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MÄRKE

HERZ

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18J. Jahrgang

5reitag, 20. März 1931

Ur. 67 Erstes vlatt

Druck und Verlag: vrühl'fche Untversitatr-Vuch' nnb Stehtöruderel R. £aitqe in Sietzen. Schristieitvng und Seschästrstelle: Zchulstraße 7.

seinem einheitlichen Netz von Eisenbahnen und Straßenbahnen. Straßenzügen. Wasser-, Gas-, Elck° ttizttäts- und Fernsprechleilungen, mit seinen mein- andergrcifenden Werken über und unter der Erde all das ist mitleidslos zerschnitten worden. Seiner hat davon wirklichen Nutzen, beide Besitzer nur Schaden. Die oberschlesische Grenzwunde, die Zuteilung von Königshütte und Kattowitz, Tarnowitz und Lub'linitz, Pleß und Rybnik an Polen ist eine jener Wunden, von denen das soziale Massenelend des Nachkriegseuropas feinen Ausgang genommen hat, einer der gefährlichsten Herde, in denen die bol­schewistischen Infektionen wuchern können.

Wohl haben die dcutschen Behörden und Der- bände alles nur Mögliche getan, um dem reichsdeutsch gebliebenen Teil des verstümmelten Landes zu helfen. Schulen und Wohnungen für Flüchtlinge vor dem polnischen Terror hat man errichtet, die Reichsbahn hat notwendig gewordene Grer.zumgehungsbahnen und Bahnhöfe gebaut, die Tarife weitgehend er­mäßigt, der überaus kostspielige Oderausbau wird vorwärtsgetrieben, die durch die Grenze zerrissenen Landstraßen werden wieder zusammengeflickt, soziale Hilfsmaßnahmen in immer neuer Zahl vorgenommen im Endergebnis ist so gut wie alles Wasser in ein Faß ohne Boden, das wäre es vielleicht auch dann, wenn Polen nicht gegen Recht und Gesetz noch die ihm anvertrauten deutschen Bevölkerungsteile so drangsalieren würde, wie es erst jüngst wieder durch den Völkerbund vor aller Welt festgestellt werden mußte. Oberschlesien verblutet sich diesseits und jenseits der Grenze, wenn nicht schnellstens der Genfer Fehlspruch wieder gutgemacht wird. Die Rechtsgrundlage dazu i st j e n e r 2 0. M ä r z 1 9 2 1, an dem trotz Tod und Teufel der Obersch'esier zu Heimat und Reich sich so überwältigend geäußert hat. Die zehnjährige Wiederkehr dieses Ehrentages ver­dient bewußte Anteilnahme, soweit die deutsche Zunge klingt und darüber hinaus bei allen Ländern und Völkern, wo Recht und Gerechtigkeit noch einen Wert besitzen.

Die Reichswehr dient dem ganzen Volke.

Zweite Beratung des Wehretats im Reichstag. Keine Panzerkreuzerkrisis

Heffens Gruß an Oberschlesien

Ein Glückwunschschreiben des Ctaats- Präsidenten Tr. Adelung.

Darmstadt, 19. März. Staatspräsi­dent D r. Adelung hat an den Oberbürger­meister von Ratibor, den Vorsitzenden der Ber­einigten Verbände heimattreuer Oberschlesier, fol­gendes Schreiben gerichtet:

