Ausgabe 
20.6.1931
 
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schulden, sondern durch Gewährung langfristiger Kredite helfen wolle.

»Baltimore Sun" behauptet, sie habe aus guter Quelle erfahren, daß Hoover die Initia­tive in der Sch uldenfrage ergreifen und den Alliierten Vorschlägen wolle, fürzweioder drei Jahre die Zahlungen an die Bereinigten Staaten ein zu st eilen, unter der Bedingung, daß sie wahrend des glei­chen Zeitraumes keineReparationen von Deutschland verlangen. Dieser Plan würde nach derDaltimor Sun" die Verträge mit den Alliierten über ihre Schuldenzahlungen unange­tastet lassen und es gleichzeitig ddn Alliierten ersparen, Amerika um Zahlungsaufschub zu bitten. Dadurch werde das Prestige Europas gewahrt und Amerikas Prestige gehoben.

Stimsvn betonte, Hoovers Erklärung werde aller Voraussicht nach seine Europareise nicht verzögern.

Oie Auffassung amerikanischer Finanzkreise. London, 20. Juni. (WTD. Funkspruch) Der Reuyorker Korrespondent desRews Chronicle" bemerkt zu der Erklärung Hoovers, Reuyorker Finanzkreise würden

mit Rücksicht auf das in Deutschland investierte amerikanische Kapital eine weitere Verschlechte­rung der deutschen Wirtschaftslage sehr bedauern. Wan sei der Ansicht, dah ein Transseraufschub eine solche Gefahr abwenden würde.

Die Mtion Hoovers werde als die bedeutendste seit der letzten Regelung der Schuldenfrage an­gesehen. Sie zeige, daß die amerikanische Regierung bereit sei, einen Teil der Füh­rerrolle in den Angelegenheiten der Welt wieder zu übernehmen.

Oie Abrüfiungsfrage.

Neuyork, 19. Juni. Nach einer Sondermeldung derNeuyork Eoeni-ng Post" wurde in W a s h i n g - toner Militärkreisen bekannt, dah die Re­gierung der Vereinigten Staaten beschlossen habe, ihren bisherigen energischen Widerstand gegen die Zugrundelegung der Heereshaushaltszisfern für Rüstungsbeschränkungen unter der Bedingung auf­zugeben, daß der Militärhaushalt lediglich als M a ß- stab für Rüstungen des betreffenden Landes und nichtzumVergleich mitden Rüstungen anderer Länder dienen darf. Diese radikale Frontschwenkung der Regierung wird damit erklärt, daß Hoover, soweit Amerika in Be­tracht kommt, jedes Hindernis für einen erfolgreichen Ausgang der Weltabrüstungskonferenz wegräumen will.

Stimsons Reise nach Europa.

Washington, 19. Juni. (WTD.) Die Vor­bereitungen für die Europareise des Staats­sekretärs S t i m s o n sind nunmehr so weit ge­diehen, dah bereits die Auswahl seiner Beglei­tung vorgenommen wurde. Außer Frau (Stirn * fvn werden sein persönlicher Assistent K l o t s, sein Adjutant Regnier und sein Privatsekretär Morlock in der Reise teilnehmen. Die Rückkehr aus Europa dürfte Mitte September erfolgen, das Abfahrtdatum ist bisher noch nicht festgesetzt.

Mellons Besprechungen.

London, 20.Juni. (WTB. Funkspruch.) Dir parlamentarische Korrespondent derTimes" schreib^ das Wochenende habe Mellons Konferenz zen, an denen Macdonald, Henderson und Montagu Norman teilgenommen haben, unterbrochen, aber nicht beendet. Im Laufe d-r l Unterredungen sei dem amerikanischen Schatzsekrc- tär eine volle und freimütige Darle- - gung des Standpunktes der britischen Regierung bezüglich der von den interessierten Mächten

gemeinschaftlich sobald als möglich zu unter- nehmenden Schritte

gegeben worden. Mellon habe diese Ansichten sehr freundlich angehört. Er habe mit gleicher Freimütig­keit die Schwierigkeiten bei gewissen Fragen dcr Finanzpolitik und der Ansichten der amerikanischen Regierung auseinandergesetzt. Indessen liege vor­läufig kein Grund zu der Annahme vor, dah seine Entgegnung derartig gewesen sei, daß ein weitercr Gedankenaustausch notgedrungen fruchtlos verlau­fen müsse. Die wichtigsten Punkte der Unterredungen seien Hoover nach Washington berichtet worden.

