Ausgabe 
20.6.1931
 
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Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 20. Juni 1931.

Sommersonnenwende.

AIS ein Gegenstück der Wintersonnenwende war di« Sommersonnenwende bei den aLten ger­manischen Völkern immer ein hohes Fest. Feierte man im Winter die Sonnenwende als ein Zei­chen der Gewißheit, daß die Sonne von neuem mit ifir«m Aufstieg begonnen hat, wurde das Fest der Sommersonnenwende, das Milsomrner- fest, abgehalten aus Dankbarkeit gegen die guten Gotter, die die Sonne wieder wärmer, scheinen liehen und von neuem Fruchtbarkeit über die Lande brachten. Gleich der Zeit um di« Wintersonnenwende galt bei unseren heidnischen Vorfahren auch die Zeit um die Sommersonnen­wende als eine heilige Zeit, in der sich draußen in der Ratur Wunderbares zutrug. Mm diese Zeit blühte die Wunderblume, die denen, die sie fanden, grohe Reichtümer «inbrachte, um diese Zeit wurden die Wünschelruten geschnitten, alles, waS um di« Zeit der Sommersonnenwende getan wurde, sollte zum Segen gereichen.

Manche Stücke dieses alten DollSglaübens,ha­ben sich bis auf unsere Tage erhalten. So heißt es im schwedischen Volksglauben, iy der Rächt vor der Sommersonnenwende kämen alle Tiere der Felder und Wälder zusammen, um Gericht abzuhalten. Wer ein Glückskind ist und sich in das Innere der Wälder schleicht, soll auch tiv. der Rächt vor der Sommersonnenwende di« Sprache der Tiere verstehen. Besonders in Schweden geht eS am Tage der Sommersonnen­wende hoch her. Don weit und breit, zu Fuß, auf Fahrrädern und Wagen ströme^ die Men­schen, jung und alt, zusammen, um im Freien, auf einem Berge oder an der Meeresküste, Mil­sommer zu feiern. Hoch lodern die Flammen der Mitsommer'euer empor, es werden Ansprachen gehalten, Mus'ik ertönt überall, die Jugend singt, tanzt und jubiliert, überspringt die Feuer, wirft Blumen und frisches Grün hinein, weil dies für das ganze nächste Jahr Glück bringen soll.

Bis weit über daS Mittelalter hinaus war di« Sommersonnenwende auch in Deutschland ein allgemeines Freudenfest. In den Städten vor dem Rathaus oder auf dem Marktplatz. In den Dörfern auf dem Dorfanger oder vor der Kirche wurden große Feuer angezündet, es gab Festlichkeiten, an denen sich das gesamte Volk beteiligte. Meistens war dieses Fest sogar hoch offiziell, an ihnen waren Fürsten, hohe Staatswürdenträger, Bürgermeister und Rats­herren anwesend. Später ging man dazu über, die Sommersonnwendfeuer nicht mehr aus den Märkten und vor den Rathäusern anzuzünden, sondern draußen auf den Bergen oder auf Wiesengründen. Auch der alte nordisch« Brauch, dieses Sonnensest ein« ganz« Woche zu feiern, blieb bis in das 17. Iahrhundert hinein erhalten. Während einer ganzen Woche di« Feuer zu unterhalten, ging mit dem Knapperwerden der Holzvorräte nicht mehr, so blieb nur noch der Brauch mancher Gegenden, die Sonnenwendfeuer am 2. Iuli noch «inrnal anzuzünden.

