durch die Sy- stemkrisis ausgestoßenen Teile der Arbeiterschaft in die agrarische und stadtischeMit- telstandswirtfchaft. 9. Die ehrenamt­liche Tätigkeit ist für die Staatsver­waltung in großemUmfange wieder einzu­führen. Neue Behörden oder Etatsstellen dürfen nicht geschaffen werden. 10. Als Grundlage der Wirtschaft und wichtigstes Mittel zu einer Al­tersversorgung des Einzelnen wird die Befrei­ung des Eigentums von allen staat­lichen Zugriffen und gesetzlichen Beschrän­kungen gefordert Daraus folgt völlige Beseiti­gung jeder Zwangswirtschaft und aller Sonder­steuern.

Die Reichstagung des Shrifillch-Soztalen Volksdienstes

Leipzig, 20. Sept. (CNB.) Aus der Reichs­tagung des Christlich-Sozialen Volksdienstes er­klärte der 2. Vorsitzende Gustav l se r, der Christlich-Soziale Volksdienst sei aus der wachsen­den Abneigung gegen die alten bürgerlichen Par­teien und der gesteigerten Verantwortlichkeit der evangelischen Christen im neuen, religiös-neu- kalen Staate entstanden. Deshalb lehne er auch die rein machtpolitischen und erfolglosenMethoden der alten bürgerlichen Parteien im notwendigen Kampf gegen den Marxismus ab. Der Volks- dienst führe den Kampf gegen d i e marxisti­sche Weltanschauung, indem er sich gleich­zeitig für soziale Gerechtigkeit einsehe und insbesondere die christlichen Gewerkschaften genau so bejahe wie die Standesorganisationen der Handwerker, Dauern und Industriellen. Der Redner würdigte den Nationalsozialis­mus als wertvollen Mitarbeiter an der Erneue­rung von Volk und Staat, lehnte ihn aber als

Im Stehen ergreifen wir die kleinen Gläser, und was daraus über unsere Lippen fließt, ist der kör- perlich gewordene Geist der Himbeere.

Lustige Geschichten einer Schauspielerin.

Allerlei hübsche Anekdoten erzählt die bekannte englische Schauspielerin Cllaline Terriß in ihrem soeben erschienenen BuchGllaline Terriß von ihr selbst". Einmal spielte Miß Terriß mit dem berühmten Theaterdirektor und Schauspieler Sir Herbert Tree zusammen, und die beiden waren in einer Gartenszene allein auf der Bühne, als die Hauskulisse plötzlich mit einem Krach herunter­stürzte. Tree war über diese Katastrophe so ver- blüstt, daß er Tein Wort sagen konnte, und es entstand eine peinliche Pause, bis Miß Terriß die Situation mit den Worten rettete:Rege dich nicht weiter auf, du bringst mal wieder das Haus durcheinander wie gewöhnlich!" Das Pu­blikum brach in ein schallendes Gelächter aus. Von ihrem Gatten Seymour Hicks erzählt die Verfasserin eine lustige Anekdote: Hicks war ein­mal als Gast bei der berühmten Schönheit der victorianischen Zeit, Lily Langtry. Da sie häufig Personen im Gespräch erwähnte, die sie beide gekannt hatten, fragte man Hicks, ob er ihre Wirtin bereits seit langem kenne.Das sollte ich meinen, erwiderte er lustig,ich bin stolz darauf, sagen zu können, daß sie mich auf ihren Knien gewiegt hat." Eine betretene Pause folgte auf diese Anspielung auf das Alter der Gastgeberin, und Hicks, der seinen faux pas wieder gutmachen wollte, machte ihn noch schlimmer, indem er hin­zufügte:Oh, wie oft habe ich aber auch das gleiche mit ihr getan." Ein alter Schauspieler sollte einmal In drei verschiedenen Rollen in demselben Stück auftreten. So hatte es der Regisseur bei der Rollenverteilung angeordnet. Er aber wei­gerte sich entschieden, obwohl man ihm mit Geld­strafen und sogar mit Entlassung drohte. Schließ­lich nahm sich ihn der Direktor vor und fragte ihn, was er denn in aller Welt für Gründe habe. ,.3ch möchte schon gern alle drei Rollen spielen", sagte daraufhin der Mime verzweifelt, «aber ich weiß nicht, wie ich das machen soll, denn zwei von den Personen, die ich darstellen sott, fechten einen Zweikampf aus und die dritte will sie aus­einanderbringen." Auf schlaue Weise zog sich einmal der Schauspieler Charles Hawtrey aus der Verlegenheit, als er eine gerichtliche Vor­ladung bekam. Der Gerichtsbeamte, der ihm die Vorladung überbrachte, erzählte ihm, daß er seine schauspielerische Kunst sehr bewundere.Sehr er­freut", sagte Hawtrey. «Wie wäre es, wenn Sie

