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Nr. 195 Erstes Via«

M- Jahrgang

Samstag, 22. August 1951

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2.20 Deid)»maib und 80 D«tch»pfenntg für Träge» lohn, auch bei Dichter» Icherneu «inzeluerDummeru tnfolgt höherer Gewalt.

zenifprechaMfchllße unt«r Sam melraonmer 22S1. Anschrift fir Drahtnach» richtens ftetCB.

gtaeffirl am Maio 1168i.

Siebener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck und Verlag: vrühl'lche Uiwersttül^vstch. miö Sktiönuterei B. Lange tu «ehea. Sdfriftlettug IM- Seschästsstelle: Schulstraße 7.

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Chefredakteur.

Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich fürDolitü Dr. Fr. Wiih. Lana«: fir Feuilleton Dr.H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein und fir de» Anzeigenteil Ma^ Fistes sämtlich in Sieben.

Macdonald verhandelt,

ramötag entscheidende Vesprcchnng mit

Baldwin.

ßonbon, 21. Aug (WTB.) Die innerpolitische Krise hat sich insolge der ablehnenden Haltung de» Gewerkschaftsrate- zu den Regierungsvorschlägen im Laufe de» heutigen Tage» derart verschärft, das; allenthalben die Möglichkeit eineSRück- tritte-de-Kabinett-Macdonalder» örtert wird. Da» Kabinett hat seine heutige Hitzung am Nachmittag beendet, ohne bafi bekannt geworden wäre w a r u m die Besprechungen ver­tagt wurden. "Reuter weih au berichten, e» sei ausgefallen, bah mehrere Minister mit sehr besorgtem Gesicht von der Hitzung gekom­men seien. E» meldet weiter, dah die "Regierung mit sehr ernsten Meinungsverschie­denheiten innerhalb der Arbeiter­partei rechnen müsse.

Die Mitglieder de- Kabinett» sind heute abend au einer neuen Sitzung in der Downing- strect einberufen worden. Die Minister waren nach Besprechungen von fünfstündiger Dauer am "Nachmittag bereit» für da» Wochenende au-einandergcgangen. "Nachdem aber der Premierminister und Snowden anderthalb Stun­den lang mit den Führern der Opposi - tion-parteienverhandelt hatten, wurde beschlossen, eine weitere Sitzung de» Ka­binett» abzuhalten. und die Minister wurden telephonisch, telegraphisch und durch Boten zu - rückgcrusen. Wahrscheinlich wird der Pre­mierminister morgen eine Zusammenkunst mit Baldwin haben, von der eine endgültige Entscheidung über die Haltung der Konservativen ' artet erwartet wird. Auch die Vertreter der . onservativen und der Liberalen Partei hatten heute tun 21 Uhr nochmal» ein« Unterredung mit Macdonald. Wie Reuter meldet, spricht man von der Möglichkeit de» Rücktritte» einiger Mi n i st e r. wenn der Plan, der starke Abstriche bei der Arbeitslosenversicherung und der sozialen Fürsorge vorsieht, von der Regie­rung angenommen wird. Man trennt in diesem Zusammenhänge die "21 amen von John ston und Landsbury.

Oie Stellung der Parteien.

Starte Meinungsverschiedenheiten zwischen

Konservativen und Gewerkschaften.

London. 21. Aug. (TU.) Mu» den verschiedenen Besprechungen zwischen der Regierung, den Par­teien und den Gewerkschaften. Haden sich zwei Hauptpunkte heraurkristallistert. die möglicherweise geeignet sind, den Laus der Ereignisse entscheidend zu beeinflussen, und zwar ersten» die Forderung der konservativen nach weiteren Ein­sparungen und zweiten» die Opposition der Gewerkschaften gegen jede wesen f. liche Einschränkung de» jetzigen System» der Arbeitelosenoersicherung. Obwohl die genauen Einzelheiten der Regierung»oorschläge auch seht noch nicht bekannt sind, so gehl au» den zahlreichen Acußerungen der verhandlung»teilneh- mer hervor, dah die konservativen ihre parlamen- torische Unterstützung der Regierung von wei­teren radikalen Einsparungen ab­hängig machen und sich einer weiteren drückenden Steuerbelastung widersehen. Dem Gedanken eine» Zolltarif» im Rahmen anderer einschneidender Spar- mahnahmen stehen sie mit großer Sympathie gegen­über.

