Ausgabe 
20.11.1931
 
Einzelbild herunterladen

fahung immer noch die Derhandlungsarundlage bit- bet so würde die Entsendung einer solchen Unter- suchungskommission nur möglich sein, wenn die Initiative dazu von Japan ergriffen würde. Man hofft, daß die japanischen delegierten sich einer derartigen Möglichkeit nicht verschließen werden. Sollte Artikel 15 der Satzung angerufen werden, was bisher noch nicht geschehen ist dann würde die Frage einer Entsendung einer Untersuchungskom­mission ohne weiteres akut. Die fiaoas-agentur Staubt, daß der Bölkerbundsrat morgen an die tage heranaehen müsse, ob Art. 15 fjerange- zogen werden müsse, auf den sich die chinesische Delegation berufen habe. Wenn dieser Artikel her- angezogen werde, dann sei der Weg für ein 93er- fahren erschlossen, das nicht mehr die Ein- stimmiakett der Beschlüsse verlange, da die Zustimmung der Parteien für die Beschlußfassung nicht mehr notwendig sei. Wenn die Unterredungen, die Briand heute mit den interessierten Parteien hatte, nicht neue Verstän- digungsmöglichkeiten erschließen, dürfte sich der Döl- kerbundsrat morgen in einer Sackgasse be­finden.

Aach Der Schlacht von Tsitsikar.

Japan richtet lich ein. Verfolgung der Lsiinefen.

London, 20. 2too. (WTB. Funkspruch.) Der TirneS"-Korrespondent in Tokio meldet Die Hauptstreitmacht der Japaner zog gestern vor­mittag 10 Uhr in Tsitsitar ein. Der Zivil- gouverneur von Eharbin, Tschangtschinhui, traf im Lause des Tages mit seiner Leibwache aus Eharbin ein, proklamierte die Al n a b

lzikar

Solun

Das Kriegsgebiet in der Mandschurei.

Zoraru

♦OSKA (V

hängigkeit der Provi n z und übernahm die Zivilverwaltung. General Ma's Armee be­findet sich in Auflösung. Das japanische Außen­ministerium ertlärt, die japanischen Truppen wür­den Tsitsitar in sehr kurzer Zeit wieder räumen. Der Kricgsminister erklärte, die Re­gierung habe dem japanischen Oberkommando in Mulden die Anweisung gegeben, die Truppen erst dann aus Tsitsitar herauszuziehen, wenn in Tsitsitar eine neue Regierung gebildet sei, die für Ordnung sorgen und den Schutz des Eigentums der Ausländer übernehmen könne. Der Kriegsminister erklärte weiter, dah die militärischen Unternehmungen in der Gegend von Tsitsikar noch nicht beendet seien, da mit einer Gegenoffensive General Ma's gerechnet wird. Die siegreichen japanischen Trup­pen in der Rordmandschurei verfolgen die Chi­nesen in Richtung auf Kokuschantschen (nordöst­lich von Tsitsikar), wohin sich Matschangschen ge­flüchtet haben soll. Die G e s a rn t v e r l u st e der Chinesen bei den Kämpfen am Mittwoch belaufen sich auf 300 Tote und über 3000 Verwundete, während die Japaner nur 300 Tote und Ver­wundete zu verzeichnen haben sollen. Das Ge­fecht fand bei 15 Grad Kälte statt. Die Japaner rückten t.ilw.' se auf Skiern vor. Gene­ral Tschangtsuelianu ,oll Verstärkungen heran- ziehen Rach japanischen Meldungen beabsichtigte er, die Taonan-Eisenbahn zu zerstö­ren, um die japanische Armee abzuschneiden. Der chinesische Aufständifchen-General Hsiao» t s ch e n g, ein Verwandter des Marschalls Tschangsuliang, hat den Versuch gemacht, die Stadt T s ch i n t s ch a u zu erobern. Er wurde von regulären chinesischen Truppen, die er zu­nächst für befreundet hielt, umzingelt, gefangen­genommen und mit seinem ganzen Stabe hin- gerichtet. Japanische Flieger führten gegen eine 3000 Mann starke Abteilung der Armee Matschangschen, die in Heilun, 100 Meilen nördlich von Chardin, zusammengezogen worden war, einen "Bombenangriff durch. Die Ab­teilung soll vollständig vernichtet worden sein.

Japan fordert Moskaus Neutralität.

Keine Waffen» und Munmontzlicfcrungcn an die Chinesen.

