Ausgabe 
22.12.1931
 
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Oeffenllichkeit bereits eine Rolle spielten, m i t besonderer Soras alt überprüst wer­den muh. Während bisher beim UebertriÜ von politischen Führern anderer Parteien in unsere Bewegung eine mehrmonatige Prüfungszeit biS zur endgültigen Aufnahme eingefckoben wurde, verfüge ich für die Zukunft folgendes: Ersuchen von Personen, die bisher in der Oeffentlichkeit

hervortraten, insbesondere wenn diese be­reits als politische Führer anderer Parteien eine Rolle spielten, in die REDAP ausgenommen zu werden, ist nicht vor Ablaut einer Prüfungszeit von einem 3 ahr. gerechnet vom Tage der Ein­reichung deS Aufnahmegesuches an, stattzugebcn."

Oie Gestaltung des Preisniveaus.

Reichslommissar Dr. Goerdeler über seine Aufgabe der Preisüberwachung.

Berlin, 21-Dez. (XU.) Am Wontagabend sprach im Rundfunk Reichskommissar Dr. ® ö r - deler überFragen der Preisbildung". Dabei führte er u. a. aus: Die allgemeine Preissenkung müsse organisch angebahnt und durchgclührt werden, wenn dabei nicht die Schäden größer sein sollen als die Vorteile. ES gelte sozusagen ruckartig die gesamte Wirtschaft auf einen anderen Preis», Lohn - und Gehalts- st a n d au überführen. DieS sei infolge deS Sturzes der englischen Währung und seiner Aus­wirkung auf die nordischen Währungen unum­gänglich. Schon jetzt gelange auS den nordischen Ländern daS Vieh billig in großen Wengen nach Deutschland und die engl.sche Kohle stoße bereits auf das Binnenland vor. Diese und andere Ur­sachen führten dazu, daß in steigendem Maße die einzelnen Völker sich gegen fremde Ein­fuhr durch Zölle und andercMaßnahmcn schütz­ten, um die eigene Wirtschaft zu teilen. Zu den anderen Ursachen geböte die große polnische und wirlschaftliche Unordnung, die daS Di k- tal von Versailles nichl nur über Deulsch- land, sondern damit auch übet die Welt gebracht habe. Rach seiner Ueberzeugung gehe man dem Zeitraum entgegen, in dem man zu einer Art Tauschhandel mit anderen Volkswirtschaften gelange. 3edcs Land werde nur soviel aus dem anderen Land auf- nehmen wollen, wie es selbst in diese- Land auS- führe. Auf jeden Fall müsse sich daher Deutsch­land auf eine niedrigere Preisgrund- lage herunterschrauben.

Durch die Notverordnung vermindere sich ab 1. Januar 1932 die Kaufkraft um einen Iahreswert von 3.5 Milliarden. Diese Minderung der Kaufkraft ziehe alles in ihren Strudel. Damit dieser Strudel nicht vernichtend wirke, sei es notwendig, Kräfte einzuschalten, die den Vorgana regulierten. Je schneller die Regulieruna erfolgen könne, und je organischer sie durchaesührt werde, desto besser werde die Wirkung fein. Das Verhältnis sei dann am günstigsten, wenn dem relativ gering- st en Preise die relativ größte Kauf­kraft gegenüberstehe. Die Aufgabe könne nur fein, allen Berufsständen au gewährleisten, daß ein g e rechter Preis sichergestellt werde, das heißt ein Preis, der sämtliche S e l b st k o st e n decke und den an der Erzeugung und an dem Vertrieb Beteiligten aller Art die E r i st e n z in einem der heutigen Notzeiten entsprechenden Rahmen gebe, nicht mehr und nicht weniger.

