Ausgabe 
20.4.1931
 
Einzelbild herunterladen

Ja

A'LTK OK MDsß LSLch

u^jS» nut d°" ,N StiEh5"'ln,c und ^'MndrN°"°n. ritt). .Mrtt ^Mt-n - dgz Taljen bl6!!1 und ft '&ibtquf(t" »Wltnäfiiat

**

*ie gratis!

L8s*fea sriLL

dernäckstenjo®eM tn ** -s nodiStJo KLSS

»KV nungen '.- Wan lese i, B, die ledergegebenen Zu. nserer oben bereits "" abgedruckt.

tb lausen M. sollte ej mal men genügt, morgens und luch kur den ganzen rag frisch Arbeit mit Leichtigkeit der- oerspütte ich immer Hnz* hc.

Bt 30.

trau Heinrich Simbtl '

:rvenl

b mit Jbttm bridcauell sehr nach drei Tagen schon 8t* Bürt.

n, Lilhelmstraße 4.

AiberlPsa'se.

ntbehren!

daß ich die gesandte Lrobe* jtMjtt CtigmalDtufung säst bekommt mir lehr gut nnb ich moW danach, io baS '* n mochte. senden cit mit il eine LtiginaldaSung iu ran; Nette, SaDirtsch. , end besser!

sreundlichs! mit daß ich die lerbraucht habe und id> mich ; sonst. werde daram in- der Jiur behalten und Jenen

Dülowliraße 44.

Nikolaus Molitor.^

nd leichtl

hnbtqucll bin stbr iW'£ L leicht^ dm Much, tat CToncnb'tg-tk-bhU.

weid Li"-",

Iäää ^N°5berd°M°kLn-r,

I Es"« ir jedem Wiel. Seit Mch m. «» gL Emil ilbtist^ ll W i4bJe»SVÄ * nein ^'.'."^"inschlaien fw 3 R^quS« hrfibro

ÄjBil®

3-

«-

fflltn- )> V 2 HMr-e

it wie

W" £.***!>

Nr. 91 Zweites Blatt

Gtetzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Montag, 20. April 1951

Dom Rande der Weltpolitik.

Außenpolitische Umschau.

Don Or. Otto Hoetzsch, o. ö. Prof, der Geschichte an der Universität Äerlin.

Wir haben keine Veranlassung, die außenpoli­tische Situation für Deutschland schwächer zu malen als nötig ist. Aber schwierig genug ist sie in jedem Fall. Aus dem Zusammentreffen der Flottenpaktsverhandlungen drüben und all dem, was sich um den sog. Wiener Pakt abgespielt hat, ist eine eigentümlicheVerhärtung" der Gesamtsituation eingetreten, die der deut­sche Außenminister spüren wird, wenn er in drei Wochen in Genf zu verhandeln hat, noch dazu als Vorsitzender. Die auffällige Rede, die der fran­zösische Präsident kurz vor Ablauf seiner Amts- B in Rizza gehalten hat, bestätigt, daß die

iehungen zwischen Deutschland und Frankreich t gespannt geworden sind, und richtet an die englische Adresse, an Henderson, einen ganz un­mißverständlichen Wink in bezug auf die Ab­rüstungsfrage, den man nach allen Erfahrungen in London sofort versteht und der nun wieder -Englands Verhältnis zu Deutschland auch etwas verhärtet.

Der-Blick sei von diesen eigentümlichenVer­schlingungen" europäischer Fragen einmal wieder nach dem Rande gerichtet. Australien ist in einer trostlosen Wirtschaftslage, in einer schweren eigenen Krise, die durch die Weltkrise noch ver­stärkt wird. Der Sturz der Rohstoffpveise (Wolle und Weizen!) traf das Land besonders. Die Starrheit des Lohnsystems als Folge einer weit­gehenden, beinahe sozialistischen Arbeiterpvlitik verschärfte die Lage. Die Finanzkrise kommt hinzu, und hat zu sonderbaren Erscheinungen geführt, so zu der Weigerung des Staates Reusüdwales, den Zinsendienst für die Anleihen in England zu erfüllen. Die Bundesregierung hat das zu ver­meiden gewußt und sich statt desien entschieden zur Inflation. Man schafft den Zwang zur Gold­deckung ab, will den Goldbestand, wenn nötig, nach London verkaufen. Man ist also in einem verschleierten Staatsbankerott und glaubt wirklich mit der Inflation aus den Schwierig­keiten herauszukommen. An der Erkenntnis, daß man, an die Weltwirtschaftskrise gefesselt, nur in der Zusammenarbeit mit den anderen Staaten aus den Schwierigkeiten herauskommen konnte, fehlt es in diesem Lande, das sich bewußt ab­sperrt, durchaus.

