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Zeiifragen des Mittelstandes

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rechten, unsozialen ÄuSna Handlung. Wenn Beamte auS den unteren Gruppen, die vorher schon kaum das Nötigste

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Are. Sieben. Fleseck 252,38; i®5; 5. Snubrtp. V nm Tratte.

J Jahren, An. lamcheim 255,«; .12; 5. Drohen.

Siebenkampf!: 1196,75 Punkte, Dierkampsf: I. 50; 3. Krofdorf Wi Dih. 'Siekdll. und chen); 1. Lollar,

junt Leben hatten, nun auss neue über 300 Mk. jährlich verlieren, so ist das an sich schon eine große Härte. Wenn nun dieser untere Beamte sieht, daß die in der Oeffentlichkeit, in der Presse und in den Parteien so stark hervorgehobene und beanstandete Krisensteuer Gröhenmaße von jähr­lich 24 Mk., 32 Mk. ustv. hat, so muh er dos als eine übermäßige Belastung empfinden. Wenn ein Landwirt bis zu 6000 Mk. Jahreseinkommen von jedem Opfer, ausdrücklich noch von Einkommen­steuer und Kirchensteuer, befreit ist, so wird ihm das der Beamte durchaus nicht mißgönnen. Denn er weiß, wie tief die Landwirtschaft drinsteckt, und er gönnt diesem lebenswichtigsten Stande alles Gute. Wer will es aber einem mittleren Beamten auf dem Lande mit dem gleichbohen Jahreseinkommen verdenken, wenn er einfach em­pört darüber ist, daß er mehr alS 1100 Mk. jähr­lich hergeben muh?

wird. Die übliche Kalkulation im Einzelhandel erscheint daher auf die Dauer kaum mehr trag­bar, und es ist interessant, festzustellen, daß alle früheren Beanstandungen der Handelsspanne zum Schweigen gekommen sind und jetzt zugegeben wird, dah nach den statistischen Erhebungen der allergröhte Teil der Handelsspanne tatsächlich fixe Unkosten sind.

ES ist also heute nicht möglich, ein rosige- Bild des Einzelhandels zu entwerfen. da die Erschüt­terungen unserer Wirtschaft schwer auf dem Han­del lasten. Um so mehr wird sich der Einzelhan­del seiner volkswirtschaftlichen Berantwortung bewuht sein und seinen geschäftlichen Weg in Buhe und Besonnenheit gehen müssen!

Welche Gedanken beherrschen, welche Gefühle bewegen den deutschen Beamten in diesen schick­salsschweren Tagen? Nun, das ist nicht schwer zu erkennen: Tie Beamtenschaft hat nie ihr Licht unter den Schesfel gestellt, sie hat stets offen und eindeutig Stellung genommen. Sie erkennt nur allzuklar die Lage deS Daterlandes, sie fühlt die Bot deS Volkes mit, und sie will aus allen Kräften helfen, diese Not zu überwinden oder doch fühlbar zu mildern. Tie Dramtenorganisationen sehen, wie di« Tinge liegen, sie wollen sich nicht nur mit ihren engsten Berufs- und StankvSfragen be­schäftigen, sie wollen den Blick auss Ganze richten, sich viel mehr als seither mit grohen staatspolitischen und volkswirtschaftächen Fragen befassen, ihre Mitglieder herauSführen aus einer gewissen Enge und sie hinlenken auf die wahren, gewaltigen Kräfte, die in dieser aufwühlenden Zeit das Weltgeschehen bewegen. Sie haben er­kannt, daß man Beamtenfragen nicht gleichsam im luftleeren Baum erörtern kann, daß Dramten- pvlitik nicht nur unlösbar verbunden, sondern ein wesentlicher Teil ist der gesamten inneren und so­gar der großen äußeren Politik.

Don diesem Standpunkte auS treten die Deam- tenverbände dafür ein, dah Ordnung in den Haus­halten des Beiches, dec Länder und Gemeinden geschaffen wird, daß die soziale Gesetzgebung in ihrem Wesen bestehen bleibt, daß den Erwerbs­losen geholfen wird, daß keine kleinliche Neid- und ^heelsuchtSpclitik getrieben und nicht nach dem bekannten 6t. Floriansstcmdpuntt gehandelt wird. Die Beamtenbünde find vielmehr für eine große, aber aufrichtige SchicksalSge- m e i n s ch a s t und gerade auS diesem Grunde haben sie sich eingesetzt für ein großes, allge­meine- Dvlksopfer. Wir glauben sagen zu dürfen, dah die Beamten wie kaum ein anderer Stand Opferbereitlchaft bekundet und auch wirklich Opfer gebracht haben!

