Ur. 273 Erstes Via«
M. Jahrgang
Samstag, 21. November 1931
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Die Illustrierte kießener Familienblätter
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Sicheim Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
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Krieg im Frieden.
Ms der Völkerbundsrat im Oktober auseinander- «jing, ohne damals in dem chinesisch-japanischen um die Mandschurei etwas ausgerichtet iit)ab:n, womit er seiner Aufgabe als Friedenssiif- 1er unter den Völkern der Erde gerecht geworden vüre, gab er der Erwartung Ausdruck, daß Lapan die Wochen bis zur nächsten Ratstagung irr Räumung der von seinen Truppen besetzten eüdmandschurei benutzen werde und China an» terseits hinreichende Maßnahmen treffen werde, im Leben und Eigentum der japanischen Be- rohner der Mandschurei sicherzustellen. Am lß.Rovember ist nun der Völkerbundsrat diesmal ir Parks wieder zusammengetreten, um für die Beilegung des mandschurischen Konflikts die ausg.eichende Formel zu finden, die nach Möglichkeit niemandem weh tun sollte und nicht zuletzt dem Tölkerbund erlaubte, sich aus einer für ihn denk- for heiklen Situation ohne Schädigung seines ohnehin schon ramponierten moralischen Ansehens rurückzuziehen. Aber das Duell im Fernen Osten Pt inzwischen das Gesicht eines schweren Wasfen- omges angenommen und die beiden Paukanten haben nichts getan, dem älnparteiischen seine tenig beneidenswerte Rolle zu erleichtern. Japan Hst weder die geringsten Anstalten getroffen, Itinc Truppen aus der besetzten Zone abzutrans- tDCtieren, noch hat China Schritte unternommen, teil Schutz der Japaner in der Mandschurei scherzustellen, wozu es beiläufig auch, wie die Japaner vermutlich mit Recht behaupten, bei tem völligen Durcheinander im Lande selber und tem tatsächlichen Fehlen einer starken Zentral- grwalt gar nicht in der Lage wäre. Aber nicht nur das. Während im berühmten älhrensaal des Auswärtigen Amtes am Pariser Quai d'Orsay hie Delegierten der Ratsmächte unter Briands Torsitz die Köpfe zusammenstecken, ist die Man» kchurei Kriegsschauplatz geworden, rollen die Truppentransporte ins Land hinein, donnern die beschütze am Ronnifluß, krachen die Bomben : japanischer Fliegergeschwader längs der ost- ■ chinesischen Dahn, läßt der chinesische General Ma Meine Schwadronen Attacke reiten, aber der japa- irische Oberkommandierende General Honjo wirft '.hie Chinesen im Gegenstoß zurück und zwingt sie nur Flucht. Japanische Truppen überschreiten bei Dgantschi die Ostbahn und besetzen T s i t s i k a r, Itn wichtigen Mittelpunkt von Wirtschaft und Lvkehr im Amurbogen, an der Kreuzung der klcecke Wladiwostok—Mandschuria mit der süd- Nandschurischen. Bahnlinie, die von Port Arthur über Mukden und Taonan nach Rorden führt.
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vä hrend der letzten Jahrzehnte in der Man- ÜHurei gleich schwerwiegende Besitztitel erwor- kn Kann China darauf Hinweisen, daß die Mandschurei der Bevölkerung nach heute ganz überwiegend chinesisch ist, so wird Japan dagegen Kl lrnd machen können, daß die Mandschurei nur nk der japanischen Kulturarbeit und des dort h vielen Millionen Jen investierten japanischen ta^itals erschlossen worden ist. Aber wesentlicher kr Beurteilung des akuten Streitfalls als das «bvägen der beiderseitigen Rechtsansprüche ist ke unumstößliche Tatsache, daß beide Länder, (fjina sowohl wie Japan, aus den hier eben noch tnnal kurz zusammengefaßten nationalpolitrschen hrunden die Mandschurei brauchen, wenn sie sch nicht ihre Zukunft als die ostasiatischen Groh- »ächte für alle Zeiten verbauen wollen.
