Ausgabe 
21.9.1931
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 220 Zweiter Blatt

Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oderheffen)

Montag, 21. September 1951

auf

15 Prozent gesenkt.

durch sofortige wesentliche Entlastungsmahnahmen auf dem Gebiete der Hauszinssteuer die Doraus­sehungen für eine Senkung der Mieten geschaffen werden. Die schon immer gesorderte Aufhebung der Hauszinssteuer wurde aus diesen Gründen als ^sonders vordringlich betrachtet.

Der schwierigen Geschäftslage Rechnung tra­gend, hat die Kammer bei der Erhebung der Beiträge für 1931 den Ausschlags ah auf dem Gewerbe!apital gegenüber dem Dorjahr um

OieBörsenlage inOeutschland imZeichen der psundkrisis.

Stadttheater, GastspielDie Tragödie des Arztes". Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: . und da» ift die Hauptsache" (Bolkslag)

Ein Reitersilm im Lichtspiel­haus. Wie uns vom Kavallerie-Derein Gichcn mitgcteilt wird, findet am Sonntag. 4. Oktober. 11 Uhr im Lichtspielhaus. Gichen. die Dor­führung des ersten groben deutschen Reiter­filmes ..Ausgesessen?" statt. Der sechsaktige Film, der die Geschichte der deutschen Reiterei behan­delt, bringt Dilder auS der Friedenszeit und der Ausbtldungsperiode der deutschen Kavall(- risten. Der Film wird auherdem den Taten der deutschen Reikhrei während deS Weltkrieges ge­recht. Der Heranwachsenden Jugend soll dadurch vor Augen geführt werden, was ihre Däter im Kamps gegen eine Welt von Feinden geleistet haben. Daneben ist auch der frisch-fröhliche Geist der Aeiterjugend im Bilde scstgehalten; andere Dilder wieder gestatten einen Einblick in das ReitcrvereinSlcben. Auherdem wird noch der Film vom 1 Westdeutschen Kavalleristentag. der 1927 in Viehen stattfand, gezeigt.

Feiertag in der Burgstraße.

Tic Besprechung der Lage an der Berliner Börse.

Zieht man die Tatsache in Betracht, dah heute der hohe israelitische Jeicrtag den Bärscndesuch beträcht­lich einschränkt, so bietet die Börse rein äuherlich kaum ein besonders markante» Bild. Da jedoch jeg­licher Handel an der Wertpapierbörse untersagt ist, finden sich in allen Sälen die Ve- ( sucher zu mehr oder weniger grohen Gruppen zu­sammen, um über die neugeschassene Situation zu disputieren. Tendenzrnähig stellt man im allgemeinen fest, dah naturgemäß an eine Besserung de» Kursniveau» für deutsche werte kaum zu denken sei, solange die Situation an den Welt­börsen nicht eine gründliche Bereinigung erfahren habe. Insbesondere verweist man auf die gegenwärtige Bewertung der deutschen Anleihen im Au, lande und stellt die nieö- eigen Zinssätze, die für Warenkredite verlangt werden, miteinander in Vergleich. Die wirt­schaftspolitische Lage wird dagegen verschiedentlich optimistischer beurteilt. Es wird gesagt, die Entwick­lung könne für Deutschland keinesweg» ungünstig genannt werden, da sämtliche Fragen, die für Deutschland» Schicksal von ausschlaggebender Bedeu­tung sind, sicher schneller zur Entscheidung gebracht werden dürsten, nachdem auch da» stolze England sehr empfindlich mit in die Krise hinein- gezogen worden ift.

In manchen Kreisen wird die Jrege erörtert, ob e» nicht auch für ust» zweckmählg sei, nach dem Beispiel England» vom Goldstandard abzugehen. Dazu wird von unterrichteter Seite bemerkt, dah die englischen währungsmahnahmen ja nochkeine»- ro e g » eine endgültige Abkehr vom Gold­standard bedeuten. Die Rückkehr zu diesem System ist bekanntlich in der englischen Oefsentlichkeit und Finanzwissenschast in den letzten Iahren häufig kri­tisiert worden. Aber bisher liegt kein Beweis dafür vor, dah die grundsätzliche Einstellung der englischen Regierung sich irgendwie geändert habe. Schon dar­aus ergebe sich, dah Deutschland keine Veran­lassung hat, eine Aenderung seiner währung»- oerhällnisse vorzunehmen. Dazu kommt noch, dah die internen wie die ausländischen Interessen, die Deutschland zum Festhalten de» Goldstandards ver­anlagten, weiter bestehen.

