Im Gegensatz zu allen anderen „Kultur"- Ländern ist es ein schweres Verbrechen, wenn man auf (Reifen sein Gepäck und seine Wertsachen nicht sorglos irgendwo sichen bzw. liegen läßt. Man würde den mitreisenden oder umstehenden LandeSeinwohnern nur einen bitter kränkenden Mißtrauens beweis geben. Tatsächlich fand ich einmal meinen Rock, als er von dem Gepäck her- untetgegbllen war, wieder säuberlich auf gehängt — und man hatte sogar einige aus den Taschen herauSgefallene Gegenstände wieder hineingelegt. Man denke sich diese Szene auf einem mitteleuropäischen Grohstadtbaynhofl Diebstahl ist ein schweres Verbrechen. Wie mir aus einer Zeitung übersetzt wurde, war gerade ein Dieb, der auf dem Markte 10 Kilogramm Lachs gestohlen hatte, zu derselben Strafe wie ein Totschläger verurteilt worden, nämlich zu vier Jahren Gefängnis. So erlebte ich in einem Autobus, auch in Vord- karelien, dah ein Tourist für dieselbe Strecke 10 Ml. weniger zu bezahlen brauchte als ich. Auch der Tourist wunderte sich — worauf ihm der Führer strahlenden Vlickes die Hand schüttelte mit der Erklärung, er habe ihm im vorigen Iahre mangels Wechselgeld einmal 10 Mk. zuviel abgenommen. Er freue sich, das jetzt wieder gutmachen zu können. In Helsingfors aber verwunderte man sich ob meiner erstaunten Frage, dah man die Autos nachts unbesorgt einfach auf der Straße statt in der Garage stehen lassen könne. „Wenn die Straße breit genug ist. warum nicht?", lautete die erstaunte Gegenfrage.
Oberbeffen.
Landkreis Gießen.
?Alten-Duseck,19. Oft. Unter (Beteiligung der ganzen Einwohnerschaft und zahlreicher auswärtiger (Besucher fand gestern die feierliche Einweihung unseres Gefallenendenkmals statt. Um 14 Uhr bewegte sich unter Glockengeläute ein stattlicher Zug, bestehend aus den Vereinen des Ortes und der übrigen Einwohnerschaft, vom Gotteshaus zum F.iedhos. Die Feier wurde eingeleitet durch einen Chor des Ge» sangvereins „Germania": „Ein Kreuzlein im Winde". (Nach dem Vortrag eines Schülerchors unter Leitung von Lehrer (Ranft folgte eine Ansprache des Miterbauers des Denkmals, Stein- Hauer Muhl, woraus die Enthüllung des Ehreist- mals folgte. Bürgermeister Becker übernahm das Denkmal, das trotz feiner schlichten Form einen wirkungsvollen Eindruck macht, in den Schuh der Gemeinde, gedachte in bewegten Worten der gefallenen Söhne unseres Ortes und sprach den Wunsch aus, daß das Denkmal, so wie es durch einiges Zusammenarbeiten der ganzen Gemeinde entstanden fei, ein bleibendes Symbol der Einigkeit fein möge. Dann vollzog Ortspfarrer (Naumann die Weihe des Denkmals, wobei er darauf hinwies, dah die für das Vaterland gefallenen Helden ihr Bestes, ihr Leben für uns hingegeben haben und die Gemeinde dieses Denkmal als äußeres Zeichen des Dankes und als Mahnung zur Einigkeit untereinander betrachten möge. Während Pfarrer (Naumann die (Namen und Todestage der 56 Opfer unserer Gemeinde verlas, legten die Schulkinder Blumen auf den Stufen des Denkmals nieder. Vach Gesangs- vorträgen der übrigen Gesangvereine des Orts und Abgabe der Ehrensalve durch den Krieger- verein erfolgten zahlreiche Kranzniederlegungen durch die Vertreter der Behörden und Vereine. Mit dem unter Begleitung des hiesigen Posaunenchors gemeinschaftlich gelungenen Liede: „Ich halt' einen Kameraden" fand die erhebende Feier ihren Abschluß.
t Treis (Lumda), 19. Oft. Gestern wurde in unserer Kirche das Grntebanffeft gefeiert, wobei die Konfirmanden das Erntedankfestspiel von Scriba oortrugen, und Kirchengesangverein und Posaunenchor durch ihre Mitwirkung die Feier verschonten. Die ansehnliche Kollekte kam den Evangelischen des Auslandes zustatten.