Die verschieüenen Faktoren der Preisbildung seien aber so verschieden, daß sie alle geson­dert auf die Möglichkeit der Einwirkung geprüft werden müßten. 3n jeder Preisbildung steckten z. D. Abgaben für die öffentlichen Haushalte, so­ziale Lasten usw. EineBeenflußbar.eit liege hier nur in der Möglichkeit vor, altpteußische Spar­samkeit in der ö f f e n t l ich e n V e t w a l- t u n g zu üben. Den unmittelbaren Senkungen der PreiStatife stehe als höchstbedauerliche Preis­

belastung die Erhöhung derUmsatzsteuer gegenüber. Eine wichtige An gabe falle der deut­schen Hausfrau zu. Sie solle Güte und Preis prü'en. Heber dieFleisch - undDrotpreise seien in diesen Tagen Verhandlungen im Gange. Bei den Straßenbahnen bestünde Aussicht auf Fahrpreisverbilligungen. Bei den Gas« und Elektrizitätswerken seien die Schwierig­keiten größer, denn diese bür'ten niemals Zu­schußbetriebe sein. Sonst müß e nämlich der Verlust durch die Allgemeinheit miltelSSteu- e r n gedeckt werden. H erzu komme noch, daß alle diese monopolartigen Betriebe einen sehr wesent­lichen Teil des FinanzbedarfeS der Öf­fentlichen Hand deckten. Dazu komme, daß in den Städten die Lasten für bte Wohlfahrts» erwerbslosen ständig fliegen. Die Kontrolle der M i l ch f p a n n e, die Preise für Marken­artikel werde Ausgabe der nächsten Zeit sein.

Ole Senkung

des Broipreises im Reich.

Tcr Preisübcrwachungskommissar ver­handelt mit Konsumemenverirctern.

Berlin, 21. Dez. (TU.) Amtlich wird mil- gcteilt: ,Die vom Reichskommiffar für Preis­überwachung, zusammen mit Landes- und OrtS- behorden eingclcitete Aktion zurSenkungdeS Drotpreises hat bereits verschiedentlich zu erfreulichen Ergebnissen geführt. Däckerinnun- gen, Brotfabriken und Konfumvereine haben eine Senkung des Drotpreises vorgenommen, u. a. in Halle, München, Solingen, Deuthen/Oberschlefien, Wuppertal, Stuttgart, Nürnberg, Wiesbaden, Mannheim, Stettin. Die Senkung ist überwie­gend schon eingetreten und tritt in einzelnen Or­ten ab 1. Januar 1932 in Kraft. 3n diesem Zu­sammenhang ist mitzuteilen, daß der Milch- preis in Leipzig ab 20. d. M. um 3 Pf. ge­senkt worden ist.

Am 21. Dezember 1931 wurden gemeinsam vom Reichswirtschastsminister Dr. Warmboldt, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft Dr. Schiele und Reichskommissar für Preis­überwachung, Oberbürgermeister Dr. G o e r d e - ler, die Spihenorganifationen der Gewerk­schaften und Beamten empfangen. Die Be­sprechung galt den Fragen der Preissenkung und führte nach der grundsätzlichen Seite, sowie auch bezüglich des Vorgehens auf einzelnen Gebieten im wesentlichen au überein st immender Auffassung. Von einzelnen Vertretern der Verbände der Beamten und Arbeitnehmer wurde eine Reihe wertvolle Anregungen gegeben, deren Beachtung zugesagt worden ist. Es bestand all­seitig der Wunsch, daß die Aussprache über Fra­gen der Preissenkung zu gegebener Zeit fort­gesetzt werde. Die Reichsminister und Reichs­kommissar Dr. Doerdeler sagten dies zu.

Weihnachtsgebräuche in Spanien.

' Von unserem v..-Berichtcrstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.) Madrid, Dezember 1931.

Der Spanier kennt den geheimnisvollen Zauber der deurschen Weihnacht in der Regel nur vom Hörenlagen. Der Ehr ist bäum, diese Ersüllung all unserer kindlichen Wunschträume, ist in der Regel nur bei den hier ansässigen deutschen Familien zu finden und nur ganz langsam schasst er sich auch Einaang bei den Spaniern höherer Kreise. Das Volk selbst hat keinen Sinn dafür. Für die Masse ist der Heilige Abend ein willkommener Anlaß, dem Tem­perament die Zügel schießen zu lassen. Weit davon entfernt, sich von irgendwelcher Poesie einfangen zu lassen oder gar über das Wunder dieser Nacht nach- zudenken, beschränkt man sich darauf, dem Verhält­nis des Geldbeutels entsprechend, kulinarische F e i e r n zu veranstalten und so viel Lärm wie möglich zu machen.