Oie Lage am Produktenmarkt.

Infolge des hohen israelitischen Feiertags und des damit verbundenen geringen Besuchs der heu­tigen Produktenbörse in Frankfurt a. M. fallen die amtlichen Dotierungen heute aus. In Derlin blieb, wie schon in der Zeit der Börsen- und Dank­feiertage im Iuli-August der Produkten­markt von den Einschränkungsmahnahmen für den Börsenverkehr unberührt. Auch hier lieh der Be­such selbstverständlich die Einwirkung des israeli- I tischen Feiertags erkennen und die Allgemeinftim- mung war infolge der überraschenden Ereignisse des Sonntags äuherst unsicher. Einerseits werden wieder gewisse Befürchtungen währungs­politischer Dalur gehegt, die die Landwirtschaft Aur Zurückhaltung des Angebotes veranlassen, an- I oererseits sagt man jedoch, dah England als Ezportkäuser für deutsches Getreide vorerst wohl I kaum in Frage kommen dürste. Das Geschäft be­schränkt sich auf allen Marktgebieten auf ein Min­destmaß. Am Lieferungsmarkt bewirkten einige Deckungskäufe ein Anziehen der Weizen- und Roggenpreise im Ausmaße von 1 bis 2 Mark, im Promptgeschäft waren dagegen sofern über­haupt gegenüber Samstag unveränderte Preise zu hören. Das Mehlgeschäft stockte fast gänzlich. Hafer war in geringen Qualitäten weiter ziemlich reichlich angeboten. Die Preise neigten zur

I Schwäche. Gerste lag sehr still.

Oer Frank ist unangreifbar.

Tic Pariser Börse bleibt geöffnet.

Paris, 21. Sept. (WTB. Funkspruch.) Die Pa­riser Börse ist nicht geschtossen. Finanzminister FIandin hat heute vormittag eingehend mit dem Gouverneur der Bank von Frankreich,« M o r c t, dem Direttor der Devisenabteilung im Finanzmini­sterium, Escalier, und dem Syndikus der Pa­riser Börsenmakler, Jacob, verhandelt. 9m An­schluß daran begab sich Flandin mit Escalier und Moret zum Ministerpräsidenten Laval, um ihn über die Lage zu unterrichten. Moret erklärte, nach Prüfung der Lage plant die Regierung im Einvernehmen mit der Bank von Frankreich und

auch den anderen Pariser Großbanken keine Schließung der Pariser Börse. Jedoch muß man gewisse Einschränkungen gegen­über den internationalen Wertpapieren im Termin­handel in» Auge fassen, um zu vermeiden, daß da» Ausland die besondere Lage de» Pariser Markte», der allein noch aufnahmefähig ist, nicht mißbraucht. Frankreich hat keinen Anlaß, sich zu erregen. Seine Währung ist fest. Das Gold der Bank von Frankreich, die Dollarkredike, über die sie in Ncuyork verfügt, machen den Franken durch­aus unangreifbar Es ift unnütz, daran zu erinnern, daß der Rediskontkredit sowie die Ope­ration in Schatzbond», die mit England getätigt würden, in Franken abgeschlossen sind, also brauchen weder die Banken, die an der Redis­kontierungstransaktion teilgenommen haben, noch die Zeichner englischer Schatzbonds irgendeine Ge­fahr zu laufen, um so mehr, als in ihrer Mittei­lung die englische Regierung selber al» Grund für ihre Maßnahmen angibt, daß die Bank von Eng­land die in Gold eingegangenen Verpflichtungen e i n b a 11e n werde Die französischen Kapitalisten dürfen nicht die besonder» s o I i d « L a g e au» dem Auge verlieren, in der sich Frankreich befindet, das Leitmotiv muß heute mehr denn je heißen: Kaltblütigkeit, Geduld und Ver­träum".