Die Gewerkschast»oerireter haben dem Kabinett mitgeteilt. dah sie sich jeder Kürzung der Urbeitslosenzahlungen widerset­zen würden und dah eine solche Kürzung, sowie ein möglicher Abbau von Löhnen und Gehältern nach ihrer Ansicht die wirtschaftliche Depression nur noch verschlimmern würde. Der Generalrat der Gewerk­schaften hat auch die Frage eine» Zolltarif» geprüft, glaubt aber eine endgültige Entscheidung dem Gewerkschaftskongreß am 7. Sep­tember in Bristol überlaf fen zu müssen.

Vie Arbeiterpartei allein hat beschlossen, der Regierung bei vurchsührung der Verhandlungen vollkommen freie Hand zu lassen. Vie Libero- t c n stimmen, wie e» heißt, den konservativen For­derungen nach drastischen Sparmaßnah­men vor Einführung neuer Steuern bei. lehnen jedoch den Zolltarif nach wie vor entschieden ab. Grundsätzlich dürften sie aber wohl mit den Vorschlägen de, Kabinett» einverstanden fein.

Der Entschluß de» Generalrate» der Gewerkschaf­ten, feine Entfchcidung über die Regierung»vorschtäge bi» zum Zusammentritt de» Gewerkschaft»kongresie» am 7. September in Bristol hinauszuzögern. Hal entscheidend zur Verstärkung der politischen Un­sicherheit in London beigetragen. Sein widerstand gegen jede Linmischong in da» bestehende System der Arbeitslofenversichernng ist für das arbeiter­

schlaggebender Bedeutung, weil über 100 Par­lamentarier der Arbeiterpartei al» Gcwerkschastsvertreter politisch eng mit den Gewerkschaften verbunden find und weil die Gewerkschaften jährlich eine beträchtliche Summe zu dem Parteifond» der Arbeiterpartei beitragen. Die Gewerkschaften geben sich anscheinend der Er­wartung hin, daß sich die Regierung erneut mit einem schmackhafteren Programm nähern werden, wofür bisher allerdings keine Anzeichen oorliegen.

Für den Fall, dah sich die Dcwerkfchaften anstelle der Kürzungen in den Soziatausgaben für die Einführung eines Zolltarife» einfehen würden, wäre die Schwierigkeit de» Kabinett» nicht behoben, da der Schatzkanzler Snowden, wie versichert wird, sich in diefem Punkte unversöhnlich zeigt und zu keinerlei Zugeständnissen bereit ist. Obwohl in Gewerkschaft»- wie in Ka- binettskreifen starke Strömungen vorhanden sind, die mit aller Anstrengung auf ein Kompromiß hin- orbeiten. ist doch die Möglichkeit eine, Kabinetts­rücktritts nicht unbedingt von der Hand zu weifen, falls Macdonald es nicht vorziehen sollte, fein Pro­gramm mit Hilfe der Konservativen und Liberalen durchzuführen, was gleichbedeutend mit einem Auseinanderbrechen der Ar­beiterpartei fein würde.

London. 21. Aug. (TU.)Times" berichtet aus Washington, dah jede Meldung über eine bevor­stehende internationale Konferenz zur Regelung der Kriegsschulden und Re­pa r a H o n en al» verfrüht anzusehen sei. Die Absichten Hoover» sowohl in außenpolitischen, wie innerpolitischen (Arbeitslosenversicherung) Fragen feien vorläufig nur im Profil zu erkennen, und er warte fo lange, wie er aus Gründen der Sicherheit könne, bis er sie mit aller Offenheit feinem Lande zeigen könne. Auch mit der Frage der Krieg»- fchulden und der mit ihnen verbundenen Repara­tionen müsse sich der Präsident so viel Zelt wie möglich lassen. 3n Anbetracht der beoor- stehendep Präsidentenwahlen würde e» der Höhe­punkt der Ungeschicklichkeit sein, irgendeinen ent­scheidenden Schritt zu unternehmen, ohne sich vor­her über die zu erwartende Ausnahme bei der amerikanischen Oefsentiichkeit genau orientiert zu haben. E» sei von ausschlaggebender Bedeutung, sich immer wieder daran zu erinnern, dah sich sowohl Hoover, wie die Republikanische Partei, augenblicklich in der Defensive befinden, mehr vielleicht durch da» Zusammentreffen oerfchiedener ungünstiger Ereignifse, al» durch ihre eigene Schuld. Sollten Hoover» innerpolitische Pläne bezüglich der Schaf­fung einer Arbeil»lofenhilse sich al» Fehlschläge er-

Oie Gorgen des Handwerks.