Unmittelbar ist die Sorge in London für ein anderes Reichsproblem, das indische, das vor der letzten entscheidenden Wendung steht. Be­wundernswert ist die Klugheit und Mäßigung der beiden Führenden, des englischen Vizekönigs Lord Irwin, der damit seine Tätigkeit be­schließt, und Gandhis, in dem die gemäßigte Richtung Iung-Indiens verkörpert ist und noch das Feld behauptet. Der indische Kongreß hat den Pakt von Reu-Delhi mit überwältigender Mehrheit bestätigt. Jetzt will Gandhi nach Eng­land gehen an der Spitze der indischen Ver­tretung, mit freier Hand, die ihm sein Kongreß (gegeben hat. Auf einer neuen Konferenz am runden Tisch" in London soll im Herbst die Frage weitergeführt werden, unter Teilnahme also diesmal der Gandhi-Bewegung und von Mitgliedern des indischen Rationalkongresses selbst. Im englischen Parlament hat der konser­vative Führer erneut bestätigt, daß die Zusam­menarbeit zwischen den drei Parteien Englands in der indischen Frage ungebrochen weiterbe­stünde. Das Entscheidende liegt nun darin, daß wohl die Engländer abgesehen von den un­belehrbaren Politikern, die im alten Stil und mit den alten Methoden weiter wirtschaften wollen sich einig sind, Indien eine möglichst elastische, freie, zentrale Bundesregierung zu geben, jedoch mit den wesentlichen und notwendigen Sicher­heiten für England, daß aber das Endziel des Rationalkongresses die volle Unabhängigkeit In­diens ist und bleibt, das Gandhi vorläufig nur

IV. Tag im Kammerspiel-Zyklus.

Hans-Lachs-Spiele.

Wacht auf! Es nahet gen dem Tag!"

Die vierte und letzte Morgenfeier des vom Stadttheater gemeinschaftlich mit dem Goethe- Bund veranstalteten Kammerspiel-Zyklus brachte zum fröhlichen und beschaulichen Beschluß die Aufführung dreier Fastnachtsspiele des weiland nürnbergischen Schuhmachers und Poeten Hans Sachs.

Der Dramaturg Dr. Ritter hatte aus dem reichen Schatz drei Stücke ausgewählt:Die junge Wittfrau Franziska",Das heiß Eisen" undSankt Peter ver­gnügt sich mit seinen Frerknden unten a u f E r d e n".

Dr. Ritter cab zuvor eine knappe Einführung in Werk und Wesen des Renaissancemeisters, charakterisierte kurz Umwelt, Stil und Tendenz der Stücke und umriß sein Regieprogramm, wo­nach die drei kleinen Einakter pausenlos und ohne Dorhangfall gegeben wurden als Dokumente einer kulturellen Einheit, dreifach lebendiges Bild der Zeit mit ihren markanten ständischen Vertretern: Rittern, Bürgern und Dauern.

In derWittfrau Franziska" wird die Satire durch einen mit viel breitem Witz in Szene ge­setzten, nächtlichen Kirchhofsspuk gemildert: dieses Stück ist ein glückliches Beispiel sowohl für die ganz primitive Dramaturgie Hans Sachsens als auch für seinen gesunden theatralischen Instinkt, der seiner Wirkung auf ein im guten Sinn naives Publikum auch heute noch sicher ist.

Das heiß Eisen", in der Fabel typisch für das Schau-Spiel jener Zeit, ist ein kräftiger und drastisch komischer Ehe- und Ehebruchs-Schwank unter Dauern, wobei wider Erwarten nicht das Weib, sondern der Mann das letzte Wort behält und die Feuerprobe der ehelichen Treue nicht nur mit List besteht, sondern sogar mit handgreif­lichem Erfolg den Spieß umdreht.