Dies« Feuer sollen nach dem Volksglauben auch reinigend wirken. Heber ein solches Feuer zu pbr.ngen, reinigte von Sünden, versöhnte alle Feindschaften, führte aber auch zu unvergäng­licher Liebe. Daher sollen besonders junge Ehe­leute und Brautleute über «in Sonnenwendfeuer ßpringen. Besonders in den Bergen, Tirol und Oesterreich, in Steiermark und in der Schweiz ist der Brauch, über diese Feuer zu springen, noch überall lebendig. Ein Dorfbursche in Tirol, Riederbayern oder Oberösterreich, der se^n Mäd­chen nicht zum älebcrspxingen des Sonnenwend­feuers auffordert, gäbe damit kund, daß er von dem Mädchen nichts mehr wissen will, und über­springt er das Feuer sogar mit einer andern, so gilt dies als eine grobe Beleidigung für das übergangene Mädchen. Well man den Feuern am Tag« der Sonnenwende eine reinigende Wir­kung zuschrieb, wurden früher oft Kleidungsstücke erkrankter Leute in die Feuer geworfen, und als es noch Hexenverbrennungen gab, glaubte man sogar, ein gutes Werk zu tun, wenn man die Hexen bei einem großen Sonnenwendseuer ver­brannte. So sollten die Hexen wenigstens rein und gesühnt in das Ienseits eingehen. In Steier­mark verbrennt man noch jetzt einen Popanz aus Stroh und Lumpen, und in Riederbahern kocht man auch jetzt noch Wurzeln, Blätter und Stengel von Heilpflanzen an den Feuern der Sommersonnenwende aus. Ebenso werden glim­mend« Scheite dieser Feuer mit in die Wohnun­gen genommen, um im Herd Feuer anzumachen.

Von der Gießener Studentenschaft.

Rachdem vor einiger Zeit die republikanische Arbeitsgemeinschaft im Allgemeinen Studenten­ausschuß (Asta) ihre Mitarbeit eingestellt hat, ist es nunmehr in dieser Körperschaft auch zu Differenzen zwischen der nationalsozialistischen Mehrheit und der Gvoßdeutschen Fraktion gelom- men. Die Rationalsozialisten hatten im Asta den Antrag gestellt, entgegen der seitherigen Ge­pflogenheit bei der Entsendung von Vertretern' zum Deutschen Studententag in diesem Iahre nur einen Vertreter, und zwar den nationalsozia­listischen ersten Vorsitzenden der Studentenschaft, zum Studententag zu entsenden. Im vorigen Iahre waren als Vertreter der Studentenschaft der erste Vorsitzende des Asta, damals ein Groß- deutscher. und der zweite Vorsitzende, ein Ra-

Rundfunkprogramm.

Sonntag, 21. Juni.

7 Ahr: Don Hamburg: Hafenkonzert. 8.15: Morgenfeier der ev.-luth. Dreieinigkeitsgemeinde Frankfurt a. M. 9.15 bis 10.15: Stunde des Chorgesangs. 11: Sportplatz am Erlenbruch: Mi­krophonbericht von der Grundsteinlegung. 11.15: Uhr und Schmuck: Mikrvphonbericht au- einer Ausstellung. 11.30: Leipzig: Reichssendung: Kan­tate zum 3. Sonntag nach Trinitatis. 12: Mainz: Huldigungsfeier am Gutenberg-Denkmal. 12.30: Schallplatten-Konzert. 14: Stunde des Landes. 15: Stund« der Iugend. 16: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 17.30: Mannheim: Mn« terhaltungskonzert. 18: .Tilmann Riemenschnei­der", Vortrag von Dr. Hermann Gundersheimer. 18.25: .Das veutsche Lebensgefühl von 1870 bis 1900", Vortrag von Dr. Carl Gebhardt, Frankfurt. 18.50: .Sommer in Schweden". Vortrag von Al­fons Paquet.

19.25: Ioachim Maaß: Ein junger Autor erzählt. 19.50: Von Oslo' Fußball-Länderspiel Deutsch­landRorwegen. 20.40: Konzert des Rundfunk- Orchesters. 21.40: Alte Tanzmusik. 23 bis 24: Tanzmusik.

Montag. 22. 3unl.

7.30 bis 8.30: Bad Münster a. St.: Konzert des Kurorchdsters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: .Im Kampf um die Muttersprache", Vortrag von Henny PleimeS. 15.50: .Ein rheinischer Weber­junge erzählt", Improvisationen ddtj Paul La­ven. 16.30: Bad Kreuznach: Konzert des Kur- vrchesters. 18.15:Willkommen in Trier! Darf ich Sie führen?" Vortrag von Prof. W. älhde, Trier. 18.45: .Die Rot des Grenzlandes". Vor­trag von Regierungspräsident Dr. Sassen, Trier. 19.15: Englischer Sprachunterricht. 19.45:Der Andere", Drama in 3 Akten. 21.15: Studien- Konzert. 22.50 biS 24: Tanzmusik.

