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Gedenkt der hungernden Kinder!

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Städtische Nothilfe ^SZ0.

Insulanerin. Der Marineverein Gießen hat von seinem langjährigen Ehrenmitglied, Kapitän Schmehl, Regierungsrat bei der Admiralität in

50; junge Hähne 90 bis 1,20; Suppen - 90 bis 1,20; Gänse 1,00 bis 1,10; Nüsse

Aus der Provmzialdouptstadt

Gießen, den 22. Januar 1931.

Oie Tage werden länger.

Seit der Wintersonnenwende sind nun schon wieder einige Wochen ins Land gegangen. Wer seinen Kalender eifrig studiert, der sand von diesem Tage auch wirklich schon Minutenzahkn, die beweisen sollten, diaß die Sonne wieder länger auf unsere nördliche Halbkugel herab- scheine und damit die Tage länger mache. Aber wir Menschen können nicht so sehr auf Minuten unser Augenmerk lenken, weil wir in unserem Getriele mit- oder gegeneinander uns die klein­sten Zeitspannen abringen müssen.Keine Zeit", das ist ja das Schlagwort der Gegenwart. Und erst recht keine Zeit für die Beobachtung der Natur.

Lind doch, der Kalender hat recht, wenn er uns klipp und klar nachweist, daß wir langsam wieder den lichterfüllten Zeiten ent­gegengehen. Don Tag zu Tag eine oder zwei Minuten mehr nach Adam Niese muh das schassen, muh das langsam Stunden ergeben. Jetzt sind wir auch so weit, dah^oir einschen, wie richtig die Herren Astronomen das ausgerechnet haben. Schon wird es des Morgens um eine Viertelstunde srüher hell, schon dehnt sich her Tag um eine gleich lange Frist aus. In den Straßen brennen die Laternen um diesen Zeit­abschnitt später, in den Häusern kann man die Dämmerstunde, dies ch u m m e r i g e S t u n d e" um eine Kleinigkeit ausdehnen, lind der regel­mäßige Spaziergänger bemerkt mit Genugtuung, daß er in diesen Tagen sich wieder ein paar Schritte weiter hinauswagen kann, ohne in die Finsternis der Felder oder Wälder zu geraten.

Derartige Beobachtungen können wir jetzt machen. Aber es sind leider ost die einzigen, die iinä nnefi etwas sagen. Erzählen darüber.

Heinrich Hub. Sonntag, 14.45 Uhr, letzte Märchenvorstellung©olbmaric und Pechmarie" zu ganz kleinen Preisen (0,30 bis 1,50 Mk.). 18.30 UhrDer Kaiser von Amerika" als Frem­denvorstellung. In Vorbereitung das Lustspiel des Oesterreichers KamareBeinen aus Irland".

Das Lichtspielhaus, Bahnhof­straße, schreibt uns: Am Sonntag, 25. Ja­nuar, 11 illjr, läuft ein Lisa-KulturfilmJun­gens". Eine deutsche Zungengruppe hat den Film aus einer Wanderung durch Griechenland ausgenommen. Durch einen Dries wurde den Zungens der Zutritt zu den Klöstern des Hei­ligen Berges Athos bewilligt. Trotz des stren- gen Verbotes waren sie in der Lage, Film­aufnahmen zu machen. Es sind die ersten nahmen aus dieser phantastisch-schönen einzigartigen Mönchsrepublik. (Näheres

Hühner 90 bis 1,20; Gänse 1,00 bis 1,10; Nüsse 50 bis 60; Käse 10 Stück 60 bis 1,40; Tauben 70 bis 80; Eier 14 bis 15; Blumenkohl 40 bis 1,00; Salat 25 bis 30; Obcrkohlrabi 8 biS 10; Lauch 5 bis 10; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 biS 50; Endivien Pfund 80 biS 90: Kartoffeln Zentner 2,50 biS 3,00; Weißkraut 7,00 bis 8,00; Wirsing 10,00 biS 12,00; Rotkraut 9,00 biS

biS 1,50; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 8 biS 10; Meerrettich 30 biS 60; Schwarzwurzeln 30 bis 50; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepse. 30 biS 45;

20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35: Honig

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Oeutschiumsnot in Ungarn.

