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bi« Hand auf di« Wunde, die den deutschen Wirt- fcboftstorper nicht zur Gesundung kommen läßt: die Tributverpflichtungen. Die von Deutschland zu leistenden internationalen Zahlun- gen dürfen nach Ansicht der Sachverständigen nicht länger die Stabilität seiner Finanzen gefährden. Es darf nicht gezwungen sein, entweder seine Schulden lawinenartig zu vermehren, oder durch Einfuhrsperre und Dumpingexport das wirtschaftliche Wohlergehen anderer Länder zu bedrohen. Heute gibt es nur diese beiden Wege, wenn die "Regierungen keine Vernunft annehmen und die politischen Voraussetzungen für di« Wiederherstellung eines freien Geld- und Güterverkehrs schaffen. Die Unterbringung neuen Kapitals mit dem Ziel einer Vermeh- . rung der Kaufkraft und Behebung der Depression, die alle Weltmärkte lähmt, ist unmöglich, solange da» herrschende Reparation»- und Kriegsschulden- snstem wohl riesige Zahlungen von Schuldner- ländern an Gläubigerländer fordert, aber auf der andern Seite ein protektionistisches Zollsystem die Echuldnerlünder hindert, ihre Schulden auf dem Wege des freien Güterverkehrs ab^utragen. Hier wird also von ersten Autoritäten des internationalen Wirtschaftslebens in nackten, dürren Worten gesagt, daß ohne Beseitiaung des allen ökonomischen Grundgesetzen zuwiderlaufenden Tributsystems und ohne Befreiung des internationalen Güteraustauschs von allen einengenben Hemmnissen die Prosperität der Weltwirtschaft nicht wiederhergestellt werden kann. Und die Sachverständigen scheuten sich auch nicht, ihren Auftraggebern, den Regierungen, einen bestimmten Termin zu setzen, bis zu dem die politischen Voraussetzungen geschaffen werden müssen, wenn nach Ansicht der Sachverständigen die Wiederherstellung des deutschen Kredits mit einiger Aussicht aus Erfolg unternommen werden kann. Rur ein knappes halbes Jahr, während dem die kurzfristigen Kredite weiterlaufen, wird den Regierungen für diese Arbeit zugebilligt. Dann müssen die von den Sachverständigen angedeuteten entscheidenden Schritte getan fein.
Die Wirtschaftler haben also die Akten geschlossen und mit dem Vermerk „Zurück an die Poll- tiker" den Regierungen zur weiteren Bearbeitung überreicht. Dem Vorsitzenden der Londoner Konferenz Macdonald liegt es nun ob, den nächften Schritt zu tun und die anderen beteiligten Re- gierungen unter Hinweis darauf, daß keine Zeit zu verlieren fei, zu einer Aussprache über das von den Sachverständigen in den Vordergrund gerückte Reparations- und Kriegsschuldenproblem einzuladen. Die Aussichten dazu sind allerdings nicht sehr günstig. In Washington, das ja hierbei ein gewichtiges Wort mitzureden hat, hat der Layton- Bericht ein Echo gefunden, aus dem man schließen könnte, daß man dort schon wieder Angst vor der eigenen Courage bekommen hat und nach der Ini- tiative des Hoover-Moratoriums hypnotisiert durch den wachsenden Zerfall der eigenen Wirtschaft wieder in die alte Lethargie Europa gegenüber zurück- finken möchte. Auch die Wahlen zum Kongreß und die Aufstellung der Präsidentschaftskandidaturen, die Amerika ja nie zur Ruhe kommen (affen, werfen schon ihre Schatten voraus, so daß mit einer neuen Initiative der Vereinigten Staaten sobald wenigsten» kaum zu rechnen fein dürste. Vermutlich werden sie ein Nachgeben in der Kriegsschuldenfrage, mit der nun einmal das Reparationsproblem eng verbunden ist, von einem Erfolg in der Abrüstungs- frage abhängig machen. Damit geraten wir wieder in den circulus vitiosus, der bisher schon immer eine gründliche Bereinigung gehemmt hat. Wir kommen also, da wir keine Zeit zu verlieren haben, um eine eigene aktive Politik nicht herum. Sie darf zw« nicht die Lösung der Revarationsfrage in einem psychologisch ungünstigen Augenblick erzwingen wollen. Denn es kann uns nichts daran liegen,
Auslandes, namentlich der Schweiz und Hollands. mit deutschem Kapital hat dort zu nicht Sagen wirtschaftlichen Schwierigkeiten geführt.
