Entspannung.
Tie Verhandlungen zwischen Lozialvemokratie und Neichslabinctt. Berlin, 19. Mär§. (ERB.) 3n parlamentarischen Kreisen herrscht heute stark der Eindruck vor. dah sich die politische Lage unter dem Cin- fluh des gestrigen Beschlusses der Sozia ldemolra- tcn immerhin entspannt hat. Das gilt wenigstens für die Steuerfragen. Man rechnet jetzt so, dah die Tantiemen st euer zustande kommt, dagegen die beiden übri- gen Steuerfordcrungen der Sozialdemokratie, die gewiß auch im Reichstage eine Mehrheit finden werden, vom Reichsrat abgelehnt werden. Der Reichskanzler hat die Sozialdemokraten offenbar deutlich erkennen lassen, dah er seine bisherige Linie in den Steuerfragcn weitcrzugehen beabsichtigt und unter allen Umständen einen Einspruch des Reichsrates gegen die Vermögens- und Cin- tommensteueranträge herbeiführen wird. Für die Sozialdemokratie handelt cs sich in erster Linie um die großen politischen Gesichtspunkte, die der „Vorwärts" am Donnerstagmorgen noch einmal auseinandergescht hat, und sie werden sich des- ha.b mit dieser Entwicklung abfinden. Dagegen hoffen sie, in der Frage der Ermächtigung für landwirtschaftliche Zölle eine Lösung herbeizuführen, die auch ihren Wünschen bis zu einem gewissen Grade Rechnung trägt. Außerdem ist aber noch keine Einigung über die DauerderReichstags» vertagung erzielt worden. Wie verlautet, vertritt der Reichstagspräsident selbst den Standpunkt, daß eine Dauervertagung praktisch gar nicht möylich ist, weil eine Mehrheit des Reichstages die Wiedereinberufung zu jedem beliebigen Zeitpunkt herbeiführen kann. Man hatte in den letzten Tagen auch den Gedanken erwogen, daß die Wicdereinberufung nur im Einvernehmen mit der Regierung erfolgen sollte. Diese Lösung wird in sozialdemokratischen Kreisen aber alsnichtver- fassungsgcmäß bezeichnet, da d e r R e i ch s- tog souverän ist. Heber diese Dinge wird also in den nächsten Tagen noch verhandelt werben.
Aus aller Welt.
Deutscher Geographentag in Danzig.
Der Deutsche Geographentag, der in diesem Jahre das Fe st seines 50jährigen Bestehens feiert, hält seine 24. Tagung während der P f i n g st w o ch e in Danzig ab. Im Mittelpunkt der Tagung steht die wisscnsct-aflliche Behandlung der Ostsee und ihrer deutschen Küstenländer. Außerdem wird ein Ueberblick über schulgeographische Fragen und über die bedeutendsten For- schungsrcisen der letzten Zeil gegeben werden. Eine A u s st e l l u n g , die reichhaltiges, neuentworfenes Kartenmaterial zur Schau stellt, sowie ein- und mehrtägige Studicnfahrtcn sollen in die verschiedenen Fragen des deutschen Ostens einsühren.
Der Schnellzug Paris—Bordeaux entgleist.
Der Schnellzug Paris — Bordeaux, 'der die Hauptstadt um 19.32 Ahr verläßt, ist auf dem Bahnhof E t a m p e s .eine Stunde von Paris entfernt, c n t g l e i st. Es sind fünf Tote und gegen 50 Verletzte geborgen. Der Schnellzug lief mit normaler Geschwindigkeit in den Bahnhof Ctam- pcs ein. Der vordere Teil des Zuges war bereits aus der Bahnhofshalle ausgefahren, als die letzt en beiden Wagen, darunter der Speisewagen entgleisten. Der Speisewagen schlug gegen einen haltenden Personenzug. Der Speisewagen wurde auf 10 bis 15 Meter vollkomme n e i n g e d r ü ck t. Da gerade die Stunde war, in der das Abendessen serviert wurde, befanden sich zahlreiche Reisende im Speisewagen. Die in der ersten Tischreihe sitzenden Personen wurden zerdrückt, unter ihnen sind auch die fünf Toten zu suchen. In der Zwischenzeit fuhr der Zug weiter. Ein anderer Wagen entgleiste erst SOMetcrweiter, ohne daß dabei Reisende zu Schaden kamen.
Drei Teilnehmer des Dalbo-Fluges ins Meer gestürzt und ertrunken.