Dienstag, 23. Juni.

7.30 bis 8.30: Bad Münster a. St.: Konzert des Kurorchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20 bis 15.50: HauSfrauen-Rachmittag. 16.30: Rach°- mittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18:Gu­tenberg", Vortrag von Dr. Ruppel. 18.30: Un­terhaltungskonzert ; Kompositionen von Erik Meyer-Helmund. 19.30: Kaisersaal in Würzburg: Konzert des Würzburger Mozart»Festes. 22.45: Schauspielervorträt: Toni Impekoven. 23 bis 24: Cafs Wilhelmsbau: Tanzmusik.

Mittwoch. 24. Juni.

7.30 bis 8.30: Bad Kreuznach: Konzert des Kur- vrchesters. 10.20 bis 10.50: Schulfunk:Di« Or­gel", vorgettagen von Reinhold Merten. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend.

16.30: Rachmittagskonzeri des Rundfunkorchesters. 18.15:ReueS Bauen , Dreigespräch zwischen S. Gideon, F. T. Gubler und T. Linfert. 18.45:Die Empfangsverhältnisse nach Durchführung deS Groß-Senderbaues", Dortrag von Haus Reuert. 19.15:Die heilige Hildegard von Bingen, eine Raturforscherin des Mittelalters", Dortrag von Dr. H. v. Bronlart 20: Köln: Gurre-Lieder, von IenS Peter Iakobfen. 21 bis 22: Unterhaltung^- Konzert deS Rundfunkorchesters. 22: Regro Spiri­tuals (Geistliche Regerlieder).

Donnerstag, 25. Juni.

7.30: Bad Kreuznach: Frühkonzert des Kur- vrchesters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend. 16.30: Rachmiltagskonzert des Rundfunk-Orchesters. 18.15:Die Einhcits- bewertung und VermögenSsteuerveranlagung 1931", Dortrag von Regierungsrat Dr. jur. I. Geis. 18.45:Das moderne AuskunftSwesen und der Welthandel", Dortrag von Dr. Erich Richter, Leipzig. 19.15:Staatsverantwortung und Staatsgesinnung", Dortrag von Dr. Heinrich Si­mon. 19.45: Unterhaltungskonzert des Run!» funkorchesters. 20.30:Der fremde Musikant", Musikalisches Dolksstück. 21.30: Kompositions­abend, Clemens Echmalstich. 22.50 bis 24: Köln: Tanzfunk.

Ar ei tag, 26. Juni.

7.30: Bad Homburg: Frühkonzert des Kurorche­sters. 11.50: Schallplattenkonzert. 15.20:Freu- denstunden in einem Schullandheim". Dortrag von Oberstudiendirektor Dr. Emil Hartmann. 16.30: Rachmittagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.30: Eine Viertelstunde Deutsch. 18.45: Gedächtnis­stunde zum 25. Todestag des Philosophen Max Stirner, von Dr. Albert Haag. 19.15: Aerzde- vortrag:Tiere als DersuchSobjekte im Dienst der Heilkunde". 19.45: Karlsruhe: Unterhaltungs­konzert. 20.25: Italienische Volkslieder, gesungen von Alberto Castagnoli. 20.55: Scherz und Sa­tire. 21.25: Rheinische Komponisten. 22.50 bis 24: Köln: Tanzmusik.

Samstag, 27. Juni.

7.30: Bad Homburg: Konzert des KurorchesterS. 10.20 bis 10.50:In der Werkstatt der Loko­motiven", Hörbild von Paul Laven. 11.50: Schall­plattenkonzert. 15.20: Stunde der Iugend. 16.30: Rachmitlagskonzert des Rundfunkorchesters. 18.15: Erlebte Geschichten von Günter Eich Dorge­tragen vom Verfasser. 18.45: Eine 'Betriebs- ratssihung. Hörfolge. 19.20: Spanischer Sprach­unterricht. 19.45: Schallplatten-älinfchau. 20.30: Soldatenlieder aus dem Weltkrieg. 21.30: Marsch- Konzert. 22.50 bis 24: Tanzmusik.

