Ausgabe 
23.7.1931
 
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mäßig gering bei den Kasseneinnahmen sich auS- gewirkt hat. Durch die neue Gehaltskürzung der dritten Notverordnung wird das bisherige gün­stige Ergebnis allerdings wesentlich beeinträchtigt werden.

Aus der Provinzialhauptstovt.

Gießen, den 23. 3uli 1931.

Oer grüne Knollenblätterpilz

unser gefährlichster Giftpilz.

Die Kenntnis dieses gefährlichsten Giftpilzes ist leider noch viel zu wenig verbreitet, was durch die alljährlich wiederkehrenden Pilzvergiftungen bewiesen wird. Der grüne Knollenblät­terpilz ist dabei der Hauptübeltäter. Auf sein Schuldkonto sind die meisten tödlich ausgehenden Pilzvergiftungen zu verbuchen, in manchen Jah­ren bis zu zirka 100 Todesfälle in Deutschland.

Sein Hut ist gelblich bis grünlich, meist etwas faserig geflammt' er kann aber auch ganz weiß­lich Vorkommen und somit Anlaß geben zu einer Verwechslung mit dem Champignon. Blätter, Fleisch und Stiel des Knollenblätterschwammes sind weißlich. Der Stiel ist zuweilen etwas gelb-grünlich getönt. Das wichtigste Merkmal des Knollenblätterpilzes ist der Knollen am Stiel­grund, oft allerdings ganz unsichtbar, weil er mehr oder weniger in den Boden eingesenkt ist. Die weißlichen Hautfehen am Rande des Knollens umschließen in der Jugend den ganzen Pilz. Diese Jugendformen des Knollenblätterpilzes sind ganz weih und kommen ähnlich wie Boviste aus dem Boden. In seinem oberen Teil trägt der Stiel einen herabhängenden Weißen Ring, wel­cher als Schleier die Blätter in der Jugend schützend überspannt. Der ganze Pilz wird ge­wöhnlich ungefähr 10 bis 12 Zentimeter breit und ebenso hoch. Der Geruch dieses gefährlichsten Giftpilzes ist honigartig-sühlich, bisweilen wider­lich-süßlich, aber nicht unangenehm kartoffelkeim­artig, wie das meistens angegeben wird. Der grüne Knollenblätterpilz wächst im Laubwald, be­sonders unter Eichen.

Eine Verwechslung des grünen Knollenblätter­pilzes z. B. mit dem Champignon, dem Grünling oder mit den grünen Täublingen kann nur durch gröblichen Leichtsinn entstehen. Der Champignon ist leicht an den anfangs rosa, zuletzt dunkel scho» kvladebraun werdenden Blättern auf der Hut­unterseite zu erkennen. Eine knollige Scheide am Stielgrund fehlt ihm; der Geruch der Champgi- nonarten ist angenehm würzig, öfters anisartig. Der im Kiefernwald vorkommende Grünling ist so­fort kenntlich an seiner mehr oder weniger gelben Farbe in allen Teilen; knollige Scheide und Ring fehlen ihm gänzlich, wie dies auch bei den Täub­lingen der Fall ist. Eßbare grüne Täublinge sollte nur der Kenner sammeln.

Rach dem Bericht der medizinischen Fachkom­mission der Deutschen Gesellschaft für Pilzkunde kann eine Gabelspitze voll vom grünen Knollen- blätterschwamm den Tod herbeiführen. Die Ge­fährlichkeit ist deshalb so außerordentlich, weil die Giftwirtung sich erst nach 6 bis 40 Stunden, meist mit Erbrechen und Durchfall, äußert. Bei den ge­ringsten Anzeichen einer Pilzvergiftung sollte man für sofortige gründliche Entleerung von Ma­gen und Darm durch Brech- und Abführmittel sorgen, wie auch für sofortige ärztliche Hilfe.

Man hüte sich vor allen ähnlichen Pilzen, die eine Knollenscheide am Stielgrund besitzen Es gibt bei uns noch eine ganze Reihe von anderen Knollenblätterpilzarten, die zum Teil ebenfalls sehr giftig sind (Fliegenpilz, Pantherpilz usw.).