St. Peter auf Erden" endlich ist ein Stück, welches auf eine nur dem Stil der Reformations­zeit mögliche Weise die Mitte hält zwischen aus­gelassenem Fastnachtsscherz und Legendenspiel:

verschleiert und daß auch er die volle wirtschaft­liche Freiheit für Indien, also crüch das Recht zu wirtschaftlichen Ausnahmebestimmungen gegen England, heute schon unbedingt fordert. Der Kon­greß selbst aber wünschte überhaupt gleich volle Verfügung über das Heer, volle Freiheit in Finanzen, Steuern und Wirtschaftsbeziehungen zum Ausland, eigene Bestimmung der Außen­politik. Ein ungeheuer interessantes und ein für England außerordentlich schwerwiegendes Pro­blem, das nun auch k>er Labourpartei zur Losung zugefallen ist!

e

In Rumänien ist mit Ti t u le sc u, den wir aus seiner vielfachen Tättgkett in Genf kennen, ein Mann an die Spitze getreten, der zunächst ein erhebliches außenpolitisches Prestige mitbringt und sehr bestimmte Ansichten in der Außenpolitik, der nicht Parteipolitiker war und ist und darum fähig, die vom König geforderte Regierung der Konzentration aus allen Parteien aufzubauen. Gelingt das, indem vor allem die großen Parteien, die Rationale Bauernpartei und die Liberalen, mitmachen, würde die Aera der reinen Parteiregierung, in der Rumänien jahrelang gefeffett gewesen ist, zu Ende sein. Es wird eine posittve Gesundungspolitik möglich wer­den, ohne Diktatur, im Arbeiten mit allen Par­teien und mit einer Außenpolitik, die auch Frank­reich gegenüber ihre Selbständigkeit wahrt. So kann Rumänien in der großen Politik aktiver werden, und das ist im Hinblick auf den Wiener Pakt auch für uns nicht gleichgültig.

Der Vorstoß des Gouverneurs der Bank von England, Montagu R o r m a n, in Washington, ist eine auffallende Parallele zu Hendersons Vor­stoß in der Abrüstungsfrage. Der Führer der Dank von England verfolgt schon lange das Pro­blem, die Weltwirtschaft durch internatio­nale Kredite großzügig zu finanzieren, die natürlich in erster Linie von Frankreich und Amerika gegeben werden mühten. Anscheinend scheut er auch nicht vor der unerbittlich damit zusammenhängenden Konsequenz zurück, daß auf

dem Schuldengebiet etwas geschehen muß. Ror- man war vom 6. bis 9. April in Washington. Was er dort besprochen hat, ist amtlich nicht bekanntgeworden. Daß er seine Auffassung von der Rotwendigkeit amerikanisch er Kreditgewährung an das Ausland vertreten hat, ist klar. Sehr positiv aber ist dazu berichtet worden, daß er auch die politische Seite berührt hat, also die Rotwendigkeit einer poli­tischen Reuregelung der Schulden­frage, ehe das amerikanische Privatkapital wie­der stärker an Europa Herangehen könne. Er habe die Möglichkeit einer Erleichterung der deutschen und österreichischen Reparationsverpflichtungen erörtert und angedeutet, daß die Schuldnerstaaten von dem zweijährigen Moratorium Gebrauch machen konnten. Dazu kam die Meldung, daß diese Frage auch bei der Zusammenkunft von Chequers zwischen Macdonald und den deutschen Ministern erörtert werden würde.

Es würde also England wie auf dem Ab­rüstungsgebiet auch hier in der Krieesschulden- frage Vorkämpfer. An sich durchaus zu begrüßen! Aber wird dadurch eine deutsche Initia­tive etwa überflüssig? Durchaus nicht! Das englische Interesse in der Frage deckt sich keines­wegs absolut mit dem deutschen, und Deutschland kann sich nicht einfach in eine Situation gewisser­maßen hereinführen lassen, die die anderen schon fertiggestellt habest. Darum kann man nun auch nicht in majestätischer Ruhe feststellen, jene Be­sprechungen Rorrnans formten Auftakt zu weite­ren Unterhaltungen sein, die bis in den Kern des Problems hinein Vordringen, und daß auch im besten Fall noch Monate verstreichen würden, bevor eine wohlvorbereitete internationale Kon­ferenz in dieser Frage unter Leitung der Ver­einigten Staaten zusammentreten könnte. Werden diese wenigen! Monate nun aber auch von unserer Seite wirklich benutzt? Und ist die inter­nationale Lage, wie sie eingangs gezeichnet wurde, gerade unter diesen Gesichtspunkten in der Zen­tralfrage der Tributrevision für Deutschland günstig?