In Ruhe abwarten!

Berlin, 20. Juni. (ERB.) DerBörsen­kurier" schreibt zu den Meldungen über die Er­klärung Hoovers: Dah Rachrichten über be­vorstehende positive Entschlüsse Ame­rikas in Europa und besonders in Deutschland nicht mit unbesonnen erwartungsfreu- digem Optimismus ausgenommen werden, dafür bürgen die Erfahrungen schwerer Jahre: sie bürgten dafür auch dann, wenn man die im Ton fast europafeindliche Rede, die Präsident Hoover neulich in Jndianopolis hielt, mit der Rücksicht auf westamerikanische Stimmungen und aus dem Wunsch erklärt, verfrühten Fest­legungen vorzubeugen. Diese bestimmten Formu­lierungen Hoovers aber über eine ameri­kanische Hilfsaktion zugunsten Europas und insbesondere auch Deutschlands sind immer­hin geeignet, stärkere Erwartungen zu wecken.' Die veränderte Haltung des Präsidenten dürfte, wie auch zugegeben wird, nicht zum we­nigsten von den umsonst geleugneten Repara- tionSbesprechungen Mellons und Stimsons be­einflußt sein.

Reparationsbesprechungen im Reichskabinett.

Berlin, 19. Juni. (ERB.) Wie wir erfah­ren, hat derreparationspolitischeAus- schuß des Reichskabinetts, der seiner­zeit aus den Ressorts gebildet worden ist, die an den Fragen der Reparationen besonders beteiligt sind, heute eine Sitzung abgehalten, an der auch die Botschafter Dr. Hoesch und Dr. v.Schu­be r t teilgenommen haben. Die Beratungen gal­ten natürlich der Vorbereitung derMah- nahmen, mit denen das Reichskabinett die Revision einleiten will. Sie werden in den nächsten Tagen fortgesetzt. Inzwischen werden auch die Botschafter v.Prittwih und Reu- r a t h in Berlin erwartet, die sich bereits auf der Reise befinden. Diese Besprechungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen, da der Revi­sionsschritt bei der großen Bedeutung und den Schwierigkeiten des ganzen Problems natürlich

einer eingehenden und sorgfältigen Vorbereitung bedarf.

Russischer Ministerbesuch in Berlin?

Moskau (über Kowno), 19. Juni. (TU) Wie hier verlautet, beabsichtigt der russische Außenkommisfar Litwinow, dcr sich gegen­wärtig in der Tschechoslowakei aufhält,

Friedrichshafen, 19. Juni. (WTB.) Als Vorbereitung zur Arktisfahrt des Luft­schiffesGraf Zeppelin" diente die heute nachmittag 16.12 Uhr auf dem Bodensee aus- geführte erste Wasserlandung des Luft­schiffes unter Führung von Kapitän Lehmann mit 31 Passagieren an Bord. Um 15.40 Uhr er-, schien das Luftschiff von seiner Schweizer Fahrt zurückkehrend und steuerte langsam auf seinen Hei­mathafen zu. Bei leichtem westlichem Winde und strahlendem Sonnenschein schickte sich der maje­stätische Luftriefe zur Landung an. Diese war um 16.12 Uhr beendet.

Rach Ballastausgleichung wurde zehn Minuten später ein luftgefülltes Gummiboot mit zwei Mann Besatzung ins Wasser gelassen. Die Massen bewunderten die ruhige Lage des Luft­schiffes auf dem See und das leichte Schweben des riesigen Körpers.

Inzwischen war von Friedrichshafen her ein Motorboot mit Herren des Luftschiffbaues, darun­ter Chefkonstrukteur Dr. Dürr, erschienen. Zweck dieser Landrmg war hauptsächlich, eine Probe für eine Wasserlandung auf der angekündigten Ark­tisfahrt im Juli d. 2. vorzunehmen. Rach dem glänzend gelungenen Manöver fuhr das Luftschiff noch etwa eine Strecke von 500 Me­ter mit gedrosselten Motoren auf dem Wasser. Sodann erhob es sich leicht in die Luft und steuerte dem Heimathafen zu, wo es um 16.50 Hhr glatt landete.

