Einzelbild herunterladen

SerEWHelmmeldeMolgdesBolksbegehrens.

Don unserer Berliner Redaktion.

2lm Dienstagabend sind die Listen zur Cm- Zeichnung für das Dolksbcgehrcn über die Auf­hebung des Preußischen Landtags geschlossen. Es wird wohl trotz der guten Zählorganisation einige Tage dauern, bis sich das Ergebnis genau übersehen läßt. Der Stahlhelm selbst, der ja den besten Lieberblick haben muh, teilt offiziell mit, daß nach seinen Beobachtungen die Mindest- znhl von 5,2 Millionen weit überschritten sei. Es sah eine zeitlang so aus, als ob die Wähler in ihren großen Massen sich dem Ver­such einer solchen Fortentwicklung von unten heraus widersetzen würden. Aber der Eindruck hat doch wohl getäuscht. Die Großstädte haben im wesentlichen versagt, dafür scheint das Land auch die letzten Reserven mobil gemacht zu haben.

Man durfte die Schwierigkeiten des ganzen LInternehmens von Anfang an nicht unter­schätzen: Preußen hat versas ungsmähig seine Be­stimmungen über das Volksbegehren schärfer gefaßt, während das Reich nur 10 Prozent verlangt, sind in Preußen 20 Prozent notwendig. Das sind rrmd 5,25 Millionen Unterschriften. Die bürgerlichen Parteien rechts vom Zentrum haben bei den letzten Wahlen über neun Millio­nen Stimmen aufgebracht. Rechnerisch könnte es also für sie nicht allzuschwcr sein, über die fünf Millionen hinauszukommen. Es hat sich aber doch gezeigt, daß der Druck der öffentlichen 2lbstim- mungcn, der mit der Eintragung in die L i st e n gegeben ist, Hemmungen schafft, genau wie einst beim preußischen Dreiklassenwahlrecht, daß wirtschaftliche Abhängigkeit ganze Schichten des Volkes verhindert, von ihrem Stimmrecht Gebrauch zu machen, w.il sie nicht unter dem Schuh der geheimen Abstimmung stehen. Dazu kommt, daß die Rationalsozialisten nur sehr zö­gernd mitgemacht haben, daß auch gemeinsame Agitationskomitees für die Propaganda, die ja der Agitation erst die eigentliche Stoßkraft ge­geben hätten, verhindert worden sind. Aller­dings hat zum Ausgleich dafür die p r e u ß i s ch e Regierung durch ihre Llnterdrückungs- methodcn dafür gesorgt, daß in die Bewegung trotzdem die nötige Stimmung hineinkam. Lind wenn der Erfolg sichergestellt ist, dann ist das nicht zuletzt den Methoden zu verdanken, mit denen Preußen das Volksbegehren zu bekämpfen versucht hat.

Der Antrag geht jetzt an den Landtag, würde dort im normalen Verlauf a b g e l e h n t werden und käme dann zum Volksentscheid. Hier würden 13 Millionen erforderlich sein, die kaum zu bekommen sind, selbst wenn die Kommu­nisten mitmachen. Inzwischen aber scheint bve parlamentarische Entwicklung andere Wege zu gehen. Es scheint, als ob das Z.entrum doch die äußerste Belastungsprobe nicht aushalben will, und deshalb den Sozialdemokraten den Vorschlag gemacht hat, die Preußenwahlen auf jeden Fall im September anzusetzen. Dafür soll das Zentrum den Sozialdemokraten, falls sie durch die Wahl ihre Stellung in der preußi­schen Regierung verlieren sollten, angeboten ha­ben. daß dann das Zentrum im nächsten Frühjahr bei den Reichspräsidentenwahlen für einen Sozialdemokraten stimmen würde, um da­durch die Sozialdemokraten zu entschädigen und nicht ganz in die Opposition zu treiben. Eine verblüffende Lösung, die vorläufig noch in ihren Anfängen steckt, die aber doch vielleicht die Fort­setzung des Volksbegehrens überflüssig machen kann.

