Abg. Or. Leder (Ssz.)
w.mdet sich grg.'N die Auffassung, daß Deutschland v:rpflia)tet sei, alle Rüstungsmöglichkeiten auszuschöpfen, tu ihm der Versailler Vertrag gelassen hat. Tas Mas; der Rüstungen müsse vielmehr bestimmt werden durch allgemeine politische Rücksichten. Zur Rede des französischen Kriegsministers Maginot erklärte der Redner: Es ist immer bedenklich, wenn Kriegsminister Politik machen. Die von Maginot gemachte moralische dlntcrscheidung zwischen Len Ration dient nicht dem Frieden, sondern der Fortsetzung des dlnfriedenö. Kein Deutscher, welcher Partei er auch angehört, wird eine solche Anterscheidung anerkennen. Schon vor 2000 Jahren hat der alte Tacitus von den Germanen und Galliern gesagt: „Diese beiden großen Völker sind getrennt voneinander erstens durch einen Strom, zweitens durch ein Gebirge und drittens durch die gegenseitige Ang st voreinander. Cs wäre gut, wenn diese gegenseitige Angst, die Deutsche und Franzosen trennt, heute en dlich verschwinden und der gegenseitigen Verständigung Platz machen würde.
Abg. Kippenberger (K.)
nennt den Wehrctat eine Sumpfblüte in der Fäulnis der kapitalistischen Gesellschaft. Die Leitung der Reichswehr sei bestrebt, aus dieser Wehrmacht ein Machtinstrument des Faschismus zu machen. Die Sozialdemokratie leiste den Faschisten dabei bewußt oder unbewußt Helferdienste. Trotz ihrer Pazifizierungsbestrebungen werde aber auch bei den Offizieren und Mannschaften der Reichswehr die Erkenntnis wach, daß nur im Bunde mit der Roten Armee Sowjetrußlands Deutschland befreit werden könne. Der Redner verliest schließlich eine Erklärung des im Leipziger Prozeß ver- urteilten Reichswehrleutnants Scheringer. Sie beginnt mit dem Sah: Das Kampfziel der revolutionären deutschen Äugend ist die Befreiung des deutschen Volkes. Befreiung heißt: Beseitigung deö kapitalistischenSy- stems! — Am Schluß der Erklärung heißt es: Ich sage mich daher endgültig von Hitler und dem Faschismus los und reihe mich als Soldat ein in die Front des wehrhaften: Proletariats.
Abg. Ersing (3 )
erklärt, die Reichswehr dürfe weder rechts noch links eingestellt fein. Sie müsse festinderchandder Regierung sein als Mittel für den Grenzschutz und zur Sicherung der Ruhe und Ordnung im Innern. Der Redner wendet sich dann scharf gegen die Rede des französischen Kriegsministers M a g i - n o t. Diese Rede schätze die militärischen Möglichkeiten Deutschlands so falsch ein, daß man eigentlich zu einem recht ungünstigen Urteil über die fachmännischen Qualitäten des französischen Kriegsministers kommen müsse. Das Material für eine solche Kriegshetze werde leider von deutschen Zeitungen, wie „Das andere Deutschland" geliefert, die vorgeben, dem Frieden zu dienen, und die v o n d e r DeutschenFriedensgesellschaftfinan- ziert werden. (Hört, hört!) Die Deutsche Friedensgesellschaft klage ich an, daß sie die deutsch-französische Verständigung hindert, daß sie den Kriegshetzern Material liefert und den Weltfrieden gefährdet. (Lebhafter Beifall.)