Zur Ausführung des neuartigen interessanten Manövers sind lediglich die beiden Pufserkörbe unter der Führergondel und unter der Hinteren, Maschinengondel mit Gummi wasserdicht gemacht worden. Zum Riedergehen auf dem Wasser des Bodensees hat das Luftschiff Traggas abgelas­sen. Der Wiederaufstieg erfolgte durch Abgabe von Wasserballast.

Oie Stellung der christlichen Gewerkschaften.

Berlin, 19. Juni. (CNB.) Aus Anlaß der durch die Notverordnung vom 5. Juni 1931 geschaffenen Lage tagte der Hauptvorstand des Gesamt­oerbandes der christlichen Gewerk­schaften Deutschlands am 18. Juni in Düsseldorf. Vertreter aller Verbände schilderten ein­gehend die ungünstigen Auswirkungen der Not­verordnung. Das Ergebnis der Verhandlungen wurde, lautGermania", wie folgt festgelegt:

Die christlichen Gewerkschaften würdigen die außerordentlich schwierige Lage, in der sich infolge der wirtschaftlichen und finanziellen Zustände Volk und Vaterland befinden. Sie aner­kennen, daß diese Lage entschlossenes Handeln sei­tens der Reichsregierung erfordert und Opfer von allen Volksschichten bedingt. Desungeachtet muß ge­gen eine Reihe von Bestimmungen der Notverord­nung entschieden Stellung genommen werden..

Die Rotverordnung bringt eine gewaltige Kür­zung der sozialen Leistungen, besonders in der Arbeitslosenhilfe, sie greift schwer in das Lebens- recht der Arbeilnehmer ein und enthält Bestim­mungen, die die Arbeiterschaft ungleich und ungereckft im Verhältnis zu anderen Volksschich­ten behandeln, den Glauben an die Gerechtig­keit erschüttern und verbitternd wirken. Die christlichen Gewerkschaften verlangen erneut, dah über die in Aussicht gestellten Erleichte­rungen- hinaus eine beschleunigte Abänderung der Rotoerordnung erfolgt.

Sie werden in einer Denkschrift der Reick^regierung ihre Bedenken und Abänderungsvorschläge unter­breiten.

Den Bestrebungen sozialreaktionärer scharf­macherischer Kreise, die ohne Rücksicht auf die Rot der breiten Volksschichten eine toeitere Verseh lech ter ung derSozialversiche- rung, des Larifrechts und eine Beseitigung des staatlichen Schlichtungswesens und der Derbindlicherklärung zum Zwecke neuer Lohn­senkung verlangen, treten die christlichen Gewerk­schaften mit aller Schärfe entgegen. Die Ver­wirklichung dieser Bestrebungen, zu deren Anwalt sich jetzt auch der Zweckverband der Jndustrie- und Handelskammern zu Bochum, Dortmund, Essen und Münster gemacht hat, würde einseitige Willkürherrschaft des wirtschaftlich Stärkeren über den wirtschaftlich Schwächeren bedeuten und mühte die Katastrophe herbeiführen.

Der Vorstand des Gesamtverbandes richtet an die Arbeiterschaft den dringenden Appell, durch unermüdliche Arbeit die Reihen der christlichen Gewerkschaften zu stärken. Starke Gewerkschaften und entschlossener Wille zur Selbsthilfe sind eine Voraussetzung dafür, den Anschlägen auf die Le- bensinteressen der Arbeiterschaft wirksam zu be­gegnen und gesundere Grundlagen für unser staat­liches und gesellschaftliches Leben zu gewinnen."

Sozialdemokratische Kampfansage.

Berlin, 20. Juni. (CRB.) Der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei hat einen Aufruf veröffentlicht, der eine Kampf- anfagcgegen die Rotverordnung ent­hält. Die Sozialdemokratie fordere, dah ihr foyal ungerechter Inhalt durch einen gerechteren erseht werde. Die anderen Parteien, die sich gegen die Rotverordnung erklärt hätten, verfolgten ganz andere Ziele als die Sozialdemokratte. Ra- tionalsozialisten und Deutschnationale, Groß­agrarier und volksparteiliche Scharfmacher woll­ten die Arbeiterbewegung vernichten. Sie wollten

auf der Rückreise nach Moskau dem Reichs- j auhenminister Dr. Curtius einen Besuch in Berlin abzustatten. Da dieser Besuch voraus­sichtlich gegen Mitte Juli zu erwarten ist, dürfte er mit der weiteren Gestaltung der russisch- deutschen Beziehungen zusammenhängen. In Moskauer politischen Kreisen wird darauf hingewiesen, daß Litwinow auf der Rückreise von Berlin nach Moskau nicht in Warschau Station machen wird.

