Ausgabe 
20.4.1931
 
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SJ.'Jpori

Fußball der Gießener Mannschaften.

Auf dem Waldsportplah, der übrigens am Ein­gang durch die geschmackvolle gärtnerische Aus­stattung eine weitere Verschönerung erfahren hat, gelangte am Sonntag vor etwa 930 Zuschauern ein Freundschaftsspiel zwischen der Liga des hiesigen VfB. und dem der Ligamaimschaft des Sportvereins Offenbach zum Austrag, das die Hiesigen nach teilweise überlegen geführtem flot­ten Kampf mit 3:1 für sich entscheiden konnten. Außerdem spielte die Ligaweserve der Spielver­einigung gegen die 1. Mannschaft des FE. Dau- bringen und gewann nach einem mehr als not­wendig hart durchgeführten Kampfe mit 2:1. Die Schieteri ch ter - M anns chaf t, Gruppe Gießen, g_- wann gegen die Mannschaft der Untergruppe Grünbcrg 4:2. Die 3. Mannschaft des VfB. trat gegen die Turnermannschaft von Wieseck an und gewann mit 7:0.

Frühjahrswaldlauf.

Auf dem Sportplatz an der Liebigshdhe wurde der Frühjahrswaldlauf durchgeführt, der die Mannschaften über 10, 5, 3 und 1,5 Kilometer führte und einen harmonischen Verlauf nahm. Der Favorit in der A-Ätaffe der Aktiven. Ger­hard (Spielvereinigung 1900) brachte die 10- Kilome ter strecke in 38:42,0 Minuten hinter sich. Die einzelnen Läufe wiesen eine starke Te.eitigung auf. Wir kommen auf den Waldlauf in unserer morgigen Ausgabe ausführlich zurück.

Westdeutsche Fußball-Meisterschaft.

In Westdeutschland wurden am Sonntag die End kämpfe um die WSV.-Fußballmeisterschaft mit zwei Spielen in derRunde der Vier" und dem Schluhspiel der Trostrunde fortgesetzt. In derRunde der Vier" spielte der Meisterschafts­favorit Fortuna Düsseldorf in Bochum vor 1800 Zuschauern gegen VfB. Dielefeld nur 2:2 (2:0), wahrend der Meitericher Sp.V. in Köln über Alemannia Aachen 1:0 (1:0) siegreich blieb. In der T a b e l l e führt nun Fortuna Düsseldorf mit 3:1 Punkten vor Meid er ich mit 2:2, VfD. Diele­feld mit 1:1 Punkten und Alemannia Aachen mit 0:2 Punkten.

Schwarz-Weih Barmen Troskrundensieger.

Das Schlußspiel in der Runde der Zweiten fand in Deutz übet 10 000 Zuschauer. Es en­dete mit einem verdienten 2:0-(0:0-)Sieg der technisch besseren Mannschaft von Schwarz-Weiß Barmen über den Rheydter Spielverein. Bar­men muß nun noch zum Entscheidungsspiel um die dritte westdeutsche Vertreterstelle gegen den Dritten aus derRunde der Vier" an treten

Oie süddeutschen Endspiele.

Runde der Meister.

Durch das Endspiel um den DFB.-Pokal zwi­schen Mittel- und Süddeuttchland gab es an diesem Sonntag bei den Meisterschaftskämpfen ein etwas verringertes Programm. Im allge­meinen blitb man von Ueberrafdyungen verschont. Rur das 1:0-Ergebnis, das Eintracht Frankfurt auf eigenem Gelände gegen' SV. Waldhof er­zielte, gibt zu denken. Die Frankfurter Elf hat offensichtlich an Durchschlagskraft verloren. Da­gegen verstanden es die Münchener Bayern mit einem glatten 2:0-(0:0)Sieg gegen den Karls­ruher FV. erneut ihre Anwartschaft auf den Meistertitel zu betonen. Das dritte Meisterschafts­treffen ging in Worms vor sich, wo Wormatia Worms und Union Döckingen sich mit einem un­entschiedenen 1:1-Ergebnis trennten.

Die Trostrunde Südost.