Robert Bosch 7 0 Sabre alt. Der Gründer der Boschwcrkc. Heren ZündungS-. Licht- und Lignal-Anlagen für Kraftfahrzeuge in der ganzen Welt bekannt sind, wurde am 23. Sep­tember 1861 in Albeck bei Ulm geboren. Rach dem Besuch der Realschule in Ulm kam er für drei Iahre zu einem Optiker und Mechaniker dieser Stadt in die Lehre, arbeitete dann In ver­schiedenen elektrotechnischen Betrieben, auch in den Bereinigten Staaten und in England, und machte sich im Herbst 1886 in Stuttgart selbstän­dig. Aus seiner bescheidenen Werkstätte für Elektrotechnik und Feinmechanik sind im Lause der Iahre die großen Industriewerke in Stutt­gart und Feuerbach entstanden, die heute Tau­sende von Arbeitern und Angestellten beschäfti­gen.

Die Indexziffer d e r Großhandels­preise. Die vom Statistischen Reichsamt für den 16. September berechnete Indexziffer der Groß­handelspreise ist mit 108,8 gegenüber der Dorwoche um 0,2 Prozent gesunken. Dies ist vor allem auf Preisrückgänge für industrielle Rohstoffe, J)nlb- und Fertigwaren zurückzuführen. Die Indexziffern der Hauptgruppen lauten: Agrarstoffe unverändert 101,6, Kolonialwaren 94,3 (+ 1,0), industrielle Rohstoffe und Halbwaren 100,2 ( 0,4), und industrielle Fer- tigwaren 134,7 Prozent (0,1). Innerhalb der letz­ten Gruppe beträgt die Indexziffer für Produktions­mittel 130,5 (0,1) und die für Konsumguter 137,9 Prozent (0,2). m

Henschel & Sohn AG.. Kassel. Ge­genüber den seit einiger Zeit in Kassel umlau­fenden Gerüchten, dah mit Ablauf d. I. die Henschel & Sohn-AG., Kassel, wegen Mangels an Aufträgen stillgelegt werden soll und dah die Lokomotivquote von 35 Prozent an die AGG. abgetreten werden würde, teilt die Derwaltung der Henschel & Sohn-AG, Kassel, dem WTB.- Handelsdienst auf Anfrage mit, dah diese Ge­rüchte den Tatsachen völlig widersprechen. SS sei nicht beabsichtigt, das Werk ftillzulegen ober die Lokomotivquote zu verkaufen. Die erfolgten Kün­digungen und Bctriebseinschränkungen kennzeich­neten im Gegenteil den ernsten Willen der Der­waltung, mit Hilfe der vorliegenden Aufträge und der noch zu erwartenden Auftragseingänge den Betrieb des Werkes aufrechtzuerhalten.

Frankfurter Eiermarkt.

Frankfurt a. M., 19. Sept. Infolge der weiter rückläufigen Produktion konnten sich die Preise am hiesigen Markt, gegenüber der Dorwoche erneut um durchschnittlich etwa 1 Pf. pro Stück befestigen. Die Tendenz ist daher als weiter fest zu bezeichnen. In Händlerkreisen rechnet man mit einem weiteren leich­ten Anziehen der Preise. Der Absatz hat infolge der besseren Nachfrage des Konsums eine weitere Besse­rung erfahren. Es notierten in Pf. per Stück ab loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 10 bis 10,50, Jugo­slawen 9,75 bis 10, Rumänen 9,75 dis 10, Rusten 8 bis 9, Polen 9 bis 9,50, Holländer 11,50 bis 13, Dänen 11 bis 13,50, Bayern 10 bis 10,50, Deutsche Frischeier 9 bis 12,50. In- und ausländische Mittel- und Schmutzeier 7,50 bis 8,50.

Frankfurter Schtachtvichmarkt.