Berlin. 21. Aug. (TU.) Reichskanzler Dr. Brüning empfing in Gegenwart de» Staats­sekretärs Dr. Trendelenburg die Qkr tretet der Spitzenverbände des deutschen Handwerks zu einer Aussprache. Unter Hinweis auf die derzeitige Wirtschaftslage betonten die Vertreter de» Handwerk» die Notwendigkeit einer ver­stärkten Rücksichtnahme auf den ge­werblichen Mi11elstand. Das Handwerk erwart« ein sichtbare» Zeichen der Reichsregie­rung, um dem gewerblichen Mittelstand das Gefühl der Vernachlässigung unb Vereinsamung zu nehmen, das im Laufe der letzten zehn Jahre sich mehr unb mehr auSgebreitet habe. An die Ausführungen der Vertreter des Handwerks knüpfte sich eine rege Aussprache, in deren Verlauf sich der Reichskanzler bereit erklärte, ent­sprechend dem Fortschreiten der beabsichtigten Maßnahmen der Reichsregierung erneute Besprechungen mit den berufenen Vertre­tungen des Handwerks herbeizuführen.

HauSbesih und Reallredit.

Berlin, 21. Aug. (TU.) Arn Freitag haben in der Reichskanzlei Besprechungen zwischen Reichs­kanzler Dr. Brüning, dem Präsidenten des Zen­tralverbandes deutscher haus- und Grundbesitzer- vereine, Stadtrat Humor, unb dem Vorsitzenden des Sonderausschusses für Hypothekenbankwesen im Zentraloerband des Deutschen Bank, und Bankiers-

Wird Macdonald zurücktreten?

Die Möglichkeit eines Sonzentratrons» kabinetts.

London, 21. Aug. (WTB.) Die Abendpresse ergeht sich in Kombinationen darüber, wie die Dinge ihren Laus nehmen würden, wenn Mac» bonalb nicht imstande sein sollte, die Lage zu ent­wirren Sv schreibt .Evening Standard", es sei wahrscheinlich, daß Baldwin als Füh­rer der zweitgröhten Partei vom König m i t der Regierungsbildung beauftragt würde, fall- Macdonald zurückträte, waS ge­schehen müsse, wenn er versuchen würde, sein Pro­gramm gegen einen Teil feiner ^Par­tei mit konservativer und liberaler Unterstützung durchzuführen. Wenn Baldwin die Betrauung annehme, so würde entweder eine konserva­tive Regierung, di« im voraus mit Ver­sprechungen hinreichender Unter st ützung von Macdonald und Lloyd George ausgerüstet ist, so lange die finanziellen Notmah- nahmen im Parlament beraten werden, inS Amt kommen oder eine Koalitionsregierung mit Macdonald. Lloyd George und gewissen von ihnen bezeichneten Ka - bine tt 6m i tg l iebern. Keine dieser beiden Regierungen würde wahrscheinlich den gegenwär­tigen "Notstand überdauern. Neuwahlen wür­den nach aller Wahrscheinlichkeit vorIahres- enbe statt finden.

weifen, fo würde er nur noch mehr In die Verteidi­gung gedrängt werden und feine Autorität in ande­ren Richtungen Schaden leiden. Der kommende Winter würde zeigen, mit welchen Mitteln und mit welchem Erfolg die amerikanische Regierung die- jenlgen Pläne Hoover» au»;nführen in der Lage fei. die er hege, die er aber noch nicht bekanntgeben könne.

Berichte, wonach die englische Regierung eine baldige Initiative Hoover» in der Reoifton»- frage erwarte, werden von amtlichen Washingtoner Stellen mit betontem Nachdruck al» unbegrün- d e t gekennzeichnet. Man erklärt immer wieder, dah die gegenwärtigen anormalen Wirtschaftvverhältnisse kein Maßstab für die Zahlungs­fähigkeit der Mächte feien und erst die Auswirkung de» Moratorium» abgewartet werden müsse. Die Möglichkeit, dah Macdonald versucht habe, Hoover durch Vermittlung des Staatssekretärs Slimfon zur Einberufung einer internationalen Revifionskonferen, zu veranlaßen, wird in Washington nicht bestritten, obwohl ein ent­sprechender Bericht de» Staatssekretär» nicht vorzu- llcgen scheint. Iedoch erklärt man, dah eine derartige Anregung de» englischen Ministerpräsidenten ent­weder keine oder eine abschlägige Ant­wort erfahren haben würde.

