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23.7.1931
 
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Donnerstag, 25.JuliJ951

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Dberhesfen)

llr. (70 Zweites Blatt

Landnöten.

Wie muh dem Mann zumute sein, der selbst Parlamentarier in einer groben Tagung sei­ne- Parlaments al - Dieb beschimpft wird! Für deutsche Verhältnisse ist das gar nicht aus- zudenken: wir sind der Ansicht, daß ein vssen- lichtlicher Dieb nicht Abgeordneter werden und sein kann. 3n der Tschechoslowakei nimmt man es mit der Unbescholtenheit der Volksvertre­ter allerding- nicht so genau: sonst wäre es un­möglich. dasi in Prag em Abgeordneter der Su­detendeutschen dem tschechischen Abgeordneten Gajda dieser Tage in öffentlicher Sitzuna zu- rusen tonnte: .Sie sind ja der größte Dieb des ganzen Landes!" Musi Gajda diesen schimps- lichen Zuruf so ruhig hinnehmen? Sr muh es. jedermann in der Tschechoslowakei weih genau, was mit diesem Volksvertreter loS ist.

Im Weltkrieg muhte auch Herr Gajda zu den Fahnen einrücken. AlS er vor der russischen Front w-r benutzte er schleunigst die Gelegenheit, sich als Ueberläuser zu betätigen. Wir wissen, dasi ihm sehr viele seiner Landsleute gefolgt sind. 3n der russischen Gefangenschaft fühlten sich die Herren sehr wohl, weil die Aussen aus propa­gandistischen Gründen mit diesen Deserteuren sehr glimpflich verfuhren, jedenfalls ganz anders als mit den deutschen und österreichischen Feldsolda­ten, die sich wacker geschlagen hatten. Dann kam der bolschewistische Umsturz und mit ihm die grosieStunde derTschechen. HerrGajda, bis dahin ein einfacher Soldat, ernannte sich au- eigener Machtbefugnis zum Offizier und bildete die berüchtigte tschechische Legion Die Legionäre erkannten ihn an, in der verständlichen Hoffnung, nun schleunigst nach Hause zu kommen. Vorher aber führten sie noch einen Raubzug durch, der in der Weltgeschichte fast ohne Deispwl ist. Zwar war die tschechische Legion bestimmt, der Wei­hen Armee im Kampfe gegen dieDolschewisten zu helfen, aber daran dachten die Herren gar nicht. Sie sahen auf das Beispiel ihres Führers Dajda. der inzwischen bereits zum General avanciert war: sie bemächtigten sich der Verkehrsmittel auf der transsibirischen Eisenbahn, plünderten Le­bensmitteldepots. Banken und Privatwohnun­gen: sie sammelten einen unermesiliehen »KriegS- schah", den sie nach Hause zu schleppen gedachten.

In Kampfhandlungen griffen sie kaum oder nur sehr behutsam und mit voller Deckung ein; ihr GeneralstabSches Gajda hatte ja alle Hönde voll zu tun. um seine im grohen Rahmen betriebenen Raubzüge bei der Bevölkerung durchzuführen. Es belastete auch sein Gewissen kerneSwegs, den Füh­rer der Kampfarmee gegen die Bolschewisten. Ad­miral K o l t s ch a k, gefangenzusctzen und elendig­lich umkommen zu lassen, gelang es ihm doch da­durch. auch noch in den nahezu vollständigen Be­sitz der Kriegstasse der Weihen Armee zu kom­men. Degen die deutschen und österreichischen Kriegsgefangenen, die sich in Sibirien aufhielten. war er erbarmungslos: ob hungrig, 0b franf. er lieh sie um kommen. Kein Trans­portmittel gab er für ihre Beförderung ab. wäh­rend jeder seiner Legionäre über einen ganzen Eisenbahnwagen verfügte. Die geraubten Lebens­mittel verkaufte er zu ungeheuren Wucherpreisen an die russische hungernde Bevölkerung und ge­langte auf diese Art in den Besitz eine« Vermö­gens. von welchem er heute noch recht gut lebt Zwar hatte ihn die Armee des tschechoslowaki­schen Staates wieder zum Gemeinen degradiert, aber Abgeordneter darf der Meister Gajda immer noch sein.