Rur solchePilze darf manessen, die man ganz genaualsunschädlichkennt. Im Zweifelsfalle wende man sich an die nächste Pilzberatungsstelle, oder an die Deutsche Gesell­schaft für Pilzkunde, Darmstadt (Hessische Lan­desstelle für Pilz- und Hausschwamm-Beratung).

Taten für Donnerstag, 23. Juli.

Sonnenaufgang 4.36 Uhr, Sonnenuntergang 20.26 Uhr. Mond auf gang 15.15 Uhr, Mond­untergang 23.28 Uhr.

1532: Religionsfriede zu Nürnberg; 1562: Ritter Götz von Derlichmgen in Hornberg ge­storben; 1914: Ultimatum Oesterreich-Ungarns an Serbien

Gietzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 140 bis 150 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 10 bis 12, Weißkraut 10 bis 12, Rotkraut 12 bis 15,

Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10,

Dohnen 8 bis 15, Dohnen (dicke) 10 bis 15, Erbsen 10 bis 15, Mischgemüse 8 bis 10,

Tomaten 20 bis 40, Zwiebeln 10 bis 15, Kartoffeln 5,5 bis 6 (pro Zentner 4,50 bis 5 Wk.), Pilze 20 bis 25, Frühäpfel 30 bis 35. Falläpfel 6 bis 8, Aepfel (ausl.) 50 bis 60, Dirnen 25 bis 35, Dörrobst 30 bis 35, Kirschen 20 bis 35, Sauerkirschen 30 bis 35, Johannisbeeren 20 bis 25. Himbeeren 35 bis 40, Stachelbeeren 20 bis 25, Heidelbeeren 20 bis 25, Pflaumen 45 bis 50, Zwetschen 30 bis 35, junge Hähne 90 bis 110, Suppenhühner 90 bis 100, Pfirsiche 40 bis 50, Honig 40 bis 50 Pf. pro Pfd.; Tauben 50 bis 70, Eier 9, Blumenkohl 30 bis 70, Salat 5 bis 10, Salatgurken 15 bis 25, Einmachgurken 2 bis 5, Lauch 5 bis 10, Rettich 10 bis 15, Sellerie 10 bis 15, Oberkohlrabi 8 bis 10 Pfennig pro Stück; gelbe Rüben 8 bis 10, rote Rüben 8 bis 10, Radieschen 10 bis 15 Pfennig pro Bund.

** Fortbildungs-Lehrgang f ü r Aerzte in Bad-Nauheim. Die Vereini­gung der Bad-Nauheimer Aerzte veranstaltet vom 17. bis 19. September in der Dorlesehalle des Kerckhoff-Jnstituts in Bad-Nauheim ihren achten Fortbildungs-Lehrgang überKreislauf­erkrankungen und ihre Behandlung". Namhafte Aerzte des In- und Auslandes referieren über die verschiedenen Spezialgebiete.

** Verlorene Sparbücher. Die De- zirkssparkasse Gießen macht im heutigen An­zeigenteil darauf aufmerksam, daß die in dieser Bekanntmachung genannten Inhaber von ver­lorengegangenen Einlagebüchern und Hinter­legungsscheinen ihre Ansprüche innerhalb von drei Monaten geltend machen müssen. Inter­essenten seien besonders darauf hingewiesen.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* Das Amtsverkündigungsblatt Nr. 51 vom 21. Juli enthält: Die Ferien des Kreisausschusses. Die Erhebung von Deckgeld für Bedecken der Stuten. Die Entwästerung der Grundstücke in der Stadt Hungen. Die Erhebung einer Biersteuer in der Gemeinde Trohe. Dienstnachrichten.

3m Botanischen Garten.

