f 1,5 v. H. höherem Äur8 gesucht, während im übrigen der Markt geschä'tslos lag. Don Bank- aktien machte sich Interesse für DD-Dank be-
Wirtschaft
Lombardzinssuh 8 o. k).
Reichsbaakdiskonl 7 v fj.,
merkbar, die 1L v. H. anzogen. Im übrigen ergaben sich Kursbesserungen biS zu 1 v H.
Auch am Rentenmarkt war die Stimmung freundlicher, und die meisten Werte y>g:n um 1 v. H. an. Führend waren Liquidattons- pfandbriese, die vereinzelt biS zu 1L v. H gewannen. Das Geschäft war auch hier ziemlich ruhig. Recht fest tendierten Farben-Dono-, die mit den Aktien gleichen Kursstand haben. Deutsche Anleihen und Rcichsfchuldbuchforderungen tonnten gleichfalls etwas anziehen, da die feste Haltung der deutschen Werte an den Auslandbörsen anregte. Kommunale Anleihen lagen ohne In
teresse.
Lagergeld war mit 6,5 v. H. zwar unverändert, doch eher gesucht.
Deollenmorfl Berlin — Frankfurt a. ZIL
auf gestriger Abendbasis gesucht. Am Elektromarkt lagen AEG. bemerkenswert im Angebot, während Siemens, Gesfürel, Berliner Licht und Kraft und speziell REW. sich durch festere Haltung auszeich- neten. Letztere hatten schon gestern mehrere Prozent gewonnen und konnttn heute abermals ihren Kursstand um 1 o. S). bessern. Etwas vernachlässigt und kursmäßig eher schwächer lag der Montan- markt, an dem Mannesmann und Nheinstahl zirka 1 o. H. verloren. Kunstseidenwerte neigten ebenfalls eher zur Schwäche, Schissahrtsaktien waren behauptet und auch Bankaktien wenig verändert, nur Reichsbankanteile blieben gefragt und zogen 2 o. H. an. Bon Rebenwerten konnten Bergmann 2 v. H. gewinnen, auch Dessauer Gas und schlesische Gas waren leicht erholt. Anhaltendes Interesse lenkten Reichsbahnoorzugsaktien auf sich, überhaupt war der Anlagemarkt weiter freundlich. Altbesitzanleihe konnte zirka i o. H. anziehen. Neubesitz wurde auf gestriger Basis genannt, auch Goldpfandbricfe wiesen nur geringe Kursveränderungen auf. *
Frankfurt etwas fester.
Frankfurt a. M., 21. Dez. Im telephonischen Freiverkehr zwischen den DanlbureauS entwickelte sich zu Beginn der neuen Woche zwar nur kleines Geschäft, doch hat sich die Tendenz gegenüber den schwachen Kursen der Dorwoche auf allenMärkten etwas befestigt. Besondere Anregungen lagen nicht vor, doch betrachtet man die Baseler Derhandlungen wieder etwas günstiger und hegt die Hofsnung, daß noch vor Weihnachten eine Einigung erzielt wird. In der Hauptsache dürfte die Befestigung jedoch auf markttechnische Gründe zurückzuführen sein. Die Spekulation nahm einige Deckungen und verschiedentlich kleine Meinungskäufe vor, denen kein nennenswertes Angebot gegenüberstand. Eine gewisse Beruhigung ging davon aus, daß das lehttagige große Angebot in Farbenaktien so gut wie aufgehört hat. Die Kursbesscrungen betrugen bei Spezialwerten, wie IG.-Farben, Siemens, Reichsbank und Reichs- bahn-Dorzugsaktien bis zu 3 v. H. Am Montanmarkt waren Rheinische Braunkohle bei etwa
wieder ausgeglichen wurden. Die von 1924 an in Ausstellungen, Vorträgen und Kochveranstaltun- gen, und vom Jahre 1933 an in enger Zusammenarbeit mit der Hausfrauen-Beratung und der Dasvereinigung betriebene Aufklärung über rationelle Ausnutzung der neuzeitlichen, in jeder Hinsicht wirtschaftlich arbeitenden Gasgeräte eröffneten dem Gale neue Wege in Haushalt und Gewerbe. Die 1929 durchgeführte Gasversorgung unserer Rachbarge.neinde Wieleck, Einrichtung von Großgasküchen, Kaffeeküchen und Wäschereien, Errichtung von Einzel- unb ZentralgasheizungS- antagen verschafften dem Gaswerk neue Absatzgebiete.
