— Orünberg. 19. Dez. Die hiesige 'M i t - t e I ft u ^«vereinig ung bcfcha tigte sich in ihrer jürgften Versammlung mit verschiedenen kommu.a.politischrn Fragen. 1L a. wurde stark« Ätilif geübt an den fortgesetzten beträcktlichen Ueberfchreitungen derVoranschläge bei städtischen Arbeiten, wie sie besonders bei der Kanalisation vorgekommen sind. Ohne auf dir Schuldfrage, ob durch unsachgemäße Arbeit oder mangelhafte Aussicht und unvollkommene Planung durch die Bauleitung, näher einzugehen, wurde die Erwartung ausgesprochen, bah Ltadt- verwal'.una und Gemeinderat Sorge dafür tragen, daß derartige Voranschlagsüberschreitungen, dir für die Gesundung der städtischen Finanzen eine grobe Gefahr bilden, in Zukunft vermiedenwerden. 3n diesem Zusammenhang wurde eS begrübt, dab beim Bau deS Schwimmbades der Bauleiter vertraglich durch Sicherheitsleistung an die Einhaltung deSVor- anschlagS gebunden ist. Hinsichtlich des Cntwur's eines Bebauungsplanes für die Höfetränke stand die Versammlung auf dem Standpunkt, diesen Platz als freien Platz bzw. Spielplatz zu belassen und ihn mit einfachen Mitteln nach der Ansicht eines Sachverständigen Herrichten zu lassen. In bezug auf den neu eingeführten Schwetnemarkt Im Monat Februar wurde dem Wunsche Ausdruck gegeben, den Markt wegen der Kälte vielleicht innerhalb der Stadt abhalten zu lassen. Als Plätze dafür wurden Krool und Reupforte vorgeschlagen. Die verschiedenen Anregungen wurden vom Vorstand als Erschließung an Stadtverwaltung und Ge- metnderat weitergegeben.
Kreis Alsfeld.
• Nieder-Gemünden, 20. Dez. Am Samstag v e r st a r b der langjährige Bürgermeister Karl Becker von hier. Er war in der Gemeinde sowie in der Umgebung allgemein bekannt und beliebt. Die Gemeinde verliert in ihm einen tüchtigen, pf'chttreuen Beamten, der jederzeit allen Gemeindegliedern mit Rat und Tat zur Seite stand.
preuhen.
Katastrophale Finanzlage des Kreises Wehlar.
WSR. Wetzlar, 19. Dez. 3n drr Haus - haltSausschuß-Sitzung des Kreistages Wetzlar entyüllte sich eine katast r o p h a l e Finanzlage dcS KrriseS Wetzlar. Htrvorgerusen durch starke Steuerrückgänge einerseits und daS Anwachsen der Dohlsahrts- erjer6Llofcn anderseits ist im Rechnungsjahr 1931 mit einem Fehlbetrag von über 0,5 Million Mark zu rechnen, für den eine Deckung nicht vorhanden ist. Der Kreis wird versuchen, durch Heraufschraubung der KreiL Umlagen und der Bürger - und der Bier st euer das von der Regierung geforderte Matz der Voraussetzungen zu erfüllen, die eine Anwartschaft auf eine Rotstands- beihi» fe deS Reiches geben. Das bedeutet eine neue starke Brlr'tung der Steuerzahler und dürste fccr.^* r* )t *4 wesentlich hö-errn.Sieurr- einnahmen s^hc.n, denn 6'c Steuern stehen bereits jetzt zu n grotzen Teil lediglich auf dem Papier, weil viele Gemeinden des Kreises mit hohen Erwerbrlofenzisfcrn so gut wie keine Steuern an die Kreiskasse abführen kö .nen. Berlin droht mit Repr salie, wenn die infolge d r Schwierigkeiten bei der Landesbank der Rhein'erooinz erhöhte Dirgersteuer nicht aufiommt. CS ist klar, so wurde betont, daß jede • »>crrung von Ueberweisungs- fteuern zum finanziellen Ruin des Kreises Wetzlar sühr.n muh. S> steht der Kreis Wetzlar nm 3ahreS:nde vor einer sehr bedenklichen Situation, aus der ein Ausweg zunächst nicht zu erblicken ist.
Kreis t^cMar.
