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nr. 170 Erst« Via«

181. Jahrgang

Donnerstag, 23. Juli 1931

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Drud nnö Derlag: vrLhl'sche UniversiEr-vuch' miß Stetnörnderei H. fange fn Sietzen. Sd)rtftleitnng und Seschästrstelle: Zchulfkrahe 7.

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Dr. Friedt. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumfchein und für den Anzeigenteil Max Fist«, sämtlich in Diesten.

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Die Scholle

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5erusprechanschlükse nter5ammebmmmer2251. Anschrift für Drahtnach­richten: anjelgrr Bieste».

potkichecttomo:

Frankfurt am Mai» 11686.

Gewisse Fortschritte in London.

Verlängerung des Nediskontkredits der Neichsbank von 100 Millionen Dollar auf drei Monaie. Belastung der kurz­fristigen Kredite. Ein Bankierkomitee soll Deutschlands Kreditlage prüfen. Im Herbst vermutlich eine neue Konferenz.

London, 22. Juli. (U3IB.) Die heutige Be­sprechung der Sieben Wachte wurde um 13 Uhr ver­tagt. (Es wurde über sie folgende» Kommunique hcrausgegebcn.

Die Internationale Konferenz hielt heute um 10 Uhr eine weitere Besprechung im Foreign Office ab, die sich weiter mit den IN e t h o d e n befähle, das vertrauen in die Stabilität der deutschen Finanzlage durch eine ein­vernehmliche internationale Koope­ration auf der Basis des vom Komitee der Ji- nouzminifter oorgelegten Planes wiederherzuftcllen. Ls wurde ein Fortschritt erzielt. Gewisse technische Fragen sind den Finanzminislern über­wiesen worden, welche darüber heute nachmittag beraten sollen, und der morgen oormlflag abzuhal- tenden tzauptkonferenz Bericht erstatten werden.

.TS sind einige Fortschritte gemacht worden." Mit diesen Worten leitete der Wortfüh­rer der deutschen Delegation die Besprechung mit den deutschen Pressevertretern ein. Er wies dar­aus hin, dah gestern nachmittag die Finanz- m i n i st e r der in Betracht kommenden Länder zu- sammengesesfen haben, unb dah sich der Gegen­stand der Diskussion im wesentlichen um drei Punkte gedreht Hütte: Die Verlängerung des bisherigen Bediskontkredites von 100 Millionen, die Mahnahmen, um son - st ige private Kredite folgen xu lassen, und schließlich die Frage, wie darüber hinaus neue kurzfristige Kredite der Reichsbank zur Verfügung gestellt werden können. Verschiedene Anregungen wurden in formulierte Dor - schlägegefaht, die eine Einleitung enthalten und worin die verschiedenen Punkte angeführt werden, ohne dah deshalb die Vorschläge als end­gültige Vorschläge betrachtet werden können. 3n der Einleitung des Dokumentes wird deutlich be­tont. dah die Aufrechterhaltung der finanziellen Stabilität Deutschlands wesentlich für die Inter­essen der ganzen Welt und der auf der^Kon­ferenz anwesenden Regierungen ist, und dah"alle Regierungen bereit sind, zur Wiederher­stellung des Vertrauens zusammenzuar­beiten, soweit es in ihrer Macht liegt.

Dies wurde besonders betont mit Rücksicht auf die gestrige Nachricht, dah die Franzosen des­interessiert waren und ihr Gang nach London nur als ein Akt der Höflichkeit zu betrachten sei. Diese Nachricht ist völlig unbegründet. Die Fran­zosen haben sich, wie von deutscher Seite hervor- gehoben wurde, durchaus positiv eingestellt, nicht nur zu der erwähnten allgemeinen (Einteilung, sondern auch zu jedem einzelnen Punkt. Jn der Frage des Rcdiskontkredltes und des Stehen- lasfenv sonstiger Kredite ist heute Uebereinstim- mung erzielt worden. Letzteres ist insbesondere der amerikanische Gedanke, nämlich, dah vor allem Sicherheit geschossen werden muh, damit die jetzt In Deutschland vorhandenen kurzfristigen

Kredite nicht weiter abgezogen werden.