Die Spiele in der Trostrunde Südost nehmen, nachdem der Sieger in dem S. V. 1860 München

bereits feftfteljL nur noch untergeordnete Bedeutung ein. Die drei Treffen des Sonntags brachten nichts­destoweniger auf der ganzen Linie Ueberrafchungen. Schon bei dem Spiel in Karlsruhe Phönix gegen Schwaben Augsburg 3:4 (2:1) hatte man einen viel klarereren Sieg der Gaste erwartet, aber auch in Stuttgart rechnete man mit einen ganz glatten Siege der Kickers gegen Rastatt, nur mit viel Glück und knapp 2:1 behielten indessen die Kickers die Ober­hand. Gänzlich verblüffend wirkt dagegen die Nie­derlage des FC. Pforzheim, der sich auf eigenem Gelände von den immer besser werdenden Fürther Nasenspielern mit 3:2 (1:0) schlagen lieh.

Die Trostrunde Rordwest.

Während der bisherige Tabellenzweite Phönix Ludwigshafen durch einen knappen, aber verdienten Sieg mit 2:1 über seinen Lokalgegncr^ den VfL. Neckarau, siegreich blieb, mußten die bisher allein führenden Isenburger in Idar ganz überraschend mit dem gleichen Ergebnis eine Niederlage?hin° nehmen, so daß Isenburg und Ludwigshafen nun mit gleicher Punktzahl an der Spitze stehen. Der kommende Sonntag wird hier die Entscheidung bringen. Rot-Weiß Frankfurt siegte ohne Kreß gegen den SV. Wiesbaden 3:2 und mit dem gleichen Er­gebnis wurde die Niederräder Union in Saarbrücken geschlagen.

Erwartete deutsche Rugby-Aiederlage.

Frankreich schlägt Deutschland 34:0 (8:0).

Bei einer großen Zuschauerzahl tourte am Sonntag in Paris der oft verlegte Rugbtz- Länterkampf Deutschland Frankreich durch­geführt. Die Franzosen zeigten nicht das ge­wohnte Können, doch re'chte ihre Form aus, um die Deutschen mit 34:0 hoch zu schlagen. Bei

Arn 26. April findet nach langjähriger Unter­brechung zum ersten Male wieder die Kunstturn­meisterschaft der DT. statt. Diesmal in Essen, an hervorragend geeigneter Stätte. Die Abwicklung dürfte gegen früher beteutend übersichtlicher sein, so daß der Kampf als solcher mit wesentlich größerer Spannung und Teilnahme verfolgt wer­den fann. Ein.festlicher Auftakt, an dem sich u. a. der erste Vorsitzende der DT., Herr Staats­minister a. D. Dominicus, und der Männer- turntoart Schneider (Leivzig), be.einigen, leitet über zu den eigentlichm Kämpfen. Diese fetzen sich zusammen aus je drei Pflicht-, bzw. selbst gewählten Siebungen an den drei Geräten Reck, Darren und Pferd, sowie aus einer Kunst­freiübung. Teilnahmeberechckgt sind nur die aller­besten Turner des Millionen-Terbantes der DT. Ursprünglich sollten nur 100 Wettkämpfer teil­nehmen, da aber über 150 Meldungen eingrlaufen waren, hat der Männerturnwart der DT. noch weitere 10 Teilnehmer zugelassen,

so daß sich insgesamt 110 Turner um die Meislerschaslswürde der DT. bewerben.

Die Zahl ist klein, dafür aber ist das Können der Turner das beste, das man in Deutschland auf diesem Gebiete überhaupt finden dürfte. Ramen von Klayg, die bewährtesten und in vielen Kämp­fen erprobten Kunstturner der DT. treten auf den Plan, daneben der Rachwuchs, der hoffnungs­voll die Hand nach den Siegeskränzen ausstrcckt.