Trotz der inzwischen noch finsterer gewordenen Drangsal können die Beamten nicht vergessen, was ihnen mit der zweiten Botverordnung nach alledem, was im Beiche und namentlich in Hessen schon vorauSging angetan wurde. Die Opfer an Geld, die immer wieder erneuten und erhöhten Abzüge schmerzen sehr, viel schmerz­licher aber brennt noch das Gefühl einer u n g e -

Oie Gorgen der Angestellten

Von Gauvorsieher Heinrich Auerbach, Frankfurt am Main.

Tie Lebensgefahr, in der das deutsche Dolk durch die plötzliche Zuspitzung der wirtschaftlichen, finanziellen und politischen Krise sich befindet, bringt es von selbst mit sich, daß die besonderen Böte der einzelnen Berufsstände in den Hinter­grund treten, weil die Sorgen um das Gesamt- schicksal von Dolk und Staat selbstverständlich alles andere überragen. Es wäre töricht und verderblich wenn dies der einzelne Dolksgenosse oder Berufsstand aus Selbstsucht heraus nicht an­erkennen wollte. Freilich kann das nicht heißen, dah man die innerwirtschaftlichen und sozialen Fragen .laufen lassen" soll, wie sie wollen, sondern es muß vielmehr auch auf diesen Gebieten schnell­stens^ dos Botwendige getan werden damit die bedrängten Volksschichten und Berufsstände nicht versinken, sondern gestärkt werden und die Gesamt­heit des Volkes widerstandsfähiger nach auhen gemacht wird.

Tie Angestellten waren bereits durch die lang- anhaltende Wirtschaftskrise in besonderem Maße betroffen Tie große Unsicherheit ihrer Existenz und die starke Abhängigkeit von der Wirtichafts- konjxnxktur hat sich in letzter Zeit sehr scharf er­wiesen Weitgehender Gehaltsobbau und Schmä- lerung ihrer sonstigen durch Privat- oder Tarif­vertrag erworbenen Bechte und das ungeheure Anwachsen der Stellenlosigkeit (im Gebiet des Landesarbeitsamtes Hessen waren Ende Mai 26 887 arbeitsuchende kaufmännische, Bureau- und technische Angestellte verfügbar, davon 9028 weib­liche) haben in unzähligen Familien geradezu ver­heerend gewirkt. Nun sind in den letzten Wochen weitere erhebliche Kündigungen ausgesprochen, und es ist wegen der, jetzt erfolgten Geld- Verteuerung und Kreditkürzung eine neue Ent­lassungswelle zu befürchten. Um diese Dezimie- rung der Angestelltenschicht und damit die Der-

Oie Bankfeiertage und ihre rechtlichen Folgen.

Von Rechtsanwalt il Notar Schneider, Gießen

Die Verordnungen über Dankfeiertage, die Durchführungsverordnungen hierzu und die Der- ordnungen über die Wiederaufnahme des Zah­lungsverkehrs nach den Dankseiertagen sind kaum erlassen, und schon zeigt eS sich, dah ihre prak­tische Anwendung, wie anders nicht zu erwarten war, eine Fülle von Zweifeln mit sich bringt, dah insbesondere, waS die Folgen der Dank- sperre für Zahlungs- und Lieferungsverbindlich­keiten anbelangt, vielfach Unklarheit besteht.

