Ausgabe 
23.9.1931
 
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Vor dem französischen Siaaisbesnch in Serlin.

Der neue Botschafter Kran^ois Poncet beim Reichspräsidenten

Botschafter Franxois Poncet verläßt das Palais des Reichspräsidenten.

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Berlin, 29. Sept. (WTB.) Der Herr Reichspräsident empfing heute den neu­ernannten französischen Botschafter Herrn Fran­cois -Poncet zur Entgegennahme seines Be­glaubigungsschreibens. Der Botschafter wurde nach dem üblichen Zeremoniell durch den Ches des Protokolls Graf Tattenbach abgeholt und im Wagen des Reichspräsidenten zum Präsi­dentenpalais geleitet; das Dotschastspersonal folgte in besonderen Wagen. Im Borhof des Prä­sidentenhauses erwies eine Ehrenwache dem Bot­schafter die militärischen Ehrenbezeugungen. An dem Empfang nahmen außer den H rren der Um­gebung des Reichspräsidenten Staatssekretär Dr. v. Bülow in Vertretung des zur Zeit, in Genf weilenden Reichsministers des Auswärtigen teil.

Oer Botschafter

hielt folgende Ansprache:Herr Reichspräsident! Ich habe die Ehre, Ew. Exzellenz das Schreiben zu überreichen, durch das ich als außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der französischen Republik bei Ihnen beglaubigt wurde. Die hohe Mission, mit der ich betraut, ist mir unter Ver­hältnissen übertragen worden, die zu mancher BesorgnisAnlaß geben. Die gesamte Welt leidet unter einer W i r t s ch a f t s - und F i -- nanzkrise, die sich seit Monaten sortseht, die nun schon unter den Völkern ein Gefühl der Un­ruhe verbreitet. Diese Lage erfordert von allen StaateninsbesonderevonFrankreich und Deutschland, daß sie ihre Anstren­gungen auf eine zie IbewußteZusammen- arbeit richten. Dies ist die Ueberzeugung der Regierung der französischen Republik. Sie hat sie in Genf ausgesprochen, sie hat sie den deutschen 1 Ministern gelegentlich ihres Besuchs in Paris zum _ Ausdruck gebracht. Sie wird sich zu dieser Ueber- * zeugung demnächst i n Berlin erneut -t bekennen. Die französische Regierung wünscht mit allen ihr zur Verfügung stehenden Kräften den Beziehungen zwischen den beiden Rachbar­ländern das Höchstmaß an Festigkeit und Sicherheit zu geben.

Reichspräsident von Hindenburg

erwiderte u. a.:Herr Botschafter! Sie treten Ihr hohes und verantwortungsvolles Amt in einer besonders schweren Zeit an. Die große

Gefahr, welche die außerordentliche Wirtschafts­krise für die ganze Welt bedeutet, ist auch nach meiner Lieberzeugung nur durch Zusam­menwirken aller Völker zu bannen. Bei solcher gemeinsamen Abwehr von Rot und Zu­sammenbruch hat das Schicksal Deutschland und Frankreich eine besondere Auf­gabe zugewiesen. Sie wird dann erfolgreich zum Heile Europas und der gesamten Welt ge­löst werden können, wenn die beiden Völker an siemit'öemWillenzurDerständigung im Geiste aufrichtiger Zusammen­arbeit Herangehen. Die 'Absichten der franzö­sischen Regierung, ein solches gedeihliches Zu­sammenwirken auf der Grundlage vertrauens­voller Beziehungen herbeizuführen, begegnen durchaus unseren aufrichtigen Wünschen, deren Erfüllung auch der bevorstehende Besuch der führenden Staatsmänner Frankreichs in Berlin fördern möge.

Laval und Briand treffen am Sonntag in Berlin ein.

Grandis Bemch Ende Oktober erwartet.

Paris, 22. SepL (2BIB.) Die aus der Um­gebung des Ministerpräsidenten Laval verlautet, werden Laval und Außenminister Briand a m k o m - menden Samstag um 1^.25 Uhr mit dem Rordexpreh aus Paris abreisen und am Sonntag u m 8.37 Uhr in Berlin eiutreffen. Sie werden Berlin am Dienstag verlassen.