länder und Schweizer Danken sahen keine An- Endlichkeiten mehr für die ihnen zuströmen- den Kapitalien. Da» starke Kapitalangebot drückte auf die Verzinsung und trieb die Warenpreis« hoch. So war von vornherein weder in Holland noch in der Schweiz die Stimmung für un» besonders freundlich, als wir für die Verlängerung der Kredit« ihre Hilf« in Anspruch nehmen muhten. Lind dieses Stimmungsmoment wird sich auch in den Daseler Stillhalteverhandlungen wenig günstig ausgewirkt haben. Es bedarf kaum besonderer Vetonung, dah das nur mit Mühe erreichte Ergebnis dieser Verhandlungen lediglich ein Provisorium bedeuten kann, eine Atempause bis zum Frühjahr, während der zwischen Deutschland und seinen ausländischen Gläubigern eine endgültige Regelung über ine weitere Fortdauer der stillgehaltenen Kredit« oder ihre Ablösung durch eine langfristig« Anl«ihe getroffen werden muh, denn eS ist wohl allen Deteiligten klar, dah neue Kreditabzüge nach Ablauf der in Basel zugestandenen sechs Monate, ein neuer Run auf di« Danken, für die deutsche Wirtschaft auch im Februar kommenden IahreS neue schwere Erschütterungen zur Folge haben mühte, die mich die Gläubigerländer in noch ganz anderer Weise in Mitleidenschaft ziehen würden, als dies schon im Juli geschehen ist. Was in Dasel erreicht wurde, ist also bestenfalls nur eine Drücke, die zu einer stabileren Epoche der internationalen Geldwirtfchast hin überführen kann, wenn di« Zwifchenzeit von den verantwortlichen Männern genützt wird. Damit letten wir schon über zu den Arbeiten des zweiten Gremiums, das über dem Stillhaltekonsvr- tium in Dasel tagte, dem Sachverständigenaus- schuh.
Die den Sachverständigen gestellte Aufgab« wurde bereits oben skizziert. Ihr Bericht an di« Regierungen ist ein eindringliches volkswirtschaftliches Privatissimum, dessen Wert noch dadurch unterstrichen wird, daß es einstimmig erteilt wirb. Also auch der ftanzösische Sachverständige, der ehemalige Gouverneur der Bank von Frank
reich Moreau, hat sich den Folgerungen ange- schlossen, die seine Kollegen aus der Prüfung der deutschen Kredit- und Wirtschaftslage gezogen und in dem von dem englischen Nationalökonomen Sir Walter Lay ton redigierten Bericht niedergelegt haben. Der Bericht bejaht die Frage nach weiterem Kreditbedarf Deutschlands, betont ledoch, daß nur langfristige Anleihen für eine Kreditgewährung an Deutschland In Frag« kommen dürfen, um die Stabilität der deutschen Finanzen nicht einer neuen Bela tungsvrobe auszusetzen. Die Bor- aussetzungen hierfür sehen sie jedoch nicht als gegeben an, solange da» Vertrauen 1 ~ K 1- finanzielle Zukunft Deutschland» nicht wieberhergestellt sei. Zur Ausschaltung de» poli- tischen Risikos für die Geldgeber Deutschlands fordern sie, wenn man ihre umschreibenden Darlegungen auf eine prägnante Formel bringt, die deutsch - französisch« Verständigung al» da» A und D einer freundschaftlichen Zusammenarbeit Europas. Beim zweiten Punkt legen sie