tioncllfozialist, zum Deutschen Studententag ent­sandt worden. Da die Mehrheit des Asta nicht geneigt war. in diesem Iahre dem Antrag der Grohdeutschen Fraktion zuzustirnmen, diesmal auch den von ihr gestellten 2. Vorsitzenden mit zum Studententag nach Graz zu entsenden, stell­ten die Großdeutschen ihre Mitarbeit im Vor­stand und in den Aemlern der Gießener Stu­dentenschaft ein. Der Minister für Kultus und Blldungswesen, der auf eine arbeitsfähige Ver­tretung der Studentenschaft Wert legt, hat mm- mehr die Universität au'gefordert, ihm über die Reuordnung der Selbstverwältung bei der Gie­ßener Studentenschaft Vorschläge zu unterbreiten. Endlich Umgestaltung derOammstraße

Rach außerordentlich langwierigen und von häufigen Zwischenfällen unterbrochenen Verhand­lungen über den Grundstückserwerb zur 11 m - geftaltung der Damm st raße ist gestern die ganze Angelegenheit endlich zum Abschluß gebracht worden. Die Stadt hat gestern durch Kauf das letzte Grundstück an dem Engpaß der Dammstraß«/Ecke Walltorstrahe käuflich erwor­ben, so daß schon in den nächsten Tagen durch Abbruch dieses Hauses die Umgestaltung der Darnmsiraße eingeleitet werden kann. Zunächst wird die Damrnstraße von der Walltorstrahe aus auf di« gleiche Sirahenbreit« erweitert, wie sie bisher nach der Rordanlage zu schon bestand. Damit wird in verkehrstechnischer Hinsicht eine Entlastung des Lindenplahes und des Straßen- engpasses am Einhorn geschaffen, da künftig der Fährverkehr zu einem wesentlichen Teil« durch die Dammstraße und Rordanlage umgeleitet wer­den kann, wie auch der Fährverkehr in umgekehr­ter Richtung um den engen Stadtkern herum­zuführen fein wird. Es wäre zu wünschen, wenn nach der ilmgestallung der Straße auch die bau­liche Lösung des älmgesialtungsprojekts mit mög­lichster Beschleunigung durchgeführt würde. Er­freulich ist, daß di« Erledigung dieser wichtigen städtebaulichen Ausgabe der Stadt unter sehr annehmbaren Bedingungen möglich gemacht wurde, und daß nun endlich an dieser belebtesten Straß« des RordvswiertelS ein baulicher Zustand sein Ende erreicht, der bisher sehr unerfreulich und unserer Stadt direkt unwürdig war.

Bornotizcn.

Tageskalender fürSamstag. Gieße­ner Konzertoerein: Orchesterkonzert, 20.15 Uhr, in der Bolkshalle (verstärkter Straßenbahnverkehr).* ERG.: 20.30 bzw. 21 Uhr: Generalversammlung im Bootshaus. NSDAP.: Oeffentliche Dersammlung, 20.30 Uhr, im Caf6 Leib. Lichtspielhgus, Bahn­hofstraße:Schneider SSBibbeT.

Tageskalender für Sonntag. Licht- spielhaus, Bahnhofstraße:Schneider Wibbel".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Nach den Gastspielen Berliner Künstler hat die Intendanz nunmehr das Ensemble einer süddeutschen Bühne zu einem einmaligen Gastspiel verpflichtet. Das Intime Theater Nürn- berg, das zur Zeit in Darmstadt gastiert, wird am Dienstag, 23. Juni, als 5. Gastspiel der Sommer­spielzeit den SchwankFamilie Hannernann" von Reimann und Schwarz einmalig zur Aufführung bringen. In der Rolle der Tante aus Kalkutta wirkt Freya Sturmi els, die von ihrem früheren Auftreten an unserer Bühne noch bestens bekannt sein dürfte. Die Intendanz hat auch dieses Gastspiel zu ermäßigten Sommerpreisen angesetzt. Es ist das letzte Gastspiel im Juni. Beginn 20 Uhr: Ende 22 Uhr.