Abg. Sachsenberg (Wp.)
meint, das englisch-sranzösisch-italienische Flottenabkommen bedeute nur, daß die Seeaufrüstung etwas eingeschränkt wird, damit um so stärker die Luftaufrüstungbctriebenwerden kann. Italien hat dabei militärisch, volkswirtschaftlich und politisch ein sehr gutes Geschäft gemacht. Unsere Marinebauten dürfen nicht •in jedem Jahre zu einem neuen politischen Streit führen. Die Sozialdemokraten sollten endlich ihre t frühere falsche Stellungnahme revidieren und sich für diese Ersatzbauten erklären. Die Abrüstungs- F konferenz wird zeigen, daß die Siegermächte die , im Versailler Vertrag für sie aufgestellte Ab- ' rüstungsverpflichtung nicht erfüllen wollen. Damit fallen diese 'Bestimmungen des Versailler Vertrags aber auch für Deutschland, und Deutsch-
Paradies der Feinschmecker.
Die große Kochkunst-Ausstellung in Berlin.
Von Or. Frih Eltmann.
Schlanke Sportsleute konnte man vor ein paar Wochen in den Berliner Ausstellungshallen am Kaiserdamm sehen, wie sie Automobile prüften, die Elegairz einer Karosserie abschähten und fachmännisch Motoren studierten. Diesmal wandern behäbige Gestalten von Stand zu Stand. Im Ausstellungsrestaurant und in den vielen improvisierten Gaststätten sitzen sie vor gesülltenGläsern, und ehe sie den Wein heruntrrschlucken, zerdrücken sie ihn auf der Zunge, spülen sie ihn im Mund herum. Sie sind Kenner, die Gastwirte, die Köche, die großen Hoteliers und die Repräsentanten aller Zweige des Lebensmittelgewerbes, die sich zur Kochkunst-Aus stellung und zur Reich s- Ga st Wirtsmesse ein Stelldichein gegeben haben. Die Fachleute bleiben freilich nicht unter sich: denn das Kochen ist Wohl die einzige Kunst, deren Jünger nicht nach Tausenden, sondern nach Millionen zählen, und wo man etwas sür die Verbesserung der täglichen Speisekarte lernen kann, strömen die ehrgeizigen Hausfrauen natürlich in Scharen herbei. Die Messe der Gastwirte aus dem ganzen Reich wird daher gleichzeitig zu einem Volksfest der Berlinerin, dessen täglicher Höhepunkt das Wettkochcn von 250 Hausfrauen ist.
3n der größten Halle zeigen die Lieferanten der Gastwirte, was sie jetzt zu leisten vermögen. Gas und Elektrizität kämpfen um die Seele des Besuchers. In riesigen Bottichen wird Geschirr geschüttelt, gespült, gereinigt: Kessel, wie man sie sonst nur in großen Wäschereien sieht, dienen zum Kochen der Slchpe. Blitzende Maschinen beweisen daß die moderne Hotelküche längst eine Fabrik geworden rft. Wie man die individuelle Rote bewahrt, dem persönlichen Geschmack Rechnung trägt oder, anders gesagt, auch im Großbetrieb den Gast vor der Wassenkonsektion der Speisen schützt und 'hm das sorgfältig für ihn zufammengsstellteMenu liefert — das erfährt der Besucher erst in den anderen Hallen, wo ihm die Spitzenleistungen der deutschen Kochkünstlcr gezeigt werden.
Richt die großen Maschinen finden das meiste Interesse. Alles bleibt stehen, wo kleine Apparate gezeigt werden, neue Erfindungen, wie sie täglich herauskommen und jährlich wieder verschwinden. Der Apfelsincnschäler aus rostfreiem Stahl oder aus Aluminium, noch ein neuer Kartoffelschäler,
„Mitteleuropa ist auf dem Marsche!"
Oie mitteleuropäische Wirtschaststagung fordert regionale Wirtschaftsabkommen.