Die R e i ch S a r b e i t s ge m e i ns ch a f t der deutschen Presse, die berufene Vertretung der ZeitungSverleger und der Redakteure, hat in einer sehr scharfen Gntschliesiung die letzte Rotverordnung mit ihrem Eingriff in die Pressefreiheit abgelehnt und gleichzeitig dem Reichsinnenminister Dr. Wirch die Bedenken die fie dagegen hat. eingehend vorgetragen: immer­hin mit der Wirkung, dasi der Minister neue Richtlinien hcrausgcgeben hat, worin er darauf hinweist, dasi eine Zeitung nicht ihrerTen- denzwegen verboten werden darf, sondern nur beim Dorliegen eines bestimmten, der Rotver­ordnung entsprechenden Tatbestandes. Herr Dr. Wirch hat sich also entschliesien müssen, innerhalb weniger Tage zweimal Richtlinien zur Rotver- vrdnung herausgehen zu lassen: immerhin ein De-

Menschen und Modelle.

Don Professor Or. h. t. Hugo Lederer, Leiter der staatlichen Meisterschule für Bildhauerei an der Akademie der Künste in Berlin.

Im Jahre (916. mitten im Kriege, habe ich in Kowno Deneralseldmarschall von Hinden­burg mobelhcrt Die Zeit der Arbeit an der Hindenburgbüste ist mir auch heute noch auher- ordentlich scharf im Gedächtnis. In einem Wohn- baufc, zwei Treppen hoch, wartete ich auf das Erscheinen Hindenburgs. Man hörte den festen Tritt des Feldherrn auf den steinernen Stufen. Der Adjutant risi die Tür auf und der Feldherr erschien. Freundlich sagte Hindenburg zu mir: »Haben Sie sich mich so vorgestellt?" .Jawohl, Herr Deneralfeldmarfchall", erwiderte ich. die hochragende Figur des Heerführers betrachtend. Daraus sagte Hindenburg: .Ra denn ist s ja gut, dann kann s ja losgehen." »Sie müssen mich ent­schuldigen", fuhr Hindenburg fort .dasi ich Ihre Bismarckstatue in Hamburg noch nicht gesehen habe. Ich hatte noch keine Gelegenheit dazu." Es war eine reine Freude, das außerordentlich interessante, markante Gesicht des Generalfeld- marschalls zu modellieren. Der Ausdruck seines Gesichts war damals sehr verinnerlicht, die riesige innere Spannung, die die Führung des größten Krieges der Weltgeschichte von dem Feldherrn verlangte, spiegelte sich in den charakteristischen Gesichtszügen Hindenburgs getreulich wider. Ich hatte die Erlaubnis erhalten, zwei Kollegen Prof. Mehner und Prof. Petersen an den Sitzungen teilnehmen zu lassen. Sofort stellte sich zwischen uns allen ein seelischer Kontakt ein. Der grobe Feldherr verwandelte sich in einen leutseligen, herzlichen Menschen. Als mein Kollege Mehner erzählte, er stamme aus Eger, fügte Hin­denburg hinzu: .In meiner Jugend, als ich Eger besuchte, dachte ich immer, wie schade, dasi ich nicht im Dreißigjährigen Krieg gelebt habe. Jetzt ist aber die Situation so ähnlich." Hindenburg war ein ausgezeichnetes Modell. Sr sasi ruhig und gelassen und erleichterte uns dadurch die Arbeit in hohem Grade.

weiS. dasi er selbst das Gefühl hat. wie wenig das. waS er sagen wollte, in dem Wortlaut der Verordnung xum Ausdruck gekommen ist Wenn die ReichSregterung den Wunsch hatte, die Ab­kapslung. in tnc sich die radikalen Gruppen innerhalb der Presse einschliehen. zu durch­brechen und dafür zu sorgen, dasi wichtige Re­gierungskundgebungen dem ganzen deutschen Volke tatsächlich bekannt werden, fo ist dagegen gewiß nichts zu sagen, daS ist ein durchaus be­rechtigtes Verlangen. Wenn die Reichs reg ierung weiter den Wunsch hat, der vergiftenden Art der Polemik entgegenzuarbeiten, wie sie sich lei­der in den letzten Jahren gerade in den radikalen Parteien mehr und mehr breit gemacht Hot, bann wird sie darin der Unterstützung der gesamten verantwortungSbewusiten Presse sicher sein. Aber dazu bedurfte eS doch wirklich eine« neuen Aus­nahmegesetzes gegen die Presse nicht, dazu finb die vorhandenen Bestimmungen mehr als aus­reichend. ES lag also an sich für einen Eingriff so weittragender Art keinerlei Anlah vor, falls sich nicht etwa dahinter Ziele verbergen, die über den zugegebenen Zweck weit hinouSgehen.