Führer bei dieser Ausgabe ab, weil sein christ­liches Bekenntnis von einem unchristlichen Rassen­kultus überwuchert werde und der soziale Gehalt der Bewegung immer unklarer werde.

Die Reichstagung wurde mit der Annahme einer Entschließung geschlossen, in der es u. a. heißt:Der Christlich-Soziale Volksdienst hält gegenüber den auf den Sturz der Regierung Brüning gerichteten Bestrebungen daran fest, daß für ihn angesichts der politischen und wirtschaft­lichen Lage ein Regierungswechsel im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht in Frage kommt. Er ist bereit, die Regierung Brüning auch weiterhin unter Wahrung seiner Entschluhfrei- heit zu unterstützen unter der Bedingung, daß ne den K amps gegendasReparations- ?/,oblem und für die Abrüstung ent­schlossen weiterführt und daß sie sich keine Be­dingungen auf erlegen läßt, die mit einer auf 2ettung und öreifjeit und Neuaufbau gerichteten Polittk unvereinbar ist. Er fordert weiter die Herstellung politischer Führungs­einheit in Reich undPreußen. Er pro- testiert aufs schärfste gegen die ungenügende Ver­tretung unserer außenpolitischen Interessen durch den gegenwärtigen Außenminister, die bei den Verhandlungen über die ZolkÜnttm ihre un­heilvollen Früchte getragen hat.

Oer neue Bad-Nauheimer Kurdirektor.

WSN. Bad-Nauheim, 22. Sept. Zum neuen Kurdirektor in Bad-Nauheim ist (wie wir in einem Teile unserer gestrigen Ausgabe schon berichteten D. Red.) von der hessischen Regierung Direktor Meier aus Bad Harzburg ernannt worden. Seine Anstellung erfolgt zunächst auf Privatdienstvertrag.

Kurdirektor Meier ist 52 Iahre alt und evangelischer Konfession. Er wird seinen Dienst voraussichtlich am 15- Oktober antreten. Meier gehörte vor dem Kriege als Offizier dem Großen Generalstab an. Während des Krieges war ör zunächst an der Westfront und wurde dann als Reichstagskommissar in das Kriegsministerium zurückversetzt. Dann wurde er zur Aufstellung des polnischen Heeres nach Warschau berufen und zum Chef der AbteilungPolnische Wehr­macht" ernannt. Auf Veranlassung des Kriegs­ministers v. Stein ging er Ende 1917 als Be­vollmächtigter des preußischen Kriegsministeriums in öle Türkei und in den Kaukasus. Nach seiner Rückkehr in die Heimat war er Chef einer Mini- sterialabteilung im Kriegsministerium. Im Herbst 1919 trat er bei der Metallgesellschaft Frank- furt a. M., Abteilung Berlin, ein, leitete von 1920 bis 1926 als Direktor eine Tochtergesell­schaft dieser Firma und war bis zur StiUegung der Fürst-Stolberg-Hütte in Ilsenburg dort kauf­männischer Direktor, von wo er die Leitung des Bades Harzburg übernahm.

Rundsunkprogramm.

Donnerstag, 24. September.