Kaum berührt von dem Getriebe des Alltags liegt der Botanische Garten unserer Universität, der alma mater Ludoviciana, im Herzen unserer Stadt. Der Lärm der Kraftwagen und der Stra­ßenbahn, das vielfältige Geräusch der Straße dringt nur gedämpft in den beschaulichen Park hinein. Der Besucher sind nicht allzuviele und so liegen die Wege wenig begangen im Schatten der alten Bäume. Ja, manchen Gießenern wird noch nicht einmal bekannt sein, daß der Botanische Garten täglich geöffnet ist und während der Zeit von 812 und 1417 Uhr (an Sonntagen von 912 Uhr) jedermann Zutritt hat. Eine einzige Stunde, die man in diesem Garten verweilt, bringt eine Fülle der Anregungen, einen stillen Genuß, zugleich bedeutet diese Stunde eine Erholung, die heute viele Menschen dringend nötig haben. Kaum an irgendeiner anderen Stelle unserer näheren! oder weiteren Umgebung tritt die Natur so viel- .fältig an den Menschen heran, nirgends kann uns die

Unioerfalifäf der Natur

so nahe gebracht werden wie in diesem Garten; und nirgends ist in unserer Stadt so viel Schön­heit, so viel Farbe und harmonische Form ver­einigt, wie hier.

Der Gießener Botanische Garten entstand um nur kurz die historische Seite zu streifen im 17. Jahrhundert. Damals war der Garten aller­dings noch sehr klein und bescheiden; er wurde erst später durch die Anlage eines forstwirtschaft­lichen Gartens und dann durch die Angliederung weiterer Parzellen bis zu seinem heutigen Um­fang vergrößert. Er ist einer der ersten seiner Art in Deutschland. Durch die Verlegung der forstwirtschaftlichen Abteilung nach dem Schiffen- berger Wald wurde erst die Möglichkeit zu der großzügigen Anlage geschaffen, in der sich heute der Garten präsentiert. Als Hilfsmittel für die botanische Forschung und als Unterrichtsmittel er­füllt er seinen wissenschaftlichen Zweck.

Dem Besucher, der den Garten zum ersten Male betritt, wird eine sinnvolle Ordnung auf fallen, obwohl dabei der Charakter des Parkes sehr gut bewahrt wurde.

Die Pflanzen sind nach einem natürlichen System, gewissermaßen nach Arten gepflanzt.

Andererseits wurden Pflanzengruppen nach geographischen Gesichtspunkten geordnet; die Al­penflora ist in einem Alpinum zusammen gefaßt, die tropische Flora ist soweit sie das Klima der gemäßigten Zone nicht verträgt in Ge­wächshäusern vereinigt, die Giftpflanzen sind un­ter sich (eine unheimliche Familie), und die Arz­neipflanzen haben ebenfalls ihren besonderen Platz.

Eine Fülle der verschiedensten Blumen, die ge­rade jetzt ihre volle Pracht entfalten, findet der Besucher in dem Viereck, das von den Gewächs­häusern gebildet wird.

Betritt man den Garten vorn Brandplatz aus, so fallen dem Besucher zunächst einige merkwür­dige und zugleich schone Bäume auf. Da ragt pyramidenförmig ein prächtiger Lebensbaum, eine Biota, empor, und in nächster Nähe breitet ein Ginkobaum, dessen eigenartige Dlattsorm beson­dere Beachtung verdient, seine Aeste. Ein Ma­gnolienbaum nordamerikanischer Herkunft, fremd­artige Büsche, Schattenpflanzen u. a. m. drängen sich auf; das Chrysanthemum maximum, das die Pyrenäen seine Heimat nennt und den deutschen Margeriten auf unseren Wiesen so ähnlich sieht, nickt von hohen Stengeln. Zwei mächtige Pla­tanen, in deren Schatten ein Denkmal steht, eine große düstere Dlutbuche u. a. m. kennzeichnen den vorderen und ältesten Teil des Gartens, der durch die Allee, die im Zuge der Sonnenstraße verläuft und noch gut sichtbar ist, abgeschlossen wird. In diesem Teil des Gartens fallen weiter einige Miniaturgärten auf. So findet man zum Bei­spiel die

