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WaS die von ZalesLi angegebenen Zahlen über die polnischen Minderheitenschulen in Deutsch­land angehe, so seien allerdings 51 Schulen der polnischen Minderheit in Deutschland vor­handen. Don diesen würden aber nur 28 be­nutzt: 23 stünden leer, weil die Eltern es vorziehen, ihre Kinder in die deutschen Schulen zu schicken. Was die politischen Fragen angehe, so habe die Minderheiten­beschwerde der deutschen Regierung keinen An- laß gegeben, diese Fragen aufzuwerfen. Er be­trachte es aber als Feigheit, wenn er nicht bei dieser Gelegenheit dargelegt hätte, wie das deutsche Volk über die Ost frage denkt. Eine offene Aussprache sei notwendig, wenn, solche Fragen auftauchen. Er erinnere an ein Wort Briands, der auf der letzten Völker­bundstagung gesagt habe, dah der Völkerbund auch an unbequemen Fragen nicht Vorbeigehen dürfe. Er wiederhole aber seine heutige Er­klärung, daß das deutsche Volk seine politi­schen Ziele nur auf friedlichem Wege

und auf Lein Vertragsboden zu er­reichen strebe. Die Vorfälle, über die die deutsche Regierung und der Deutsche Volksbund Be­schwerde führten, seien nur ein Glied in der langen Kette der Entdeutschung. Seit 1919 seien dreiviertel Millionen Deutsche aus Polen verdrängt worden.

Er habe mit Genugtuung festgestellt, daß der polnische Außenminister eine Verletzung der Bestimmungen der Artikel 75 und 83 der Gen­fer Konvention zugegeben habe, dah eine Reihe von Verfahren eingeleitet sei und dah beab­sichtigt sei, Schadenersatz und Sühne zu leisten. Aber das genüge nicht. Es müsse auch für die Zukunft gesorgt werden, dah solche Dinge sich nicht wiederholen. An der Frage der Aufstän­dischenorganisation und ihren Zusammenhang mit den Behörden könne man nicht vorüber­gehen. Der Völkerbundsrat müsse zu diesen Dingen Stellung nehmen.

Ialeskis Verteidigung.

In einer kurzen Entgegnung meinte Z a l e s k i, die deutschen Minderheiten hätten ja die Möglich­keit, sich an den Obersten polnischen Gerichtshof zu wenden, wenn sie glaubten, dah ihnen während der Wahl Unrecht geschehen sei. Als Beweis für die an­geblich minderheitenfeindliche Haltung der deutschen Behörden führte Zaleski eine Entscheidung des Breslauer Verwaltungsgerichtes vom 4. Oktober 1923 an, worin demSchulverein für Nieder­schlesien" die Errichtung von polnischen Minder­heitenschulen untersagt worden sei. Zaleski mußte sich allerdings durch einen Zwischenruf von Dr. Curtius belehren lassen, daß diese Entscheidung von der nächsthöheren Verwaltungsstelle sofort ausgehoben worden ist. Nach den Ausfüh­rungen Zaleskis vertagte sich der Völkerbundsrat auf morgen vormittag 11 Uhr.

Maulkorb für die deutsche presse in pofen.

Beschlagnahme des Posener Tageblattes wegen der Curtius Rede.

Neue Grenzverletzung in Oberschlesien.

Polnisches Militäraus Berschen" auf deutschem Boden.

Gleiwitz, 21.Ian. (TU.) Wie soeben bekannt wird, ist am Dienstagnachmittag in Oberschlesien eine neue Grenzverletzung durch Polen erfolgt. Eine größere Abteilung polnischer Infanterie aus Rybnik besichtigte (!) die Grenze in der Gegend von Pilchowitz im Landkreis Glei­witz. Dabei überschritt ein Teil der Trup­pen, und zwar etwa 20 Mann, d i e deutsche Grenze und geriet etwa fünf Meter auf deut­sches Gebiet. Nach einiger Zeit verließ das Militär wieder den deutschen Boden. Ein polnischer Zoll­kommissar erklärte deutschen Zollbeamten gegenüber die Grenzverletzung damit, daß er es verab­säumt habe, den Soldaten die Grenzlinie z u z e i g e n und sie beim Ueberschreiten der Grenze darauf aufmerksam zu machen. Die Ermittlungen über den Vorfall sind noch im Gange.