Llngarisch-deuische Schicksalsgemeinschast. - Sabotage der ungarischen Minder- heitengesehe. Oer Fall Mühl.

waS in der Natur geschieht. Wir sind eine nüch­terne Welt von Rechnerseelen geworden; den meisten unter uns ist an der ganzen Erscheinung der zunehmenden Lichtfülle nur die eine Sache bemerkenswert, daß die Rechnungen für GaS oder Elektrizität langsam wieder auf ein erträglicheres Maß zurückgesührt toerben. Ein Jammer ist daS chon mit bem Stadtmenschen, der alle- Natur- geschehen nur auf seine Zweckmäßigkeit und Nütz- ichkcit hin betrachtet.

Aber wird sich der Mensch ändern? Diel Hoffnung braucht man daraus nicht zu ver- chwenden. Frühling. Sommer, Herbst und Win­ter, der gottgewollte Wechsel der Zahreszeiten, hat dem Städter leider nicht viel zu sagen. Er schafft sich künstliche ZahreSzeiten, will im Winter m angenehm erwärmten Hallen Tennis spielen und im Sommer auf künstlicher Dahn sich des Eislauf- erfreuen. Don der Natur aut Unnatur! Zn der Zeit der Schlagworte erscheint es an­gebracht, eine Redewendung der Alten hervor­zuholen, das Wort von derRückkehr zur Natur!"

E. W.

Gictzcner Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Kochbutter Pfund von 1,00 Mk. an; Butter 1,30; Matte 30 bis 35; Wirsing 15 biS 20; Weißkraut 10 bis 15; Rotkraut 15 biS 20; gelbe Rüben 10 bis 15; rote Rüben 10 bis 15; Spinat 35 bis 40; Unter-Kohlrabi 5 biS 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 35 bis 40; Feldsalat 1,20

Ein kleiner Ausschnitt nur aus dem Leben der Deutschen in Ungarn, aber, wie gesagt, schlaglicht- artig kennzeichnend, in welchem Maße dem ungar- ländischen Deutschtum, trotz der erlassenen schönen Gesetze, vom Staatsvolk noch immer die veroriesten Rechte vorenthalten werden. Der Fall Mühl ist mehr, als die unglücklich ausgegangene Eb affäre eines Provinzarztes, als ein örtlicher Streit

zwischen Akademikern. Hier ist ein Märtyrer ge­macht worden. Und es ist an der Zeit, offen aus­zusprechen, daß der Rechtskampf, den die unga­rischen Minderheiten draußen führen, durch diese intransigente Haltung der Ungarn im eigenen' Lande schwergeschädigt wird, und daß d ese Haltung zwangsläufig auaj die ehrlichen Sym­pathien mindert, die das deutsche Dolk für Ungarn und sein Schicksal empfindet. Es läge vor allem im Zntereffe der Ungarn selbst, wenn sie den deutschstömmigen Mitbürgern, die, wir heben das ruxf> einmal hervor, stets bewiesen haben, daß sie gerade als Deutsche gute ungarische Staatsbürger sein können und wollen, endlich fo behandeln, wie es dem Gesetz und der Anstands­pflicht eines zivilisierten Staates entspricht. Das ist auch die Voraussetzung für eine gemeinsame Front im Minderheitenkampf. WaS in Donyhad gefdjalj, war eine Angelegenheit von europäischer Bedeutung.

Deutsche und Ungarn kämpften im Kriege Seite an Seite. Deutsche und Ungarn erlitten das gleich« Friedensdiktat der Gewalt. Zenseits der unga­rischen Staatsgrenzen sind ungarische Minder­heiten einem ähnlichen Schicksal ausgesetzt, wie jenseits der deutschen Staatsgrenzen deutsche Min­derheiten. Ungarisch-deutsche Schick, alsgemein- schaft also, aufgebaut auf Kriegskameradschaft und nachkriegszeitlicher Entrechtung. Dies zuvor.