Die Steigerung des Gasverbrauchs in den letzten Jahrzehnten hat sich allerdings in diesem Jahre unter dem Drucke der wirtschaftlichen Lage nicht fortsetzen können. Trotz des augenblicklichen Stillstandes wird jedoch in absehbarer Zeit, da räumlich eine Ausdehnung im Gaswerk nicht mehr möglich ist. to eb:r zu drr Frage „GaswerkS- Reubau oder Gas-Fernversorgung", die bereits in letzter Zeit im Mittelpunkt der Erörterung stand, Stellung genommen werden müssen.
Der kurze Rückblick auf die 75jährige Geschichte unseres Gaswerkes stellt dar, welche Kämpfe das Gaswerk seit seiner Erbauung zu bestehen hatte. Aber der Kampf um das Dasein wirkte gerade entwicklungssördernd. 3m 23. Jahrhundert konnte daher ausgebaut und ausgenutzt werden, was im 19. Jahrhundert ersonnen, gestaltet und erprobt wurde. So wird auch in Zukunft das Gas seine Bedeutung als Wärrneouelle behalten, die die Lebensbedingungen erleichtert, die gewerbliche ArbeitZkraft steigert Das städti'che Gaswerk wird auch fernerhin nicht nur als gemeinnütziges Werk eine Einnahmequelle für die Stadt im Interesse der Allgemeinheit, sondern auch ein Kulturgut bleiben, das in unserem technischen und fortschrittlichen Jahrhundert nicht entbehrt werden kann.
antage Im Jahre 1919, In der daS anfallende Ammoniakwasser zu dem bekannten Stickstoff- Düngemittel schwefel! aureS Ammoniak verarbeitet wird, und der Einbau der Denzolanlage. durch die dem Gase biS zum Jahre 1927 der wertvolle Kraftstoff Benzol entzogen wurde, lassen erkennen, daß das hiesige Gaswerk sich stets die neusten, in der Gastechnik gewonnenen Erfahrungen zunutze machte, und daß die Gaswerksleitung stets darauf bedacht ist, neue Einnahmequellen zu erschließen. Um die in den Abgasen der Defen noch vorhandenen sehr erheblichen Wärmemengen dem Betrieb nutzbar zu machen, erhielten 1921 die Gaserzeugungsösen einen Ab» Hitzekessel, der den gesamten Frischdamps für Ammoniak- und Benzol-Anlage liefert Besonderer Wert wurde in den nächsten Jahren auf die Erhöhung der Leistungsfähigkeit des Werkes und auf bie Verwertung ber Rebenprobukte gelegt DaS im Jahre 192o eingerichtete Chemische Laboratorium gab bie Möglichkeit, bie wichtigsten Untersuchungen bes Stadtgases, ber im Betrieb benötigten Rohstoffe unb der Rebenprobukte bes GaSwerkS vorzunehmen. Die gesamte DetriebS- kontrolle unb die Untersuchungen der auf demMarkt neu e'.ngcführten DaSgeräte wurden auSgebaut. Der wirtschaftliche Erfolg vieler Maßnahmen zeigte sich bald in der Steigerung ber Ausbeute von Gas unb Rebenprodukten. Zur Vermeidung der lästigen Raph'.hal nverstopsungen im Stabt- rohrnetz würben weiterhin Raphthalinwascher unb Raphthalinabscheider eingebaut.
Einen kleinen Rückschlag in der sonst stetig aufftelgenben Linie bes Gasverbrauchs, die hier im Schaubild wiedergegeben wird, brachten die Inflationsjahre. Die Ruhrbefetzung und die Kohlennot, durch welche bie Einlegung von Sperr- ftunben unvermeiblich waren, ber Ueborgang ber Straßenbeleuchtung von GaS auf Strom unb schließlich die Umstellung ber Beleuchtung ber Reichsbahn brachten dem Gaswerk große Der- lüfte, bie aber ball) burch rege Werbetätigkeit
• Preissenkung im Gisenhandel. Die Westdeutschen Eisenhändleroerbände beschloßen, wie angetünbigt, entsprechend dem Dorgehen der Gisenverbände, eine Herabsetzung der Handelspreise um 10 v. H. Diese Preissenkung tritt im Werkgeschäst mit Rückwirkung ab 1. Dezember in Kraft, während im Lagergeschäft die neuen Preise ab 21. Dezember gelten.