t Allendorf a. d. Lda , 19. Oft. Der Ge - slügelzüchterverein Allendorf und Umgebung hielt gestern im Gasthof „Zum Bahnhof" dahier feine Vierteljahrsversammlung ab. Vach Verlesung der Derhandlungsniederschrift von der vorigen Sitzung durch den Schriftführer erstattete der Rechner die von zwei Mitgliedern des Vorstandes geprüfte Schlußrechnung des vorigen Iahres, die mit einem stattlichen Lieber- schuß abschloß, so daß 200 Mark dem Vereinsvermögen zugeschrieben werden konnten. Sodann wurde an Stelle des verstorbenen 2. Vorsitzenden Herrn Käs, Herr L. Krieb (Allendorf) gewählt. Dom 8. bis 10. Januar 1932 wird dahier eine Dezirksgeslügelschau Jtattfinben, mit der die Feier des 40jährigen Bestehens des Vereins verbunden werden wird. Es stehen für die Schau bereits über 20 Ehrenpreise in Aussicht. Dcr Mitgliedsbeitrag für Arbeitslose wurde auf die Hälfte herabgesetzt und der Zuschuß für die hiesige Arbeitsgemeinschaft der Ortsvereine vom nächsten Iahr an abgelehnt.
(D ©rünlngen 19. Ott. Auf her Kraft- voststrccke Gießen - Aambach ist seit heute eine Fahrplanänderung eingetreten. Die erste Fahrt Gambach ab 5.45 Llhr, Gießen an 6.25 Uhr, fällt auS. Die werktägliche Fahrt ab Gambach 14.10 Llhr wird wieder eingelegt. Am Samstag verkehrt dies oKraftpost eine Stunde Vater. Die bisherige Fahrt Dießen ab 19.50 Uhr fährt bereits um 19.15 Uhr ab.
Mrcio tyrichbcrg.
- Kirch-G önS, 18. Oft. Die Kartoffelernte ist beendet. Obwohl die Kartoffeln unter ber feuchten Witterung stark gelitten haben, ist "5 ®r^ag trotzdem als sehr gut anzusprechen. SHe Felder find in diesem Iahre stark von der Sch necken plage befallen. Kartoffel und Dick- warz sind vielfach angefressen. Durch die Schnek- keiiplage wurde auch die rechtzeitige Aussaat des Wintergetreldes verhindert. - Die Obsternte ift au* hier lehr reichlich au-gefallen. Die Preise sind niedrig, jür BoSkop werden pro Zentner nur 6 btfl ? Mark bezahlt, für Reinetten nur 4,50 Mark Kelterobst, da- kaum mehr abzusetzen ist, wird mit 80 Pfennig bezahlt. — Die Dick- wurzernte ist. begünstigt durch daS Herbst- Wetter, sehr rasch vonstatten gegangen Der Ertrag ist sehr aut. Die Landwirte können nur einen kleinen Teil der Ernte in den Kellern unterbringen. Der größte Teil muh in Erd- löchern vergraben werden.
Mrcto Büdingen
-r-2uS dem Viddatal, 18. Ott Die Ent- nähme von Streulaub aus den angremen- dep Waldungen, auf die kleinere Landwirt, xll- iährlich angewiesen waren, ist fast ganz > - e q fall gekommen. Obwohl lieb bei nleichble--
Das kerckhoff-Mini in Sad - Aauheim.
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Links: Die Stifterin, Frau Louife E. Kerckhoff, mit Professor Dr. Groedel. Rechts: Das William-G.- Kerckhoff-Inftitut für Herzforschung in Bad-Rauheim.
In Bad-Nauheim fand, wie wir gestern schon i herzigen Stifterin statt. Für den Bau dieses In- berichteten, die Einweihung des Kerckhoff-Instituts, ftituts zur Erforschung und Bekämpfung von Herz- das die Witwe des verstorbenen amerikanischen Mil- I krankheiten hatte Frau Louise E. Kerckhoff 4,5 Millionärs William G. Kerckhoff zum Andenken an I (ionen Mark zur Verfügung gestellt.
ihren Gatten gestiftet hat, in Anwesenheit der hoch- I ---
Oer Favag-prozeß.
Riesige Sonder-Vergütungen an die Vorstandsmitglieder.