Nachbildung eines Garlens aus der Karolingerzeil,

die besonders durch die geringe räumliche Aus­dehnung von nur einigen Quadratmetern charak­teristisch erscheint. Daneben sind einige Beete an­gelegt, in denen die Rutz- und Kulturpflanzen der Steinzeit-, der Bronze- und der Eisenzeitmen­schen vorzufinden sind. In nächster Nähe steht eine Sommerlinde, die die klangvolle lateinische Bezeichnung Tilia grandifolia führt. Das Licht der Sommersonne schimmert zart in den hellgrü­nen Blättern. Zur Zeit stehen die Fuchsien, die wir ebenfalls im ältesten Teil des Gartens vor- finben, in voller Blüte. Ein ganz besonderes Plus hat der Garten in einem Restbestand alten Hochwaldes, der die Rückfronten der Häuser der Reuen Däue und der Diezstraße den Blicken entzieht. Eine Gruppe stolzer Koniferen findet man ebenfalls vor.

2n den Gewächshäusern sieht man die nahezu 5 Meter hohen Kakteen im dämmerigen Lichte unter den nachgedunkelten Glasdächern stehen und bewundert die mannigfachen Formen dieser grotesken exotischen Gewächse. In großen Holz- kübeln sind grazile Palmen ausgestellt, die leicht ihre Fächer im Winde wiegen. Während der kalten Jahreszeit werden die empfindlichen Pflan­zen im Winterhaus untergebracht. Verschiedene dieser Palmen sind dem Botanischen Garten aus Stiftungen zugegangen. In besonderen Abtei­lungen sind Bäume, Büsche und Pflanzen aus Reu-Holland, aus Japan und China, sowie aus dem Mittelmeergebiet nach ihrer geographischen Herkunft zusammengefaht worden.

In allen Schattierungen von Grün, in allen Farben vom kräftigsten Rot bis zum zartesten Blau blühen in dem von den Gewächshäusern gebildeten Viereck die Blumen vieler Länder und bieten dem Beschauer einen ebenso über­raschenden wie prächtigen Anblick. Hier fallen vor allem die vielen Arten von Sukkulenten (Fettpflanzen) auf, die in sehr vielen Arten vertreten sind, zur Zeit zum Teil in Blüte stehen und auf grotesk hohen Stengeln ihre üppigen Blüten tragen.

Das Winterhaus präsentiert sich von dieser Seile aus, wie ein kleines Schloß,

das in feiner dreiteiligen Front und dem an- gegliederten Türmchen einen schönen Anblick bie­tet. Hoch wölbt sich das Glasdach, unter dem im Winter die empfindlichen Pflanzen bei künst­licher Wärme am Leben erhalten werden.

Hinter dem Winterhaus sind einige Bassins für Wasserpflanzen angelegt. Auf dunklem, un­durchsichtigem Wasser schwimmen breite, füllige Blätter; Wasserrosen in zartem Weiß, in mattem Rosa und klarem Gelb wirken inmitten der dü­steren Umgebung wie Flammen. In den Bassins

sind Fische untergebracht, die das Wasser in steter geheimnisvoller Bewegung halten.

Geht man einige Schritte weiter, dann stößt man, stets umgeben von bunter Dlütenpracht, auf einen Steingarten, der eine schier unerschöpf­liche Fülle von Arten der bekannten Hauswurz (Sempervivum) umschließt. Auch hier stehen die Blüten auf hohen Stengeln und entzücken mit ihren matten Farben, rötlichen, violetten und gelblichen Tönen.

Mit ehrfürchtigem Interesse betrachtet man aber die Giftpflanzen, die in einigen Bee­ten vereinigt sind. Da steht z. D. ein sehr harm­los aussehender Strauch, mit einfachen, hell­grünen Blättern, der es aberin sich hat". Es ist der gefährliche Giflsumach (Rhus Toxicodendron), durch dessen bloßer Berührung schon eine Ge­fahr in der Form von schwer heilbaren Ent­zündungen und Geschwüren (besonders bei blon­den Personen) heraufbeschworen wird. Roch manche andere Giftpflanze, die dem Laien mehr oder weniger fremd ist, kann man hier finden. Es würde zu weit führen, sie alle aufzuzählen. Instinktiv hütet man sich vor jeder Berührung. In dieser Gesellschaft befindet sich auch die Tabakpflanze;Nicotiana tabacum steht auf dem weißen Porzellanschild, das jeder Pflanze bei­gegeben ist.

