Eva am Strand
ZRomon von Hermann Weick.
14. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Er schilderte Eva Miller die Aufgaben, di« seiner in Llrcmda harrten: sie achtete aber kaum auf das. was er von den Gefahren sprach, die drüben überall drohten. Nur seine Worte von den Wundern, den tausendfältigen Geheimnissen der Tropen nahm sie in sich auf; svnnenglühend«, farbenschillernde Bilder gaukelten vor ihr und lockten plötzlich mit betäubender Kraft ...
„Wenn man Sie sprechen hört, möchte man am liebsten auch hinüber!" sagte sie und sah vor sich nieder.
Helbing machte eine Geste der Abwehr.
„Das wäre nichts für Sie, gnädiges Fräulein!"
Eva Willer fuhr herum.
„Warum nicht? ... Halten Sie nur Männer für fähig, derartige Strapazen auf sich zu nehmen?"
„Keineswegs! Ich habe drüben Frauen getroffen, die in den schwierigsten Lagen genau so tapfer durchgehalten haben wie Männer! Manche meiner Kollegen, die in Liebersee arbeiten, nehmen ihre Frauen, um nicht jahrelang von ihnen getrennt sein zu müssen, überallhin mit; sie würden es nicht tun, wenn sie nicht wüßten, daß ihre Frauen den Strapazen gewachsen wären!"
Dunkles Rot kam bei Helbings letzten Worten in Eva Willers Wangen; sie spürte es und ärgerte sich maßlos darüber.
„Warum trauen Sie mir weniger zu?" fragte sie, ihre Augen blitzten Helbing drohend an.
Er lächelte unmerklich über ihre Erregung.
„Muß ich Ihnen meine Gründe sagen, gnädiges Fräulein?"
„Ich will sie wissen!" kam es herrisch zurück.
Helbing zögerte noch etwas; es bereitete ihm Spaß, Eva auf die Folter zu spannen.
„Sie sind vom Leben sehr verwöhnt, gnädiges Fräulein", sagte er dann mit absichtlicher Gelassenheit, „Sie kennen nur die schönsten Seiten des Daseins, Sie lieben den Luxus, das Vergnügen, schöne Kleider und was sonst das Herz einer jungen Dame erfreut. Das Leben war für Sie bis jetzt ein einziges, -großes Vergnügen. Habe ich nicht recht?"
Da Eva Willer sich nicht darüber llar war, wohin Helbing mit seinen Aborten zielte, antwortete sie widerstrebend:
„Sie glauben ja, mich gut zu kennen, alle Achtung! Was weiter?"
„Sie sind geradezu prädestiniert, fn Berlin zum Beispiel oder hier in Norderney eine glanzvolle, beneidenswerte Nolle zu spielen! In den einsamen, unwirtlichen Gegenden Llranüas würden Sie es keine vierzehn Tage aushalten!"
„Wer sagt das?" begehrte Eva Willer auf; die ironische Art, mit der Helbing über sie urteilte, trieb sie in starken Aerger hinein.
„Ich sage es", antwortete Helbing ruhig. „Oder glauben Sie wirklich, daß eine anspruchsvolle Dame, wie Sie es sind, dort, wohin ich gehen werde, auf ihre Rechnung käme? Wo es keine eleganten Leute, keine Amüsements, keinen Tanz und keinen Flirt gibt? ... Sie hätten sehr rasch genug!"
Evas Hände ballten sich in ohnmächtigem Zorne. Am liebsten wäre sie auf und davvn- gegangen. Wie kam Helbing dazu, ihr gegenüber immer wieder diesen Ton spöttischer Lleberlegen- heit anzuschlagen? War gegen diesen Mann gar nicht anzukommen? Sie hatte sich doch vorgenommen, ihn ihre Macht suhlen zu lassen; statt dessen zeigte er sich stets als der Lieberlegene ...
„Dann also nicht!" stieß sie hervor und stand brüsk auf.
Helbing sah sie überrascht an.
„Sie haben doch nicht etwa im Ernst den Gedanken erwogen ..."
Sie unterbrach ihn mit gezwungenem Lachen.
„Wie käme ich dazu! Für Afrika habe ich ja nach Ihrem fachmännischen Llrteil nicht die erforderlichen Eigenschaften! Dazu braucht man Männer und Frauen Ihres Schlages!"
Helbing fühlte, wie fein Herz rascher schlug.
Ein Gedanke hatte ihn angesprungen, der etwas Verführerisches hatte. Selbstvergessen sah er Eva Willer an. Wie schön war sie in ihrer zornigen Erregung!
Es tat ihm leid, daß er sie gekränkt hatte; begütigend sagte er:
„Was nicht ist, kann ja noch werden!"
Sie warf den Kopf zurück.
„Danke, ich habe nicht die Absicht ..
Fortan war immer Kampfstimmung zwischen ihnen.
Eva Willer hatte ihren Kriegsplan geändert. Sie schien eingeschen zu haben, daß sie auf dem bisherigen Wege bei Helbing nicht weiter kam; dieser Mann, den sie in manchen Stunden haßte, erlag nicht so schnell, wie sie gewähnt hatte, ihren Verführungskünsten.
Nun zeigte sie ihm gegenüber ein kühles, gleichgültiges Benehmen. Spaziergänge, zu denen er sie einlud, lehnte sie unter fadenscheinigen Gründen ab. Trotzdem richtete sie es so ein, daß
sie immer wieder mit HckDing zusammen traf, am Strand, im Hotel oder bei Tanzereien. Dann behandelte sie ihn wie einen Fremden.
