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Nr. 169 Zweites Blaff

Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)

Mittwoch, 22. Juli 1931

AalhtM Söderbloms Werk.

Don Generalsuperintendent D. Paul Blau, Posen.

Der Tod des schwedischen Erzbischofs Nathan Söderblom wird in der gesamten christlichen Welt cis ein schwerer und schmerzlicher Verlust empfun­den. War er doch wie kein Zweiter die Seele der ökumenischen Bewegung, die, in der Lriegszeit von ihm als Desiderium empfunden und ersonnen, in der Nachkriegszeit von Schweden aus die christliche Welt zu erobern begann.

Als der Führer des kirchlichen Lebens eines vom Kriege verschont gebliebenen neutralen Landes hatte Söderblom wahrend des Weltkrieges die Möglichkeit, mit den Männern der Kirche aller, auch der ver­feindeten, Völker Beziehungen zu unterhalten. Schon im Jahre 1917 erließ er einen Aufruf, in dem er fich bereit erklärte,als Vermittler zu dienen, um durch den Krieg zerstörte oder gefährdete Beziehun­gen besonders in religiösen und kirchlichen ringen nufrechtzuerholten oder wiederherzustellen".

Sein Ruf fand Echo, ober erst im Jahre 1925 konnte als Ergebnis langer Vorverhandlungen und Vorarbeiten das Stockholmer Konzil zu­sammentreten, um Soderbloms Gedanken in weiteren Kreisen zu verwirklichen.

Bet den Zielen seines Lebens, bei seiner Arbeit und in seinem heiligen Werke handelt es sich vor allem um drei Momente. Was Nathan Söderblom anstrebte, war zunächst gegenseitiges Ver­stehen der christlichen Kirchen unter­einander. In der lat führten nicht nur die großen getrennten Kirchenkorper der katholischen, orthodoxen und reformatorischen Kirchen jede ihr Sonderdasein ohne Berührung mit den anderen, selbst unter den auf dem Boden der ^Reformation stehenden Kirchen fehlte es an verbindenden Be­ziehungen und am einenden Verständnis. Nathan Söderblom war durch seine theologische Vergangen­heit, vor allem durch seine erschöpfenden «tudien auf dem Gebiet der vergleichenden Religionsgeschichte die übrigens hauptsächlich in die Zeit fielen, als er in Leipzig Professor für Kirchen- fl e f d) i rt) t e war wie kaum ein zweiter geeignet und berufen zu einem solchen Werk der Einigkeit. Seine Verbindungen reichten auch zu den orten- talischen Kirchen, während Rom sich ablehnend ver­hielt und isolierte.

Es ist Soderbloms eigenstes Verdienst, daß seit dem Stockholmer Konzil von 1925 Lutheraner und Reformierte, Anglikaner und Orthodoxe, Baptisten und Methodisten und wie die Denominationen alle heißen mögen, einander näher gerückt sind, daß Amerikaner und Europäer ihre Besonderheiten auf religiösem und kirchlichem Gebiet kennengelernt und dadurch gelernt haben, einander beffer zu wür­digen als zuvor.

Daß mit diesem in Stockholm angebahnten gegen­seitigen Verstehen ein großer Schritt vorwärts getan worden ist, kann nicht geleugnet werden, aber doch ist mit diesem einen Schritt wenig erreicht. Söder­bloms Gedanken reichten weiter: Es lag ihm daran, eine Arbeitsgemeinschaft zwischen den Kirchen zu schassen.