den durch das Hoover-Moratorium wenigstens vorläufig praktisch weitgehend außer Kraft gesetzten Poungplan durch einen neuen Vertrag zu ersetzen, der auch nur ein Zwischenstadium bedeuten und die Weltwirtschaft nicht zur Ruhe kommen lassen würde. Wir sind also darauf angewiesen, auf dem Wege der Selbsthilfe entschlossen weiterzuschreiten und, oweit das möglich ist, aus eigener Kraft unsere Wirt- chaft in Ordnung zu bringen. Auch die Sachverstän- )igen halten dies für «ine unerläßliche Vorbedin- gung neuer Kredite. Bon der Einstellung des Aus- andes wird es dann abhängen, ob wir gezwungen ein werden, den Weg der Selbsthilfe soweit zu Der- olgen, wie es ebenfalls der Layton-Bericht andeutet, aber im Interesse des Auslandes für höchst
unerwünscht erklärt, daß wir nämlich unsere Einfuhr einschrumpfen lassen und den Export mit allen Mitteln forcieren. Der Mangel an Devisen und die fortschreitende Verarmung unseres Volkes weifen ja ohnehin schon in diese Richtung. Es ist ein Der- zweiflungsmittel, das das Chaos in der Weltwirtschaft noch vergrößern müßte und namentlich in seinen Auswirkungen die übrigen Industrieexportländer weit schwerer treffen würde, als uns. Sach« unserer Gläubiger ist es, durch rechtzeitiges und entschlossenes Handeln, ihnen und uns diesen Weg zu ersparen, an dessen Ende ein Trümmerhaufen liegen müßte. Die Wirtschaftler haben gesprochen, nun haben die Politiker das Wort!
Oie Eröffnung -er großen -euischen Funkausstellung in Berlin.
Blick auf die Festversammlung während der Eröffnungsfeier. Im Kreis: Staatssekretär Bredow, der Reichskommissar für das Funkwesen, hält die Eröffnungsansprache.
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Die 8. Deutsche große Funkausstellung, der zum zweiten Male die Phonoschau angegliedert ist, wurde vor etwa 2500 geladenen Ehrengästen durch den Reichsrundsunkkommisfar, Staatssekretär a. D. Dr. v. Bredow mit einer Ansprache eröffnet, in der er an di« Kindheitstage des Rundfunks erinnerte. Die Entwicklung habe alle Erwartungen übertrosten. Der Rundfunk sei heute ein wichtiger Träger unseres Gemeinschaftslebens gewor« dmi. 3n den schweren Iulitagen, als unser Vaterland vor dem Abgrund stand, habe der Rundfunk feine höchste Mission bewiesen. ES sei nicht dasselbe, ob ein Staatsmann etwa im Parlament seine Gedanken vortrage oder ob er unmittelbar zu seinen Hörern innerhalb und außerhalb der Grenzen spreche. Mikrophon und Lautsprecher seien vollkommen ehrlich und unbestechlich. Sie gäben den Klang wieder, wie er erzeugt werde und nichts dränge sich dazwischen. Der Reichskanzler habe mit seiner Rundfunkrede einen HörerkreiS gefunden, wie er keinem Staatsmann früher ]« beschieden gewesen fei. Die LI e b e r - tragung der Trrstan-Aufführung in Bayreuth über drei Erdteile hinweg habe Millionen von Menschen zum erstenmal die Schönheiten Wagnerscher Musik offenbart. Der Rundfunk habe fv bewiesen, dah er ein kulturelles und politisches Dindeglied von ungeahnter Wirkung »wischen den Völkern werden könne. Die gemeinschaftliche Ausstellung der gesamten elektroakustt-
schen Industrie soll« zeigen, was deutsche Technik auf diesem Gebiet neues geleistet habe.