(Ein Schmuckstück des Gartens ist das Alpinum.

Es ist sehr geschmackvoll angelegt, fügt sich präch­tig in den Garten ein, ist ein wesentlicher Be­standteil der gärtnerischen Anlage überhaupt und doch zugleich ein reizvolles landschaftliches Inter­mezzo. In bunter Blüte stehen die Pflanzen, spie­lerisch um die Felsen gruppiert, im Schatten der Steine oder die Steine überschattend, schön aber

Rudo lf von Valentini: Kaiser und Kabinettschef, Aufzeichnungen und Briefwechsel des Wirk. Geh. Rats v. Valentini, herausgegeben von Oberst Bernhard Schwert- feger, Preis Leinen 8 Mk., Verlag Gerhard Stal- ling, Oldenburg i. O. (206) Einer der vielge- schmähtesten Männer aus der engeren Umgebung des Kaisers war der Chef des Zivilkabinetts von Valenttni. Man machte ihm in gewissen Kreisen zum Vorwurf, mit Dethmann-Hollweg durch Dick und Dünn gegangen zu sein und dem Kanzler namentlich gegen das große Hauptquartier die Stange gehalten zu haben. Man behauptet weiter, daß Valentini zu der höfischen Kamarilla gehört habe, die alles darauf anlegte, den Kaiser von anderen Einflüssen fernzuhalten, und die ihn über die Strömungen der öffentlichen Meinung in Deutschland wie im Auslande falsch unter­richtet habe. Auch in Bülows Denkwürdigkeiten" kommt er, wie so viele andere, schlecht weg. Aus seinen eigenen Aufzeichnungen gewinnt man ein anderes Bild. Sie stechen von Memoiren ähn­licher Art vorteilhaft ab durch ihre klare Sach­lichkeit und vornehme Zurückhaltung. Was sie zu einer Reihe politischer Ereignisse von größter Bedeutung wie der Daily-Telegraph-Affäre, der Tangerfahrt, den verschiedenen Kanzlerwechseln von Bülow bis Hertling, zu den Fragen von Polittk und Kriegführung während des Welt­kriegs im einzelnen Neues zu sagen haben, das wird die Geschichtsforschung zu untersuchen haben. Aber den Eindruck gewinnt auch schon der flüch- ttge Leser aus diesen Aufzeichnungen, daß Valen­ttni ein durch und durch vornehm denkender Edelmann konfervattver Prägung war, der seinem Kaiser treu ergeben war und das Bestreben hatte, dem Herrscher eine umfassende eigene Mei­nungsbildung zu ermöglichen. Er sah sehr wohl die Schwächen Dethmanns und wußte auch, daß weder Michaelis noch Hertling für den Posten ausreichten, den im schwersten Kampf der Welt­geschichte ein Bismarck gerade noch hätte aus­füllen können. Er sah auch die großen Schwierig-

10 Lektionen Fußball.

Von Otto Nerz.

n*).

Ein Training für alle.Was ist Balltechnik?

Es gibt Leute, die sich monatelang ein Buch vor die Nase halten, laufen, mit Hanteln herumfuch- teln und das GanzeFuhbatttraining" nennen, ohne noch einen Fußball gesehen zu haben; und es gibt noch mehr Leute, die allein oder in Horden einen Ball mit den Füßen bearbeiten und sich rühmen, Fußball au spielen. Beides ist nicht rich­tig, richttg ist nur das Nebeneinander von Sp^ial- training mit Uebungsspielen und sogar mit Wett­spielen, denn auch beim Wettspiel lernt man etwas, weil man seine Kräfte zusammennehmen. das theoretische Können in die Praxis um setzen muß. Aber fein Spieler unserer Nationalmannschaften versäumt sein tägliches Einzeltraining ohne Ball, und jeder schaut auch gern manchmal in ein Fuh- ballbuch.