Das Programm von Stockholm ist sehr wesentlich an sozialen Problemen orientiert. Während die ältere Bewegung, derWeltbund für Freund- schaftsarbeit der Kirchen", sich bemüht, durch christ­liche Beeinflussung der öffentlichen Meinung und der die Völker führenden Kreise und Personen den Frieden auf Erden zu verwirklichen, während die Lausanner Bewegung for faith and ordre eine kirchliche Einheit auf dem Gebiet des Bekenntnisses und der Verfassung herbeizuführen bestrebt ist, hat Nathan Söderblom ein Zusammenarbeiten der ge­samten Christenheit auf dem Gebiete der die Zeit beherrschenden, gestaltenden, verderbenden sozialen Frage im weitesten Sinne geplant. Es entspricht der Tendenz der Ideen und Pläne Söderbloms, daß das internationale soziale Institut in Genf die prat- tifche Arbeit der Stockholmer Konferenz fortführt. Dabei aber ist charakteristisch für den tiefsten Gehalt seines Werkes, daß nach Söderbloms Intentionen das Bestreben dahin geht, die soziale Frage nicht von allgemein wirtschaftlichen Voraussetzungen, noch viel weniger vom politischen Gesichtspunkt aus zu losen, sondern vom lutherisch verstandenen Evange- lium aus Denn diese Bewegung soll eine christliche, eine im besten Sinne evangelische sein.

Freilich und das ist das dritte Moment liegt in Söderbloms Werk die Hoffnung, daß von einer

Generalmusikdirektor Wilhelm Furtwängler.

Das Festspielhaus in Bayreuth.

Arturo Toscanini.

solchen zentralen Zusammenarbeit aus auch Wir­kungen auf mehr peripherische Gebiete ausaehen sollen, daß insbesondere durch gemeinsame Arbeit der christlichen Kirchen der ganzen Welt auch eine Annäherung der Völker gelingen werde. Der verstorbene Erzbischof hat nie ein Hehl daraus gemacht, daß er ein Vertreter des Völkerbund­gedankens fei, aber er hat sich auch nicht gescheut, an der Politik des Völkerbundes besonders in derMinderheitenfrage scharfe Kritik zu üben. Eine feiner letzten Bemühungen galt dem Problem der ukrainischen Minderheiten!

Sein Tod bedeutet eine unersetzliche Lücke. Es war eine besonders gnädige Fügung, daß gerade Scheden den Mann stellte, der in dieser Sache die kraftvolle Initiative ergriff. Keine Kirche war nächst der Kirche im Mutterlande der Reformation, die zur Zeit wegen der politischen Lage Deutschlands hierzu außerstande ist so berufen, die Führung zu übernehmen, wie gerade die Kirche des Landes Gustav Adolfs. Es ist zu befürchten, daß nach Söder­bloms Tode die Angelsachsen an seine Stelle treten,

aber weder die anglikanische Kirche Englands noch das Luthertum Amerikas können das ersetzen, was mit Söderblom verloren gegangen ist, denn Söder­blom war der berufene Führer und die zu diesem Werk gegebene Führerpersönlichkeit.

Immerhin, das Werk, das er begonnen hat, wird nicht sterben: cs ist schon zu tjef in das Bewußtsein des Weltprotestantismus eingewurzelt und hat auch die Kirchen des Orients mit ergriffen. Dos Gebet und der heiße Wunsch des edlen Toten, daßEine Herde und ein Hirt" werde, daßsie alle eins seien", daß das Wort von der heiligen allgemeinen Kirche Wahrheit werde, entspricht zu sehr den Prinzipien des Evangeliums, als daß es verloren sein könnte. Dem Manne aber, der als ein erster zu diesem Werk des Friedens, des gegenseitigen Verstehens und der wahrhaft sozialen Arbeit aufgerufen hat und den die Welt mit Recht erst vor kurzem mit dem Frie- dens-Nobelpreis ausgezeichnet hat, dem Manne ge­bührt der Dank der Christenheit. Ehre feinem An- denken!

Oer Kampf gegen die Kapitalflucht.

von Professor Dr. Moldenhauer, ehem. Reichsfinanzminister, MdR.