Tokio, 19.Rov. (TU.) Der japanische Auhen- minlftct übermittelte der sowjetrussischen Votschast eine Rote, in der festgestellt wird, daß die Ge­rüchte über eine Unterstützung der T r u p p e n d e S G e n e r a l s M a d u r ch den sowjetrusstschen Generalstab nicht von lapanischer Seite, sondern vermutlich von den Vehörden von Heilungkiang ausge­sprengt worden seien, um ihre Truppen zu er­mutigen. Die Sowjetunion müsse sich also b e l

i n I n c f e n beklagen, wenn Moskau wirklich eine Politik st r i k t e r R e u t r a l i t ä t ein- haue. Japan hoffe, dah die Sowjetunion eine ebenso peinlich neutrale Haltung ein» nehmen werde, wie sie Japan während de« chinesisch-russischen Konfliktes ein- GCM?.nlmcn _v<ibc Es wache darüber, dah den russischen Interessen kein Abbruch getan werde und schlage vor, daß Rußland eine freund-

1 Erklärung abgebe, wonach d « nChtnesenkeineWaffenundMu- niHon liefere. Die ostchinesische Eisenbahn.

der Beförderung chinesischer Truppen nach Tsitsikar und Angantschi beteiligt habe, müsse sich mit den Chinesen in die Verantwortung teilen, wenn eS zu einem ernsthaften Kampfe zwi­schen Chinesen und Japanern komme Die Regie- runa ersuchte den Sowjetbotschafter. Litwinow in freundschaftlicher Weise auf d i e Gefahr ernster Verwicklungen aufmerksam ,u machen, die entstehen könnten, wenn die

Oberbürgermeister a. O. Böß als Zeuge | im Sklarekprozeß.

Berlin. 19. Nov. (CNB.) Im Sklarek-Prozeß wurde mit der Beweisaufnahme begonnen. N o - do r r a, der erste Geschäftsführer der KDG-. lchil- derte seine Tätigkeit als Geschäftsführer in der Zeit von 1916 bis 1921. Jeden Monat habe er Bilan­zen a u f g e ft e II t, die von der Deutschen Treu- Handgesellschaft und später vom Stadtamtmann 5a- kolofski geprüft worden seien. 1921 fei K' e - bürg alleiniger Direktor der KVG ge­worben, und er unter dem Verdacht von Millionen- Unterschlagungen verhaftet worden. Da die KVG. unter feiner Leitung einen Gewinn von zwei Millionen Reichsmark erzielt habe, die von Sakolofski, Kohl und Kieburg während seiner Verhaftung hergestellte Bilanz aber einen Fehlbertrag von 300 000 Mark auf­weise, so bleibe nur der Verdacht daß diese Bi­lanz gefälscht worden sei. Das Lager der Neu- köllner Großhandelsgesellschaft, das die KDG. über­nehmen sollte, und das Kieburg als Leiter auf 14 Millionen Papiermark geschätzt hätte, sei zum Teil von Ratten zerfressen und schwer verkäuflich gewesen. Kohl bestritt, eine Bilanzfälschung oorge- nommen zu haben. Auch Sakolofski erklärte, daß die Angaben Novarras nicht stimmten.

Als sich Rechtsanwalt Dahn erhebt, um eine Erklärung abzugeben, fing Leo Sklarek an zu lachen. B. schrie darauf in außerordentlicher Er­regung, das ist ja unerhört, wie sich der Ange­klagte Sklarek benimmt. Wir befinden uns doch hier in keiner Kneipe. Ihr Benehmen ist würdelos. Die Deweisausnahme wird schon ergeben, dah sich die Sklareks nach dem Verkehr mit den Magistratsbeamten gedrängt haben. Leo Sklarek bekam darauf einen Wutanfall und schrie mit entstellter Stimme:Die Stadtbankdirek­toren Hoffmann und Schmidt, die von dem Rechts­anwalt B. verteidigt werden, haben sich uns aufgedrängt. Sie waren Vampire, ausge­nommen haben sie unsl" Hoffmann entgeg­nete, die Sklareks seien für die Stadtbank die besten Kunden gewesen und deshalb in seinem Hause honoriert worden. Während er nur Zi­garren zu 20 und 25 Pfennig rauche, habe er für die Slareks Zigarren zu 1 Mark auf den Tisch gestellt. H. drohte Leo Sk. mit dem Finger und sagte:Herr Sklarek, wir werden uns noch spre­chen. Mit dem Pelz, den Sie mir verkauft haben, haben Sie mich gelöchert. Ich verbitte mir in Zu­kunft derartige Anpöbelungen." Hierauf fuhr Leo Sklarek wieder auf und schrie:Alles haben Sie von uns kostenlos bekommen, sogar zum Alpen- fest eine Lederhose nach Maß mit der Auf­schriftGrüß' di' Gott". Unter allgemeinem Ge­lächter fertigte der Vorsitzende Leo Sklarek mit der "Bemerkung ab:Sie reden sich aber jetzt schon in den zweiten Teil der Anklage hinein, den wir erst später besprechen wollen."