Die 18 deutschen Turnkreise haben ihre Besten gemeldet, und die Teilnehnerzahl aus den ein­zelnen Turnkreisen rich'et sich nach ter Gesamt­zahl der Mitglieder überhaupt. Die beiden ost- preußischen Teilnehmer Kanis und Dörfer (Kö­nigsberg) find befarmte Wetturner, von denen

Spielbeginn lag Deutschland zunächst im Angriff uno |am) sich auf dem ungewohnten Platz schnell zurecht. Die Franzosen kamen allmählich aus, um aber das Feld dann völlig zu beherrschen. Es dauerte nicht lange, bis die Franzosen ihren ersten Erfolg buchen tonnten. Erne exakt durch- ge.ührte Kombination brach.e Frankreich wenig später durch einen von Servole erhöhten Ver­such eine 8: 0-Führung. D.e zweite Halbzeit sah die Gastgeber ständig im Angriif. Deutschlano mußte sich ausschließlich auf die Verteidigung be­schränken, ohne aber die zahlreichen weiteren Erwlge der Franzosen verhindern -zu können. Mit 34: 0 endete der Lände rrampf.

Kurze Gporinoiizen.

Süddeutschland gewann in Dresden das Endspiel um den Bundespokal gegen Mitteldeutsch­land vor 30 000 Zuschauern nach Spielverlängerung mit 4:3 Treffern.

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Der Große Preis von Monaco fiel an Chiron auf Bugatti. Carraciola auf Mercedes-Benz mußte wegen eines Defekts aufgeben.

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Die süddeutsche DT-chandballmei. st e r s ch a f t fiel nach einem Siege über den TSV. Eßlingen an den Tv. 60 Fürth.

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Der Fußball-Städtekampf Berlin-Paris endete vor 40 000 Zuschauern im Berliner Post- stadion mit einem hohen 6:2- (2:0-) Sieg der Ber­liner Mannschaft.

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Norddeutschland hat im Hamburger SV. und in Holstein Kiel bereits seine beiden Vertreter für die Deutsche Fußballmeisterschaft ermittelt.

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Ein V o r r u n d e n s p i e l um die Deutsche Rugby, rneisterschaft wurde in Leipzig von Tennis-Borussia Berlin gegen ASC. Leipzig 3:0 gewonnen.

Kanis, ter früher in Thüringen bester Kunst- tumer war, einen besonders guten Ruf genießt. Die Schlesier schicken u. a. Kolonko, Miemietz und Mach, ter bei den Deutschen Kampsspielen im Vorjahr im Zwölfkampf erster Sieger wurde. Ein hervorragendes Aufgebot stellen auch die Brandenburger auf den Plan. Hier überragt Wedekind (Forst), ein tüchtiger Turner: Bocken­auer, Kiwatschinski und Mock und andere stehen ihm nicht viel nach. Bester tes TurnkreiseS Pro­vinz Sachsen-Anhalt dürfte Specht (Magdeburg) sein. Einer guten Vertretung erfreut sich auch ter Turnkreis Norden, ter in Pfeiffer, Siebens und Huck (Hamburg) oft bewährte Kreisturnfest- und Städtekampfsiegcr in das Treffen schickt. Der UnterweserkreiS hat als Besten Steffens (Bre­men) aufzuweisen. Gut sind auch die Hannove­raner und Braunschweiger, unter denen Stamm (Braunschweig der fctanntefte ist. Auch Lod- to i g hat in Westdeutschland früher schon man­chen Erfolg errungen. Von den Turnern tes Oberweserkreises sind Kehrer (Kassel) und Gergs (Kassel) ine bekanntesten. Berufene An­wärter auf die Meisterschaft führt der Tucn- kreis Westfalen in den Kampf, für den nicht nur die altbewährten Wettkämpfer Platzek (Dort­mund) eintreten, sondern jetzt auch Winter (Wup- Pertal-Langerfeld), ter erster Sieger des Zwölf­kampfes ter Deutschen Kampfspiele in Breslau, dessen hervorragendes Können allgemttne Be­wunderung erweckte. Winter, der aus Frankfurt am Main gebürtig ist, bedeutet eine große Ver­stärkung ter Kampfgruppe ter Westfalen. Auch der Turnkreis Rheinland, in dessen Kreisgebiet ter Kampf stattfindet, hat in Brandsatz (Köln), dem ersten Kreisturnfestsieger Eandrock (Immi-

Wer wird Kunstiurumeister der DT.

Kreuzweg der Lebe.

Vornan von Paul Grabein

Urheberrechtsschutz: RomandienstDigv", Berlin W 30.

29. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Ich weih selbstverständlich, daß ich einen schweren Weg gehen will. Aber ich will es nicht anders!"

Zweifelnd sah er in ihr blasses Gesicht, mit dem herb geschlossenen Wund.Sie müssen mir erlauben, offen zu Ihnen zu sprechen. Schon einmal hat Ihnen ein übereilter Entschluß un­sägliches Leid gebracht lassen Sie es nicht zum zweiten Male geschehen!"

Mit gesenktem Haupte stand Ursula vor ihm. In dumpfer Resignation erwiderte sie, ohne au zusehen:

Damals hatte ich noch etwas zu verlieren jetzt erwarte ich nichts mehr vom Leben."

Ihre starre Ruhe lieh seine Angst noch wachsen. Dur nicht solche stumpfe Gleichgültigkeit der schlimmste Feind des Lebens! Wachschreien muhte er die Energie in ihr.

Wie dürfen Sie so sprechen! Sie, die so reich sind, datz Sie andern unendlich viel geben können

Ich andern? 3a, gewiß, meine Arbeit, meine rastlose Arbeit. Die will ich ihnen ja auch geben.

Dein, Sie sollen mehr geben und empfangen." Unwillkürlich trat er näher auf sie zu. Ienes Bild schwebte ihm vor der Seele, wie er sie vorhin mit den Kindern hatte fnieen sehen, so doll süßen weiblichen Reizes und, ihr selbst truel» leicht unbewußt^ voll Muttersehnsucht.Geben und empfangen das Höchste, was eine Frau ver­mag: das Glück einer Eintergefegneten Ehe."

Das wird es nie für mich geben!

Und warum nicht?"

Weil ich es gelobt habe an einem Toten­bette."

In jähem Erschrecken sah er sie an. Das Ge­lübde ter Ehelosigkeit am Totenbette ihres Mannes? Aber warum?

Doch er kam nicht zum Ausdenken, es klopfte plötzlich an die Tür.

Verzeihen, Herr Doktor die Wärterin im sauberen hellen Kleide erschien auf ter SchwelleHerr Geheimrat Starck"

Ditte einzutreten. Und schon wurde hinter dem Mädchen der alte Herr sichtbar, der Haus­arzt der jungen Frau oben, ter täglich nach ihr in der Klinik sehen kam.

Guten Tag, Lieber Herr Kollege ergebenster Diener, Frau Oberin", begrüßte ter Geheimrat bie beiden.Da, wir dürfen uns nun ja gratu­lieren unsere kleine Frau ist glücklich durch­

gebracht! Ich komme eben von ihr."

Krä.tig schüttelte er in seiner Freude Wigand und Ursula die Hand.

3a, Gott sei Dank aber es hing an einem Haar", sagte Wigand ernst.

Sie haben eben Glück! Und ohne das kann der beste Arzt nichts anfangen." Wigand machte unwillkürlich eine ablehnende Bewegung, und ein bitterer Zug spielte um seine Lippen.Oder wollen Sie es etwa gar leugnen? Der Geheim­rat klopfte dem jüngeren Kollegen auf die Schulter.Kaum haben Sie hier die Sache In die Hand genommen, und schon haben Sie das Haus voller Patienten. Alle Kuren schlagen ein was wollen Sie noch mehr? Dun noch eine nette kleine Doktorsfrau hier ins Haus, und Sie sind der beneidenswerteste Mann unter der Sonne! Da, habe ich etwa nicht recht, Frau Oberin?

Ursula war zusammengefahren bei den scherzen­den Worten des alten Herrn.

Gewiß, Herr Geheiu.rat", betätigte sie ge­preßt und wandte sich rasch ab, sich auf tem Schreibtisch mit den 3oumalen zu schaffen machend.

Da also!" kehrte sich Geheimrat Starck, heute infolge des guten . Ausgangs der Erkrankung ganz besonders aufgelegt zu launigen Bemerkun­gen, wieder Wigand zu.Da hören Sie's ja be­stätigt. Also gehen Sie in sich, Sie hartgesottener 3unggeselle, und halten Sie Umschau unter den Töchtern des Landes. Ein Mann wie Sie sollte eigentlich längst schon geheiratet haben. Sie Drückeberger, warum so ehescheu? Haben Sie Angst vor dem Pantoffel?"