• 3 u r Lage bei Dorsi g. Die A Borsig G m. b. H, Berlin-Tegel, hat sich veranlaßt gesehen, ihre Arbeiterschaft von etwa 2850 Mann zu entlassen und begründet dies mit der Rotwendigkeit, eine vollständige Inventur der Dorräte, der Aufträge und des Eigentumsvorbehalts bei den gelieferten Materialien vorzunehmen. Die Aufrechterhaltung eines geregelten Fabr.kations- betriebes sei bis nach der Durchführung dieser Arbeiten unmöglich.
Berlin freundlicher.
Berlin, 22. Dez. (WTB. Funkspruch.) Nachdem in den gestrigen Abendstunden festere Kurse zu hören waren, schien die Tendenz im heutigen Dormittagsverkehr nach dem matten Verlauf der gestrigen Neuyorker Börse schwächer werden zu wollen. Die gute technische Veranlagung des Marktes, verbunden mit einigen günstigeren Momenten, ließ diese schwächere Stimmung aber bald wieder vor» übergehen, und man hörte vorübergehend Geldkurse. Das Geschäft war vor der Feiertagsunter' brechung natürlich nicht sehr umfangreich und beschränkte sich hauptsächlich auf Deckungen. Dies genügte ober, um den Märkten ein freundliches Gepräge zu geben. Zuletzt verwies man plötzlich auf die feste Haltung der deutschen Werte an der sonst schwachen Neuyorker Börse und beurteilte den Baseler Bericht, der morgen veröffentlicht wer- den wird, als fold)en für die bevorstehende Reparationskonferenz als wertvoll, obwohl in ihm Deutschlands Wirtschaftslage ungünstig erscheint. Außerdem fand die Information einer Fachzeitung Beachtung, । nach der die I. G.-Farbcn bicher, entgegen den um- | laufenden Gerüchten, an der Entwertung des Pen i keine Verluste erlitten habe. Farbenaktien waren I
Oie gestrigen Devisenmärkte sehr ruhig.
An ben internationalen Devisenmärkten war das Geschäft zu Beginn ber neuen Woche noch sehr ruhig. Es ergaben sich im allgemeinen kaum Veränderungen. Das englische Pfund eröffnete fast unverändert zu seinem Samstag- Schlutzkurs mit 3,3925 und konnte sich unter kleinen Schwankungen von Bruchteilen eines Dollarcents auf diesem Stand behaupten. Gegen den Gulden notierte es 8,44, gegen Paris 86,13, gegen Zürich 17,4050 und gegen bie Reichsmark 14,33. Der Dollar war ebenfalls gehalten. Die Reichsmark blieb fast unverändert: sie notierte in Amsterdam 53,75 unb in Zürich 121,23, in Paris 599. Die Rorddevisen waren gut behauptet, ebenfalls bie Südamerikaner. Der französische Frank notierte eher fester.
Auch am Rachmittag war das Geschäft sehr ruhig und die Veränderungen wie am Vormittag sehr gering. Der Dollar behauptete sich gut, das englische Pfund tendierte eine Kleinigkeit leichter, gegen den Dollar ging es auf 3,3852 zurück, gegen ben Gulden auf 8.42, gegen Zürich auf 17,40 und gegen die Reichsmark auf 14,30. Die Reichsmark war nicht ganz einheitlich, in Amsterdam zog sie auf 58,85 an, in Zürich stellte sie sich auf 121,10 unb in Reuyork auf 23,70. Die Rord-Devifen waren etwas schwächer, die Südamerikaner unverändert.
Sprechstunden der Redaktion.
11.30 bl» 12.30 Uur. 16 bl» 17 Uhr Samstag nachmittag geschlossen.
Anzei e n a fträge sind lediglich an die Geschäft» st eile zu richten.
zi.Vrqond'k
22 Oonnb«
«mtlidw Soticruna
Cmihdw JiehtTune
<*#!>'
ZJrlr
fceiffr’gfotf .
5.844
5.856
5 844
5156
ütca
49.95
50.05
49.95
50.0
i-tafl . .
* 12.47
12 49
12.47
12.49
B u cxwe» . .
