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Der Vertreter der Regierung rechtfertigte in sattsam bekannter Weise das Vorgehen gegen die Hfraincr und verlangte Verwerfung des An­trages aus Einsetzung eines Llntersuchungsaus- schusses, den er als gegenstandslos bezeichnete, da die Regierung diesen Fall angeblicher­schöpfend aufgeklärt" hätte.

Hiergegen wandte sich neben anderen Rednern der Sozialist C i o l k o s z. Er warf der Regierung ihreleichtsinnige und verwerfliche" Auffassung vor in einer sotragischen Angelegenheit", wie es die ukrainische Pazifizierungsaktivn sei und er­klärte, die Rativnalitätenfrage sei für Polen ein grundlegendes Problem, welches man weder mit Terror noch mit Geringschätzigkeit zu lösen ver­möge. Er betonte ganz besonders die inter­nationalen Verpflichtungen Polens den Ukrainern gegenüber. Diese hätte Polen nicht nur nicht eingelöst, sondern es hätte den älkrainern sogar das noch weggenommen, was sie unter Oesterreich an politischen und kulturellen Errun­genschaften besaßen. 3a, es fei ihnen sogar ver­boten, sich in PolenUkrainer" zu nennen. -Zum Schluß bezeichnete der Redner die Pazisizierungs- aktion als ein mit Mitteln der Militär- und Poli­zeigewalt zur Vernichtung der Llkrainer ange­wandtes System.

Der ukrainische Redner, Abg. Halaszczyn- ski, erklärte, die Pazifizierungsaktion sei ein völlig unbegründeter Willkürakt gegen eine friedliche Bevölkerung. Kein Ufrainer, der pazifiziert worden sei, sei bis jetzt verurteilt worden, und von den Verhafteten seien fast alle nach den Wahlen wieder aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Militär- und Polizeiabteilungen, die die Pazifizierung durch­führten, hätten sich meistens in angeheitertem Zu­stande befunden offenbar um mehr Mut zu ha­ben. Die ganze Pazifizierungsaktion sei in der Hauptsache gegen die ukrainischen wirtschaftlichen und kulturellen Werte gerichtet gewesen, wobei die Bevölkerung ohne Ausnahme des Standes und des Geschlechts massenweise mißhandelt worden sei. Der Antrag auf Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist schließlich mit der Mehrheit der Regierungsstimmen ab gelehnt worden. Wie konnte es auch anders sein!

Liberia verteidigt sich vor dem Völkerbund.

Genf, 22. Jan. (Täl.) 3m Völkerbundsrat gelangte am Donnerstag u. a. auch der Bericht der internationalen Llntersuchungskommission über die Sklaverei in Liberia zur Behand­lung. Der Vertreter der Regierung von Liberia, ein Reger, suchte in einer langen, ungewöhn­lich temperamentvollen Rede, die vielfach zu stürmischen Heiterkeitsausbrüchen führte, die Haltung seiner Regierung zu vertei­digen, wobei er vor unverhüllten Angriffen auf den Einfluh und die Maßnahmen fremder kapitalistischer Gruppen in Libera nicht zurückscheute. Die Liberia zur Last gelegten Missetaten seien vielfach von nichtliberischen Be­amten ausgeführt worden. Er hätte Beweis­material in der Hand, dah ähnliche Sklaverei­zustände auchin anderenLändern bestün­den. ßibetia sei durchaus bereit, eine weitere Untersuchung deS Völkerbundes durch amtliche Sachverständige zuzulassen unter der Voraus­setzung, dah die Llnabhängigkeit und Souveräni­tät des Freistaates Liberia hierdurch nicht be­rührt würde.

Der Präsident der internationalen Unter- fuchungskommission in Liberia erklärte, dah er mit großer Befriedigung von den Beschlüssen der liberifchen Regierung Kenntnis nehme, nach denen die Empfehlungen der internationalen Unter* fuchungskommission durchgeführt würden, lege jedoch den größten Wert darauf, dah eine grundlegende Reform in Liberia so schnell als möglich in Angriff genommen werden mochte.

