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Aus der Pwvinzialbaupistadt
Gießen, den 23. April 1931.
Zwei Fünfziger-Feiern
1830/1930.
Man berichtet uns:
Da der April mit seiner ungünstigen Wettergestaltung den Damen der Gießener Fünfzigervereinigung 1 8 8 0/1 930 den geplanten Ausslug in die Umgebung der Stadt vereitelte, fanden sie sich im „Schühenhaus" zu einem Kaffeekränzchen ein. Etwa 80 Kränzchen- schwestern wurden unter der Leitung von Frau S) Marx und unter Mithilfe von Frau H. Schmitz sowie einiger anderer Damen mit Ka§fee und Kuchen bewirtet. Ein unter der Leitung von Kapellmeister Krengel zusammengestelltes lleines Orchester gab ein ausgewähltes Konzert, das Frl. Charlotte Keller mit gesanglichen Darbietungen bereicherte. In den Pausen entwickelte sich eine angeregte Llnterhaltung. Als am Abend die Männer der Teilnehmerinnen erschienen, um die Damen abzuholen, wurden sie allenthalben freundlich begrüßt. 3m Laufe des Nachmittags hatte der Vergnügungsle^ter, Herr Hans Schmitz, die Teilnehmerinnen mit einer Ansprache begrüßt; am Abend sprach Frau Euler den Männern Dank für das Kränzchen aus. Zuletzt gedachte noch der erste Vorsitzende. Glasermeister Heinrich Marx, der Lebensgelähr- tinnen der Fünfziger mit herzlichen Worten.
' 1831 1931.
Die Mitglieder der Altersvereinigung 1 8 8 1/1 9 3 1 vereinigten sich dieser Tage zu einem Vierteljahrsessen, welches die Geburtstagskinder des ersten Vierteljahr; stifteten. Das Essen war im Restaurant Hindenburg vorzüglich vorbereitet. Freunde der Fünfziger stellten in liebenswürdiger Weise eine fleißige, flotte Kapelle. Die Tafel glich einem Blumengarten. Durch einen Vor- sprach, gesprochen von Alterskamerad Kronenberg, wurde die Feier eröffnet. Der Vorsitzende Valzer begrüßte bann die Teilnehmer. Herr L. Frech, der den Fünfziger-Vereinigungen schon viele schöne Lieder gewidmet hat, in denen er den Weg wies, wie man auch in älteren Jahren im Herzen jung bleiben kann, fand ebenfalls herzliche Worte. Als Gast bereitete Herr Kurt Richter dura) gesangliche Darbietungen und humorvolle Erzählungen den Zuhörern viel Freude. Der Abend verging in vollster Harmonie. Am Sonntag fand bei reger Beteiligung ein Familienausflug nach der Weilersburg statt, der ebenfalls zu einem schönen Erlebnis wurde.
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** V. H. C. G i e ß en. 3m Hörsaal des Forstinstituts hielt am Freitagabend Dr. Karl Rudolf Fischer vor den Mitgliedern des V. H. C. Sieben einen anziehenden Vortrag über Geschichte und Schicksal der Lüneburger Heide und des niedersächsischen Bauerntums. Der Redner, der als Ornithologe in weiten Kreisen bekannt ist, schilderte in packender Weise die Entstehung der Landschaft in prähistorischer Zeit und ihre mannigfache Wandlung bis in die Gegenwart. Mit begeisterten Worten erzählte er von der Schönheit der Heide, die so lange verkannt war, und drückte sein Bedauern darüber aus, daß die intimen Reize der Gegend durch die fortschreitende Kultur in absehbarer Zeit verschwunden sein werden. Glücklicherweise hat sich bei Zeiten der Verein Naturschutzpark, zu dessen älnterftüljung Dr. Fischer eindringlich aufforderte, der Sache z angenommen und einen großen Komplex um den Wilseder Berg angekauft, um ihn als Naturpark au erhalten. Doch auch von den Heidjern, den Bewohnern der dorttgen Gegend, konnte man hören, von ihren Behausungen, von ihrem zähen Festhalten am Althergebrachten, von den gewaltigen Kämpfen gegen Karl den Großen um ihre Freiheit, aber auch von ihrem späteren Unterliegen gegen die älebermacht des Feindes, wobei Tausende der besten Männer ihr Leben lassen mußten. Hermann Löns, wohl der bedeutendste Heidedichter, hat das Ende dieses Verzweiflungskampfes in der, gleichfalls vom Redner vorgetragenen, Erzählung: „Die rote Beeke" vortrefflich geschildert. Wirksam unterstützt wurde der Vortrag durch eine Lichtbilderserie, die eine Reihe prächtiger Naturaufnahmen aus der Cüne- burger Heide aufwies. Die zahlreiche Zuhörerschaft geizte nicht mit ihrem Beifall und ließ dem Redner durch den Mund des Vorsitzenden ihren wohlverdienten Dank abstatten.