Die Nachricht, daß die deutsche Regierung den italienischen Außenminister Grandi für Anfang Oktober, also kurz nach dem fran­zösischen Gegenbesuch, nach Berlin einge- ladcn hat, trifft nicht zu. Der deutsche Außen­minister Hal vielmehr während der Genfer Tagung den italienischen Außenminister gebeten, Ende Oktober nach Berlin zu kommen. Der italie­nische Außenminister wird auf der Reise nach Berlin von seiner Gattin begleitet werden, lieber die Frage eines Gegenbesuches Mussolinis ist im Augenblick n o ch n i ch t entschieden.

Oer Konflikt um die Mandschurei vor dem Völkerbundsrat

Genf, 22. Sept. (WT2.) Zahlreiches Publikum und eine große Menge Pressevertreter hatten sich zu den Verhandlungen des Dölkerbundsrates über den chinesisch-japanischen Konflikt einge­funden, der durch China auf Grund des Ar­tikels 11 des Völkerbundspaktes dem Rat vor­gelegt wurde. Der Vertreter Chinas im Rat Sze (Gesandter in London) schilderte die Ereig­nisse in der Mandschurei und erklärte, daß von der Okkupation ein Gebiet von der Größe Groß­britanniens und Irlands betroffen sei. Er schloß mit der Ankündigung, China werde eventuell auch unter Berufung auf andere Artikel als Artikel 11 des Paktes weitere Anträge beim Völkerbundsrat stellen. Der Vertreter Japans im Rat, der Ge­sandte in London, Boshisawa, beantragte, die Verhandlung auf die nächste Sitzung des Völkerbundsrats zu vertagen, da er unge­nügend informiert sei. Die japanische Re­gierung habe ihre Truppenkommandanten ange­wiesen, alles zu unterlassen, was den Konflikt verschärfen könnte. Japan wolle keinen Krieg gegen China und würde auch den Vorschlag auf Eröffnung direkter Verhandlungen zwischen beiden Ländern sehr begrüßen. Durch übereilte Schritte werde jedoch die öffentliche Meinung in Japan unnötig erregt und die fried­liche Erledigung des Zwischenfalles erschwert.

Der Präsident des Völkerbundsrats L e r r o u x bat hierauf um folgende Vollmacht: Erstens einen dringenden Appell an die Regierungen von China und Japan zu richten, sich jeder Hand­lung zu enthalten, die geeignet wäre, die Si­tuation zu verschlimmern oder der friedlichen Regelung der Frage vorzugreifen, zweitens in Verbindung mit den Vertretern Chinas und Japans die geeigneten Mittel zu suchen, die es den beiden Ländern gestatten, sofort zur Zu­rückziehung ihrer Truppen zu schreiten. Der chinesische Delegierte beantragte, die nächste Sitzung des Völkerbundsrates möglichst bald, am besten schon morgen, stattfinden zu lassen. Der japanische Delegierte erklärte, er könne sich diesem Verlangen nicht anschließen, da er die I n -

struktionen seiner Regierung ab­warten müsse. Schließlich wurde beschlossen, die nächste Sitzung sobald wie möglich, d. h. also nach dem Eintreffen der Instruktiv- n e n des japanischen Außenministeriums, statt- finden zu lassen.

Verschärfung der Lage im Fernen Osten.

Japanische Truppen auf dem Marsch nach (Shurbin

London, 23. Sept. (WTB. Funkspr.)Times" melbet Tokio: Gestern abend eingetroffenen Telegrammen zufolge sind japanische Trup­pen nach Lharbin unterwegs. Abgesehen von diesem Vormarsch in dem besetzten Gebiet sind nur kleinere Scharmützel, aber keine größeren mili­tärischen Vorgänge von Bedeutung zu verzeichnen. Gegenwärtig hat Japan 1 4 0 0 0 211 a n n in der Mandschurei, darunter 3900, die in den letzten Tagen von Korea dorthin entsandt wurden, ver­tragsgemäß darf Japan 15 000 Soldaten in der Mandschurei zum Schuhe der südmandschu- rischen Eisenbahnen halten. Solange diese Zahl nicht überstiegen wird, entsteht nach Japans Auffassung ke i n e internationale Frage.