Frankfurt am Main, 21. Sept. Auftrieb 6003 ' Schweine. Es notierten vollfleischige Schweine von etwa 240 dis 300 Pfund Lebendgewicht 53 bis 56 > Mark, von etwa 200 bis 240 Pfund 53 bis 56 Mark, i von etwa 160 bis 200 Pfund 50 bis 54 Mark, , Sauen 40 bis 49 Mark. Marktverlauf: Schweine i ruhig, Ueberftanb, Fettschweine über Notiz.

Oie Industrie- und Haudrls- kammer Friedberg zur Lage.

Die Industrie - und Handelskammer Friedberg hielt am Donnerstag eine Dollver- sarnrnlung ab, die von dem stellvertretenden Dor- sitzenden der Kammer, Kaufmann Hirsch (Fried­berg), geleitet wurde. Der Syndikus der Kammer, Dr. Göbel (Friedberg), berichtete einleitend über die Tätigkeit der Kammer in der Geld- und K r e d i t k r i s e. Auch zur Devisenvcrordnung und den damit im Zusammenhang stehenden Dorschrif­ten wurden nähere Ausführungen gemacht. Als­dann wurde die jetzige Lage eingehend besprochen und die Forderung der hessischen Industrie- und Handelskammern auf Befreiung der Wirtschaft von den ihr auserlegten Fesseln besonders unter­strichen. Wie sehr die Rot angewachscn ist, geht aus den Llmsatzrückgängen hervor, die nach den Berichten der anwesenden Herren in manchen Branchen 40 Prozent und meh r gegenüber dem Dorjahre betragen. Rach längerer Aus­sprache wurde folgende Entschliehung ein­stimmig gefaßt:

»Die Wirtschaft deS Kammerbezirks hat unter der gegenwärtigen Krise besonders stark zu leiden. Die Äffischen Industrie- und Handelskammern haben bereits auf ihrer letzten Dertreterbcspre- chung zur Lage im allgemeinen Stellung genom­men. Unabhängig von den Maßnahmen, die die Wirtschastsvertretungen zur Milderung der Steuer- und Zinsenlasten in Angriff genommen haben, richtet die Dollvcrsammlung der Industric- und Handelskammer Friedberg an die Derbraucher die dringende Bitte, im Rahmen der eigenen finanziellen Leistungsfähigkeit zur Wiederbele­bung des Geschäftes bcizutragcn. Das Geld hat die Funktion, dem wirtschaftlichen Derkehr zu dienen und nicht in den Truhen zu liegen. Trotz

(Eine größere militärische Hebung wird am morgigen Dienstag wieder zwischen den Garnisonen von Gießen und Marburg stattfinden. Das Gießener Bataillon wird in der lammenden Nacht gegen 3 Uhr von hier nach der (i.gend von Mornshausen bei Gladenbach abmarfchieren und dort morgen früh in der Richtung auf Hermeshaufen gegen die Garnison von Marburg ins Gefecht treten. Die Gefechtshandlung wird voraussichtlich am Diene- tagnadjmitlaa ihren Abschluß finden. Dann wird die Marburger Garnison wieder nach Marburg zurück­marschieren während die Gießener Truppe nach ! einer Derpslegungspause die Hebungen im Batail- lonsoerbanbe fortsetzen, die Nacht zum Mittwoch über im Manöver weilen und am Mittwoch früh gegen 8 Uhr wieder hierher zurückkehren wird. Schlachten­bummler, die sich das Gefecht am morgigen Dienstag nicht entgehen lassen wollen, werden sich zweck- maßigerweise gegen 8.30 Uhr auf der Höhe nördlich der Mappesmühle bei Mornshausen einfinden.

* Eine Achtzigjährige. (Eine alte Gieße­nerin, Frau Ww. Luise Richter, geb. Weißmül­ler, Karl - Dogt - Straße 21, begeht am Dienstag, 22. September, in geistiger und körperlicher Frische ihren 80. Geburtstag.