Das Ergebnis.

De^ weitere Verlauf der Aktion.

Berlin, 21. April. (Funkspruch.) wie das Bun­desamt des Stahlhelms am Dienstagnachmittag noch vor Abschluß der Einlragungszeil mitteilt, haben die Eintragungen für das Volksbegehren auf Auflösung des Preußischen Landtags die für das Gelin­gen erforderliche Mlndefl; ahl von 5,27 Millionen weit überschritten. Genauere Zahlenmeldungen sollen am Mittwoch folgen.

Die Eintkagungsfrist ist heute abend abgelaufen. Damit werden die Listen durch die Gemeindebehör­den abgeschlossen. Es wird bescheinigt, wie viele Personen sich eingetragen haben, daß sie stimm­berechtigt und in dem Ort wohnhaft sind. Außerdem

werden etwaige Beanstandungen und Zweifelsfälle vermerkt. Die Listen gehen dann sofort an die Beauftragten des Stahlhelms, die sie Über die unteren Organisationen an die Landes­verbände weiterreichen. Diese übermitteln sie der B u n d e s l e i t u n g , die die Listen ordnet, durch­numeriert und addiert und dann in der vorgeschrie­benen Form dem Landeswahlleiter über­gibt. Er prüft die Listen noch einmal nach und teilt dem preußischen Innenminister das Gesamtergebnis der Eintragungen und die Zahl der Stimmberechtigten mit.

Echo der presse.

Widersprechende Meinungen.

Berlin, 21. April. (TU.) In dem erfolgreichen Ausgang des Stahlhelmvolksbegehrens nehmen die meisten 'Berliner Blätter Stellung. DieBörsen- Zeitung" (kons) begrüßt den Erfolg des Stahl­helm und der nationalen Bewegung und betont, daß der Erfola sehr an. Wert gewinne, wenn man d i e Widerstände und Schwierigkeiten berücksichtige, die dem Stahlhelm während den zu­rückliegenden 14 Tagen bereitet worden seien. DieDeutsche Allgemeine Zeitung" (Bolksp.) weist darauf hin, daß die politische Wir­kung des Erfolges zunächst vor allem auf psychologischem Gebiet liegen werde. DieDeutsche Tageszeitung" (Landbund) hebt hervor, daß nach der gesamten politischen Si­tuation angesichts des allgemeinen Unwillens über die Entwicklung der Verhältnisse in Preußen ein anderes Ergebnis in Preußen nicht zu erwarten

Glacehandschuhe.

Die französischen Offiziersspione, die mit ihrem Photographierkasten Geheimnisse der deutschen Ar­tillerie aus der Platte festzuhalten suchten, haben sich inzwischen in Sicherheit bringen kön­nen. Sie sind leider von uns mit Glacehandschuhen ungefaßt worden. Die ganze Art, wie man mit ihnen umgesprungcn ist, sollte eigentlich ein typi­scher Schulfall da^.r sein, wie man Spione nicht behandeln darf. Man hatte im Frieden den Begriff des Gentlemanspions erfunden, der, wenn er ge­faßt wurde, mit besonderer Rücksicht zu behandeln war, und höchstens mit Festungshaft bestraft wurde. Wie gefährlich das war, Haven wir später aus den Erinnerungen des Generals Baden-Powell zu un­serem Schrecken erfahren. Inzwischen hat sich in der Zeit der Abrüstung Europa solche vornehmen Allüren abgewöhnt. Spion ist heute Spion und wird mit Recht ins Zuchthaus geschickt, wenn man ihn hat. Daß man aber einen hat und ihn dann schleunigst wieder laufen läßt, ist wohl noch kaum dagewesen, ist auch ganz sicher keine Abschreckungstheorie.