Der Derliner Oberbürgermeister Dr. Sahm wies dann darauf hin, daß unter den Teilstädten Derlins die Stadt rings um den Funkturm die Funkstadt ohnegleichen in Vergangenheit und Gegenwart fei. Derlin habe als einzig« Stadt der Welt eine Akropolis des Funks. Man könne sagen, daß die Scheinwerferstrahlen des Funkturms diese Akropolis in moderner Weise ebenso weit verkünden, wie es einst auf der Athenischen Akropolis die vergoldet« Lanzenspitze der Göttin Athene getan habe. Er gebe dem Wunsche Ausdruck, daß aus einem glücklichen Erfolg der Ausstellung Aufträge und Arbeitsbeschaffung hervorgehen und Wissenschaft und Technik neue Anregungen gewinnen möchten. Als letzter Redner ging das gefchäftsführende Vorstandsmitglied des Verbandes der Funkindustrie, Dr. Michel, auf die Fe r n s e h te ch ni k «in, deren praktische Anwendungsmöglichkeiten im Zusammenhang mit der drahtlosen Wiedergabe von Tonfilmen in den Kreis praktischer Anwendungsmöglichkeit gerückt feien. Das Ziel der elektro- akustischen Industrie fei, ein Llniversalgerät für häusliche Unterhaltung und Belehrung zu schaffen, welches gleichermaßen dem Rundfunk, dem Fernsehen und der Schallplattenwiedergabe gerecht werde.
Höpler-Afthoffs Vorschläge zur Reichsresvrm.
Wenig zustimmen-es Echo. — Wie steht Braun zu -en Vorschlägen -es Jinanzministers?
Wirth rückt ab.
„Ein reiner Rcfercnlenenlwurf ohne politische Geltung."
Berlin, 21.2Iug. (TU.) Zu dem Artikel des preußischen Finanzministers Höpker-Aschofs über die Reichsreform in der Zeitschrift „Der deutsche Volkswirt" wird von selten des Reichsinnenmini- teriums folgendes mitgeteilt: Im Reichsinnenmini- terium ist auf Grund der Beschlüsse der letzten ßän- »erkonferenz vom 20. und 21. Juni ein Gesetz- entwarf über die Reichsreform ausgearbeitet und fertiggestellt worden. Bei diesem Entwurf, der vom Relchausftrenggehelmgehalten worden ist, bandelt es sich um einen reinen Reserentenent- rourf, der keine politische Geltung hat und auch die Billigung des Reichinnenministers noch nicht gefunden hat. Auch dem Kabinett ist der Entwurf demgemäß noch nicht zugeleitet worden. Die wesentlichsten Punkte sind in dem Artikel des preußischen Finanzministers richtig wiedergegeben worden. Der Reichsinnenminister bedauert die vorzeitige Veröffentlichung des Gesetzentwurfs. — Don preußischer Seite wird dazu erklärt, daß es sich bei dem Artikel Höpker-Aschoffs um eine reine Privatarbeit handele, die vom preußischen Kabinett nicht gebilligt worden sei.
Das Zentrum mahnt zur Vorsicht.
Abwarten, was die Landtagswahlen bringen werden.
Köln, 21. Aug. (WTV.) In bet „Kölnischen Volkszeitung" äußerte sich eine führende Persönlichkeit der preußischen Zentrums- partei zu den Vorschlägen Höpker-Aschosss wie folgt: Die Vorschläge Höpker-Aschosss bewegen sich nicht sowohl in der Richtung auf eine sog. Reichsreform, als daß sie vielmehr eine kombinierte Derwaltungsref orm zwi- schenReichundPreußen anbahnen wollen.
Wir glauben aber zu wissen, daß Braun mit einem wesentlichen Teile der Vorschläge des pru- hischen Finanzministers nichtkvnformgehen dürfte. Jedenfalls hat sich bei dem Höpkerschen Vorschlag alsbald herausgestellt, daß die praktische Inangriffnahme dieses ganzen Problems in demselben Augenblick schwierig wird, wo man versucht, es aus dem Stadium der theoretischen Erwägungen in die Wirklichkeit zu überführen. Daß eineengere Arbeitsgemeinschaft zwischen dem Reich und Preußen wünschenswert wäre, kann ohne weiteres bejaht werden. Ebenso klar ist aber, daß sie mit größter Vorsicht und mit kühl st er Lleberle- gung angefaßt werden muh. Vor allem aber Dürfte es sich empfehlen, zunächst einmal das Ergebnisdernächsten Landtagswah- l e n abzuwarten. Cs ist eine altbewährte Praxis, daß st erbende Parlamente keine grundlegenden Maßnahmen mehr zu treffen pflegen, von denen sie nicht wissen können, ob ihre Rachfolger eine angefangene Linie weiter zu verfolgen bereit fein werden.