Das wohl weniger." Wigand zwang sich zu einem Lächeln.Trotzdem aber werde ich 3hnen den Gefallen leider nicht tun können."

Was Sie wollen wirklich nicht heiraten? 3st das Ihr Ernst?"

Wigand nickte.

3a aber warum denn in aller Welt nicht?" Weil ich die Frau, die ich haben möchte, niemals haben werde."

Wigand sagte es mit ernstem Dachdruck, und sein Blick streifte mit einem Aufleuchten voll geheimen Wehs Ursula drüben am Tisch. Der Blick traf den ihren, der sich bei ter letzten Frage des Geheimrats unwillkürlich auf Wigand geheftet hatte. Dun senkte sie rasch die Augen. Um ihre Betroffenheit zu verbergen, beugte sie sich tiefer über Den Schreibtisch. Während ihre Finger nervös in den Papieren vor ihr auf dem Tisch blätterten, fühlte sie ihr Herz pochen.

Dieser Blick eben seine Worte! Es war ein klares Eingeständnis, datz er sie noch immer nicht vergessen, noch immer nicht aufgehört hatte, zu lieben! Die kameradschaftliche Ruhe, die er ihr gegenüber zur Schau getragen, war nur er­zwungen. Schnell raifte sie ihre Tabellen zu­sammen und verlies das Zimmer.

23. Kapitel.

Ein Klopfen an der Tür.

Wigand fuhr aus seinem Sinnen auf und rief seinHerein! Die Sekretärin erschien mit ter Post.

Cs war die Abendstunde, wo Wigand mit ter Oberin alle nötigen Angelegenheiten für den kommenden Tag zu besprechen pflegte. Allein Ursula hatte sich heute entschuldigen lassen: Sie fühle sich doch nach den Dachtwachen recht ab­gespannt. Sie fei daher schon gegen sechs nach Haus gegangen, um sich einmal wieder im eigenen Bett ordentlich auszuschlafen. So brachte denn jetzt an ihrer Stelle die Sekretärin die Korre­spondenz des Tages Wigand aufs Zimmer. Unterschrift wartend, blieb das junge Mädchen im Zimmer, aber Wigand warf einen Blick auf die Uhr schon acht durch! und er winkte ab.

Danke, Fräulein Gerth! Sie brauchen nicht länger zu warten. 3ch erledige alles selbst."

Froh, ihr Tagewerk beendet zu sehen, entfernte fidj das Mädchen und Wigand blieb allein zurück. Aber er lieh die Postsachen unberührt liegen, ebenso wie das Abendbrot, das schon seit einer Stunde hinter ihm auf dem Sofatisch stand. Gr lehnte sich wieder in ten Sessel zurück, um seine Gedanken da aufzunehmen, wo sie der Eintritt der Sekretärin unterbrochen hatte.

Ursula! Um sie drehte sich sein Denken in dieser stillen Stunde. 3mmer wieder mutzte er an ihre Mitteilung denken, datz sie nun endgültig beschlossen habe, Diakonisse zu werden, und immer wieder befiel ihn das angstvolle Gefühl, datz er sie sicherem Verderben entgegengehen sähe, ohne datz er sie zu retten vermöchte. Ihm war's. als sähe er sie vor den Mauern stehen, die sie für Immer der Welt entziehen, fie lebendig be­graben sollten. Dies blühende, junge grauen­leben nun in dumpfer Krankenhausluft, in ein­förmig freudlosem Dienst an Fremden langsam hinwelken.

Er ballte die Hände voll Ingrimm gegen das Schicksal, das dies so wollte. Aber was wütete er gegen das Fatum? War es denn nicht ihr eigener Wille, ein Gelübde, das sie ungezwungen getan?

3a, wenn es nur wirklich ungezwungen gewesen wäre. Gr stützte grübelnd die Stirn in die Hand. Hatte sie nicht vielleicht am Sterbebette Freds eine Zwangsvorstellung gepeinigt und zu dem verzweifelten Gntschlutz getrieben, an den fie sich nun gebunden fühlte? Wigand zermarterte sich den Kopf, den Grund für einen solchen Gewissens­zwang blotzzulegen. Eine geheime Schuld ver­nachlässigte Pflichten ihrem Gatten gegenüber. Aber sie hatte doch, wie er selbst gesehen, dessen Launen und Leiden stets mit rührender Geduld ertragen. Also das konnte es auch nicht sein.