** Bildungsverband der Deutschen Duchdr ucker. Die Ortsgruppe Gießen des DdDB. hatte am Dienstag zu einem Vortragsabend im Krausmüllersaal des Ortsgewerbevereins eingeladen, zu dem nicht nur die Mitglieder sehr zahlreich, sondern auch einige Lehrer erschienen waren. Der Oberkorrektor der Duchdruckwerkstätte in Berlin und Schriftleiter der Zeitschrift „Der Sprachwart", Herr O herüber sprach über das Thema: „Der Kampf um die Rechtschreibung". Der Redner erklärte u. a.: Der Kampf um die Rechtschreibung sei heute ein Kampf um die Kleinschreibung, da diese den sichersten Weg einer einheitlichen Gestaltung unterer Rechtschreibung zu eröffnen imstande wäre. Die Kleinschreibung sei durchaus nichts Neues, (te fei vielmehr durch die Architekten des Dessauer Bauhauses wieder aufgegriffen und unserer Zeit entsprechend verwandt worden. Als Dräger der Bewegung für die Kleinschreibung seien neben dem Bauhause auch viele andere Architekten, Künstler und schließlich Werbeleiter saufmännischer Unternehmungen aufgetre'en, nicht juleht aber in hohem Maße auch die Buchdrucker. 3n seinen weiteren Ausführungen streifte der Redner u. a. die Entwicklung unserer Schrift aus der klassischen römischen Schrift, jener Rur- Versalien-Schrift heraus über die älnziale, die Halbunziale, zur karolingischen Minuskel, zur -Schwabacher und schließlich zur gotischen Schrift, . Die sie Gutenberg in seinen berühmten 36- und -^eiligen Bibeln zur Anwendung gebracht. Der Vortragende verfolgte die Entwicklung weiter Lis auf die heutige Zeit und gab einige Perfektiven auf die künftige Gestaltung unserer Schrift. An Hand von vorzüglichen Lichtbildern ergänzte er seine Aus'ührungen. Schließlich ging er auf die augenblicklich geltende deutsche Recht- schreibung ein und wies an Hand von Beispielen cms dem Duden auf eine große Anzahl von Inkonsequenzen in der Schreibweise hin, die eine Reform unserer Rechtschreibung als dringend notwendig erscheinen ließe. Er wies weiter auf die Vorteile und Erleichterungen hin, die sich aus der Kleinschrift ergeben würden, forderte jedoch nicht den vollständigen Verzicht auf große Buchstaben, sondern ihre Verwendung lediglich an Satzanfängen und bei Eigennamen. Von einer
Umänderung der Schrift nach den Grundsätzen, wie sie die Phonetiker in der extremen Form propagieren, riet der Redner ab, da eine solche Reform auf den denkbar größten Widerstand stoße, der jeden Erfolg ausschliehe. Der Vortrag löste eine rege Aussprache aus, in der die Meinung klar zum Ausdruck kam, daß eine grundlegende Reform nur über den Weg der bedingten Kleinschreibung möglich sei.