Wir haben, was sich mit solchen Methoden er­reichen läßt, ja bei den Polen gesehen, deren Offiziere sich geradezu einen Sport daraus machten, über Deutschland spazieren zu fliegen, Proteste und Drohungen nützten nichts: die Herren sind immer wieder gekommen. Und wenn augenblicklich etwas Ruhe in diesen Visiten eingetreten ist, so ganz sicher­lich nicht aus Sorge vor deutschen Repressalien. Auch die Franzosen werden wieder­kommen, wenn sie erst einmal merken, daß die einzige Risikoprämie, die sie zu zahlen haben, in der sorgfältigen Bewachung durch deutsche Kriminal­beamte besteht, daß sie aber nicht Gefahr laufen, mit deutschen Zuchthäusern Bekanntschaft zu machen. Hier war ein Fall, wo einmal durchgegriffen werden mußte, wo das Recht auf unserer Seite lag, selbst wenn die Herren vielleicht etwas gesehen ha­ben sollten, was nicht gerade für ihre Augen bestimmt war.

Aber die Unverfrorenheit dieses Vorgehens war so ungeheuerlich, daß es nicht recht verständlich ist, weshalb das Auswärtige Amt plötzlich den Mantel christlicher Nächstenliebe über den Zwischenfall zu decken sucht und ihn am liebsten vertuschen möchte. Zugegeben, daß bei der starken außenpoli­tischen Belastung ein Spionagekampf und die For-

gewesen sei. Da sich gezeiat habe, daß die Kräfte der nationalen Opposition stark seien, sei man zur Hoffnung auf den Endsieg berechtigt. DieDeutsche Zeitung" (deutschn.) sagt, das Volksbegehren sei der Aufmarsch gewesen, der eigentliche Kampf stehe bevor. DerTag" (Scherl) schreibt, der Vormarsch, der mit dem Kampf um das Freiheitsyesetz im Herbst 1929 begonnen habe, schreite siegreich fort und erfasse immer% weitere Massen. Er werde unaufhaltsam sein. DerLoka l- Anzeiger" (Scherl) hält es für wahrscheinlich, daß der Landtag auf Grund des Ergebnisses seine A u f l ö s u ng beschließt, da man nicht anneh­men könne, daß sich das gesamte preußische Zen­trum gegenüber der Mahnung, die im Erfolg des Volksbegehrens liege, weiterhin taub zeigen sollte.

DieG e r m a n i a" (Z.) hebt hervor, es sei mit Sicherheit anzunehmen, daß der Landtag der im Volksbegehren geforderten Auflösung nicht ftattgeben werde, und weist darauf hin, daß der Weg vom Volksbegehren zum erfolg­reichen Volksentscheid sehr weit und sehr beschwerlich sei. DieVos fische Zeitung" (Ullstein) weist darauf hin, daß trotz des erfolgreichen Volksbegehrens zu berücksichtigen sei, daß 20 Millionen Wähler von der Auflösung des Landtages nichts wissen wollten. Die preu­ßische Regierung dürfe mit diesem Ergebnis zufrieden fein. DerB ö r s e n - C o u r i e r" (dem.) stellt fest, daß das Volksbegehren von einer geringeren Wählerzahl unterstützt worden sei, als die Stärke der mitwirkenden Parteien habe erwarten lassen. Auch derV o r w ä r t s" (Soz.) hebt hervor, daß das Volksbegehren, selbst wenn die Mindestziffer um einiges überschritten fein sollte, für die dahinterstehenden Parteien eine Niederlage bedeute, da sie nur d i e knappe Hälfte ihrer Stimmen von der Reichstagswahl aufgebracht hätten.

derung der Abschaffung des französischen Konsulats in Königsberg unbequem fein könnte: aber schließ- lich gibt es nun doch einmal auch im Leben eines Volkes Ehrbegriffe, die nicht einfach beiseite ge­schoben werden können.

Oie Prüfung noch immer nicht beendet.

Die amtliche DarstellungGrenzfall von Spionage".