Schon in der vergangenen Woche hat die Reichsregierung versucht, den Abfluß von Devisen

Die Reichsregierung hat den Kamps gegen die Kapitalflucht durch ihre Rotverordnungen vom 15. und vom 18. Juli tatkräftig ausgenommen. Der Grund für diese Maßnahmen liegt auf der Hand. Der Hilfe des Auslandes soll bieSelbst- Hilfe vorausgehen, zumal eS ungewiß ist, ob. in welchem Umfang und wann der Kredit vom Ausland zu erhalten ist. Die Schwierigkeiten der letzten Woche waren durch die starken De­visenabzüge entstanden, die wiederum mit Rücksicht auf die im Bankgeseh vorgesehene Dek- kungsgrcnze der Roten zu einer Verknap­pung der umlaufenden Zahlungs­mittel führen mußten. Die Folge war die Ein­legung der Dankseiertage und die noch heute geltenden Bestimmungen, die die Baraus­zahlungen sehr stark einschränken. Sollte wieder ein normaler Rotenumlauf stattsinden und Vertrauen zurückkehren, so muhte an den verschie­densten Seiten angepackt inerten. Eine der wich­tigsten Maßnahmen war die, ein weiteres Ab­fliehen von Devisen, soweit nicht Auslandver­pflichtungen Vorlagen, zu verhindern, im Gegen­teil ein Rückströmen von Devisen zu fördern. Dazu kam, dah, wie verlautet, die Aus­länder, insbesondere die Amerikaner, zu verstehen gegeben haben, dah sie nicht daran dächten, Kredite zu gewähren, die dann das deutsche Publikum dazu benutze, um Devisen zu kaufen und diese ins Ausland zu bringen, also durch Kapitalflucht den Zweck der Hilfe vereitele. Schließlich wird man auch dem deutschen Mitbürger viel schwerer zumuten können, daß er wieder Vertrauen zu Banken und Spar­kassen faßt und seine überstürzt abgehobenen Gelter zurückbringt, wenn er sieht, daß die Kapi­talflucht weiter andauert.

zu hemmen. Durch die Einführung ter Bankseier­tage und die bis Ente ter Woche reichenden Verbote war jeder Kauf von Devisen unmöglich gemacht. Selbstverständlich konnte das angesichts ter sehr engen Handelsbeziehungen, die uns mit den anderen Staaten verbinden, nur ein vorüber­gehender Zustand sein, wenn nicht allerernsteste Störungen ter Wirtschaft zu erwarten sein soll­ten. Hm bei Wiederaufnahme des Zahlungsver­kehrs aber gerüstet zu sein, sah die Verordnung vom 15.3uli vor, dah in Zukunft ter ganze Devisenverkehr sich bei ter Reichsbank konzen­triert, so dah es die Rcichsbank in der Hand hat, nur dorthin Devisen zu verkaufen, wo sie zu wirtschastlich berechtigten Zwecken be­nötigt werden. Den Devisen stehen in dieser Beziehung die ausländischen Zahlungsmittel gleich. Eine derartige Bestimmung, nach der der Devisenhantel bei der Reichsbank konzentriert wird, haben wir während der Inflation und eine Zeitlang danach gehabt. Man hat dann die Be­stimmungen aufgehoben, weil sie selbstverständlich dem Außenhandel erhebliche Fesseln auferlegten, die in normalen Zeiten nicht notwendig sind und nur durch außergewöhnliche ilntftänte, wie sie jetzt vorliegen, gerechtfertigt erscheinen.

Die Rotverordnung vom 18. Juli gegen die Kapital- und Steuerflucht geht über die Maß­nahmen, die in die Zukunft wirken sollen, weit hinaus, indem sie den Versuch macht, das ins Ausland geflüchtete Kapital wieder ins Land zu bringen. Es ist sehr schwer, sich ein Bild über den wirklichen Umfang der Kapitalflucht zu machen, weil es schwer ist, ohne daß man genaue Kenntnisse der Einzelheiten hat, zu entscheiden.