Was aber dann?

Es blieb eben nur die eine Annahme: Sie hatte genug kennen gelernt von den Enttäuschun­

grath) und anderen gute Waffen im Kampf. Das gleiche gilt

vom Allklelrhelnkreiv, der gute Turner in den Kampf schickt,

ter aber Winter, ter für Westfalen kämpft, ent­behren mutz. Unter den Badensern lind Gschweih (Pforzheim), Moßbrugger (Pforzheim) und En- dretz (Mannheim) die bekanntesten Turner. Treff­liche Turner haben auch die Schwaben ins Feld gesandt, unter denen Dagel (Eßlingen) schon wiederholt bester Geräteturner der DT. gewesen ist. Aber auch Hermann (Ulm) und Kraft (Schnaitheim) finb hervorgetreten. Die Bayern stellen ebenfalls ein treffliches Aufgebot In ten Kampf, u. a. den vielfachen Kunstturnmeister Kurz (Dörflas), Christ und Loibl (München), Pfau (Dürnberg), Dezler (Göggingen), ter der Zehnkampfmeister auf dem Deutschen Turnfest in Köln gewesen ist. Die Thüringer schicken gute Durchschnittsturner nach Essen, von denen man sagen fann, datz sie einen guten Platz behaupten werden. Erste Siegesanwärter kann dann noch ter Turnkreis Sachsen, ter größte deutsche Turn- kreis stellen. Er besitzt in K r ö h s ch (Böhlih- Ehrenborg) einen hochveranlagten, jungen Tur­ner, dessen Können nicht zuletzt daraus ersichtlich ist, daß er beim Städtekampf HamburgLeipzig Berlin als bester Turner eine noch nicht er­reichte Höchstleistung in ter Dewertungszahl auf­stellte. Aber auch Kleine (Euttitzsch), Wetter­mann (Leipzig), Polrnar (Hohenstein-Ernstthal) dürften ihm nicht viel nachstehen, wie viele Wett­kämpfe erwiesen haben. Auch die Pfalz syickt einige Turner, von denen Cürtet (Germania- Oppau) der bekannteste ist.

Cs ist autzerortentlich schwer, vorauszusagen, wer Sieger wird. Der Sieg ist von vielen Um­ständen anhängig, von richtiger Derveneinsetzung, von der Ausdauer, oft entscheidet eine Hundertstel Sekunde Verzögerung den Sieg oder die Dieder­lage: ein Griff, ter um einen Zentimeter zu weit nach rechts oder nach links geht, zieht oftmals den Mißerfolg nach sich. Unter selchen Voraus­setzungen seht sich Kampferfahrung oder auch vielleicht Glück durch.

wollte man nach den bei den Ausscheidung»- kampfen erreichten Punktzahlen gehen, so müßte Kanis aus Ostpreußen erster Sieger werden, der nicht weniger als 196 Punkte von 200 erreichbaren Punkten erzielte.