Unter allgemeiner Spannung begann dann die Vernehmung des früheren Oberbürgermeisters Böß. Er erklärte, daß er keinerlei per­sönliche Beziehungen zu den Skla­rek s gehabt hätte. Auch seine Frau habe sich nichts von den Sklareks schenken lassen. Ein Zu­sammensein mit den Sklareks auf dem Presseball sei u n w a h rr. Geneau so unwahr sei es. daß er mehrere Geliebte gehabt habe, für die er si<y

von den Sklareks habe Pelze schenken lassen. Mar Sklarek habe er bei der KVG. ken­nengelernt. Er sei bei der alten und auch bei der neuen KVG. Kunde gewesen. Seit 1928 habe er von den Sklarekschen KVG. nichts mehr gekauft, well er einmal nicht zufriedenstellend beliefert worden sei.

Die bei den Sklareks gekauften Anzüge habe er regelmäßig bezahlt. Er habe die Anzüge nur kurze Zeit getragen, weil der Stoff schlecht gewe­sen sei. Einmal hätten die Sklareks vergessen, ihm eine Rechnung zu schicken, das anderemal sei nur der halbe Preis berechnet worden. Beide Male habe er die Richtigstellung angemahnt. Don den Geschenken der Sklareks an verschiedene "Be­amte habe er nichts gewußt. Böß kam dann auf den Pelz zu sprechen, den seine Frau für 3 7 5 Mark von den Sklareks ge­kauft hat. Er habe den Preis für sehr niedrig befunden. Darauf habe seine Frau geantwortet, da könne man doch sehen, wieviel an solchen Sachen verdient werde. Alm jeder Mißdeutung aus dem Wege zu gehen, habe er 1000 Mark gestiftet, und zwar 800 Mk. für einen not­leidenden Künstler und 200 Mk. für eine arme Verwandte seiner Frau.

Böß kam dann aus die A m e r i k a f a h r t zu sprechen. Bei seiner Ankunft in San Franzisko habe er zum erstenmal von den Vorgängen erfah­ren und fei dann auch sogleich eingeschritten. Es sei unwahr, daß seine Töchter bei der BAG. für 80 000 Mk. ausgestattet worden seien und daß er dafür nur 2000 Mk. gezahlt habe. Er habe in dem Kampf gegen die "Rot und daS Elend "Ber­lins für die Wohltätigkeit viel getan und auch persönlich Geld gestiftet. Wer wisse, wie sich seine Frau der Armen, Kranken und Alten Berlins angenommen habe, der könne beurteilen, in welch schändlicher Weise man mit dem Rainen seiner Frau umgegangen sei. Bei der Hergabe von Spenden durch Firmen habe es sich meist um persönliche Beziehungen gehandelt, wenn es auch möglich sein könne, daß sich Lieferfir­men der Stadt darunter befunden hätten.

Auf dir Frage des Vorsitzenden, wieviel der­artige Spenden er jährlich erhalten habe, erklärte Oberbürgermeister Böß: Schätzungsweise 30 000 bis 40 000 Mark. Von dem Abschluß des M o - nopolvertrages mit den Sklareks durch Gäbel habe er nichts geteuft t Er halte auch den kommunistischen Etadtrat Gäbel nicht für berechtigt, derartige Monopolverträge abzuschlie- ften. Im übrigen habe er Gäbel als Aufsichts- ratsvorsihenden für geeignet gehalten, da an­zunehmen war,daß er als Kommunist besonders scharf die Augen offen halten würde". Daft der gesellige Verkehr von Magistratsm.tglie- dern mit den Sklareks eine für Beamte fo unan­gemessene Form gehabt habe, davon habe er keine Ahnung gehabt. Er selbst sei nur mit Max Sklarek bekannt gewesen. Rachdem Böft auf seine Aussagen den Eid geleistet hatte, wurde die Verhandlung auf morgen früh ver­tagt. Es werden bann Bürgermeister Scholz, der frühere Kämmerer Karding und der Käm­merer Lange vernommen werden.

