Ausgabe 
23.7.1931
 
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Die Vorschläge für die Vollkonferenz.

Paris. 23. Sult. (WTB.) Die Agentur Ha- vas glaubt in der Lage zu sein. dievierGnt- schlietzungen zu präzisieren, die morgen in den Berichten der Londoner Doll­konferenz vorgelegt werden:

1. Die Kredite in Höhe von 100 Mil- livnen Dollar, die der Reichsbank durch die Rvtenbanfen von Frankreich, Großbritannien und den Bereinigten Staaten gewährt worden sind, werden für die Dauer von drei Mo­naten verlängert.

2. Die Zentralbanken werden aufgefordert, den Privatbanken zu empfehlen, gegenwärtig n v ch t n Deutschland angelegte kurzfristige Kredite dort zu belassen.

3. Durch die Internationale Zahlungsbank in Basel wird ein Komitee eingesetzt, das die Möglichkeiten für kurzfristige Kredite, die Deutschland gewährt werden könnten, und die Möglichkeiten der Umwandlung der gegen- wärtig bestehenden kurzfristigen Kredite in l a n g - fristige Kredite prüfen soll.

4. Die Konferenz nimmt mit Befriedigung von den Garantien Kenntnis, die dem internatio­nalen Kredit durch die Bildung einer Re - serve durch die deutsche 2 ndustrie in Höhe von 500 Millionen Mark bei der Gold- diskvnt-Dank gegeben werden.

Agentur Havas glaubt weiter zu wissen, dah Reichskanzler Brüning wahrscheinlich die Hen- zufügung einer weiteren Erklärung verlangen werde, in der der Wille der deutschen Regierung, mit Rachdruck die Wiederher st ellung ih­rer Finanzen zu verfolgen, bestätigt würde. Havas glaubt, dah diese Resolutionen, die ein­stimmig von dem Komitee der Finanzminister gefaßt worden sind, sicher durch die morgige Voll- Konferenz ratifiziert werden

Stimson konstatiert einen Fortschritt.

Das eingefchränkteProgramm der Konferenz

London, 22. Juli. (SIL) Lieber den Fort­gang der Verhandlungen in der Bollkonferenz am Mittwochvormittag äußerte sich der amerikanische Staatssekretär S t i m s o n in einer Llnterredung wie folgt: Es sei ein wirklicher Fort­schritt gemacht worden und es bestehe die Hoff­nung, dah die Konferenz ihre Arbeiten am Donnerstag beenden werde. Die Auf­merksamkeit aller Mitglieder der Konferenz habe sich auf die Vorschläge konzentriert, die eine mög­liche Hilfeleistung für Deutschland vorsähen Alle strittigen Fragen seien fortgelassen worden. Stim- svn erklärte weiter, die Konferenz beschäftige sich lediglich damit, das Faß abzudichten, um das in ihm befindliche Wasser zu retten, ehe man neues Wasser in das Fahgiehen wolle. Lieber langfristige Kvedite werde jetzt nicht mehr verhandelt. Das könne später geschehen Bei der Konferenz handele es sich um eine Gruppe von Ministern am runden Verhandlungstisch, die die zeitweiligen finanziellen Bedürfnisse Deuffch- lands erwäge. Im Grunde genommen handele es sich um eine Aufgabe für den Ban­kier und es sei vielleicht nur ein Zufall, dah Staatsmänner zusammenberufen worden seien, wahrscheinlich nur deswegen, weil sie im Augen­blick verfügbar gewesen seien Die Zukunft müsse am besten den Bankiers überlassen werden

Amerikanische Banken verpflichten sich zur Aufrechterhaltung der Kredite.