B e r l i n, 21. April. (TU.) Hebet die Königsberger Angelegenheit wird von zuständiger Stelle folgendes mitgeteilt:

Die Untersuchung der den französischen Offizieren abgenommenen Bilder ist noch nicht beendet. Es sollen Vergrößerungen angefertigt werden, um aus den Einzelheiten sestzustellen, ob auf den Bildern geheimzuhaltende Geräte zu erkennen sind. Vier Bilder zeigen Gebäude der Königsberger Festungs­anlagen, während zwei Bilder die übende Gruppe, Artillerie, zeigen. Es ist anzunehmen, daß es sich bei dem Königsberger Fall um einen Grenzfallvon Spionage handelt. Sollte jedoch bei näherer Prüfung feftgefteUf werden, daß tatsächlich Spionage oorliegt, dann würde die deutsche Regierung die Folgerungen ziehen.

Die F e st n a h m e der französischen Offiziere er­folgte durch einen deutschen Offizier, der dann einen Vertreter der Division hinzuholen lieh. Dieser verfügte nach Prüfung der Personalien die Freilassung der Festgenommenen.

Eine Erlaubnis zur Einreise der fran­zösischen Offiziere nach Deutschland ist nicht er­teilt worden und auch nicht nötig, da die Herren in Zivil reiften. Es handelte sich nur um die Erteilung des Visums, das allen nach Deutsch­land einreisenden Personen gegeben wird. Die fran­zösische Botschaft hat noch ein übriges getan und der Reichsregierung mitgeteilt, daß die beiden Offiziere die Schlachtfelder in Ostpreußen besichtigen wollten. Es war der Regierung bekannt, daß es sich bei den französischen Offizieren um Mitglie­der der französischen Nachrichten-Ab­teilung handelt.

MWersuchiW der köWsbergerSpioiWeMre

Oer Juwelier erzählt...

Äon Norbert Jacques.

... Eines Tages, ba wir schon über bie Rot der Zeit sprechen, kam ein Herr zu mir und wünschte mit mir allein zu reden. Er legte mir eine Perlenkette von einigem Wert vor und fragte mich, ob es möglich sei, drei Perlen fortzunehmen unJ> sie durch imitierte so zu ersehen, daß ein nicht fachmännisches Auge den Tausch nicht merke.

Ich antwortete ihm:

Verzeihen Sie, Herr von A. Ich habe Sie eigentlich erst an den Perlen wiedererkannt, denn es sind ja schon immerhin zwanzig Jahre her, daß Sie die Schnur bei mir kauften.

Ja, bitte! sagte er abweisend. Ist es möglich?

Gewiß, entgegnete ich.

Ich zahlte ihm die drei Perlen nach ihrem Wert. Er bekam etwa 1000 Mark und ich ließ die Arbeit machen. Mehrere Monate später, nachdem er die Kette zurückhatte, kam er wieder. Er trage Bedenken. Diese drei fremden Glas­perlen, so gut sie nachgeahmt seien, störten ihn doch durch ihr anderes Aussehen. Es sei vielleicht weniger auffällig, wenn die drei Gegenstücke am anderen Ende der Schnur ebenfalls durch solche künstliche Perlen erseht würden. Ich willfahrte dem Wunsch.

_ Dann kam er regelmäßig. Er äußerte keine ästhetischen Bedenken mehr, sondern legte jedes­mal die Geldscheine, die er für die drei Perlen bekam, in seine Brieftasche und hatte trübe Augen. Lind so kam der Tag, an dem keine einzige echte Perle mehr an der Schnur war. Er machte einen runden Rücken, als er den Laden verließ an diesem Tage. Ich hörte und sah nichts mehr von ihm. Er wohnte nicht in Hannover, sondern in einer benachbarten kleinen Stadt.

Jetzt sind es acht Tage her. da kam einer meiner Angestellten und meldete, eine unbekannte Dame wünsche mich selber und allein zu sprechen. Ich ließ sie in mein Bureau bitten. Sie war ver­schleiert. Sie war sehr sorgfältig und mit ein­facher Eleganz gekleidet, doch bei näherem Zu­sehen bemerkte ich. daß die Kleider stark abge­tragen waren. Ich hatte die Dame nie gesehen. Die fragte mit etwas hochmütigem Ton:

Sind wir allein?