gewerbes, Geheimrat Schreyer, ftattgefunben. Die Besprechungen galten Fragen ber Hauszins- ft e u e r unb ber allgemeinen Wirtfchaftslaae unter besonderer Berücksichtigung des Mittelstandes. An diese erste Beratung werden sich weitere Derhand« lungen anschließen. Eine Denkschrift über die De- sprechungsfragen wird in etwa acht lagen durch Stabtrat humar der Deffentlldjfeit übergeben werden.

Noch kein Ergebnis ber Verhandlungen mit den Gemeindearbeitern.

Berlin, 22. Aug. (TU.) Die Verhandlungen mit den Vertretern der Gemeindearbeiter im Reichsarbeitsministerium haben sich am Freitag bis kurz nach Mitternacht hingezogen und wur­den dann auf bamstagvormittag ver­tagt. Ergänzend meldet der ."Vorwärts": Nach­dem der Vertreter deS ReichsarbeitsminifterS sich vergebens bemüht gehabt hätte, die Parteien zur gemeinsamen Annahme einer SinigungSformel au bringen, habe er in später Abendstunde einen Vorschlag gemacht, zu dem sich die Parteien bis 22.30 Uhr hätten einigen sollen. Die Reichstarif- kvmmission de» GesamtverbandeS der Gemeinde­awbeiter habe den Vorschlag, der in zwei Etappen einen weiteren Lohnabbau vorgesehen habe, abgelehnt. Um 23 Uhr hätten sich die Unterhändler des GesamtverbandeS in das ReichSarbert-Ministerium begeben, um den Beschluß und seine Gründe persönlich zu über­mitteln.

Krisenstimmung in England.

Oer Kampf um das Gparprogramm. - Oie Gewerkschaften gegen eine Verkürzung der Gozialausgaben. Oie Konservativen für weiiergehende Einsparungen. Ein Kabinetts­wechsel wird diskutiert.

parlelliche Kabinett deshalb möglicherweise von aus-

Keine Aussichten für eine neue Reparationskonferenz. Amerika lehnt jede Initiative vorläufig ab.

WiNschastskreise beim Reichskanzler.

Sie polifif hat das Wort!

Die Julikrisi» in Deutschland im Grunde ja nur eine akute Phase ber seit länger al» «inan Jahr über der Welt schwebenden allgemeinen Wirtschaf tsbepression, der Kollap» eines an lan­gem schweren Siechtum darniederliegenden Pa­tienten hatte zur unmittelbaren Folg« bi« Londoner Konferenz der am Doungplan inter­essierten Hauptmächte. Unter Mitwirkung Ame­rika» kam damals eine VertrauenSkundgckung für die innere Stabilität ber durch Kreditabzüg« schwer erschütterten deutschen Wirtschaft zustanl^e. Weniger platonisch war die Berufung dreier Ausschüsse von Sachverständigen, von denen nun­mehr zwei ihre Arbeiten abgeschlossen haben. Gs handelte sich dabei einmal um den Zusammen­tritt von Vertretern der hauptsächlichen Banken­gruppen, die an dem noch in Deutschland kurz­fristig investierten ausländischen Kapital Inter» ediert sind und bereit sind, da» sog. Still- haltekonsortium zu bilden, xum andern um ein au» Vertrauensleuten der großen Zentralnotenbanken gebildete» Sachverstän- digenkornitee, dem die Prüfung derdeutschen Kreditlage unb die Erstattung eine» Berichte» über die Möglichkeit weiterer Kreditgewährung an Deutschland oblag. Don dem dritten Gremium von international besonder» angesehenen Wirt­schaftssachverständigen, da» die Reichsregierung au ihrer Unterstützung unb zur Begutachtung ber von ihr ergriffenen Maßnahmen nach Berlin gebeten hatte, wirb hier noch nicht die Red« f«in. Die beiden erstgenannten Ausschüsse waren in Basel, am Sitz der Dank für internationalen Zahlungsausgleich, jufammcngclrcten, hatten ihrer besonderen Aufgabe entsprechend zumeist getrennt und nur in der Schlußphase gemeinsam beraten und haben nun ihre Empfehlungen in die Form von Berichten an ihre Auftraggeber gekleidet. Zwischen beiden muß bei einer näheren Bettach­tung de» Ergebnisse» dieser Baseler Beratungen grundsätzlich unterschieden werden. DaS Still- haltekonsortium hatte eine engbeavenzte Ausgabe, mit den "Vertretern der deutschen Banken al» Schuldner die Modalitäten zu vereinbaren, unter denen die ausländischen Gläubiger sich beveit- sinden sollen, ihre nach dem 13. Juli noch in Deutschland belassenen, kurzfristig gewährten Jfre- dite vorläufig nicht zu rückzuziehen. Dem Sachver- ständigenausfchuß war dagegen die weitergreis end« Ofufgabc gestellt, die Möglichkeit einer Umwand­lung der stillgehaltenen Kredite in langfristig« und Deutschland» Bedarf an zusätzlichen Krediten zu prüfen.