' Dolksrechtpartei 7 Sparerbund. Die Ortsgruppe Gießen der Deutschen Volksrecht- Partei'Sparerbund hielt am Montagabend im großen Saal des Katholischen Dereinshauses eine öffentliche Versammlung ab, die gut besucht war. Stadtratsmitglied Reiber, der erste Vorsitzende der Ortsgruppe Gießen, wies zunächst auf die Aufgaben hin, die die Volksrechtpartei zu erfüllen habe. Der Reichsparteileiter, Oberstudienrat Pro>essor Dr. Baus er, Stuttgart, hielt sodann einen Vortrag unter dem Titel „Volisrecht- lampf für Arbeit und Brot". Der Redner gab im ersten Teil seines Vortrags zunächst einen lieber- blick über den Stand der Arbeitslosigkeit und die damit verbundene finanzielle Belastung des Staates und der Wirtschaft. Er führte die große Arbeitslosigkeit u. a. darauf zurück, daß die Notwendigkeit der Rückkehr der Rentner zum erwerbstätigen Leben eine nicht unwesentliche Belastung des Arbeitsmarktes gebracht habe. Diese Betastung sei hervorgerusen durch die Wirkungen der Inflation. In seinen weiteren Ausführungen erwähnte der Redner die übrigen Ursachen der wirtschaftlichen Notzeit. Er sprach von der Umsatzkrise des Inlandes, brachte die Weltwirtschaftskrise damit in Verbindung, streifte die schädlichen Rückwirkungen eines übertriebenen Rationalismus und die Bedeutung der Kapitalflucht und der hohen Zinsforderungen, für unsere wirtschaftliche Spannkraft. Schließlich ging der Redner noch auf die Anleihewirtschaft und die dadurch verursachte Zinsbelastung, auf Dawes- und Voungplan ein. Im zweiten Teile seiner Ausführungen sprach der Vortragende von den Möglichkeiten und den Wegen, die zu einer wirtschaftlichen und staatlichen Gesundung führen könnten. Er gab feiner Meinung über die Wirkungen einer Arbeitszeitverkürzung Ausdruck, wandte sich gegen die Doppelverdiener und sprach für eine gerechte Verteilung von Einkommenswerten. Er führte u. a. aus, daß es unbedingt vermieden Werder müsse, ausländische Arbeiter in Deutschland zu beschäftigen, man könne durch die Schalung eines neunten Schuljahres, oder durch eine Verschiebung der Schülp,licht in das Alter von sieben bis fünfzehn Jahren den Arbeitsmarkt etwas entlasten. Er stellte weiter die Bildung von inländischem Kap'ckal, die Herstellung des Vertrauens zum Staat und zu den Banken als Notwendigkeit dar und forderte schließlich die Wiedereinsetzung der Rentner und Sparer in ihre Rechte auf Grund eines gesetzlich festgelegten Anspruches. Vernunft und energische Tat, so führte der Redner zum Schluß aus, könnten allein zu einer Aenderung der Verhältnisse führen. Dem Redner wurde lebhafter Beifall zuteil. Eine kurze Aussprache schloß sich an den Vortrag an.
** „Der gläserne Motor". In einer Sondervorführung vor den Vertretern der Presse wurde am Mittw ochvormittag im Lichtspielhaus Bahnhofstraße ein Film gezeigt, der in seiner Art etwas Besonderes darstlllte. Die Ufa hatte es unternommen, einen Einblick in das Herz des Motors, in seine Atmungsorgane und Arbeitsweise zu ermöglichen, und dadurch das Verständnis zu fördern für den Motor, der zu einem wesentlichen Bestandteil unserer Existenzformen geworden ist. In der Rahmenhandlung eines Cxperimental-Dortrages, den ein Wissenschaftler in seinem Kraftstofflaboratorium hält, wird der Zuschauer zunächst mit den grundlegenden Begriffen der Umwandlung von Kraftstoff zu Energie in den denkbar einfachsten und überzeugendsten Formen vertraut gemacht. Der Vortragende weist in diesem Film die älnterschiede zwischen Benzin und Benzol auf, schildert das Verhalten der beiden Kraftstoffe im Motor, ihre Vergasung, die Art der Verbrennung, den Wert ihrer Energien und zeigt schließlich den Vorgang der Verbrennung und Explosion. Alle Experimente sind tönend wiedergegeben, so daß der Eindruck unmittelbar ist. Schließlich lernt der Zuschauer die eigentliche Arbeit des Motors kennen. Gläserne Teile, z. B. Vergaser und Zuleitungsröhren, lassen die Vorgänge im laufenden Motor genau verfolgen, jede Lebensäußerung im Motor ist auch im Ton festgehalten. Schließlich bringt der Film an Hand von Trickzeichnun- gen, Zeitlupenaufnahmen die Vorgänge im Zylinder selbst auf die Leinwand und ermöglicht dadurch das völlige Verständnis für die Lebensbedingungen des Motors. Diesen Film, der in der Konzeption, im Bild und im Tonbild, gleich gut und hervorragend zu nennen ist, sollte fein Kraftfahrer, fein Auto- oder Motorradbesiher versäumen. Der Film vermittelt dem Fachmann und dem Laien nicht nur eine lehrreiche, sondern auch eine unterhaltsame Stunde. Am kommenden Sonntag, 11.15 Ahr, gelangt der Filmstreifen im Lichtspielhaus Bahnhofstraße in einer Kulturfilm-Vorstellung zur Vorführung.