20 Millionen Arbeitslose in der Welt.

Genf, 22.3an. (TU.) Rach einem Bericht des Internationalen Arbeitsamtes hat sich die inter­nationale Wirtschaftskrise in den letzten Wochen weiter verschärft. In Europa gibt es 11 Millionen Arbeitslose, also dop­pelt soviel wie im Vorjahre. Die Zahl der Arbeitslosen in den Vereinigten Staa­ten wird auf 5 bis 10 Millionen geschätzt, die Arbeitslosenzahl in Japan auf 400 000. Dir Zahl der Arbeitslosen in der ganzen Welt be­trägt etwa 20 Millionen. Unter den europäischen Staaten steht Deutschland an der Spitze mit 4 Millionen. Dann folgt England mit 2,5 Millionen, I t alien mit einer halben Million, Polen mit 200 000 und die Ts checho slo -- wakei mit 150 000. Frankreich weist nur eine unbedeutende Zahl von Arbeitslosen auf. Jetzt macht sich aber auch dort eine Vermindemmg der industriellen Tätigkeit bemerkbar.

Der Markenschutzverband zur Preissenkung.

Berlin, 22. Ian. (ERB.) Der Verband der Fabrikanten von Markenartikeln (Markenschuh­verband) E. D., Berlin, hat eine Cntschliehung gefaßt, inid er es u. a. heißt: 3m Hinblick auf die ungewöhnlich trostlose Wirtschaftslage mit all ihren schwerwiegenden Folgen für Wirtschaft und Volk hält es der Markenschuhverband für seine Pflicht, zu der Frage der Preissenkung Stellung zu nehmen. Er bedauert den Erlaß der Verordnung über Preisbindun­gen für Markenwaren vom 16.3anuar 1931. Diese Verordnung stellt ein rein sche­matisches Preisdiktat dar, das eine künstliche Beeinflussung des Wirtschaftslebens ohne Rücksicht auf die Kalkulationsnotwendig­keiten des Einzelfalles versucht. Gleichwohl emp­fiehlt der Markenschuhverband seinen Mitgliedern, überall dort, wo schärfste Kalkulation dies zuläßt, dem Wunsche der Reichsregierung zu folgen und Preissenkungen, wenn irgendwie tragbar, bis zum 31. Januar 1931 ein­treten äu lassen. Hierbei wird es von den beson­deren Llmständen des Eiinelfalles abhängen, ob die Preissenkung durch zahlenmäßige Herabsetzung des Kleinverkaufspreises oder durch entsprechende Erhöhung des Packungsinhältes oder durch beides verbunden, erfolgen kann. Die Versammlung ist sich bewußt, dah eine Preissenkung, wenn über­haupt, nur unter großen Opfern möglich ist. Der Markenschuhverband ist mit der Reichsregie­rung der Auffassung, daß ein Preisabbau in

Silverberg spricht über die Ursachen der Wirtschafiskrisis.

München, 23. Jan. (TU.) Auf Einladung des Akademisch-politischen Klubs in München sprach der bekannte rheinische Braunkohlenindustrielle Dr. Paul Silverberg über die Wirtschaftslage. Das für die deutsche Krise einschneidende Moment sah er in der Kapitalzerstörung, die herbeigeführt sei durch die Tribute, das überreichliche Hereinfließen von Auslandgeld zu Zinssätzen, die kein Volk er­arbeiten könne und weiter durch alle die Schäden, die die planwirtschaftlich ° kollektivi­stischen Experimente der kapitalistischen Wirtschaftsordnung zugefügt hätten. Von entschei­dender Bedeutung sei die Wirtschaftspolitik und Finanzgebarung der öffentlich enchand. Deshalb müsse die Wirtschaft verlangen, daß die Haushalte ausgeglichen würden. Die Balancie­rung der öffentlichen Haushalte müsse selbst auf Kosten neuer Steuern erfolgen, wenn es auf dem Wege der Sparsamkeit allein nicht gelänge. Hinsichtlich Arbeitszeit und Lohn ginge es den Unternehmern nicht darum, die arbeitenden Massen schlechter zu stellen, denn sie seien sich der Bedeutung des Massenkonsums wohl bewußt. Wir müßten aber aus der durch die Zwangswirtschaft herbeigeführten Erstarrung des Lohnsystems und der