J Groß-Rechtenbach. 20. Dez. Die in den Gemeinden des Amte- Rettenbach Durchgeführte Winterhilfssammlung hatte folgende Ergebnisse: Dornholzhausen: 29 Zentner Kartoffeln, 4 Zentner Gemüse, 2 Psd. Fleisch, 4 Pfd. But
ter, 3 Ztr. Aepfel und 7L0 Mk.: SberSgöns: 14 Zentner Kartoffeln: Groh-Rechtenbach 15,40 Ztr. Kartoffeln, 4,10 Ztr. Gemüse, 4,10 Ztr. Obst und 10 Mk.: Hochelheim: 64 Ztr. Kartoffeln, 9 Ztr. Obst, 18 Ztr. Gemüse, 6 Kisten Handkäse, 5 Brote und 11.50 Mk.: Hörnsheim: 41 Ztr. Kartoffeln, 15 Ztr. Gemüse, 10 Ztr. Obst, 4 Pfd. Speck, 3 Pfund Wurst, 1 Pfd. Fett, 1 Topf Honig und 4 Mk., Klein-Rechtenbach: 32 Ztr. Kartoffeln, 12,5 Ztr. Obst und Gemüse, 15 Brote und 17 Mk. sdie Sammlung wurde durch die Ortsbauernschaft durchgeführt): Lützellinden: 49 Ztr. Kartoffeln, 17 Zentner Gemüse und 8 Ztr. Obst: Münchholzhausen: 11,50 Ztr. Kartoffeln, 7,50 Ztr. Gemüse, 2,50 Ztr. Aepfel, 5 Pfd. Fett, I Pfd. Reis und ein Quantum gelbe Rüben: Riederkleen: 35 Ztr. Kartoffeln, 9 Ztr. Obst, 6 Ztr. Gemüse und 4Mk.: Oberkleen: 30,85 Ztr. Kartoffeln, 7,70 Ztr. Gemüse, 6,55 Ztr. Obst und 7 Mk. Bargeld: Reiskirchen: 17,50 Ztr. Kartoffeln, 8,50 Ztr. Weihkraut und 1,50 Ztr. Aepfel: Vollnkirchen: 15,60 Ztr. Kartoffeln, 4,30 Ztr. Gemüse und 1,95 Ztr. Aepfel: Volpertshausen: 8 Ztr. Kartoffeln und 3r—4 Ztr. Gemüse: Weidenhaufen: 7 Ztr. Kartoffeln, 4 Ztr. Gemüse, 2 Ztr. Obst, 2 Pfd. Butter und 2 Mk.
# Dorlar. 20. Dez. Der rechts der Lahn gelegene Teil der hiesigen Gemeindejagd wurde neu verpachtet. Der Jagdbezirk brachte bei der Neu- Verpachtung 500 Mark jährlich ein, gegenüber der bisherigen Iahrespacht von 770 Mark. Pächter ist Fabrikant Ludwig Rinn (Heuchelheim).
Selbsthilfe der Landwirte.
WSN. Marburg, 19.Dez. Die Landwirte des Kreises Marburg haben beschlossen, bei Zwangsver st eigerungen von landwirtschaftlichem Besitz kein Gebot abzugeben. Alle Personen, die bei derartigen Versteigerungen Gebote abgeben, sollen geächtet werden.
Eine Diebesbande festgenommen.
WSN. F r a n k f u r t a. M., 19. Dez. Seit Wochen wurden in Frankfurt Geschäfte fyftematisch bestohlen. Die Diebe, die der Polizei bekannt waren, waren alte Zuchthäusler, die aber bisher nicht gefaßt werden konnten, da sie in einem Auw reiften und das Diebesgut sofort wegschafften. Jetzt aclang es, die Burschen zu fassen: sie haben bisher 31 Djeostahle zugeftanden. Einer der Diebe, der Schneider Emil Wettermann, hat bereits zehn Jahre im Zuchthaus gesesien.
SJi.-tfport
Fußball der Gießener Mannschaften.
Die Liga des VfB. weilte in Ockershausen und brachte einen Sieg mit nach Hause. Mit 4:2 sicherten sich die DsBer die Punkte. Die 3. Mannschaft hatte die 1. des DfR. Lich zu Cast und blieb in einem torreichen Treffen mit 8:6 Sieger.