Den Vereinigten Verbänden heimattreuer Ober­schlesier danke ich im Hamen der hessischen S.aatsregierung bestens für d i e freund­liche EinladungzuderAbstimmungs- gedenk stunde in Rcttioor am 22. Mürz 1931. Die hessische Regierung sieht sich zu ihrem leb­haften Bedauern nicht in der Lage, einen Der» freier zu entsenden. Die hessische Regierung und mit ihr die Bevölkerung des ganzen Landes gedenkt des Abstin mungstages und des Ab« stimmungserzebnisses mit Gefühlen dank­barer Genugtuung über das große Be­kenntnis der ober chl:si'ch:n Tevölkerurg zur deut­schen Ration, zur deutschen Zukunft. Das Der- ständnis für den Abstimmungssieg des 23. März 1921, der den Berbleib von ganz Oberschlesien beim Deutschen Reich hätte zur Folge haben müssen, ist im Hessenlande um deswillen beson­ders lebhaft, weil wir hier inüber ^jähri­ger Desatzungszeit erfahren haben, was frerndeMachtund Willkür bedeutet, aber auch erfahren haben, welche Kraft in einer Bevölkerung liegt, die mit allen Fasern ihres Herzens ihr Vaterland und Bolkstum verlangt. Wir wissen ferner die ungeheuren wirt­schaftlichen Schädigungen zu würdigen, die die Zerreißung Oberschlesiens mit sich brachte, denn auch bei uns hat die ver- änderie Grenzziehung schwere Wunden geschla­gen. 3n diesen Tagen gemeinsamen Gedenkens an die zehnjährige Wiederkehr der Dolksabstim- mung in Oberschlesien vereinigt sich der

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nennenswerten Erfolge erzielen. Im Kriege . , kämpften die Oberschlesier genau so für das Reich wie irgendein anderer deutscher Volksstamm.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis fär I mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspsennig, Platzvorschrist 20mehr.

Chefredakteur

Dr Fnedr. Wilh. Lange. Deranttoortlich für Politik Dr Fr Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyrwt; für den übrigen Teil Ernst Dlumschein und für den Anzeigenteil Max Filier, sämtlich in (Biehen

Oie Koalitionskrisis in Thüringen

Oie Nationalsozialisten verlassen den Haushaltsausschuß.

chen selbst nicht glauben. Das Trübste an diesem Kapitel bleibt aber die Tatsache, daß diese Kreise des Auslandes zum größten Teil ihr Material von Deutschen beziehen, deren Triebfeder entweder fanatischer Haß gegen alles Militärische oder gewöhnliche Gewinnsucht ist. 3ch stehe nicht an, zu erklären, daß ich außerordentliche gesetzliche Maßnahmen gegen diese Staatsverleumder für erforderlich halte und auch beim Reichskabinett bereits beantragt habe. Es ist ein Lebensrecht des Staates, sich gegen Derlcumdungen zu schützen, die seinem An­sehen im Auslande den größten Schaden zufügen. Geheirnrü ft ungengibtes nicht. 3d> habe aber nie ein Hehl daraus gemacht, daß wir alle Maßnahmen zum Schuhe unserer Grenzen treffen, soweit uns das unsere schwachen militärischen Kräfte und die unS auferleg en vertraglichen Bin­dungen erlauben, und ich bin felsenfest überzeugt, daß sich zur Verteidigung der Grenzen alle Kreise unseres Vaterlandes ebenso zusammenfin­den werden, wie in der Vertretung unseres ver­traglichen und moralischen Rechtes auf Abrüstung.

Weimar, 19. März. (TU.) Der Streit zwischen der DDP. und den Nationalsozialisten hat sich am Donnerstag bedrohlich verschärft. Am Nach­mittag gaben die Nationalsozialisten im H au s haltsausschuß eine Erklärung ab, in der es heißt: Nachdem die Abgeordneten der DDP. in den letzten Tagen im Haushallsausschuß entgegen den Abmachungen im Interfraktionellen Ausschuß mit den Oppositionsparteien in Fragen der Kulturpolitik gegen die Regierung ge­stimmt und sich offen bei der Kritik der Links­parteien an dem Volksbildungs- und Innenminister Dr. Frick auf die Seite der marxistischen Oppo­sitionsparteien geschlagen hätten, sei eine weitere Mitarbeit im Haushaltsausschuß den national­sozialistischen Abgeordneten unmöglich gemacht. Die Nationalsozialisten würden an den Haushalts­beratungen nicht mehr teilnehmen und behielten sich für die Verabschiedung im Landtage Anträge unter besonderer Berücksichtigung des Kultur- und Wohlfahrtshaushalts vor. Nachdem die Volkspartei die interfraktionellen Abmachungen ge­brochen habe, bestehe eine Bindung für die N--DAP. auch nicht mehr.