inwieweit Geld zu wirtschaftlichen Zwecken ins Ausland gewandert ist, inwieweit reine Kapital­flucht und Steuerhinterziehung vorliegen. Die Schätzungen gehen außerordentlich auseinander. Man nimmt aber an, daß bei den Devisenab­zügen der letzten Monate die Kapitalsiuchl nur eine untergeordnete Rolle gespielt hat. Das hat sowohl der Reichsfinanzmimster Dietrich in seiner Rundfunkrede erklärt, das wird auch in einem Aufsatz im Berliner Tageblatt auf Grund zu­verlässiger Unterlagen behauptet, intern diele Beträge auf ein Achtel ter letzthin abgezogenen Devisen, also auf 250 Millionen Mart geschätzt werten. Das Kapital, das inS Ausland geflohen ist, wird aber nur zum geringen Teil tn Forde­rungen, also Bankguthaben, und in Zahlungs­mitteln bereit liegen, sondern ist. soweit es sich um Vorgänge hantelt, die längere Zeit zurückliegen, voraussichtlich längst in andere Anlagen umgewandelt. Wir wissen, daß ein sehr erheblicher Teil in Grundbesitz angelegt worden ist, ein anderer in Wertpapieren. Beide Der- mögensanlagen sind nicht anzeigepflichtig, weil die Reichsbank derartige Werte auch nicht er­werben könnte oder ihr Erwerb ihr nichts nützen würde. Soweit die Besitzer dieser Kapitalien ebenfalls ins Ausland gegangen sind und ihren deutschen Besitz liquidiert haben, entziehen sie sich jetem Eingriff. Man darf demnach den Be­trag. der wieder zurücftließt, nicht überschätzen. Aber immerhin handelt es fich um Summen, die für die Sanierung unseres Geldmarktes nicht unwesentlich sind.

Aus der anderen Seite darf man sich nicht verhehlen, daß die neuen Bestimmungen auch ihre wirtschaftlichen Bedenken haben. Die Reichsbank entscheidet in Zukunft souverän, ob eine Anlage im Ausland Volkswirtscha s t - lich gerechtfertigt ist, d. h. sie prüft zu­nächst, ob überhaupt wirtschastlich« Grünte oder solch« ter Kapitalflucht und Steuerhinterziehung vorliegen. Kommt sie zu der Ueberzeugung, daß wirtschaftliche Gründe vorliegen, so wird sie unter­scheiden müssen, ob eS rein privatwirtschaftliche der betreffenden Unternehmung oder solche sind, die auch vom Standpunkt der deutschen Volkswi t- schast aus berechtigt erscheinen. Damit ist eine sehr große Vollmacht in die Hand der Reichsbank gegeben. Sie kann Importe, die ihr volkswirtschaftlich nicht wünschenswert erscheinen, verhindern, sie kann Expansionsbestrebungen deut­scher Unternehmungen entgegentreten, und zwar nicht dadurch, dah sie Kredite verweigert von dieser Möglichkeit hat sie leider in all den ver­gangenen Jahren viel zu wenig Gebrauch ge­macht sondern daß sie die Beschaffung der Devisen ablehnt. Unzweifelhast liegt darin ein starker Hemmschuh für die wirtschaft­liche Entwicklung. Große, in starkem Maße im Ausland arbeitende Gesellschaften werden viel­leicht über diese Schwierigkeiten schon dadurch besser hinwegkommen, daß sie dauernd im Aus­land Guthaben haben, auch dadurch, dah sie vielfach selbständige Unternehmungen im Ausland besitzen. Aber gerade der mitt­lere und kleine Industrielle und Kaufmann wird viel schwerer getroffen wer-

©er verkannte Wagner.

Don ScneralmufifbireftDr

Dr. Wilhelm Furtwängler.

Furtwängler ist als Rachfolger Sieg­fried Wagners der musikalische Leiter der gestern begonnenen Festspiele von Bay­reuth.

Die Wagnerkrise ist in erster Linie eine Aufführungskrise. Man versteht die Werke Wagners heute nur sehr selten noch richtig wiederzugeben und hat auch in der breiten Def- fentlichkeit keine Vorstellung mehr, wie enorm sich im Lause der letzten 20 bis 30 Jahre di« Ausführungen verändert haben.