Dächst ihm haben bei den Entscheidungskämpfen hohe Punk'zahlen erzielt: Wedekind (gorst) 192, Dörfer (Königsberg) 183,5, Hermann (Ulm) 181, Kurz (Dörflas) 178.5, Christ (München) 176, Winter (Wuppertal-Langerfeld) 176, Platzek (Dortmund) 176 Punkte. Aber diese Ausschei­dungen können eine sichere Voraussage nicht gewährleisten. Die Verhältnisse bei den ein­zelnen Kämpfen sind überall verschieden gewesen, und auch die Kampfgerichte sind ganz bestimmt in jedem Fall vor ganz besondere Tatsachen ge­stellt Worten. Wenn man überhaupt eine eini­germaßen sichere Voraussage treffen will, so muß man auch berücksichtigen, datz manche Turner an den Meisterschaften teilnehmen, die an den Vorausscheidungen aus irgendeinem Grunde nicht teilnehmen konnten. Un'er Berücksichtigung aller dieser Voraussetzungen dürfte man erwarten, datz sich den Kampf um die Spitze höchstwahrscheinlich in erster Linie Wedekind (Forst), K r ö tz s ch (Leipzig), Kurz (Dörflas), Winter (Wupver- tal-Langerfcld) und Platzek (Dortmund) liefern werten. Auch Kanis wird ihnen nicht allzuweit fernbleiben, ebensowenig Pfeiffer (Hamburg), Kleine (Leipzig) und Hermann (Ürm). Und wenn man aus diesen noch eine Auswahl treffen soll, so wird man wahrscheinlich unter Kröh'ch, Win­ter, Wedekind und Platzek zu wählen haben. Zu berücksichtigen ist, datz Platzek als Westfale ten örtlichen Verhältnissen am nächsten ist, so daß er sehr leicht auf Grund dieses kleinen Vorteils die Meisterschaftswürte davontragen könnte.

gen der Liebe und ter Ehe. Sie wollte nicht noch einmal den Kamps um scheiternde Hoffnun­gen durchmachen, sie fühlte ihre Seele tem nicht mehr gewachsen. Da hatte sie sich denn gelobt: Die wieder etwas davon! Lieber entsagen, ver­zichten auf Trugglück und im ernsten Arbeiten für die leidenden Mitmenschen einen Ersatz da­für suchen.

Gewiß, so mußte es sein. Also ging es ihr wie ihm: Auch er würde nicht zum zweiten Male wagen, in den schwankenden Dachen tes Glückes zu steigen. Freilich, ein Unterschied war da zwischen ihr und ihm: Wenn er nicht mehr Daran dachte, so geschah es, weil er nie aufgehört hatte, an sie zu denken, sie zu lieben.

Fruchtloses, schmerzliches Wühlen unb Grübeln! Cs führte ja doch zu nichts. Wigand raffte sich auf. Es war wohl doch so das beste: sie ging ten Weg, den sie sich gewählt, fand int eng be­grenzten Kreis den Halt, den sie für das Leben brauchte, und er suchte Trost in seiner Arbeit.

Wigand zog mit einem Ruck ten Sessel an den Schreibtisch und nahm die Mappe mit den Postsachen zur Hand. Eine Anzahl laufender Korrespondenzen mit Patienten und Geschäfts­leuten, Rechnungen, Quittungen hier eine Überweisung ter Bank, mechanisch überflog er das Schreiben, aber plötzlich stutzte er.3m Auf­trage von Frau Ursula Drenck beehren wir unS vom Konto den Betrag von 3000 Mark zu über­weisen, für den Sie uns erkennen wollen."

3a was hieß denn das? Wenn da ge­standen hätte: 3m Auftrag von Fräulein von Rommerh, aber so? Verständnislos starrte Wi­gand das Papier an, nun sah er noch einmal hin, aber da stand ja ter Dame tes Fräulein von Rommertz, da oben aber als ter der Adressatin! Also die Dank hatte die Summe im Auftrage Ursulas an deren Freundin gesandt. Aber warum das? Hatte Fräulein von Rommertz denn nicht selber genug verfügbare Mittel? Sie sollte doch so vermögend sein. Wie kam also Ursula dazu?

3n Wigands Gesicht zuckte es plötzlich auf ihn flog da eben ein Gedanke an, ein Verdacht.

Er dachte nach. Aber nicht doch, nicht doch, solche Komödie konnte man ihm doch nicht vor­gespielt haben. Und er setzte sich hin, schob das rätselhafte Schreiben beiseite und wollte Weiter­arbeiten.

Aber wieder und wieder kam dieser quälende Verdacht. Da sprang er auf: Cs half nichts, er mußte sich Gewißheit verschaffen. Aber wie?

Er fann nach. Ah, richtig! So mutzte ihm Auskunft werten. Schnell ging er hinüber in das Zimmer ter Sekretärin. Sie war schon fort, fo mutzte er eine Weile suchen, ehe er im Regal mit den Registern ten richtigen Band fand. Gr kümmerte sich ja sonst nie um diese Angelegen­heiten tes Unternehmens.

(Schluß folgt.)