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i Eine blutige Schlacht ist geschlagen. Japan hat nid)t zugewartet, ob bei dem Pariser Völker- ihurdspalaver vielleicht eine seinen Wünschen gün- fige Lösrmg herauskommt, es hat an das Recht tes Stärkeren appelliert und sich mit Wafsen- rgeioalt in den Besitz dessen gesetzt, was die Regierang von Tokio erstrebte, als sie, von Militär imi> Volksstimmung zum Handeln getrieben, einen sich gleichgültigen Zwischenfall zum Anlaß «uhin, um die mandschurische Frage auszurollen, yin einem kenntnisreichen und sachlich gut fun- ticütcn Aufsatz von Dr. Max Pohle wurden hier cn vergangenen Samstag die weit in die Gerichte Ostasiens reichenden Hintergründe des Problems der Mandschurei aufgezeigt. Es wurde ♦erläutert, daß wirkliche Lebensbedürfnisse sowohl tzhina wie Japan zwangen, ihre Hand auf die Mandschurei zu legen, die einst menschenleer und cid) an Bodenschätzen, beiden das zu werden .terfprach, was sie daheim ihrer immens wachsten Bevölkerung nicht mehr zu bieten ver- kochten: Brot und Arbeit. China suchte und IllffTg Uli sink» in diesem nördlichen Randgebiet, das dem I Inf Hl 1111 Seid? der Mitte einst um die Mitte des 17. Jayr- |f|U| Vie bMerts die Kaiserdhnastie der Mandschu auf- 1 ■■ Übungen hatte, das große zusammenhängende
kiedlungsgebiet für seinenBevölkerungsüberschuß, । ten. es in den eigenen Grenzen nicht mehr ernäh- cn konnte. Japan hatte wohl den gleichenWunsch, Verka^ rußte sich aber, da seine Rasse den anders- rrteten Anforderungen von Boden und Klima sich ... rt(4prRamschware gewachsen zeigte, mit der industriewirt- g Partie*00 gastlichen Erschließung des von der Ratur reich
aisgestatteten Landes begnügen. Die Finanzierung von Bergbau, Industrie, Handel und Der- lifyi durch Japan ließ zwar in der Mandschurei über den fast 25 Millionen chinesischen Bauern, Üe dort seßhaft wurden, nur eine dünne japa- nsche Oberschicht von einigen Hunderttausend stlniernehr^ern, Ingenieuren und Vorarbeitern, Händlern, Aerzten u. a. entstehen, aber dieses 'llirjenw.rk der zapani'chen Wirt chaft s ,u. wenig ;itenä indirekt mehr noch als die großen japa- Ti|c;en ülnternehmungen im eigentlichen China .tem heimischen Arbeitsmarkt die Entlastung, der v0.9an um so dringender bedarf, als sich die bereinigten Staaten, Südamerika und Australien rgen die japanische Einwanderung sperren. So Hben beide Mächte, China sowohl wie Japan,
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Oer deutsche Antrag in Basel.
Das Memorandum an die BZZ. stellt Deutschlands Zahlungsunfähigkeit fest und fordert unverzügliche Prüfung des Zahlungsproblems in seiner Gesamtheit auch unter Berücksichtigung der privaten Verschuldung Deutschlands.
Basel, 20.Tlov. (2BIB.) Die Dank fü r den Internationalen Zahlungsausgleich gibt bekannt, daß sie am Freitagnachmiltag durch den deutschen Generalkonsul in Basel ein Memorandum der deutschen Regierung vom 19.11. erhalten hat, in dem die deutsche Regierung die Bank aussorderl, den in dem neuen plan vorgesehenen Beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Unmittelbar nach Eingang des Memorandums wurden an alle 13er- waltungsralsmitglieder der Bank Telegramme gesandt, in denen aus Grund des Art. 45 der Satzungen um die Ermächtigung ersucht wird, den Beratenden Sonderausschuß einzuberufen. Außerdem sind der Reichsbankpräsident sowie die Gouverneure der Bank von Frankreich, der Bank von England, der belgischen Rationalbank, der Bank von Italien, der Bank von Japan und der Federal Reservebank von Reuyork aufgefordert worden, in Uebereinstim- mung mit Ziffer 128 des Reuen planes Mitglieder für den Ausschuß zu ernennen.