Von deutscher Seite wurde weiter hervorge­hoben, dah die Rotwendigkeit der Schaffung von Sicherheit dafür, dah die in Deutschlaird vor­handenen hirzsristigcn Gelder nicht weiter zurückgezogen würden, bisher als s e l b st - verständlich angesehen worden war, und dah die Schwierigkeiten, die in der Regelung dieser Frage liegen, so wenig begriffen wurden, dah man nicht verstand, warum hierüber noch ver- handell wird. Aber wenn man näher auf die Verhandlungen, die gestern unb heute von den Finanzministem geführt wurden, eingeht, so zeigt sich, welche ungeheueren Schwierig­keiten darin bestehen, diese Kredite zu er­fassen, und eine Organisation zu schaffen, die dafür sorgt, dah sie nicht weiter abgezogen werden. Dies bildete den Gegenstand der Verhandlungen. Die Formulierung wird noch besonders vorgcnommen werden. Hierzu gehört der Vorschlag der amerikanischen Delegierten, dah )ur Durchführung des grundsätzlichen Planes gemeinsamer Maßnahmen ein Komitee der Zentralbanken und anderer Danken alsbald zusammentritt, damit die Empfehlungen der Regierungen in die Tat umgesetzt werden können.

Es muh betont werden, dah cs sich n u r u m Empfehlungen der Regierungen handelt und nur darum, dah die Regierungen die Zentral­notenbanken und andere Institute veranlassen, die Mahnahmen zu treffen, die von deutscher Seite für entscheidend gehalten werden.

Ls wird wahrscheinlich bald bekannt werden, dah die deutsche Delegation vorgeschlagen hat, dah alsbald einige maßgebende Finanziers dem kranken den Puls fühlen, um dafür zu sorgen, doh die Verantwortlichkeit dieser Konferenz aus­rechterhalten bleibt Ls liegt im Interesse Deutschlands, dah eine Reihe maßgebender Bankiers vom Typ der Leute, die sich bereits bei früheren derartigen Gelegenheiten als her­vorragende Kenner des internationalen Wirt­schaftslebens und als unvoreingenommene

Beurteiler der internationalen Wirtschaftslage erwiesen haben, nach Berlin gebeten werden, um feslzuslellen und milzuwirken bei der Beob­achtung, ob das, was in London vereinbart wird, ausreicht, um in Deutschland die Kredil- verhältnlsse ausrechtzuerhalten. Sie sollen gleich­zeitig die Verantwortung übernehmen, der Kon­ferenz oder einem anderen Institut zu berichten, dah eine weitere Konferenz notwendig ist, »veil fich gezeigt Hal, dah die bisherigen Wahnahmen nicht ausreichen.

Es mufj besonders unterstrichen werden, dah unter keinen älmständen die Auffassung aufkom­men darf, dah es sich hierbei um irgendeine Art von Kvntrollkomitee handelt. Die An­regung dieses Komitees ist in keiner Weise aus taktischen Gründen vorgeschoben worden, und von keinerlei Seite ist bisher irgendein Kon- trollkvmitee erwähnt worden. Das Komitee zur Aufrechterhaltung der Kredite könnte beispiels­weise in Basel oder sonstwo zusammentreten. Sehr wichtig ist. zu sehen, wie sich die Vor­schläge dieser Konferenz auswirken, unb wenn sich zeigt, dah es nötig ist, darüber hinaus- zugehcn, alsbald eine neue Konferenz einzu­berufen.

Bezüglich des Punktes, inwiefern Deutschland neue Rediskontkreditc zur Verfügung -gestellt werden sollen, sind die Diskussionen nicht weiter vorgetragen worden. Es gibt eine ganze Reihe von Fragen, die sich immer auf das Problem beziehen, wie diese Kredite gesichert werden. Es wurde beispielsweise der Gedanke geäußert, dah Handelswechsel der Reichsbank zum unmittelbaren Rediskont ins Ausland gegeben werden. Es wurde darauf hin­gewiesen, dah dieses fast regelmähig bei der Stabilisierung einer Währung angewendet wurde. Dies ist gewöhnlich nur im geringen Umfange nötig gewesen, aber es würde eine Erweiterung der Bewegungsfreiheit der Reichsbank bedeuten, wenn die Handelswechsel im Auslande rediskont­fähig gemacht werden. Hierbei sollte die Gvld- diskontbank als Träger der Erweiterung der kurzfristigen Kredite eingeschoben werden. Diese und die damit zusammenhängenden Fragen wur­den heute nachmittag um 16 Uhr auf einer Sitzung der Finanzmini st er erörtert, deren Vorschläge morgen vormittag um 10 Uhr der Dollkonferenz unterbreitet werden.