Scharfer Wi-erspruch Bayerns gegen eine preußische Hegemonie.
München 21. Aug. (TU.) Die „Bayrische Staatszeitung" nimmt zu den Relchsresorm- vorschlägen des preußischen Finanzministers Stellung und ((breibt, es seien die Gedankengänge des preußischen Ministerpräsidenten Braun, die Höpker- Aschoss zum besten gegeben habe. Diese Vorschläge laufen unverkennbar darauf hinaus, dem preu- ßischen Staate eine Hegemonie st el- lung Im Reiche zu verschaffen. Das wäre aber mit dem föderativen Charakter des Reiches nicht zu vereinbaren. Insofern patten auch die übrigen ßän- der Anspruch darauf, bei diesen Absichten ein Wort mitzureden. Derartige Dinge könnten unmöglich auf dem Wege einer Notverordnung gemacht werden. Die Zeitung beruft sich auf die Forderungen des Ministerpräsidenten Dr. Held in der Länderkonferenz in Berlin im Januar 1928 und betont mit Nachdruck: „Bayern lehnt alle Bestrebun
gen die auf eine Unitarifierung des Reichs hinaus- laufen, nach wie vor auf das entschieden ft« a b. Es wird niemals einverstanden fein, daß der Charakter des Reiches geändert wird."
Oie preußische Rechte fürchtet Zerschlagung Preußens.
Berlin, 21. Aug. (LU.) 3m Preußischen Landtag haben die De u tschn ationa l e Fraktion und die nationalsozialistischen Abgeordneten folgenden Antrag einge- bracht: „Rach Pressemeldungen hat der preußische Finanzminister Höpker-Aschofs dem Reichsminister des Innern einen Gesetzentwurf eingereicht. der in seinen Grundgedanken die Zerschlagung Preußens bedeutet. Gleichzeitig ist bekanntgeworden, daß der Vorschlag die Durchführung dieses Gesetzentwurfes mit Hilf« deS Artikels 48 der Reichsversassung vorsieht. Angesichts der daraus erwachsenden Gefahr für die Existenz Preußens beantragen wir die sofortige Einberufung des Landtage s."
Nie Finanznoi der -euischen Gtadie.
VberbürgermeisterDrSahmau^rttroPhon
Berlin, 21. Aug. (TU.) lieber die Not der Gemeinden sprach im Rundfunk Oberbürgermeister Dr. Sahm zugleich in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Deutschen Städtetages. Er führte u. a. aus: Es ist nicht die Stunde, sich gegenteilig Vorwürfe zu machen. Privatwirtschaft, Reich, Länder und Gemeinden müssen gemeinsam bekennen, daß sie unterschiedslos die Wirtschaftskraft Deutschlands überschätzt haben daß sie nicht erkannt haben, wie unsicher das Fundament war, auf dem sie aufgebaut haben. Der Kampf um ben Finanzausgleich nimmt an Schärfe zu, je knapper das Reich um seiner eigenen Bedürfnisse willen den Anteil der Länder und Gemeinden bemißt. Immer neue Aufgaben werden den Gemeinden von Reich und Ländern überwiesen, und die Einheitlichkeit der Verwaltung geht durch Schaffung von S o n d e r v e r w a l t u n g e n verloren. Besonders werden die Städte durch die vom Reich vorgenommene Arbeltslosenfür- sorg« betroffen, die Lastenverteilung verschiebt sich immer mehr zu Ungunsten der Gemeinden.
Das Ausmaß der kurzfristigen Verschuldung der Gemeinden beziffert sich auf etwa 1,6 Milliarden Mark. Die Entstehung dieser Schulden hängt fast durchweg mit der den Gemeinden gegenüber eingeschlagenen Finanzpolitik des Reiches und der Länder zusammen. Auch die Nlchtgeneh - m i g u n g von Ausländsanleihen zu einem Zeitpunkt wie sie unter erträglichen Bedingungen hätten ausgenommen werden können, führte kurzfristige Schulden herbei. Die von den Gemeinden aus eigener Initiative eingeleitete Konsolidierungsaktion ist durch die ununterbrochene Zunahme der Wohlfahrtslasten unterbrochen.