Es liegt int Wesen des Fußballsporis, daß jeder Spieler gelegentlich seine Positton auf dem Spielfeld wechseln muh. Nicht nur im Spiel selbst muß der Läufer manchmal als Stürmer, der Ver­teidiger als Läufer usw. spielen, sondern auch durch Mannschaftsgruppierungen infolge Verlet­zungen oder so kommt oft ein Spieler auf einen anderen Platz. In den Spitzenmannschaften ist natürlich die Spezialisierung mit Recht schärfer; aber Kreß z. B. hat in feinem Verein oft Mittel­stürmer gespielt, Richard Hofmann spielt auf allen Positionen und ist ein blendender Verteidiger, Leinberger, der Mittelläufer der Nationalelf, hat repräsentativ als Stürmer angefangen und ist auch als Flügelläufer hervorragend. Dem ent­spricht es auch, daß das Körpertraining für alle Spieler nahezu dasselbe ist.

Da sind vor allem die Laufübungen wichttg: kein Langstreckenlauf, höchstens 300 bis 400 Meter; Start aus der Hockstellung und Start aus dem Gehen und langsamen Lauf, aber möglichst plötz­lich! Das sofortige Ankurbeln der Höchstgeschwin­digkeit ist für manches Spiel entscheidend, denn

) Vgl. Nr. 165.

in jeder Hinsicht der verfeinerten Kultur, die einem Alpinum eigen fein kann.

Einige Schritte Wetter trifft der Besucher auf einen Teich, der in seiner Umgebung, inmitten eines Kranzes schöner Bäume, ein Idyll darstellt, wie es harmonischer nicht gedacht werden kann. Auf dem Wasser tummeln sich Enten. Eine Weide beriibrt mit ihren Zweigen die Wasserfläche. Einige Ruhe­bänke laden in diesem Teile des Gartens zum Der­weilen ein. Nicht weniger schön ist noch das sog.

kleine Tal",

in dem Farnkräuter in üppiger Fülle aus dem Boden wachsen. Nadelhölzer und einige Laub­bäume wehren dem Licht der Sonne, so daß hier stets zartes Dämmerlicht herrscht. Eine kleine, künstliche Ruine wurde in diesem Tal geschossen, die aber zugleich einem praktischen Zweck dient, und schattenliebende Farne ausgenommen hat. Auf einem Hügel, zu dem Stufen aus schweren Steinen hinaufführen, steht eine alte Steinbank, der Wind und Wetter schon mttgespielt haben. Nichtsdesto­weniger möchte man sie in dieser Umgebung nicht missen.

Der Garten in seiner Gesamtheit ist ein Kleinod, das unsere Bürger recht zu würdigen wissen soll­ten, zu würdigen und zugleich zu schützen! Aber leider gibt das Publikum, toie-man uns sagte, immer wieder Anlaß zu Klagen. Es wird manche Blüte abgepflückt, mancher Zweig geknickt, mancher Pflanze unachtsam Schaden getan, der sich wohl vermeiden ließe. Nicht zuletzt mußten aus diesem Grunde die Gewächshäuser für die Öffentlichkeit geschlossen werden.

Sich wunschlos an all der Schönheit des Bo- tonischen Gartens zu freuen, müßte eigentlich das Ziel und die Voraussetzung- für jeden Besucher sein, der den Botanischen Garten nicht nur als Hilfsmittel botanischer Forschung, sondern auch als Erholungsort für eine kurze Stunde des Aufent­haltes fern der lauten Straße auf sucht.

leiten, bei der Unzulänglichkeit der drei Kanzler und der Lieberlegenheit der Militärs der Politik den Vorrang vor der Kriegsführung zu wahren, der ihr gebührt, wenn der Krieg zu einem guten Ende führen soll. Für unsere Leser dürfte es von besonderem Interesse sein zu erfahren, daß die Familie be8 Kabinettschefs aus unserem Nach­barort Großen-Linden stammt und ursprünglich Velten hieß, woraus ein gelehrter Sproß, der Magister Johann Justus Velten (1625 geboren) durch die damals übliche Latinisierung seines Namens Valenttnus ober Valentini machte.