Sotto . .
64.93
65.07
64.93
65 07
3 057
3.063
3.057
3 063
OclIanB . .
169.43
161.77
169.43
169.77
C»lo . .
77.42
77.58
77.67
77.83
Ropcnbagei.
78.52
78.68
78.67
78.83
clodbolm
79.02
79.18
79 22
79 38
Von Bon , .
14.21
14.25
14.23
14.27
■äurnc« flirrt
1.068
1,072
1.073
1.077
itninort
4.209
4.217
4.209
4.217
tfnniel
58.58
58.70
58.62
58,74
ziolirn . .
21.33
21.37
21.41
21.45
Port« . . 2<hn.’rtj
16.54
16.58
16.54
16 58
82.10
82.26
82.12
82 28
Spanten
35.66
35.74
35.71
35 79
Tatyig
82.12
82.21
82 22
82 38
Japan
1.748
1.752
1 59
1.602
ikh> D< 3 an.
0.249
0.251
0.249
0.251
^ufloflarpta.
7.393
7,407
7.363
7,407
etiiabon . .
12.94
12.96
12.94
12,96
Banfnolen.
Ztrlin, 21 fnember
5dF
2W
flmrTÜannSe 4?ottn.......
4,20
4.22
»elfliftkr Rolm .......
58,42
58.66
tdnifSr Noten ......
78.34
78.66
Ctnfllifdie Not.'N .......
14,17
14.23
.Ttantölifdif Noten .......
16,56
16.56
Holländische Noien .......
69.06
169.74
Italienische Noten .....
21,26
21.34
Norwegische Noien .......
77.25
77.55
Deutsch.cetierreich, • IOO kchllling
——
Rumänische Noien .......
2.48
2.50
78.84
79.16
Schweizer Noien. .......
81.92
82.24
Epanische Noien. ........
35,53
35,67
Unflarildir Noten ......
—
—
Oberhesstsche Gesellschaft für Aaiur* und Heilkunde.
Am Sonner£Mgabcnb sprachen Professor Dr. M. D i n g I c r und Pro'effor Dr. P. K ö 11 g c n über „Qlugaben und Einr ch.ung der zoolog.lchen unb b:b:nkund'.ich.n Ab e lu. g dcS FcrstinstitutS".
Rach einer kurzen Einleitung über ben Ausbau des al:b:rühmten Gießener Zorstinstituts in naturwissenschaftlicher Beziehung, um den sich vor allem der kürzl.ch ver;o:benc Professor Dr. Wilhelm Borgmann verdient gemocht hatte, gab Prcsefsor Dingler c.nen allgemeinen Uebetb/.d über die wir.schaftliche Bedeutung ber Forstzoologie und der angewandten Zoologie überhaupt, da sich ber Au'gabenkreiS seines Lehrau'trageS nicht nur auf bie Erforschung urb Bekämpfung von Forst chäbiingen. sondern auch von landwirtschaftlichen, Haus- unb Vor- rats'chäblingrn ufw. erstreckt. D.e Tätigkeit der Abteilung verteill sich auf Verwaltung. Forschung unb L:hre. Der Vortragende griff andern umfangreichen Stoffgebiet zwei Ob eite heraus, denen die Forschungsarbeit seine- Institut- in erster Linie gilt, nämlich den großen braunen Rüffelkäfer (Forstschädling» und die Spargelfliege (landwirifchaftlicher Schädling). Er umriß an Hand von L chibildern ihre Lebensweise urb Bekämpfung. Die Führung durch die Zoologische Abteilung galt in erster Linie ber von dem Vortragenden im Gau'e von fünf Jahren ausgestellten Schausammlunq: daneben ist auch mit dem Ausbau einer rein snstematischen Sammlung begonnen, die einmal die gesamte Tier-, vor allem Insektenwelt Hessen- um'aikn soll, während die Schausammlung dem Zorststudierenden, aber auch dem Pra'tiker unb bem interessierten Laien die Lebensweise ber Tiere unb bamli ihre schäbliehe ober nützliche Rolle im Rahmen bet Wirtschaft vor Augen führt.