Rio de Janeiro, 20. Juni. (WTD. Funk­spruch.) Das FlugzeugDo X" wird wahrschein­lich Anfang nächster Woche von AldeiadeSao Pedro nach Rio de Janeiro weiterfliegen. In Aldeia de Sao Pedro wurde der Besatzung des Do X ein herzliche r Empfang durch die Stadtbehörden, Vertreter von den Flugkonzernen, der Armee und der Flotte bereitet. Ein Flugzeug geht von Rio de Janeiro zur Besichtigung und De- grühung desDoX ab.

Don" dem Kommandanten desDo X ist Bei den Dornierwerken ein Telegramm aus Dahia ein­gegangen, dah der gestrige Flug von Ratal bis Bahia ohne jeden Zwischenfall p r o - grammähig verlaufen ist. Das Flugschiff be­findet sich in bester Verfassung. Auf dem Maceio- See wurde eine Zwischenlandung vor ge­nommen und nach kurzem Aufenthalt der Weiter­flug angetreten. Das Flugschiff wurde in Bahia mit großer Begeisterung begrüßt, ebenso wie die Bewohner der überflogenen Orte Rordbrasiliens dem Kugschiff lebhaft zujubelten. Alle Rachrichten über Fehlstarts und Beschädi­gungen entbehrten jeder Begründung.

3m Segelflugzeug flbee den Ärmelkanal.

London, 20. Juni. (WTB. Funkspruch.) Der 6ng£änber Liss an t Beardmore kann den Ruhm für sich in Anspruch nehmen, als erster in einem motorlosen Segelflugzeug den Kanal überquert zu haben. Beard­more lieh sich gestern nachmittag um 5.15 Uhr vom Flugplatz in Lympne (Kent) von einem Motorflugzeug bis zu einer Höhe von 4000 Metern Hochschleppen und landete etwa eine halbe Stunde später auf französischem Bo­den, auf. dem Flugplatz St. Jnglevert.

eine Regierung der Rechten als Ueber- leitung zum Faschismus. Die Kommunisten hätten ihnen dabei geholfen. Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion habe richttg gehandelt, indem sie die Pläne der faschistisch-kommunistischen Koa­lition zuschanden machte. Sie habe richtig ge­handelt, indem sie für diesen Zeitpunkt die Ein­berufung des Reichstages ablehnte. Sie habe richtig gehandelt, indem sie auf den sofortigen Zusammentritt des Haushaltsausschusses verzich­tete. Sie habe es getan, nachdem die Reichsregie­rung den nächstigen Ausschuhberatungen zuge­stimmt und sich außerdem zur vorherigen Mil­derung einiger sozialer Härten bereit erklärt hätte. Der Aufruf schließt mit Einern Appell an die Mitglieder, den Massen die wirklichen Kräfte­verhältnisse zu zeigen und ihnen die Gründe des sozialdemokratischen Handelns zu erklären.

Scharfe Opposition in der Staatspartei.

Berlin, 20. Juni. (ERD.) Der Reichs­arbeitnehmerausschuß derDeutschenStaats- partei hatte eine Versammlung ein berufen, in der Reichstagsabgeordneter Gustav Schnei­der über das ThemaKampf der Rotverord- nung" sprach. In der Aussprache kam, demDer- liner Tageblatt" zufolge, eine starke Erbit­terung der Arbeitnehmer gegen die Haltung der Staatspartei, vor allem des Reichsfinanz­mini sters Dietrich, zum Ausdruck. Wiederholt wurde erklärt, daß man den Weg des Ka­binetts Brüning nicht mehr mitma­chen könne. Dietrich hätte zurücktteten müssen, als er sah, daß er seine Absicht nicht durchsetzen konnte. Die Partei hätte von der Regierung ab» rucken müssen, selbst auf die Gefahr hin, dah Dietrich aus der Fraktion ausgetreten wäre. Wenn man den Part eiführer auf diese Weise losgeworden wäre, so wurde wörtlich von einem Redner erklärt, dann um sobesser.

Kundgebung der Industrie.

