bisher unbekannten Ansprache des Staatspräsidenten Doumer, der Briand begreiflich zu machen versucht hat, daß seine Niederlage in Versailles keine politische Bedeutung habe, gewinnt die Kundgebung vor dem Lyoner Bahnhof natürlich eine besondere Bedeutung. Briands Freunde versichern, daß es nur dieses Augenblicks bedurfte, um den Außenminister zu veranlassen, seine Demission zurückzuziehen.
Pflästerchen für Deutschland.
Paris streicht die deutschen Erfolge heraus.
Paris. 22. Mai. (£A1.) Der „Petit Parisi en" faßt das Ergebnis der 63. Tagung des Völkerbundsrates dahin zusammen, daß man im großen und ganzen mit der Aussprache zufrieden sein dürfe. Richts von dem, was man hätte befürchten tonnen, habe sich ereignet und alles, was man hätte erhoffen können, sei erreicht worden. 3m Augenblick bestehe nichts mehr, was die internationale Lage trüben könne. Auf keiner Seite dürfte heute noch irgendwelche Erbitterung bestehen. (!) Wenn man überhaupt von einem Sieg sprechen könne, so sei es derjenige der Friedenspolitik der Wahrheit, Offenheit, der Gemessenheit und des Paktes.— Der Außenpolitiker des „Echo de Paris' erhebt die Frage, was Deutschland in Genf erreicht habe, und
nachdem er erklärt, daß Dr. Curtius die Verweisung des deutsch-österreichischen Protokolls an den Haager Gerichtshof nur unter der Bedingung annahm, daß eine politischeDebatte nicht beginnen und daß der Völkerbundsrat nicht versuchen würde, die Folgen der deutsch-österreichischen Zollunion für den europäischen Frieden festzustellen, konstatiert er: Dr. Curtius habe in diesem Punkte Genugtuung erhalten: denn der Haager Gerichtshof werde sich über die Berichtigung der deutsch- österreichischen Zollunion im Hinblick auf Art. 88 B des Vertrags von St. Germain und des Anleiheprotokolls vom 5. Oktober 1922, aber nicht im Hinblick auf Art. 88 des Versailler Vertrages zu äußern haben. Zwar hätte sich Briand das Recht Vorbehalten, eine Debatte über die Folgen des deutsch-österreichischen Protokolls zu beantragen. Aber dies sei bereits eine Verschiebung und somit eine gewaltige, unvorsichtige Konzession. Deutschland habe gewiß das Höchstmaß seiner Wünsche nicht erreicht: Eine CinbeziehungRumäniensund3ugv- s l a w i e n s in den deutsch-österreichischen Block noch vor der Genfer Debatte sei nicht gelungen: aber daß Deutschland seine Bemühungen in Rumänien verdoppele und die Kleine Entente eine Anleh nung an Italien suche, sei im Grunde genommen eine indirekte Rückwirkung der deutschen Taktik.
9er Kamps um Gurte und das Ausland.
Warnungen aus der Schweiz.
Genf, 22. Mai. (6'2103.) Der Chefredakteur der demokratischen Reuen Züricher Zeitung, Dr. Klötzli, schreibt: „Es ist ein alter deutscher Brauch, daß auf jeder Völkerbundsversammlung der deutsche Vertreter nicht nur für die Interessen seines Landes, sondern auch um feine eigene Person kämpfen muh. Wie oft wurde Dr. Stresemann gedroht, er werde sofort nach seiner Rückkehr aus Genf gestürzt werden, wenn er nicht die Totalität der deutschen Forderungen durchsetzen konnte. Die Behauptung, daß Dr. Curtius nicht mehr genügend Autorität besitze, um den Reichskanzler Brüning auf der Reise nach Chequers begleiten zu können, zeigt die Rücksichtslosigkeit, um nicht zu sagen Taktlosigkeit, mit der deutsche Mini!ster heute behandelt werden, selbst von Leuten, dis ihnen nahestehen. Als Briand in Versailles durchgefallen war, bezeugte ihm am anderen Tage gerade die Presse seiner Gegner, daß er in Genf nach wie vor der Vertreter Frankreichs fei und dort mit voller Autorität auftreten könne. Das nennt man nationale Disziplin vor dem Auslande. — Der Chefredakteur der liberalen Basler Rach - richten, Oeri, beurteilt die Lage wie folgt: Die materielle Behauptung, von der der Kampf gegen Dr. Curtius ausgeht, ist falsch. Es ist nicht wahr, daß sich der Völker- bundsrat im Kampf um die Frage, die nach einem etwaigen deutsch-österreichischen Sieg im Haag weitervorzugehen sei, auf die Seite Briands gestellt habe. Er hat darüber noch nicht entschieden, und es ist speziell ausgefallen, wie vorsichtig in diesem Punkte Herr Henderson einer Meinungsäußerung aus dem Wege ging. Es ist und bleibt immer möglich, England für die deutsche Ausfassung zu gewinnen, deren volle Berechtigung wir an dieser Stelle dargelegt haben. Dazu bietet die kommende deutsch-britische Konferenz in Chequers die beste Gelegenheit. Ader der Außenminister, der dabei Deutschland zu vertreten hat, muh den Völkerbund kennen, muh Herrn Henderson kennen und muß als freier Mann frei verhandeln ronnen. Er darf nicht als zitternder Kuli vor Leuten auftreten, die Herrn Curtius umgebracht haben werden und auch seinen Rachfolger nur mit einem Strick um den Hals reifen lassen, an dem er jederzeit hochgezogen werden kann.