Hierauf führte Professor Kotigen, der Leiter ber bodenkunblichen Abteilung, u. a. folgendes auS: Der Boden ist im Sinne der Physik ein dynamisches System, dem von außen her ständig Energien zugeführt werden, unb bas daher in steter Umwandlung begriffen ist. Die bem Vortragenden unterstellte Abteilung bat eS sich besonders zur Ausgabe gemacht. Methoden auS- zuarbeiten. die es gestatten, d.e Veränderungen in der Zusammensetzung ber Bobenlösung, wie sie sich besonders unter bem Einfluß der Riederschläge. aber auch durch bie Entnahme der Nährstoffe burch b e Pflanzendecke vollzieht, durch daS Experiment laufend zu verfolgen. Die Aenderun- gen in ber Pebofphäre sink) bei den verschiedenen Bodentvven sehr unterschiedlich' sie sind in erster Linie abhängig von ben klimatischen Verärgerungen ber Erdoberfläche, abhängig aber auch von dem Muttergestein. auS dem der Boden durch Verwitterung entstanden ist. In der Boden- kundlichen Abteilung wurde in sechsjähriger, mühevoller Arbeit ein Verfahren ausgearbeitet, bei bem mittels beS elektrischen S'romS bie Rährstosse aus dem Boden beraubgclöft werden. Als Lösungsmittel b:ert d'stillierteS Wasser Da sich der Fortgang des LösunaSvrozefseS hierbei zeitlich verfolgen läßt, so erhält man Lösun"-- kurven, bie gewissermaßen den natürlichen 25» sunqsvorgang. wie er sich in ber Ratur vollzieht, auf kleinen Zeitraum zusammenpebräntt toiebergeben. Es würbe an Hanb von L ckiib '- dem gezeigt, wie es auf diese Weife möglich ist. durch eine einzige Analyse von sämfftchen in Frage kommenden R ährst offen ein Bild zu c-t- tnerfen, das in klarer, anschaulicher Form d n DüngungSzustand eine- BodenS erkennen lä t.
Bei einem Rundqang durch die Räume der Doderkund'.ichrn 2IÖ'e'luna wurden d-m Tc<uchcrn die Apparaturen sowie der Gang ber Analyse kurz vorgeführt.
Rinfitichf Jlodiridtfen.
Evangelische Gemeinde.
Mittwoch, den 23. Dezember.
Johannerklrche. 15 Uhr: Weihnachtsfeier der Kinderkirche der Lukasgemeinde, Pfarrer Bechtols- Heimer.
WeffenKndbinich?
Vornan von Ar. Lehne.
<Urh.berschutz burch E. Ack.rmann. Romanzentrale Stuttgart.)
'Schluß.)
»Sie werden bald wieder abreifen, wie Herr Pfarrer sagte?"
.Morgen nachmittag! Mein Urlaub ist abgelaufen! Cs sind Proben zum .Wintermärchen" angeseht, in dem ich die Hermione spiele, die schmerzensreiche Mutter, die dann ihre Perdite wiebersinbet —“
.Ah, Sie bleiben bei der Bühne?"
Mit einem ergebenen Lächeln sah Angela vor sich bin.
.ES ist mein Beruf, Gräfin! Denn in meinem Leben hat sich doch nichts geändert. Mich auf daS „Altenteil" zurückzuziehen, dazu bin ich noch zu jung — und ich kann auch noch zuviel geben! Und ganz heimlich aus ber Ferne will ich mich i dann am ^lüd n e ncr s.inber f <u:n! We n Ed5a unb Inga heiraten, soll Der S^-muck, ben Olle ran- I der damals auS Reinshagen mitgenommen hatte, zwischen ihnen geteilt werden — eS war wohl Die größere Hälste deS Familienschmuckes, den ich Ihnen wieder zur Dersügung stelle, Gräfin! Bitte, teilen Sie nach Ermessen! Der junge Pfarrer Lenz bekommt Alexander- nicht große, aber wertvolle Bibliothek — eS find kostbare alte Handschriften darunter! Alle- soll in ber Familie bleiben!“
.Wird Ebba morgen mit Ihnen reifen?" fragte Hanno erwartungsvoll.
.Rein, Gras Hanno! In ungefähr vierzehn Tagen bifr drei Wochen werde ich wieberkommen unb mir Ebba für eine Weile holen! O — wenn ich bann zwei Brautpaare vorfinben würde!"