WSV Frankfurt a. M., 19. Olt. Am heutigen zweiten Verhandlungstage im Favag- Prozeß wurde über den Aktienverkauf an die Röchling-Bank verhandelt. Der Angeklagte M ä d j e als Generaldirektor der an dem Aktienverkauf beteiligten drei Gesellschaften, nämlich der Vereinigten Berlinisch-Preußischen Lebensversicherungs AG, der Berlin-Frankfurter Allgemeinen Versicherungs-Gesellschaft und der Berlinisch-Allgemeinen Dersicherungs AG-, führte aus, dah zunächst Verhandlungen mit«dem Professor Hirsch als Vertreter des Michael-Konzerns wegen Lieberlassung von 25 Prozent der Aktien der Vereinigten Berlinisch-Preußischen aus dem Besitz der Favag zu keinem Ergebnis geführt haben. Die Favag hätte für das Aktienpaket einen Betrag von 2 Millionen Mark gefordert, worauf Professor Hirsch nicht einging. Als später Dr. Altschüh für die Röchling-Bank die Verhandlungen weiterführte, einigte man sich darauf, für 2 Millionen Mark j e 25 Prozent der Aktien der drei oben erwähnten Gesellschaften abzugeben.
von dieser Summe, welche der Favag zufloß, wurde nun ein Betrag von 400 000 R2U. verteilt, und zwar erhielt Mädje als Generaldirektor der drei Gesellschaften 110 000 RBL, Professor Hirsch erhielt 20 000 R2T1 und die restlichen 270 000 Reichsmark brachte Mädje persönlich von Berlin nach Frankfurt a. 2H., wo er sie dem Generaldirektor der Favag, Dumcke, in Gegenwart
Becker» übergab.
Es kam dann die Sprache darauf, daß außer den 4 00 000 Mark noch weitere 100000 Mark verteilt worden seien, und zwar an Dumcke, Decker, Lindner und Schumacher. Schumacher gab dann eine Darstellung, wie es zur Verteilung der 100 000 Mark kam. Eines Tages fei Dumcke gekommen und habe gesagt, es sei ein außerordentlich gutesGeschä tgemacht trort en und er habe bei dem Aussichtsratsvorfiyenden Hoff beantragt, eine Sondervergütung an den Vorstand von 1 00 000 Mark au verteilen. Becker habe ein Drittel bekommen, Schumacher 25 Prozent und der Rest wurde unter die anderen Herren verteilt. Der Vorsitzende verwies darauf, daß um die gleiche Zeit noch andere Vergütungen gegeben wurden. Es sei Pflicht der Vorstandsmitglieder gewesen, für den Konzern auch vergütungslos tätig zu fein. Schumacher erklärte, daß der gesamte Aufsichtsrat die Vergütungen bewilligt habe, und dah er in seiner Handlungsweite nichts Strafbares erblicke. Das Llnter- nehmen sei auch so glänzend situiert gewesen, daß das, was ihm zuteil wurde, gar nicht von (Belang war. Der Qlngctlagte Lindner bestätigte die Aussagen Schumachers. Er hat die Llrkunde, in der die 100 000 Mark bewilligt wurden, zu Gesicht bekommen und war der Ansicht, daß diese Aus- zahlung als eine Entschädigung für die sehr schmale Bezahlung in der Inflationszeit be
bendem Landbesitz meistens der Viehstand erhöht, sind die geernteten Stroherträge völlig ausreichend zum Streuen. Die intensive Sungung und Bewirtschaftung des Bodens, die in der Vachkriegszeit cinfetjtcn, haben nicht nur eine wesentliche Steigerung der Körner-, sondern auch der Stroherträge mit sich gebracht, so daß Streulaub entbehrlich wird
*!* Echzell, 18. Oft. Nachdem der seitherige Bürgermeister Heinrich Friedrich Schultheiß sein Amt niedergelegt hatte, fand heute bei sehr starker Beteiligung Bürgermeister-Neuwahl statt. Dabei erhielten Stimmen: Fuhrunternehmer Wilhelm Groth I 281, Wirt und'Fleifch. beschauer Otto Küfer 193, Landwirt Wilhelm Reuß 186, Landwirt Otto Scheuermann 116, Landwirt Otto Heller 82, Landwirt Heinrich Präfried II. 27 und Händler Wilh Müller III 41 Es hat also Stichwahl zwischen Wilhelm Groth I. und Otto Küfer zu erfolgen.