I Auch wenn es sich bewahrheiten sollte, daß die Soldaten tatsächlich in Unkenntnis der Grenzziehung deutsches Gebiet betreten haben, verdient der Vor­fall größte Beachtung. Es muß nachgeradezu als Herausforderung bezeichnet werden, daß im gegenwärtigen Zeitpunkt immer wieder derartige polnischeVersehen" vorkommen. Es ist nicht ein­zusehen, warum gerade jetzt wieder eine starke pol­nische Militärabteilung in unmittelbarer Nähe der deutschen GrenzeBesichtigun» gen" vornehmen muß. Zur Beruhigung der noch durch die letzten Vorgänge aufs äußerste erregten Bevölkerung tragen solche Vorfälle bestimmt nicht bei.

Kraftfahrer gegen die Steuer- plane der Regierung.

Berlin, 21. Ilan. (ERB.) Die Präfi- dialvertretung Berlin des ADAC, veranstaltete eine stark besuchte Protest Ver­sammlung gegen die geplante Reurege­lung der K r a f tf a h r z e ug steu e r , wie sie der Reichsfinanzminister in einer Denkschrift: niedergelegt hat. Der Steuerreferent des ADAC., Diplomingenieur F i l s e r, referierte über die Denkschrift des Reichsfinanzministers über die Besteuerung der Kraftfahrzeuge. Er faßte schließ­lich seine Ausführungen folgendermaßen zusam­men: Die Denkschrift des Reichsfinanzmini ste- riums über die Besteuerung der Kraftfahrzeuge> gefährde die Erhaltung und Weiter­entwicklung des Kraftfahrwesens auf das schwerste und schädige die Inter­essen der Wegbaupflichtigen. Sie ist nicht dazu angetan, dem wirtschaftlichen Aufbau Deutschlands zu dienen, sondern ihm schwer­wiegende Fesseln aufzuerlegen. Aus diesen Grün­den fordert der ADAC., daß der Reichstag den Schlußfolgerungen der Denkschrift nicht statt­gibt, sondern äußerstenfalls die Vorschläge des Reichswirtschaftsrats annimmt. Rach lebhafter Diskussion wurde in einer Re­solution gefordert: 1. Wegfall des Zuschlags der Pauschsteuer, 2. Wegfall des Svritzzwanges, 3. Herausgabe der Zollmillionen für den Wege­bau, 4. Senkung der Pauschsteuer und 5. Ra­tionalisierung des Wegebaues.

Pofen, 22.Ian. (WTB. Funkspruch.) Das PosenerTageblatt ist auf Anordnung des polnischen Polizeidirektors beschlagnahmt worden, weil das Blatt die Rede des deut­schen Außenministers Dr. Curtius im Völkerbundsrat in Genf über die Minderheit­frage auszugsweise veröffentlichte. Die übrigen Blätter in Polen durften die Rede brin­gen. Das Posener Tageblatt muhte noch einmal gedruckt werden. Um eine neue Beschlagnahme zu vermeiden, will das Blatt nunmehr die für die Minderheit seht wichtige Rede des deutschen Außenministers nicht mehr bringen, zumal da, wie erinnerlich, die Druckerei der Leitung schon vor den Wahlen sieben Wochen ge­schlossen war und somit einen sehr schweren wirtschaftlichen Sachschaden erlitten hat.

Oie pariser presse zum Rede­duell Emtius-Zaleski.