Die So ieloereinigung 1901) hatte ihre unteren Mannschaften im Spielfeld. Die Liga war spielfrei. Die Liaareseroe spielte gegen eine kombinierte Mannschaft von Wieseck (2.) und behielt mit 6:4 Toren die Oberhand. Die 3. Mannschaft mußte gegen den gefährlichsten Rivalen, gegen die erste Mannschaft von Dutenhofen, eine Niederlage von 1:4 Toren hinnebmen. Die 4. Mannschaft kam kampflos zu den Punkten, da die 2. von Leihgestern nicht antrat Die 5. Mannschaft der Blauweißen mußte sich gegen eine kombinierte 2. und 3. Mannschaft von Lollar mit einem Unentschieden von 3:3 begnügen. Die 1. Jugend konterte die 1. Jugend von Wetzlar-Niedergirmes mit 6 0 Toren nieder. Die 2. Jugend verlor gegen die 1. Jugend von Germania Marburg 2:4.
Das Spiel der Handballmannschaft des VfB. gegen die 1. Handballmannschaft des To. Gardente.ch endete mit 5:5 Toren.
Fußball in HeffemHannover.
Die erwarteten Ergebnisse.
Der Sonntag brachte in der Oberliga in Hessen- Hannover auf der ganzen Linie die erwarteten Er- gebniffe, wenn man von dem unentschiedenen Ergebnis von 3:3 obsieht, das in der fRorbgru^pe Tura Kassel gegen den Spieloerein Kassel herausho.te: die Tura wird aber trotz dieses Gewinnpun'tcs kaum noch vom Abstieg zu retten (ein. Sport Kassel scklug Einbeck 05 5:1, der Tabellenführer Göttin- gen C5 bezwang SuS. Northeim „spielend" 6:1 und Gr.-Almerode konnte den Hersfelder Hessen nach einem 2:2 einen Punkt abnehmen. Noch wie vor führt Göttingen 05 mit 22:2 Punkten klar die Tabelle an, gefolgt von Sport Kassel mit 19:7 und Spielverein Kassel mit 18:8 Punkten. — 2n der Südgruppe bezwang Borussia Fulda erwartungsgemäß die Marburger Kurhessen mit 4:1, während der VfB Gießen sich in Ockershausen einen 4:2- Sieg holte. Borussia Fulda liegt mit 22:4 Punkten an der Spitze, während Germania Marburg mit 17:7 Punkten vor Hessen 09 Kastel (15:7 Punkte) den zweiten Platz hält.
Das erste Endspiel.
Einlrachl siegt In Main; leicht mit 4:1 (2:0).
Viel leichter, als man allgemein erwartet hatte, fieroann die Frankfurter Eintracht ihr erstes End- piel um die „Süddeutsche" in der Abteilung
Nordwest. Obwohl die Frankfurter mit Ersatz für Schütz und Leis nach Mainz fuhren, führten sie auf dem Schneeboden des Platzes am Fort Bingen doch ein großes Spiel vor. Die Frankfurter waren spiel- kulturell fast um eine Klasse bester, sie beherrschten das Feldspiel mit feiner Ballbehandlung und glänzenden Kombinationen. Erft als die Eintracht nach Treffern von Schaller und Mobs (drei) 4:0 in Füh- rung tagen und nun verhaltener spielten, kamen die Mainzer etwas mehr auf. Aber ihr Ehrentor erreichten sie auch nur durch eine Fehlentscheidung des Schiedsrichters Dr. Göhl-Mannheim, der ein aus klarer Abseitsstellung erzieltes Tor des Mainzer Linksaußen Postelmann anerkannte. Die 12000 Zuschauer, die mit einer Ueberraschung durch ihren Lokalmatadoren gerechnet hatten, waren enttäuscht, applaubierten aber schließlich doch das mitreißende Spiel der Frankfurter.
Punktkämpfe in der Gruppe Main.
Bei den Verbandsspielen der Gruppe Main stand am Sonntag weiter der Kampf um den zweiten Platz im Vordergrund des Interesses. Es gab eine neue Klärung zugunsten des Fuß- ballsportvereins Frankfurt, der in GrieSheim nach hartem Kampf 3:2 (1:2) gewann, während der bisher'.ge Labellenzweite Rct-Weiß Im Stadion durch Union Riederrad mit 3:5 (1:3) eine Riederlage bezog. Germania 94, dessen Abstieg bereits besiegelt ist, verlor zu Hause gegen Hanau 93 mit 3:4 (3:3). Hanau hat damit wertvolle Punkte gewonnen, die vielleicht Rettung vor dem Abstieg bedeuten können. Da'ür ist jetzt Heusenstamm wieder stark ge'Lhrdet, daS in Offenbach 0:2 (0:0) gegen die Kickers verlor. Isenburg und Bieber trennten sich mit einem 3:3 (1:0).