Die Deutsche Volkspartei gab eine Ge­generklärung ab, in der gesagt wird, daß die na­tionalsozialistische Erklärung ein Verlegenheits- Produkt sei, hervorgegangen aus dem Erstaunen, daß gegenüber der lauten und rücksichtslosen, in fast allen Fällen unberechtigten Kritik sich die Angegriffenen, nämlich die DVP. zu einer Gegenwehr anschickten, die der partei­politischen Agitation der Nationalsozialisten wirk­sam entgegentrete. Die Dolkspartei lasse sich nicht durch andere an der Arbeit für Staat und Volk abhalten und verstehe cs nicht, wie man durch demonstratives Streiten vaterländische Arbeit leisten wolle. Die Verantwortung für den Auszug über» lasse die Dolkspartei den Nationalsozialisten allein.

Die Haushaltsberatungen des Ausschusses werden trotz des Auszuges der Nationalsozialisten in den nächsten Tagen fortgesetzt.

Die Nationalsozialisten hielten am Donnerstag nach ihrem Auszug aus dem Haushaltsausschuß in Gegenwart des Staatsministers Dr. Frick eine F r a k ti o n s s i tz u n g ab. In einem Schreiben teilte die Fraktion dem Vorsitzenden des Staats­ministeriums, Minister Baum, mit, daß die Na­tionalsozialisten nach wie vor gewillt seien, dem Haushalt, so wie er vom Kabinett verabschiedet wurde, vorbehaltlich der noch im interfraktionellen Ausschuß zu treffenden Vereinbarungen zuzu- ftimmen. Ihre Zustimmung komme aber nur in Frage, wenn ihnen die Sicherheit gegeben werde, daß die Regierungsparteien geschlossen vor und nach den Haushaltsberatungen jeden M i ß - traucnsantrag gegen das Gesamtkabinett oder gegen einzelne feiner Mitglieder, solange das Kabinett bestehe, ab lehnten und daß einer beabsichtigten Zustimmung zu einem Miß- traucnsantrag durch eine Regierungspartei der Rücktritt des G e f a m 11 a b i n c 11 s vor- auszugehen habe.

In einer öffentlichen Versammlung am Donners­tagabend vertrat Staatsrat Marsch ler die Auf­fassung, die Volkspartei beabsichtige mit Hilfe eines Mißtrauensantrages der Sozialdemokraten die na­tionalsozialistischen Kabinettsmitglieder zum Rück­tritt zu zwingen, um dann das Kabinett nicht wieder zu ergänzen, sondern mit diesem Rumpfkabinett unter stillen Duldungen der Sozial­demokratie weiter zu regieren. Deshalb hät­ten die Nationalsozialisten die in dem Schreiben an Minister Baum niedergelegten Bedingungen gestellt. Entweder sei die Dolkspartei mit diesen Bedingun­gen einverstanden oder die Nationalsozialisten gin­gen in die Opposition.

deutsche Osten und der deutsche We­sten zum Trei»egelöbnis für das große deutsche Vaterland und in den heißen Wünschen für eine glückliche Zukunft des deutschen Volkes.

Auftakt der Abstimmungs­feier Oberschlesiens.

Eine Ausstellung neuzeitlicher ober» schlesischer Kunst in Bcuthen.