Völlige Danksperre war bekanntlich für den 14. und 15. Juli angeordnet mit der Wirkung, dah für die Derechnung von Fristen und Ter­minen, für Willenserklärungen und Leistungen, die von einem von der Danksperre betroffenen Geldinstitut oder ihm gegenüber zu bewirken waren, dah aber auch im Sinne der Wechsel­ordnung und des ScheckgeseheS die beiden vor­genannten Tage als staatlich anerkannte allge­meine Feiertage galten. Insoweit in gericht­lichen unZ> anderen Verfahren für die Zahlung von Gebühren, Auslagen oder Vorschüssen, oder für den Nachweis einer solchen Zahlung Fristen vorgesehen sind, an deren Ablauf sich Rechts- nachteile knüpfen, und insoweit der letzte Tag der Frist auf einen Dankfeiertag fiel, endete di« Frist nicht vor Ablauf einer Woche nach dem letzten Dankfeiertage. Wenn also z. D. bei einem von der Danksperre betroffenen Geldinstitut an einem der Dankfeiertage, als dem letzten Tage der Frist, ein Wechsel zu protestieren war, so konnte ohne Verlust des Wechselonspruchs gegen den Aussteller der Wechselprotest auch noch am Tage nach dem letzten Dankfeiertage erfolgen. Endete, um ein anderes Beispiel aruuführen, die Frist für den Nachweis der Zahlling der Prvzeßgebühr im gerichtlichen Derufungsversah- ren am 14. Juli, so kann ohne BechtSnachteil. ohne dah also die Berufung als unzulässig zu verwerfen wäre, die Zahlung deS Gerichtskosten­vorschusses auch noch im Verlaufe einer Woche nach dem letzten Dankfeiertag, also biS zum 22. 3uli einschließlich erfolgen.

E'ne Lockerung des Zahlungsverkehrs brachten bereits die beiden Verordnungen vom 15.3uli, die durch die dritte Verordnung über die Wieder­aufnahme des Zahlungsverkehrs nach den Dank­feiertagen vom 18.3uli bereit- überholt sind. Die neueste Verordnung enthält Bestimmungen über Darauszahlungen, die ohne besondere Zweck­bestimmung nicht über 5 Prozent des am 19. 3uli vorhandenen Guthabens, insgesamt nicht über 100 Mk. hinausgehen dürfen, sie sieht für be­stimmte Fälle (Lohnzahlungen usw.) unbeschränkte Barauszahlung vor und regelt die Ueberweisun- gen u. a. dahin, daß zwischen allen von den Dankfeiertagen betroffenen Geldinstituten ins­gesamt bis zur Höhe der Hälfte des jeweiligen Guthaben- des Auftraggebers und höchstens bis insgesamt 2000 Mk. (seither 10 000 Mk), und zwar nur auf ein bereits bestehendes Konto eines Dritten, Ueberweisungen erfolgen dürfen. inso­weit hiernach Auszahlungen und Ueberweisungen nicht erfolgen dürfen, gelten die Tage vom 20. bis 23.3uli als staatlich anerkannte allgemeine Feiertage in Sachen des Scheckgesetzes. Weitere Bestimmungen übet das Scheckrecht bjjjißt Axt,A

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Berufsbeamtentum und Volksnot

Von Dr. p. Elaß. Darmstadt,

1.Vorsitzendem des Landeskartells Hessen des Deutschen Äeamtenbundes.

gen des zu sagen: Die Mengenumsätze sind in den meisten Branchen bisher entweder gar nicht, oder um wenige Prozent gesunken, die PriSumsähe aber recht erheblich, teilweise 20 bis 30 Prozent und noch mehr zurückgegangen. Legt man dielen Umsatzverlust zugrunde, so ergibt sich di« Tat­sache, daS für da- 3ahr 1931 w ertmäßig viel­fach nur mit zirka 70 Prozent de« vorjährigen Umsatzes gerechnet werden kann. Die daraus sich errechnend« Kvnfequenz ist eine entsprechende Len­kung der Linkosten. 3eber Kaufmann wird aber zugeben, dah dies fast unmöglich ist, da an den einzelnen Positionen, an denen Abstriche gemacht werden können, z D. Gehälter, Bellame, evtl. Miete schon längst biS zum äußersten gespart

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Oer Einzelhandel in der Krise.

Von Syndikus Dr. Mochner, Darmstadt.