Turn- und Sportabzeichenprüfung im Eisschi ellaufen.
Da im Laufe dieses 3ahres die Bedingungen erleichtert worden sind, dürfte eS sich für manchen Kandidaten empfehlen, die Gruppen 4 und 5 auf dem Este abzulegen. Die geänderten Bedingungen lauten:
G r u p p e 4: 1570 Meter auf Renrschfittschuhen 3,40 Minuten: auf gewöhnlichen Schlittschuhen 4 Minuten.
Gruppe 5: 10 030 Meter auf Rennschlitt- f(buben 27 Minuten: auf gewöhnlichen Schlittschuhen 30 Minuten.
Auf der Bahn des Gießener EisvereinS wird in den nächsten Tagen Gelegenheit fein, die Prüfung abzulegen. Gelaufen wird auf einer 400- Mrter-Bahn mit zwei Halbkreisen von 28 Meter RadiuS an den beiden Enden. Prüflinge wollen den Aushang an drr Eisbahn brachten.
Messen Kind bin ich?
Vornan von Ar. Lehne.
(11.h b.rschutz durch T. Tck rmann. Rrmanzentrale Stuttgart)
34 Farttttzung Nachdruck verboten
Dr sah die Photographie an — sah Angela, die ihm mit einem leisen Lächeln zunickte — faftte sich an die Stirn — „wollen Sie mich zum besten haben, gnädige Frau? fragte er 1
.Scherzt man In solchen Dingen? Oder ist Ihnen die junge Dame so unsympathisch, weil sie so außer sich sind. Graf Hanno?'
..Dann ist Dbba — 6baa — daS Findelkind — nein — nein, daS ist doch unmöglich —"
„Ebba Lenz —" rief Graf Reinshagen auf» hv -ftc erstaunt, als ihn von drr Photographie Ebaas süßes Gesicht mit dem reizenden, immer ein wenig schmerzlichen Lächeln entgegengrüßte --.(Saba Lenz wäre Ihre und meine» Bruders Alexander Tochter —?"
Angela nickte mit umflorten Augen.
.3a", sagte sie leise.
Und sie las auf den erwartungsvollen Gesichtern der drei die gleiche, unausgesprochene Frage: wie kamst du dazu, daS zu tun, was
kein Mensch verstehen kann?"
Schweres Schweigen hing zwischen ihnen: jeder scheute sich, das erste Wort zu sprechen.
Endlich begann Angela lene:
.3<b schäme mich meiner selbst, daß ich in diesem Augenblick so vor Ihnen stehen muß: aber eS gilt mir nicht- mehr al- meine- Kindes Glück! Ls ist eine traurige Geschichte von ManneswoUen und Frauenichwachheit —"
Und Angela erzählte — Qual war es für sie, in alten Wunden zu wühlen —
.... und al- mit dann eines Tages mein Schützling seine LebenSgeschichte erzählte und ich daraus ersah, daß mit Gott mein Kind in den Weg geführt, daS Kind, dessen ich heimlich stet- in schmerzlicher Sehnsucht und Reue gedacht, da erwachte In mit der Wunsch, Ebba zu ihrem Glück zu verhelfen! Sonst, Sie können versichert fein, wäre ich niemals zu Ihnen gekommen, um auf verwandtschaftliche oder sonstige Rechte zu pochen!"
. Weih Dbba Lenz schon, wes en Kind sie ist? ' »Rein, Gräfin, sic darf es auch nie erfahren!" .— und warum nicht —?"
„Weil ich in dem Augenblick, in dem Ebba erfährt, daß ich ihre Mutter bin, die Liebe und Verehrung, die fie mir entgegenbringt, sofort verlieren würde — sie hat mir mehr als einmal gesagt, wie sie die Frau, der sie das Leben verdankt, haßt und verachtet —" Angelas Stimme bebte so, daß sie nicht weitersprechen konnte —
ia, so war Alexander, daS Unmöglichste vom Menschen verlangen — ich kenne ihn! Leicht war Ihr Leben nicht an seiner Seite —“ sagte Graf Reinshagen leise.