Tbäßrcnb die Jugenb mit den unmöglichsten Musikinstrumenten, unter denen die Hafendeckel eine große Rolle spielen, die halbe Rächt hin­durch tobend und schreiend durch die Straßen der Stadt zieht, fitzen die ehrsamen Bürger beim Festmahl und verzehren Unmengen mehr oder weniger verdaulicher Leckerbissen. Vor allem darf darunter der traditionelle Truthahn nicht fehlen, der Wochen vorher schon auS den herumziehenden Herden heraus lebend gekauft und zuhause bis zum Festtag unmenschlich ge­stopft wird, damit er nur ja recht fett werde. Der sogenannte T u r r o n eine in unzähligen Varianten feilgebotene Marzipanspeife fplelt die nächst wichtige Rolle. Ratürlich wird auch den Getränken lebhafter zugesprochen, so daß die Stimmung innerhalb der Häuser hinsichtlich deS Krachs und Lärm- schon nach wenigen Stun­den die Konkurrenz mit dem Trubel auf der Straße auShält. 3n den großen Hotels wird nach dem gleichen Rezept gefeiert, nur kostet es da ganz wesentlich mehr Geld.

Wer etwas auf sich halt der schickt zu Weihnach­ten seinen Freunden Geschenke. Aber nicht in un­terem Sinn, sondern eben auf da» leibliche Wohl eingestellt. Riesenkörbe mit fantasti­scher Aufmachung werden da zu Hunderten über die Straße getragen Leckereien aller Art, Sekt, Ha- oannazigarrrn, Schinken, Truthahn, Marzipan, teu­re» Obst, kurz alle», was das Herz begehrt, enthalten dieseEestos". Es g.bt Körbe, die bis zu zweitau- send Peseten kosten! Zeder bekommt also etwa», nur die Kinder nicht. Die müßen warten bi» Aum Tage der Hl. Drei Könige, wo das vom spanischen Christkind Versäumte durch die Magier nachgeholt wird, wenn da» Äinb nicht vergißt, die Schuhe rid)tig vor die Türe oder da» Fenster zu stellen. Wie das diesmal wird, ist noch nicht heraus, denn die Republik hat diesen Feiertag unb-rbrüeft und cs bleibt abzuwarten, ob die Drei Könige dadurch nicht so verschnupft sind, daß sic Spanien überhaupt

schneiden. Den einzigen Zusammenhang mit Weih­nachten bilden hier d i e K r i p p e n , die in den ver­mögenderen Häusern ausgestellt werden und die Mitlernachtsmessc, hierHahncnrncsse" ge­nannt. Aber auch diese ist mehr eine äußere Ange­legenheit und weit entfernt vom Mysterium der deutschen Weihnachtsmette.

Eine weniger erfreuliche Weihnachtssitte, die den diversen Familienvätern immer wieder schwer auf der Seele liegt, ist das sogenannte21 g u i n a l b o", ein Trinkgeld, das um die Weihnachtszeit an alle möglichen und unmöglichen Leute gezahlt wer­den muß, wenn man sich nicht in den Ruf der Schä- bigkcit bringen will. Es ist ganz erstaunlich, wievicle unbekannte Menschen da an her Wohnungstür er­scheinen und behaupten, mit dem .Herrn" das ganze Jahr über in dauernder Verbindung gestanden zu haben. Slußer dem Portier, den gewöhnlichen Brief­trägern, den Eilbriefträgern, Geldbricsträgern, Te- legrammzustellern, Laufburschen aller Art, Radlern von der Radiogesellschaft, Telephon, Gas-, Elcktri- Aitätsmenschen kommt noch der Nachtwächter und in seinem Schatten eine Abordnung der Straßenreini­ger, die behaupten, gerade vor diesem Haus immer besonders schön gespritzt zu haben. Am besten wär's, man könnte während dieser Zeit auf vier Wochen verreisen. Aber drücken gibt's nicht, da wäre man glatt unten durch, also macht man gute Miene zum böten Spiel und läßt seufzend in all diese aus- geftreeften Hände feine sauer verdienten Silberlinge gleiten.