Kundgebung der hessischen Kriegsopfer.

WSN. Frankfurt a.9JL 19. April. Die Gaue Hessen und Hessen-Nassau im Reichsbund der Kriegs« beschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegerhinter« bliebenen veranstalteten heute in Frankfurt eine Kundgebunggegendendrohe ndenRen. tenabbau. Der Andrang war so stark, daß der große Saal des Schumanntheaters nicht alle fassen konnte und eine Parallelversammlung im Hippodrom abgehalten werden mußte. Der 2. Vorsitzende des Bundes, Noa (Berlin), betonte in seiner Rede u. a., die Versorgung der Kriegsbeschädigten sei noch nie zufriedenstellend gewesen. Besonders die Hinterblie­benenfürsorge habe niemals den Wünschen des Reichsbundes entsprochen. Heute sei die Hinterblie­benenfürsorge auf ein solches Niveau gesunken, daß selbst die Richtsätze für die allgemeine Wohlfahrts­pflege in den größeren Städten höher liegen, als die Renten der Hinterbliebenen. Trotz aller Dementis habe der Reichsbund sichere Informationen erhalten, daß man in den nächsten Monaten in einer neuen Notverordnung auch die Kriegsbeschädigtenrenten antasten wolle. Dagegen gelte es zu protestieren.

Einstimmig wurde folgende Entschließung angenommen:Die Kriegsopfer verkennen keines­wegs die Rotwendigkeit der endgültigen Be­seitigung des Defizits im Reichshaushalt und die Schwierigkeit der Bekämpfung der gegen­wärtigen Weltwirtschaftskrise. Sie weifen aber rhrerseids darauf hin, daß sie es waren, die das' Vaterland durch Hingabe des Ernährers, oder der Gesundheit vor feindlicher Invasion und vor den Schrecken des Krieges bewahrt haben. Die Kriegsopfer betrachten daher ihre bisherigen Ansprüche alsmit Blut erkaustund wohlerwvrbe n". Trotz dieser der Allgemeinheit dargebrachten Opfer, trotz der

Erklärungen früherer Reichstage und Reichs­regierungen, die Versorgungsgesehgebung könne nicht als abgeschlossen betrachtet werden, es sei vielmehr noch eine große Zahl von Härten zu beseitigen, haben Rolverordnungen und darüber hinaus Sparmaßnahmen der Ministerien die Versorgungsleistungen in stärkstem, kaum noch zu ertragendem Maße reduziert und di« Einheitlichkeit der Versorgung bedroht. Weitere Abbaumaß nahmen sind für die Krte^opfer unerträglich. Deshalb rufen sie das öffentliche Gewissen wach und betonen, daß es des deutschen Volkes unwürdig ift, den Haushalt des Deutschen Reiches auf Kosten der Hinterbliebenen seiner gefallenen Sohne, der kran­ken, verwundeten, siechen und verstümmelten Kriegsbeschädigten zu sanieren. Richt von so­zialen Lasten, die der Vollsgesamtheit erwachsen, sondern nur von sozialen Pflichten gegenüber den Kriegsopfern kann gesprochen werden. Der Reichs'bund der Kriegsbeschädigten, Kriegsteil­nehmer und Kriegshinterbliebenen fordert daher die Allgemeinheit auf, seinen Kampf gegen jedweden Abbau von Dersorgungs- lei st ungen an die Kriegsopfer zu unterstützen und gerade jetzt ihm zu helfen an der Verwirklichung des im Kriege geprägten Wortes:Der Dank des Vaterlandes ist euch gewiß!"