Landkreis Gießen.
X W i e f e cf, 22. April. Der Tag der g o l d e n e n Hochzeit brachte unseren Mitbürgern I o h s. Aff und Frau Elisabeth geb. Lindenstruth unter vielen Zeichen des Gedenkens von nah und fern auch ein Glückwunschblatt des Reichspräsidenten. Im Anschluß an die im Hause vollzogene kirchliche Einsegnung übergab der Ortsgeistliche als Gabe der Kirchengemeinde einen Wandspruch und verlas die Glückwunschschreiben des Ministers des Innern, des Kreisdirektors und des Landeskirchengmts, das ein Gedenkblatt überreichen ließ.
8 Alten-Buseck, 22. April. Am Montag wurde die stattliche Anzahl von 32 Schulrekru- t e n in die hiesige Bolksschule eingeführt. Es waren 19 Knaben und 13 Mädchen.
Kreis Alsfeld
mr. Grebenau, 22. April. Eine seltene Jagdbeute brachte der Amtsvorstand des hiesigen Forstamts, Forstmeister Dr. Barth, mit nach Hause. Es gelang ihm, einen Auerhahn von 94 Pfund Gewicht und einer Länge von 97 cm zu schießen.
Kreis Wetzlar.
Z K r o f d o r f, 22. April. In den Gemeinden des Amtsbezirks Atzbach-Launsbach haben sich ins- gesamt 118 4 Personen für das in Preußen zugelassene Volksbegehren „Landtags- a u f l ö f u n g" eingezeichnet. Die Verteilung auf die einzelnen Gemeinden ist folgende: Atzbach, 153, Dorlar 97, Dutenhofen 79, Garbenheim 103, Kinzenbach 166, Krofdorf 256, Gleiberg 5, Vetzberg 11, Launs- bach 29, Odenhausen 69, Salzböden 84, Wißmar 132.
SJt.-'fpont
Handball im Lahn-Oünsberg-Gau
Staufenberg I — Treis a. d. Lda. I 5:0 (1:0).
Beide Mannschaften lieferten sich in Staufenberg ein flottes und faires Freundschaftsspiel. Nach leicht überlegen geführtem Kampf stellte der schußfreudige Sturm der Platzbesiher das Ergebnis auf 5:0. Schiedsrichter Will (Ruttershausen) leitete zufriedenstellend.
Garbenteich I — Grohen-Buseck I 6:7 (1:4).
Die Erwartungen, die man auf das Spiel gesetzt hatte, wurden nicht getäuscht. Das Spiel wurde von Anfang bis Schluß sehr flott, wenn auch etwas hart, durchgeführt. 2n der zweiten Halbzeit ging Garbcnteich mächtig aus sich heraus und konnte die Partie kurz vor Schluß auf 6:6 stellen. 2n letzter Minute konnte Großen-Buseck noch ein Tor erzielen und als Sieger den Platz verlassen. Schiedsrichter Hofmann (Lollar) war dem Spiel stets ein gerechter Leiter.