Die Verordnung scheint der Reichsregierung von dem preusiischen Kabinett geradezu abge- trotzt worden zu fein. Macht man sich diese Zu­sammenhänge klar, dann muh man zu der Ver­

mutung kommen, dasi von Preußen au« der Ver­such gemacht werden soll, mit Hilfe dieser Rol- verordnung die gesamte Opposition mundtot zu machen und allem, wo« nicht unbedingt in der Musik der Weimarer Koalition mitmachen will, einen Maulkorb vorzuhängen, wozu die kautschuk- artigen Bestimmungen der Rotverordnung mehr als hinreichend Gelegenheit geben Denn das Kri­terium. dasi .die öfsentliche Sicherheit und Ord­nung gefährdet wird", ist so willkürlich - zumal da die Entscheidung darüber in da« subiekuve Empfinden unserer Polizeioraane gelegt ist, dasi dadurch auch iede sachliche Auseinander­setzung mit Einzelheiten der Regierung-Politik zum mindesten unmöglich gemacht werden kann. Wir vermögen un« jedenfalls nicht vorzustellen dasi auch nur ein einziger Artikel zugunsten des Volksbegehrens für die Auflösung des Preusiischen Landtages geschrieben werben kann, ohne dasi ir­gendeine Polizeibehörde darin eine »Gefährdung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" erblickt. Wenn das der Zweck der Hebung fein sollte, dann wäre es ein gefährliches Spiel. Friedrich der Grosie hat immerhin von der Äunft des Regie­rens einiges verstanden, und wenn er damals an- oebnete, dasi .Gazetten nicht genietet werden" bürsten, fo könnte bas Kabinett Brüning daraus auch heute noch viel lernen...

Ein paar Meier unter Aull.

Don Teheran zum Kaspischen Meer. Moskaus Einfluh ifi Persien. Oie Riviera der Zukunft. - Acht Eier zehn Pfennige. - Oie neue Zeit.

Don unserem A. 8.-Derichterstatter.

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe. verboten?) ' Pa hiev i (Kaspisches Meer).

In Teheran welkte der Flieder, in den Tälern deS E l b u r z blühten Kirsche und Apfel, und auf den Höhen des Demavend lag der Schnee. Die Jahreszeiten verschwimmen inein­ander. Der Sommer des Hochlanbsplateaus weicht an den höheren Hängen dem Frühling, noch weiter hinauf träumt eine einsame Karawanserei inmitten knospender Sträucher dem Lenz ent­gegen. und über die letzten Weg-Etappen zu den Graten braust der Wintersiurm. Einsam lie­gen die Karawansereien. Hie und da erblickt man noch Treiber mit ihren Eseln und Kamelen, an deren Hälsen riesige Glocken hängen, aber die Zeit für diese Jahrtausende alte Welt ist um, ist zumindest in Persien um, wo die Kraft­wagen gegenwärtig kaum weiter kommen, weil überall Slrasien verbessert und Brücken gebaut werben für ein neues Zeitalter des Verkehrs, während an der Küste die ersten Dampf zöge laufen und hoch oben in den Lüften die Iunkermaschinen frühere Reisemonate in Reisestunden verwandeln.