Znnerhalb der ungarischen Staatsgrenzen woh­nen mehrere Hunderttausend unga- rischeStaatsbürgerdeutschenDolks- tum 8. Zhrc Anhängl^krit an ihr Da.erland Un­garn ist unbestreitbar; sie bewährten sich nicht zuletzt in der Verteidigung Ungarns im Kriege. Zhre Verpflichtung an den Staat aber war ihnen nicht minder selbstverständlich als ihr Wille, auch als treue ungarische Staatsbürger ihre deutsche Sprache und deutsche Art zu erhalten. Der unga­rische Staat hat diese Treue seiner deutschstäm­migen Bürger oft au f harte Proben ge­stellt. Er suchte seine Minderheiten zu assimi­lieren, auch die Deutschen und warf jenen Männern, die Sprache und Art ihrer Volksge­nossen zu erhalten suchten, Mangel an Loyalität gegenüber dem Ungat tum undPa ngermanismus" vor. Aber wenn es ihm auch gelang, einen Teil der deutschen Oberschicht zu entnatior.alisieren und vor allem die aufstrebenden Bauernsöhne zu ma- gyarisieren, da8 dcnitsch-schwäbische Bauerntum in Ungarn als Ganzes war nicht au entwurzeln.

Mit Kriegsende offenbarte sich die Fragwürdig­keit einer Minderheitenpolitik, die den Rechten des VolkstumS nicht Rechnung getragen hatte; zweifellos wäre in den durch das Diktat von Tri­anon von Ungarn abgetrennten Gebieten der Wi­derstand gegen die Abtrennung stärker gewesen, wenn Ungarn die Dolksrechte seiner Minderheiten besser geachtet hätte. Die Notwendigkeit aber, nunmehr nach dem Kriege eine solche ge­rechte Volkspolitik durchzuführen, trat um so schärfer hervor, als die vom Mutterland« abge­trennten ungarischen Gruppen ihrerseits von Tschechen, Rumänen und Südslawen die Anerkennung ihrer Volksrechte forderten. Maßgebende ungarische Politiker rückten von der Dorlriegspvlitik ab und forderten grundsätzlichen Mandel, nicht zuletzt Graf Al­bert Apponyi.

Obschon die Behandlung, die Ungarn seinen Deutschen in den ersten Nachkriegsjahren ange­be hen ließ, dieser N ttocnbig5cit nicht entsprach, ja. die Assimilationsversuche, insbesondere auf fchulpolitifchem Gebiet, nicht aufhörten, hielt sich die reichsdeutsche Oeffentl.chkeit, der deutsch-unga­rischen DchicksalSveroundenheit bewußt, in ihrer Kritik immer wieder zurück, wenn es auch an einzelnen warnenden Stimmen nicht fehlte. AlS dann endlich die ungarisch« Regierung die Zni- tiative ergriff und die Volksr«hte der Ungar- deutschen In vielbesprochenen Verordnungen ver­ankerte, wurde diese Tatsache in Deutschland als grundsätzliche Aenderung des bisherigen Kur­ses freudig begrüßt. Trotzdem wurden leider diese Grundlagen in der Praxis der Lokalbehörden viel­fach nicht durchgeführt, zuweilen bewußt sabotiert. Daß ferner die ungarische Ge­sellschaft den Deutschen, sofern er sich nicht alS hundertprozentiger Ungar gibt, (das heißt: den Gebrauch der deutschen Sprache in Schule und öffentlichem Leben nicht preisgibt) alsPan- germanen, als Verräter von Staat und unga­rischer Ratirn brandmarkt, kennzeichnet die Lage, in ter sich das Deutschtum noch immer in Un­garn befindet.

Zn einem Neujahrsgufsah, der im Budapester Sonntagsblatt" erschienen ist, hat bet Führer des ungarländischen Deutschtums Ptose sor Bleyer bleie Lage dahin zusammengefaßt:Die Frage des ungarischen Deutschtums ist aus dem Gesichts­punkte der Regierungspolitik und der ungarischen Gesetzgebung im großen und ganzen gelöst, nicht aber aus dem Gesichtspunkte der un­garischen Gesellschaft. Hier bleibt noch vieles und, wenn wir das Wesen betrachten, fast alles zu tun übrig!" Dieser Feststellung schließt sich eine Aufzählung der vielen Schikanen an, unter denen das Deutschtum in Ungarn nach wie vor leidet. Denn die ungarische Gesellschaft wünsche, so bemerkt Professor Bleyer weiter, die Assimilierung des Deutschtums in Ungarn und die deutsche Bewegung, wie sie un DoläbildungSverein und namentlich imSonn­tagsblatt" zum Aufdruck komme, sei ihr nur dar­um verhaßt, weil diese zwar den wahren unga­rischen Patriotismus in edelster Weise pflege, aber bet Assimilierung natürlicherweise entgegenwirle.