Was sagt man in England?
Die Aufrollung des Rcparalionsproblems wird erwartet.
Lo n d o n, 22. Mai. (TU.) Die englische Presse beschäftigt sich eingehend mit den wachsenden Schwierigkeiten des Kabinetts Brü- nina. Die „Morningpost" legt dem Angriff der „2)213." gegen Dr. Curtius besonders Gewicht bei. Es sei bemerkenswert, so heißt es in dem Bericht, daß die Zahl der überzeugten Kritiker viel größer sei als die Menge der begeisterten Anhänger Dr. Curtius'. Es sei jetzt ganz klar, daß in irgendeiner Form das Reparationsproblem in der näheren Zukunft unter dem Druck der finanziellen Lage und der deutschen öffentlichen Meinung angeschnitten werden würde. Die Stellung der Regierung bei den Massen sei geschwächt, weil trotz aller Bemühungen und geforderten Opfer kein Erfolg aufzuweisen sei. Der Berliner Korrespondent des „Daily Telegraph" spricht von dem Außenminister Curtius als dem unpopulärsten Manne Deutschlands. An seiner gegenwärtigen Isolierung sei Dr. Curtius selbst schuld. Er habe nach Popularität gehascht und habe das Spiel verloren. Er sein von Sachoerständigenberatern gewarnt worden, habe sich jedoch geweigert, auf sie zu hören.
Zu den Borgängen in Genf berichtet der „Daily Expreß", daß Personen, die bisher den Völkerbund stets unterstützt hätten, nunmehr ihren Abscheu über d i e in Genf zutage getretene Scheinheiligkeit aussprechen. Ein hervorragender französischer Journalist, der seit der Gründung des Pölkerbundes jede Sitzung und Vollversammlung ' mitgemacht habe, habe gesagt, daß der Völkerbund auf dem letzten Loch pfeife. Ein belgischer Sozialist habe erklärt, wenn die deutschen Staatsmänner den Mut hätten, im Völkerbund das zu sagen, was sie sonst ganz offen außerhalb dieses Kreises äußern, so könnte man vielleicht etwas mehr Wirklichkeit in dem Völkerbund haben. Hunderte von Menschen, die sich im Zusammenhang mit der Döl- kerbundsratssitzung in Genf befunden hätten, kritisierten die Torheit, die sogenannte Abrüstungs- konferenz einberufen zu wollen, da Frankreich jetzt 400 Millionen Mark nur für seine Befestigungen ausgebe, die sich von Dünkirchen nach Osten und Süden, nach Westen und bis in das Mittelländische Meer erstrecken würden.
Aus aller Well.
Die Ausstellung „Das Kind" in Köln.
In der überaus stark besetzten Messehalle wurde die Ausstellung „Das Kind" eröffnet. In seiner Einführungsrede würdigte Beigeordneter Dr. Linnarh (Köln) das Kind als Unterpfand der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Dec preußische Wohlfahrtsminister Dr. H i r t f i e f e r erklärte als Ehrenpräsident der Veranstaltung u. a.: „Alle Maßnahmen und Einrichtungen, die dem Wohle unserer Jugend zu dienen bestimmt sind, werden mit Recht von allen denen gefördert, die sich für das deutsche Volk mitverantwortlich fühlen: denn die innere und äußere Größe der beutfdjen Ration ist bestimmt von der geistigen und körperlichen Kraft der deutschen Jugend. Deshalb begrüßt es die preußische Staatsregierung, daß diese Ausstellung entstanden ist.. Davon ausgehend, daß das körperliche und sittliche Gedeihen des Kindes in der Familie bestimmt wird, ist es notwendig, daß der Staat und die Träger der öffentlichen und privaten Wohlfahrtspflege der Familie möglichste Förderung angedeihen lassen, und zwar dergestalt, daß Staat, Gemeinden und Wohlfahrts- organifationen der Familie helfend zur Seite stehen und ihr die Sorgen um das Kind erleichtern. Möge diese Ausstellung dazu beitragen, in möglichst weiten Volkslreisen Verständnis für die Bedeutung der vorbeugenden Fürsorge und für die vielseitigen Beziehungen, die das Kind zur Familie und zum Allgemeinleben hat, zu vermitteln.
wieder ein lleberfall auf einen Geldbrieflcäger.