S e l b st k o st e n heraus, die uns gehindert hätten, aus den sinkenden Tendenzen der internationalen Rohstoffpreise für das eigene Land Nutzen zu ziehen. Wir mußten heraus aus derZwangswirt- schaft im Wohnungsbau und im Berg­bau. Wir brauchen Rückkehr zum wirtschaftlichen Lohn und zur wirtschaftlichen Arbeitszeit. Das R e - parationsproblem dürfe erst dann angefaßt werden, wenn mindestens gleichzeitig die Grundlage für den Wiederaufbau und die Organisation unserer inneren wirtschaftlichen Verhältnisse gelegt sei. Statt unzeitig Verhandlungen zu führen, heiße es auf die Zähne zu beißen und zu warten. Die Regierung verdiene schwere Vorwürfe, die noch einmal vorzeitig das deutsche. Volk zum Objekt der­artiger schwerwiegender Verhandlungen mache, wie wir sie bereits zweimal erlebt haben. In unserem Steuersystem werde der Schwerpunkt noch mehr von der direkten auf die indirekte Besteuerung gelegt werden müssen. Wer den Wiederaufbau un­serer Wirtschaft wolle, der müsse die Autorität des Staates stärken. Der Staat selbst aber werde sich daraus besinnen müssen, daß seine Auf­gabe die Wahrung von Hoheitsrechten, nicht aber die Teilnahme an Wirtschaftskämpfen sei.

Me Besteuerung der Krastschrzeuge.

In der Vollsitzung der Vereinigung der Spitzenoerbände des Kraftfahrwe- s e n s (der Oberhessische Automobilklub gehört im Rahmen des Automobilklubs von Deutschland dieser Organisation an), in den Räumen des Automobilklubs von Deutschland, haben diese Verbände zur Denkschrift der Reichsregierung über d i e Besteuerung der Kraftfahr­zeuge Stellung genommen. Die Verbände haben mit ernster Besorgnis von dieser Denkschrift Kennt­nis genommen. Die Bedenken der Kraftverkehrs- wirtschast richten sich in erster Linie dagegen, daß sich die Denkschrift, abgesehen von einer Ver­schärfung der Steuerlast für bestimmte Fahrzeuge, grundsätzlich für die Fortführung des bisherigen Zustandes, d. h. also die Aufrechterhal­tung der jetzigen Zersplitterung der Kraft­verkehrsbelastung ausspricht. Hiergegen muß sich die gesamte Kraftverkehrswirtschast mit allem Nachdruck wenden. Sie kann nicht stillschweigend zusehen, daß dem Kraftverkehr durch die letzten Maßnahmen der Reichsregierung (Betriebsstoff-Zollausstockung, Mi­neralölausgleichssteuer, Spiritusbeimischungszwang, Verschärfung der Bestimmungen der Kraftfahrzeug­verkehrsordnung) in volkswirtschaftlich schädlicher Form und Höhe Sonderlasten auferlegt wer­den, die schon jetzt zu einer ganz außeror­dentlichen Drosselung der deutschen

Kraftverkehrswirt schäft geführt haben. Die Verbände machen mit allem Nachdruck auf die schwerwiegenden Folgen aufmerksam, die bei einer Aufrechterhaltung der in der Denkschrift der Reichs­regierung vorgesehenen Vorschläge sowohl für den Kraftverkehr als auch für die Gesamtwirtschast ent­stehen müssen. In einer Resolution fordern die Ver­bände u.a. die Zusammenfassung der Be­st e u e r u n g des Kraftverkehrs in einem einheit­lichen Rahmengesetz, die damit oerbündene Zurück­führung der bisher als Finanzzölle erhobenen Betriebsstoffaufstockungszölle und der inländischen Mineralölausgleichssteuer aus die Form einer Kraft­fahrzeugverbrauchssteuer. Außerdem wird der Fortfall des Spiritusbeimischungs- Zwanges gefordert und anderes mehr. Die Kraft­verkehrswirtschaft muß erwarten, daß sich die Reichs­regierung der Berechtigung der Forderungen der Verbände auch im Interesse des Aroeits- beschaffungsprogramms nicht verschließen wird und eine entsprechende Aenderung ihrer Vorlage vornimmt. Sollte die deutsche Kraftver­kehrswirtschaft in ihrer Erwartung getäuscht wer­den, so muß sie sich die Ausarbeitung eines voll­ständigen Vorschlags für die Neuregelung der Straft» sahrzeugbefteuerung zur Vorlage an den Reichstag vorbehalten.