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Berlin, als Wandschmuck für sein neues Marine« beim das Baströckchcn, zugleich Baükleid einet Süd (ce.QnfuIancrin, zugcschickt bekommen. Kapitän Schmehl hat das Röckchen von einem australischen Zollbeamten vor kurzem erhalten. Der Zollbeamte, der auf einer Südseeinsel wohnt, war ein ehemalt gcr (Befangener des HilfskreuzersWolf" und bat das Paket unter Beifügung eines Briefes aefanbt, in dem er sich herzlichst bedankt für die anständige und gute Behandlung, die ihm als Gefangenem a» Bord desWolf" unter den schwierigsten Verhält­nissen zuteil geworden war. Die Kaurimuscheln am Baströckchen sind das Geld der Südseeinsulaner. Da» Kleid ist in dem Schaufester der Gärtnerei Georg, Gießen, Seltersweg 35, ausgestellt.

Versuchter Autodi«bstahl. Zn der letzten Nacht wurde aus der Garage des Fa­brikanten Poppe nach Aufbrechen bet Da- ragentür bas Personenauto von Spitzbuben bis zur Wilhelmstraße verbracht. Als dort der Mot« trotz aller Bemühungen der Einbrecher nicht an* sprang, mußten sie den Kraftwagen wohl oder übel im Stich lassen. Heute früh wurde er ht der Wilhelmstraße aufgcsunden unb seinem Eigen­tümer wieder zugestellt.

Vergebliche Einbruch-Versuche wurden in der Zigartensabtik von K l i n g s p o » in der letzten Nacht au-geführt. Der Sin- btecherbesuch gelangte zunächst in einen Kartoffel* keilet, wo nicht- nach den Wünschen der Ein­brecher zu holen wat. Dann versuchten die Kerle an der Außenseite eineS Lagergebäudes durch Wegbrechen von Maue.steinen sich Zugang zum Lager zu verschaffen, aber auch hier war ihre Mühe vergebens. Sie setzten die Steine wieder in die gebrochenen «L>effnungen «in und verschwanden dann. Die polizeilichen Nachfor­

schungen sind im Gange.

* Städtische Hol-versteigerung. Don der Stadtverwaltung wird darauf hingewie- sen, daß am Freitag. 2 3. b. M.. im Stabt- walb eine Brennholz-Derstcigeruirg stattsindet, bei der erstklassiges Buchenbrennholz, Derbstan­gen usw. zum Verkauf kommen. Die Steigerer treffen sich um 9,30 Uhr in der 11. Schneise am Krummen Weg. Auf die Bekanntmachung in der vorigen Samstags-Nummer sei nochmals auf­

erhielt soeben in der Praxis eine neue peinliche Bestätigung: durch den Fall Dr. Mühl. Dieser deutsche Arzt wurde in seiner Heimatstadt Donyhad von der ungarischen Gesellschaft txrr- fehmt, weil er sich für die Pflege der deutschen Sprache einsetzte; ja, man scheute nicht einmal davor zurück, ihn m seiner beruflichen Tätigkeit einzuengen und au schädigen. Dr. Mühl setzte sich die,em Kesseltreiben gegenüber zur Weht. Es kam zu einem scharfen Zusammenstoß mit seinem Hauptgegner Dt.Nikolaus von Gömbös auf offener Straße. Gömbös forderte Mühl. Dieser nahm an. Gömbös' Sekundanten bezweifelten dann Mühls Satikfaktionsfähigkeit. Das Ehrengericht, in dem die Ungarn in der Mehrheit waren, weil das Los ihnen den Vorsitzenden zugesprochen hatte, machten sich diesen Standpunkt zu eigen. Cs fällte also kraft Mehrheit ein Tendenzurteil und stempelte den Ehrenhandel zum hochpo­litischen Ereignis. Die beiden deutschen Ehrenrichter legten dagegen ihr Amt nieder, sie verweigerten ihre Unterschrift. Mit Recht deckte daher dasSonntagsblatt" in seiner letzten Aus­gabe die politischen Zusammenhänge auf, dar­legend, daß die ehrengerichtliche Entscheidung letzt­lich nur erfolgte, weilDr. Mühlsichzusei- nem.Dolkstumbekannte.