Wien, 19. Mär». (TA.) Am Donnerstagabend wurde der sechste Mitteleuropäische Wirtschaftstag geschlossen. Es wurde folgende Entschließung einstimmig angenommen: Die 6. Mitteleuropäische Wirtschaststagung spricht die Lieberzeugung aus, daß die Herstellung engerer wirtschaft!icher Be- 5 i c Hungen zwischen Staaten, die durch mittelbare oder unmittelbare Rachbarschaft miteinander in einer solchen Weise verbunden sind, wie dies in den Ländern Europas der Fall ist, eine wesentliche Förderung ihrer wirtschaftlichen Entwicklungen herb.izufüh- ren geeignet wäre. Sie würde auch das wirksamste Mittel, wenn nicht die einzige Möglichkeit bieten, der Wirtschaftskrise zu begegnen und die schweren Folgen zu verhüten, die sich bei ihrer längeren ungeschwächten Dauer auf wirtschaftlichem, wie auf sozialem und politischem Gebiet ergeben müssen. Daher hält die 6. Mitteleuropäische Wirtschaststagung einmü'.ig den Abschluß regionaler Wirtschaftsab- komm en-für dringend geboten mit dem Ziel, eine möglichst enge Wirtschaftsgemeinschaft zwischen mittel- und süd- osteuropäischen Staaten herbeizufüh:en. Da die handelspolitischen Bemühungen des Völkerbundes erfolglos geblieben sind, fordert die
6. Mitteleuropäische Wirtschaftstagung die beteiligten Regierungen auf, ungesäumt direkt über die mitteleuropäischen Zukunftsfragen zu verhandeln und sie, wenn zunächst vielleicht auch nur schrittweise, einer baldigen Lösung entgegen* zusühren.
Außerdem ist ein Zusahantrag, der von der leutschen Abordnung aus der Tschechoslowakei gestellt worden war, einstimmig angenommen worden. Er lautet: Die 6. Mitteleuropäische Wirtschaftstagung äußert schließlich den dringenden Wunsch, es mögen die an der Wirtschaftspolitischen Interessengemeinschaft Mitteleuropas aktiv interessierten Agrar - undIndu st riest aaten baldigst eine gemeinsame Kon» f e r e n z zu dem Zwecke veranstalten, um über die zur Verwirllichung dieser Interessengemeinschaft einzuleitenöen weiteren Schritte schlüssig zu werden. Besonders begrüßenswert wäre es, weirn sich an dieser Konferenz auch Deutschland beteiligen würde.
In weiteren Anträgen wurde die Gründung eines agrarischen handelspolitischen und organisatorischen Ausschusses gefordert. Diese und eine Reihe während der Tagung gestellter Anträge wurden Ausschüssen überwiesen. Präsident Tilgner schloß die Tagung mit den Worten: „Mitteleuropa ist auf dem Marsche!"
lands Wehrfreiheit wird nach der Abrüstungskonferenz protlamiert werden müssen. Diese Wehrfreiheit braucht nicht zu einer uferlosen Ausrüstung zu führen. Die Reichswehr kann als erhabenes Vorbild den Generalfeldmarschalk v. Hindenburg betrachten. Wer an diesem letzten Symbol deutscher Größe Kritik übt, der ist nicht wert, als Führer des deutschen Volkes zu gelten.
Abg. v. Lindeiner-Wildau (Kons.) erklärt, der Lebens- und Wehrwille unseres Voltes hat nichts zu tun mit kriegerischen Rei- gungen. Alseiner, der selbst den Krieg mitgemacht hat, bedauere ich, daß die Diskussion über diese Fragen meist geführt wird von jungen Volksgenossen., die den Krieg aus eigener Erfahrung nicht kennen. Als Deutscher und Christ muh ich bekennen, daß ich aus den furchtbar ernsten Erfahrungen dieser viereinhalb Kriegsjahre die eine Lehre gezogen habe, daß ich jede Maßnahme, die nicht Selbstmord von Staat und Volk bedeutet, begrüße, frie geeignet erscheint, uns die Lebensrechte unseres Volkes zu sichern ohne das letzte furchtbare Mittel des Krieges.
Abg. Oöbnch (£t>.)
wünscht die Herausnahme der Fragen der Laiches- Verteidigung aus dem Streit der politischen Parteien. lieber verschwenderische Wirtschaft könne man bei unserem Wehretat nicht sprechen.