Washington, 22. Juli. (Sil) In den Och­sten Regierungskreisen verlautet, dah die Äeu- yorker Grohbankiers mit der Verlänge­rung der kurzfristigen Kredite an Deutschland einverstanden sind, falls die Geldgeber der anderen Länder eine gleiche Aktion unternehmen. Die Bankiers der Vereinigten Staaten stellen sich damit hinter den am Dienstag gemachten neuen Vorschlag des Präsidenten Hoover. Senator Morrow, der aus der Zeit, da er Partner Morgans war, enge Beziehungen zur Wallstreet besitzt, be­stimmte auf den Wunsch Hoovers hin zwölf führende amerikanische Danken dazu, sich in schriftlicher Form dazu zu verpflich­te n, dah sie während der gegenwärtigen Krise keine Depots, Vorschüsse oder Kredite aus Deutsch­land zurückziehen. Als Zeichner dieses Verspre­chens werden genannt: Chase Rational, Rational Sich, Chatham Phönix, American Exchange und Irving Trust Dank. Morgan & Co. ist nicht erwähnt.

Der englische Gegenbesuch in Berlin.

Am kommenden Wochenende.Auch Stimson wird erwartet.

London, 22. Juli. (TLl.) In Konferenz­kreisen wird damit gerechnet, dah die Konferenz am Donnerstagabend zu Ende geht. Dr. Curtius teilte mit, dah sich hieran der Besuch Macdonalds und Hender­sons in Berlin anschliehen wird, falls feine unvorhergesehenen Ereignisse eintreten. Hender­son wird wahrscheinlich in dem gleichen Zuge reisen, in dem die deutsche Abordnung nach Ber­lin zurückkehrt. Während Macdonald es vor­ziehen dürfte, nach Berlin zu fliegen, so dah er also am Freitagabend auf dem Tempelhofer Feld eintreffen würde.

Dr. Curtius hat auch Staatssekretär S t i m - s o n nach Berlin ein geladen. Es wird in deut­schen Kreisen für außerordentlich wünschenswert gehalten, dah Stimson sich persönlich ein Bild über die Verhältnisse in Deutschland macht. Man nimmt an, dah auch Stimson vieleicht schon im Laufe der nächsten Woche nach Berlin kommt. Der amerikanische Staatssekretär hat sich grund­sätzlich bereit erllärt. Der Zeitpunkt seines Besuches hängt natürlich von den bereits getrof­fenen Dispositionen ab.

Das Bankierkomiiee.

London, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der Ausschuß von Finanzsachverständi- gen, dessen Entsendung nach Berlin vorgeschla­gen wurde, dürfte, wie der Daily Telegraph wissen will, aus folgenden drei hervorragenden Finanzsachverständigen bestehen: Robert Kin- dersley, Direktor der Bank von England, Mister S t r a g u e , amerikanischer Ratgeber der Dank von England, und Dr. Wallenberg, der bekannte schwedische Bankier. Es sei zu er-

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Die Teilnehmer der 7-Mächte-Konferenz im Kreuzfeuer der Photographen. Da das Photographieren im Auswärtigen Amt, wo die 7-Mächte-Konferenz tagt, verboten ist, mußten die Pressephotographen stunden­lang auf der Straße warten, bis es ihnen gelang, die Minister beim Verlassen des Gebäudes auf die Platte zu bringen.

OasfranzösischeAbrüfiungsmemorandum

einerReuregelung Europas zu machen, und zwar vermittels regionaler Abmachungen. Dieses Protokoll sei in vollkommener Lieber- einstimmung mit den Erklärungen vieler namhafter europäischer Staatsmänner, insbeson­dere auch den Erklärungen, die Driand in der Dölkerbundsversammlung vom 6. September 1930 abgegeben habe.

Die Verkürzung der Arbeitszeit.

Im Wege freier Vereinbarungen.