Ganz allmählich vollzieht sich der Anstieg von dem in 1200 Meter Höhe liegenden Teheran zum Patz des Gebirges, das die Grenze der Provinz Mazanderan bi®et. Aber dann geht es rasend schnell abwärts, steil führt der Weg zum Tal, beffen Sohle nicht sichtbar werden will: und wenn man meint, nun müsse der Grund der Welt bereits erreicht sein, dann erblickt man tief unten an irgendeinem Hang noch einen Wollenfetzen, Beweis dafür, dasi man noch immer dem Himmel nahe ist. Inzwischen aber zeigt Iran ein neues Gesicht, bedecken sich die Felsen mit Wäldern von einer Pracht, wie man fie im überzivilisierten Europa nicht mehr findet. Das ist kein Urwald. kein Dschungel, son­dern man befindet sich inmitten ungeheurer Wald­bestände. die trotz aller erhaltenen .Unberührt» heil etwas Wildromantisches und Liebliches zu gleicher Zeit ausströmen. Man vergitzt. dasi man sich im Herzen des Orients befindet und glaubt, jeden Augenblick müsse in irgendeiner Lichtung die Gestalt eines Karl Moor, umgeben von seinen wilden Gesellen, auftauchen. Aber Karl Moor erscheint nicht. Dafür lagern an Holzfeuern Zigeunerfamilien, hier in Persien genau so wie in Deutschland. Dieselben Gesichter, dieselben Kleider, derselbe unendliche Wander­trieb.

Plötzlich treten die Berge zurück und der Blick schweift im Lichte der schnell sinkenden Sonne

Den zweiten Feldherrn aus dem Weltkriege, Feldmarschall von M a ck e n s e n, habe ich gleich­falls mitten im Kriege, und zwar im Jahre 1917 in Bukarest modelliert. Am Abend vor der Sit­zung mürbe mir Gelegenheit gegeben, Mackensen ungezwungen im Hotel im Kreise seiner Offiziere zu beobachten. Dor Beginn der Arbeit, die in einer Dilla stattfand, hatte ich bereits einen Ent­wurf der Büste fcrtiggcftellt. Als Mackensen in seiner bekannten strammen Soldatenhaltung ein­trat, sah er mit Verwunderung die Düste und fragte mich: Haben Sie das aus Berlin mit- gebracht? Die Arbeit ist ja fertig! Ich erklärte dem Feldmarschall den Zusammenhang und die Sitzung begann. ES war aber keine Sitzung im »buchstäblichen Sinne", denn der Feldmarschall stand. Wundervoll war die Haltung Mackensens er stand stramm, aber zugleich ganz leicht und beweglich. Ehorakteristisch für ihn der nimmer ruhende falkenähnliche Blick des Auges. Diese Arbeit fiel mir übrigens besonders leicht und zur begreiflichen Freude des Modells war ich bald fertig.

Richard Strauß, der repräsentativste deutsche Komponist der Gegenwart, hat mir vor ungefähr 25 Jahren Modell gestanden. Ich modellierte seinen Kopf mit gesenkten Augen, genau so wie er ihn beim Dirigieren hält darüber war der Meister zuerst einigermaßen ungehalten. »Ich bin doch ein Sturm- und Drangmensch und kein in sich gekehrter Philosoph!" rief er aus. Ich fetzte bem Meister auseinander, daß er beim Dirigieren genau so aussehe, wie ich es festgehalten hatte. Schließlich war er dann auch mit meiner An­schauung einverstanden. Ich habe übrigens Richard Sttauh stets gebeten, zur Sitzung zu tornmen, unmittelbar nachdem er stark gearbeitet hatte, weil dadurch sein Gesicht formenreicher war. An der Strauß-Düste habe ich sehr lange gearbeitet. Eines Tages fragte mich der Korn- ponist, ob ich auch schon eine schöne Frau model­liert hätte und schlug mir dabei vor, seine eigene Frau zu modellieren. Strauß machte den Eindruck eines idealen Familienvaters. Gr vergötterte seine Frau und seinen Sohn, den er mir gleichfalls als Modell pries, da er wie ein .kleiner Rapo- leon" aussähe.