Sowjetunion Truppen nach der nörd­lichen Mandschurei schicken würde, und gleichzeitig Litwinow zu versichern, daft die ost- chinesische Bahn nicht im geringsten be­schädigt worden sei.

Die japanische Antwort ist vor dem letzten Zu- sammenstoft zwischen chinesischen und japanischen Truppen abgefaftt und erst gestern abgesandt wor­den. Sie hat in Moskau großes Auf- se hen erregt. Rach sowjetrussischer Auffas­sung stellt ihr Inhalt eine gewisse Heraus­forderung gegenüber der Sowjetunion dar. Man erklärt, daft die Sowjetregierung bei Tschanghaipen, dem General von Heilunakiang, keinen Einspruch erheben könne, da sie feine diplomatischen Beziehungen mit ihm unterhalte. Die Sowjetregierung habe dem ja­panischen Botschafter in Moskau bereits zweimal erklärt, daft sie in der Mandschurei neutral blei­ben und General Ma nicht unterstützen werde.

Deutschland hält sich zurück.

Bülows Politik in Paris

Berlin, 19. Rov. (ERD.) In der Darstel­lung einiger Zeitungen über die "Besprechungen des Völkerbundsrates in Paris ist die Stel­lungnahme des deutschen Delegierten. Staats­sekretärs v. D ü l o w , in unzutreffender Form wiedergegeben worden. Wenn behauptet wird. Staatssekretär v. Dülow habe gemeinsam mit dem englischen Auftenininister Simon den Ar­tikel 15 der Völkerbundssatzung in die Debatte geworfen, wonach der Rat Entscheidun­gen treffen könne, ohne daft die Inter- essiertenMächte mitftimmen, wird von zuständiger Stelle darauf hingewiesen, daft Staatssekretär v. Dülow in keiner Weise in der behaupteten Form in die Debatte eingegriffen habe. Ebenso unzutref­fend ist die Dehauptung. Staatssekretär v. Bü­low habe erklärt, Deutschland beabsich­tige, aus seiner bisherigen Zurück­haltung herauszutreten. Es wird mit aller Entschiedenheit betont, daß es völlig ab­wegig sei, zu unterstellen, Deutschlands Haltung einer vollkommensten Zurückhaltung und Reutralität zu den Ereignissen in der Mandschurei solle geändert werden.

Oer Prozeß gegen Alfons XIII.

TieCortes verurteilen den König zum Ver­lust seines Vermögens.

Madrid. 20. Rov. (WTB. Funkfpruch.) Die Rachtsihung der EorteS begann mit der Ver­lesung der Anklage gegen den frühe­ren König AlsonS XIII. Der ehemalige Präsident deS spanischen Senats. Graf Vo­rn a n o n e S, der den König verteidigte, erklärte, der Prozeß gegen König Alfons fei gesetzlich nicht einwandfrei, da der Angeklagte nicht an­wesend sei und sich nicht verteidigen könne. Romanone« ist der Ansicht, daß die öfsentliche Meinung im Jahre 1923 einer Diktatur eher günstig gewesen sei. und daß in diesem Falle König Alfons nicht in besonderem Maße

schuldig sei, wenn er damals daS Parlament nicht einberufen habe. Immerhin erkannte der Redner an, daß es sich damals um einen "Verstoß gegen die Verfassung gehandelt habe. Der Verteidiger richtete zum Schluß an die Abgeordneten die dringende Mahnung, ernstlich ihr Gewissen zu befragen, ehe sie ihr Airteil fällten.

Die Rachtsihung der Cortes schloß um 4 Alhr früh mit der Annahme einer Airteilsformel, die von der ursprünglichen wesentlich a b w e i ch t. Der König wird des Hochverrats für schuldig erklärt, da er seine Macht­befugnisse unter Zuwiderhandlung gegen dle Verfassung des Staate- a u s g e ü b t habe. Der oberste Gerichtshof der Ration erklärte ihn deshalb als außerhalb des Gesetzes stehend. Der König Der« liertdaheralle Ansprücheaufseinen Besitz, die in das Eigentum der Republik über- aehen. Jeder spanische Bürger kann ihn verhaften, falls er wieder spanischen Boden betreten sollte.

Oer Wirischafisbeirai beendet feine Beratungen.

An, Montag Voraussicht! ch Lchlutziiyung.