Berlin, 23. Juli. (VDZ.) Die Verhandlungen des Reichsarbeitsministeriums mit den einzelnen Industriegruppen über Senkung der Arbeitszeit auf 40 Wochenstunden sind abgeschlossen. Auch nach diesen Verhandlungen ist das Arbeitsministerium noch der Ansicht, daß es besser wäre, die Ein­führung der 40°Stunden°Woche im Wege freiwilliger Vereinbarungen von Arbeitgeber und Arbeitnehmern zu erreichen und von einer besonderen Verordnung, die die 40-Stunden-Woche strikt vorschreiben würde, ab­zusehen. In Ausführung der durch die Rot- Verordnung gegebenen Möglichkeit, die 40stündige Arbeitswoche im Interesse der Minderung der Erwerbslosigkeit herbeizuführen, hah^as Reichs­arbeitsministerium daher Ausführungsbe­stimmungen ausgearbeitet, die auf tem Ge­danken der Freiwilligkeit aufgebaut sind und mit denen das Reichskabinett sich nunmehr beschäfti­gen kann, sobald keine dringenderen Beratungs­gegenstände vorliegen. Von der weiteren Er­mächtigung der Rotverordnung, eine Verordnung zur zwangsweisen Einführung der Arbeits­zeitkürzung zu erlassen, hat der Arbeitsminister bisher keinen Gebrauch gemacht.

Die Reichsregierung antwortet.

Ungünstiger Eindruck in Gens.

Stärkste Gefährdung der Abrüstungs­konferenz.

Genf, 22. Juli. (LU.) Die Abrüstungsnote der französischen Regierung hat in weitesten internationalen Kreisen in Genf einen außer­ordentlich ungünstigen Eindruck her­vorgerufen. Die Rote war bereits am vorigen Freitag eingetroffen und sollte am gleichen Tage veröffentlicht werden. Auf den besonderen tele­phonischen Wunsch des Pariser Außenministe­riums jedoch wurde sie zurückgezogen, of­fenbar mit Rücksicht auf die damals bevorstehen­den deutsch-französischen Verhandlungen in Pa­ris. Die jetzt erfolgte Veröffentlichung wird all­gemein darauf zurückgesührt, dah die französische Regierung in der Befürchtung, auf der Lon­doner Konferenz werde in den vertraulichen Be­ratungen auch die Abrüstungsfrage zur Sprache kommen, nunmehr ihren Standpunkt endgültig festgelegt hat, um sich in den kommenden inter­nationalen Verhandlungen über die Abrüstungs- frage auf die Rote berufen zu können.

Auf französischer Seite zeigt man das Bestreben, die Bedeutung der Rote herabzusetzen und bezeich­net den französischen Generalstab als den eigentlich Verantwortlichen für die Abfassunader Rote. Der französische Abrüstungsstandpuntt ist in dieser überspitzten und unverschleierten Form bisher weder im Abrüstungsausschuß noch in der Vollversammlung des Völkerbundes zum Ausdruck gelangt. Die offene Androhung Frankreichs, im Falle einer Aenderung der Entwaffnungsbestim­mungen des Versailler Vertrages zu neuen Rüstungen zu schreiten, und die schroffe Ablehnung jeder weiteren Verminderung des gegenwärtigen französischen Rüstungsstandes wird hier als ein außerordenllich ernster Schlag gegen den gesamten Abrüstungsgedanken und- als eine Gefährdung der kommenden Abrü­stungskonferenz aufgefaht.

Allgemein ist ausgefallen, dah die französische Regierung in ihrer Rote keinerleiAngaben

über ihre Heeresausgaben macht, sowie bei der Mitteilung über die französische Heeresstärke das gesamte Kriegsmaterial unterdrückt. Ebenso wird gellend gemacht, daß die von der französischen Regierung angegebenen Ziffern über die Heeres­stärke Frankreichs kaum in Einklang mit den sonst bekannten französischen Rüstungsziffern stehen. Der französische Vorschlag, mit Einbeziehung der Ver­einigten Staaten ein politisches Sicherheits- und Garantiesystem zu schaffen, wird lediglich als ein neuer, zweifellos völlig aussichtsloser Versuch aufgefaht, das Genfer Protokoll von 1922 wieder in Gang zu setzen.

Washington ist empört.

Der schwerste Schlag gegen Hoover.