Da» Srillhaltekonsortium ist nut nach Heber* Windung großer Schwierigkeiten zu einer Eini­gung gekommen, die tn einem nicht unwesentlichen Punkt ein für Deutschland wenig erfreuliche» Gesicht bekommen hat. Dabei ist vorauSzuschicken, daß der Ausschuß, der in Basel tagte, nur au» Beauftragten der interessierten Dankgruppen be­stand, nicht aber au» Bevollmächtigten, die für die Gläubiger bindende Abmachungen hätten tätigen können. Gs ist indessen anzunehmen, dah die große Masse der Gläubiger sich an bte Richtlinien gebunden halten wird, die in Basel mit dem deutschen Schuldner vereinbart wurden. Namentlich dürfte das für die amerikanische» Danken gelten, di« in 2. WigginS, dem Präst- benten ber National Ehase Bank, den Dorsitzen­den deS Baseler Komitee» gestellt hatten. Man ist dahin übereingekommen, di« an sich im Laufe der nächsten drei Monate fälligen Kredite, di« auf rund 5 Milliarden Mark geschätzt werden, unter Einschaltung zusätzlicher Sicherheiten, die die GolddiSkontbank leisten wird, weiter« sechs Monate in Deutschland zu be­lassen. Nicht so einfach war die "Verständigung über die Guthaben, die ausländische Banken in Deutschland in deutscher Währung liegen haben. Die Dertteter ber Gläubiger verlangten für diese Markguthaben in Höhe von rund 800 Mil­lionen Mark gleiche Behandlung mit den inner­deutschen Markguthaben, also unbeschränkte Ab­zugsmöglichkeit. Hätten sie diese Forderung durch- geseht, wäre daraus eine nicht geringe Gesayr für die deutsche Währung erwachsen, da ja in der Wirkung der Abzug von ausländischen Mark­guthaben einem Devisenverlust der Reichsbank gleich kommt. Diese Gefahr konnte toenigften» insofern gemildert werden, al» nur 20 vH ber Markgut haben sofort freigegeben werden unb jeden weiteren Monat erst weitere 15 v. & Eine Sicherung für das Jntakthalten der deutschen Währung konnte durch die Bestimmung einge­schaltet werden, daß die Reichsbank die späteren 2ll>zugSsristen hinausschieben kann, wenn sie für ihre Devisenbilanz Schwierigkeiten befürchtest muß. Der Fall wird bann einrieten, wenn di« Reichst»ank gezwungen würde, zu dem gefährlichen AushilfSmittel ber Notenpresse zu greifen, um den Anforderungen der ausländischen Markgläu- biger gerecht zu werden.

Während Engländer und Amerika­ner offenbar bereit waren, der Sachlage, wie sie nun einmal nicht zuletzt als Auswirkung der un­wirtschaftlichen Tributleistungen entstanden ist, Rechnung zu tragen, scheint eS, daß vor allem Holländer und Schwekzer sich gegen ein weitgehendes Entgegenkommen zugunsten be» deutschen Schuldners gestemmt fcafen. Sie konn­ten den leider nicht unberechtigten Dorwurf er­heben, daß ja erst deutsche Kapitalisten durch die Ueberttagung deutschen Kapitals in das Aus­land mit dem Sturm auf die Mark begonnen und damit selber die DerriauenSkrisis ausgelöst hätten, deren Höhepunkt die Katastrophe be» 13. Juli war und deren weitere Auswirkungen man jetzt mit Hilfe deS Auslandes zu verhindern trachte. Die Ueberschwemnrung deS benachbarten