.CinS bestimmt schon morgen!“ rief Hanno lebhaft, .glaubt ihr, dah ich nur einen Tag länger al- nötig zögere, mir meine Ebba zu freien ?^
•
Unb Hanno machte es möglich
Alle- in ihm fieberte ja nach der (Miebten.
Er war am Bahnhof, al- Angela abreiste. Mit einem Male tauchte seine große Gestalt in dem großen Warteraum auf. in dem Angela, Pfarrer
Sturm, Christel Lenz, Ebba, fein liebes Mädchen, und Inga auf ben Zug warteten.
Unb cs fiel Ebba auf. wie herzlich Hanno mit Frau Graf sprach, wie er ihr Die Hanb küßte und sie bedeutungsvoll ansah! Ach, sie hatte ja auch hier alle Herzen gewonnen, die große Künstlerin!
Aus dem Rückweg von der Dahn ging Hanno ganz sclbstvers.ändlich an Ebbas Seite, die Schritte allmählich verlangsamend, so daß Pfarrer Sturm mit Inga und Christel ziemlich weit vvrausging.
Der Inga war es ganz merkwürdig erschienen, daß die Mama ihr nicht streng verboten hatte, mit nach der Dahn zu gehen. Und glückselig und. dankbar hatte sie bie bescheidene Gunst entgegengenommen.
Tie Sonne war im Sinken. Ihre letzten Strahlen sielen auf das braune Land, es mit goldenem Glanze übergießend.
Herbe war bie Luft, unb bie feinen blonben Härchen um EbbaS Schläfen und im Racken bewegten sich leise im FrühlingSwinde. (Sine Amsel schmetterte ihr jubelndes, lockendes Lied in bie Weite. Ebba sah den schwarzen Gesellen mit dem gelben Schnabel auf einem der Alleebäame sitzen, unter denen sie schritten. Sie beutete auf ihn — .mir ist der Amsclschlag der liebste, weil er mir den Frühling kündet —" Jagte sie in leichter Verlegenheit, mehr um etwas zu sagen.
„3a", sagte Hanno. „eS wirb nun Lenz! — an meiner Seite schreitet er schon — bu bist ber Lenz, Ebba —" Dabei griff er nach ihrer Hanb, die sie ihm ängstlich zu entziehen versuchte. Doch er hielt sie fest und hemmte auch ihren vorwärts hastenden Schritt.
„Liebe, Heine Ebba, ich habe dir so viel zu sagen!"
„Richt, Gras Hanno! Ich darf unb will auch nichts m.hr frören!“ wehrte sie ihm.
Er blieb stehen unb zwang sie. bas gleiche zu tun. inbem er sie fest an ber Hanb hielt.
..Du weiht doch. Ebba, daß eS für mich keinen anderen Willen gibt als den meinen — unb bu mutzt mich hören!"
Assnastlich btidle sich Ebba um; sie suchte ihm zu entffiefren.
Doch er trat ihr mit auSgebreiteten Armen in den Weg.
..Halt, e- gibt kein Davonlaufen mehr al- nur — in meine Arme!“ Sr hielt sie fest, hob sie leicht vom Doben empor unb blickte mit einem
übermütigen Siegerlachen in ihr unglücklich er- glühenbes Gesichtchen.
Was fiel ihm ein! Wenn jemand kam — wenn man sie sah — die Leute hatten ja recht, wenn man sie leichtfertig schalt! Vom Dor.e konnte man den Weg gut überbaden, da die Alleebäume noch keinen verbergenden Schatten war'en.
Vor Zorn unb Empörung mußte sie weinen.
Unb ber Herr P'arrer, wenn er sich umblidte — unerhört war es von Hanno!
„Tränen, mein Lieb? Die kann ich nicht sehen!" sagte er ba, unb ber schreckliche Mensch küßte ifrr bie hellen Tropfen von b?n Wangen — unb bann lüßte er sie mitten aus den Mund, einmal unb noch einmal!
Ganz hilflos, wie gelähmt in Angst unb Scham stand sie ba.
Wagte er ihr daS zu bieten? Sie zitterte am ganzen Körper.
Gr hob ihr Gelicktchen in bie Hohe unb suchte mit tiefem Dlick ihr Auge. „Ebba, kleine, süße Ebba!“ Er sahte ihre Hand unb legte sie gegen seine CB ruft „Richt ängstlich fein, bu Liebe-! Ich habe ein Recht, bich $u tüffen — beim burch biefen Kuß bist bu meine Braut geworben! Du sollst mein geliebte- Weib werben!" sagte er ernst unb innig.
