Nr. 19 Erstes Blatt
181. Jahrgang
Zreitag. 25. Januar 1931
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GietzenerAnzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Gießen.
Regierungskrisis in Frankreich.
(Streif um die Getreidepreife. — Rücktritt des Kabinetts (Steeg. — Keine außenpolitischen Folgen.
'Mb- Re-
0er Rücktritt des Kabinetts (Steeg.
Paris, 22. Ian. (WTV.) Auf Grund des flimmungsergebniffes in der Kammer Hal die
vormittag aufgenommen. In gut unterrichteten parlamentarischen Kreisen rechnet man für die Zukunft mit einem Kabinett Laval.
gierung beschlossen, zurückzutreten. Als Steeg kurz nach 22 Uhr mit seinen Mitarbeitern im Elysee eintraf, erklärte er den dort wartenden Journalisten: „Es ist das 13. Mal, daß ich einen solchen Besuch beim Präsidenten der Republik mache. Ich mache ihn daher ohne innere (Erregung. Nachher werde ich dann ruhig schlafen können." Der präsi- deut der Republik hat die Demission des Kabinetts angenommen und es gebeten, bis zur Bildung der neuen Regierung die Geschäfte weiter,usühren. Die Besprechungen im Elysee werden am Jreitag-
einzelnen Fragen nicht möglich sein sollte. 3n diesem Fall legt man auf die internationale Zusammensetzung eines solchen Ausschusses den größten Derk. Sollte sich in den jetzt eingeleiteten Verhandlungen eine Einigung nicht ergeben, so wird sich der deutsche Außenminister gezwungen sehen, die Vernehmung des Präsidenten E a l o n d e r vor dem Völkerbundsrat zu verlangen. Diese Forderungen sind von deutscher Seite dem Berichterstatter des Rates für die Minderheitenfragen übermittelt worden. An ihnen wird auf deutscher Seite unter allen Umständen feft- gehalten werden. Man bezeichnete es in deutschen Kreisen als einen wesentlichen Fortschritt, dah nunmehr vor dem Forum des Völkerbundes und der Weltpresse die tatsächliche Lage der deutschen Minderheiten in Oberfd)lefien und das unglaubliche Verhalten der polnischen Regierung aufgerollt und in allen Einzelheiten beleuchtet worden ist. Die Erklärung des polnischen Außenmini- sters, dah eine Verletzung der Genfer Minderheitenbestimmungen vorliege, und eine Bestrafung der Schuldigen sowie eine Entschädigung der Geschädigten bereits eingeleitet worden sei, wird als Folge des wachsenden Druckes der öffentlichen Meinung bezeichnet. Man sieht darin eine öffentliche Anerkennung der Schuld Polens.
Die deutschen Forderungen in Gens.
Fortführung der deutschen Offensive gegen den polnischen Mnderheitenterror.
Der Sturz des Kabinetts kam trotz der vor» auszusehenden scharfen Aussprache sehr unerwartet und ist zum großen Teil aus einen taktischen Fehler Steegs sowie auf ein geschicktes Manöver des ehemaligen Handelsministers F l a n d i n zurückzuführen. Während Buyat sich darauf beschränkte, lediglich einen von der Regierung begangenen Fehler in der Landwirtschaftspolitik zu verurteilen, für die Doret verantwortlich ist, verschob Flandin die gesamte Aussprache auf ein rein politisches Gebiet. Ministerpräsident Steeg beging hierbei die taktische Unklugheit, auf die Ausführungen Flandins einzugehen und sich insbesondere bei die vielumstrittenen Frage des Laiengesehes aufzuhalten, das schon so manchen Kamps hervorgerufen hat. Hätte Steeg sich nicht so weit auf politisches Gebiet vorgewagt, so würde er bei der Stellung der Bert rauensfrage, sicherlich eine Mehrheit erreicht haben, wie dies auch allgemein erwartet wurde. Die Krise ist rein innerpolitisch. Sie hat nichts zu tun mit ber Außenpolitik der Regierung, die in keiner Weise von den heutigen Ereignissen berührt wird, um so weniger, als Driand gestern zweifelsohne im Einverständnis mit dem Kabinett eine Kundgebung in Genf veranlaßt hat, die nach menschlicher Voraussicht eine Entspannung in Europa herbeiführen wird. Die neue Phase der innerpolitischen Entwicklung in Frankreich gibt also zu irgendwelcher Besorgnis feinen Anlaß, da. wie immer die Dinge auch laufen, der Kurs der Außenpolitik derselbe bleiben wird.