*

LU. Auszeichnung f ü r das Unioersi - tätsoersuchsgut. Bon der Pressestelle der Universität wird mitgeteilt: Bei der 37. Wanderaus­stellung der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft in Hannover wurde dem Universitäts-Versuchsgut Unterer Hardthof" für seine dort ausgestellte Qua­litätsmilch in der Klasse I (Rohmilch) einen 1. Preis und Siegerehrenpreis zuerkannt. Die Aus­zeichnung stellt einen erneuten Beweis für die vor- zügliche Beschaffenheit der auf dem Versuchsgut erzeugten Milch dar.

** D i e Museen und der Heidenturm sind am Sonntag zwischen 11 und 13 Uhr bei klei­nen Preisen geöffnet.

* Großes Orchesterkonzert in der Volkshalle. Heute abend, 20.15 älhr, findet in der Dpikshalle ein Orchesterkonzert unter der Leitung von älniversitätsmusikdirektor Dr. Le­rne s v a r y statt, das sich zu einem großen künst­lerischen Ereignis gestalten dürfte. Ein 60 Mann starkes Orchester des Orchestervereins Gießen wird unter der bestens bekannten Leitung Dr. Ternesvarys einige volkstümlich« Orchesterwerke aufführen und damit den Zuhörern einen hohen Genuß verschaffen. Als Solistin wirkt Fräulein Edeltraut Raab (Klavier). Der Besuch dieser Veranstaltung, deren Wert um so höher einge­schäht werden darf, als nur einheimische Künst­ler die Ausführenden sind, kann angelegentlich empfohlen werden.

** Sonnwendkundgebung der NSDAP. Die diesjährige Sonnwendkundgebung der NSDAP, findet, wie aus der Anzeige vom Donnerstag ersichtlich war, für ganz Oberhessen am Sonntag, 21. Juni, in Münzenberg statt. An­sprachen werden halten der hessische Gauleiter Ge­rn« in der, M. d. R., Pros. Dr. Werner-Butz­

bach, M.d.L., Bernhard Graf zu Solms, L a u b a ch und Oberleutnant a. D Weyrauch- Essen. Die Feier an dem Sonnwcndfeuer wird, wie man uns noch mitteilt, ausgcschmückt durch ein Spiel der Artamancn. Die Kapelle der Standarte 116 wird die Feier mit Märschen und vaterländischen Weisen umrahmen. Die Direktion der Butzbach- Licher Eisenbahn läßt an diesem Tage Sonderzüge verkehren, einen ab Grünberg Sonntag 12 Uhr, ab Lich 13.05 Uhr. Da auch abends nach der Feier Sonderzüge in der Richtung Bad-Nauheim, Butz­bach (Anschluß nach Gießen), Lich und Grünberg verkehren, ist der Abtransport sichergestellt.

,e Dr« i Fahrräder gestohlen. In der vergangenen Rächt wurden aus dem Anwesen Ebe^strah« 28 drei Fahrräder gestohlen. Die Diebe, ein Mann und eine Frau, di«, wie sich bereits herausstellte, beobachtet worden sind, haben «in Damenrad (MarkeDella"), ein Herrenfahrrad (MarkePanther"). Rr. 483 181 und ein älteres Herrenfahrrad (MarkeMeister") mit sich genommen. Die po.izeUichen Ermittlungen sind im Gang«. Sachdienliche Mitteilungen er­bittet die Kriminalpolizei.

Furchtbares Familiendrama im Vogelsberg.