Es kann nicht bestritten werden, daß auch einzelne Gemeinden manche Einrichtung geschaffen haben, die n i cht mit der gebotenen Sparsam- feit in Ueberein ft immun g z u bringen ist; aber die an die Gemeinden gerichtete Kritik kann mit der gleichen Dringlichkeit auch an andere Kreise gerichtet werden. Die Gemeinden empfinden es auch als ungerecht, daß gerade jetzt Einzelerscheinungen kommunaler Besol- oungspolitik maßlos verallgemeinert werden. Es wird verkannt, daß weitaus die Mehrzahl der gemeindlichen Besoldungsordnungen von den zuständigen Landesbehörden nachgeprüft und jahrelang unbeanstandet geblieben sind. Das Reich darf feine Mitwirkung und Hilfe bei der Abdeckung der kurzfristigen Schulden der Gemeinden nicht versagen und muß ferner die zur Führuna einer geordneten Verwaltung unentbehrlichen Kaffenkredite bereltfteüen. Das Reich muß endlich die Gemeinden entlasten von den Aufwendungen für die Wohlsahrtserwerbslosen durch eine sofortige Neuorganisation, möglichst durch Verein- heitlichung von Arbeitslosenversicherung, Krisen« und Wohlfahrtserwerbslosenfürsorge.
Nie Landgemeinden.
Zum Sanierungsprogramm deS Städtctages.
Berlin. 21. Aug. (TLl.) Wie die „Lcrndvolk- Rachrichtew' berichten, bat das Sanierungsprogramm des Deutschen Städtetages nicht gerat« eine günstige Aufnahme bei der Reichsvegierung gefunden. Man fei der Meinung, daß die großen Städte eS sich etw aS leicht gemacht haben, bei ihren Vorschlägen, wie sie aus der Finanzkalamität herauSkommen sollen. Ofsensicht- lich vermisse man vofitive Vorschläge, wie die Großstädte iyren kostspieligen Derwal- tungsapbarat und die teilweise überhöhten Löhn« und Geyälter auf ein Mindestmaß herabdrücken wollten. Der Städtetag selbst schlage bekanntlich nur für einen Teil seines Fehlbetrages eigene Maßnahmen vor und appelliere im übrigen an das Reich ihm zu helfen. Da das Reich f e l b st die größten Anstrengungen mache, seinen Haushalt in Ordnung zu bringen, fei anzunehmen, dah es weiterhin schärf st en Druck auf die Großstädte ausüben werde, damit diese endlich einmal mit allen Sünden der Vergangenheit ausräümten.
Die „Landvolk-Rachrichten"' fügen hinzu: Hoffentlich übersieht man dabei in der Reichsregierung nicht, daß die Großstädte nichtiden- tifch find mit sämtlichen deutschen Gemeinden, auch wenn der Deutsche Städtetag beliebt, immer schlechthin im Ramen aller deutschen Gemeinden zu sprechen. Bekanntlich leben aber mehr als die Hälfte der deutschen Einwohnerschaft noch in Landgemeinden, die zum größten Teil ehrenamtlich verwaltet sind, keinen Beamtenapparat haben, fo daß bei ihnen persönliche Einsparungen auSgefchlof- s e n sind und die durch ihre herkömmliche sparsame Einstellung sich vielfach den Vorwurf kommunaler Rückständigkeit gefallen lassen müssen. Sie Industrie zur WirtschastSlage
DaS Programm der Selbsthilfe fordert Herabdrückung der Selbstkosten.
Berlin, 22. Aug. (CNB.) Der Reichsverband der Deutschen Industrie hat der Reichsregierung ein Memorandum überreicht, in dem die Wünsche der Industrie zur gegenwärtigen Wirtschaftslage zum Ausdruck gebracht werden. Eine Veröffentlichung ist nicht beabsichtigt, um «ine Dis- kusfion in der Oeffentlichkelt zu vermeiden. In einem Rundschreiben des Reichsverbands beißt es u. a.: Wir haben nunmehr noch einmal unsere wichtigsten Forderungen und Vorschläge zusammengestellt. Der Ausgangspunkt der ganzen Darstellung tst her