K a t t o w i h . 22. San. (Sil. Funkspruch.) Angesichts der 'für die deutsche Minderheit Oft- obevchlesiens lebenswichtigen Bedeutung der Genfer Verhandlungen geben alle Blätter in ihrer Lonnerstag-Miltagsausgabe die Reden Eurtius-Zaleski ausführlich wieder. — Das Blatt der Deutschen Partei, die „Kattowiher Zeitung". spricht von dem ausgezeichneten Eindruck der Eurtius-Reden. Sm Hintergrund seiner ersten Rede habe unausgesprochen die Forderung gestanden: Entweder Erfüllung oder Revision der Verträge. Zaleski habe in seinen Ausführungen schlecht abgeschnitten. — Der katholische ,.O b e r s ch l e s i s ch e. Kurier" schreibt, es müsse Eurtius zugebilligt werden, daß er alles nur Mögliche getan habe, um eine gerechte Sache zu halten. Wenn, wie Zaleski meine, die Aufständischen noch Mitte November über die im August gehaltene Tre- viranus-Rede empört gewesen seien, so müsse diese Empörung vorher sorgfältig auf Eis gelegt worden fein. Das Blatt wendet sich dann gegen die übrigen 'Verteidigungsversuche Za- leskis und verweist nochmals aus die Notwendigkeit, das Urteil einer so unparteiischen und auch von polnischer Seite hochgeschätzten Persönlichkeit wie des Präsidenten Ealonder zu hören. — Der „Vo lksw ille", das Blatt der deutschen
Echo aus Oberschlesien
Befriedigung über die Eurtius-Hede.
Die französische preffe lobt Zaleski.
Paris, 22. San. (TU.) Die Pariser Morgenpresse vertritt fast einstimmig die Auffassung, Z a l e s k i sei in der Beantwortung der Anklagen Dr. Eurtius' wegen der Minderheitenbehandlung durch die Polen geschickter gewesen. als der Reichsaußenminister. — Der „Petit Parisien" begründet die Zurückhaltung des Reichsaußenministers damit, daß die freundschaftlichen Hinweise, die B r l a n ö Dr. Eurtius gelegentlich der Zusammenkunft am Sonntag erteilt habe (?), in der Wilhelmstraße sicherlich zu Heberlegungen Anlaß gegeben hätten. Dr. Eurtius habe allerdings gerade durch die Zurückhaltung seiner These mehr Wert gegeben. — Das „Sournal“ hebt als einzig wichtige Erklärung in der Rede des Reichsaußenministers den Hinweis auf die Einstimmigkeit in Deutschland über eine friedliche Regelung der Oft» grenze hervor. — Der „Matin" unterstreicht, daß Eurtius zwar mit aller Kraft die Snteresseu der Minderheiten unterstützt habe, daß seine Schlußfolgerungen jedoch sehr weit davon entfernt gewesen feien, was die nationalistische Presse in Deutschland mit großem Lärm angekündigt hätte. — Der sozialistische „Populaire" hebt den gemessenen Ton des Reichsaußenministers hervor, der aber nichtsdestoweniger sehr genaue Anschuldigungen enthalten habe, gegen die Zaleski alle Mühe gehabt hätte, sich zu verteidigen. Es könne nicht mehr geleugnet werden, daß Wahlterrör gegen die deutsche Minderheit ausgeübt worden sei. Leider stelle dieser Terror aber einen Teil des Gesamtterrors dar, den Pilsudsti in Polen eingeführt habe und gegen den der Völkerbund machtlos sei.
Die neue Grenzverletzung.
Deutscher Protest in Warschau.