Der für die übergroße Mehrzahl der Kauf­mannschaft überraschend erfolgte Zusammenbruch der Danatbank und die Kreditkrise, in der wir unS zur Zeit befinden, haben den Kaufmann vor die Notwendigkeit gestellt, schnell lebenswichtige DiSposittonen in seinem Geschäft vorzunehmen. Gerade der Simelhandel befindet sich infolge sei­ner besonderen Stellung der Kundschaft gegenüber in einer eigenartigen Situation: er muß die ver­änderten Verhältnisse der Kundschaft berücksich­tigen und steht anderseits auch in seiner Funk­tion alS Abnehmer in einem gewissen Abhängig- keitsverhäitni- von den Dorlieferanten. ES ist daher in erster Linie nötig, sich darüber ftar zu werden, welcher Art die dei zeitige Krise ist: sie ist hervorgerufen durch starke Abziehungen deS kreditgebenden Auslandes und durch starke Dar­abhebungen des inländischen Publikum-, verur­sacht durch den Dankzusammenbruch. Die Folgen sind eine sich allmählich steigernde Kreditverknap­pung und Stockung im normalen Umlauf der Zahlungsmittel. Diesen beiden Folgeerscheinungen sucht man nun durch die starke Diskonterhöhung auf 10 Prozent nicht ohne Erfolg zu begegnen. -Bedeutet doch ein lOprozentiger ReichsbankdiS- tont effektiv Danlzinsen (einschließlich der Spesen) von 15 biS 18 Prozent p. a. Automatisch wird daher jeder Kreditnehmer möglichst bald zu einer Verringerung feiner Dankkredite gezwungen sein, während anderseits der jetzt bekanntgegebene hohe Zinsfuß für Einlagen sicherlich wieder einen größeren Teil des abgehobenen Veldes den Dan­ken und Sparkassen xurücfbringen wird.

Die Folge dieser Kreditbewegungen muß aber sein, dah man bestrebt sein wird, seine Waren flott zu verkaufen, üm die dringendsten Verpflich­tungen abtragen zu können, mit anderen Worten, die vielfach gefürchtete Steigerung der Waren­preise oder Verknappung der Waren wird nicht eintreten. Diese Feststellung ist sehr wichtig, da in den letzten Tagen im Publikum, aber auch in Kaufmannskreisen die törichtesten Gerüchte im lauf waren. Wiederholt muß daher darauf hin- gewiesen werden, dah der Einzelhändler alles un­terlassen muß, waS die Erregung de« Publikum- erneut vermehren könnte, insbesondere kann und darf c- eben keine Versuche einer Zurückhaltung oder Bationierung von Waren, oder unbegrün­dete Preissteigerungen geben. Genau so verwerf­lich wäre es aber, im Augenblick das Publikum durch geschickte Benutzung von Schlagworten in der Reklame zu volkswirtschaftlich unnützen Käu­fen zu verleiten.

Dah im Augenblick Darzahlung dringend not­wendig erscheint, steht außer jeder Frage. 3eder Käufer, der über Darmittel verfügt, hat die volks­wirtschaftliche Pflicht, in bar zu bezahlen und nicht etwa Kredit hx Anspruch zu nehmen. Einer­seits wird aus berechtigten Gründen auch von den Lieferanten Barzahlung nach Möglichkeit ver­langt, anderseits bedarf überhaupt die ganze Kre­ditgewährung im Hinblick auf die heutigen ZinS- verchältnxsse einer sorgfältigen Prüfung. Dei der heutigen Kalkulation können im normalen Ge­schäft «verkehr weder hohe Babatte, noch lang­fristige Kredite eingeräumt werden. Wenn auch wohl nicht damit gerechnet werden taxxn, daß die heutigen Dankzinsen von 15 bi« 18 Prozent lange tn Kraft bleiben, sondern bei einer Besserung un­serer allgemeinen Kreditlage rasch wieder gesenkt werden, so muß doch jeder Kaufmann sich auf diese Tatsachen einstellen.

Unter Hinweis auf die Zahlungssperre der Danken ist tn den letzten Tagen wiederholt von nichtkreditwürdigen Leuten versucht worden, in den Geschäften auf Kredit zu kaufen, obwohl sie gar keine Guthaben bei den Danken oder Spar­kassen haben. Auf solche Versuche muh scharf ge­achtet werden und es ist durchaus begrüßenswert, dah durch die Notverordnung die bereits seit eini­gen Tagen von der Hauptgemeinschaft des Deut­schen Einzelhandels geforderten sog.betätigten Schecks" eingeführt worden sind. Die Danatbank ist bereits dazu übergegangen. Zweifelsohne wird durch diese Maßnahme die Verwertung vorhan­dener Guthaben ohne 3nanspruchnahme von Zah­lungsmitteln in bedeutendem Umfange ermöglicht werden. Auch die Gefahr der Ausgabe nicht ge­deckter Schecks wird hierdurch erheblich vermin­dert.