Ich bejahte und bat sie mit einer Hcrndbe- toegung, mir zu sagen, was sie hergeführt habe. Da begann sie unsicher zu reden. Ich verstand nicht recht, was sie wollte. Die Zeit... die Lage ... die Rot... Zwang... Aber in den letzten Jahren haben wir Juweliere uns an derartige Gespräche unter vier Augen gewöhnt, und ich unterbrach sie schließlich nicht unhöflich, doch vielleicht auch nicht übermäßig liebenswürdig:

Lind jetzt wünschen Sie, ich soll Ihnen helfen? sagte ich.

Da richtete sie sich jäh aus dem Stuhl auf, in den sie sich niedergelassen hatte.

Ich komme nichf betteln! rief sie erregt. Rein, so weit ist es noch nicht.

Llm sie zu beruhigen und wir haben da unsere Erfahrungen einen sagen wir, nervösen Auftritt im Keim zu ersticken, bat ich, es mir nachzusehen, wenn meine Antwort ihr unschicklich geklungen habe. Sie sei nicht so gemeint gewesen.

Sie ging aber nicht auf meinen nachgiebigen Ton ein, sondern fragte mich mit hochmütiger Rebensächlichkeit. ob ich eine echte Perlenkette in Kauf nehmen und dagegen eine ähnlich aus­sehende aus künstlichen Perlen beschaffen könne. Die Bedingung sei aber, daß man möglichst nicht erkenne, daß die Perlen ausgetauscht worden seien.

Das wird im Prinzip gehen, antwortete ich, doch muß ich natürlich vorher die echten Perlen sehen, um feststellen zu können, ob so ähnliche nachgeahmte zu besorgen sind.

Mein Mann hat die Perlen bei Ihnen gekauft, sagte sie, indem sie aus ihrer Handtasche ein Etui zog. ein altes schwarzledernes, mir be­kanntes Etui... mein Herz bekam einen Stich, wie ich es sah... und auch die Perlen, als ich das Etui mit zitternder Hand öffnete, kannte ich, bevor ich sie gesehen hatte. Trotzdem schrak ich auf als ich die falsche Perlenschnur des Herrn von Ä. von der weißen Seide hochhob. Es war die peinlichste Begegnung meines Lebens. Ich wurde rot und blaß und wußte nicht, was ich sagen sollte. Ich sah hinter das traurige, zer­trümmerte Leben dieser beiden Menschen. Von der Perlenschnur hatten sie, ohne daß Frau von A. es wußte, fünf Jahre gelebt. Jetzt war

auch diese Einnahmequelle fortgeronnen und die Frau hatte keine Ahnung von der schrecklichen Wahrheit.

Run? mahnte sie.

Ich schaute sie an. mit mir uneinig, ob es nicht das Menschlichste wäre, sie in vorsichtiger Weise aufzuklären. Denn wenn ich sie abwies, ginge sie zu einem anderen Juwelier und erführe von ihm. roh wie unter einem Schlag vor die Stirn, die nicht wieder gutzumachende Wahrheit. Aber ich brachte fein Wort über die Lippen.

Sie können es nicht, wie es scheint, sagte sie fast flüsternd. Durch den Schleier sah ich die Augen angstvoll lauernd auf mich gerichtet.

Da antwortete ich unsicher:

Rein, ich kann keine ähnlichen intitierten Per­len (»«schaffen!

Sie steckte mit einer müden Bewegung das Etui ein, neigte flüchtig den Kopf und ging. Sie ging mit einem runden Rücken, wie vier Wochen vor­her ihr Mann..

Alban BergsWozzeck" in Frankfurt.