Die Arbeitslosigkeit fei in den Ländern prozentual am geringsten, die die stärksten Heere haben. Durch Gewährung ausreichender Preise für Re- montepferde könne die Reichswehr zur Sützung der für die vstpreußische Landwirtschaft so wichtigen Pferdezucht wesentlich beitragen.
Abg. Schmidt l«hr.-Soz.) erklärt, seine Partei lehne die Verherrlichung der brutalen Gewalt ab, sei aber gleichzeitig der Auffassung, daß ebensowenig die bloße Deklamation des Rechtes die Geschicke eines Volkes zu gestalten vermag. Wer den Wehretat ablehne, helfe damit Deutschland zu einem Kriegsschauplatz vorbereiten. Trotz seiner geringen Größe sei unser Heer doch ein Schuh gegen Angriffe und Aeberfälle. Wenn man aus dem Prozeß gegen die Ulmer Reich5- wehrossiziere dem Minister Vorwürfe gemacht habe, so stehe jetzt nach der Erklärung Scheringers der Reichswehrminister vollkommen gerechtfertigt da und man müsse zu- geben, daß er einen guten Blick für die geistige Struktur dieser jungen Offiziere hatte.
Reichswehrminister Groener erklärt, es sei unverständlich, warum der Ersatz des überalterten Schiffsmaterials sich zu einer politischen Streitfrage entwickelt habe. Ich könnte unmöglich an meinem Platze bleiben, wenn dieser sachlich notwendige Ersatz abgelehnt würde. Eine aktionsfähige, wenn auch kleine deutsche Flotte ist von ganz entscheidender Bedeutung für unsere Stellung in der Ostsee, wobei ich gar nicht einmal aft kriegerische Auseinandersetzungen denke. Es ist ganz absurd, wenn Deutschlands Marineersatzbauten als ein Hindernis für die Seeabrüstung bezeichnet werden. Nach dem neuen Marineabkommen werden 1936 an Marinetonnage haben England 1137200 Tonnen, Frankreich 670 723 Tonnen, Italien 441256 und Deutschland nur 164 000 Tonnen. (Hört! Hört!)
Abg. Hünlich (Soz):
Die sozialdemokratische Fraktion hat beschlossen, sich auch im Plenum bei der Abstimmung über das Panzerschiff B der Stimme z u enthalten. IPfui-Rufe bei den Kommunisten.) Die Kommunisten haben am wenigsten Anlaß zur Aufregung. Die russische Marine ist weit stärker als die deutsche.
Die Beratung soll am Freitag fortgesetzt werden. Die Abstimmung über den Wehrhaushalt und den Mariyehaushalt werden voraussichtlich am Freitagmittag ftattfinöen.
Wer wird BerlinerOberbürgermeister?
Berlin. 19. März. (ERD.) Der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, hat an den für die Wahl eines Oberbürgermeisters eingesetzten Ausschuß der Berliner Stadtverordnetenversammlung ein Schreiben gerichtet, in dem er bittet, von seiner Person bei der Frage der Besetzung des Oberbürgermeister-Postensabzusehen. Zur Begründung dieser Bitte heißt es in dem Schreiben, die soeben im Landtag angenommene Rovelle zum Berliner Verfassungsgesetz werde weder der Größe und Bedeutung der Reichshauptstadt, nodj der Schwere der in Berlin zu lösenden Aufgaben gerecht. Auch Bürgermeister S ch o l h hat Lern Vorsitzenden der Stadtverordnetenfraktion der Deutschen Volks- Sartet, die ihn im Wahlausschuß für den Posten rs Oberbürgermeisters vorgeschlagen hatte, mitgeteilt, daß er nicht für die Wahl des Oberbürgermeisters zu kandidieren beabsichtige. Er hat demgemäß gebeten, von der weiteren Erörterung seiner Kandidatur 2lb- stand zu nehmen.