+ Hirzenhain. 19. Oft. Hier wurde nach einem Vortrage von Adolf Schilling (Hirzenhain) über Zwecke und Ziele des Stahlhelm eine Orts- gruppe desStah^lhelm gegründet, der sich eine Anzahl früherer Frontsoldaten anschloh.
Mitie Schotten.
< Dodenhausen II, 17. Olt. Mit unglaublicher Frechhe11 betrieben gestern Atoci Burschen hier ihren Hausierhandel. Sie wollten in der Lebrerwohnung mit Dro- nunqen und Schimpfen em Geschäft erzwingen und legten zu btefem Zwecke cnige Waren auf einen *iW neben der GlaStüre mit der Forderung an die eebrerfrau. die Waren zu bezahlen. Auf die
trachtet werden könnte. Die Llrkunde trug zwar die Llnterfchrift des Aufsichtsratsoorsitzenden Hoff, war aber von Direktor Decker verfaßt worden. Der Staatsanwalt warf die Frage auf, ob auch den Angestellten nachträglich eine Entschädigung für die geringe (Bezahlung in der Inflationszeit gegeben sei. Sch. erklärte, daß die Angestellten sich ihre Gehälter selbst geregelt hätten, nämlich durch die Tarifverträge. Der Vorsitzende betonte demgegenüber, dah dies nur eine Angleichung an die neugeschaffene Lage, aber keineswegs eine Vergütung für die vorherige schlechte Bezahlung sein konnte.
Die weiteren Verhandlungen wurden aungefüllt durch die breiten Erörterungen über die Einzelheiten, die sich aus der Lleoernahme der Aktien der Vürnberger Lebensversicherungs-AG. ergeben haben. Der Angeklagte Schumacher ist über die Einzelheiten dieser Transaktion nicht unterrichtet, obwohl sich seine Llnterschriften auf den diesbezüglichen Schriftstücken befinden. Die Verhandlungen wurden von M ä d j e eingeleitet und später von ihm fortgeführt. Generaldirektor Dumcke hatte Schumacher einen Sitz im Auf- fichtsrat der Jntag-Phöbus angetragen, dieser hatte sich zur Annahme jedoch nur unter der Bedingung bereitgefunden, wenn er auch in den Aufsichtsrat der Vürnberger LebensversicherungS- AG. hineinkäme
Bel dieser Gelegenheit hatte Dumcke erklärt, dah 62 000 R2TL Aktien der Nürnberger Lebens- Versicherung „frei würden". Ohne sich näher über die Dinge zu informieren, haben Schumacher und Mädje die Sondervergütung in Form dieser „frei gewordenen" Aktien angenommen. Augenscheinlich ist der Aufsichtsratsvorsihende Hoff von den Generaldirektoren getäuscht worden, denn aus den LIrkunden geht hervor, daß dem Aufsichtsrat vorgeschlagen worden war, die 62 000 Mark Aktien an Mädje zu überlassen, weil er das Geschäft der Favag zugeführt habe.
Daß auch Dumcke, Decker und Schumacher an dieser Vergütung beteiligt werden sollten, ist in den Akten nicht zu ersehen. Später wurde noch eine Sondervergütung von 3 0 0 0 0 Mk. in bar an die Direktoren Dumcke, Becker und Mädje ausbezahlt. wobei wiederum in einer vom AufsichtSratsvorsitzenden Hoff unterzeichneten Llrkunde nur Mädje genannt wird, der als Vergütung und Entschädigung 30 000 Mk. erhalten sollte.
TNädje war von Generaldirektor Dumcke gebeten worden, über diese Angelegenheit gegenüber anderen Vorstandsmitgliedern nicht zu sprechen, was den Vorsitzenden des Gerichts veranlaßte, die Frage aufzuwerfen, ob es anginge, daß innerhalb des Vorstandes einer Gesellschaft bewußt Dinge verheimlicht werden dürfen.