Höhe von 10 Prozent, wenn überhaupt, nur mög­lich ist, wenn sich neben der Industrie auch Groß* und Kleinhandel durch ent­sprechende Ermäßigung ihrer Ruhenspanne an der Preissenkung beteiligen. Gr seht hierbei vor­aus, daß auch bei den öffentlichen L a st e n (Steuern, Tarife, Frachten usw.) eine Senkung in Kürze erfolgen wird.

Kleine politische Nachrichten.

Der am 15. Januar unter dem Vorsitz des Sonderschlichters Professor Dr. von Möllen - d o r f im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch, der eine Gehaltskürzung von 5 Prozent für die Angestellten der Reichs - und der preußischen Staats­verwaltungen vorsah, ist von den Ange- stellten-Organisationen angeno mmen, von der Reichs- und der preußischen Regierung aber abgelehnt worden. Die Organisationen haben daraufhin heute den Reichsarbeitsminister ersucht, den Schiedsspruch für v e r b in d l i ch zu erklären.

Die Regierungs-Kommission des Saargebiets hat durch eine Verfügung das Tragen der Parteiuniform (einheitliche Kleidung) der Rationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, des Werwolfs, des Bundes der Frontsoldaten (Stahlhelm), des Roten Front­kämpferbundes und des Reichsbanners mit so­fortiger Wirkung verboten.

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Der Freistaat Mecklenburg-Schwerin hat bereits des öfteren versucht, bei der Reichs­regierung seine Einbeziehung in die Ost- Hilfe zu erreichen. Das Staatsministerium hat nunmehr an den Reichskanzler folgendes Tele­gramm gesandt:Bitte in letzter Stunde erneut um Einbeziehung Mecklenburg-Schwerins in Ost- Hilfe. Frühjahrsbestellung gefährdet, da Mittel für Ankauf Kunstdüngers fehlen und Kreditbeschaf­fung unmöglich. Beunruhigung im Lande sehr groß."

Aus aller Wett.

Anna Pawlowa gestorben.

Den Haag, 23.Jan. (WTB. Funkspruch.) Die weltberühmte russische Tänzerin Anna Paw­lowa ist heute gegen 1 Uhr gestorben. Ihre sterbliche Hülle wird noch heute nacht in die russi­sche Kirche im Haag übergeführt werden.

Anna Pawlowna Pawlowa wurde 1888 in St. Petersburg geboren. Ihre berufliche Ausbildung erhielt siö auf der berühmten ehemaligen Kaiser­lichen Ballettschule in Petersburg. Sie war schon auf dieser Ballettschule ein Genie auf ihrem Gebiet: ihr sicherer Spitzentanz, die vollendete Anmut ihrer Bewegungen und Attitüden, ihre Leichtigkeit, die völlige Losgelöstheit von aller Erdenschwere, die sie wie eine Feder durch die Lust gleiten ließ, war be­wundernswert. Sie lehrte, daß die Tanzkunst erstens aus Technik beruhe und daß der Tanz zweitens aus der Musik hervorzugehen habe. Sie bekümmerte sich nicht um denRhythmus des Raumes", wohl aber üm denmusikalischen Rhythmus". Im Jahre 1904 begann ihre Laufbahn als Ballettänzerin, sie trat »damals im Kaiserlichen Marientheater in St. Pe- tersdurg auf. Bereits vor dem Kriege verließ sie dann ihr Vaterland, um Kunstreisen zur Vorfüh­rung klassischer Ballettänze in die verschiedensten ausländischen Hauptstädte mit großem Erfolg zu unternehmen. Dersterbende Schwan" war ihr Haupterfokg, dem folgte dieDuppenfee", di«Bar

chanale", und eine große Zahl anderer Divertisse­ments.

Weihe des neuen Funkhauses in Berlin.