In EbbaS Kopf wirbelte e- burcheinander. Wollte er sich luftig über sie machen? Hatte er ben Derftanb verloren?
„Ich — bas Finbelkinb?" stieß sie hervor.
„Ja — bu, daS Finbelkinb! Seit ich bich wiedergesehen, kleine Eoba, weiß ich. bah ich nur bich lieben kann — bu gehörst zu mir! Was frage ich banach, wer bu bist? Ja, bu bist ein Finbelkinb — mein Finbelkinb! Ich habe bich gefunben zu meinem Glück! Du barfft mir s glauben! Ober hältst bu mich für so gewissenlos, bah ich mit bem, waS mir bas Heiligste ist--
bu Ebba — bah ich mit dem so frivol fchrrze — ?"
„Rein. Graf Hanno, nein —! Denken Sie an Ihre Cllern —" stammelte sie.
„Meine Eltern, bie bürfen mir nicht in meine Wahl reden! Ich bin ein mündiger Mensch unb tue. was ich will! Einmal hatte ich btr Unrecht aeian, Sbba, ich weih es! Unb bas nagte unb bohrte in mir — eS lieft mir keine Ruhe! Wüßtest bu, waS Ich gil.iten, al- bu verschwunden warst —! Unb nun bu wieder gekommen, ba halte ich dich fest, dich mein kleine-, scheue- Vögelchen, da- in mein schöne- Heim gehört!"
„Cs ist unmöglich! Meine Geburt ... unb wenn ba jemanb wieder mit Richtachtung —"
„Kleine, lüfte Ebba — sag', hast bu mich lieb?"
Ach — sie brauchte ihm ja nicht zu antworten — er las es auf ihrem Gesicht, wie sehr — wenn sie auch verwirrt ben Blick wegwanbte — „Kind, bei beiner Liebe bitte ich bich, benle nie mehr über bei ne Geburt nach! Deine Eltern waren eble, vornehme Menschen: sonst wärest bu nicht bas geworden. WaS bu bist! Du lebst — bu bist ba zu meinem Glück — genügt dir ba- nicht mehr — deine Heimat ist bei mir —!“
Wie betäubt war sie: bas war doch unmöglich!
„Hanno, nein — ich kann ba- boch nicht glauben — ich träume ja nur — wenn ba- Erwachen kommt —" slüstsrte sie bang.
„Du träumst nicht, Ebba!" sagte er stark unb innig, „sieh mich doch an! Dort gehen Dfarrer Sturm. Inga unb dein Drub:r! Unb sooalb bu mir ganz gehörst, werde ich meinen Einfluß auf« bieten, baß auch beren Liebe ihre Erfüllung finden wird." e
„Hanno, ich bin ganz verwirrt, nein — nein —
. Ebba, dort ist die Sonne untergegangen — bu stichst den rosigen Schein! Wie da- Wirklichkeit ist. so bar'ft bu mir auch glauben! Ich gehe jetzt mit btr zu beinen Eltern, dich mir von ihnen au erbitten! Unb morgen. Cbba — morgen lorrmft bu in bas Hau-, In dem bu Herrin fein wirstl Sieh mich böch an — unb glaube mir —!"
Unb al- Ebba ben scheuen Blick zu bem Geliebten erhob. Iah sie auf dessen sonst immer so übermütigem Gesicht einen ungewohnten, heiligen Emst, unb ba wußte sie: e- war beglüdenbe Wahrheit —!
Roch immer konnte sie eS kaum fassen:
Wirklich. Hanno sollte ihr nun boch gehören? Kaum waqte sie bas zu glauben. waS sie einst al- eigentlich ja ganz se.bstverständl'ch angenommen hatte, als er ihr den ersten, süßen Kuft geraubt.
Tab e- wirklich so viel Glück?
„Ach. Hanno", sagte sie letfe. „bu willst mich wirkl.ch zu deinem Wtibe nehmen?"
„Ja. bu Liebste. Beste — mein herzinnigster Schah — in kurzer Zeit führe ich dich heim:"
Unb ganz Dankbarkeit, ganz Hingebung, schmiegte sie sich selig in seine starken Arme.
— Ende.—