In Duisburg wurde der Geldbriefträger Müller, als er in der Hindenburgstraße 12 e i n e N a ch - nähme erheben wollte, von zwei jungen B u r s ct) e n überfallen und mit einem Sand,ack niedergeschlagen, worauf die Tater versuchten, ihm die Geldtasche zu entreißen. Der Beamte konnte laut um Hilfe rufen und schließlich die Verfolgung der beiden Burschen aufnehmen, die über den Hindenburgplatz, auf dem gerade Markt abgehalten wurde, zu flüchten versuchten. Nach kurzer Verfolgung, an der sich Publikum, Markthändler und Polizei beteiligten, konnte einer der Täter in der Moltkestraße gefaßt werden. Der andere Bursche wurde auf dem Speicher eines Hauses in der Moltkestraße festgenom- men. Wie bekannt wird, hatte der eine Täter vor einigen Tagen unter falschem Namen in der Hindenburgstraße 12 ein Zimmer gemietet und an sich eine Postscheck Nachnahme
über zwei Mark gerichtet. Als der Geldbriefträger erschien, versetzte der hinter der Tür stehende Täter dem Beamten mit einem mit Sand gefüllten Strumpf einen Schlag über den Kopf. Einer der Täter ist ein 30,ähriger Heilgehilfe aus Wesel, der andere ein 20jähriger wohnungsloser Schuhmacher aus Hamborn. Ersterer ist bereits vor- bestraft; gegen letzteren schwebt zur Zeit ein Haft- befehl wegen Einbruchsdiebstahls.
Zuchthausurkeil für eine hundertfache Betrügerin.
In dem Prozeß gegen eine Frau Marie Ludwig, die mehr als hundert Frauen um ihre Ersparnisse gebracht hat, wurden nur einige der greisen Opfer als Zeugen gehört, da hie Angeklagte im wesentlichen geständig war. Der Staatsanwalt beantragte sechs Jahre Zuchthaus. Das Gericht urteilte jedoch mit Rücksicht auf das Gutachten der Sachverständigen, das zwar den § 51 für die Angeklagte verneinte, aber sie doch als Psychopathin bezeichnete, wesentlich milder. Die Ludwig wurde wegen fortgesetzten, teils vollendeten, teils versuchten Betruges im Rückfall zu dreieinhalb Jahren Zuchthaus, 500 Mk. Geldstrafe und fünf Jahren Ehrverlust verurteilt.
Wildwest in Hamburg.
Vor dem Amtsgericht Hamburg wurde in viertägiger Sitzung gegen 14 Angeklagte, darunter eine Frau, wegen schweren und einfachen Diebstahls, Körperverletzung, Raub, Straßenraub, Hehlerei, Erpressung usw. verhandelt. Die Angeklagten hatten sich zu einer Bande z u s a m m e n g e s ch l o s s e n , die sich zu einer wahren Landplage auswuchs und deren Taten an die Verbrecherwelt Chikagos erinnerten. So suchten sie öfter in starker Anzahl eine Gastwirtschaft auf, wo sie zechten, aber nicht bezahlten. Als am 6. April 1930 die Gesellschaft obendrein dem Wirt noch die Scheiben e i n s ch l u g , verfolgte dieser sie, um sie einem Pvlizeibeamten zu übergeben. Sie griffen ihn an. In der Rotwehr griff der Wirt zum Revolver und schoß einen von ihnen nieder. Im Januar 1930 überfielen Mitglieder der Bande am Hellen Tage einen Rollwagen, schlugen den Kutscher nieder und raubten eine Geldkiste mit annähernd 6000 Mark. Im Februar desselben Jahres überfielen die Danden- mitglieder am Bahnhof Moorfleth einen Schacht- meister, dem sie Lohngelder im Gesamt- betrage von etwas über 3000 Mark raubten. Das tollste Stuck aber leistete sich ein Mitglied
Das Schlageier-Denkmal bei Düsseldorf
Die Anlage des Leo-Schlageter-Ehrenmals in Düsseldorf, die am Pfingstsamstag feierlich eingeweiht wird. Das Denkmal, dessen stählernes Kreuz sich 27 m hoch erhebt, befindet sich an der Stelle, wo Leo Schlageter am 26. Mai 1923 von den Franzosen wegen angeblicher Sabotage erschossen wurde.