Berlin. 19. Rov. Amtlich. (WTB.) Wie in Aussicht genommen, traten die b e i 6 en Aus­schüsse des Wirtschaftsbeirates der Rcichsregierung heute nachmittag erneut zu Sitzungen in der Reichskanzlei zusammen. Auf Grund der in den letzten Tagen stattgehabten Einzelberatungen zwischen der Reichs­regierung und den AuSschuhmitgliedern konnten die Beratungen der beiden Ausschüsse bereits heute abend zu Ende geführt werden. Eine abschließende Sitzung der beiden Aus­schüsse, in der Leitsätze zum Wirtschaft-- programm der Reichsregierung end­gültig feftgelegt werden sollen, ist für SamStag oder Sonntag in Aussicht genommen, der alsdann eine Schlußsitzung des W:rtschaftsbeirates unter Vorsitz de« Herrn Reichsprä­sidenten voraussichtlich am kommenden M o n- t a g folgen wird.

Gläubigerschuh und Osthilfe.

Eine Erklärung des Rcichskommifsartz zur Breslauer Börje.

"Berlin, 19. Rov. (WTB.) Der Reichs- kommifsar für die Osthilfe teilt mit: Daß die Rotverordnung zunächst In ® u bigertreifen Ainruhe Hervorrufen würde, war vorauSzufehen. Diese Beunruhigung ist aber unnötig. Die Rotverordnung enthält keine so einschneidenden Eingriffe In die Rechte der Gläubiger, daß sich die Schließung einer Pro­duktenbörse (Die BreSlauer Börse wurde unter Hinweis auf die Osthilse-Rotverordnung geschlossen. D. Red.) hätte rechtfertigen lassen. Im Gegenteil. Im Interesse der Ernährung des Volkes ist eS durchaus notwendig, die Ge­treideverkäufe nicht überhastet ftatt- finden zu lassen, sondern sie über das ganze Jahr zu verteilen. Die Gläubiger, die Im Falle von Zwangsversteigerun­gen toie sie andernfalls in kurzer Zeit in

großem Almfange eingesetzt hallen In den meisten Fällen alles verloren hätten, so- well sie hinter der ersten Hypothek stehen, wer­den auf diese Weise in viel größerem Maße zu ihrem Recht kommen. Zudem wird in den demnächst zu erlassenden Aus­führungsbestimmungen zur Rowerordnung. die die Durchführung des Verfahren- regeln, auf die Interessen der Gläubiger besonder- Be­dacht genommen werden.

Die Sranffurter RelloraiSrebe.

Ter scnat distanziert sich von der Bede Pros Jiicher-Wajels'

Frankfurt a. M., 19. Rov. (WSR.) "Bei der Rektoratsübergabe an der Frankfurter Universität hatte der scheidende Rektor, der Pa­thologe Professor Dr. Fifcher-Wasel-, eine Rede gehalten, die durch ihre scharfe und offen­herzige Kritik an kulturpolitischen Mißständen und am Kurs der amtlichen preußischen Hochschul­politik bei einem Teil der Zuhörer Anstoß er­regte. Es schien einen Zwischenfall zu geben und es wurde schon von einer drohendenMaß- rcgclung gemunkelt. Runmehr ist eS aber ge­lungen, die Sphären des Amtlichen und de« Pri­vaten gegeneinander abzugrenzen und damit den Zwischenfall zu erledigen Der derzeitige Rektor, Professor Madelung, hat an den Ober- präsidenten und den Oberbürgermei­ster als den Vorsitzenden de« Kuratoriums, die zu den Zuhörern gehört hatten und in ihrer amt­lichen Eigenschaft die Rede aus sich beziehen mußten, einen Brief gerichtet und ihnen sein Bedauern ausgesprochen Der Senat der Universität hat den Beschluß gefaßt, bei Univer­sitätsveranstaltungen, bei denen die eingeladenen Vertreter der Behörden nicht zu BAortc kommen können, derartige hochschulpolitische Ausführungen polemischer Art zu unterlassen. Ferner beschloß der Senat, die Rede im amtlichen Rechenschafts­bericht nicht zu drucken und sie damit a l S eine private Aeußcrung zu charakteri­sieren.

Preußens Fehlbetrag für 1930: 121/3 Millionen.