Das neue Haus des Rundfunks, das gegen­über dem Funkturm und nahe den Ausstellungs­hallen errichtet worden ist, wurde mit einem kurzen Festakt seiner Bestimmung übergeben. Der gewaltige Bau wird als Mittelpunkt des gesamten deutschen Funkwesens nicht nur das neue Heim derFunkstunde" sein, sondern auch die Reichsrimdsunrgesellschaft und das Bureau des Rundfunkkommissars in seinen Räumen auf- nehmen. Rundfunkkommissar Staatssekretär a. D. Bredow gab in kurzen Zügen ein Bild von der Entwicklung des Rundfunks seit dem Jahre 1923 und wies zum Schluß darauf hin, dah in Zukunft das neue Haus nicht nur ein Haus des Rundfunks, sondern auch ein Haus der Rundfunk­teilnehmer sein solle, und man daran denke, auch die Erwerbslosen als Zuhörer in dieses Haus einzuladen. Rach der Ansprache des Rundfunkkommissars spielte das große Berliner Funkorchester unter Leitung von Bruno Seidler- Winkler das Konzerto Grosso O-Moll von Hän­del, ferner ein Konzert für Violine mit Orchester­begleitung und zum SchlußDon Juan", Ton­dichtung nach Rikolaus Lenau für großes Or­chester von Richard Strauß.

Große Kälte in Ostpreußen.

In Ostpreußen fiel am Mittwochabend das Thermometer auf minus 16 Grad. Als tiefste Temperatur verzeichnete die Wetterwarte Königs­berg ' in der. Rächt zu Donnerstag minus 19,7 Grad Celsius. Am Donnerstagvormittag wies das Thermometer 15 Grad Kälte auf. Der Wetter­bericht sagt für die nächsten beiden Tage Fort­dauer des starken Frostes voraus.

Lawinenunglück bei Chambery.

In der Nähe von Vonneval sind sechs junge Leute, d i e Heu von den Bergen holten, von einer Lawine verschüttet worden. Nur drei konnten sich retten, während die drei übrigen unter den Schneemassen begraben liegen. Die Nach­forschungen nach den Opfern haben bisher zu keinem Ergebnis geführt, da der Schnee teilweise sehr hoch liegt.

Der Prozeß gegen den Goldmacher Taufend.

Am vierten Verhandlungstage sagte der Zeuge Rienhardt u. a. aus, daß man Tausend wohl nicht den Vorwurf der Gewinnsucht machen könne. Der Zeuge habe vielmehr den Eindruck gehabt, dah es Tausend sehr lieb gewesen wäre, twrnn die ganze Goldsache an das Reich übergegan­gen wäre. Es sei wohl mehr die Absicht ge­wesen, den Kapitalismus zu schwächen als zu stärken. Als nächster Zeuge bekundete der Mit­arbeiter Pern et, der Stiefsohn Lu­de n d v r f f s, daß er im Auftrage seines Stief­vaters zur Beobachtung des Tausendschen Verfah­rens sich daran beteiligte. Er sei zum Teil auch eingeweiht worden und habe selbständig gearbei­tet und dabei auch Erfolge erzielt, allerdings nur in kleinem Ausmaße; Versuche in größerem Almfange seien mißlungen. Er glaube nicht, dah Tausend bei seinen Versuchen eines Betruges sich schuldig gemacht habe. Der Zeuge S t r e m m e l, Kaufmann in Berlin, erklärt, dah er bei den ersten Versuchen nicht nur erfreut sondern direkt erschüttert war. Er trat als Mitarbeiter ein und wurde später Geschäfts­führer mit einem Gehalt von 800 Mark. Rach seinem Ausscheiden habe er an Lausend Forde­rungen in Höhe von 200 000 Mark ge­stellt, weil seine Existenz durch seine Mitarbeit gefährdet war. Tausend habe in großzügiger Weise diese Forderimg auch anerkannt. Das

Erträgnis aus dem neuentdeckten Verfahren haba zur Hälfte ausschließlich Tausend und Ludendorff zugestanden. Eine inzwischen in Bremen errichtete Arbeitsstätte sollte dem Ausbau des Derfahrens dienen. In dieser Arbeitsstätte habe eine große Hochachtung vor Tausend geherrscht. Del Erwäh­nung der Bilanz bei der Auflösung der Gesell­schaft 164 wird schließlich festgestellt, daß hier e i n Betrag von 390 000 Mark unaufge­klärt geblieben sei.

Fährunglück bei Sarajevo.

Auf der Bosna ereignete sich in der Nähe der Stadt ein Fährunglück. Eine Fäyre mit acht Frauen an Bord begann in der Mitte des Flusses zu sinken, wobei särnlliche Insassen ins Wasser fielen. Vier von den Frauen ertranken.