der Bande, das im Januar 1930 ein Auto stahl, damit vor ein Iuweliergeschäft fuhr und mit einem Stein baS Schaufenster zertrümmerte, eine Anzahl wertvoller Ringe stahl und dann unbehindert davonfuhr. Das Gericht verurteilte elf Angeklagte zu Freiheitsstrafen von einem Monat Gefängnis bis zu sechs Jahren Zuchthaus.
Gegen eas Jreibeutertum im Adreßbuchgeschäst
Dom Reichsverband der Adreßbuch-Verleger sand in Würzburg die Hauptversammlung Des Reichsverbandes der Adreßbuch-Verleger statt. Die von den wesentlichen deutschen Adreßbuchsirmen besuchte Tagung stand unter dem Zeichen der besonderen Not der deutschen Wirtschaft, die sich naturgemäß im Reklamegeschäft auswirkt. Gerade die Entwicklung des letzten Fohres hat ein Freibeutertum auf dem Gebiete des Adreßbuchgeschäftes in Erscheinung treten lassen, das sich zu einer fast unerträglichen Belastung und Belästigung der Wirtschaft entwickelt hat. Wenn auch der Staatsanwalt in den Kölner und Berliner Schwindlerkreisen nun energisch zugegriffen hat, und wenn auch die schlimmsten Betrüger z u empfindlichen Geld- und Gefän-gnis- strasen verurteilt worden sind, so bedeutet doch die durch die Unvorsichtigkeit und Leichtgläubigkeit mancher Firmen und die Wirtschaftsfremdheit gewisser Gerichte geschaffene Sachlage für das an- tänbige Adreßbuchgewerbe eine außerordentliche Ge. ahr. Das anständige Adreßbuchgewerbe hat sich zu- ammen mit den Spitzenoerbänden der deutschen Wirtschaft.seit Jahren bemüht, in vielfältigen Formen Aufklärung zu schaffen und weist immer wieder darauf hin, daß neben den grundehrlichen und anständigen Adreßbuchsirmen, die in unermüdlicher Arbeit volkswirtschaftlich unentbehrliche Nachschlagewerke schaffen, eine Anzahl von zweifelhaften Unternehmen am Werke ist. Gerade das organisierte anständige Adreßbuchgewerbe hat in weitgehendem Maße die Wirtschaft gewarnt. Es glaubt nun aber auch erwarten zu dürfen, daß von feiten der einzelnen Firmen nicht kurzerhand die ehrliche Arbeit mit der zweifelhaften Betätigung irgendeines Schwindlers gleichgestellt wird. Die anständigen Adreßbuchsirmen sind jederzeit in der Lage, den Beweis für ihre einwandfreie Leistung zu führen, insbesondere können sich die Mitglieder des Reichsverbandes der Adreßbuch-Verleger aus-
_ weisen. Das Signet dieses Verbandes ist von den Spitzenverbänden als Wert- Zeichen anerkannt. Die Notwendigkeit und
HB Zweckmäßigkeit d.er Adreßbuchreklame steht als solche außer Zweifel. Bei 21 n - geboten von unbekannten U n - ter nehmen kann also erneut nur r™weite st gehende Vorsicht an- DtvraifGrBRCH empfohlen werden. Die Hauptversammlung beschäftigte sich des weiteren mit der ebenfalls von den gesamten, Spitzenoerbänden verurteilten Betätigung der Reichspost. Re- flame auf dem Adreßbuchgebiete. Wann endlich wird die Wirtschaft erkennen, daß Reklameausgaben für diese Werke nichts anderes als eine indirekte Besteuerung zugunsten des Reichs- postfiskus bedeuten, und daß die sogenannten Branchen-Fernsprechbücher für die gesamtwirtschaftlichen Zwecke unvollständig und unzulänglich sind?
Der Evangelisch-Soziale Kongreß im Industriegebiet.