DemDaily Telegraph" meldet sein Korrespon­dent im Fernen Osten, Japan halte jetzt die stra­tegischen Punkte in der Mandschurei völlig unter seiner Kontrolle. Die japanische Re­gierung habe sich vor der vollendeten Tatsache ge­beugt, vor die sie durch ihre militärischen Befehlshaber gestellt worden sei. Daß sie die Ration hinter sich habe, stehe außer Zweifel. Die Regierung habe zwar gestern versichert, daß die japanischen Truppen nicht über Tschang- tschun hinaus nach Rorden vorrücken würden, aber die 4000 in Lharbin lebenden Japaner seien in

ernster Gefahr, und im Rotsall würden die Japaner zweifellos in die russische Jnteressen- sphäreeindringen. Eine Besetzung von Lhar­bin würde die russische Eisenbahnverwaltung mit der Mandschurei abschneiden. Die japanischen Militär­behörden träfen Vorbereitungen zur völligen Besetzung der Mandschurei einschließlich der chinesischen Eisenbahnen und- f e n. Die ausländischen Banken in Mukden hätten bis auf weiteres geschlossen.

Ehiangkaischek fordert zur Einigung Chinas auf. Starke Erregung gegen das japanische

Vorgehen

Paris, 23.Sept. (WTD. Funkspruch.) Der Berichterstatter desPetit Parisien" in Schanghai stellt die baldige Besetzung Charbins durch die Japaner in Aussicht. Charbin sei der Zufluchtsort der vor dem japanischen Vormarsch zurückweichenden Mandschu-Truppen. Die chine­sische Bevölkerung von Charbin sei gegen die Ja­paner sehr aufgebracht und habe gestern Bomben gegen das japanische Kon­sulat, die koreanische Bank, das Gebäude einer japanischen Zeitung und einer japanischen Gesell­schaft geschleudert. Opfer seien nicht zu beklagen. Die Menge habe auch japanische Läden mit Steinen beworfen. Der japanische Konsul in Charbin habe

den Kommandierenden der japanischen Armee um Hilfe gebeten unter Hinweis darauf, daß die in Charbin lebenden 4000 Japaner sich in Ge­fahr befänden. Der kommandierende General habe die verfügbaren Truppen der 2. japanischen Divi­sion angewiesen, sich für den Abtransport nach Charbin bereit zu machen. Man berichtet sogar, daß er bereits den Abmarschbefehl erteilt habe, obwohl die Regierung von Tokio zögere. Als Gesamtverluste würden von japanischer Seite angegeben: 68 Tote, darunter 3 Offiziere, und 95 Verletzte, darunter 1 Offiziere.

Der gleiche Berichterstatter meldet, daß C h i - angkaischek eine Kundgebung veröffentlicht habe, in der China zur Bildung einer ge­meinsamen Front gegen die Japaner aufgefordert werde. Wenn der Völkerbund, an den China appelliere, die Mandschurei nicht be­freie, so werde er Ehiangkaischek die ch i n e - s i s ch e n T r u ppen in denKampf führen und nötigenfalls auf dem Schlachtfeld fallen, um die nationale Ehre zu retten. Eine große anti­japanische von Studenten und Beamten veranstal­tete Kundgebung habe gestern in Ranking statt­gefunden. Die japanischen Frauen und Kinder würden heute Ranking verlassen, um nach Schanghai zu flüchten. Es sei eine ^S e r st ä r - kung des japanfeindlichen Boykotts eingetreten. Die Rankingregierung sei optimistisch, da sie angesichts der Gefährung der nationalen Souveränität eine Einigung mit der Kan­tonregierung zu erreichen hoffe.

Zuversichtliche Stimmung in England.

Wiederöffnung der Börse. - Oie Regierung spricht sich gegen unnö.ige Wareneinfuhr und Auslandreisen aus.

London, 23. Sept. (WTB. Funtspruch.) Die Londoner Blätter zeigen über die jüngsten Ereig­nisse auf dem Gebiete der englischen Finanz- und Währungswirtschaft nach« wie vor völlige Ruhe und tun ihr Bestes, um dieses Gefühl auch im Publikum aufrecht zu erhalten. Sie weisen darauf hin, daß die heutige Eröffnung der Fonds-Börse den besten Beweis für das unerschütterliche Vertrauen liefere, das in die finanzielle Zukunft des Landes gesetzt werde. Financial Times" sagt, die Aussichten über die Haltung des englischen Publikums am heutigen Tage seien nicht ungünstig, es müsse aber damit gerechnet werden, daß ausländische In­haber britischer Staatspapiere zu Realisierungen schreiten würden, nachdem den Papieren die Goldunterlage entzogen worden sei. Financial Rews" meint, die Folgen des Beschlusses der Börseneröfsnung würden sich sehr schwer abschähen lassen; man müsse sich darauf gefaßt machen, daß heute auch in ganz sicheren Staatspapieren Kursverminderungen eintreten könnten.Times" warnt die Inhaber briti­scher Staatsanleihen vor derTorheit" ihren Besitz nur aus dem Grunde zu veräußern, weil dos Land die kostspielige und wirkungslose Poli­tik aufgegeben habe, das Pfund Sterling durch Aufnahme neuer Anleihen über seinem na­türlichen Riveau z,u halten. Das Blatt erinnert an Frankreich, dessen Kredit sich nach Eintritt der Entwertung des Francs und nach Ausgleich seines Budgets ständig ge­bessert habe.