Washington, 22. Juli. (TLL) Die franzö­sische Abrüstungsnote hat in Washington wie eine Bombe eingeschlagen. Die amt­lichen Stellen geben unumwunden zu, dah die Rote den schwer st en Schlag gegen Hoo­vers Abrüstungspvlitik bedeute. Die kaum verhüllte französische Forderung dah der Ver­sailler Vertrag durch militärische Garantien Ame­rikas und Englands geschützt werden solle, wird in Washington mit einem Achselzucken abgetan, da.das Verlangen zu phantastisch sei, als dah man ernsthaft darüber sprechen könnte. Die Aussichten der Genfer Abrüstungskonferenz wer­den hier nunmehr für denkbar ungünstig gehalten, da man nicht glaubt, dah sich Frank­reich auch nur auf die geringfügigste Herabsetzung seiner Streitkräfte einlassen werde. Die Haltung Frankreichs wird vielfach um so mehr bedauert, afö ein französisches Entgegenkommen in der Ab­rüstungsfrage den Boden für die Herab­setzung der Kriegsschulden und der Reparationen besser vorbereitet hätte. Charakteristisch für die Pressekommentave ist die Aeuherung derEvening Post":Frank­reich verlangt internationales -Vertrauen. Seine Haltung ist aber ein offenes Demenll seines eigenen Vertrauens zum Völkerbund, zum Kel- loggpcckt und zu den Locarnoverträgen.

warten, daß der Besuch dieser drei Herren in Berlin unmittelbar auf den Besuch Macdonalds und Hendersons folgen werde.

Ein Interview Hugenbergs.

Berlin, 22.Juli. (TU.) Ser Vorsitzende der DNVP. Sr. Hugenberg gab der amerikanischen Associated Preß^ eine Erklärung über die Lage in Deutschland, in der er sagt: Die Finanzkrise in Deutschland ist die unvermeidliche Folge der jahre­langen Reparationszahlungen. Die Milliardenoer- schuldung zur Zahlung der Tribute noch dazu in Form kurzfristiger Kredite war politische und wirtschaftliche Unvernunft. Der Abzug dieser Kredite, zum Teil aus politischen Gründen veranlaßt, macht jetzt Staat und Wirt» schäft blutleer. Wir bekämpfen den Poungplan, weil wir als seine Folge die heutige Krise ooraus- sahen. Die Reparationszahlungen sind auch die Hauptursache für die Wirtschaftskrise. Wir begrüßen den entschlossenen Schritt Hoovers, weil er die Re­parationsfrage anfaßt. Wir bedauern es, daß, wäh­rend England und Italien sich vorbehaltlos dem Schritt angeschlossen haben, Frankreich aus macht­politischen Gründen glaubt, sich wirtschaftlichen Er­kenntnissen verschließen und an der Fiktion des Poungplanes festhalten zu müssen. Am Ende des Hoover-Jahres muß die Revision der Reparationszahlungen stehen. Weil Deutschland die privat aufgenomme­nen Schulden anerkennen und zurück­zahlen will, deshalb muß es von den poli­tischen Schulden befreit werden. Ebenso muß das Jahr und vor allem die jetzige Finanzkrise, die Abkehr von der bisherigen von marxistischen Ideen entscheidend beeinflußten Wirtschaftspolitik in Deutschland bringen. Sonst werden wir im Win­ter sechs Millionen Arbeitslose haben. Die Lösung der Weltkrise ist ohne Lösung der Abrü­stungefrage nicht zu erreichen. Das ab­gerüstete Deutschland muß erwarten, daß auch die anderen Staaten, wie es im Versailler Vertrage vorgesehen ist, ihre Rüstungen auf das Maß der deutschen Abrüstung herabsetzen. Die Rechte wird in kurzem berufen sein, die Regierung in Deutsch­land zu übernehmen. Sie erkennt die prioatwirt- schaftlichen Verpflichtungen an, die dem Ausland gegenüber eingegangen sind. Sie lehnt es ab, die Notlage des deutschen Volkes durch die weiteren Auswirkungen des Versailler Vertrages noch ver­größern zu lassen. Gelingt es nicht, die jetzige Fi­nanzkrise zu einer Gesundungskrise werden zu lassen, dann haben wir in Deutschland den Bolschewismus. Der Bolschewismus aber ist eine Pest, die an der Grenze Deutschlands nicht Halt macht.