Der Evangelisch-Soziale Kongreß hält seine diesjährige Pfingsttagung unter dein Vorsitz von Reichsgerichtspräsident a. D. Dr. Simons vom 26. bis 29. Mai in Duisburg ab. Die Hauptthemen der Verhandlungen sind: „Die Gefahr der Bureaukratisierung in politischer, wirtschaftlicher und sozialer Beziehung" (Redner: Studienrat Dr. Walther Classen, Hamburg und Frau Regierungsrat Dr. Gerda Simons, Berlin) und „Demokratie in Kirche, Staat und Wissenschaft" (Professor D. Piper, Düsseldorf). Am 27. Mai findet ein öffentlicher Dolks- abend in der Städtischen Tonhalle statt. Außerdem sind eine Studentenversammlung und sonstige Sonderkonferenzen vorgesehen.
Bundestag des Bundes Königin Luise.
In der zweiten Maiwoche vereinigte der Bund Königin Luise über 7000 Kameradinnen zum Bundestag in Leipzig und Burg Wettin. Die Kameradinnen waren aus allen Teilen Deutschlands nach Leipzig geeilt, unvergeßliche Tage werden es sein. Eine Motette der Thomaner in der Tho- maskirche leitete die Bundestagung ein. Sonntagfrüh war nach einem gemeinsamen Kirchgang eine Kundgebung und Gefallenenehrung am Dölker- schlachtdenkmal. Die zweite Bundesführerin, Frau Sennewald (Halle), legte zum Andenken an die Gefallenen einen Kranz nieder. Die Hauptfeier leitete Beethovens »Die Himmel rühmen"
ein. Die Festrede hielt Graf Eulenburg- Wicken, Landesverbandsführer des Stahlhelm Ostpreußen. Der Redner brachte zum Ausdruck!, daß es das gemeinsame aller nationalen Verbände sei, die innere und äußere Befreiung Deutsch* lands herbeizuführen. Auf diesem Wege zu Ehr' und Wehr sei das Mitwirken der deutschen Frau eine unbedingte Rotwendigkeit. Solange man nicht zur Tat schreiten könne, gelte es einen Willen; hierzu aufzubringen, der tief im Herzen wurzle und uns zur Religion werde. In diesem Sinne habe die Frau ihre hohe Mission als Erzieheriitz der Jugend zu erfüllen, indem sie dieser — an Stelle der Schule — wieder Gottesfurcht, und) Vaterlandsliebe ins Herz einimpfen. — Die Dun- desführerin, Frau Reh (Halle) widmete den Frauen aus dem Rheinland und aus Ostpreußen, die in bewährter Treue zum Bunde stehen, besonders herzliche Worte. Das Motto, nach dem in Zukunft gearbeitet werden müsse, heiße „Kämpfen, werben, glauben!" Die Tagung schloß mit einer Feier auf Burg Wetttn bei Halle.
Explosionsunglück bei Lüttich.
Durch die Explosion eines Riesengasometers in der Kokerei Seraing ist eine gewaltige Feuersbrunst entstanden, die auf die Destil- lationsanlagen Übergriff und sie vollkommen zerstörte. Die Verwüstungen in der Umgebung der Fabrik sind ungeheuer. In dem benachbarten Dorfe wurden durch den Luftdruck alle Fensterscheiben zerbrochen. Außer 15 Verletzten wird nach eine Person vermißt. Die Feuerwehrleute waren die ganze Nacht mit der Bekämpfung des Feuers beschäftigt.
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Wettervoraussage.
Infolge kräftigen Luftdruckanstiegs über dem Fest- lande sind die Störungsreste beseitigt worden, und der Himmel hat sich aufgeheitert. Auch haben die Winde, besonders im westlichen Teil Deutschlands, schon nach Süden umgedreht, so daß warme Luft zugeführt wird. Somit steigen die Temperaturen unter Mitwirkung der Sonnenstrahlung kräftig an, und das seitherige kühle Wetter hat sein Ende gefunden. Bei der starken Erwärmung setzt allerdinas später wieder Luftdruckfall ein, uno die atlantische Störung, die sich weiter vertieft hat, rückt immer mehr heran. Die mitgeführte ozeanische Lust dürfte dann auch in unserem Bezirk zu einzelnen Gewitter- ftörungen oder etwas Niederschlag führen.
Aussichten für Sonntag: Dunstig und bewölkt mit Aufheiterung, wärmer, Reigung zu lokalen Gewittererscheinungen.
Aussichten für Montag: Warmes Wetter, Zunahme der Gewitterneigung oder vereinzelte Riederschläge.
Lufttemperaturen am 22. Mai: mittags 13,9 Grad Celsius, abends 9,8 Grad ; am 23. Mai: morgens 0 Grad. Maximum 17,2 Grad, Minimum 4,1 Grad. — Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Mai: abends 15,4 Grad; am 23. Mai: morgens 11 Grad Celsius. — Niederschlag 0,6 mm. — Sonnenscheindauer 4Vi Stunden.