»— dennoch schön, biS auf daS eine: spät, zu spät erst ist mir zum Bewußtsein gekommen, waS ich getan — ich hätte mein Kind Tag und Rächt hüten müssen, durste ihm nicht nachgeben! Er hat mir versichert, es sei In gute Hände gekommen, und ich ließ mia) beruhigenI Gesagt hat er mir nie, daß er Ebba nach seinem Heimatdorf gebracht! — Und auch mit Rücksicht auf Frau Lenz muß ich schweigen! Die Frau, die daS verlassene Deschöpschen mit Mutterliebe an ihr Herz genommen und es zu einem prächtigen Menschenkinde auserzogcn — die darf in ihren Mutterrechten nicht geschmälert werden! Ich bin es ihr schuldig! Als Sühne für meine unverzeihliche Schuld muß ich die- auf mich nehmen. Rie darf ich um Ebbas bewußte Kindesliebe werben! Wilsen Sie, wie schwer diese Strafe ist? Sie, Gräfin, die Sie selbst Mutter sind, können mir nachfühlen, wie es ist, alS eine Bettlerin am Wege stehen zu müssen!"
Impulsiv nahm Hanno ihre Hand und drückte feine Lippen darauf.
Diese Hand brachte ihm ja sein Glück.
Ergriffenheit hatte sich der drei bemächtigt, als fte in das leidooUe Gesicht der schönen Frau blickten — ja, die Frau litt über Menschenbegrisfe!
»Sie wissen nun, wessen Kind Ebba Lenz, die Erwählte deS Grafen Hanno, ist!" sprach Angela weiter, .— ist es nun so unbedingt nötig, daß Ebba selbst und andere Leute eS auch noch erfahren? Graf Hanno, Sie haben der holden, unschuldigen Ebba Lenz, dem schlichten Adoptiv- töchterchen eines einfachen Lehrers, Ihr Herz geschenkt. Führen Sie sie auch in das Haus, da» ihr von Geburt und von Rechtes wegen schon Sehört! Lassen Sie Ebba In dem beglückenden icdanken, daß Sie das Findelkind zu Ihrer Gemahlin erheben: die hingehendste treueste Liebe wird e» Ihnen lohnen, und an Ihrer Seite wird Edda alles vergessen, wa» ihr Leben belastet batte! Sie. Graf Hanno, und Ihre Eltern, alS die Hauptbeteiligten, Sie wissen, daß Sbba Ihnen
ebenbürtig ist und kein Makel an ihrer Geburt und Familie haftet! Dieses kleine Opser deS Schweigens müssen die Herrschaften schon bringen! Und was die Leute sagen —?" Angela hob leicht die Schultern und sagte mit feinem Lächeln —: .Sind in manchen Familien nicht oft schon un- ebenbürtige Heiraten aus Liebe geschlossen und glücklich geworden —? Gras Hanno, auf Sie kommt es allein an — weigern Sie sich jetzt noch, die Tochter Ihres Obeims zu heiraten? Sind Sie noch ungehalten, daß ich Vorsehung spielen wollte?"
Hanno preßte ihre Hände, daß sie einen leichten Schmerzensschrei ausstieß: aber sie lächelte. Er atmete tief auf, als wollte er einen Reif, der seine Brust gefesselt hielt, zersprengen. Und sie freute sich seines Glückes.
- und Ebba soll wirklich niemals erfahren, daß Sie ihre Mutter find?" fragte er leise, behutsam.
Ah — fie verstand ihn so gut! Sie schüttelte den Kopf.
Gin 2' »druck unaussprechlichen tiefen Wehs lag auf cem Gesicht, als sie erwiderte:
„Gaffen Sie diese Frage ungelöst und sorgen Sie dafür, daß »Ebba nie mehr daran denkt, Graf Hanno. Wenn Ebba selbst Kinder haben wird, wird sie mich noch viel weniger verstehen können! Vielleicht wenn ihr beide alt seid und ich längst ^-storben bin, dann führen Sie fb «u me n m Gr b und b l c x ie. d h sie x. ir er i t "
Angelas Blick ging In weite Fernen, als fu_je sie dort etwas, und unwillkürlich legte sie den schwarzen Schleier, der von ihrem Witwenhut wallte, über ihr Gesicht.