Die Zollunion vor dem Haager Gerichtshof.

Professor Kaufmann begründet den österrelchischen Standpunkt.

Haag, 22. Juli. (WTB.) In der heutigen Dormittagssitzung des Ständigen Internationalen Gerichtshofes begann der österreichische Vertre­ter Prof. Dr. Kaufmann mit der Darlegung des österreichischen Standpunktes in der Angelegen­heit der deutsch-österreichischen Zollunion Er führte zunächst den Rachweis, daß das Genfer Protokoll vom Oktober 1922 Oesterreich bezüg­lich der Wahrung seiner Llnabhängigfeit feine Verpflichtungen auferlegt habe, die über den Ar­tikel 88 des Vertrags von Saint Germain hin­ausgehen. Dies ergebe sich u. a. deutlich daraus, daß es gerade die Oesterreicher gewesen seiei^ die im Jahre 1922 beim Abschluß des Genfer Protokolls ausdrücklich die Zurückverweisung auf den Artikel 88 des Vertrags von Saint Germain gewünscht hätten. Durch diesen Wunsch wollten sie zum Ausdruck bringen, daß Oesterreich durch Llnterzeichnung des Genfer Protokolls keiner­lei neue Verpflichtungen auf sich la­den wolle. Diesem österreichischen Wunsch sei da­mals auch entsprochen worden. Ein Ver­such Frankreichs, die Bewegungsfreiheit Oester­reichs stärker einzuschränken, als dies im Artikel 88 des Vertrags von Saint Germain ge­schehen fei und ihm im wesentlichen besondere Verpflichtungen auf wirtschaft­lichem Gebiete aufzuerlegen, sei vom Obersten Rat der Alliierten zurückgewiesen worden.

Gerade die Befugnis, die Llnabhängigfeit be­schränken zu können, sei ein Attribut der Llnabhängigkeit, d. h. der Souveränität des Staates. Der Haager Gerichtshof habe sich wie­derholt in diesem Sinne entschieden. Freiwil- l i g übernommene Deschränkungen könnten nie­mals den Verlust der Llnabhängigkeit mit sich bringen. Auch könne man keinen Verlust der LIn- abhängigkeit darin erblicken, wenn die Verpflich­tungen, die sich ein Staat auferlege, dieselben seien, wie diejenigen des Staates oder der Staa­ten, mit denen er die betreffende Abmachung ge­troffen habe. Diese Freiheit eines Staates be­schränken zu wollen, würde bedeuten, seine Llnab- hängigkeit zu vernichten. Im Lichte der vorher­gegangenen Feststellungen müsse man die geplante deutsch-österreichische Zollunion betrachten. Das Wiener Protokoll beginne mit der Erklä­rung, dah cs bezwecke, einen Anfang mit

Vorläufig fein Rentnerversorgungsgesetz.

Berlin, 23. Juli. (VDZ.) Die Reichsregie­rung hat Reichstage eine Liebersicht über ihre Antworten auf Entschließungen zugehen las­sen, die der Reichstag vor längerer Zeit ange­nommen hatte. Es ergibt sich aus den Antwor­ten, daß die Reichsregierung wiederum die Mög­lichkeit eines Rentnerversorgungsge­setzes geprüft hat. Sie sei dabei zu dem Ergeb- rris gekommen, daß ein solches Gesetz, das den Kleinrentnern einigermaßen ausreichende Bezüge gewährleiste und sie von der Inanspruchnahme der Fürsorge befreie, dem Reich jährlich min­destens 200 bis 300 MillivnenReichs- mark Kosten aufbürden würde. Bei der Finanz­lage des Reiches sei daher die Durchführung eines Rentnerversvrgungsgesetzes nicht mög­lich. Auch dem weiteren Ersuchen, über die im Haushalt 1930/31 bewilligten Mittel hinaus Be­träge für die Rentner bereitzustellen, habe nicht enffprochen werden können.

Aus aller Wett.

Die (Enteignung der Rigaer Domkirche vom Parlament abgelehnt.