Darauf wurde die heutige Verhandlung geschlossen.
wiederholte Aufforderung der Lehrerfrau, die Waren wieder einzupacken, erklärte der frechste der beiden Burschen, daß er die Waren nicht nehme, sondern die Frau ihm daS Geld dafür hinzulegen habe: sie solle sich als Deamtenfrau schämen, nichts kaufen zu wollen, und dann fielen Schimpfworte und Drohungen. Zum Glück war die Frau so geistesgegenwärtig, die Waren schleunigst durch die halbgeöffnete Tür zu werfen und die Tür so schnell zu verlch ic'cn daß der Du sche nicht in die Wohnung eindringen tonnte Er trat dann gegen die Türe und craing sich in groben Schimpfereien. auch noch auf der Straße dem herbeigerufenen Lehrer gegenüber. Auf derartige Burschen sollte die Sicherheitsbehörde ein besonderes Augenmerk richten
Ober-Schmitten, 19. Olt. AIS heute der diensthabende Bahnbeamte zum Frühdienst erschien, sand er im Bahnhofsgebäude die Türe deS Wartesaals erbrochen und verschiedene Fensterscheiben zertrümmert. Auf dem Boden deS Wartesaals, der verunreinigt war, lagen ein zurückgelassener Schlips und ein Kragenknöpfchen Gestohlen war nichts. Als zwei Beamte deS Eisenbahn-Fahndungsdienstes noch damit beschäftigt waren, den Tatbestand aufzunehmen, erschien im Wartesaal ein etwa lOjähriger Fechtbruder, ordnete seine Fußlappen und steckte den Schlips ein. Vach anfänglichem Leugnen gestand er. gegen 3 LIHr früh die Scheiben mit Steinen eingetroden und die Tür erbrochen zu haben, um einen Unterschlupf im Warte s a a l zu finden. Später sei er $u Fuß nach Schotten gegangen, von wo er zurückgekehrt sei, um seinen vergessenen Schlips zu holen. Der Ein
brecher, der offenbar unter dem Einfluß deS *XU kvholS stand, wurde in Haft genommen.
) Mittel-Seemen, 19. Olt. Sin schwerer Llnglücksfall, der leider ein blühendes Menschenleben forderte, ereignete sich heute vormittag. Der Landwirt Heinrich Peppel, einziger Sohn von Altbürgermeister Peppel dahier, war mit Sägen an der Kreissäge beschäftigt, als ihm plötzlich ein Sparren Holz mit größter Wucht gegen d i e Brust geschleudert wurde, waS den un- mittelbaren Tod zur Folge hatte. Dor etwa Ätvei Fahren verunglückte der älteste Sohn von Altbürgermeister Peppel tödlich bei Erdarbeiten am Gederner Bahnhofsumbau. heute verlor ec den noch einzigen jüngsten Sohn.
Nrete Alsfeld
w Alsfeld, 19 Okt. Die hiesige Arbeitsgemeinschaft der freien Wohlfahrtspflege unter dem Vorsitz von Pfarrer Hechler hat ihre Vorarbeiten für die Winterhilfe i m Kreise und in der Stabt Alsfeld soweit gefördert, daß die Haus- fammlungen in der kommenden Woche in Als- felb beginnen können. Die Hausfammulng in den Landorten werden durch die Pfarrämter geleitet Die auf Wunsch der Stadtverwaltung zur Errich- hing kommende Volksküche soll am Tlont .g, 9. November, im städtischen Weinhau» eröff et werden. Die ehrenamtliche Leitung hat Hotelier Schma11 übernommen. Geplant ift, bedürftigen Personen täglich eine kräftige Mittagskost gegen ein Entgelt von 10 Pf. für die erste, 8 Pf. für die zweite und dritte und je 5 Pf. für jede weitere Person derselben Familie zu liefern. In besonderen Fällender Not ift noch eine weitere Ermäßigung dieser Sage vorgesehen. Bis jetzt liegen Anmeldungen für etwa 100 Personen zur Teilnahme an der Volksküche vor.
WSV. Alsfeld, 17. OtL Der am Donnerstag gemeldete Verkehrsunfall, bei dem das vier Iahre alte Söhnchen deS Arbeiters D l h von einem Frankfurter Personenauto übersahren und schwer verletzt worden war, hat das Leben des Kindes gefordert. Der Kleine ist im städtischen Krankenhaus an den Folgen eines schweren Schädelbruches gestorben.
ty Niedet-Gemünden. 19. Oft Auf der Bahn ft recke nach Homberg werden zur Zeit durchgreifende Erneuerungsarbeiten vor. genommen. 23 Arbeitern von hier und Umgebung ift dadurch auf längere Zeit Derdienftrnöglichkeit gegeben.