Minuten vergingen in Schweigen.
WaS feilte man auch sagen!
Angela überwand den tiefen Schmerz, dessen Beute sie willenlos geworden, mit aller Kraft. Sie durfte ja nicht schwach werden!
Sie legte die in dem großen gelben Briefumschlag enthaltenen Papiere auseinander — : .Hier Ebbas Geburts- und Taufschein! Und hier verschiedene Auszeichnungen und Bestimmungen meines Mannes —"
Graf Rein-Hagen erfannte bei der flüchtigen Durchsicht die Handschrift deS Bruder». Kein Zweifel — was die ihnen bis vor einet Stunde noch ganz Fremde erzählte, war lautere Wahrheit! Eine Abenteurerin hätte vor allem Vorteile für sich zu erlangen gesucht — aber diese Frau hier verzichtete mit großer Gebärde auf einen beinahe fürstlichen Defih, schuf daS Glück zweier Menschen und trat dann still und wunschlos
Eishockey in Gießen.
Auf der in recht gutem Zustande befindlichen Eisbahn des Gießener Eisvereins wurden am gestrigen Sonntag zwei interessante Eishockey-Spiele ausgetragen. Der Gast des Gießener Eisvereins war die Mannschaft des Franksurter Eissport- kl u b s, die gegen die Gießener zwei inter- ePa nie Spiele bestritt. Am Dormittag wurde ein Spiel ausgetragen in der allerdings nicht regulären Spielzeit von Dreimal sechs Minuten. Das Spiel des Vormittags endete mit einem knappen Sieg der Frankfurter, Die den Kampf mit 1:0 für sich ent- schedcn. Das siegbringende Tor fiel erst im letzten Drittel.
Das Spiel des Nachmittags (Dreimal 15 Minuten) sah die Mannichast der Frankfurter bester In Form. Auch die Gießener sanden sich bester zusammen als am Dormittag und gaben einen nicht zu unterschätzenden Gegner ab. Die Spielzeiten endeten durchweg mit knappen Ergebnisten. Im ersten Drittel de» Spieles ergab sich ein Unentschieden von 1:1. Die zweiten 15 Minuten sahen die Frankfurter mit 2:1 in Front und auch das letzte Drittel konnten die Gäste mit 1:0 für sich entscheiden. Im Gesamt- spiel blieben also Die Frankfurter mit 4:2 siegre ch. Das Ergebnis ist für die Gießener durchaus ehren- voll, wenn man bedenkt, daß die hiesigen Eishockeyspieler noch keine Gelegenheit zum Training hatten. Immerhin war der Sieg der Frankfurter verdient. Für Gießen waren Loh und Kalbfleisch erfolgreich.
Auf der Eisbahn des Gießener Eisvereins herrschte gestern lebhafter Betrieb. Die Eisbahn befand sich in guter Verfassung und hatte viele Schlittschuhläufer angelockt. Besonders am Nachmittag, als die Sonne über dem (Eile lag, machte der Eislauf viel Vergnügen. In der Hauptsache be- herrschte die Jugend das Feld und tummelte sich nach Herzenslust. Leider konnte die Eisbahn nicht in ihrer ganzen Ausdehnung zur Verfügung stehen, da der Schnee, der in der vorhergehenden Nacht fiel, nickt ganz entfernt werden konnte. Luch mußte die Eisbahn bereits um 17 Uhr geschloffen werden, da die immerhin noch nicht allzu kräftige Eisdecke wohl zuverlässig trug, aber doch mit der Zeit etwas brüchig wurde und an einigen Stellen Master durchließ. Nach dem starken Frost in der vergangenen Nacht Düijte aber Damit zu rechnen fein, daß die Eisbahn für die nächsten Tage gut gebrauchsfähig fein wird.
Kurze Gportnotizen.
Anerkannter Schwimmrekorß. Dis von Elfriede Sasserath-Rheydt am 6. Dezember in Düsseldorf aufgestellte Bestleistung im 203* Meter-Rückenschwimmen von 3:09,8 Minuten ist jetzt vom Deutschen Schwimmverband offiziell anerkannt worden.