Vorher trafen sich die Iugendmannschaften beider Vereine. Großen-Buseck, körperlich stark überlegen, konnte das Spiel mit 6:2 (4:2) verdient gewinnen.
Tv. Mendorf (DT.) I — Tv. Waldgirmes (ADT.) I 1:0.
Die beiden Mannschaften trafen sich am Sonntag in Akkendorf zu einem Gesellschaftsspiel. Den Plahbesihern gelang es, nach hartem aber anständigen und ausgeglichenen Spiel gegen die als spielstark bekannte ADT.-Mannschaft einen knappen und glücklichen Sieg zu erringen. Ein Unentschieden wäre das gerechte Ergebnis gewesen.
Tv. Allendorf 1. Jgd. — Tv. Dutenhofen 1. 3gb. 1:1.
Vorher maßen die genannten Iugendmannschaften ihre Kräfte. Man sah ein eifriges Spiel, dessen Ausgang für Alkendorf etwas schmeichelhaft erscheint.
Arbeiter-Turn und Sportbund.
Daubringen I — Gießen II 1:3.
Gießens zweite Mannschaft weilte in Saubringen zum fälligen Scrienspiel. Dis zur Halbzeit konnte jede Partei einmal erfolgreich sein. Nach dem Seitenwechsel erhöhten die Gäste das Ergebnis auf 3:1, während den Einheimischen trotz aller Anstrengungen nur ein Erfolg beschieden war.
Wieseck I — Wetzlar I 6:3.
Während die Gäste aus Wetzlar komplett 'antraten, hatten die Einheimischen Ersatz in ihren
Reihen. Wieseck ging zunächst durch einen Elfmeter in Führung, Wetzlar erzielte aber durch einen Strafstoß bald den Ausgleich. Halbzeitstand 2:2. Rach dem Seitenwechsel drückte Wieseck und konnte noch viermal erfolgreich sein, während den Gästen lediglich ein drittes Tor beschieden war.
Beuern I — Gießen III 1:1 .
Rach einem schönen Kampf trennten sich die Gegner mit einem gerechten Unentschieden von 1:1 Toren.
Heuchelheim I — Watzenborn I 7:1.
Heuchelheim vewies eine beachtliche Spielstärke, so daß sich die Wahenbomer kräfttg wehren mußten, um eine noch höhere Niederlage zu verhindern. Trotzdem gelang es dem sehr schuß- freudigen Sturm der Einheimischen, siebenmal den Hüter der Gäste zu überwinden, während den Gästen nur das Ehrentor vergönnt war.
Grohen-Linden I — Rodheim I 2:2.
Beide Mannschaften standen sich in Großen- Linden gegenüber. Die Gäste vermochten bereits bis kurz vor Halbzeit mit 2:0 zu führen. Großew- Linden holte allerdings ein Tor noch vor dem Wechsel auf. Nach der Pause zeigten sich die Platzbesiher etwas überlegen, konnten aber bis Schluß nur den Ausgleich hersteTen.
Annerod I Rieder-Ohmen I 1:0.
Der Neuling Nieder-Ohmen war in Annerod zu Gast. Beide Parteien lieferten sich ein schönes Spiel. Nur einmal gelang es Annerod, erfolgreich zu fein. Den Gästen blieb jeder Erfolg versagt.
Burkhardsfelden I Marburg I 2:3.
• 2n Burkhardsfelden lieferten sich beide Mannschaften ein schönes Spiel. Bei Halbzeit lautete das Ergebnis 2:3, das trotz aller Bemühungen auf beiden Seiten auch das Endresultat blieb.
Lollars Jugend war in Rödgen zu Gast und mußte eine überraschende 4:1-Niederlage hin- nehmen.
Handball.
wieseck I — Krofdorf I 1:0.
In Wieseck standen sich die genannten Mannschaften gegenüber. Es entwickelte sich ein flotteS Spiel und beide Torhüter mußten reichlich Abwehr leisten. Torlos ging es in die Pause. Nach dem Wechsel spielten die Gäste hart auf Erfolg, der ihnen jedoch versagt blieb. Wieseck war den Gästen im Zuspiel etwas überlegen, kam aber durch die harte Abwehr der Krofdorfer nur zu einem einzigen und siegbringenden Tor.