Berlin, 19. Juni. (TU.) Der Hauptaus­schuh desReichsverbandes derDeut- schen Industrie trat am Freitag bei zahlrei­cher Beteiligung aus allen Teilen des Reiches unter dem Vorsitz von Geheimrat Dr. C. Duis- b e r g zu einer Tagung in Berlin zusammen, in der die augenblickliche Rotlage des deutschen Vol­kes eingehend erörtert wurde. Den Hauptvortrag mit dem Thema:Wie stehen wir Wirtschafts- und finanzpolitisch" erstattete an Stelle des durch Krankheit verhinderten Geheimrats K a st l Dr. Silverberg. Das Ergebnis der Tagung faßte Geheimrat D uisber g wie folgt zusammen:

Der Reichsverband der Deutschen Industrie ist sich darüber klar, dah die Gefahr eines roirt- schasllichen und finanziellen Zusammenbruches in aller erster Linie eine Frage des vertrauens in die Führung der Reichsgeschäfte ist. Der Person des Reichskanzlers bringt die Industrie dieses Vertrauen entgegen.

An dem Inhalt der Notverordnung vom 5. Juni 1931 wurde ernste Kritik geübt. Die entscheidenden Schritte, die Wirtschaft von den Fes­seln zu befreien, die ihr durch die ungeheure lieber- lastung mit öffentlichen Abgaben und die falschen Methoden der Wirtschafts-, Finanz- und Sozial­politik auferlegt sind, müssen noch getan werden. Der Reichsverband behält sich vor, im einzelnen zu den Bestimmungen der Notverordnung Stellung zu nehmen.

Line dringende Aufgabe ist ferner das ent­schlossene Anpacken der Reparationsfrage. Lin Zögern der Reichsregierung in dieser Frage

Sie erste Wasserlanimg desGraf Zeppelin".

Vorbereitung für die geplante Fahrt in die Arktis.

Do X* fliegt nach Rio de Janeiro.

Sturmlauf gegen die Notverordnung.

wird von der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volkes und von der gesamten deutschen Industrie nicht mehr verstanden.

Die Reichsregierung muß tm geeigneten Augenblick die kraftvolle Initiative ergreifen, die notwendig ist, um neue Verhandlungen in Gang zu setzen, eine baldige Lösung der Tributfrage herbeizuführen. Die schnelle Lösung der Reparationsfrage ist nicht nur für den Bestand der deutschen Wirtschaft die not­wendige Voraussetzung, sondern sie liegt auch im Interesse Europas und der Welt.

Schwere Unwetter Über Ostpreußen und polen.

Vierzehn Tote, zahlreiche Verletzte.

Königsberg, 19. Juni. (WTD.) Am gest­rigen Rachmittag und in den Abendstunden gingen über Königsberg und der Provinz Ostpreußen mehrere schwere Gewitter nieder. In Heiligeicheil erschlug der Dlitz in dem Wohn­haus eines Besitzers dessen 19jährigen Sohn und 32jährige Tochter. In Ortelsburg wurde die Familie eines Besitzers bei einer Begräbnisfeier von einem Gewitter überrascht. DTr-^Blih schlug in das Haus und t ö t e te die Frau des Besitzers und den Sohn eines anderen Landwirtes. Auch die übrigen Trauergäste erlitten Brandwunden. Im Kreise Insterburg traf der Dlitz das Haus eines Landwirtes. Der Desitzer wurde v o m B l i tz erschlagen, während die übrigen Bewohner mit dem Schrecken davonkamen. Im Kreise Preu- ßisch-Holland wurde eine 57jährige Waldarbei­terin auf dem Heimwege von ihrer Arbeitsstätte vom Blitz getötet. Mit den aus dem Osteroder Kreis gemeldeten zwei getöteten Personen hat das gestrige Hnwetter also acht Todesopfer gefordert.

Warschau, 19. Juni. (TU. Funkspruch.) In Studzienice bei Sierpce (Kongreß-Polen) waren während der dortigen Manöver in einer Scheune ungefähr 40 militärisch ausgebildet« Schüler der höheren Klassen unter dem Kommando eines Oberleutnants mit theoretischen Hebungen beschäftigt, als ein ungeheures Gewitter her- auszog. Ein Blitz schlug so unglücklich in die Scheune ein, dah fünf Schüler auf der Stelle getötet wurden und zwölf schwer« Verletzungen erlitten. Heber 20 Schüler tru­gen leich'-ere Verletzungen davon. Die Scheune ge­riet in Flammen und wurde in kurzer Zeit voll­ständig eingeäschert. Hnter den Toten be­findet sich außer den fünf Schülern auch noch der Abteilungsführer, Oberleutnant P l o s v, der als Schwerverletzter auf dem Wege zum Krankenhaus seinen Wunden erlegen ist.