Die Parallelversammlung im Hippodrom stand unter der Leitung des Gauvorsitzenden Sei­bert (Freistaat Hessen). Die Hauptrede hielt hier Gauleiter Meinhold (Wiesbaden) vom Gau Rassau. _

ein Stück, welches ganz ungezwungen Himmel und Erde, durch eine Leiter verbunden, zur Szene macht, die Heiligen und die Irdischen mitein­ander auftreten läßt, und übrigens a ich ein treffendes Beispiel gibt für die lehrhafte und moralisierende Art des Poeten, der seine Gedichte und Spiele mit Vorliebe in einer schönen Ruhanweirdung und frommen Lehre ausklingen ließ.

So hier mit der Schilderung von guter und dürrer Zeit, von göttlicher Milde und himmli­schem Zorn, vom Undank der Menschen und der uralten Volksweisheit des SprichwortesRot lehrt beten". (Es ist freilich dem heutigen Theater­besucher schwer klarzumachen, wieviel unmittel­barer, eindringlicher und nachhaltiger derglei­chen auf den naiven Zuschauer damaliger Zeiten gewirkt haben muh.)

Im Sinne der von Dr. Ritter geleiteten In­szenierung hatte der Bühnenbildner Löffler einen einheitlichen Schauplatz für alte drei Stücke geschaffen, der in sehr hübschen und stilvollen Dekorationen Patrizierhaus, Schenke, Friedhof und Wolkenhimmel in eins zusammenschloh und so di« innere Zusammengehörigkeit der szenischen Vorgänge sinnfällig verdeutlichte.

Im einzelnen war die Aufführung mit Musik (von Fr. Cuj6) wirksam begleitet und mit aller­lei belebenden Regieeinfällen ausgestattet: auch waren Teile aus ernsten und fröhlichen Ge­dichten zwanglos eingefügt (Schlauraffenland". Wasser und Wein",Wittenbergisch Rachtigall") und insbesondere schien es ein guter Gedanke, die drei Stücke durch den abschließenden geist­lichen Chorgesang mit einer zugleich ernsthaften und volksmäßigen Gebärde zufammenzufassen.

Cs spielten: Lonh Leutholf die schalkhafte Wittfrau, Elisabeth W i e l a n d e r sehr drollig di« freche Dienstmagd Huld, während S ch e l ch e t und Hauer (dieser leider durch übertriebenes Stottern nur halb verständlich) die ritterlichen Liebhaber machten: Fassott war derAn­sager", ein früher Vorläufer des modernen Conferenciers.

Mit prallem Humor wirkten Hub und Luis« Schubert-Jüngling c^s Bauernpaar, die­weil Herr Zingel sich als Gevatterin lustig vermummt hatte.

Hub und L i n k m a n n waren auch die irdi­schen Vettern St. Petri, als welcher Bo l ck mär­chenhaft behäbig und bieder die Himmelsleiter herabgestiegen kam, sich mit seinen Freunden auf Erden zu vergnügen. Bäuerle sprach würdig und klangvoll die Worte des Herrn.

Freundlicher Beifall rief zuletzt den Regisseur mit den Spielern an die Rampe. hth.

Neues von den Indianern.