Kriselt es im deutschen Fußball?
Von Otto Nerz, Äundessporilehrer des Deutschen FußbalsiÄundes.
Arn 26. Aprll stellt sich die deutsche Fußball-
Nationalelf den Holländern in Amsterdam. Das ist keine besondere Neuigkeit für alle, die Interesse am Fußballsport haben und das sind heute in Deutschland überraschend viele; denn es ist ein Ereignis, dem wir schon lange ungeduldig und erwartungsvoll entgegensehen. Seit unserem letzten Kampf gegen Holland in Köln — Resultat 2:2 — sind immerhin mehrere Jahve verstrichen, und die holländische Nationalmannschaft hat sich seit Olympia grundlegend umgestaltet, es werden uns nur zwei Bekannte aus der damaligen Elf gegenüber treten, so daß wir immerhin mit äleberraschungen rechnen müssen. Aber was wäre Fußball ohne Lleberraschungen!
Es sei mir hier gestattet, einmal grundsätzlich zu dem
wirklich schweren Problem der Mannschaftsgruppierung
Stellung zu nehmen. Vor jedem Länderspiel tauchen in der Presse eines jeden Teils des deutschen Reiches, in jeder Provinz, in jeder Stadt und in jedem Städtchen Namen von Fußballspielern auf, die als einzig geeignet und würdig zur Vertretung Deutschlands präsenttert werden. Etwa 1OO Kandidaten werden uns vorgeschlagen — und elf können nur ausgewählt werden, obwohl sicher manch Abgewiesener — das will ich ruhig zugeben — ebenso wertvoll ist, ebensogut als Repräsentativer hätte spielen können wie ein Auserwählter. Nach jedem Länderspiel hat man die eine oder andere Schwäche unserer Elf entdeckt, meist eine Schwäche, die vorher beim besten Willen und bei größter Sachkenntnis nicht sestzustellen war. Hat Deutschland gewonnen — nun gut, dann schweigt man und gibt sich zunächst zufrieden; haben wir aber verloren, dann kommt aller Groll, alle Llnzu- friedenheit auf das Haupt der armen Sünder, welche die Mannschaft ausgesucht haben. Bescheiden und klein möchte ich bitten: ein wenig mehr Nachsicht und Gerechtigkeit für die „Bonzen"!
Ganz kurz möchte ich hier auch noch auf unseren letzten Mißerfolg, auf das Pariser Länderspiel eingehen — Fehler sind schließlich dazu da, daß wir für die Zukunft, also auch für Amsterdam, aus ihnen lernen können. Das Spiel litt unter der schlechten Vorbereitung unserer Mannschaft, das Wetter war miserabel vorher, so daß fast die einzige Art, wie sich die Spieler miteinander bekanntmachen konnten, im gemeinsamen Dpaziergehen bestand. Es ist jammerschade, daß uns so die letzte Trainingsmöglichkeit für lange Zeit verloren ging; für die kommenden sechs Länderspiele dieses Jahres werden wir kaum noch Gelegenheit zu systemattschem Training finden. Sicherlich war unsere Mannschaft nicht so gut wie sonst. Die Ursache? Sie ist so unkontrollierbar wie leider fast immer in unserem Sport.
Liu Spielet spielt am Samstag glänzend und am Sonntag elend schlecht;
ein anderer ist bei Dereinsspielen fair und doch hart — im entscheidenden Kampf ist er zu weich, oder er „holzt". Meist weiß der Spieler selbst nicht einmal, woher sein Versagen stammt — woher soll der Deutsche Fußballbund es im voraus wissen?
Die Spielstärke jedes Vereins und jedes einzelnen Spielers hat ihre Höhepunkte und ihren Tiefstand; es ist schwer und heute in Deutschland fast unmöglich, aus dem vorllegenden Material eine einheitliche Linie für ganze elf Spieler und für einen bestimmten Tag herauszuarbeiten. In anderen Ländern, besonders in England ist das immerhin eher möglich — weshalb?