In der Rächt zum Donnerstag wurde unter atemloser Spannung und nach erbitterter Rede­schlacht das Gesetz über die Enteignung der deutschen Domkirche zu Riga im lett- ländischen Parlament in geheimer Abstimmung mit Stimmengleichheit abgelehnt. Das demokratische Zentrum und die Christlich­nationalen versuchten vergebens, durch neue An­träge die Enteignung durchzusehen, die jetzt zum Volk^Kentscheid gelangt.

Parsival" in Bayreuth.

Vor ausderkauftem Hause dirigierte am Mitt­woch T o s c a n i n i zum ersten Male in Bayreuth denParsival", nachdem Dr. Karl Muck, der seit 1901 das Weihespiel zu seiner eigenllichen Domäne erhoben, sich von seiner weiteren Wir­kung im Festspielhause zurückgezogen hatte. Tos- carrini verlegte sich auf eine möglichst partitur­getreue Wiedergabe, ohne auf eine gewisse per­sönliche Rote ganz zu verzichten, die fror allem in der Betonung des Feierlichen lag. Dadurch zer­rann allerdings der erste Akt in seiner Länge an sich schon mehr in die Breite. Das Orchester bot an Tonfülle und Tonreinheit, an Weichheit und Rundung bis tzu den Dchlagzeugen eine geradezu erstaunliche Leistung, und da auch die solistischen Darbietungen ein Höchstmaß künstlerischer Wir­kung nicht unterschritten, war diese PaEval-Auf- führung in einer Geschlossenheit gegeben, wie sie außerhalb Bayreuths nicht erreicht zu werden ver­mag Fritz Wv l f f als Parsival ist aus den letzten Festspieljahren hinreichend als bedeutende Gestalt schon bekannt, desgleichen Ivar Andresens würdevoller Turnern anz. Spiel und Großzügigkeit verrieten Elisabeth Ohms Kun dry und Gotthold D i 11 e r s Klingsor, während Dezsö E r n st e r als Titurel und Herb. Janssen als Amfortas durch ihre stimmlichen Qualitäten und die Chöre durch die Klarheit und Ausdrucksfähigkeit gefielen.

Staatsrat Professor D. Dr. von Riimelin f.

In Tübingen starb im Alter von 70 Jahren der Professor der Rechtswissenschaft und Kanzler der Universität Tübingen, Staatsrat D. Dr. Max von Rümelin. Der Entschlafene mar als Sohn des früheren württembergifchen Kultus­ministers und späteren Tübinger Universitätskanz­lers Dr. Gustav Rümelin im Jahrs 1861 in Statt- gat geboren, wurde 1889 Professor in Halle und kam 1895 nach Tübingen. Seit 1908 war er, wie sein Vater, Kanzler der Universität. Nach Ablauf des Sommersemesters 1931 wollte Staatsrat D. Dr. von Rümelin in den Ruhestand treten.

Das siebte Todesopfer des Mont Blanc.

Bei der Besteigung des Mont Blanc ist der Wiener Alpinist Dr. Fritz Diehl durch Erfrie­ren tödlich verunglückt. Mit diesem Llnglück hat die Hochtouristik allein im Mont-Dlanc-Gebiet i n diesem Sommer bereits sieben To­desopfer gefordert.

Schweres Gewitter über Lublin. vier Tote, zahlreiche verletzte, großer Sachschaden.

Ein Gewitter von noch nicht beobachteter Stärke Zing über der Stadt Lublin und ihrer Llmgebung nieder. Etwa 1000 Häuser wurden eingerissen oder schwer beschädigt. Acht Waggons, die im Bahnhof von Lublin standen, wurden umgerissen. Ganze Dächer, Scheunen und Telegraphenstangen wirbelten durch die ßuft. Rach den bisherigen Feststellungen sind vier Personen getötet worden, unter ihnen ein Kutscher, den der Sturm­wind mitsamt dem Wagen und den Insassen hochtrug und auf die Erde zurückschleuderte. Die übrigen Insassen des Wagens wurden schwer verletzt.