Ein besonderes Wort muh noch zu den jetzt in Erscheinung getretenen Hamsterkäufen des PubfetumS gesagt werden. Alle die Dranchen, deren Clären als Sachwerte von langer Lebens­dauer anzusprechen sind, haben in den letzten acht Tagen eine spürbare "Belebung des Geschäfts, zum großen Teil in bar. erfahren. Es sei hier ins­besondere an Möbel, Klaviere, Ausstattungen, aber auch Konfektion unb Schuhe gedacht. An diesen Einkäufen müssen die Kunden der Spar­kassen stark beteiligt gewesen sein, denn vor allem bei den Möbelgeschäften wurden Sparkassenbücher in großer Menge zur Sicherung der Zahlungen deponiert. So sehr den einzelnen Geschäften die unerwartete Konjunktur zu gönnen ist. ist sie doch anderseits nicht unbedenklich: die Bealisierung der Bezahlung stößt bei diesen Käufen jetzt auf sehr große Schwierigkeiten und dann ist auch eine solche Vorwegnahme einer im natürlichen Verlauf erst viel später zutage tretenden Kaufkraft volks­wirtschaftlich ungesund. Zu befürchten ist ferner, daß diese Kauflust des Publikums in ganz kurzer Zeit in eine neue Kaufzurückhaltung umschlägt, die noch verschärft wird durch das saisonbedingte Nachlassen dos Geschäfts im Monat August.

Durch diese Irregulären Erscheinungen soll man sich aber nicht allzusehr bei seinen Dispositionen für den Herbst» und Winter-Einkauf beeinflussen lassen. Es wäre grundverkehrt. sämtliche Vertre­ter jetzt wegzuschicken mit der Erklärung, daß man dieses 3ahr überhaupt nichts bestellen wolle. Auch der Fabritant muß sich mit seiner Fabrikation auf den voraussichtlichen Bedarf im Herbst und Winter einstellen. Bleiben die Bestellungen voll­kommen aus, so ist für ihn die Dorausdisposition äußerst schwierig und wird in der Regel sehr vor- sichttg ausfollen. d. h. er wird zunächst möglichst wenig fabrizieren und feine Lagervorräte auf das notwendig erscheinende Mindestmaß beschränken. Sind aber die Dedarfsschätzungen zu niedrig aus­gefallen, würde im Herbst ein Warenmangel ent­stehen, der speziell für den Einzelhandel recht un­angenehme Folgen hätte. Don der meist preis- steigernden Wirkung einer Warenverknappung soll dabei sogar noch abgesehen werden.

Mit welchem Umsatz kann aber der Einzelhan­del im 3cchre 1931 rechnen? Hierzu wäre fol­

nichtung wertvoller Wirtschaftskräfte zu verhin­dern, erscheint die sofortige Zusammenar­beit zwischen Arbeitgeber- und An­gestelltenverbänden zwecks Vermeidung weiterer Entlassungen von Angestellten die vor­dringlichste Ausgabe zu sein. Hier kann sich die in den letzten Wochen so oft geforderte .Notge- meinschaft" zwischen Arbeitgebern unb Angestell­ten einmal praktisch auswirken.

Das von mancher Seite in Anlehnung an den Hooverplan vorgeschlagene .Feierjahr" für die Lohn- unb Gehaltstarife, sowie Außerkraftsetzung be« Schlichtungswesens ober dessen wesentliche Einschränkung erscheint allerdings als die unge­eignetste Maßnahme. Sie würde eine weitere Schmälerung des Einkommens der Angestellten bedeuten. Dor dieser Entwicklung haben in letzter Zeit in zunehmendem Maße auch weitblickerxde Kreise be« Einzelhandels gewarnt, weil sich schon jetzt die Lohn- und Gehaltskürzungen höchst schäd­lich für den Einzelhandel erwiesen haben, beim durch die damit herbeigeführte Senkung der Mafsenkaufkraft hat ein wesentlicher Urnsatzrück- gffng gegenüber dem Vorjahre sich eingestellt. Mehrere in den letzten Wochen von Arbeitgeber­seite ausgesprochene Kündigungen von Ange- stelltentartfen sind aus dieser Einsicht heraus er­freulicherweise wieder zurückgenommen worden