Die Verlängerung des Rediskontkredits.

Das Ergebnis der Konferenz der Finanzminister.

London, 22. Juli, lieber die heutige Finanz- minislersitzung berichtet Reuter: Die Finanzminister berieten heule nachmittag über die Fassung ver­schiedener Lnlschliehungen, die in der morgigen Plenarsitzung der Konferenz unterbreitet werden sollen. Wie aus autorisierter Quelle verlautet, hat sich die Konferenz mit der Frage neuer Kredite zugunsten Deutschlands sehr wenig beschäftigt. Die Debatte betraf lediglich d i e Stabili­sierung der bestehenden Kredite sowie andere Wittel, Deutschland zu helfen. Die inter­essierten Regierungen werden wahrscheinlich die Lmissionsbanken Frankreichs, Grohbrilannlens und Amerikas ersuchen, den bereits bewilligten 10 0- Willionen-Dollar-Kredit an Deutschland u m drei Wonate zu verlängern. In dieser weise würde der Betrag der Kredite der Privat­banken an Deutschland ungefähr aufrechterhal- I c n werden. Der Vorschlag einer Neuvertei­lung der kurzfristigen Kredite unter Großbritan­nien, Frankreich und Amerika soll nun endgültig aufgegeben worden sein.

Hierzu ist ergänzend folgendes zu berichten:

3m Laufe der Verhandlungen am Mittwoch hatte Schahkanzlcr Snowden die Sprache auf die Reuverteilung der in Deutschland befindlichen ausländischen Gutha­ben gebracht. 3m Hinblick darauf, dah Frank­reich den größten Teil seiner Guthaben be­reits aus Deutschland zurückgezo­gen hat und an der Gesamtsumme nur noch mit einem sehr geringen Satz beteiligt ist er wurde von der .Times" mit 3 v. H., von deutscher Seite mit 6 v. H. angegeben, war es Snowdens Plan, Frankreich an der Verpflichtung, die Gut­haben in Deutschland zu belassen, mit einem höheren Prozentsatz zu belasten, als die tatsächlichen französischen Guthaben in Deutschland betragen. Laval erklärte hierzu ausweichend, dah er keine Kontrolle über die französischen Danken habe: im übri­gen fei auch zu berücksichtigen, dah gröhere Sum­men französischen Geldes über amerika­nische und englische Bankinstitute in Deutschland investiert seien. Er könne daher dem Plan Snowdens nicht zustimmen. Das ist, soweit man in Erfahrung bringen konnte, alles, was von französischer Seite zu der Ausstellung eines

Stillhaltekonsortiums für Deutschland aufgebracht worden ist.

Stimson stellte heute den dritten Punkt der ame­rikanischen Vorschläge zur Aussprache, nämlich die Einsetzung eines internationalen Ausschusses, der den finanziellen Ausbau Deutschlands nachprüfen und bestimmen soll, wie­viel neues Geld von Deutschland ge­braucht wird. Anscheinend deckt fich der von amerikanischer Seite vorgeschlagene Ausschuh mit dem Plan und Vorschlag D r ü n i n g s , Ban­

kier- nach Deutschland zu berufen, um eine engere Fühlungnahme zwischen Deutschland und den an­deren Ländern sicherzustellen. 3n deutschen Krei­sen wird auSbrüdlid) versichert, dah an die Ver­längerung des RediskontlreditS von 100 Millio­nen Dollar an die ReichSbank keinerlei Be­dingungen geknüpst worden feien. ES ist je­doch zu beachten, dah diese Verlängerung seiner­zeit bereit - in Basel von den Roten­banken beschlossen worden ist. und zwar eine Verlängerung um drei Wochen.

Revision oder Chaos.