OO Ober-Gleen, 19. Okt. Das dörfliche Leben hat feine Eigenart, und es hat diese um so mehr bewahrt, je weiter der Ort vom großen Verkehr abseits liegt. Hier ist eS a. B. noch Sitte, dah die Schulkinder In dem Hause, in dem gerade di« Dreschmaschine ist, ihren.Maschinenkuchen" bekommen. Im Laufe des Tages erscheinen sie so ziemlich alle im Hofe, und die Hausfrau ruft sie dann herbei und gibt jedem ein Stück Kuchen. Die Kinder erachten daS als ihr gutes Recht und die Hausfrau aü8 ihre Pflicht: denn der Tag, an dem der Segen deS Feldes endgültig ie- Wonnen wird, ist es schon wert, daß man etwas davon in der bezeichneten Form abgibt Wie < is bei Kindern nun einmal ist, schmeckt diesen hr .Waschinenkuchen" noch einmal so gut, als tot in ihn daheim die Mutter gebacken hätte. Es ist e.ne rechte Freude, zu sehen wie die kleinen Genies er herumstehen und herzhaft in den Kuchen Anbeißen. Solche Bräuche, so unwesentlich sie v l- leicht an sich sind, verleihen aber dem dörflich.^ Geben fein Gepräge. Es wäre zu wünschen, bafj es den .Klugen" nicht gelingt, auch diese harmese Sitte zu beseitigen und mit ihr ein weiteres Stück Gemeinschaftsgeist im Dvde.
Kreis Lauterbach.
& Lauterbach, 19. Oft. Am Samstagnachmit- tag ereignete sich auf der Straße Hörgenau—Ni;- felb ein schwerer Derfehrsunfall, der ein junges, hoffnungsvolles Menschenleben forderte. Da» dreijährige Töchterchen des Vanbront» Karl Greb aus Hopfmannsfelb wurde von einem Personenfraftwagen anaefahren und dabei tödlich verletzt. Die Schuldfrage ift dis jetzt noch nicht aeflärt. Die polizeilichen Ermittlungen sind im Gange.
Preußen.
Kreis Wetzlar.
O Hörnsheim, 19. Oft. Eine Versammlung von Grundstückspachtern beschäftigte sich mit der Senfunß der PachtpreIse. Diese betrugen bisher für gutes Land bis zu 100 Neichsrnark je Morgen. Bei der schlechten wirtschaftlichen Lage und dem ständigen Abgleiten der Preise für die landwirtschaftlichen Produkte glaubt man diese hoben Pachtpreise nicht mehr zahlen zu können. Vorerst soll mit den Verpächtern verhandelt werden. Einen Satz von 6 5 RM. je Morgen für gutes Land hielt man für angemessen. Sollten die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern nicht zu einem befriedigenden Ergebnis führen, will man das Pacht- einigungeamt anrufen.
(schwierige Finanzlage
der Frankfurter Ortskrankenkasse.
WSV. Fr a n kf u r t a. M., 19. Oft. Das Defizit bei der Frankfurter Ortskran- f e n k a f f e betrgät in der Zeit von April bis Ende September rund 1,5 Millionen Mark. Veben der Mehrbelastung durch den Vcubau ist dieses schlechte wirtschaftliche Ergebnis der Kasse vor allem auf den Rückgang der Witgliedsziffern der Kasse zurückzuführen, der seit Beginn des IahreS rund 20 000 beträgt. Im September betrug der Mitgliederverlust 1700. Die Kasse hat beschlossen, an die Stadtverwaltung Frankfurt heraruutreten. um ein Darlehen von 1,5 Will. Mk. zu erhalten, unb um eine Stundung der für KranfcnhauSpflege usw. fälligen Beträge zu bekommen.
Kirche und Schule.
Landkreis Gießen.
)( Hungen, 19. Oft Hier fand im »Solmser Hof' unter dem Vorsitz von Defan Engel (Obbornhofen) eine gutbesuchte Ps arrf onf erenz des evangelischen Dekanat» Hungen statt. Pfarrer i. R. Lic Säget (Gießen) hielt einen Vortrag über .Theologisches System und religiöses Leben", der die weitere Entwicklung der theologischen Willenschaft in den letzten Iabr- zehntcn zeigte Eine längere Aussprache schloß sich an. Die Konferenz beschlofi, auch in diesem Iahr in den Gemeinden, in denen es möglich ist, daS Reformationsfest a m 3 1. O kt o b e r entweder durch einen Iugend- über einen Gemeinde- gotteSdienst festlich zu begehen.