In dem deutschen Memorandum heißt es über Ursache und Zweck des Antrages u. a.: Bereits Anfang Juni d. I. war die deutsche Regierung zu der Ueberzeugung gelangt, daß sie trotz stärkster Herabsetzung der staatlichen Ausgaben und wiederholter Erhöhung der Steuerlasten außerstande ein werde, die Zahlung der Annuitäten des Neuen Planes f o r t z u s e tz e n. Die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands war schon damals auf das ernsteste bedroht. Die deutsche Regierung hatte sich deshalb entschlossen, die notwendigen Schlußfolgerungen aus dieser Lage zu ziehen. Diesem Entschluß folgte am 21. Juni die Erklärung des Herrn Präsidenten der Bereinigten Staaten von Amerika, die einen einjährigen Aufschub aller Zahlungen auf Schulden der Regierungen, Reparationen und Wiederaufbauschulden vorschlug. Die Hoffnung, daß dieser Vorschlag eine entscheidende Wendung in der Weltkrise herbeiführen werde, hat sich nicht verwirklicht. Die britische Regierung ergriff daher im Juli die Initiative zur Einberufung der Londoner Konferenz. Aus den Empfehlungen der Konferenz ergab sich die V e r l ä n g e r u n g des der Reichsbank gewährten Rediskontkredites, das sogenannte Baseler Stillhalteabkommen und der Bericht des von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich eingesetzten Baseler Sachoer st ändigenausschusses.
So wichtig alle diese Maßnahmen waren, um eine schnelle Erleichterung zu schaffen, so waren sie doch ihrem ganzen Charakter nach nur vorbereitender Natur. Die Londoner Konferenz selbst hat in ihrer Schlußerklärung festgestellt, daß die empfohlenen Maßnahmen nur ein erster Schritt seien, und daß sie die Grundlage für eine Aktion von weiterreichender Bedeutung bilden sollten.
In den seither vergangenen Monaten hat sich die wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutschlands aufs äußerste zugespitzt. Auch in anderen Ländern hat der Druck der Krise zu den ernstesten Erscheinung geführt. Die Welt ist sich in steigendem Maße klar geworden über den inneren Zusammenhang der verschiedenen durch die Lage aufgeworfenen finanziellen Teilprobleme und über die Notwendigkeit, sie alsbald in ihrer Gesamtheit in Angriff zu nehmen. Bei den Ueber- lcgungen, in welcher Form diese Aufgabe am besten zu behandeln sei, ist letzthin der Gedanke in den Vordergrund getreten, z u n ä ch st d e n B e r a t e n » den Sonderausschuß einzuberufen. Da nach dem System des Neuen Planes die Einberufung des Beratenden Sonderausschusses von einem Anträge der deutschen Regierung abhängt, hat sich die deutsche Regierung zu diesem Anträge entschlossen, damit ihrerseits alles geschieht, was den Weg zu umfassenden gemeinsamen Maßnahmen der Regierungen eröffnen kann.
Rach dem Reuen plan ist für diesen Antrag die Erklärung der deutschen Regierung erforderlich, daß „sie im guten Glauben zu dem Schluß gekommen ist, daß die Währung und das Wirtschaftsleben Deutschlands durch den teilweisen oder vollständigen Transfer des aufschiebbaren Teiles der Annuitäten ernstlich in Gefahr gebracht werden könnten". Indem die deutsche Regierung diese Erklärung abgibt, muß sie zum Ausdruck bringen, daß eine solche Erklärung der gegenwärtigen Sachlage nicht gerecht wird. Seit der Aufstellung des Reuen planes ist die wirtschaftliche und finanzielle Lage in der Welt, insbesondere in Deutschland, durch eine Krise ohnegleichen von Grund auf geändert worden. Da der Reue plan dem Beratenden Sonderausschuß die Aufgabe zuweist, die Lage unter allen Gesichtspunklen zu prüfen, muh der
Ausschuß das Problem in seiner Gesamtheit und unter Berücksichtigung aller seiner Faktoren prüfen und hierbei insbesondere berücksichtigen, daß die Frage der privaten Verschuldung Deutschlands rechtzeitig vor Ende Februar nächsten Jahres neu geregelt fein muh, und zwar durch eine Vereinbarung, die zwischen ausländischen Gläubigern und deutschen Schuldnern zu treffen ist.
Da die gegenwärtigen Verhältnisse die g r ö h t e Beschleunigung der zu treffenden Mahnahmen erfordern, schlägt die deutsche Regierung vor, dah der Beratende Sonderausschuh unverzüg- l i ch Zusammentritt, und dah er seine Arbeiten so schnell als möglich erledigt, damit schon in nächster Zeit eine Konferenz derjenigen Regierungen stattfinden kann, die für die alsdann zu fassenden I Entschlüsse zuständig sind.
Was sagt das Ausland?
Unfreundliches Echo in Paris.
Prejsestnninen fordern Protest und schärfste
Aufmerksamkeit im Sondcpausschutz.