Gestern zwischen sechs und sieben Uhr ereignete sich wie wir in einem Teil der gestrigen Auflage bereits berichteten in dem Dorfe Ober- Seibertenrod bei Ulrichstein ein furcht­bares Jamitienbrama. Der seit Ostern d. J. dort im Schulamt tätige, 30 Jahre alte Lehrer Diehl, der vorher in vindsachsen im Schuldienst war und an einem schweren Nervenleiden litt, ging plötzlich mit einem Messer aus seine 27 Jahre alte Jrau los, der er nach heftigem Kampfe die Kehle durchschnitt. Die junge Jrau, die bei dem Ringen mit dem tobenden Manne noch verschiedene Verletzungen am Körper baoongetragen hatte, d e r ft a r b bald nach den furchtbaren Schnit­ten durch den Hals. Der Mann trank nach seiner grausigen Tat eine größere Menge Harma­lin, um auf diese Weise auch aus dem Leben zu scheiden. Einige Zeit später wurde das bedauerns­werte Ehepaar von dem Dienstmädchen aufgefunden, das sofort Lärm schlug, so daß die Nachbarschaft zur Hilfe herbeieilte. Die junge Jrau konnte von dem rasch hinzugerufenen Arzt nur als Leiche angetroffen werden, der Mann wurde in schwerkrankem Zu­stande durch die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen der Gießener Klinik zu- geführt, wo er heute mittag kur; nach seiner (Ein­lieferung ebenfalls o e r ft a r b. Die jungen Eheleute hinterlasfew ein zwei Jahre altes Töchterchen.

3u der furchtbaren Tat erfahren wir noch, daß Lehrer Diehl sich seit Ostern in ärztlicher Behand­lung fand. Der Mann war im Dorfe als tüchtiger Lehrer geschätzt, er ging aber wenig unter die Ein­wohnerschaft und stand im Rufe eines Einsiedlers, der sich viel mit sich selbst beschäftige. Er, sowohl wie auch seine Gattin, genoßen im Dors allgemein den besten Ruf. Wegen einer schweren Nerven­erkrankung sollte der bedauernswerte Mann in Kürze in eine Heilanstalt verbracht werden. Dies war ihm bekanntgeworden und hieraus erklärt man sich die grausige Tat. Anscheinend fürchtete der Mann um die Existenz seiner Frau, so daß er in einem Anfall von Verzweiflung die furchtbare Bluttat be­ging. Nach dem örtlichen Befund zu urteilen, hat er sein« junge Ftau früh morgens im Bett über- fallen. Es muß dann zu einem furchtbaren Kampf zwischen den beiden Ehegatten gekommen sein, denn die Frau hatte neben den tödlichen Schnittwunden als Halse noch mehrere Stiche am Kopf, am Bein und an der Hand, die man sich nur aus der Abwehr des rasenden Mannes erklärt. Das Dienstmädchen fand den Mann im Herrenzimmer liegend sterbens­krank vor, während die Frau blutüberftrömt auf dem Fußboden des Schlafzimmers lag und dort verblutet war. Nach den Spuren zu urteilen, hat der Mann nach der Tat noch verschiedene Räume seiner Wohnung aufgesucht, sich dort auch gewaschen und dann muß ihm wohl das klare Bewußtsein io weit wiedergekommen sein, daß er erkannte, welche Tat er begangen hatte und er hierauf das Formalin zu sich nahm, unter dessen Einwirkung er dann am Mittag verstarb. Da sämtliche Polizei- und Justiz­behörden, sowie der zuständige Kreisarzt heute früh bei den Feststellungen am Tatort die Sachlage als einwandfrei geklärt ansehen, wurde von einer Sek- tion der Frau abgesehen und ihre Leiche, wie auch die Leiche des Mannes zur Bestattung freigegeben.

Berliner Börse.

Berlin, 20. Juni. (WTB. Funkspruch.) Das überraschende Eingreifen Hoovers in die Repara- tionsfrage löste im heutigen Vormittagsverkehr eine zuversichtlichere Stimmung aus. Die Kurse erfuhren nach den Abschwächungen von gestern abend Er- Holungen von 1 bis 2 v. H., wobei allerdings von einer größeren Umsatztätigkeit nicht gesprochen wer- den konnte. Man verfolgte weiter mit Interesse die Entwicklung am Devisenmarkt und stellte mit Bc- friebigung fest, daß der Dollarkurs gegen gestern abend wieder rückläufige Tendenz zeigte. Man hörte Siemens 12(r Farben etwa 115. An Devisenkursen nannte man London gegen Paris 124,25, gegen Mai. land 92,92, gegen Madrid etwa 50,50, gegen Schweiz 25,0525, gegen Kabel 4,8650 zu 4,8653, gegen Berlin etwa 20,50. Kabel gegen Berlin 4,2135.

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