Berlin, 19. Rov. (VDZ.) Wie auS einer Denkschrift hervorgeht, die der preußische Finanz- minifter dem Landtag zugeleitet hat, stellt sich der Fehlbetrag im Staatshaushalt für das Rech­nungsjahr 1930 auf 121,3 Millionen Mark. Der Haushaltsvoranschlag war ausge­glichen gewesen. DaS Defizit ergibt sich im wesentlichen aus dem Rückgang der Ein­nahmen der Betriebsverwaltungen um 39,4 Millionen gegen den Voranschlag und den entsprechenden Rückgang bei den Steuern und Abgaben um 94 Millionen. Unter den außerplanmäßigen Ausga­ben der Hoheitsverwaltung werden solche für die Mansfeld A G. in CiSleben, Zuwendungen für Beamte usw, aus den abgetretenen Gebieten, Ausgaben für Ruhr! chäden und 300 000 Mk. für den Umbau der ..Reuen Wache" in Berlin zu einer Gedächtnisstätte für die Gefallenen des Weltkrieges erwähnt.

Preußen hebt fünf pädagogische Akademien auf.

Berlin, 19. Rov. (Amtlich ) Da die allge­meine Finanzlage ebenso wie die Rotlage der Junglehrer zu ElnschränkungSmaßnah- m e n auch auf dem Gebiete der Lehrer­bildung zwingt, hat die preußische StaatSre- gierung beschlossen, im EtatSjahr 1932 die Zahl der Pädagogischen Akademien von 15 auf lOherabzusehen. Demgemäß stel­len die Pädagogischen Akademien in Stettin^ KottbuS, Erfurt, Kassel und Altona ihre Tä­tigkeit ein. Auch bei den ausrechterhaltenen Aka­demien in Elbing. Frankfurt a. d. O.. BreSlau, Deuthen, Halle, Kiel, Hannover. Dortmund, Bonn und Frankfurt a. JE. finden im Jahre 1932 Reuaufnahmen nicht statt. Diese Spar­maßnahmen lasten Idee und Form der neuen preußischen Lehrerbildung grundsätzlich unberührt.

Aus aller Welt.

haflvcrficherungszwang für Motorräder.

Im Preußischen Landtag hatte der Abg. Müller- Jserhagen (Lo.) Beschwerde gegen die Ge­fährdung des Verkehrs durch die Mo­torradraserei auf den Land st raßen er­hoben. Der preußische Handelcminister teilt mit, daß die Polizei bereits durch die bestehenden Bcstimmun- gen ausreichende Möglichkeiten habe, gegen rücksichtslose Fahrer einzuschreiten, und daß die Polizei auch mit den erforderlichen Anwei­sungen versehen sei. Cs sei in Aussicht genommen, eine entsprechende reichsgesetzliche Rege­lung bei der nächsten Ergänzung der ftraftoer« kehrsordnung herbeizuführen. Dem Reichsverkehrs- Minister liege bereits der Entwurf für den Haft­pflichtversicherungszwang vor.

Eine deutsche Frau Mitglied der spanischen Carle«.

Das Mandat der Cortes-Abgeordneten Frau ReI. len ist bestätigt worden. Frau Nelken, die von deutschen Eltern stammt, hat auf Wunsch des spanischen Parlaments ihre Naturalisie­rung vollziehen lasten mästen und ist nach dieser nunmehr endgültig Mitglied der spanischen Corte«.

Die evangelische Kirche in Siebenbürgen.

Aus Anlaß seines 25jährigen Bischofs-Jubiläum» hat der König von Rumänien dem evangelisch-luthe­rischen Bischof von Siebenbürgen, Dr. Teutsch, das Großkreuzdes Sterns von Ruma- n i c n verliehen. Diese hohe Auszeichnung hat in allen deutschen Kreisen einen ausgezeichneten Ein­druck gemacht und wird als Beweis dafür ange­sehen, daß man an zuständiger Stelle deutsche Kul­turarbeit voll zu würdigen versteht.

Inselbewohner vom Hungertode bedroht.

Aus der Shetland-Insel F o u l a sind etwa 100 Einwohner vom Hungertod« bedroht, da die LebenSmittel^ufuhr infolge hefti­ger Stürme und anderer widriger Umstände seit zwei Monaten unterbrochen ist. Es sind Vorbereitungen getroffen worden, die Unglück­lichen nach der Hauptinsel zu schassen.

Riesenbrand In einer englischen Spinnerei.

Eine große Spinnerei in Springhead bei Oldham wurde durch einen Riefenbrand zerstört. Als das Feuer ausbrach, waren 240 Arbeiter in den Räumen beschäftigt, die sich jedoch alle retten konnten Nur einige erlitten leichtere Ver­letzungen. Die Fabrik, die 60 000 Spindeln enthielt, brannte innerhalb einer halben Stunde vollständig nieder.