Paris, 21.Rov. (WTD. Funkspruch.) Zu dem deutschen Memorandum erklärt „Echo de Paris": Die Reichsregierung hat wohl ein- gewilligt, die Formel des Voungplanes zu ge- rauchcn, um die Revision der Reparationslasten zu erhalten, aber sie hat zugleich Sorge getragen, zu bemerken — und das sei der wesentlichste Punkt des Memorandums —, dah die Formeln nicht angemessen seien und es sich unter den gegenwärtigen älmständen um etwas ganz anderes als die Herabsetzung der Reparationslasten handele. Das Blatt deutet an, daß für Deutschland praktisch die Reparationen zu existieren aufgehört Hütten. — „Excelsior" schreibt: Das deutsche Memorandum kann beim besten Willen nicht als ein Anzeichen für eine befriedigende Annäherung der französischen und deutschen These in der Frage der Reparationen und kurzfristigen Kredite angesehen werden. Es wird Aufgabe der französischen Delegierten sein, die Debatte nicht über den Rahmen des Boungplanes hinausgehen zu lassen und nicht zu gestatten, daß zwischen der Regelung der ungeschützten Annuität und der Liquidierung der eingefrorenen Kredite eine Verbindung hergestellt wird. Diese Aufgabe ist äußerst delikat, denn man muh befürchten, dah der französische Delegierte sich im beratenden Sachverständ-genaueschuh in der Minderheit befinden wird. — „Figaro" schreibt: Die Reichsregierung halte im Grund genommen unverändert ihre These von der Revision der Zahlungsfähigkeit und der Gesamt- liquidierung der Reparationen und kurzfristigen Kredite aufrecht. Man wundere sich, dah die französische Regierung dieses Dokument ohne Protest habe hinnehmen können. Man habe zwar Wert darauf gelegt, festzustellen, dah es sich um ein Dokument einseitigen Charakters handele. Aber ein Sprichwort sagt bereits: Wer nichts erklärt, stimmt zu.
Befriedigung in England.
„Da^CndederRcParationcn iftflefommen“
London, 21. 9100. (WTB. Funkspruch.) Daily Expreß sagt, Deutschlands Aktion läuft auf eine Erklärung der Zahlungsunfähigkeit hinaus. Es wirft ein sonderbares Licht auf die Ereignisse, daß Deutschland diesen Schritt gerade in
dem Augenblick unternommen hat, wo seine Ausfuhr nicht nur seine Einfuhr bei weitem übersteigt, sondern auch größer ist als die aller anderen Länder. Dies ist gewöhnlich ein Index des Wohlstandes, wenn die Bedingungen normal wären. Sie sind es aber nicht. Es war der deutsche finanzielle Zusammenbruch, der die Geldkrise beschleunigte, die nunmehr die ganze Welt erfaßt hat. Trotz Hooverfeierjahrs und Stillhalteabkommen befinden sich die deutschen Geld-, Tribut- und Devisenmärkte in einem Zustande der Demoralisation. Es ist in jedermanns Interesse, daß eine Verständigung erreicht wird und daß Deutschland davor bewahrt wird, der finanzielle Seuchenherd des Kontinents zu werden. England hat keinen Vorteil von den Reparationszahlungen gehabt. Im Gegenteil, die Zahlungen in Form ausgeführter Waren wie Kohle und Fertigwaren, haben die englische Ausfuhr ernstlich geschädigt. Hohe Tarife in Amerika und anderswo haben es Deutschland unmöglich gemacht, in der einzig möglichen Weise zu zahlen, nämlich in Waren. Es ist klar, daß das Ende der Reparationen gekommen ist. Es ist möglich, daß Frankreich auf irgendeiner Formel für spätere Zahlungen besteht und daß die Maschinerie für die Zahlungen intakt gehalten wird. Aber wenig Zweifel besteht darüber, daß im R e i n e r g e b n i s-n i ch t s gezahlt werden wird.
Amerikas Vertretung im Sonderausschuß.
Reuyork, 20. Rov. (WTB.) Der Gouverneur der ReuyorkerBundes-Reserve-BarckHar- r i f o n gab bekannt, daß er auf Grund eines Ersuchens der DIZ. den Vorsitzenden des Direktorenrats der Case Porneroy and Co., Walter W. Stewart, zum amerikanischen Mitglied des Beratenden Sonderausschusses ernannt habe. Stewart wird am 28. Rovember nach Basel abreisen. Er wird in Dankkreisen als einer der De - f ä h i g st e n für die ihm übertragene Aufgabe bezeichnet. Er gehört keiner besonderen Dankgruppe oder politischen Gruppe an und gilt als vollkommen unabhängig. Er hat an allen wichtigen Wirtschaftskonferenzen der letzten Jahre teilgenommen. Stewart war früher Leiter der Abteilung für Wirtschaftsforschung der Reuyorker Reserve-Dank, sowie Mitglied des Stabs der Dank of England, in welcher Eigenschaft er ganz Europa bereiste. Case Pomery and Co. Jnc. sind am Anlagemarkt tätig.