Der Clou ber Weihnachtszeit aber ist und bleibt die große Weihnachtslotterie. Daran hat auch die Republik nichts geändert. Schon viele Wochen vor der am 22. Dezember stattfindenden Ziehung träumen zwanzig Millionen Spanier vom Glück, von der plötzlichen Befreiung auS den Kümmernissen des Alltags und von ihrem Umzug inS Lager derBegüterten. Es ist wirklich rührend au sehen, mit welcher Hoffnung und welch tiefem Glauben diese großen Kinder immer wieder, trotz aller Enttäuschungen, aufdaSWunderwar» t e n. Ratürlich hat jeder einen Anteil. Wenn daS ranze LoS, dellen Haupttreffer fünfzehnMil- ionen beträgt, auch zweitausend Peseten kostet, fo kann man doch dank eines mit aller Gewissen- Hastigkeit durchgesührten Anteilscheinsystems bis herunter zu zehn Eentimos Drtelligun- gen erstehen. Ratürlich ist es Ehrensache, feinen Freunden und sogar den Dienstboten einen kleinen Teil des eigenen LoSbetrages abzutreten, denn die sollen sich doch mitfreuen, wenn man reich wird. Alle Läden großen und kleinen Formats, die Schuhputzer und Austräger, die QEarftfrauen und Däckerjungen bieten einem .Beteiligungen" jum Kauf an. 3ch habe mich Immer gewundert, oaß es bei eventuellen Gewinnauszahlungen unter diesen Umständen nie Durcheinander gibt Aber cs klappt immer ausgezeichnet und irgendwelche

Unterschleife kommen fast nie vor. Es ist eben eine heilige Sache, die durchaus seriös behandelt wird.

Die Lotterie, die nebenbei bemerkt eine recht ansehnliche Einnahmequelle für den Staat dar­stellt sorgt aber auch für jene ganz Ar­men, die sich überhaupt keinen Antell am Glück erstehen können. Diese Leute verdienen chr Geld meist sicherer als die anderen durchGpa­lt e r st e he n. Die Ziehung wird nämlich im staatlichen Münzgebäude cbgcßalten, in einem Raum, der kaum mehr als 100 Personen faßt Die­sen Platzmangel und die brennende Reugier von Tau enden, die dem Schaufp cl beiwohnen wollen, machen sich die Armen zunutze, indem sie oft schon Wochen vorher mit Matratzen und Decken ober Stühlen bewaffnet, dort au marschieren und auf der Straße unter freiem Himmel dieCola den Schwanz formieren. 3n der R.gel orga­nisieren sie innerhalb der eigenen Familie eine richtiggehende Wachablö'ung. fo daß die Anstren­

gung nicht allzu groß wird. Steht einer aber allein in der Welt, dann muß er viele Tage und Rächte hindurch auSharren, um seinen Platz nicht zu verlieren. Die Stadtverwaltung spendet diesen Unentwegten warmes Essen und Decken. Am ZichungStagc selbst ist die Cola aus über hundert .Platzhalter" angcwachfen, die nun den reicheren Mitbürgern ihre Offerten machen. Man kauft also einenPlatzsürdieZiehung in aller Form und mit dem üblichen Handel. Preise von hundert und mehr' Peseten für einen annehm­baren Platz sind keine Seltenheit So kommen also durch diese sinnreiche Einrichtung auch die aller­ärmsten au ihrem Weih nach tSge'chenk.