Gastrosophi e. Ein Brevier für Geist und Gaumen. Neue Wege zu Tafelfreude und Geselligkeit mit 40 Bildern, Rezepten und Menüs von Dr. med. H. Balzli. Steif kartoniert 3,60 Mk., vornehmer Geschenkleinenband 4,80 Mk., soeben erschienen im Walter-Hädecke-Verlag, Stuttgart, Birkenwaldstrahe 44. (122.) Die Tafelfreuden haben von jeher eine tiefe Berechtigung. Wir wissen, daß nur Speisen und Getränke bekömm­lich sind, die nicht bloß unseren Hunger und Durst stillen, sondern auch alle unsere Sinne befriedigen. Ja, die Küche, der Keller und die Tafel haben sogar den Hauptanteil am Aufbau der Zivili­sation und der Kultur, und sowohl die Politik als auch die Liebe können ihrer niemals ent- raten. Dieses neue Buch des bekannten 'Er­nährungsforschers zeigt uns unter Berücksichti­gung aller Forderungen der modernen Ernäh­rungshygiene neue Wege zur Tafelfreude und Ge­selligkeit. Es gibt interessante Einzelheiten über Nahrungsbedarf und Nahrungsbedürfnis, zeich­net die moderne Ernährungshygiene und neben vielen sonstigen interessanten Einzelfragen wird die Berechtigung und Notwendigkeit des Luxus' und des Komforts nachgewiesen. Daran schließen sich die praktischen gastrosophischen Unterweisun­gen (Rezepte und Menüs) an. Interessant ist auch der Abschnitt das Speisezimmer und die Tafel und unter den Speisezettelvorschlägen mit Weinfolge wird selbst der verwöhnteste Kenner Zusammenstellungen finden, die ihn überraschen.

der Fußballspieler, der anders als der Leicht­athlet blitzschnell lossaust und langsam am Ziel, dem Ball, ankommt wird dem Gegner die meisten Chancen nehmem Laufen in Schlangenlinien mit scharfem Herumwersen, Rückwärtslaufen mit plötz­lichem Dorschleudern des Körpers schaffen die nö­tige Ausdauer und Wendigkeit. Und das Seil­springen ist für den Fußballer genau so wichtig wie für den Boxer.

Laufübungen sind vor allem für schwere, breite Leute gut. Wer von Natur leicht und wendig ist, muß daneben viel mit Hanteln üben, Gewichte stemmen bloß keine regelmäßige Schwerathle­tik, die macht schwerfällig! und regelmäßige Gymnastik nach irgendeinem System treiben, hauptsächlich mit.Uebungen der Bauch- und Rückenmuskulatur. Auch Boren am Ball ist zu empfehlen. Da mit Keulenschwingen und gym­nastischen Uebungen Hüften und Schultern ge­lockert werden, dürfen auch kräftige Spieler nicht darauf verzichten. Für die Gymnastik ist der Winter die geeignete Zeit, im Sommer läuft man mehr und arbeitet mit dem Ball.

Zehn Minuten morgens, zehn Minuten abends so viel Zeit sollte jeder für fein körperliches Einzeltraining ausbringen können. Wenn ein Trainer für regelmäßige Uebungsstunden zur Derfügung steht, um so besser!

Daß übermäßiger Alkoholgenuh und übermäßi­ges Rauchen den Körper schädigen, weiß ja jeder, Am Tag vor einem Wettspiel sollte man über­haupt weder rauchen noch Alkohol trinken. Tanzen ist auch eine gute Bemühung, aber Wanderungen sind besser. Nun, ich bin kein unnötig strenger Lehrmeister: wer Tabak und Alkoholgenuh in ver­nünftigen Grenzen zu halten weih, der braucht darauf nicht ganz zu verzichten, wenn er in beson­ders eifrigem Training einen Ausgleich findet. Wenn es aber um Höchstleistungen geht, dann muh man auch hierin strenger sein.

Aber in einem Punkt bin ich unerbittlich: ball­technische Uebungen sind unter allen Umständen und in jedem Fall unbedingt notwendig! Ich habe überall in Deutschland sehen müssen, daß die Mehrzahl aller Spieler nicht weiß, wie ein Ball richtig und wirksam von einem Punkt des Spiel­felds zu einem bestimmten anderen Punkt, mög­lichst dem gegnerischen Dor, befördert werden kann.

Neues für den Büchertisch.