Am Donnerstagmittag ist bei Marina di Pisa das Flugzeug „Savvtza 6 4", das die drei Teilnehmer des Südamerikafluges der Balbo- Staffel Oberst M a d d a l e n a, Hauptmann C e c - c o n i und Leutnant Damonte an Bord hatte, ins Meer gestürzt, wobei alle drei Flieger den Tod fanden. Minister Dalbo ist sofort mit einem Flugzeug nach Pisa abgeflogen. Oberst Maddalena hatte unter den italienischen Offizieren die größte Zahl von Auszeichnungen. Er und die beiden anderen Ertrunkenen hatten außerdem für den Südamerikaslug die Goldene Luftfahrtmedaille erhalten. Die Rachforschungen nach den verunglückten Fliegern sind mit Torpedobooten, Tauchern. Schleppern und Flugzeugen in Angriff genommen worden. Bisher aber sind nur einige Teile des Propellers. Llniformstücke, eine Kartentasche und eine Llhr gefunden worden. Man nimmt an, daß sich das Flugzeug beim Absturz in den Meeresgrund gebohrt hat. da das Walser an der Llnfallstelle nicht sehr tief ist. Wie verlautet, war das Flugzeug für einen neuen Lieberseeflug bestimmt und befand sich auf bem, ersten Probeflug nach Rom. Die Ursache des Unfalles dürfte in einem Propellerbruch zu suchen sein.
Lin norwegischer üüslendampser gestrandet.
Der norwegische Küstcndampser „Hera" aus Bergen ist in der Rächt auf Donnerstag gegen 2.30 Llhr bei Havölsund in der Rähe von Ham-
merfest in West-Finnmarken bei starkem Rvrd- westwind und Schneegestöber gestrandet. Dabei sind sieben Personen ums Leben gekommen, darunter drei Reisende. Die übrigen an Bord befindlichen 55 Personen konnten gerettet werden. Das Schiff rannte in voller Fahrt gegen eine Felsklippe, so dah das Vorderschiff vier Stunden lang gegen die Felswand geklemmt, stehen blieb, während das Achterschiff sofort sank. Einem Steuermann gelang es, mit einer Leine an Land zu kommen und die an Bord Gebliebenen vom Vorderschiff in einem Rettungskorbe nacheinander an Land zu ziehen. Sechs Personen fielen jedoch während der Rettungsarbeiten aus d,em Korb und ertranken in der stark bewegten See. Liebermüdet und vollkommen durchnäßt mußten die Geretteten die lange Strecke bis Havölsund zu Fuß zurücklegen. Dabei brach ein Reisender, em älterer Arbeiter, zusammen und starb.
Aus der prvvmzialbauptstadt
Gießen, den 20.März 1931.
Fahrplanänderungen der Krastpost Gießen-Gambach.
Die in den letzten Wochen cingetretenc andere Benutzung der einzelnen Krastpostfahrten der Linie Gießen — Gambach hat, wie uns vom Postamt Gießen mitgeteilt wird, vom 21. ab folgende Fahrplanänderungen erforderlich gemacht:
Die beiden Werktagsfahrten ab Gambach 9.40 Uhr, an Gießen 10.45 und ab Gießen 11.05, an Gambach 12.08 werden ausgehoben.
Die beiden Fahrten ab Gießen 16.30, an Gambach 17.35 und ab Holzheim 15.20, an Gießen 16.10 fallen Samstags aus.
Die beiden Sonntagsfahrten ab Gießen 16.05, an Holzheim 16.55 und ab Holzheim 17.20, an Gießen 18.10 werden ebenfalls ausgehoben.
Die Mittagsfahrt nach Gießen verkehrt künftig täglich nach folgende!' Zeiten: ab Gambach Bhf. 12.15, Gambach Ort 12.17, Holzheim 12.27, Grü- ningcn 12.35, Steinberg 12.45, Gießen Selterstor 13.00, an Gießen Bhf. 13.03. Dadurch, daß die Mit- tagssahrt nach Gießen künftig auch an Sonntagen um 12.15 in Gambach Bahnhof abfährt, ist den mit dem Zuge von Sich um 12.13 ankommenden Fahr- gasten aus Oberhörgern, Münzenberg, Trais-Mün- zenberg, Ebcrstadt und Muschenheim eine günstige Fahrgelegenheit mit der Krastpost nach Gießen geboten.
Die tägliche Fahrt ab Gambach Ort 6.40 nach Gießen ist für Sonntags auf folgende Zeiten festgesetzt: ab Gambach 7.00, Holzheim 7.10, Grünin- gen 7.18, Steinberg 7.30, Gießen Selterstor 7.45, an Gießen Bhf. 7.50 Uhr.