* Haussammlung für Hilfsbedürf­tige. 9n den nächsten Wochen läßt die Anstalt für Epileptische in Nieder-Ramstadt ihre behördlich ge­nehmigte Hauskollekte in Stadt und fiteis Gießen durchfuhren. Da es sich bei dieser Sammlung um ein Liebeswerk an den bedauernswerten Fallfüch tigen und Krüppeln handelt, sollte sich niemand der Bitte um eine Gabe verschließen, vielmehr nach Kräften dazu beitragen, das Los der Kranken er­leichtern zu helfen. Der mit der Haussammlung Beauftragte ist mit einem Ausweis und dem be­hördlich genehmigten Kbllektantenbuch versehen.

Ein Einbruch in die Zeughaus- t a f e r n e wurde, wie jetzt erst bekannt wird, in der vorigen Woche nachts, während der Abwesenheit des Bataillons im Manöver, versucht. Es wurde versucht, von der Senckenbergstraße aus in die Kaserne ein- zudringen. Der Wachtposten bemerkte den Einbruchs- versuch noch bevor er durchgeführt werden konnte, und verscheuchte den oder die Täter. Der Vorgang wird jetzt von den Behörden untersucht. Im übrigen wurden die Sicherungsmahnahmen verschärft.

finden. Der Handel fordert, daß auch die Er­zeuger zu dem Opfer beitragen. Derhand- lungen in dieser Richtung sind mit dem RcichS- veroand der deutschen Industrie aufgenommen. Daneben laufen Derhandlungen mit den Koh­lensyndikaten und mit dem Bäcker- u nd Fleischerhandwerk, den D r o t f a b r i * k e n und der Z l e i s ch w a r e n i n d u st r i e , die noch auf weitere Erzeugerkreise und Gewerbe ausgedehnt werden sollen. Die Zuführung der Lebensmittel an die Arbeitslosen soll nach Mög­lichkeit über den Einzelhandel und die Derkaufs st eilen der Konsumgenos­senschaften geschehen. Das Derfahren soll von den Fürsorgestellen gemeinsam mit den be­teiligten Wirtschaftskreisen geregelt werden. Da­bei wird auch entscheidend fein, inwieweit Bar­unterstühungen durch Sachleistun­gen abgelöst werden können.

Die Reichsregierung hofft, auf diese Weise die Kaufkraft der Arbeitslosen stärken und kost­spielige Sondereinrichtungen zu ihrer Dersorgung außerhalb des üblichen Handels­weges vermeiden zu können. Deshalb ist es erwünscht, dah auch die einzelnen Fürsorge- träger nicht selbständig Maßnahmen er­greifen, durch die das Ergebnis der sich ihrem Abschluß nähernden Derhandlungen beeinträch­tigt werden könne.

der anerkannten Rotlage weitester Derbraucher- schichten gibt cs auch heute noch unberechtigte Kaufenthaltung. Dadurch wird aber die Krise nur noch verschärft. Ie eher es gelingt, durch Um­sätze die Produktion zu heben.um so eher wird cs möglich fein, die harte Lage für alle Derussschichten zu mildern. Angesichts der stark erhöhten Bantzinsen, der Einschränkung der Kredite, sowie der Forderungen der Lieferanten nach Barzahlung, sind alle Geschäftsleute genötigt, auf schnellen Eingang ihrer Außenstände bedacht zu sein. Wir erheben deshalb die dringende Ditte, fällige Rechnungen sofort zu bezahlen. Wer über ein regelmäßiges Arbeitseinkommen oder andere sichere Einkünfte verfügt, der leistet sich und der Allgemeinheit den besten Dienst, wenn er Rech­nungen nicht lange anstehen läßt. Rur so wird es der Geschäftswelt möglich sein, die eigenen Zahlungsverpflichtungen pünktlich zu erfüllen und damit auch ihrerfeits zu der dringend notwen­digen reibungslosen Abwicklung des Wirtschafts­lebens beizutragen."