Durch Widerspruch in Unterhaltungen, die sich hin und wieder ergaben, versuchte sie, ihn zu reizen; mit spöttischen, hämischen Bemerkungen ihn zu ärgern. Immer wieder legte sie es darauf an, ihn eifersüchtig zu machen. Sie hatte wieder eine große Schar von Verehrern um sich versammelt.
Mit anfänglicher Verwunderung, dann mit Aerger, in den sich das Gefühl einer schmerzlichen Enttäuschung mischte, gewahrte Helbing das veränderte Verhalten Eva Willers, das er sich nicht erklären konnte.
Warum legte sie auf einmal dieses schnippische Wesen ifjm gegenüber an den Tag? Er hatte doch den Eindruck gehabt, daß sie in ihm mehr als den flüchtigen Dadebekannten sehe; aus vielen kleinen Anzeichen hatte er geschlossen, daß sie ihm ein wärmeres Empfinden entgegenbringe.
Lind nun diese Wandlung?
Obwohl es ihm anfangs schwer wurde, unterließ er doch weitere Versuche, ein Alleinsein mit Eva Willer herbeizuführen. Auch sonst vermied er es, mit ihr zusammenzutresfen. Es war nicht seine Art, einer jungen Dame, die ihm so offen ihre Abneigung zeigte, nachzulaufen.
Trotzdem blieb eine Verstimmung in Helbing zurück. Immer wieder entdeckte er sich dabei, wie seine Gedanken sich mit Eva Willer beschäftigten. Er ärgerte sich darüber, schalt sich schwach und einfältig; aber seine Gedanken gingen immer wieder den gleichen Weg.
„Was ist mit dir los, Stefan?" fragte Hanna Moest, als er eines Tages bei ihr im Zimmer saß. „Seit einer Viertelstunde sprichst du kein Wort!"
Er fuhr aus seinem Grübeln auf.
„Ich bin etwas müde ..."
„Du machst seit einer Woche einen sehr nervösen Eindruck, Stefan! Du scheinst nicht recht zufrieden zu sein; immer bist du jetzt finster und einsilbig!"
„Warum sollte ich nicht zufrieden sein?" erwiderte er ungehalten.
Forschend betrachtete Hanna ihn; etwas Mütterliches war in ihren Blicken. Nach einer kurzen Pause fragte sie leise tastend:
„Macht Fräulein Willer dir Kummer?"
Wie aufgeschreckt richtete Helbing. sich aus seiner zusammengesunkenen Haltung auf. Er fand nicht gleich eine Antwort.
„Fräulein Willer?" sagte er dann mit schwachem Versuch, seinen Worten einen scherzenden Beiklang zu geben.
„Ich glaube, du leidest ihretwegen, Stefan!" Helbing machte «ine schroffe Handbewegung.
„Du irrst, Hanna!*'
Sie schüttelte den Kopf.
„Du belügst dich, Stefan!"
Er senkte den Kopf. Nach einer Weile erhob er sich und ging auf Hanna zu.
„Warum sprichst du ... gerade du, Hanna, von i h r?" •
Langsam, wie besinnend, strich sich Hanna Moest mit der schlanken Hand über die Augen, Cs war eine Geste, die etwas Entsagungsvolles an sich hatte.
Ia, sie hatte entsagt. In schweren, bitter- schweren Kämpfen hatte sie sich durchgerungen zu dem Verzicht auf den Mann, den sie immer mehr sich entgleiten sah und den sie doch nicht mehr, nie mehr für sich würde zurückgewinnen können. Weil seine Liebe sich einer anderen zugewandt hatte ...
•>®U( wunderst dich, weil ich davon spreche, Stefan", sagte sie langsam, schwer, und sie konnte nicht hindern, daß ein Ton leidenschaftlichen Schmerzes durch ihre Stimme schwang. „Warum sollte ich schweigen, wenn ich dir vielleicht durch Worte helfen kann ,.. Ich weiß, daß du Eva Willer liebst ... ich möchte dich glücklich wissen. Stefan ...
Er wollte ihr erregt entgegen, aber sie gebot ihm mit einer Handbewegung Schweigen.
„Du muht mich zu Ende hören, Stefan! Ich bin dir nicht gram, weil es nun so gekommen ist- Wir haben es uns beide anders gedacht, mit bestem Willen bist du wieder zu mir gekommen, ich weiß das, Stefan! Aber wer kann Menschenherzen befehlen? ... Dir hat das Schicksal Eva Willer in den Weg geführt ... ich kann und will nicht mit einem sterbenden Gefühl vorlieb nehmen, das doch nur ein milleidiges Almosen wäre ..."
„Hanna!" rief Helbing erschüttert und griff nach ihrer zuckenden Hand.
„Wir wollen es uns nicht unnötig schwer machen, Stefan! Du weißt jetzt, daß der Weg- zu der anderen für dich frei ist! Das wollte ich dir sagen."
„Lind du, Hanna?" fragte Helbing. Heißes Mitleid mit der blonden Frau, die klaglvs entsagte, rauschte in ihm empor.
Sie stand auf und trat unter die Tür deS Balkons. Draußen lag das Meer im Sonnenschein; wie in einer stummen Frage blickte Hanna Moest in die Weite.
„Ich kann dich nicht ganz verlieren, Stefan", sagte sie leise, ohne sich umzuwenden, „deine Gedanken sollen immer gerne bei mir sein ... deshalb will ich dir nicht im Wege stehen, wenn es dein Glück gilt ..."
(Fortsetzung folgt.)
Denken Sie an Stoffe, denken Sie an !♦ Bernard
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