Die Samstagssahrt ab Gießen 14.15, an Holzheim 15.05 Uhr wird künftig bis nach Gambach durchgeführt.
Nationalsozialistische Versammlung.
Pfarrer a. D. Münchmeyer weilte am Dienstagabend als Redner der Rationalfozia- listen in Gießen und sprach in einer überfüllten Versammlung im Cafe Leib. Bereits vor 20 Llhr mußte der Saal polizeilich gesperrt werden. Der Redner erinnerte zunächst an den 14. September, an die politische Situation, die durch den damaligen Wahlausgang zum Reichstag geschaffen wurde, er erinnerte weiter an die Versprechungen der Sozialdemokratischen Partei und im Zusammenhang damit an die Folgen, die der marxistische Einfluß auf die Gestaltung unseres politischen und wirtschaftlichen Lebens genommen habe. 3n längeren Ausführungen schilderte er sodann die Verfolgungen, denen er (der Redner) ausgesetzt gewesen sei, seitdem er der Rational- sozialistischen Partei angehöre: er sprach von den Kämpfen, die er um seinen Titel führen mußte, der ihm aber nun in einer Gerichtsverhandlung in Magdeburg als zu Recht geführt bestätigt worden sei. Weiter beschäftigte er sich mit der Person Hitlers, der als Soldat in einem bayerischen Regiment vier Jahre für Deutschland im vordersten Schützengraben gc- lämpst habe, dem man aber heute das Recht streitig mache, sich Deutscher zu nennen. In bezug auf die innerpolitischen Verhältnisse wies der Redner u. a. darauf hin, daß leider der Mord ein politisches Kampfmittel geworden sei: er machte der Kommunistischen Partei Vorwürfe, betonte aber, daß es jedermann gestattet sein müßte, sich zu verteidigen, wenn er angegriffen werde. Sodann kritisierte er u. a. die Arbeit der Parteien im Reichstage, in den Ausschüssen, er beleuchtete die deutsche Stellungnahme den Polen gegenüber und wies auf einige Stimmen aus dem Ausland hin, die den Rationalsozialismus in Deutschland als ein Wiedererstarken des nationalen Bewußtseins deuteten. Mit aller Schärfe geißelte er die Finanzwirtschaft des Reiches und der Länder, nannte Ziffern der Gehälter, die die Minister beziehen, gab einen Einblick in den Aufwand einzelner Behörden und wies schließlich auf Hitler hin, der, trotzdem er Millionen von Menschen hinter sich habe, seinen Lebensstandard gegen früher nicht verändert habe. Zum Schlüsse feiner Ausführungen wandte sich der Redner gegen die t Anschauung, die den Rationalsozialismus als eine antireligiöse Bewegung darstellen wolle, befaßte sich mit dem Sinn des Hakenkreuzes, sprach von der Jugend und ihren Wünschen für die Zukunft, betonte' daß d i c Partei die Jugend in ihren Reihen haben w rde. die der besseren Zulun't den W g bereiten wolle, und forderte schließlich dazu auf, sich in die Reihen der Rationalfozialiften cinzu- schlichen und so an der Zukunft mitzuarbciten. Die Versammlung verlief ruhig, wenn man von den Zwischenrufen einiger politischer Gegner absehcn will.
Gießener Wochcnmarktpreise.
Es kosteten auf dem gestrigen Wochcnmarkt das Pfund: Kcchbuttcr von 1 Mark an; Butter 120 bis 130; Matte 33 bis 35: Käse (10 Stück) 60 bis 140; Wirsing 20 bis 35: Weißkraut 15 bis 20; Rotkraut 20 bis 25; gelbe Rüben 12 bis 15; rote Rüben 12 bis 15; Spinat 43 bis 45; Llnter-Kohl- rabi 5 bis 6; Grünkohl 20 bis 25; Rosenkohl 50 bis 55; Feldsalat 150 bis 230; Tomaten 70 bis 80; Zwiebeln 10 bis 12; Meerrettich 30 bis 60; Schwarzwurzeln 35 bis 40; Kartoffeln 3,5 bis 4; Aepscl 30 bis 50; Birnen 20 bis 40; Dörrobst 30 bis 35; Honig 40 bis 50; junge Hähne 93 bis 110; Suppenhühner 93 bis 110; Rüssc 60 bis 70; das Stück: Tauben 70 bis 80; Eier 9 bis 10; Blumenkohl 40 bis 70; Salat 25 bis 35; Endivien 15 bis 35; Ober-Kohlrabi 10 bis 15; Lauch 5 bis 15; Rettich 10 bis 15; Sellerie 10 bis 50 Pfennig; der Zentner: Kartoffeln 2,50 bi« 3; Weißkraut 10 bis 12; Wirsing 20 bis 25; Rotkraut 12 bis 15 Mark.