Wer aber w rllichen We hnachtszauber empfin­den will, der muß hinaus in die schnee­bedeckte Sierra und beim klaren Mondschein fe.ne cinfamcn Ccbanlen in die Heimat llte- gen la len, dorthin, wo unter dem Lichterglanz des Märchenbaumes unsere Angehörigen d a « Wunder der Ehristnacht gläubig erleben.

Minister machen Weihnachtseinkäufe...

Kleine Momentaufnahmen auS der Reichshauptfladt. Don Hans Verton.

Weihnachten gibt es nicht nur für uns ge­wöhnliche Sterbliche, auch für Minister! Unser Mitarbeiter hat, zumeist in der Leip- ziger Straße in Berlin, eine Anzahl Augen- bücksbilder von den Weihnachtseinkäufen der Minister festgehallen.

In einem Konfllüreygeschäst der Leipziger Straße herrscht lebhaftes Gedranoe. Jeder miU noch etwas kaufen für den Weihnachtstisch. Ein Herr mit gut­mütigem Großpapagesicht, der süddeutschen Dicuekt spricht und so aussieht, als ob ihm stets eine Menge Bonbons für Kinder in der Tasche kleben, Ist auch erst In letzter Minute aekommen und macht in großer Haft [eine Einkäufe. Die Verkäuferin seufzt:Wenn die Menschen doch nur früher kommen würden .. ." Der gutmütige Herr lacht:Wissen Sie, Fräulein, man hat so schrecklich wenig Zeit ..." Es ist der Reichsfinanzminister Dietrich.

Ein kleiner, rundlicher Herr geht, ein ganzes Schock Kinder an der Hand, durch die Abteilungen des Spielwarengeschäfts. Die Kinder freuen sich sicht­lich über all die bunten, zauberhaften Dinge, aber ihre Freude ist nicht zu vergleichen mit dem wachsen- den Entzücken des Herrn mit der Glatze, der an allem dreht und bastelt, der sich in eine andere, bessere Welt versetzt fühlt. Das ist der Reichs- bankpräfident Dr. Luther ...

Der Mann, der am Wilhelmsplatz Weihnachts- bäume verkauft, sagt vorwurfsvoll zum Herrn im Pelz:Aber, Herr Minister, bet seht doch nidr bet ie bies Jahr alle nur so kleene Bäume koofen. Wenn ie alles um 10 Prozent senken^ brauchen Se mir )et nicht jleich um eenen janzen Meter zu kürzen .. ."

Der Reichskanzler und fein Staatssekretär sitzen [ich gegenüber. Es gilt einen kleinen Beamten, her in ber Reichskanzlei oesonders fleißig unb tüchtig war, zu Weihnachten auszuzeichnen. Der Staats­sekretär schlägt vor:Eine Erinnerungsmünze viel- leicht? ..." Dr. Brüning, nachdenklich:Ach, was hat er davon, bei den schlechten Zeiten. Schenken wir ihm lieber etwas Nützliches, vielleicht eine schöne Krawalle.. .'

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Die netteste Sache ist beim diesjährigen Weih- nachtseinkauf ohne Zweifel doch dem Reichsfinanz- minifter Dietrich passiert. Er kaust In einem Ge­schäft unb erfährt, daß ein Teil des Preises von vornherein alsSpesenzuschuß" bezeichnet wird.

Leise flüstert ihm der Verkäufer zu:(Es ist nämlich wegen der Steuer ..."

Der Preiskommisfar Dr. Ooerbeler macht Weihnachtseinkäufe. Neben ihm steht ein Herr, ber alles zu teuer findet. Der Preistommissar tauft Der Mann neben ihm dreht sick plötzlich um und erkennt den in diesen Tagen oft photographierten Dr. öoerbeler.Verzeihung, Herr Preiskommissar, finden Sie das nicht zu teuer? ..." Dr. (Boerbcler schüttelt lächelnb den Kops.Dann kaufe Ich es auch", sagt der Herr zur Verkäuferin.