Der Handelsminister Cunliffe Li st er erklärte im Unterhaus, es sei die klare Pflicht jedes britischen Untertanen im gegenwärtigen Zeitpunkt, der briti­schen Industrie durch den Kauf britischer Waren alle Unterstützung zuteil werden zu lassen. Jeder, der auswärtige Waren unnötig ein« führe, erweise seinem Lande einen schlechten D i e n st, und die Regierung vertraue darauf, daß sowohl Konsumenten wie Produzenten diese gemein­same Pflicht anerkennen würden.Daily Tele­graph" sagt, ein Z o l l t a r i f sei trotz der natürlichen Hemmung der Einfuhr infolge der Wertminderung des Sterlings unbedingt notwendig. Groß­britannien befinde sich jetzt in einer Lage, wo es nu r an s i ch s e l b st und an seine eigene Industrie und an nichts anderes denken dürfe. DieTimes" glaubt daß eineüberraschend große Anzahl" libe­raler Unterhausmitglieder für eine Tarifpolitik ge­wonnen sei.

Schatzkanzler Snowden mahnte im Rundfunk zur Vermeidung von Angsteinkäufen und Hamsterei.

Das Land fei so reichlich mit den nötigen Waren versorgt. Jeder Versuch, aus der Rot des Landes Nutzen zu ziehen, werde unnachsichtlich verfolgt wer­den. Der Schatzkanzler bat noch, von Vergnü­gungsreisen in das Ausland Ab st and zu nehmen und schloß, die Tatsachen rechtfertigten das Vertrauen, daß Großbritannien so wie nach gefahrvoller Vergangenheit auch diesmal nach der Krise mächtiger und wohlhabender als zuvor dastehen werde.

Frankreich und die Krisis.

Blätierftimmen zum geplanten Besuch Lavals in Wach ngton.

P a r i s, 22. Sept. (WTB.) Der Ernst der durch die englische Krise geschaffenen Lage wird in der französischen Presse eingehend erörtert. Es fehlt nicht an Stimmen, die vor allzu großem Vertrauen zur französischen Wäh­rung warnen. Der Gedanke bricht sich Bahn, daß die Verflechtung der wirtschaftlichen und fi­nanziellen Interessen sofort eine großzügige i n - ternationale Zus ammenarbeit ver­langt. In diesem Zusammenhang wird die Ber­liner Reise des Ministerpräsidenten Laval und des Außenministers Briand, vor allem aber auch eine Begegnung desPräsidentenHoo- ver mit Laval als besonders bedeutungsvoll angesehen. Einige Blätter versuchen allerdings, den Schwerpunkt der französisch-amerikanischen Zusammenarbeit auf das Politische abzustellen.

Avenir" betont, die Sterlingskrise drohe sich auf die Weltwirtschaft auszuwirken, und Dollar und Franks hätten einigen Anlaß, darüber be­sorgt zu fein. Das Blatt nimmt aber bereits jetzt Stellung zu den Reuhorker Rachrichten, wo­nach Präsident Hoover angeblich beim Besuche Lavals das Abrüstungsproblem, die Ausdehnung des Hooverfeierjahres, die Er­neuerung der Deutschland bewilligten kurzfristi­gen Kredite und vielleicht sogar eine neue Re­vision des Boungplanes anschneiden will. Derartige Rachrichten mühten die Ansicht auf­kommen lassen, daß Frankreich wieder einmal unter Benutzung von Zwischenfällen, für die es nicht verantwortlich fei, in eine Politik sog. So­lidarität hineingezogen werde, die immer wieder darauf hinauslaufe, Frankreich für das von an­deren angerichtete Unheil finanziell bühen zu lassen und dem französischen Volke Ansprüche zu nehmen, die es auf Grund seines Sieges besitze.

Die Sparnoiverordnung Sachsens, starke Beschränkung des Berwaltungö- avvaratc.