hinunter in eine der tiefsten Ebenen der Welt, tiefer al« der Sp iegel des Welt­meeres, und am äußersten Rande dieses grü­nenden und blühenden Landes glänzt in der Ferne daS Kaspische Meer. In Aliabad, das man am Abend erreicht, hort man deutsche Stimmen. Hier ist der Endpunkt der von Deutschen erbauten Eis-enbahn. die über Sari nach Dender Gaz führt, der vorläu­fige Endpunkt jedenfalls, und hier ist die deutsch- persische Weberei und Spinnerei Thahi im Ent­stehen begriffen, eine Art Derfuchsanstalt, die, wenn sie sich bewährt, Rachfolgerinnen finden soll in den verschiedensten Provinzen des Lan­des. Gegenwärtig steht die ganze Industrie Per­siens i m Schuhe eines Außenhandels­monopols. das genau so streng gehandhabt wird wie das sowjetrussische. Da man aber nicht weiß, ob die Regierung dieses QHonobot auf­rechterhalten kann, ist es schwer, vorauszusagen, ob 'alle die "Betriebe, die heute eingerichtet wer­den. in Zukunft auch rentabel fein Werdern 3m übrigen hat die persische Küste des Kaspischen Meeres ein stark russisches Gepräge. Richt allein die vielen Tausende von Emi­granten. die nach der zweiten Moskauer Revo­lution ins Land kamen, leben hier man weiß nicht recht wovon. auch dos neue Rußland macht sich in Rordpersien breit. Der Umstand, daß eine Verbindung zwischen Rord und Süd nicht besteht Kamelkarawanen sind ja heute meßt mehr ol« Verkehrsmittel für Tausende von Kilometern zu zählen, und auch die paar Flug­zeuge machen den Kohl nicht fett vermögen die Sowjets eine Art Monopolstellung einzunehmen. Wagt es einmal jemand, ohne den Willen Moskaus sich in Rordpersien zu eta­blieren, so wird er so lange unterboten, bis ihm die Lust vergeht, oder aber, biS er rui­niert ist.

An der Küste wird fieberhaft gearbeitet. Man kommt heute mit dem Kraftwagen nur schwer weiter weil überall gebaut wird, Straßen verbessert, Drücken geschlagen werden. In eini­gen Jahren dürste es eine Lust sein, mit hundert Kilometer Geschwindigkeit an der Westküste des Kaspischen Meeres enllangzurasen. Steil fallen schneebedeckte "Berge zur Küste ab. Rur ein schmaler Streisen trennt den Fuß de« Massivs von den grünlichen Wellen des ewig bewegten Meeres, und hier und da steigen Dampswollen in die Luft, ist diese von Schwefeldämpfen erfüllt. Kapital und eine halbwegs erträgliche Derb in» dungsmöglichkeit mit Europa, und Äordostpersien

Arthur R i k i s ch, der große Dirigent, war nicht leicht zu modellieren, denn sein Gesicht fah jeden Tag anders au«. Ri lisch war überarbeitet und nervös, was seinem Gesichtsausdruck täglich neue Züge verlieh. Er war ein reizender, liebens­würdiger Mensch, bewunderte Kunstwerke, die man ihm zeigte, und gebrauchte dabei oft sein Lieblingswort »phänomenal". Rikisch war Aesthe- tiker durch und durch. In Frauengesellschaft lebte er förmlich auf. Daher begleiteten ihn stets schone und elegante Frauen, die sich mit ihm während der Modellsihungen unterhielten.

Ein anderer großer Musiker unserer Zeit, Hans P f i h n e r, war bei den Sitzungen außer­ordentlich nervös. Er war einigermaßen unge­halten darüber, daß ich ihm, wie er behauptete, einen Scheitel machte, den er nicht hatte. Er strich sich durchs Haar, das sich dabei teilte, und be­wies mir an Hand dieser praktischen Dorführung, da er einen natürlichen Scheitel hatte.

Professor Orth, der berühmte Pathologe und Rachsolger Dirchows, war Arzt vom Scheitel bis zur Sohle. Er saß ausgezeichnet und war zu federn Zeitopfer bereit. Er hatte Freude dran, an Düsten nach eventuellen Dererbungserschei- nungen zu forschen, die er mit großer Behaglich­keit mitteilte.

Wie der König der Tiere jagt.