Die Meinung der Times. Die wahren Probleme umgangen. Jm Herbst eine neue Konferenz notwendig.

London, 23. Iuli. (WTB. Funkspruch.) Die ITlorgenblättet geben der Erwartung Ausdruck, dah die Beschlüsse der Slebenrnächte-Konferenz aus- reichen werden, um die finanzielle Lage Deutsch­lands für die Zukunft möglichst sicherzustellen. Sie sind der Meinung, die Konferenz werde sich heute gewisiermahen vertagen, sie werde aber im Herbst wieder zusarnmentrelen müssen. Ls habe den Anschein, als ob das im Augenblick Not­wendige zustande gebracht, die Haupt- problemeaberaufgefd)oben worden feien. Daily Telegraph" fahl feine Eindrücke dahin zu­sammen, die Konferenz habe innerhalb ihres durch die Tagesordnung beschränkten Betätigungsfeldes einen befriedigenden Fortschritt zustande gebracht.

Times" hingegen ist pessimistisch: sie spricht von einer verlorenen Gelegenheit und davon, dah Dr. Brüning mit leeren Händen aus London zurückkehren dürste. Die Besprechungen hätten kein (Ergebnis gezeitigt, das einer solchen ein­drucksvollen internationalen Konferenz würdig wäre. Darüber die Enttäuschung zu verhehlen, würde zwecklos sein. Sie geht dann weiter zu den Ursachen des .Fehlschlages" über. Solange Amerika es ab- lehne, meinte sie, sich mit den Kriegsschulden zu befassen und die französische Regierung sich auf keine Revision der Reparationen einlasse, sei es klar, dah kein wirklicher Fortschritt für die dauernde Regelung des deutfchen Wirtschafts­problems gemacht werden könnte. (Es fei nur mög­lich gewesen, Wahnahmen zu vereinbaren, die ver­hindern sollten, dah sich Deutschlands Lage zu einer Katastrophe auswachse. Solange aber die Last der

Reparationen auch nur annähernd auf Deutschland liegen bleibe, werde es unmöglich fein, besonderes vertrauen in feine finanzielle Zukunft einzuflöhen, das das nötige fremde Kapital anzuziehen ver­möchte. Indes sei es besser als nichts, wenn die Gläubigerregierungen sich bereit erklärt haben, ihren Linsluh dahin geltend zu machen, dah wei­tere Kredite aus Deutschland nicht zurückgezogen werden. Diese Tatsache an sich fei geeignet, das vertrauen in Deutschland wieder herzustellen, und Deutschland könne für den Augenblick wenigstens sich weiterhelsen, wenn auch alles von der Beharrlichkeit und Entschlossenheit abhänge, mit der dieses Resultat ausgenommen und die weiteren notwendi- gen Wahnahmen erfragen werden würden.

Jedenfalls fei es klar, dah es nicht lange mehr möglich fein würde, öle wirklichen Pro­bleme ; u umgehen, was im Augenblick den vereinigten Staaten und Frankreich gelungen sei. denn was soll im nächsten Sommer ge­schehen, wenn die Wiederaufnahme der Repara­tionszahlungen akut wird? Die einzige Alternative sei: Revision oder Chaos. Um dieses yi ver­meiden müsse das Derk der Revision so früf) wie möglich unternommen werden, ohne dah Deutsch­land und die Welt die industrielle Depression nicht überwinden könnten. Zum Schluh sprichtlimes" die Hoffnung aus, dah der Ausschuh, der zusammen­gerufen wird, den Gang der Ereignisse in Deutsch­land sorgfältig im Auge behalten werde und dah im Herbst die Londoner Aussprache mit (Erfolg wieder aufgenommen werden wird.

Getäuschte Erwartungen.

Lteberspannie Hoffnungen haben sich nicht erfüllt. Frankreichs Kotte in London. Herbe Kritik derGermania^.