Die ..Ausführungskrise" hat natürlich auch ihre Gründe, die indessen großenteils mit Händen au_ greifen sind. Es gibt augenblicklich wenig Dünger, die den Anforderungen Wagners gewachsen sind, wenig Dirigenten, di« das natürlich« Format für seine Werke besitzen (anerzogen kann das leider nicht wer­ten). und verschwindend wenig Regisseure, die eine klare Vorstellung davon haben, worauf es im Wagnerschen Gesamtkunstwerk ankommt. Von einer Krise des Wagnerschen Werkes als solchem zu sprechen ist Unsinn, sofern man nicht überhaupt von einer Krise des Raturgefühls, von einer Krise jeder Art menscherfüllten Musikertums. oder besser ausgedrückt, von einer Krise alles dichterischen und tragischen Welt­gefühls überhaupt sprechen will. Eine solche Krise gibt es gewiß: aber sie ist nur auf einen- Teil der gegenwärtigen Kulturmenschheit, im wesentlichen auf die allergrößten StÄtte be­schränkt.

Davon abgesehen, wird die Macht und Klar­heit der Wagnerschen Tonsprache und. was ich hier ganz besonders betonen möchte, auch die HellfichtiAeit und Kraft des Dichters und Dra­matikers Wagner für die heutige und für die kommende Generation stets dieselbe bleiben, wie sie eS für die vergangene war, vorausgesetzt.

dah sie durch nur einigermaßen zulängliche Aus­führungen interpretiert wird und was ebenso wichtig dem Willen zu konzentrierter und unverfälschter Aufnahme von feiten ter Zu­hörer begegnet.

Der heute so beliebte Vergleich zwi­schen Wagner und Verdi kennzeichnet die Situation recht gut. Was man auch über das Genie beiter sagen möge, fo liegt es auf ter Hand, daß Verdi nicht nur für Sänger und ausübende Künstler, sondern auch für das Pu­blikum ter ungleich glattere, voraussehungs- lofere und bequemere von beiden Künstlern ist. Dies allein erklärt schon zum größten Teil die heutige Stellung Verdis zu Wagner in ten Augen der Oefsentlichkeit.

Im übrigen darf nicht übersehen werten, dah die Wagner-Krise nicht so international ist. wie man in Deutschland glaubt. Sie ist vielmehr eine vorwiegend deutsche Erscheinung und hängt nicht wenig mit dem eigentümlichen In» tellÄtualisierungsprozeß zusammen, den die Deut­schen gegenwärtig durchmachen und der sie viel­fach veranlaht. mit dem Kopf immer llüger fein zu wollen, als sie mit dem Herzen sind, und ihren einfachen und klaren Empfindungen we­niger zu trauen als allerlei konstruierten Theo­rien und Doktrinen.

Erlebnis mit dem Tode.

Don.Victor Auburtin.

In der Tür des luxuriösen Geschäftes lagen die südlichen Orangen zum Verkauf aus.

Kleine behende Mandarinen. Gelbe, dünn­schalige Apfelsinen aus Valencia in Spanien. Unb die großen goldroten Kugeln, die von ter Insel Sizilien kommen.

Ich trat hin und nahm die größte unter den Sizilianerinnen. Wie fest sie sich anfühlte: und wie herrllch schwer und kühl und runb sie die Hand füllte! So muh. meines Erachtens, ter Apfel ter Eris gewesen sein, der in den Saal

der Götter geschleudert wurde unb um den dann der Trojanische Krieg ausgefochten worden ist.

Rehmen Sie doch lieber eine von ten dünn­schaligen Apfelsinen!" sagte ter Delikatessen­händler.Die sind zwar unscheinbarer, schmecken aber gerate so gut und sind um die Hälft« billiger."