Ein englischer Staatssekretär ist auf ber Durchreise in Berlin. Auch er will hier Weih- nachtseinkäufe machen. Derzweisell läutet er eine» Tages im Auswärtigen Amt an. In ganz Berlin ist da» nicht aufzutreiben, was man sich zu Hause von ihm gewünscht hatWas ist es denn?" Ein paar Kuckucksuhren unb ein richtiger Pudel." ... Woraufhin eine biplomatische Aktion in Bewegung gesetzt wurde, um in Berlin Kuckucks­uhren unb Pubel aufzutreiben.

Das Antiquitätengeschäft betritt ein seltener Gastt ber Reichskanzler Dr. B r ü n l n g Er sagt zum Ver­käufer: ,^d) habe schon lange bet Ihnen im Fenster eine alte Holzfitzur gesehen, die mich sehr interessiert hat. Ich habe mir vorgenommen, sie zu kaufen, wen» ich einmal eine halbe Stunde Zeit übrig hatte. Es hat lange gedauert..."

Das kleine Mädchen schaut zu dem mittelgroßen, nett aussehenden Herrn empor: .Läufst du mir bas Bilderbuch?"Du hast doch jetzt schon genug Bilderbücher, unb wir müssen sparen." In biescm Augenblick beginnt bas kleine Mädchen bitterlich zu meinen. Der Herr kann das nicht sehen und kaust das Bilderbuch.Gott sei Dank, daß e» in der Po­litik keine Kindertränen gibt", sagt bann ber Reichs­wehr- unb Reichsinnenminister (Bröner.

Ein Derkaufsfräulein zeigt bem Herrn, der zu- lammen mit einem zwölfjährigen Jungen eine elek- irische Eisenbahn kaufen will, die letzten Modelle. Mit brennenden Augen verfolgen die beiden männ­lichen Wesen den raschen Lauf ber Lokomotive. Der Herr will etwas an einer Weiche stellen, da weist ihn das Fräulein zurück:Davon verstehen Sie nichts, mein Herr." Der Zurückgewiesene ist gleich­falls einMitglied der Wilhelmstraße" Dr. Dorpmüller, Generaldirektor der Reichsbahn.

Aus aller Well.

Stürmische Szene im Tuberkuloseprozeß.

3n brr Montagsverhandluna betont Prof. Dr. Bruno Lange in einem ausführlichen Gutachten, baß inan theoretisch mit ber Möglichkeit einer Umwandlung des 2EG. rechnen müsse. Die Mög­lichkeit eines Rückschlages praktisch und im Lü­becker Falle sei aber gleich Rull. Die Verwendung des Eiernährbodens in Lübeck sei nicht geeignet gewesen, eine Dirulenzsteigerung beim BEG. zu begünstigen. Er sei sich vollkommen im Klaren darüber, daß die Virulenz beim DTG. nicht etwas sixeS fei. Es könnten gewisse Schwan­kungen in ber Virulenz vorkommen, aber niemals so große, daß man fortschreitende Tuber­kulose bei Meerschweinchen erzielen könne. Pro­fessor Hans Much ruft: .Das ist erwiesen!" Professor Schürmann lacht, Professor Lange fährt fort: Es kommt darauf an, nachzuprüfen, baß eine bakteriologisch-anatomisch filierte Tu­berkulose bei Tieren erzielt wird. Dieser Rach- weis ift, wie Pros. Schürmann durch Versuche feftgeftellt hat, nicht geführt worden. Prof. Schürmann machte eine Bemerkung, die man am Prefsettlch nicht versteht. Prof. Much ruft: .Wenn Eie noch we'.ter lachen unb mich weiter beleidigen kriegen Sie ein paar an Die Ohren, eie Lümmel!" Professor Schürmann lacht weiter und Professor Much macht eine neue Bemerkung, die weiter nickt verstanden wird. Rach etwa fünf Minuten läßt Professor Much durch feinen Assi­stenten dem Professor Schürmann einen Zettel überreichen, mit dem er. wie verlautet, um Ent­schuldigung bittet.