Oie Wirtschastskurve.
F.\M.
M.
■2SS
1930
‘285
\tSO
cv
‘03
Arbeitslosenkurve inlausend; Standhfen^jffkn Monats —• Ausfuhrüberschuss in MiHionenfirdtn Gesamtmonat
Deutsche Wirtschaftszahlen
F M.x. 1931
Zum erstenmal seit Mai 1930 zeigt d i e Zahl der Arbeitslosen in Deutschland eine — freilich geringfügige — Abnahme. Gleichzeitig ist aus den Außenhandelsziffern für Februar wieder eine beträchtliche Steigerung des Ausfuhrüberschusses ersichtlich, obwohl die Wintermonate eine vermehrte Einfuhr von Lebensmitteln erfordern. Auch die Verringerung des Außenhandelsumfangs in der ganzen Welt läßt den vermehrten Ausfuhrüberschuß doppelt bedeutsam erscheinen. Darf man diese Zahlen als Zeichen dafür nehmen, daß Deutsch- land nunmehr den Höhepunkt der Wirtschaftskrise überwunden hat?
Von Hitler zum Kommunismus.
Berlin, 19. März. (TU.) In der heutigen Neichstagsa Ursprache über den Wehrhaushalt teilte der kommunistische Abgeordnete Kippenberger mit, daß der in Leipzig verurteilte Reichswehrleutnant a. D. Scheringer eine Erklärung herausgegeben hat, in der er sich endgültig „vo n der nationalsozialifti- tchen Bewegung und dem Faschismus" losfagt und sich als Soldat „in die Front des wehrhaften Proletariats" einreiht. Nicht bei den Garden der Reaktion sei der Platz aller ehrlichen Kampfer, sondern die Freiheit stehe allein bei den revolutionären Arbeitern, Bauern und Soldaten. Die Erklärung schließt mit den Worten: „Für die Revolution nierung und Bewaffnung der breiten Massen! Für die nationale und foziale Befreiung! Für Freiheit, Arbeit und Brot!"
Hermann Müllers Befinden hoffnungslos.
Berlin, 20. März. (WTD. Funkspruch.) Der Zustand des früheren Reichskanzlers Hermann Müller hatte sich am Abend des Donnerstag noch weiter verschlechtert. Da dieAerzte einen starken Verfall des Patienten durch den allgemeinen Schwächezustand feststellten, wurde gegen 20 Ahr neben anderen Maßnahmen eine Bluttransfusion vorgenommen, zumal eine rechtsseitige Lungenentzündung hinzukam. Das offizielle Bulletin des Abendkonsittums lautet: Der Zustand des Patienten ist äußerst kritisch, nachdem das Krankheitsbild heute abend noch durch eine Lungenentzündung kompliziert ist. Das Bewußtsein des Patienten ist größtenteils getrübt. — Die Rächt brachte dem Patienten keine Besserung. Die Temperatur stieg in den Morgenstunden des Freitag noch weiter und erreichte gegen 7 Ahr morgens 40,7 Grad. Die Aerzte bezeichnen das Befinden des Patienten als hoffnungslos.