Paris, 22.Jan. (WTD. Funkspruch.) Die Morgenpresse berichtet eingehend über die gestri­gen Verhandlungen des Völkerbundsrats. Allge­mein wird die ritterliche Art anerkannt, mit der Dr. Curtius seine gut begründeten Anträge gegen Polen geltend gemacht habe. Allgemein wird auch der Erwartung Ausdruck verliehen, daß heute eineDeutschland befriedigen Le Form gefunden werde, um der Kontroverse ein Ende zu bereiten ober sie doch in eine Dahn zu lenken, dje der Atmvspäre In Genf entspreche. Der in Genf weilende Auhenpolitiker desPetit Pari- rsien" erklärt, der Waffengang zwischen Dr. Cur­tius und Zaleski habe in keinem Augenblick das Einsehen eines Duells auf Leben und Tod ange­nommen. Die beiden Minister hätten unverän^rt 'eine fast akademische Haltung bewahrt. Curtius habe entgegen den Aufforderungen der Rationalsozialisten seinem Talent nicht Gewalt angetan. Er habe das Saxophon, ja sogar die kleine Trompete in der Garderobe ge- lasse n. DasPetit Journal" meint, ange- sichts der Atmosphäre, die gestern in Genf ge­herrscht habe, sei es nicht erstaunlich gewesen, dah der deutsch-polnische Konflikt über die Zwischen- fäfie in Obersch'e.ien gemildert würde.

Erstes Echo in Berlin.

Berlin, 21. Ian. (CNB.) Die Berliner Abend­blätter berichten ausführlich über die Rede des Außenministers im Völkerbundsrat. In den Kom­mentaren, die zumeist von den Genfer Vertretern der Blätter stammen, wird den Ausführungen des Ministers allgemein 3 u a e ft i m m t. Soweit zu der Antwortrede des polnischen Außenministers Zaleski Stellung genommen wird, wird die Hinein- Ziehung des Reichspräsidenten von Hindenburg und dessen Gegenüberstellung als Ehrenmitglied des Stablhelms mit dem Vorsitzen­den der polnischen Aufständischenverbände Gra- czynski aufs schärfste zurückgewiesen, da er der Ehre und Würde des Reichspräsidenten zu nahe trete.

Die Rede des deutschen Außenministers findet auch in der Rechtspresse grundsätzliche An­erkennung. DieDeutsche Tageszeitung" betont, daß die Anklage es an Deutlichkeit und Scharfe nicht fehlen lasse. DerL 0 k a l a n 3 e i g e r" schreibt, man kann den meisten Ausführungen nur juftimmen. Beide Blätter geben jedoch der Ansicht Ausdruck, daß Dr. Curtius an einzelnen Stellen die deutschen Forderungen hätte schärfer umreißen sol­len. Auch dieB ö r s e n z e i t u n g" ist der Ansicht, daß die Rede zweifellos starken Eindruck gemacht habe. Allerdings scheine die Sorge berechtigt, in welchem Umfange es gelingen werde, nun auch wirklich praktische Folgerungen zu erreichen.

DieGermania" fordert, daß der Rat jetzt Farbe bekennen müsse, wenn Deutschland Interesse an weiterer Mitarbeit haben solle. Wenn der Völkerbundsrat schweige, werde Deutschland seine Forderungen bei den Unterdrückern durch­kämpfen müssen. DerB ö r s e n - C 0 u r i e r" be­zeichnet als einen besonders glücklicken Abschluß der Rede die Zurückweisung der polnischen Behauptung, daß die deutsche Revisionsanmeldung, die auch von Warschau nicht geleugneten schweren Verfehlungen verschuldet habe. Der Rat werde fein Augenmerk in erster Linie auf das Zusammenwirken der pol­nischen Behörden mit den Aufständischen und die Bestrafung der schuldigen Beamten zu richten haben

Abschluß der Europa-Konferenz.

Ein Zrie-enSmanifest. Die Arbeiten zur Behebung -er Agrarkrisis.

Genf, 21.Jan. (WTB.) Die zweite Europakon­ferenz hat heute ihre Arbeiten beendet. Die nächste Tagung findet im Mai statt. Die Außenminister von Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Ita­lien hatten einen Vorschlag eingebracht, den Briand der Konferenz mit dem Hinweis vorlegte, es handele sich dabei um eineuropäisches Manife ft". Der Vorschlag, der einftimmig angenom­men wurde, lautet:

Wir haben in den letzten Tagen mehrfach die Probleme geprüft und besprochen, die sich unsere Regierungen stellten, und wir sind uns dabei klar geworden, daß eines der Hindernisse für den wirtschaftlichen Wiederaufbau in dem Mangel an vertrauen in die Zu­kunft und in der Unruhe liegt, die über d i e politische Lage herrscht. Diese Un­ruhe ist vermehrt worden durch verschiedene von unverantwortlichen Kreisen verbreitete Ge­rüchte über d i e Möglichkeit eines Weltkrieges. Wir erkennen an, daß augen­blicklich in Europa politische Schwierig­keiten bestehen und daß sie noch durch die Unbeständigkeit und die wirtschaft­liche R 0 t l a g e, die sich aus der allgemeinen Krise ergibt, vermehrt worden sind. Das beste, was wir zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage tun können, ist, keinen Zweifel an den Bestand des Friedens in Eu­ropa aufkommen zu lassen. In unserer Eigenschaft als Außenminister oder verantwort- lidjc Vertreter der europäischen Staaken er­klären wir, daß wir mehr denn je ent­schlossen sind, uns des Mittels des Völker­bundes zu bedienen, um jede Anwendung von Gewalt zu verhindern."

In der Schlußsitzung wurden weitere fünf Ent­schließungen angenommen, in denen die künf­tigen Arbeiten, die bis Mai durchgeführt

werden sollen, feftgelegt sind. Die Entschließunaen beziehen sich hauptsächlich auf landwirtschaft­liche Fragen. Die Konferenz beschloß:

1. Die Frage Les Absatzes des sofort verfügbaren Getreide Überschusses einem Ausschuß zur Prüfung zu überweisen, der aus Vertretern der interessierten Export- und Importstaaten Zentral- und Südosteuropas zu­sammengesetzt wird. Der Ausschuß wird von Briand einberufen. Seine Beschlüsse finden ohne weitere Mitwirkung der europäischen Konferenz sofort Anwendung.

2. Zur Prüfung der Frage, wie allgemein die künftigen Getreideüberschüssc in Europa abgesetzt werden sollen, fetzte die Konferenz ein Elferkomitee ein, das beauftragt ist, mit Unterstützung der technischen Organe deS Völkerbundes und des Internationalen Landwirt­schaftsinstituts in Rom alle zollpolitischen Fragen zu untersuchen, welche zur dauernden Absahre- gelung beitragen können.

3. Für die Agrarkredite wurde eben­falls ein Ausschuß gebildet: er wird die finan­zielle und juristische Leitung des Problems der Agrarkredite zu studieren haben. 3m Mai hofft man soweit zu sein, dah dem Völkerbundsrat ein genaues Ausführungsprogramm mit kon­kreten Vorschlägen unterbreitet werden kann, das der Völkerbundsrat prüfen und sofort in Kraft setzen soll, sofern et einen dahin­gehenden Beschluß faßt.

4. Die europäische Konferenz fordert alle Mit­glieder auf, die Genfer Handelskonven­tion vom März 1930 sobald wie möglich in Kraft zu sehen und die auf der zweiten Zoll- friedenskonfevenz im Rovernber v. I. angereg­ten zweiseitigen handelspolitischen Verhandlun­gen aktiv zu betreiben.

5. Die Konferenz fordert den Generalsekretär auf, der Maitagung den Bericht über die Ar­beit s lo f i g ke i t und ihre schweren Folgen für die europäische Wirtschaft vorzulegem

Zusammenstöße im Haushastsausschuß.

Subvention für -en Lahnbergbau. Konflikt zwischen Sozial-emokraten und Nationalsozialisten.

Berlin, 22. 3 an. (Ddz.) Der Haush alts- ausschuß des Reichstages befaßte sich im Rahmen der Beratungen über den Haushalt des Reichswirtschaftsministeriums mit der Frage der Subventionierung des Kupferschie­ferbergbaues der Mansfeld AG.

Aba.Reinhardt (Rat.-soz.) beantragte als Berichterstatter, dieser Vorlage zuzustimmen. Rach der Vorlage geben Reich und Preußen je zur Hälfte für die Dauer von zwei Jahren einen Iah res zu schuh voninsgesamt 5,6 Mil­lionen Lui art zur Deckung oes jetzt bestehen­den Jahres Verlustes, während der Rest von 1,3 Millionen Mark von der Mansfeld AG. getragen wird. Reich und Preußen gewähren je zur Hälfte einen weiteren Betrag von 1,4 Mil­lionen Mark jährlich für die Verbesserungen und Erneuerungen der Detriebseinrichtungen. Die Mansfeld AG. übernimmt jeden Ausfall, der durch ein Sinken des Kupferpreises unter 10,50 Cents je Kilogramm entstehen sollte.