Beuthen, 19. März. (WTB.) 3n schlichter Art ging heute der Auftakt der Beuthener Ver­anstaltung aus Anlaß der zehnjährigen Wieder­kehr des Abstimmung ^gedenktages vor sich. 3n dem neuerbauten Museum sgebäude wurde heute nachmittag in Verbindung mit einer Ab- stimmungsausstellung und einer proviso­rischen Gedenkhalle für die in der Absttm- mungs- und Aufstandüzeit gefallenen Selbstschuhkämpfer eine Ausstellung neuzeitlicher oberschlesischer Kunst eröffnet. Rach der Begrüßungsansprache von Stu­dienrat O d e l) (Breslau) namens des Vorstandes des Bundes für bildende Kunst in Oberschlesien eröffnete £b r ürgermeisler Dr Knakrichf Deu- then) den Museumsneubau und die Ausstellungen. Das Museum 'gebäude fei dazu berufen, kundzu- tun, daß die Kulturarbeit im Osten des Reiches entgegen aller polnischen gegenteiligen Propa­ganda deutscher Arbeit gewesen ist. Die Kunstausstellung bringt eine umfassende Hebet- sicht über das Schaffen der modernen ober- schlesischen Kunst und ist von zahlreichen in ganz Deutschland wirkenden oberschlesischen Walern und Bildhauern reichlich beschickt. Die Abstimmungs­ausstellung bringt einen umfassenden Einblick in die Dokumente jener Zeit. Schließlich bringt noch eine Buchaus stellung eine reiche Fülle ober- schlesischen Schrifttums zur Schau.

Die preußische Provinz Oberschlesicn bildete zu­sammen mit dem bis 1918 österreichisch gewesenen Schlesien ein Uedergangsland mit deutscher Oberschicht und Verwaltung sowie einer dcutsch-sla- wischen Mischbevölkerung diesseits der Grenzen Wasserpolen genannt, jenseits derselben Slonzaken. Don slawischem Nationalismus war bei ihnen keine Spur, niemals in früheren Jahrhunderten hatten Polen ernste Anteilnahme für diese Gebiete be­kundet. Allmählich waren jedoch die reichen Boden­schätze hüben und drüben in den europäischen Ge­sichtskreis getreten. Besonders die wertvollen Kohle-, Blei, und Zinkvorkommen Preußisch-Oberschlesiens hatten unter deutscher Führung eine große Indu­strie entstehen lassen mit Städten, die vornehmlich in dem Dreieck Tarnowitz-Gleiwitz-Myslowitz, um Königshütte und .Kattowitz einen blühenden Auf­schwung nahmen. Um die letzte Jahrhundertwende wurde der polnische Nationalismus auf diese Gebiete aufmerksam, konnte aber bis zum Weltkriege keine _ . . . . - ~ fe(b|t

Berlin, 19. März. (DDZ.) Auf der Tages­ordnung des Reichstags steht die zweite Bera­tung des Haushaltes des Reichswehrministc- riums. Der Ausschußberichlerstatter ©tüdlcn (Soz.) weist im Rainen des ganzen Ausschusses die Behauptung von geheimen deutschen Rüstungen als absolut unbegründet und unbewiesen zurück. Mit solchen Be­hauptungen, für die auch nicht der Schatten eines Beweises vorgcbracht fei, werde nur die deutsch- französische Verständigung gestört. Die Reichs­tagsmehrheit werde irgendeine schwarze Rüstung nicht dulden, sie habe seinerzeit ja auch der schwarzen Reichswehr ein Ende gemacht.

Neichswehrminister Or. Groener

geht auf die politische Einstellung der Wehrmacht ein. Die Wehrmacht wird vonParteienund Richtungen der verschiedensten Art umworben, um sie zu zersetzen und dann für ihre Zwecke zu gebrauchen. Ein Erfolg dieser Be­mühungen würde Bürgerkrieg und Chaos im Gefolge haben. 3ch kann deshalb nicht ernst genug warnen und an das Verantwortungsgefühl aller derjenigen appellieren, die Deutschlands Wiederaufstieg wollen. Disziplin und Staats­gesinnung sind in der Wehrmacht fest verankert. An diesem Glauben können mich auch Vorkomm­nisse, wie sie zum Leipziger Prozeß ge­führt haben, nicht irre machen. Man kann durch­aus darüber streiten, ob dieser Prozeß dem An­sehen der Wehrmacht geschadet oder ob er nicht vielmehr reinigend gewirkt und das Vertrauen zur Wehrmacht gestärkt hat. Heber die Frage, ob der Prozeß notwendig war oder nicht, sollte es aber keine Meinungsverschiedenheiten geben. Das ist eine reine Rechtsfrage, und der Satz, daß die Gerechtigkeit das Funda­ment eines jeden Staates ist, gilt für niemand mehr, wie für eine überparteiliche, aus das Ver­trauen aller Kreise angewiesenen Organisation, wie es die Wehrmacht ist. Die Diszipünarerledi- gung dieses Falles ist in erster Linie an dem wenig ehrenhaften Verhalten der beteiligten Offi­ziere gescheitert. Der Prozeß hätte auch derartige Wellen nicht geschlagen, wenn man feine sensatio­nelle Aufmachung und eine im wesentlichen partei­politischen Zwecken dienende Berichterstattung hätte vermeiden können.