..Aber ich will keine unscheinbaren Orangen, Tagte ich.Lieber Herr Meyer, eine Orange ist ja nicht dazu da. die Hälfte billiger zu fein, ilnö sie soll auch nicht besonders gut schmecken. Meistens schmecken die Orangen ja überhaupt nicht, sondern schön soll sie sein in ter grohen Kristallschale: das Gold im Eise!"

Damit nahm ich die große Orange und traf von dem Tisch weg, um zu zahlen. Unb in diesem Augenblick ereignete sich die Katastrophe.

Die schwere, eiserne Rollgarbine des Ladens hatte sich gelöst unb schlug mit einem furcht­baren Donner gerate bort ein. wo wir beite eben gestanden hatten, ter Herr Meyer und ich. und zerschmetterte ten Tisch, dah alle diese Orangen zerfetzt in die Höhe sprangen.

Der Herr Meyer uni) ich. wir sahen uns an und waren still. Der Tob hatte nach uns ge­griffen unb sich nur um eine Sekunte geirrt.

Aber wäre es nicht vielleicht gut so gewesen? Dah ter Tob mich traf, währenb ich Worte ter Weisheit sprach Eine goldene Frucht in der Hand wäre ich durch das elfenbeinerne Tor des Schattenreiches geschritten: und Arm in Arm mit einem Delikatessenhändler wäre ich vor Gottes Richterstuhl getreten.

Ganz abgesehen davon, dah ich allen meinen Freunden unb Bekannten Gelegenheit gegeben hätte, zu bemerken:Ra natürlich! Wie gelebt, so geentet! Wo sollte er anders fierten als in i einem Delikatessen laden!"

Gießener Gastspiel Berliner Bühnenkünstler.

Selten war bas Theater in der vergangenen Spielzeit fo gut besucht, wie zur gestrigen 7. Som. merabonnements.Vorftellung. Aber das Ensemble Berliner Bühnenkünstler, das gestern abend im Stadttheater die Aufführung eines Lustspiels be» stritt, hatte sich in der Einschätzung des Gießener Publikums alsschwärzeste Provinz" stark getäuscht. Die Berliner Künstler mußten fich davon überzeu­gen, daß das Niveau unseres Stadttheaters doch etwas höher lag als jenes, dos die Mitglieder des Ensembles in Gießen anzutreffen vermuteten:

»Helene kann doch nichts dafür!" lautete der Titel des Lustspiels, bas zur Aufführung ge­langte. Der Titel steht Zwar in keinem rechten Zu­sammenhang zu bem Inhalt des Stückes, es er­scheint jedoch nicht wesentlich, diese Harmonie un- bedingt zu fordern. Die Handlung läßt sich in wenigen Zeilen umreißen. Ein Don Juan erlebt in einem Hotelzimmer ein galantes Abenteuer ausgerech- net mit der Frau des Freundes das schließlich noch einem überraschenden Wiedersehen und nach mannigfachen Indiskretionen zu zwei frisch-fröhlichen Ehescheidungen führt. Schließlich tauschen Sie Freund« gegenseitig die Frauen und damit fand das Lust- Wiel kurz und bündig fein glückliches Ende. Das Ganze war nicht ungeschickt gemacht: der erste Akt gefiel gut, während der zweite und dritte Akt merk- sich abfielen und sich in nicht allzu glücklicher Situa­tionskomik erschöpften. Zwischen bem ersten und Zweiten Akt wurde vom Star des Ensembles eine Tanz-Einlage geboten. Katta Sterna tanzte eine Walzerfantasie nach demFrühlingsttaum" von Strauß in sehr feiner Form und mit viel Geschick.

Um die Aufführung des Lustspiels bemühten sich die Darsteller sichtlich, ohne jedoch bem Stücke zu einem großen Erfolg verhelfen zu können. Katta Sterna als Helene vermochte befonbers im ersten Akt gut zu gefallen. Fritz Oesterreicher als Achim von Hohenstein machte eine sympathische Figur. Fried Brand als Hintergangener Ehe­mann fühlte sich gut in den Rahmen ein.r.