noch eine neue Fruchtpresse, ein neuer Siphon mit Eiszhlinder und einer Skala, an der jeweils der Inhalt abzulesen ist, neue Aufschnittmaschiinen, Desinfektionsmittel, Luftreiniger für verrauchte Gaststuben und natürlich ein Dutzend neuer Apparate, um den Kaffee türkisch oder als Motta, besonders sparsam oder besonders kräftig zu kochen. Dazwischen stehen allerlei Erfindungen, die nicht gerade auf diese Ausstellung gehören, aber auf jeder Messe zu finden sind, und die diS Leben erträglicher machen könnten, wenn man sie wirklich einführen würde. Da gibt es einen Halter für den Fernsprechhörer, der das Telephonieren gestattet, ohne die Hände zu beschäftigen, so daß man bequem seine Rottzen während des Gespräches machen fömjte. And gleich daneben liegt eine leuchtende Brille, die fast wie ein Opernglas aussieht, und die es gestattet, auch im Dunkeln zu lesen und zu schreiben. Wer sich bei einem Lichtbildervortrag Rotizen machen will, mühte einen solchen Apparat haben — aber welcher Krösus wird für alle Möglichkeiten Vorsorgen, die irgendwann in seinem Leben auftauchen könnten? Sehr nützlich ist ein Apparat, der nicht ganz neu ist, doch jetzt eine Reihe von Konstruktionsverbesserungen aufweist, und der in öffentlichen Wasch-räumen gute Dienste leistet. Tritt man auf einen Fußhebel, so braust warme Luft aus ihm, und er trocknet die Hände in wenigen Sekunden. Rein, die Haut springt nicht auf, wie man zuerst annimint; man spart Handtücher und niemand braucht sich vor Ansteckung zu fürchten.
cs etwas zu sehen gibt, ist der Andrang groß. Aber die Stände, bei denen man etwas kosten kann — k o st e n l o s k o st e n ! — werden belagert. Firmen, die Suppenwürfel oder Extratte von Fleischbrühen herstellen, bieten Kostproben in kleinen Tassen an. CHad) dieser Einleitung wandert man zu Ständen, an denen neue Kochtöpfe vorgeführt werden. Dort wird gezeigt daß das Fleisch im verschlossenen Topf in der Hälfte oder einem Viertel der .Zeit gar ist, die mit dem offenen Topf gebraucht wird. Will'man das beweisen, so muß man den Zuschauern Kostproben geben — und es wird tüchtig zugelangt. Den Durst, den das Fleisch verursacht hat, stillt man dann mit Orangelimonade, die an anderer Stelle ..einführungshalber" verschenkt wird. Die meisten Firmen lassen sich jedoch ihre Kostproben bezahlen. Der Konsum an warmen Würstchen der recht groß ist. wurde sonst wahrscheinlich gewaltige Ausmaße annehmen.
An der Kochkunst-Ausstellung haben sich die vornehmsten Berliner Hotels beteiligt. Sie zei
gen herrlich gedeckte Tische, die kühle Be- totmberung erregen. Aber dann kommt man an jene Tische, auf denen die angerichteten Speisen appetitlich aufgestellt sind, und dort erwärmen sich die Besucher, trotz den großen Kühlanlagsn, die sich unter den Tischen befinden, damit die Kostbarkeiten frisch bleiben. Die Speisen wandern zwar nicht in die Hotelbetriebe und Gasthäuser zurück, aber sie werden dennoch verwertet, denn alle Gerichte kommen wohltätigen Organisationen zugute. Die großen Hotels zeigen erlesene Genüsse, eine Poularde, einen Fasan, Zander nach russischer Art, Langusten, Rheinlachs, und dies alles ist so geschmackvoll zurechtgemacht, daß man ein Barbar sein müßte, um etwas abzuschneiden. Mit strenger Miene lausen die befrackten Herren der Jury umher und notieren sich „Punkte". Aber nicht alles, was man sieht, ist erfreulich. Wenn ein Schweinskopf mit Blumen aus Sahne geschmückt wird, so denkt man an heidnische Bräuche von Fidschi-Insulanern oder an die erschreckende Phantasie mancher Konditoren. Schlimmer als dieser Schweinskopf ist ein gefüllter Hannoveraner Landschinken, auf dessen Glasur ein geschickter Koch mit einer schwarzen Soße Hindenburgs Bild gezaubert hat. Traulich klingt die Anterschrift, die die Leiterin eines Töchierheims für eins ihrer Spezialgerichte gewählt hat: sie nennt es ..Masthahnbrust nach Muttis Art". And an der Wand hängen die Bilder vieler junger Damen, die es heute noch verstehen, die Speisen so zu dekorieren, wie man es um die Jahrhundertwende liebte. Originell wollte der Inhaber eines vornehmen Eportlokals wirken, der die Torten in die Form von Tennisschlägern preßt und dem ahnungslosen Gast Tenniöbälle vorsetzt, die erst appetitlich aussehen, wenn man sie durchschneidet. Er hat eine Speisekarte erfunden, die mit „Kraftbrühe Daniel Prenn" beginnt und jeder Sportgröße bann das ihr gemäße Gericht zuordnet.