Der Minister betont, daß es grundsätzlich das Ehrenrecht eines jeden Deutschen sei, dem Dater- lande als Soldat zu dienen. Ans politischen Grün­den dürften nur solche Bewerber abgelehnt werden, denen nachgewiesen werde, daß sic sich in ver- sassungs-, also auch in wehrfeindlichem Sinne be­tätigt haben. Entgleisungen einzelner Führer oder Mitglieder von Verbänden könnten daher noch kein Grund zum Ausschluß aller Mitglieder derartiger Verbände oder Parteien sein. Anders sei es natür­lich bei Mitgliedern von Parteien und Verbänden, die ihrem Programm oder tatsächlichen Verhalten nach gewillt sind, die Verfassung mit Gewaltmaß­nahmen zu ändern. Anhänger einer solchen Richtung seien als Soldaten unmöglich. Unter seinen Um­ständen könnten Bewerber aus Streifen ausgenom­men werden, die sich nicht scheuten, den Soldaten für den Kriegsfall Kriegsdienstverweigerung und Fahnenflucht zu predigen.

In ucr Abrüstungsfrage ist sich ganz

Als die Waffen der Mittelmächte Polen vom Zarismus befreit hatten, meldeten die polnischen FührerA nsprüche" aufOberschlesien an. Zuerst wurden sie von eigenen Landsleuten z. B. Pilsudski, nicht ernst genommen. Allein den Ver­sailler Weltoerteilern erschien nichts unsinnig genug, wenn es nur irgendwie Deutschland und die Deut­schen zu schädigen versprach. So wollten sie Ober» schlesien an Polen verschenken. Allein sie hatten die Rechnung ohne die Oberschlesicr gemacht. Ihre Ver­wahrungen waren von solcher elementarer Fülle, Einstimmigkeit und Eindringlichkeit, daß cs zur A b . ftimmung kam. Freilich sollte diese nicht alsbald vorgenommen werden, sondern erst nach anderthalb Jahren. In dieser Zeit mußte Preußen das Land räumen. Französisches Militär, dem einige eng­lische und italienische Abteilungen, mehr zur Ver­schleierung des wahren Sachverhaltes als zum Schutze der Bevölkerung, beigegeben waren, sorgte mit allen Mitteln der Bedrückung und Verführung fürAufklärung". Als trotzdem die Oberschlcsier in ihre Reichstreue sich nicht beirren ließen, halsen aus Polen zugewanderte Nationalisten mit wohlwollen­der französischer Unterstützung durch blutige Auf­stände nach. Als die verzweifelte Bevölkerung sich zur Wehr setzte und fast unbewaffnete deutsche Frei­willige (meist Arbeiter und Studenten, denen sich auch Deutschösterrcichcr in treuer Kameradschaft an­geschlossen hatten) dem Morden und Brennen der übermächtigen polnischen Banden einen Damm ent­gegensetzten, hielt der französische General Le Rond seine Hand über die polnischen Aufständischen. Unter Knebelung so gut wie aller deutschen Regungen kam cs am 2 0. März zur Abstimmung. Und das Ergebnis war eine Zweidrittelmehr­heit für Deutschland! Das ist das denkwür­dige Geschehen, dessen am 20. März 1931 in würdiger Weise gedacht werden soll: wie waffenlose Heimat- liebe siegte über landfremden polnischen Terror, wie zum geschlagenen, verarmten Deutschen Reich sich seine Söhne deutscher und slawischer Zunge be­kannten und dafür die Sirenenrufe dessiegreichen", durch fremdes Gold aufgeblasenen polnischen Na­tionalismus zurückwiesen, wie dicTreuesicgte über rohe Gewalt.