Berlin, 22. Ian. (CNB.) Der deutsche Geschäftsträger in Warschau ist angewiesen worden, gegen die lieber,cßreitung der Grenze durch 20 bewaffnete polnische Soldaten aus Rybnik Protest zu erheben. Die bisherigen amtlichen Ermittlungen über den Vorfall ergaben, daß am 20. d. M. i m Anschluß an eine Uebung einer polnischen Kompanie, die in Rybnik in Garnison liegt, 20 polnische Soldaten an die Grenze gingen, um s i ch „die Grenze anzu sehen" Dabei überschritten die Soldaten, die mit Gewehren bewaffnet waren, die Grenze. Erst auf den Hinweis eines polnischen Grenzbeamten kehrten die Soldaten aus polnisches Gebiet zurück. In unterrichteten politischen Kreisen hält man es für ausgeschlossen, daß die Soldaten versehentlich die Grenze überschritten haben. Dies werde schon durch die Bekundung widerlegt, daß sie sich „die Grenze ansehen wollten . Sie mußten also genau wissen, wo die Grenzlinie verläuft.
Die Rot der Ukrainer.
Eine Untersuchung der Vorgänge in Lstgalizicn abgclchnt.
Warschau. 22.San. (TU.) Es ist ein seltsamer und vielleicht symbolischer Zufall, daß gleichzeitig vor dem Weltforum in Genf und im eigenen Sejm die Taten der polnischen Regierung und des Pilsudski- Blocks, die sich auf den Wahlterror in Oberschlesien, aus Drest-Litowsk und die Pazifizierungsaktion gegen di s Ukrainer in Ostgalizien beziehen, Gegenstand der Beratungen und Erörterungen bilden, vor allen Dingen aber die schärfste Kritik und Verurteilung erfahren. So wurde am Mittwoch im Verwaltungsausschuß des Sejm die überaus Heikle PazifizierungSaktion behandelt,
Auflösung der Kammer?
Geringe Aussichten für die Bildung einer haltbaren Regierung.
Paris, 23. San. (WTB. Funkspruch.) Bei der Beurteilung der gestrigen Kabinettskrise scheidet sich die Presse wieder haarscharf in zwei Lager, je nachdem sie auf d i e alte Mehrheit Tardieus eingestellt ist, oder für die linksgerichtete Konzentration eintritt, die Steeg in seinem Kabinett zu erzielen versuchte. Allgemein aber wird anerkannt, daß die Lösung der Krise rasch erfolgen muß angesichts der Notwendigkeit einer baldigen Verabschiedung des Budgets und der Verabschiedung des Wirtschafts- resormplanes, durch den man im Snnern die Wirtschaftskrisis wenn nicht zu bannen, so doch zu mildern sucht. „M a t i n" schreibt, das Abstimmungsergebnis lasse die Tür für einen Versuch zur Konzentration offen, die allerdings leichter gewesen wäre, wenn die Liebergangsregierung Steeg länger am Ruber geblieben wäre, die aber unerläßlich erscheine, wenn man sich nicht dem Risiko aussehen wolle, daß es sich als notwendig erweisen werde, das Parlament aufzulösen. — „Oeuvre" meint, man sei jetzt genau so weit, wie schon am 5. Dezember 1930, also nach dem Sturz des Kabinetts Tardieu und vor der loyalen Bemühung einer Konzentration, die Steeg versuchte. — „Repa- b l i q u e" erklärt, wenn man von der Mehrheit, die gestern den Sturz des Kabinetts Steeg herbeiführte, die Stimmen der Kommunisten abziehe, erscheine die Kammer in zwei gleichstarke Teile zu zerfallen: 283 Abgeordnete der Rechten und 283 Abgeordnete der Linken. Angesichts dieser Zahlen sei der einzige Ausweg die Auflösung der Kammer.
aller Deutschen für feine Rede an diesem Tage sicher sein müsse. — Der „Obersch lesi sch e Wanderer" schreibt, eS bestehe kein Zweisel, daß Dr. Curttus sich am Mittwoch a l s ein guter Anwalt unserer gerechten Sache bewährt habe.
Verfrühte Befriedigung.
Polnische Stimmen zu den Reden in Genf.