So sieht sich der D ö l k e r b u n d s r a t in Paris vor einer Aufgabe, die mit den ihm zur Verfügung stehenden Mitteln nicht zu lösen ist. Er kann bestenfalls einen Gegensatz, der hier zwischen vitalen Interessen zweier großer Völker ohne Raum klafft, für den Augenblick zu über- kleistern versuchen. Aber auch dazu scheint schon die günstige Stunde verpaßt, denn Japan, sich seiner militärischen äleberlegenheit bewußt und bereit, auch aus einem Gegensatz zum Völkerbund gegebenenfalls alle Konsequenzen zu ziehen, hat, ohne dah es die diplomatischen Beziehungen zu China abgebrochen oder gar seinen Delegierten vom Pariser Ratstisch zurückgezogen hätte, die Kanonen sprechen lassen und sich bereits in den Besitz dessen gesetzt, was es erstrebte. Krieg im Frieden, ein seltsamer Zwitterzustand, der alles offen läßt, nur das eine allerdings kaum, daß nämlich Japan gutwillig das besetzte Gebiet wieder räumt, ohne sehr handgreifliche Garantien, besser Faustpfänder, dafür zu haben, daß cs seine Interessen in der Mandschurei besser als bisher zu wahren vermag. China, dem seine innere Schwäche und militärische Ohnmacht verbietet, sich auf einen Waffengang mit den japanischen Rachbarn ernstlich einzulassen, tritt in
Genf und Paris als Kläger auf. Es fordert auf Grund der Völkerbundsakte und des Kellogg- Pakts die Wiederherstellung des Status quo, bevor in Verhandlungen unter Vermittlung des Völkerbundes die zwischen Japan und China schwebenden Streitfragen geklärt werden. Japan hingegen verweigert die Räumung des von seinen Truppen besetzten Gebiets, bevor es nicht „ausreichende Garantien" für die Wiederinkraftsetzung der von China angeblich gebrochenen Verträge erhalten hat. Es lehnt auch jede Vermittlung ab, ist aber zu direkten Verhandlungen mit der chinesischen Regierung bereit. So stand die Angelegenheit schon vor der Besetzung Tfitsikars durch die Japaner und es hat vorerst nicht den. Anschein, als ob man in Tokio aus Rücksicht auf den Völkerbund oder die öffentliche Meinung Europas sich zu einem Entgegenkommen entschließen könnte, das durch die Herbeiführung eines Kompromisses den Dölkerbundsrat aus einer täglich peinlicher empfundenen Sackgasse befreien würde. Eine mit einer genau umrissenen Aufgabe betrauten Tlntersuchungskommission des Völkerbundes will man offenbar zugestehen, da die Japaner offenbar dessen sicher sind, daß diese Kommission an Ort und Stelle Feststellungen
machen muh, die ihrer Sache günstig sind. Auch gewönnen sie dadurch hinreichend Zeit, sich in der Mandschurei so zu installieren, dah sie später auch einem ihnen unbequemen Spruch des Völkerbundes trotzen können.
Aber China genügt das nicht. Noch in Genf berief es sich auf die Artikel 11 und 12 des Völkerbundsstatuts, die besagen, daß „jede Bedrohung mit Krieg ... eine Angelegenheit des ganzen Bundes ist und dieser die zum wirksamen Schutz des Völker- friedens geeigneten Maßnahmen zu ergreifen hat", daß ferner die Bundesmitglieder sich verpflichten, „eine zwischen ihnen entstehende Streitfrage, die zu einem Bruche führen könnte ... der Prüfung durch den Rat zu unterbreiten" und „in keinem Falle vor 2lblauf von drei Monaten nach dem Bericht des Rates zum Kriege zu schreiten". Da dieser Schritt Japan indessen nicht an der Besetzung des strittigen Gebiets gehindert hat (die Zulässigkeit von Re- pressalien während des Verfahrens ist in der Auslegung der Völkerbundssatzung streitig), so verlangt China jetzt in Genf eine Entscheidung des Rats auf Grund des Artikels 15, der im Falle die Vermittlung des Rats vesagt, die Annahme eines Berichts mit Vorschlägen zur Lösung der Streitfrage ohne Zustimmung der Parteien vorsieht und bei einer