Mehr als fünf Jahre sind seit der heftig um­strittenen Llrausführung der OperW o z z e ck" von Alban Berg an der Berliner Staatsoper verstrichen. In stetig ansteigender, ruhiger Kurve bewegt sich seitdem die Zahl der Bühnen, die sich des Wertes annehmen. Auch die Frankfurter Premiere gestaltete sich zu einem lebhaften Er­folg. Alban Berg macht es seinen Hörern gewiß nicht leicht. Seine sinfonisierende Musik, die von Schönberg in entscheidenden Dingen ber- ©tilgcbung beeinflußt ist, hat nur selten die kan- table Linie, den Wohlklang im hergebrachten Sinne, der ins Ohr fällt. Sie gibt aber das Seelische und das Landschaftliche, das Trans­zendente und das Reale der Dichtung Büch­ners so stark und unmittelbar, daß sie auch den in ihren Bann zwingt, der sich den Weg zu dieser Tonsprache erst erschließen muß. Selbst der zunächst widerstrebende Hörer wird spüren, das hinter dieser neuen Klangwelt eine reine, fest in sich ruhende und wahrhaft schöpferische Persönlichkeit steht.

Hans Wilhelm Steinberg hatte die Auf­führung musikalisch, Dr. Herbert Graf szenisch

Krankreich auf Gpionensuche.

Berlin, 21. April. (ERB.)Jntransigeant" be­richtet aus Straßburg, daß die dortige Polizei drei der Spionage verdächtige Elsässer f e ft g e n o m m c n habe. Die Verhafteten seien sämtlich in Straßburg wohnhaft und hätten eingestanden, wiederholt mit Plänen über Grenz­befestigungsarbeiten üb er bie Grenze gereift zu fein. 9m Zusammenhang mit derSpionageaffäre" ist eine neue Verhaftung erfolgt. Man rechnet mit der Festnahme von vier vis fünf weiteren Personen, darunter zwei Deutschen.

Am Vorabend

der Abrüstungskonferenz.

Die großen französischen Hcrbftmanöver.

P a r i s. 21. April. (TA.) In der Zeit vom 10. bis 16. September finden in diesekn Jahre die großen französischen Herbstmanöver statt, für die das aus dem Weltkrieg her bekannte g r o-h e Dreien zwischen Laon Rethel Reims gewählt wurde, das durch die Aisne in zwei etwa gleich« Hälften geteilt wird. Die Manöveraufgabe wird darin begehen, daß eine der beiden Parteien versuchen muf^l/cn Fluß tzu überschreiten, um den auf dem gegen­überliegenden Llfer stehenden Feind zu vertrei­ben. Reben drei Divisionen Infanterie, den üb­lichen Artillerie- und Kavallerieregimentern neh­men mehrere Regimenter schwerer Artillerie, Tanks, Minenwerfer und Genie-Truppen teil. Ein überaus zah l reiches Aufgebot an Do mben und Jagdflugzeugen wird das Bild dieser Truppenschau am Voravend der Ab­rüstungskonferenz vervollständigen. Den Ober­befehl hat während der Dauer des Manövers General Claudel. Mitglied des Obersten Kriegsrats, übernommen. Kriegsminister Ma­gi n o t hat sein Erscheinen für die beiden letzten Tage angekündigt. Das Manöver wird mit einer großen Truppenschau abschließen.

Oie Sachverständigen im Kürienprozeß.

Düsseldorf. 21. April. (WTB.) Am achten Verhandlungstage erfolgt die Vernehmung der Sachverständigen. Prof. Dr. Sivli, Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Düsseldvrf- Grafenberg, erklärt, daß die Taten KürtenS nicht im Zeichen krankhafter Geistes­verfassung begangen worden seien. Eine or­ganische Gehirn- oder Geisteskrankheit warnicht festzustellen, ebenso keine uner'iläriichen Gemüts­bewegungen. Typisch sei Kürtens Groß­mannssucht. Abschließend könne man sagen, daß ein« Geisteskranlheit bei dem Angeklagten nicht vorliege. Es bestehe auch keine Bewußt­losigkeit krankhafter Ratur, da er ein aus­gezeichnetes Gedächtnis habe. Eine Vererbung komme bei Kürten ebenfalls nicht in Frage. Geisteskrankheit sei in seiner Familie nicht vorgekommen, Wohl aber Reigung zur Trunksucht und kriminellen Vergehen: aber deshalb mußte Kürten nicht in dieser Weise kriminell werden. Wenn auch das Milieu in seiner Familie denkbar schlecht war, so durfte er doch nicht schrankenlos und verant­wortungslos allen Regungen nachgeben.