Zwar ist diese heilige Ernte des 20. März 1921 wie die weite Welt weiß ebenfalls mit Füßen getreten worden durch den Fehlspruch von Genf. Die Mehrheit der Oberschlesier wollte die Heimat beim Reiche belassen, die Minderheit sie zu Polen K, aber was feiner wollte geschah: ib wurde durch eine unsinnige Zickzackgrenze zerrissen. Das einheitliche Industriegebiet mit

Deutschland insofern einig, als wir alle von der Abrüstungskonferenz volle Gleichberechti­gung erwarten und auf der Erfüllung unseres guten Rechtes bestehen werden. Der in der letzten Genfer Tagung fertiggestellte Konventionsentwurf dient der Verschleierung und Aufrecht­erhaltung des gegenwärtigen Miß­verhältnisses der europäischen Rü­stungen. Man sollte sich im Auslande vor der Illusion hüten, daß es möglich sei, die psychologi­schen Rückwirkungen der Behandlung der Abrü­stungsfrage für das deutsche Volk außer acht zu lassen. Wenn der Bereitschaft zur Verständigung, die durch zahlreiche und schwerwiegende Opfer von Deutschland unter Beweis gestellt wurde, immer wieder die Forderung auf einseitige Entwaffnung gegertübergeftellt wird, dann kann eine solche Be­handlung nicht ohne Rückwirkungen auf den Willen und Glauben an die Möglichkeit einer Verständi­gung bleiben.

Was die angeblichen Geheimrüstungen betrifft, so bin ich überzeugt, daß die Verkünder solcher Rachrichtcn im Auslande an dieses Mär-

Z erschiessens Abstimmungssieg.

Ein Gedenkwort zum 20. Marz 1921.

Von Dr. Dr. Friedrich Lange.

Versailles hatte mit rauher Hand die Grenzsteine in Europa versetzt Provinzen und ihre Bewohner von Oberhoheit zu Oberhoheit verschobenwie Steine in einem Spiel". Elsaß-Lothringen, Weich- selkorridor. Posen, Memelland und Hu 11 sch"in waren vom Deutschen Reich bedingungs. los fortgerissen worden, wie die deutsch­sprachigen Sudetenländer, Südtirol und Unter ft eiermarf von Deutschösterreich. Einige Gebiete hatten sich durch ihr mannhaftes Auftreten die Festsetzung freier Volksabstimmungen erkämpft, allein bas Ränkespicl derSieger" konnte in drei Fällen die Durchführung trotzdem verhindern, näm­lich in Su p e n - M a l m e d y, in Oedcnburg und im Teschcner Schlesien. In der ersten Zone Nordschleswigs brachte die Abstimmung wäh­rend des Kapputschcs eine Mehrheit für Dänemark, in der zweiten Zone in Flensburg eine Mehrheit für Deutschland. Inzwischen hatte das deutsche Volk sich wieder stärker auf sich selbst besonnen, der neue pol­nische Staat konnte seine innere Schwäche nicht mehr verbergen, die in Schleswig gewonnenen Erfah­rungen wurden besonders durch den Deutschen Schutzbund aufgewertet, und so ergab am 11. Juli 1920 öic Volksabstimmung in den west- preußischen Kreisen Marienburg, Marien­werder, Stuhin und Rosenberg eine Mehrheit von 93 v. H. der Abstimmenden für den Verbleib beim Deutschen Reiche und kurze Zeit darauf in den südlichen Kreisen O st Preußens gar eine deutsche Mehrheit von 98 vH.! Diese vernichtenden Niederlagen für die Polen ließen nun, nachdem am 10. Oktober 1920 noch ein weiterer deutscher Ab- ftimmungsfieg den größten Teil des südlichen Kärnten für Deutschösterreich gerettet hatte, alle Kräfte der Warschauer Nationalisten und ihrer west­lichen Beschützer für den letzten Abstimmungskampf sammeln um Oberschlesien.

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

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