7.00: Frühkonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert. 15.30: Stunde der 3u- genö. 17.05: Pforzheim: Nachmittagskon- zert des Symphonieorchesters Pforzheim. 18.40: Zeitfragen. 19.00:Der Neoklassizismus in der Musik", Gespräch zwischen Dr. Heinrich Strobel und Dr. Theodor Wiesengrund-Adorno. 19.45: Die drei Optimisten. Ein bunter Abend. 20.30: Die Betteloper (The Beggars Opera). Wie sie aufgeführt wurde in dem Königlichen Theater in Lincolns-Inn Field (Anno 1728). 22.30: Brief­kasten. 23.00 bis 24.00: Tanzmusik.

Freitag, 25. September.

7.00: Frühlonzert auf Schallplatten. 12.05: Schallplattenkonzert: Wagner-Konzert. 15.20: »Das Reichskursbuch", Vortrag von Postlnspektor Reiländer. 17.05: Bad Homburg: Konzert des Kurorchesters. 18.40: Franz Schober", Vortrag von Heinz Gorrenz. 19.05: Aerztevortrag:Kör­per- und Schönheitspflege der Frau". 19.45: Karlsruhe: Llnterhaltungskonzert des Badischen Landestheaterorchesters. 21.00: Komödie der Eifersucht. Ein Schwank für den Rundfunk in drei Akten. 22.35 bis 23.30: Tanzmusik.

mich einmal in der nächsten Woche in meiner neuesten Rolle bewundern würden? Ich werde Ihnen einen Schein für freien Eintritt ausstellen." Er ging an seinen Schreibtisch, schrieb etwas und überreichte dann dem Manne einen geschlossenen Llrnschlag, indem er sagte:Gegen Sie das nächste Woche an der Kasse vor." Der Gerichtsbeamte tat das. Aber als der Kassierer den Llrnschlag öffnete, fand er darin den Vorladungsbefehl, den der Mann vor einer Woche überbracht hatte. Dieser war entsetzt.Ich will sofort in die Gcä> derobe von Hawtrey gehen", rief er,und ihm die Ladung noch einmal zustellen."Das wird Ihnen schwer werden", sagte der Kassierer.Herr Hawtrey ist vorgestern zur Erholung nach Hom­burg gereift."

Zeitschriften.

Hessenlan d", Monatsschrift für Landes­und Volkskunde, Kuüft und Literatur Hessens, in Verbindung mit Fachberatern herausgegeben von Dr. C. Hitzeroth. Verlag N. G. Eiwert, Mar­burg. Heft 8 bringt mehrere Aufsätze über Eschwege und über Wolfbagen, das seine 700-Jahr-Feier be­gehen konnte. Aus dem sonstigen Inhalt sei erwähnt der Artikel von K. von Baumbach über ftirmes- aebräuche in Oberhessen und die Würdigung des Im Alter von 94 Jahren verstorbenen ehemaligen Ober­bürgermeisters von Marburg, Ludwig Schüler. Heft 9 bringt vor allem den Vortrag von H. Mö­bius über Geschichte und Ausgabe der Dorgeschichts- Forschung im ehemaligen Kurhessen. Die Lebens­schicksale desWolgadeutschen" Joh. H. Fuchs wer­den zu Ende geführt. Dr. Becker würdigt die Vor­tragsreiheSüdwestdeutschland" als Kultur- und Wirtschaftseinheit. Joh. H. Schwalm erzählt von vergessenen und im Vergessen begriffenen Arbeiten des Landwirts. K. Hörger spricht über das neuartige Lebensbild der Heiligen Elisabeth von Elisabeth Busse-Wilson

Hochschulnachnchten.

Der Prioatdozent für forstliche Betriebs- und Produktionslehre an der Münchener Universität, l)r. oec. publ. Anton R ö h r l hat zum 1. April 1932 einen Ruf auf einen Lehrstuhl der Forstwissenschaft in der Abteilung Forstliche Hochschule der Technischen Hochschule zu Dresden angenommen und bereits seine Ernennung zum Ordinarius an der Dresdener Technischen Hochschule, sowie zum Mitglied der sächsischen Forstlichan Versuchsanstalt Tharandt erhalten.