Eine knappe und ttockne Meldung berichtete kürzlich aus Llganda, daß dort 20 Eingeborene von Löwen aufgefreffen worden sind. Solche menschenfressende Löwen finb glücklicherweise nicht das Gewöhnliche, denn der König der Tiere zieht in feinem natürlichen Zustand Tierfleisch Menschenfleisch vor. Erst wenn er »Blut geleckt", d. h. von dem Fleisch eines Menschen gekostet hat, dann ist er derartig »auf den Geschmack gekommen", dasi er nun jede Gefahr auf sich nimmt, um sich diesen Leckerbissen zu verschaffen. Die Löwen, die jetzt das Gebiet von üganba unsicher machen und so viele Menschenopfer for­dern, stammen von einer Herde Löwen ab, die alle zu Menschenfressern geworden waren und durch weiße Jäger erlegt werden sollten. Eie

wurden auch zur Strecke gebracht, aber eS stellte sich heraus, dasi sie sogar ihre Jungen mit 'Menschenfleisch gefüttert hatten, so daß diese schon von Geburt an zu gierigen Feinden be« Menschen geworden waren. Während der Löwe in der Regel nur des Rächt« jagt, greifen diese nach Menschenblut gierigen Bestien auch bei Tage an. Die normale Iagdart der Löwen weicht von dieser sehr stark ab. Sie gehen meist nicht allein auf Raub auS auch das ist schon ein Zeichen gefährlicher Eonderlingsart, sondern sie jagen in Herden, und zwar schleichen sich einige Löwen gegen den Wind an die Opfer heran, während andere in der Windrichtung sich dem ahnungslosen Wild nähern. Durch unter­drücktes Knurren oder dadurch, daß die heran- schleichenden Löwen den Opfern ihre Witterung geben, wird unter der Herde eine panische Furcht hervorgerufen, fo daß die Tiere dem Haupt­trupp, der sich gegen den Wind heranpirlcht, graben Weges in die Rachen und Tatzen laufen. Dies erfolgt gewöhnlich bei Rächt, doch hat der englische Großjäger F. E. Atherton auch Löwen bei Tage auf der Jagd beobachtet, doch waren sie bann fast immer erfolglos. »Bei einer solchen Gelegenheit", schreibt er. »näherten sich ein Löwe unb eine Löwin einem Gnu in ber offenen Ebene um acht Uhr morgens. Eie nahmen von meinem Wagen, ber nur etwa 20 Meter von ihnen ent­fernt war, keine Rotiz, so daß ich einen Film von bem interessanten Ereignis aufnehmen konnte. Unglücflidjertoeifc verscheuchte ich bas Gnu. Aber als ich es bann schoß, machten sich bie beiben Löwen bald danach über bie Leiche her unb verspeisten sie beim vollen Tageslicht, ließen auch ben Wagen nahe herankommen, so daß ich sie bei ihrer Mahlzeit filmen konnte. Diese »TageS- licht-Löwen", die ich im Tanganjika-Gebiet beob­achtete, waren Tiere, die bis dahin noch niemals mit bem Menschen in Berührung gekommen waren unb deshalb auch keine Dorsichtsmahregeln für notwendig hielten. Tatsächlich ist alles afrika­nische Wild zuttaulich und unvorsichtig, bis es mit ber Flinte bes Menschen Bekanntschaft ge­macht hat, dann erst suchen sie Schutz vor ihren Feinden."

w.rd zu einem BäderparadieS: heiße Meer. Hochgebirge, alles zufammengedrängt, alle« Vereint

Bei Anbruch der Dunkelheit hört lebe# Auto­fahren auf. Man kann es nicht tragen, tn bet Rächt, die mit unwahrscheinlicher Schnelligkett hcre.nbricht. bie vielen Wasserläufe zu durchqueren, die noch immer die Sir aste ver­sperren Dreie Wasserläufe find oft hundert bi« hunderlfünfzig Meter breit Fähnchen werfen den Weg. den ber Wagen nehmen mutz, um nrcht rettungslos zu versinken, ober ein ..Lotse" wartet mit hoch gekrempelten Beinkleidern darauf, vor einem bcnulaufen um schließlich, vor Kalle und Rässe zitternd, am anderen Ufer ein paar Pfen­nige Lohn entgegenzunehmen. Die Bevölkerung ist arm. Richt alle Dörfer am Rande des Kalpr- Sees kennen den Fischfang. Rur selten sieht man Fischerboote und Rehe Aber die Gastfreundschaft ist groß, und zu verhungern braucht hier, wo acht Sier zehn 'Pfennige kosten, niemand.