Das weite Urwald-Gebiet im nordöstlichen Bo­livien gehört zu den noch unerfo:schtesten Ge­genden der Erde, aber auch dort vollziehen sich geschichtliche Veränderungen, die die Aufmerk­samkeit der Forscher erregen. Die Siriono- Indianer, die in kleinen Horden diese Alr- wälder durchzogen und kaum je von Weißen ge­sehen worden sind, wurden von andern I d anern, den aus der Wildnis des Gran Chaco gekom­menen Banayguas, verdrängt und haben mit den Weihen Frieden geschlossen. Wenn man jetzt durch diese Urwälder zu den Missionsstationen in Guarayos reitet, läuft man nicht mehr Ge­fahr, durch die bis zu drei Meter langen Pfeile der Siriono getötet zu werden, sondern muß sich vor den kurzen Pfeilen und den schweren Streit­keulen der Banayguas in Acht nehmen. Die Mis­sionare, die zu den Sirionos in Beziehung ge­treten sind, haben wertvolle Berichte über sie gegeben, aus denen Baron Erland Rorden- s k i ö l d in einer Schilderung dieses merkwür­digen Volksstammes in der bei Hugo Dermühler in Berlin erscheinenden MonatsschriftD e r Erdball" schöpft. Hunger, Grippe und die Furcht vor den Vanayguas hatten zu Anfang des Jahres 1925 einen Teil der Sirionos ge­zwungen, mit den Weißen am Rio Grande in Beziehung zu treten. Zu den Franziskaner-Mis­sionen von Guarayos kam ein Trupp von Män­nern, Frauen und Kindern, die alle vollständig nackt waren. Im Haar trugen die Männer klein«, mit Wachs angeklebte Papageienfedern. Der Mis­sionar Pater Lambert H e i z i n g e r ging ihnen entgegen und umarmte den nackten, am ganzen Körper mit Uri I.i rot bemalten Häupt ir.g. Dieser nahm dem Pater die Zigarette aus dem Mund, tat ein paar tiefe Züge und steckte sie hm wieder zwischen die Zähne. Das war di« Friedenspfeife. Als dann di« Mönche nach einem abenteuerlichen

Oberheffen.

Bürgermeisterwahl in Lauterbach.

A Lauterbach, 18. April. Die Gemeinderats­mitglieder von Lauterbach und von Rudlos (einer Nachbargemeinde, die vom Lauterbacher Bürger­meister mitverwaltet wird), beschäftigte sich gestern mit der Frage, ob die Stelle des Bürger- meisters, dessen Amtszeit in diesem Jahre ab­läuft, zur Neubesetzung ausgeschrieben werden soll. Die Versammlung entschied sich mit 20 Stimmen bei vier Stimmen Enthaltung dafür, die Stelle nicht auszuschreiben Vielmehr wurde dem seitherigen Bürgermeister Walz das Vertrauen in seine Amtsführung dadurch bewiesen, daß er mit dem gleichen Stimmenverhältnis wieder­gewählt wurde. Bürgermeister Walz erfreut sich in weitesten Kreisen der Bevölkerung großer Be­liebtheit.

Ein praktischer Lehrgang im Kerckhoff Institut.

2$. Dad-Rauheim, 17. April. In der Dor- lesungshalle des Kcrckhoff-Instituts wurde heute in Anwesenheit von Vertretern der Stadt und des Bades der praktische Diät-Kursus eröffnet, der von der hiesigen Aerztevereinigung in Ver­bindung mit der Hotina (Hotelgewerbe) veran­staltet wird. Heber 250 Teilnehmer hatten sich eingefunden, darunter in größerer Zahl aus­wärtige Mediziner, die von der Wiesbadener Tagung für Innere Medizin nach hier gekommen sind.

Rach Begrüßung der Teilnehmer durch Dr. Lehr, den Vorsitzenden der Diät-Kommission der hiesigen Aerzte-Dereinigung, sprach zunächst der Oberarzt Dr. Koch (Frankfurt a.M.) über Allgemeine Gesichtspunkte für die Ernährung von Kreislaufkranken mit besonderer Berücksich­tigung der Wirkungsweise und der Indikationen der kochsalzarmen Kost". Prof. Grote (Frank­furt a. M.) referierte überSäurebasengleich­gewicht, vegetarische und Rohkost". Der Rach­mittag brachte einen Vortrag von Frau Finni Pfannes, der Geschäftsführerin des Bundes für Volksernährung in Frankfurt a. M., die in di« küchentechnischen Erfordernisse der modernen Ernährungslehre einführte. Küchentechnische Vor­träge und Demonstrationen füllen die weiteren Kursustage aus.

Landkreis Gießen.

5. Aus dem Horlofstal, 19. April. Die Landwirte beginnen hier allgemein mit dem Setzen der Frühkartoffeln. Infolgedessen sind die Preise für Saatkartoffeln weiter gestiegen. So wird für den ZentnerEdeltraud", der noch vor 14 Tagen 3,50 Mark kostete, heute 4,50 Mark bezahlt, während im vergangenen Jahre selbst beste Speisesorten nicht über 2,40 Mark tarnen. Die hohen Preise erklären sich dadurch, daß sehr viele Kartoffeln im Winter verfault sind und außerdem der größte Teil infolge der niedrigen Preise im Herbst zur Schweinemast Verwendung gefunden hat. Die Folge davon ist allerdings anderseits das Sinken der F e 11 schweinepreife. Für das Pfund Lebendgewicht erhält der Produzent nur noch 39 Pf. Die Preise für sechs Wochen alte Ferkel betragen dement­sprechend zur Zeit 18 bis 22 Mark.