Zu der aktuellen Frage der Aufhebungder Hauszinssteuer nahm die Dollversammlung eingehend Stellung. Einmütig wurde der Auffas­sung Ausdruck gegeben, daß die Wiederherstellung ausreichender Ertragsfähigkeit des bebauten Grundbesitzes ein unerläßliches Erfordernis der Wiederbelebung der Wirtschaft ist. Auch würden

DaS Reichsgericht hat vor kurzem (11. Iuli 1931 IX 138 31) eine interesfante Entscheidung ge­fällt. Ein Anstreicher, der das Absällrohr einer Dachrinne ft reichen sollte, kam mit dem blanken Draht der sog. Hausanschlußleitung des Elektri­zitätswerkes in Berührung und stürzte tot von der Leiter. In dem sich anschließenden Schadens­ersatzprozeß der Hinterbliebenen gegen das Elek­trizitätswerk hatte da« Oberlandesgericht zwar ein wesentliches Derschulden. des Anstreichers fcftgcftcllt, das Elektrizitätswerk aber doch zum Teil verurteilt. Das Reichsgericht bat diese Ent­scheidung aufgehoben und die Klage in vollem Umfange abgcwicscn. Das Elektrizitätswerk habe die Dorschriften des Derbandes Deutscher Elektro­techniker eingehalten, diese seien als eine über­parteiliche Bearbeitung der auf dem Gebiete der Elektrizität geltenden Regeln der Technik anzu- sehen. Wer sie beachte, habe daher in der Regel die ihm obliegende DerkehrSsorgfaltspflicht er­füllt.

Daraus ist umgekehrt zu entnehmen, daß der­jenige, der die DDE.-Destimmungen außer acht läßt, dem Dorwurf der Fahrlässigkeit ausgesetzt ist. Dabei wird der Laie, dem die DDG.-Dor- schriften nicht bekannt sein können, allen Erforder­nissen der Sorgfalt Genüge getan (toben, wenn er die Herstellung feiner Anlage einem anerkann­ten Fachmann (Elektrizitätswerk oder zugclassenen Installateur) überträgt; die Beschäftigung von sog. Schwarzarbcitcrn ist dagegen nicht unbedenk­lich und kann als Fahrlässigkeit ungerechnet wer­den, wenn etwas mit der Anlage passiert. Zur Sorgfaltpflicht jedes einzelnen gehört aber auch die unverzügliche Beseitigung offensichtlicher Mängel der Anlagen, wie z. B. defekter Schalter- dosen, Leitungsschnüren mit defekter Isolation u. ä.

Taten für Montaq, 21. September.

Sonnenaufgang 6.08 Uhr, Sonnenuntergang 17.08 Uhr. Mondaufgang 17.08 Uhr, Monduntergang 0 Uhr.

1860: der Philosoph Arthur Schopenhauer in Frankfurt a. TI. gestorben; 1890: der Fliegeroffi­zier Max Jmmclmann in Dresden geboren.

Bornotizcn.

TageskalenderfürMontag. Gemein, nützige Deutsche Bühne für Volkshygiene: 20 Uhr,

Verbilligung des Lebensbedarfes für Arbeitslose.

Berlin, 19. Sept. (TLI.) In den beiden letzten Wochen haben in den Reichsministerien mit den beteiligten Kreisen zahlreiche Bespre­chungen stattgefunden, mit dem Ziele, eine Der­st i l li g u n g des notwendigen Lebens­bedarfes der Arbeitslosen für den kommenden Winter zu erreichen. Handel und Konsumgenossenschaften haben fich bereits grundsätzlich zur Lieferung von Kartof­feln und Brennstoffen bereit erklärt. Ihre Mitglieder werden sich zu örtlichen Der­handlungen mit den Gemeinden über die Derstilligung weiterer Lebensrnittel bereit-

Aus der Prvvinzialdauptstadt

(Dieben, ben 21.September 1931.

Mein Mann spielt Skat.

Er spielt in jeder Woche nur ein Mal. Ich selber habe keinen Sinn für Karten. Zwei Männer, die im Leben sonst normal, erscheinen bann. Er kann es kaum erwarten. Sie setzen sich an einen runden Tisch;

(je freuen sich, wie kaum erwachsne Knaben, und Redensarten fallen, kraftvoll frisch, al» spielten sie in einem Schützengraben.