Aus aller Well.

Die Gesamtzahl derSt. Philibert' Opfer.

p a r i 9, 19. Juni. (MTV.) Rach den Feststellun­gen des Magistrats von Rantes hat die Zahl der Opfer der Schiffahrtskataftrophe be­reits die Zahl 400 überschritten, ohne Einrechnung der umgekommenen Kinder und der Mannschaft. Man muh daher damit rechnen, daß die Gesamt­zahl der Opfer 5 5 0 bis 580 Personen betrögt.

Die Schleppfahrt desNautilus-.

London, 20. Juni. (WTB.) Die gestrigen Mor­genzeitungen veröffentlichen eine Mitteilung des Marinedepartements in Washington, daß das im Schlepptau derWyoming" befindliche U-Boot Nautilus" seinen Periskopaufbau ver­loren habe, und die Manschaft in dem geschlossenen Schiffskörper daher nicht sehen könne. Die Ver­bindung zwischenWyoming" undNautilus" werde ausschließlich auf dem Funkwege hergestellt.

Eine funkentelegraphische Nachricht, die der Shreu- zerWyoming", der das Arktis-UnterseebootNau­tilus" nach Queenstown in Irland zu schleppen ver­sucht, gestern abend dem Marinedepartement über­mittelte, besagt, daß das Boot seit gestern mittag auf 49 Grad 35 nördlicher Breite und 14 Grad 49 westlicher Länge liegt, da neue Störungen aufgetreten sind. Der Steuerbordmotor und das Periskop können nicht mehr repa­riert werden. Die Besatzung versucht, die Reise mit dem Backbordmotor fortzufetzen.

Lin breimotoriges Großflugzeug durch Feuer vernichtet.

Paris, 19. Juni. (WTD.) Auf dem Flugplatz Le Bvurget wurde heute ein dreimotv - riges Flugzeug durch Feuer vernich­tet. Es handelt sich um einen einer schweizeri­schen Gesellschaft gehörigen Apparat, der den Flugdienst zwischen Basel und Paris versah. Das Flugzeug gehörte früher dem belgischen Finanz­mann Löwenstein, der, wie erinnerlich, auf tra­gische Weise auf dem Flug über den Kanal ums Leben gekommen ist.

Fünf Tote bei einem Flugzevgzusammenstoh in Brindisi.

Rom, 20. Juni. (WTD. Funkspruch) Heber dem Flughafen Brindisi stießen zwei Dvm » benwasserflugzeuge in einer Höhe von 20 Meter zusammen. Während es dem einen Flugzeug gelang, glatt zu landen, stürzte das zweite, das einer Fliegerschule gehörte, mit sechs Personen ins Meer, wobei fünf trotz aller Rettungsversuche ertranken.

Wettervoraussage.

Der Dorüberzug der England störung brachte in den gestrigen Abendstunden Riederschläge mit Leichtem Temperaturanstieg. Mittlerweile ist die kühl« Luft der Rückseite bis über die Rordsee vorgedrungen und hat den hohen Srud über dem Atlantik bis nach den britischen Inseln vor­gebracht. Die Westluft wird anfangs noch Anlaß zu wechselhaftem Wetter und etwas Riederschlag geben, jedoch geht durch den Luftdruckanstieg später die Bewölkung mehr zurück und Besserung tritt «in. Dabei bleibt es unter dem Einfluß der Ozeanlust vorerst kühl.

Aussichten für Sonntag: Vorerst noch wechselhaft, kühl, jedoch nur vereinzelt geringe Regenschauer, später mehr aufheiternd.

Aussichten für Montag: Weitere Wet­terbesserung wahrscheinlich.

Lufttemperaturen am 19. Juni: mittags 21,2 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 20. Juni: morgens 15,8 Grad. Maximum 21,2 Grad, Minimum 11,1 Grad. Erdtemperaturen in 10 cm Tiefe am 19. Juni: abends 20,2 Grad; am 20. Juni: morgens 16,4 Grad Celsius. Niederschläge 1,9 mm. Son- nenscheindauer Stunden.