Dresden, 22. Sept. (WTB.) Die sächsische Regierung hat die seit einiger Zeit angekündigte Sparnotverordnung veröffentlicht. Vorgesehen ist die Einziehung aller irgend entbehrlichen Deam- tenstellen, Verringerung der Zahl der Amtshauptmannschaften um drei, und der ZahlderAmtsgerichteum sechs, sowie die D e r e i n i g u n g der Kreishauptmannschaften Bautzen und Dresden, ferner die Auf­lösung des L a n d e s k r i m i n a l a m t es , einer Anzahl Forstämter, Straßen- und Wasser­bauämter und zweier Landbauämter. Das Berg­amt Freiberg soll mit dem Bergamt Dres­den vereinigt werden. Weiter ist die Strei­chung der sächsischen Gesandtschaft in Berlin vorgesehen. DieSächsische S t a a t s z e i t u n g" soll durch ein Bekannt- machungsolatt erseht werden.

Der zweite Teil der Rotverordnung beschäftigt sich mit der Sicherung des Staatshaus­halts. In bezug auf die S ch l a ch t st e u c t wird bestimmt: Ausgleichsteuer für das nach Sach­sen eingeführte Fleisch und Fleischwaren in Höhe von 8 vis 12 Pf. für 1 Kilogramm; Zuschlag von 50 v. H. zur Schlachtsteuer und zur Ausgleichsteuer für die Zeit vom 1. Oktober 1931 bis 31. März 1933. Die Gerichts- undVerwaltungs- kosten werden neu festgesetzt.

Der dritte Teil der Rotverordnung betrifft die Senkung der Personallasten. Dieser Abschnitt sieht eine allgemeine Gehalts­kürzung für Beamte vor. Die Pensionen sind ebenfalls herabgesetzt. In Gemeinden bis zu 4000 Einwohnern werden die Ge­schäfte der unteren Verwaltungsbehörde auf die Amtshauptmannschaften übertragen.

Berliner Börse.

Berlin, 23. Sept. (WTB. Funkspruch.) Auch heute vormittag fand kein Freiverkehr statt. Mit Spannung erwartet man die Beschlüsse des Börsenvorstandes die Sitzung beginnt bekanntlich heute um 16 Uhr über die Wiederaufnahme des

Effektenverkehrs an der Berliner Börse, nachdem London heute seine Pforten wieder geöffnet hat. lieber die Form (ob variabler, ob Kassa- oder Frei­verkehr) gehen die Ansichten anscheinend noch etwas auseinander. Heute findet, wie gestern, wieder eine Sprechbörse statt, d. h die Börsenräume sind für den Aufenthalt der Besucher geöffnet. Am Devisenmarkt horte man rein nominell für Pfund gegen Kabel 4,20, für Pfund gegen Mailand 87,4, Pfund qegen Spanien 46,90.

Aus aller Welt

Berliner Krawalle vor dem Schnellgericht.

Wegen schwerer Krawalle, die sich am israeliti­schen Reujahrstag am Kurfürstendamm in Ber­lin abgespielt hatten, standen 34 Ration al- s o z i a l i st e n vor dem Schnellschöffengericht. In dem Prozeß beantragte der Staatsanwalt gegen die als Rädelsführer angeklagten Rationalso­zialisten, den stellv. Sturmführer Ponke, den Lei­ter der Stabswache SA., Gewehr, und gegen den Iungstahlhelmführer Brandt wegen schweren Landfriedensbruches in Tateinheit mit Aufrei­zung zum Klassenhaß eine Strafe von je zwei Jahren Zuchthaus und Ehrverlust auf die Dauer von drei Jahren. Die Strafanträge gegen die anderen Angeklagten bewegten sich von zwei Jahren bis ein Jahr neun Monate Gefü','nis. Das Urteil lautete für drei Angeklagte au ein Jahr neun Monate Gefängnis. Bei 24 Angeklag­ten schwanken die Strafen zwischen einem Jahr sechs Monaten und neun Monaten Gefängnis. Sechs Angeklagte wurden freigesprochen.

Starke Einschränkungen des Baumwollanbaues in Texas.

Der Senat und das Abgeordnetenhaus haben eine Gesetzesvorlage angenommen, durch die das 1932/33 mit Baumwolle zu bebauende Gebiet auf 30 Prozent der bisherigen An­baufläche beschränkt wird. Die südlichen Staaten sind im allgemeinen für die Einschrän­kung der Anbaufläche, haben aber auf den Schritt der gesetzgebenden Körperschaft von Texas ge­wartet, da Texas ein Drittel der amerikanischen Baumwolle erzeugt.