Die Rätselworte, die ich nie versteh, bie wiederholen sich jetzt schon seit Jahren. Ich kenne schon bas ganze ABE.

e» ist. um wirklich aus ber Haut zu fahren. ..Wer gibt!** So fragt eia jeder rrrs Mal. Wer bumm ist, gibt. Bei Karo blüht ber Weizen*. DerWalbspecht Pique" warb mir längst zur Dual unb ihre Wut bann bei bem falschenReizen"!

Unb jebe» Mal wirb mir bann aufgetischt: Hei! Wie sie fallen! Seht nur, wie sie sterzen!" (Ein Förster hat sich mal zu Tob gemischt!" .Hei? Wie sie sich bie Beinerchen verkerzen?" Wer nicht weiß wo, ber spielt hier nur Karo!" Die'Sangen Wege" unb dieKurzen Farben". Wer Vorhand hat, ist seines Lebens froh!" UndMer" kenn ich, die denNull" verdarben!

Sie spielenKucki", seltenAus der Hand".

Auf einmal wird einKontra" dann geschmettert. Jetzt aber wackelt nahezu die Wand, wenn einerRe!", ber anbreSub!" bann wettert Mit Rätselworten fällt mein Mann bann ein, bie halb französisch, halb chinesisch klingen, unb manchmal hort man unvermittelt brein ein klassisches Zitat von Goethe schwingen.

DieJava Mischung" unbWer hat, ber hat" ... Nu ziehn Sie mal Ihr Hemde aus, mein Lieber! Der kommt in'n Skat und dieser^oird Soldat" ... So reden sie und spielen wie im Fieber.

Ein großer Auswand wird fürwahr vertan.

Dann schließen (ie, mit Wangen rot wie Mennig, und nach sechs Stunden kriegt dann jeder Mann nach langem Rechnen dreiundzwanzig Pfennig!

Puck.

Oberhessischer Kunstverein.

In ber Samstag-Ausgabe bes Gießener Anzeigers würbe ber erste Teil des biesjährigen Ausstel- I u n g s p r o g r a m m s des Ode r h effisck^en K u n st o e r e i n s mitgeteilt. Am Sonntag, 27. Sep­tember, so schreibt man uns, lädt ber Kunstverein zu (einer ersten Ausstellung ein, bie eine Ucdersicht bes Lebenswerkes unseres 50jährigen oberhessischen Ma­ler» Ernst Eimer, geboren in Groß-Eichen bei Mücke, geben soll.

Anschließenb hieran sollen mehr als 100 Blatt graphischer Kunst unserer tiebeutenbften Maler der letzten Jahrzehnte gezeigt werden. Sie sollen durch sehr günstige Preisgestaltung viele Besucher zum Er­werb eines Blattes anregen.

Im November folgt eine Ausstellung der Arbeiten von drei lebenden Künstlerinnen aus ganz verschiede- nen deutschen Gegenden. Der Vergleich der einzelnen künstlerischen Auffassung wird für manchen Besucher interessant sein.

Der Monat Dezember ist unseren oberhessischen Künstlern Vorbehalten bie, wie alljährlich, ihr Iah- reswerk ber Oefsentlichkeit zeigen wollen.

Im neuen Jahre wirb der Verein voraussichtlich eine große Sammlung der besten D e i k e r s ch e n Arbeiten bringen können, wahrend für Februar- März Maler der modernsten Richtung, wie Schmidt- R o 11 u f f, Röhls», Heckel u. a., ihre Arbeiten ausstellen werden.

E» sei besonders daraus hingewiesen, daß die Be- suchszeiten für die Werktage auf die Stunden 15 bis 17 Uhr verlegt sind, um damit verschiedentlich ge­äußerten Wünschen entgegenzukommen. Ferner kann nach vorheriger Anmeldung jederzeit für ge­schlossene Besuchergruppen eine be. sondere Führung zu ermäßigtem (Eintritt durchgeführt werden.

Wie weit reicht die Sorgsaltspsticht hinsichtlich elektrischer Anlagen?