Der Direktor der Provinzial-Heil- und Pflege­anstalt Fedburg-Hau, Dr. Raether, berichtet über die klinische Llntersuchung des Angeklagten in seiner Anstalt. Es besteht bei Kürten weder Epilepsie noch Schwachsinn. Der An­geklagte verstellt sich meisterhaft, was mit seinem starken Geltungsbedürfnis zusammenhangt. Kürten ist «in rücksichtslo­ser E g o i st, brutal, dreist und wehleidig. Er hat eine starke sadistische Veranla­gung. Die Fragen nach Geisteskrankheit, ver­minderter' Zurechnungsfähigkeit oder Llnnormali- tät sind bei ihm zu Derne inen. Bei der guten geistigen Entwicklung des Kürten kommen für ihn die Voraussetzungen einer Geisteskrankheit im Sinne des Paragraphen51 nicht in Frage. Auch die Frage einer verminderten Zu­rechnungsfähigkeit muß im Hinblick auf die Vielseitigkeit seiner Taten abgelehnt werden.

Llniversitätsprofessor Dr. Huebner hat bei dem Angeklagten keine Bewußtlosigkeit und

liebe- und verständnisvoll vorbereitet. Ludwig Sieverts Dühnenkunst bediente sich teilweise neuartiger, wirksamer Lichtbildtechnik. In den Hauptpartien: Jean Stern (Wozzeck), Erna R e ck a (Marie), Otto Fänger (Tambourmajor). Alban Berg mußte sich am Schluß mehrfach zeigen. A. H.

Hochschulnochrichten.

Ernannt wurde der Privatdozent Dr. Wilhelm Pfannen st iel von der LIniversität Münster zum ordentlichen Professor der Hygiene in Mar­burg als Rachfolger von H. Bonhoff. Dr. Pfan- nenstiel vertrat bereits seit Ostern 1930 in Mar­burg das Fach der Hygiene.

Es sind ernannt worden: Professor Dr. Max Bürger. Direktor der Inneren Abteilung lies Stadtkrankenhauses in Osnabrück, zum ordent­lichen Professor in der medizinischen Fakultät der LIniversität Bonn: der Privatdozent Dr. Arnold Köttgen in Jena zum ordentlichen Professor in der Rechts- und Staatswissenschaft- lichen Fakultät in der LIniversität Greifs­wald. Dr. Bürger, der bisher zugleich dem Lehrkörper der Kieler medizinischen Fakultät als nichtbeamteter außerordentlicher Professor ange­hörte, übernimmt in Bonn als Rachfolger R. Sie­becks den Lehrstuhl der inneren Medizin sowie di« Leitung der medizinischen Poliklinik: Professor Köttgen wird in Greifswald Rachfolger von Professor E. Reuwiem auf dem Lehrstuhl für öffentliches Recht.

Zeitschriften.

He s s.en l a n d." (Verlag R. G. Elwert, Marburg-Lahn.) Das April-Heft enthält u. a. den Schlußartikel überCarl Friedrich BuderuS, das Leben eines hessischen Beamten in schwerer Zeit". Friedrich Llhlhorn stellt in einer Arbeit Hessen und Solms im Mittelalter" die Bezie­hungen zwischen den Landgrafen von Hessen und den Grafen von Solms dar. Die Ergebnisse seiner Forschungen lassen manche bisher unbekannte Zu­sammenhänge ans Licht fommen. Weiter bringt das Heft die Fortsetzung der ErzählungDer Dorfschäfer" von Helene Brehm, und berichtet über die Marburger Veranstaltungen im Ge­dächtnisjahr der heiligen Elisabeth.