Es fehlt den deutschen Spielern überall an einheitlichem Training. Ich habe mich bei meinem letzten Aufenthalt in England erst kürzlich davon
überzeugen können, daß dort das Training bei allen Qkreinen nach festgelegten Grundsätzen vor sich gebt, die es ermöglichen, daß jeder Spieler zu jeder Zeit an einen anderen Verein „verkauft" werden und dort von vornherein in der Elitemannschaft mitspielen kann; hier bei uns macht dagegen die Umgewöhnung eines Spielers und gar das Zusammenspiel einer aus elf Vereinen rekrutierten! Nationalelf immer neue Schwierigkeiten. Einige Ansätze zu einer Systematisierung haben wir in unseren Sommerkursen, wo sich Spieler aus ganz Deutschland zusammenfinden und es lernen, sich binnen kurzer Zeit aufeinander einzuspielen; aber von diesem kurzen Sommertraining müssen wir das ganze Jahr zehren, und wir leiden dabei Hunger nach ausgiebigerer Vorbereitung.
Bei dem unvermeidlichen häufigen Wechsel der repräsentativen Spieler und dem weniger unvermeidlichen Wechsel der Trainer ihrer jeweiligen Vereine ist es immerhin erfreulich, daß sich die deutsche Ländermannschaft in ihren letzten Spielen als Einheit gehalten hat. Bei aller Krittk toollert wir nicht vergessen, daß Deutschland in letzter Zeit beachtliche Fußballerfolge erringen konnte. Gegen Schottland, mit die beste Fußballnation, konnten wir uns siegreich behaupten; gegen England — eine Profi-MannschaftI — brachten wir ein gute« Unentschieden heraus: Ungarn haben wir geschlagen; die Schweiz haben wir viermal nacheinander mit haushohen Scores besiegt; auch die Schweden mußten uns gegenüber eine Niederlage buchen.
Nun ist der Erfolg nicht immer eine Quittung der guten Vorbereitung, ebensowenig wie der Mißerfolg immer auf das Konto der schlechten Leitung geschrieben werden darf. Ich glaube bestimmt, daß unsere Chancen noch beträchtlich steigen können, wenn wir die Parole
„Einheitliches Training"
im ganzen Reiche durchführen; etwa in der Weise, daß in diesem Jahr wieder wie im vorigen Sommer fünfzig gute Spieler in Berlin zum Training Zusammentreffen, aber für längere Zeit. Ich glaube ferner, daß sich dann auf natürliche Weise die unentbehrliche Härte der Nationalmannschaft einfinden wird. Es ist ein Naturgesetz im Fuhballsport, daß der weich», tändelnde, wenn auch technisch gute Spieler im Ernstfall ausscheiden muß. Jahrzehntelange Tradition, meine eigene dreißigjährige Erfahrung bestätigen das. Wir haben eine ganze Reihe bester repräsen- tattver Spieler, die hart und technisch und taktisch gut spielen — auf diese Linie muß unsere ganze Fußballgeneration gebracht werden, dann werden wir bald noch schönere Siege zu verzeichnen haben.
älnb nun Glückauf für Amsterdam!
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Oie Gtuhlverstopfung.
Von Dr. weck, kanellis, Berlin.
Bei Stuhlverstopfung und Hartleibigkeit wird dev Leib durch Anhäufung unverdauter Äahrungsreste im Darm gespannt und aufgebläht Man fühlt sich unbehaglich und leidet unter dem Gefühl der Völle und an Appetitlosigkeit. Blutandrang, Eingenommensein des Kopfes und leichte Schwindelgcfühle machen sich bemerkbar. Hier schafft man am zweck- mäßigsten dadurch Abhilfe, daß man gleich bei den ersten Stuhlbeschwerden ein pflanzliches Abfuhr- mittel anwendet, wie es die mild und zuverlässig abführenden Apotheker Richard Brandt's Schweizerpillen sind, die man in allen Apotheken erhält. Am besten nimmt man die Pillen abends vor dem Schlafengehen ein. Die Wirkung erfolgt dann am nächsten Morgen, ohne daß die Nachtruhe gestört wird. H7V