Warschau, 22.3an. (XU.) Das maßgebende Regierungsblatt „Gazeta Polska" bezeichnet die Rede des Reichsaußenministers Dr. Eurtius als chwach in der Begründung und zurückhaltend in der Form. Die Rede machte, so heißt es, den Eindruck, als ob die geplante G e w a l t o f f c n • tue gegen Polen aufgegeben worden fei, nachdem man sich zuvor überzeugt habe, daß der Völkerbund kein geeignetes Gebiet dafür sei. Die Offensive sei also in Genf kläglich zusammen' gebrochen obwohl Deutschland alle internationalen Einflüsse hierfür mobilisiert habe. Die Antwort Z a l e s k i s dagegen, das versteht sich von selbst, rief nach den polnischen Meldungen einen außerordentlich günstigen Eindruck hervor. Das Schwesterblatt der „Gazeta Polska", der „Kurjer Poranny" versieht seine Meldungen mit folgender Ueberschrlfl: „Großer Tag in Genf!" „Die deutsche Offensive gegen Polen zerschlägt sich an der Mauer der sachlichen Begründung in der Rede Zaleskis."
Sozialdemokraten, sagt, die deutsche Minderheit werde die Verteidigung ihrer Rechte durch Eurtius stets anerkennen. Man dürfe aber nicht vergessen, daß nicht das Reich, sondern nur die polnische Regierung der deutschen Minderheit ihr Recht gewähren und ihr Leben schützen könne. Die Kernfrage sei: Auf der Anklagebank in Gens sitze heute daspolnischeRegierungssystem. — Die ..P o l o n i a“, das Blatt Korfantys. meint, der Genfer Kampftag habe für die polnische Regierung mit einer unzweifelhaften Niederlage geendet. Soweit es um die sachliche Seite ginge, habe man bereits vor Beginn des Kampfes kapituliert. Cs würden sich natürlich in Polen bestimmte Kreile und auch eine bestimmte Presse finden, die die polnische Niederlage abschwächen wollten. Seht bestehe die Pflicht, für die Bereinigung der Terrorangelegenheit und für die Verhinderung ähnlicher Fälle zu sorgen. — Die „Oberschlesische Volks»- ft i m m e“ erklärt, man müsse abwarten, ob bie* Politik der Gewalt oder die Sache der Gerechtigkeit siegen werde oder ob man uns wieder ein faules Kompromiß aufzwingen wolle. — Die „Ostdeutsche Morgenpost" stellt mit Befriedigung fest, daß Dr. Curttus die deutschen Beschwerden und Sorberungen so geschickt und wirkungsvoll vorgetragen Habe, daß ihm der Dank
Die entscheidende Kammerdebatte.
Ttccg in die Minderheit versetzt.
Paris. 22. San. Die Kammer beschäftigte sich mit dem Zwiespalt, der innerhalb des Kabinetts hinsichtlich der Stabilisierung der Getreidepreise besteht. Es liegt eine Snter- pellation des der Station Franklin-Bouillon an» gehörenden Abgeordneten Duyat vor, die lautet: Kann die Regierung Auskunft geben über die Meinungsverschiedenheit, die innerhalb des Kabinetts in bezug auf den Getreidepreis besteht und durch die, wenn sie fortdauert, eine die Landwirte und die Konsumenten schädigende Spekulation Hervorrufen wird? Der Interpellant erklärt, er mache dem Landwirtschastsminister Doret zum Vorwurf, daß er den Beschluß der Minister auf Erhöhung der Getreidepreise bet an n t gegeben habe, anstatt die in solchen Fällen notwendige Diskretion zu wahren. Sn gewissen Fachzeitungen sei die bevorstehende Getreidepreiserhöhung auf 1Z5 Franken angekündigt und dadurch seien Spekulationsmanöver begünstigt worden. Am Tage nach dem Bekanntwerden dieses Planes sei an der Warenbörse der älmsatz aus das Sechsfache des gewöhnlichen gestiegen.