Bornotizen.
— Taaeskalender für Freitag: Stadt- theater. ..X Y Z“, 20 bis 22 Uhr. — Lichtspielhaus, Bahnhofstraße: „Er oder Ich". — Astoria-Lichtspiele: „Vollblut" und „Eolibri".
— Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Heute. 20 Llhr, unter Spielleitung von Dr. Karl Ritter Klabunds Spiel zu Dreien „X Y Z“. Am Sonntag, 22. März, veranstalten die Weintraubs, seit Jahren die erklärten Lieblinge des Berliner Publikums und der internationalen Varietöbühne, in Gemeinschaft mit dem Gocthcbund eine Morgenfeier und geben am gleichen Tage um 18.30 Llhr mit einem vollständig neuen Abendprogramm ihr offizielles Debüt. Sie bringen ein etwa zweistündiges Konzertprogramm, das den Jazz in allen Möglichkeiten und Schattierungen zum Vortrag bringt und mit einer humoristischen Bühnenschau ab- schlieht. Die Verstanstaltung um 11.30 Llhr bietet bei Morgenfeierpreisen ein auserwähltes Programm, während die musikalische Dühncnschau um 18.30 Llhr mit kleinen Abendpreisen mit einem neuen Abendprogramm aufwartet.
Evang. PfarrPersonalien. Durch die evangelische Kirchcnregicrung wurde dem Pfarrverwalter Paul Geißler zu Stumpertenrod die Psarrftelle zu Stumpertenrod, Dekanat Alsfeld, übertragen. Pfarrer Valentin Za h- mann in Friedberg-Fauerbach wird ab 1. Mai, auf eigenes Rachsuchen, in den Ruhestand verseht. Pfarrer Lic. Dr. Rcunobel zu Rieder-Florstadt wird auf eigenes Rachsuchen ab 16. April aus dem Dienst der hessischen Landeskirche entlassen.
•* Schulpersonalien. Auf eigenes Rach- suchen werden Lehrer Ernst Jakob von der Volksschule zu Ober-CBeffingen (per 1. April), Lehrer Wilhelm Wagner von der Volksschule zu Münzenocrg (per 1. Mai) und Lehrer Karl Metzger von der Volksschule zu Vilbel (per 1. April) in den Ruhestand treten.
** Frcmdenvorstcllung im Gießener Stadttheatcr. Man schreibt uns: Um auch den Besuchern der Frcmdenvorstellungen in dieser Spielzeit etwas Besonderes zu bieten, hat die Intendanz des Stadttheaters nach monatelangen Verbandlungen das berühmte deutsche Iazzorchester, die Weintraubs. Syncopators, zu einem zweimaligen Gastspiel am Sonntag, 22. März, 11.30 und 18.30 Uhr, verpflichtet. Die Weintraubs haben durch ihre Bühnenfchau foroie ihre Mitwirkung bei Max Reinhardt und in bc- kannten Tonfilmen („Der blaue Engel" „Liebeswalzer" U. a.) und ihre Schallplatten Weltruf erlangt. Den Freunden guter Musik und musikalischen Humors wird von diesen Solisten ein heiterer Abend bereitet. Um allen den Besuch dieser Veranstaltung zu ermöglichen, hat die Intendanz die denkbar nied rigsten Preise für dieses außergewöhnliche Gastspiel angesetzt. Beginn 18.30 Uhr, Ende 20 Uhr.
♦* Ausstellung von S ch ü l e r z e i ch n u n. ge n. Am morgigen Samstag, von 15 bis 18 Uhr, und am Sonntag, 22. März, von 11 dis 18 Uhr, find in der Turnhalle der Pestalozzis ch^i l c (Nord- anlage) Zeichnungen ausgestellt, die von Schülern der Volksschule in Gießen angefertigt werden. Die Arbeiten sind, wie man uns schreibt, übersichtlich angeordnet und werden jedem Besucher eine klare Vor stcllung des Ausbaues und der Ziele des heutigen Zeichenunterrichts vermitteln. Namentlich wird es den Erwachsenen Freude machen, die verschiedenartige Auffassung der Kinder bei der Ausführung einer der ganzen Klasse gestellten Aufgabe kennenzulernen. Für die am Zeichenunterricht interessierten Lehrkräfte an den Schulen Gießens und der Umgegend ist Gelegenheit geboten, Schülerarbeiten im Sinne der Theorie von Gustav Britsch einzusehen. (Siehe heutige Anzeige.)