Scheint allo diese Sorge eines weiteren GehaltS- abbaues bei den Angestellten gebannt, sv sind anderseits schwere Belastungen durch die Notverordnung der Reichsregierung vom 5. 3uni 1931 entstanden. Eie brachte in we­sentlichen Teilen eine ganz erhebliche Schlechter- ftellung der Angestellten gegenüber anderen Volksschichten. Sv beträgt die Krisensteuer für qualifizierte AngestÄlte 50 bi« 200 Prozent mehr, als für die selbständigen Berufe mit gleichem

kommen. Tiefe Sonderbelastung ist durch nicht« zu begründen und muh schnellsten« durch eine gleichmäßige Belastung aller Volksschichten ver­schwinden. Ebenso werden bei der Arbeitslosen­versicherung die qualifizierten Arbeitnehmer durch Kürzung der Unterstützungssätze bi« 14 Prozent (ja in besonderen Fällen bi« zu 30 Prozent» trotz einer wesentlich höheren BeitragSzablung beson­der« benachteiligt, gegenüber den übrigen Unter­stützungsempfängern. Ferner werden durch Weg­fall der Rück'ichtnabme auf Vorbildung ober frü­here Tätigkeit bei der Zuteilung von Pflichtarbeit insbesondere die Angestellten schwer getrotfexx, wie nach den früheren Erfahrungen mit der ErwerbS- lofenfüdorge zu erwarten ist. Tiefe unverständ- lichen Bestimmungen bedürfen dringend der Ab­änderung Anderseits empfinden die Angestellten nach wie vor da« Nichtverbot der Doppelverdiener unb die xxoch immer nicht erfolgte Zulassung von Ersatzkassen in der Arbeitslosenversicherung al« sehr bedeutsame Lücken in der sozialen Notverord­nung Würden diese nicht bestehen, dann wären die maßlosen Härten für die Angestellten von vornherein unmöglich gewesen

Auch die große Sorae um die Srhalttmg ihrer Angestelltenversicherung drückt nach wie vor die Angestellten. Die forttoährenden An­griffe auf da« Deckung-kapital der Reichsversiche­rungsanstalt für Angestellte haben lebhafte Beun­ruhigung in den Kreisen der Angestellten hervor- gerufen. Es handelt sich bei den 1,7 Milliarden Mark, über die heute die RfA. verfügt, ja nicht um ein freies Vermögen, das ^-beliebig einge­setzt werden kann sondern um verhältnismäßig sehr bescheidene Rücklagen für die mehr alS drei Millionen versicherten Angestellten, die seit vielen 3ahren für die Zeit ihrer Berufsunfähigkeit, für ihr Alter ober für ihre Hinterbliebenen unter aroßen Opfern angefammett wurden. Wollte man diese Rücklagen für allgemeine Zwecke entgegen dem Angestelltenverfick^runasgesetz verwenden dann müßten mit gleichem Recht auch die Rück­lagen der privaten Versicherungsanstalten und die Einlagen bei den Sparkassen für allgemeine Zwecke nutzbar gemacht werden. Das aber würde alle« Vertrauen in die öffentliche Geldwirtschaft zer­stören. Gerade jetzt, wo es gilt, die Vertrauens» basiS zu schützen, muß eS flar unb deutlich heißen: Hände weg von solchen DersuchenI". Ebenso scharf muß das Verlangen der Träger der 3nvalidenver» fleberung, eine Summe von nicht weniger alS 500 Millionen Mark von der Angestellten Versicherung alS erneuten Au-gleich der Renten für Wander­versicherte zu erhalten, zurückgewiesen werden. Die ungünsttge finanzielle Lage der 3nvalidenversiche- rung darf nicht dazu führen, unbegründete An­sprüche an die noch gesunden Sozialversicherung«- träger xu stellen, toeil auch durch solche Forde­rungen Die DertrauenSbasi« in die Sozialversiche­rung erschüttert wird. Bekanntlich ist durch einen Reichstagsbeschluß im 3ahre 1927 eine endgültige Bereinigung dieser Ansprüche der 3nvalidenver- sicheruxxg durch Zahlung von 33 Millionen Mark seitens der RfA erfolgt. Die Angestellten sind nicht gewillt, weitergehende Ansprüche an die In­validenversicherung zu erfüllen, weil diese weder sachlich, xxoch rechtlich begründet sind.