Doch das sind Ausnahmen. Das meiste ist sehr appetitlich und erregt Hunger. Wenn man sich allerdings vorstellt, daß man eine Woche lang, nur gefüllte Wachteln und andere schwer verdauliche Kostbarkeiten essen sollte, so wendet man sich gern dem Tisch zu, der dem „Internationalen Verband der Köche" reserviert ist. Täglich wechselnd wird dort gezeigt, was Leute mit verdorbenem "Magen. Kranke, die kein Kochsalz genießen dürfen, und Diabetiker essen sollen. Der Tisch sieht n'cht reich aus. Aber dafür ist alles erschwinglich, kann die Hausfrau diese wichtige, abwechslungsreiche Diätküche ohne weiteres bei sich einführen. An anderer Stelle haben die Bäcker zusammenge
tragen, was sie an weißem und schwarzem Brot! zu bieten vermögen. Man kennt die Hörnchen, die Kipfel, die Salzstangen, die langen und die kurzen Brote, das Bauernbrot, die Brezeln, aber wenn einige Hundert Sorten auf einem langen Tisch vereinigt sind ist man doch überrascht von der Fülle der Genüsse, die das Däckergewerbe der Menschheit bereitet.
. An jedem Rachmittag strömen die Besucher in! die letzte Halle der Ausstellung, wo 250 Gasherde mit je drei Kochlöchern zu einem Wettkochen bereitstehen. Am Eröffnungstag messen sich die Hausfrauen: am Sonntagnachmittag ist der Anblick weit luftiger, denn nun stehen die Herren der Schöpfung vor den Kochherden, und nach ihnen müssen die Kinder zeigen, was sie können. Das Vergnügen ist groß, doch die Jury ist streng. Immerhin. wenn es gelingen sollte, durch die Ausstellung und den Koch-Wettbewerb die Kochkunst der Küchenmeister und der Hausfrauen zu heben, so toerben alle Ehemänner gern darüber hinweg- fehen, daß man sie am Sonntagnachmittag vor dem Gasherd lächerlich gemacht hat.
Hochschulnachrichten.
Rektor und Senat der Technischen Hochschule Darmstadt haben auf einstimmigen Antrag der Abteilung für Elektrotechnik die Würde eines D r. - I n g. h. c. Herrn Bernhard Arthur B e b - rent>, beratendem Ingenieur in WellesleyHills (Massachusetts USA.) verliehen in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung des Elektro- Maschinen- und insbesondere des Mehrphasen- und Einphasenindukttonsmotors: ferner Herrn Alexander Heyland, beratendem Ingenieur in Brüssel, in Anerkennung seiner Verdienste um die Entwicklung des Kreisdiagramms von Mehrpha- senmotoren.
Professor Dr. Max B a u r in K i e l hat den Ruf an die Universität Marburg angenommen. Hier übernimmt er den durch die Emeritierung von Prof. 21. Gürber erledigten Lehrstuhl der Pharmakologie.
Professor Dr. Otto B e ck e r in ch a 11 e hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl der mittleren und neueren Geschichte an die Universität Kiel als Nachfolger von Professor Friedrich Wolters angenommen.
Professor Dr. Oswald K r o h, Ordinarius der Er- Ziehungswissenschaften an der Tübinger Unioer- sitat hat den Ruf an die Technische Hochschule in D r e s d e n als Nachfolger des früheren Staats- Ministers Professor Dr. Richard Seyfert abgelehnt.