Kleine Strafkammer Gießen.
• Gießen, 18. Dez. Ein vielfach vorbestrafter Arbeiter, der zur Zeit eine längere Freiheit»- strafe verbüßt, verfolgte Berufung gegen ein Urteil deS Amtsgericht- Butzbach, durch da» er wegen Diebstahls zu einem Monat Gefängnis verurteilt worden war. Die Hauptverhandlung heute ergab da» gleiche Bild, wie in der ersten Instanz. Der Angeklagte hat aus einer Autoreparaturwerkstatt eine am Armaturenbrett eines Auto- angebrachte Uhr gestohlen und einem Zeugen Aum Kauf anjeoolcn, mit der Behauptung, er habe sie von einem Unbekannten gekauft. Die Berufung wurde zurück- gewiesen.
Die B^usung zweier Angeklagten, die w:g?n Körperverletzung in zwei Fällen zu acht und sechs Wochen Gefängnis verurteilt worden waren, hatte teilweise Erfolg. Da nicht fetgestcllt werden konnte, daß sie sich in einem Falle eines Werkzeugs bedient hatten, wurden die Strafen auf fünf und vier Wochen Gefängnis herabgefetzt.
Die Berufung eine- weiteren Angeklagten, der wegen Mißhandlung zu vier Wochen Gefängnis verurteilt worden war, wurde ohne Verhandlung verworfen, da er trotz ordnungsmäßiger Ladung nicht erschienen war.
zurück. Er mußte die Gröhe dieser Frau anerkennen, durch die et auch von einer jahrelangen, heimlich getragenen Last befreit wurde.
Und auch der Graf nahm die schöne, gepflegte Frauenband und legte mit tiefem Dankgefuhl seine Lippen darauf.
.SS bleibt nun alles so, wie es bisher toar!*
.Sie sprachen noch von einer Bedingung, gnädige Frau, die mein Mann und ich zu erfüllen hätten —"
Aß hatte die Gräfin dies nicht vergessen?!
„Wenn der Bruder glücklich ist — und bi« Schwc uer soll hungrigen Herzens dabeisteben — ob das den Ellern eine so große Befriedigung geben kann?" fragte Angela langsam, der Gräfin ihr schönes Gesicht voll zuwendend, .ich meine. Komtesse Inga hat auch ein Recht auf Glück!"
.Ditte, gnädige Frau, wollen Sie dies uns überlassen und cS nicht als eine Bedingung für Ihre großzügige — Ich gestehe eS zu — großzügige Regelung jener Angelegenheiten auffaf» fenl^ entgegnete die Gräfin, peinlich überrascht.
.Dies liegt durchaus nicht in meiner Absicht, Gräfin! Doch Komtesse Inga läßt nicht von ihrer Liebel Und ick meine, wenn man die einzige Tochter so recht von Herzen glücklich und zufrieden weiß, tritt alles andere zurück!"
.Sie verlangen viel auf einmal, gnädige Frau!" Mit feinem Lächeln entgegnete Angela:
.Rennen Sie da» ein großes, unbescheidenes Verlangen, Gräfin, die Kinder glücklich zu wissen? Wiegt eine Glücksträne im Auge des Kindes und ein heißer DankeSölick nicht alles In der Welt auf? Man lebt doch nur für das Glück Der Kinder! Ich verlange ja nicht, daß Sie gleich zustimmen, Gräfin, rauben Sie aber Komteffe Jr.ga nicht jede Hoffnung — der einzigen Tochter! Vielleicht, Gräfin, denken Sie über meine B tte ein wenig nach! Und wenn ich wiederkornrne —M
Ihrer eindringlichen Liebenswürdigkeit konnte die Gräfin keinen starren Widerstand entgegen» fetzen: fie fah wohl ein, daß man ihr großen Dank schuldete — In der Hauptsache aber: Inga- Trotz köpf war kaum zu bretben, und der Zwist mit der Tochter ging ihr doch näher, al» sie sich selbst zugestand!
.Ich werde Inga ein Probejahr stellen! Denkt fie danach genau noch so, werden wir diese Fraae von neuem erwägen können! Wahrscheinlich werde ich mit ihr reifen, sie vielleicht auch nochmal» in eine Pension geben!“
.Ich danke Ihnen, GräfinF
Angela hatte sich erhoben.
(Schluß folgt)
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