Es sei bedauerlich, daß der Landwirtschaftsministet seine Pläne dem Vorsitzenden des Syndikats der Mühlenbesitzet anvertraut hab:. Die französischen Landwirte verkauften ihr Getreide an die Händler, und diese würden in seltsamer Weise im voraus von gewissen Preis- plänen unterrichtet. Diese Spekulationsmanöver kämen nur den Geschäftemachern zugute, die sich in den Vorzimmern der M i n i ft e r i c n aufhalten, aber nicht den Produzenten. Der Gedanke, ausländisches Getreide einzuführen, sei unverständlich: denn dadurch wäre nur die Gefahr gegeben, daß die inländischen Getreidepreise gedrückt werden. Die Regierung habe nicht votauszusehen, also auch nicht zu regieren verstanden.
Landwirtschaftsministet Botet erklärte, es seien infolge der neuen Bestimmungen für den Handel an der Warenbörse, die auf 6en früheren Handelsministet Flandin zurückgingen, keine anormalen Getreidespekulationen mehr zu verzeichnen gewesen. Abgeordneter Buyat habe die Vorkommnisse stark übertrieben. Eine von ihm angeordnete Untersuchung hätte den Beweis erbracht. daß nur ordnungsgemäße Operationen an der Warenbörse vorgenommen worden seien.. Er habe stets die Spekulation bekämpft.
Der Kammerpräsident verlas daraus die beißen der Kammer vorgelegten Tagesordnungen. Die eine geht von Buyat aus und lautet: Die Kammer bedauert die in gleichet Weise für die Produzenten wie für die Verbraucher schädlichen Spekulationsmanöver, die auf die vorzeitigen Erklärungen des Landwirtschaftsministers zutückzu- führen sind. Dieser Mißtrauenskundgebung steht eine Vertrauenskundgebung des Abgeordneten P a c c a u d (Radikale Linke) gegenüber in der die Erklärungen der Regierung gebilligt und dieser ausdrücklich das Vertrauen ausgesprochen wird.
Die Regierung wurde bei der Abstimmung über die Interpellation des Abgeordneten Buyat, der für die von ihm eingedrachte Entschließung die Priorität verlangte, mit 293 gegen 2 8 3 Stimmen in die Minderheit gesetzt. Die Sozial-Radikalen, die Sozialisten und die Sozial-Repu- b l i k a n e t, die geschlossen für die Regierung gestimmt haben, werfen den Kommunisten vor, den Sturz des Kabinetts dadurch herbei- gefühtt zu haben, daß sie gegen das Äabinett gestimmt haben. Die Rechte und das Zentrum haben gegen die Regierung gestimmt, aber etwa30 Abgeordnete haben sich der Stimmeenthalten. Als das Abstimmungsergebnis bekanntgegeben wurde, bereitete die gesamte Linke dem Ministerpräsidenten eine Ovation, während der frühere Handelsminister Flandin bei der Rechten und im Zentrum Beifallskundgebungen erhielt.
Gens, 22. 3an. (TU.) In den mit dem Bericht, erstattet des Bölkerbundsrates für die Minderheitenfragen geführten Bechandlungen sind jetzt von deutscher Seite die bereits in der Mittwochrede des deutschen Außenministers enthaltenen Forderungen offiziell gestellt worden. Man verlangt auf deutscher Seite:
1. Feststellung durch den Völkerbundsrat, daß gemäß der vom polnischen Außenminister bereits abgegebenen Erklärung im Rat eine Verletzung der Artitel 75 und 83 der Genfer Min - derheitenkonvention durch Polen vorliegt.
2. Den Ausdruck der Mißbilligung gegenüber Polen durch den Völkerbundsrat wegen des offenen Bruches der übernommenen Minderheitenverpflichtungen.
3. Bericht der polnischen Regierung auf der Maitagung über die Durchführung der von ihr gleichfalls fest übernommenen Verpflichtung, sämtliche schuldigen Beamten zu b e ft r a f e n und die geschädigten Angehörigen der deutschen Minderheit zu entschädigen.
4. Sicherung für bie Zukunft durch Aen- berung bes gegenwärtig in Oberfdjlefien herrschenden Systems.
Auf deutscher Seite hat man die Absicht, bie Einsetzung eines 21 n t e r f u d) u n g s a u 5- schusses zu forbern, falls eine Einigung über bie |