3ft so bas dumpfe, bohrende Gefühl erlittenen Unrechts in allen Dcamtenkreisen allgemein, so' sind besonder« drei Gruppen hervorzuheben, die ihre Belastung mit Recht als unerträglich empfinden. 3n einer Zeit, in der Deutschland au« einem kinderreichen ein bedenklich finber- arme« Land geworden ist, in der sich alle De- völkerungspolitiker Kopsweh machen über den Fortbestand unserer Nation, hat man e« fertig- gebracht. die Kinderzusich läge herabzusetzen. Die Sorgen be« geplagten Familienvater« und der vielleicht noch mehr geplagten Familien­mutter, der man doch auch einmal eine Erholung gönxxsn dürfte, achtet man nicht. Man verletzt so die Reichsverfassung unb alle sozialen Grund­sätze, die so laut gepredigt wurden.

Unglaublich ist e«. wie man mit den krieg«- beschädigten Beamten verfährt. Wenn nicht genaue, von den Q3erforgung«ämtern ge­prüfte Berechnungen vorlägen, wonach solche Leute, die für Volk unb Vaterland ihre Gesund­heit, ihre Glieder und Sinnesorgane geopfert haben. 1400, ja bis über 1900 Mk. im 3ahre, nur durch die 2. Notverordnung verlieren, man würde cs in der Tat nicht glauben. Und dieser Stoß richtet sich nur gegen Beamte! Man scheint auch allmählich einzusehen, was man da angerich­tet hat, uxtb in den letzten Tagen la« man von geplanten Milderungen.

Sind diese Härten alle schlimm, sehr schlimm, so ist das Verletzendste, was die Notverordnung brachte, wohl das Verfahren gegen die Deam - ten auf dem Lande. Kein Mensch wollte das glauben und Tein Mensch konnte es fallen, al« man es glauben muhte. Hätte man die Orts­klassen B, C und D bei der ungerechten Oxsts- Tlasseneixxteilung zu minderen Opfern her- angezvgen, sv hätte man da« verstanden, denn Tein Mensch auher einigen Berlinern glaubt noch an das Märchen vom billigeren Leben auf dem Lande! Aber nein, man gebt hier rücksichts­los über alles, was der gesunde Menschen­verstand und soziales Mitgefühl fordern würde, hinweg, man wahrt bis xur letzten Minute, wo nichts mehr zu ändern ist, das Geheimnis und stellt Parteien, Deamten-Spihenorganisativnen und die gesamte Oeffentlichkeit vor eine vollen­dete Tatsache! Es wäre verfehlt, in einer fal- schen Richtung nach den Schuldigen zu suchen. Wer die Veraxxttvortung auch für diese Maßnahme trägt, daS liegt klar vor aller Augen.

Die Oeffentlichkeit wird es verstehen, wenn die Beamtenschaft ihre Not klagt, sie wird einsehen, daß man ungerecht und unsozial gegen sie ver­fahren ist, unb sie wird ihre leidenschaftliche Forderung unterstützen, die dahin geht, daß alle die hier kurz geschilderten Härten besei­tigt und die Notverordnung geändert werde! Die Beamtenschaft wünscht darüber hin­aus, dah möglichst bald Schluß gemacht wird mit dem System der Notverordnungen über­haupt und dah man wieder zur verfassungsmäßig gewährleisteten, verantwortungsvollen Selbst­bestimmung des Volkes zurückkehrt. Der aufrich­tige Warnungsruf unserer MillioneU-Spihen- otganifation, des Deutschen Deamtenbuxxdes, ist wirkungslos verhallt, den treuesten Dienern und Verteidigern des Staates stöht man dauernd vor den Kopf. Sorgen wir alle dafür, dah nicht noch mehr Vertrauen verscherzt werde unser Vaterland hat es nötig!

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