Mit allen gegen die Stimmen der Kommu­nisten wurde die Subventionierung des Mans- felder Kupferbergwerks genehmigt. Ange­nommen wurde bann noch ein Antrag des Abg. Reinhardt (Ratsoz.), demzufolge zur For­derung des Ei senbergbaues an Sieg, Lahn und Dill einschließlich Ober Hessens indgefamt 570 000 Mk. in den Etat eingestellt werden sollen.

In ber Nachmittagssitzung des Haushaltsaus- schusses würbe ber Iustizetat beraten.

2Ebg. Dr. Rosenfeld (Soz.) meinte, in ber rnchsgerrchtlichen Rechtsprechung zum Hochverrat

habe sich trotz aller Bemühungen nichts ge­ändert. Endlich habe man einmal einen Pro­zeß w e g e n nationalsozialistischer hochverräterischer Betätigung cinge- leitet; aber wie ganz anders habe sich biester Prozeß abgespielt, als die üblichen Hochverrats- Prozesse gegen die Kommunisten! In diesem Pro­zeß wurden des Hochverrats Verdächtige als Zeugen vernommen. Der Höhepunkt war, als man dem Hochverräter Hitler das große Wort verstattete. (Zuruf von nationalsozialistischer Seite:Das wird Ihnen teuer zu stehen kom­men!" Abg. Biedermann (Soz.):Was soll das heißen?") Das sind die üblichen Drohungen, die wir schon gewohnt sind und über die wir uns schon gar nicht mehr aufregen.

Abg. Schwarz (Nats.): Die Beleidigungen, die Abg. Dr. Rosenfeld gegen unseren Führer ausge­sprochen hat, können uns nicht berühren. Um so weniger, als die Partei des Redners bekanntlich seit Jahrzehnten Hockverrat getrieben hat. (Abg. Groß­mann (Soz.):,, Gibt es denn keinen Vorsitzenden? Elende Verleumdung!") Der Redner erinnerte dann an die verschiedenen Verfolgungen, die die National- sozialisten durch die Republik zu erleiden hätten, insbesondere an die Art, wie berFememörder Fahlbusch" nach Deutschland gelockt worden ist. Die­ser Mann habe treudeuttch seine Pflicht erfüllt. (Zu­rufe links:Eine nette Pflicht, die Ermordung eines anderen!") Wir brauchen keine nationalsozialistische Zellenbildung in der Reichswehr. Daß sich in der Reichswehr Kreise bilden, die mit uns sympathi­sieren und mehr und mehr zu uns kommen, das ist die Folge der Politik ber Republik.

Abg. Keil (Soz.) fragte zur Geschäftsordnung den Vorsitzenden, warum er den Abg. Schwarz wegen seiner Beleidigrmgen nicht zur Ord­nung gerufen hätte.

Vorsitzender Abg. Reinhardt (Rats.) er­widert, diese Beleidigungen seien erst bie Folge ber Beleibigung des Partei­führers Adolf Hitler durch Abg. Dr. Rosenfeld gewesen.

Abg. Landsberg (Soz.): Adolf Hitler ist kein Reichstagsabgeorneter!

Vorsitzender Reinhardt: Das ist gleichgül­tig. Wer Adolf Hitler beleidigt, beleidigt uns.

Abg. Keil (Soz.) erklärt hierauf, daß die sozial­demokratischen Ausschußmitglieder unter diesem Vorsitzenden nicht mehr tagen und den Saal ver­lassen würden.

Abg. Sch etter (Zentr.): Wenn eine so große Fraktion, wie die sozialdemokratische, an den Aus- schußoerhandlungen nicht mehr teilnehmen will, so halten wir eine weitere Verhandlung für nicht mehr ersprießlich. Aus diesem Grunde wollen auch wir nicht mehr weiter verhandeln.

Hieraus ruft-ber Vorsitzende, Abg. Reinhardt (Nats.), den Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.), den Abg. Großmann (Soz.) und den Abg. Schwarz (Nats.) zur Ordnung.