SS gibt keine Hotel- zwilchen "Dender Gaz und Pahlevi. den beiden Häfen am Kaspr-See. Man übernachtet in Schenken zwischen Esel­treibern unb fahrendem Volk aller Art. Alkohol ist unbekannt, alles schlürft eifrig ben gold­gelben duftenden Tee und itzt dazu den unver­meidlichen Reis. Petroleumlampen verbreiten Zwielicht, und vom Meer brau ft dauernd der Wind gegen die aus Lehm und Häcklel erbauten Mauern. "Bevor die Müdigkeit den Reisenden überfällt, erscheint noch eine Musikbande, mit uralten Dias- und Streichinstrumenten und spielt und fingt ein uralte« Lied. Unb ein junger Mensch in Mädchenk'.eidern tanzt dazu irgend­ein armseliger Rest des Hellenismus, der. nut dem Aleraicherzug inS Land gebracht, sich hierher verirrt und erhalten hat. Jahrtausende lang. Die Musik, der Gesang wird unterbrochen von Mär­chen. die bärtige Männer mit gewichtiger Miene erzählen, indem sie gerne Pausen machen, bet denen das Donnern deS Kaspischen See« ein­drucksvoll das Schaurige des Inhalts dieser Er­zählungen unterstreicht. Seltsames Volk, das nicht die Sorgen der Moderne kennt, anspruchslos unb unpolitisch. Wie lange noch?

Rur wenige Autostunden entfernt schneidet nämlich ein breite- Haff tief hinein ins Land. Dort liegen Reicht und Pahlevi. das frühere En- zeli. das man jetzt zu Ehren des Schahs so um­getauft. Dort liegen die Fischerkähne, dort sieht man die Kaviarflotten, dort steht, inmitten des Hafens, eine deutsche Daggermafchine. dort erblickt man eine mit deutschem Material erbaute kleine Werft. Dort regiert, unumschränkt, ein kleiner Diktator, cm Hafenkommandant, der Vie deutsche Sprache fließend beherrscht, und mit Stolz verkündet, daß er In Derlin-Eharlotten- burg ben Doktorgrad erworben. D i e neue Zeit pocht mit gewaltigen Fäusten an das persisch-kaspische Idyll, und die Pforten werden ihr bald gänzlich aufgetan fein. Roch wird hier allerdings zwischen Persern unb Russen ein Wirt- schaflS- und Kulturkampf auf Leben unb Tob geführt, noch flattert über bem Hafen von Pahlevi und an ben Masten der größeren Schiffe die rote Fahne des Sowjetreichs. Aher Schritt für Schritt gewinnt der Perser an Doden. an Doben im eigenen Land.

Hessische Beamten-Ki-ankenlaffe.

WSR. Darmstadt, 22. Juli. Rach dem Ausweis ber Deamtenkrankenkasfe per Ende Juni 1931 betragen die Einnahmen 807 772Mk. gegen 673 994 Mk. im gleichen Zeitraum be« Dorjahres unb bie Ausgaben 742 975 Mk. gegen 866 553 Mk. Der Linnahmeüber- s ch u ß beträgt bemnach 6 4 7 9 7 "2K t gegen 7381 Mark. Unter "Berücksichtigung ber Rücklagen hat bie Kasse Ende Juni einen verfügbaren Kasfenbe- ftanb von 108 928 Mk. gegen 78 371 Mk. am 31. Dezember 1930. Durchschnittlich kamen 95,11 Mk. Beiträge auf ein Mitglied gegen 96,97 Mk. im Dorjahre. Die Ausgaben für ärztliche Be­handlung je Mitglied sind von 39,37 Mk. auf 36,98 Mk. zurückgegangen, die für Arznei- und Heilmittel aus Apotheken von 14,91 Mk. auf 10,37 Mk, die für Krcmkenhauspflege von 23,77 auf 21,90 Mk. Daß bei der Reuregelung der IBeiträge im letzten Jahre der Kopfbeitrag erhöht und der prozentuale Beitrag von 2,5 Prozent auf 1 bi« 1,5 Prozent herabgesetzt wurde, hat bewirkt, daß bie 6prozentige Gehaltskürzung Verhältnis-