Berlin, 23. 3uli. (ERB.) Die Entwicklung der Londoner Konferenz wird von der Berliner Presse ziemlich pessimistisch beurteilt. Fast über­einstimmend wird von den Zeitungen betont, dah die tatsächlichen Ergebnisse der Kon­ferenz den Erwartungen und dem Aufgebot an Ministern und Sachverständigen nicht ent­sprechen werden. Die Hauptschuld an dem Hin und Her der Londoner Konferenz und an der be­dauerlichen Einschränkung des Konferenzpro­gramms wird von den meisten Blättern Frank­reich zugemessen, das. wie die ^Deutsche Tageszeitung" sich ausdrückt, London plan­mäßig unter Störungsfeuer halte. Auch die ®ermani a, das führende Zentrumsblatt, un­terzieht Frankreichs Verhalten einer eingehenden Kritik und schreibt: Wenn infolge der französischen Weigerung zur tätigen Mitarbeit an der Ret­tungsaktion nur ein angelsächsischer Stlllehaltungs- plan und eine Rediskmtstärkung der Reichsbank zustandekvmmt und Frankreich sich sogar von die­sen bescheidenen Hilfsmaßnahmen vstent.ativ f e r n h ä l t, so sehen wir nicht, wozu man die­sen großen Apparat auf geboten hat, in dessen Hände eine Entscheidung von säkularer Bedeutung gelegt war. Will Frantreich das Risiko eingehen, daß sich zur Abwehr der Vormachtgelüste eine Koalition bildet, in der Deutschland mit Ra­tionen zusammenarbeiten würde, die ein mit den 3ahren immer mehr steigendes Verständnis für die wirtschaftliche und politische Sonderlage Deutschlands gezeigt haben? Eine derartige Block­bildung, fährt das Blatt fort, würde vielleicht dem Geiste des Genfer Paktes ebenso wider­sprechen. wie die seit zwölf 3ahren bestehende französische Militärkoalitivn, aber sie würde zum Unterschied von dieser zur Abwehr einer tatsächlich bestehenden Bedrohung gebildet sein und Frankreich moralisch und polittsch in hohem Grade isolieren. Rur mit Bedauern würden wir Londoner Ergebnisten ent­gegensehen, welche unter Ausschluß oder gar gegen Frankreich erreicht werden müßten. Richt nur deswegen, weil eine französische Richtbeteiki- gung einen Faktor der Ungewißheit

bildet und die getroffenen Hilfsmaßnahmen in gewissem Umfang problematisch erscheinen läßt. Unser Bedauern würde in erster Linie dem vor­läufigen Scheitern des Versuches gelten, daS deutsche und französische Schicksal wirtschaftlich enger miteinander zu ver­knüpfen und dadurch den Ausgangspunkt einer praktischen deutsch-französischen Zusammenarbeit zu schaffen.

Auch Reuyorker Bankkreise sind enttäuscht.

Neu york, 23. Juli. (WTB. Funkspruch.) Jm Gegensatz zu den Berichten her Morgenblatter, die von einer Befriedigung der offiziellen Kreise über die Ergebnisse der Londoner Konferenz sprechen, bringen die Wall-Street-Informationen derNew Bork Times" undHerold Tribüne" eine merkliche Enttäuschung der Finanzkreise zu dem bisher Erreichten zum Ausdruck. Im Gebäude der Federa- tion-of-Labour-Bank sei gestern eine Bonk« Versammlung abgehalten worden, über die je« doch keine offizielle Erklärung ausgegeben worden sei. Es verlautet aber, daß das Problem der turzfristigen Kredite besprochen worden sei. Die Bankwelt erklärte sich besonders den hier lediglich als Gentleman Agreement bezeichneten Versuchen abgeneigt, die die Verständigung über ein Nichtzurückziehen der kurzfristigen Kredite zu einem festen Abkommen stempeln wollen. Die Bonkweit neigt der Ansicht zu, gerade im eige­nen Interesie des deutschen Kredits solle kein beson­derer Nachdruck auf dasEinfrieren" der beut« schen Kredite gelegt werden, denn dieses wurde unter Umständen eine abschreckende Wirkung auf bi« Gewährung von Krediten haben können. Die Empfehlungen aus Bankkreisen, die vorgestern bekannt wurden, die Reparationen sollten gestrichen oder wenigstens ver­mindert werden, seien gestern aus Arbeiterkrei­sen durch eine ähnliche Erklärung des Präsidenten der Federation of Labour, Green, unterstrichen worden.