Professor Much sagt dann in seinem Echluß- p"»"chten. Eie sollten einmal hinter d ie Ku- lifsendermedizinischenWissenschast id) .uen, und Sie touroen erstaunt fein über die Cliquenwirtschaft, Unwahrhaftigkeit, Voreinge­nommenheit ulw. Das Berufen auf die Wissen­schaft ist ein 3onglieren mit dem Dogma. Man müsse annehmen, daß tatsächlich eine Verun­reinigung vorgekommen ist. selbstverständlich keine Vertauschung, denn bann hätte bas Unglück sich einheillicher auswirken müssen. Auch der Calmette-Baz'llus könne unter gewissen Um­ständen wieder zur Virulenz Aurüd» kehren. Eine Verwechslung lei in Lübeck aus­geschlossen. Professor Dr. K a ß n, Berlin, erklärte hierauf Professor Much hat hier schwere Anarisfe gegen die Schul­medizin erhoben Ich halte mich für verpflich­tet, als ältestes Mitglied der hier anwesenden Sachverständigen gegen seine Ausführungen

Protest zu erheben. Wir werden nach wie vor den Weg der logischen Verfolgung unserer Ziele auf Grund der Beobachtung der Natur gehen. Wir wären auch in unserer Wissenschaft nicht so weit gekommen, wenn wir uns nur auf den Weg des Glücks und der Lotterie verlassen hätten.

Professor Uhlen Huth betont, für die Erklä­rung des Lübecker Unglücks kämen drei Möglich­kellen in Betracht: eine Verwechslung, eine Diru- Icnzsteigerung oder eine Verunreinigung. Man könne einen Rückschlag nach den vorliegenden Befun­den nicht ganz aussckließen. Positiv lasse sich dieser Rückschlag im Lübecker Fall allerdings nicht beweisen. Eine Derwechslungsmöglichkell wäre auf Grund der vorliegenden Befunde möglich. Den Vorwurf, daß in Lübeck eine absichtliche Beimengung von humanen Bazillen erfolgt sei, müsse man an- aesichis der Persönlichkeit von Prof. Deycke mit aller EntschicdenhKt zurückweifen. Aber eine Verun­reinigung Halle er für da» ausschlaggebende Moment. Nach allem, was dirher über das Cal- mctte-Derfohren bekanntgeworden fei. fei vor der Anwendung der Calmette-Schutzlmpfung an Men- fd)en dringend abzuraten.

Entsetzliches Branbunglütf bei einer Weihnachtsfeier.

In Lohne (Kreis Osterburg) ereignete sich bei einer Weihnachtsfeier in einer Gastwirtschaft (in entsetzliches Unglück, von dem sechs Knaben be­troffen wurden. Die Knaben stellten auf der Bühne Schneemänner dar und waren zu diesem Zweck ganz mit Watte umhüllt. Einer der Knaben muß in der Pause einembrennenden Baum zu nahe gekommen fein und fing Feuer. Im Nu standen alle sechs Knaben in Hellen Flammen. Sie drängten zur Bühnen- tur, vermochten diese aber nicht zu öffnen. Erst al» die Tür von außen durch Personen aus dem Saal aeöffnet wurde, konnten die Knaben aus ihrer Ichrecklichen Loge befreit werden. Sie hatten aber bereits schwere Brandwunden erlitten. Einer der Knaben ist inzwischen im Krankenhaus Osterburg gestorben.

Scharfe Hüllt auf dem Schwarzwald.

Der Sonntag brachte dem Feldberg den käl­testen Tag des ganzen Jahre». Die Masi- mattem peratur betrug minus 14 Grad, das Mini­mum minus 18 Grad. Mit einer Geschwind g- kett von 20 Sekundenmeter raste ein eisiger O st w i n d über die Höhen de» Schwarzwaldes. 3a dem kältesten Gebiete der Baar lag die Temperatur noch einige Grad tiefer. Au chln der Rheinebene fiel die Temperatur unter minus 10 Grad.