Spielplan der frankfurter Theater.

Opernhaus. Montag, 20. April, 19.30 bis 22.30 Uhr: Die Jüdin. Dienstag, 21. April, 18.30 bis 23 Uhr: Lohengrin. Mittwoch, 22. April, 19 bis gegen 22.30 Uhr: Viktoria und ihr Husar. Donnerstag, 23. April, 19.30 bis nach 22 Uhr: Wozzeck. Samstag, 25. April, 19.30 bis 22.30 Uhr: Der Zigeunerbaron.

Schauspielhaus. Montag, 20. April, 20 bis gegen 22.30 Mr: Der Diener zweier Herren. Dienstag, 21. April, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Der Diener zweier Herren. Mittwoch, 22. April. 20 bis gegen 22.30 Uhr: Alt-Frankfurt. Don­nerstag, 23. April, 20 bis gegen 23 Uhr: Phaea. Freitag, 24. April, 20 bis gegen 23 Uhr: Elisa­beth von England. Samstag, 25. April, 20 bis gegen 22.30 Uhr: Alt-Frankfurt.

Marsch durch Urwälder und Sümpfe ihren Gegen­besuch machten, wurden sie von den mit Pfeil und Bogen bewaffneten Indianern mit Gesang be­grüßt. Der Häuptling bot ihnen einen Zug aus seiner Tonpfeife an, die von Mund zu Mund ging, und dann wurde eine Missionsstation unter ihnen gegründet, die Santa Maria de Lourdes heißt. Die Patres erlernten die Sprache der Siriono-Indianer, die sich als ein« Guarani- Sprach« «rwies, also zu einer der wichtigsten Sprachgruppen in ganz Süd-Amerika gehört. Rach den Schilderungen Pater Heizingers, der der Vorsteher der Siriono-Mission ist, sind es sehr ehrliche und freundliche Menschen, di« ganz nackt gehen. Der Schmuck, den sie antegen, hat magische Bedeutung. Wenn z. B. eine Frau ein Kind geboren hat, zieren sich Vater, Mutter und Geschwister mit Federn, wobei der Vater den schönsten Federkranz auf dem Kopf trägt. Die Siriono leben nicht in der Steinzeit, sondern in der Knochen- und Hvlzzeit. Sie haben Messer aus Bambus und eine Art Meißel aus Ragezähnen: mit scharfen Schneckenschalen ho­beln sie ihre Bogen, Grabestöcke und Spindeln: ihr Hausgerät besteht aus einfachen Tongefäßen und Körben. Sie leben hauptsächlich von Jagd und Fischfang, und wenn sie mit einem ihrer bis zu drei Meter langen Pfeile ein Tier angeschossen haben, wird dieses durch die Länge und Schwere des Pfeils an der Flucht gehindert. Ihr« Toten begraben sie nicht, sondern lassen di« Knochen am Boden herumliegen, und diese scheinen eine Zauberwirkung auszuüben, denn einige Indianer brachten zu einer sterbenden Frau «inen Toten­schädel, und diesersprach" mit ihr. Obwohl di« Siriono kein Musik-Instrument besitzen, sind sie doch musikalisch, und der Gesang spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Merkwürdig ist der stille, gleichsam klagende Gesang, den sie fast jeden Morgen früh gegen vier oder fünf Mr anstimmen. Das ist wohl eine religiöse Zere­monie, und ebenso der Brauch, die Arme, be­sonders die Oberarme, mit einem scharfen Gerät zu verwunden. Die Vanayguas, die die Sirionos aus ihren Jagdgebieten verdrängt haben, werden von diesen nach ihren schweren schwertähnlichen HolzkeulenCurugua" genannt; sie dürften einem andern eingeborenen Stamm, dem der Tsiratuas, zuzurechnen sein.