* llnioersitäts - Gottesdienst. Sonntag, 25. Januar, vormittags 11.15 findet in der Neuen Aula ein llnlverfitäts Gottesdienst statt. Die Predigt hält Professor D. Born kämm.

** Das Ballkleid einer Südsee -

schmerzlindernd

unb belebend bei Rheuma, tzöchla», ftopf«, Nerven- unb Erkaltung«. schmerzen, Crmübung tt Strapazen. In klpolhrtrn »nb Itoflcrka.»

merksam gemacht.

Schöffengericht Gießen.

Gießen, 21. Jan. Anfangs Dezember 1930 war in der Nähe Gießens ein großer Stroh- Raufen abgebrannt. Ein auf Wanderschaft befindlicher Handarbeiter stellte sich alsbald auf der Polizei und gab an, er habe durch unvorsichtige» hantieren mit feiner Pfeife den Brand verursacht. Heute behauptete er, feine früheren Angaben feien erfunden und nur zu dem Zwecke vorgebracht wor­den, für einige Zeit u n t e r z u k o m m e n. Mangels ausreichenden Beweises wurde er frei« gesprochen.

Ein Arbeiter au» dem Dogelsdery hatte einen Sack Mehl gestohlen. Da er eine Freiheits- träfe fürchtete, ging er auf fein Amtsgericht unb rüg dort den Richter, ob bei D i e b ft a h l auch eine 9 eldftrafe möglich fei. Er bekam die Auskunft, daß das selbstverständlich von den Einzelheiten des Falles abhange. Er schilderte dann seinen Fall, sprach für eine Geldstrafe unb meinteauf ein paar Pfund Butter ober Eier komme es ihm nicht an". Früher hatte er zu feiner Verteidi­gung erklärt, er habe damit lediglich sagen wollen, die Geldstrafe solle aus dem Erlös des von feiner Braut beabsichtigten Butter- und Eierhandels be­zahlt werden. Heute sprach er davon, er habe dem Richter Butter und Eier aus Dankbar- feit angeboten. Das Schöffengericht verwies die Sache an das Schwurgericht, da der Angeklagte des Verbrechens der R i ch t e r b e ft e ch u n g nach § 334 Abf. 2 StGB, dringend verdächtig fei.

Ein Schuhmacher unb Schuhhändler aus der Pro­vinz hatte kurze Zeit vor der Konkurseröffnung ver- fchiedenen Gläubigern fein ganzes Vermögen, be­stehend aus Warenlager unb Außenständen, über­eignet bzw. abgetreten. Wegen Gläubigerbe» günftiaung (§241 Konkursordnung) erhielt er 8 Tage Gefängnis, umgewandelt in 80 Mark Geldstrafe.

Ein auswärtiger Kaufmann hatte eine Berte!- lungssielle einer Margarinefabrik und soll dieser Gelder unterschlagen Haden. Die Beweisaufnahme ergab, daß der größte Teil des Fehlbetrags darauf zurückzuführen ist, daß der Angeklagte die Mar­garine vielfach kreditiert hat. Seine Behauptung, der Rest des Mankos fei auf Minderlieferung seitens der Firma zurückzuführen, war nicht einwandfrei zu widerlegen. Mangels ausreichenden Beweise» wurde er freigesprochen.

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Daten für Freitag, 23. Januar.

1806: der englische Staatsmann W. Pitt d.J. ge­storben; 1840: der Physiker Ernst Add6 in Eise­nach geboren.

Bornotizen.

Tageskalender für Donnerstag: Gießener Konzertverein, Symphoniekonzert, 19.30 Uhr, Stadttheater. Akademische Kurse für Kauf­leute und Gewerbetreibende: Prof. Dr. Mom- b ert überGrundfragen der Besteuerung und Steuerpolitik", 20.15 Uhr, im Hörsaal des Vor­lesungsgebäudes der Universität. Hochschulgruvpe des Stahlhelms: Vortrag von Dr. Ed. Stabiler im Cafä Leib, 20.15 Uhr. DHV.: Lichtbildervor­tragDas schöne Lahntal", 20.30 Uhr im Heim. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die drei von der Tankstelle". Astoria-Lichtspiele:Blockade".

S tadttheater Gießen. Man schreibt uns: Morgen, Freitag, 19.30 Uhr, die aktuali­sierte und völlig neu inszenierte Silvesterposse Robert und Bertram" unter der Regie von

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