Riesenfeuer in einem dänischen Hafen.

In der dänischen Hafenstadt H o l b a e k ent­stand in einem Kornelevator ein Brand, der sich in wenigen Minuten auf eine große Anzahl von Kornsilos und Speicher auSdehnte. Die Feuerwehren von vier Städten standen dem Feuer machtlos gegenüber. Sie muhten sich dar­aus beschränken, die Wohngebäude in der Rach- barschaft zu retten. Die am Quai liegenden Dampfer muhten in aller Eile aus dem Hafen geschleppt werden. Verbrannt sind das älteste Paßhaus der Stadt, eine Futter- mittelmischanstalt, ein Dureaugebäude, 18 Silos mit 2100 Tonnen Korn Inhalt,' eine Dampf­mühle und ein großes Lager vonOelkuchen. Der Schaden betragt weit über eine Million Kronen.

Die Lokomotive auf der Leinwand.

Ein Vorfall, wie er wohl vereinzelt dastehen dürfte, ereignete sich in der ungarischen Ort­schaft Georowesti während der Vorführung eines Wanderkinos. Als auf der Lein­wand die Umritte einer Lokomotive immer schär­fer wurden und die Lokomotive gegen die Zuschauer zu fahren schien, wurden mehrere Zuschauer, die anscheinend zum ersten Male in ihrem Leben im Kino waren, nervös. Als einer von ihnen rief:Retten wir uns. bevor es zu spät ist!", entstand unter den Zuschauern eine Panik. Die Ausgänge wurden gestürmt und in dem Gedränge Menschen zu Boden getreten. Zwölf Personen wurden schwer verletzt.

Raubüberfall in Hamburg.

Ein dreister Raubüberfall wurde auf eine Verkäuferin eines Pelzwarengeschäftes verübt. Ein junger Mensch betrat den Laden, warf plötzlich der Verkäuferin einen Riemen um den Hals und schleppte sie in das hinter dem ßaben liegende Zimmer. In ihrer Todesangst gab die Verkäuferin den Ort an, wo sie das Geld aufzubewahren pflegte. Mit einer Deute von nur etwa 20 Mk. verschwand der Räuber, konnte jedoch von einem Polizisten, der auf ihn aufmerksam geworden war, kurz danach verhaftet werden. Es handelt sich um einen 17jährigen jungen Menschen aus Osnabrück, der seinen Eltern entlaufen ist. In fei­nem Besitz wurde auch ein geladener Revolver gesunden.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Mit dem erneuten Vordringen milderer Lust von. Westen her werden Luftdruck und Temperaturen beeinflußt. Die Wetterlage gelangt mehr in den Bereich der Südseite der Nordmeerstörung, wodurch starke Bewölkung unserem Gebiet zugeführt wird und die Temperaturen halten sich vorerst wieder meist über Null. Auch das heute morgen über Eng­land und dem Kanal gelegene Niederschlagsgebiet dürfte unseren Bezirk überqueren, so daß zeitweise Regenfälle zu erwarten sind. Durch das neue Fall­gebiet wird der Witterungscharakter vorerst mehr unbeständig.

Aussichten für Samstag: Meist be­wölkt, zeitweise Riederschläge, milder.

Aussich ten für Sonntag: Wechselhaftes Wetter, noch einzelne Riederschläge, Tempera­turen schwankend, aber meist über Rull.

Lufttemperaturen am 22. Januar: mittags 4,4 Grad, abends 2,5 Grad; am 23. Januar: morgens 3,9 Grad. Maximum 4,7 Grad, Minimum 2,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 22. Januar: abends 0,2 Grad; am 23. Januar: morgens 0 Grad Celsius. Sonnenscheindauer drei Stunden.

Amtliche Winterfportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Bedeckt, +1 Grad, 20 cm Schnee, verharscht; Sportmög­lichkeit nur stellenweise.

Schwarzwald. Feldberg: 'Bewölkt, 0 Grad, 90 cm Schnee, verharscht; Sn und Rodeln gut.

Alpen, Garmisch-Partenkirchen: Klar, 6 Grad, 20 cm Schnee, verharscht; Ski und Rodeln gut.