Es wurde eine Pause verabredet, um seftzu- ftellen, ob die Sozialdemokraten in den Aus­schuß zurückkehrten. Rach Ablauf dieser fünf Minuten stellte sich heraus, daß die Sozial­demokraten es ablehnen, unter dem national- sozialistischen Vorsitzenden weiter"Hu-^agen.

Abg. Wegmann (Zentr.) stellte den An­trag, die Sitzung abzubrechen und die Be­ratungen am Donnerstagvormittag fortzusehen. Der Antrag wurde mit 13 zu 9 Stimmen ab­gelehnt.

Als nunmehr der Vorsitzende die sachliche Be­ratung fortführen wollte, verliehen die Ver­treter der Deutschen Volkspartei, des Zentrums, der Bayerischen Volkspartei und der Wirt­schaftspartei den Saal, so daß die Sitzung wegen Deschlußunfähigkeit abgebrochen wer­den muhte. Rächste Sitzung Donnerstag.

Oie Bergung

-er Toten von -er Bene-iktenwan-.

Benediktbeuern, 21. Ian. (WTB.) Di« Leichen der sieben tödlich verunglückten Landes«, Polizisten, die mit Schlitten nach Lenggries gebracht wurden, wiesen äußerlich kaum eine Ver­letzung auf. Nur bei einem der Verunglückten wurde ein Beinbruch festgestellt. So ist wohl anzunehmen, daß die Verunglückten in den Schneemassen e r stickt sind. Die Berguna der ersten Toten erfolgte gegen 1.30 Uhr. Vier Mann wurden um 3 und 4 Uhr geborgen. Erst gegen 5.30 Uhr gelang es, den letzten Toten zu finden. Die Schneemassen, die auf den Verschütteten lagen, waren teilweise 3 b i s 5 Meter tief. Das Befinden des verletzten Wachtmeisters M ö f l e ist als e r n st zu bezeicknen. Durch besondere Umstände wurde vor dem sicheren Tode ein Landespolizist bewahrt, der auf der Hütte zurückbleiben mußte, da seine Hose zerrissen war; ebenso entging auch ein Leutnant dem sicheren Tode, der noch einmal umgekehrt war, um seinen Photographenapparat zu holen. Die Ret­tungsarbeiten wurden durch den Umstand sehr er«, schwert, daß auf der Landespolizeihütte weder Schaufeln, noch Hacken vorhanden waren.

Oie Wetterlage.

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Wettervoraussage.

Der Schwerpunkt des kontinentalen Hochdruck­gebietes ist südöstlich nach Polen gewandert. Infolge­dessen wurde die aus ihm ausfließende kontinentale Luft wetterwirksam, und die gestern an der Südseite der Islandstörung vorgedrungene Warmluft bereits zurückgedrängt.. Dementsprechend zeigen die Morgen­temperaturen über Deutschland bereits allgemeinen Rückgang, und zwar derart, daß sie im westlichen Teil und in unserem Bezirk noch bis 2 Grad über Null und nach dem Osten zu schon bis 17 Grad unter Null zurückgegangen sind. In Königsberg zeigte das Thermometer heute morgen17 Grad an. Der hohe Druck und feine kontinentale Luft bestimmen die nächsten Tage die Wetterlage, so daß, von einzelnen Nebel- oder Dunstbildungen abgesehen, die Bewöl­kung zurückgeht und somit die Ausstrahlung wieder gefördert wird, was zu trockenem Frostwetter führt.

Aussichten für Freitag: Liebergang zu Frostwetter, stellenweise neblig und bewölkt, sonst vielfach klar und aufheiternd, trocken.

Amtliche Wintersportnachrichten.

Vogelsberg, Hoherodskopf: Rebel, 2 Grad, 25 cm Schnee, Beschaffenheit ver­harscht; Sportmöglichkeit noch vorhanden.

Schwarzwald, Ruhr st ein: Klar, 3 Grad, 30 Zentimeter Schnee, der Schnee ist mit Rauhreif bedeckt; Sportmöglichkeit für Ski und Rodeln gut.

Alpen, Garmisch -Partenkirche in 3 Grad, klar, 20 cm Schnee, verharscht; Ski und Rodeln gut.