' E i n e m u f i k a l i s ch e P a s f i o n s a n d a ch k findet am Sonntag, 22. März, 20.15 Uhr, in der Kapelle des Alten Friedhofs statt. Eine junge Kunst lerin aus der Luthergemeinde, Frl. M. P e t e r, der bekannte Organist Herr N e b e l i n g, der aus seinen Konzerten in der Stadtkirche und Johanneskirche noch in bester Erinnerung befindliche Posaunenchor Lang-Göns sowie der junge Kirchengefangverein der Luthergemeinde wollen Zusammenwirken, um der Gemeinde eine Stunde gesammelter Andacht zu bereiten. Man achte auf die vor Beginn geblasene fünfstimmige Turmmusik von Ioh. Pezelius, die hier neu ist. Wir verweisen auf die heutige Anzeige.
Amtsgericht Gießen.
Vor einigen Tagen sand vor dem Einzclrichter eine Strafverhandlung statt, die eines politischen Hintergrunds nicht entbehrte und den ganzen Sihungslag. sowie noch lange Zeit darüber hinaus in Anspruch nahm. Es handelte sich im wesentlichen um den Zusammenstoß eines führenden Reichsbannermitglieds — mit ihm waren noch zwei andere weniger Belastete angek'lagt — mit
einem Rationalsozialisten, der von dem Genannten am 6. Rovember v. I. in der Liebigstrahe vor dem Katholischen Vereinshaus, der bamaligcn Stempelstelle, mißhandelt worden sein soll. In der Rähe hatten sich Erwerbslose, auf der einen Straßenseite Kommunisten, auf der anderen Angehörige des Reichsbanners, angesammelt. Der Rationalsozialist hatte eben die Srempelstelle verlassen und war im Begriff, ruhig seines Weges nach Hause zu gehen, als der unter den Reichsbannerleuten befindliche Angellagte. der offenbar aus ihn gewartet hatte, die Straße überquerte und ihn am Weitergehen verhindern wollte. Dieser wich aus, der Angeklagte verlegte ihm aber von neuem den Weg etwa mit den Worten. ..Wie lange willst du das Spiel noch mitmachen, du Arbeiterverräter, du Arbeitermörder?" ES kam dann zwischen beiden zu einer Schlägerei. Der Rationalsozialist erhielt Schläge auf die rechte Schläfe und die linke Kopfseite. Auch der Angellagte wurde verletzt. Daß der letztere den ersten Schlag getan hat, vermochte nicht festgestellt zu werden. Doch gewann das Gericht aus feinem geschilderten Verhalten die Lieberzeugung, daß der Angeklagte mindestens der angreifende Teil gewesen ist. Ser Verletzte war nach Ansicht des Gerichts recht wohl berechttgt, selbst unter Anwendung von Gewalt, sich den von ihm ein» geschlagenen und ihm von dem Angellagten verlegten Weg frei zu halten; er handelte, auch wenn er zuerst schlug, in Rotwehr, nicht aber der Angeklagte, her deshalb der Körperverletzung im Sinne des § 223a StGBs. für schuldig erachtet und zu einer vierzehn tä gigen Gefängnisstrafe verurteilt wurde. Außerdem erhielt er wegen Bedrohung, die er am Tage zuvor einem anderen ihn begegnenden Rationalsozialisten gegenüber völlig grundlos ausgestoßen hatte, eine namhafte Geldstrafe. Der ersterwähnte Rattonalsozialist wurde, nachdem sein Gegner von ihm abgelaffen hatte, von dessen Anhängern zu Boden geworfen und blutig geschlagen. Die Täter konnten aber mit Ausnahme der beiden Mitangeklagten nicht festgestellt und auch von diesen mußte der eine wegen mangelnden Beweises freigesprochen werden. Der andere, für den eine Reihe von Milderungsgründen sprach, erhielt eine Geldstrafe von 50 Mk, die im Falle der Llneinbringlichkeit mit zehn Tagen Gefängnis zu verbüßen rst.
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Wettervoraussage.
Der Einfluß hohen Druckes hat unvermindert standgehaltcn. Dabei haben in Deutschland die Winde wieder etwas mehr nach Osten zurück- gedreht. Somit kommt die westliche Störung, die sich mehr südlich ausbreitet und an der Westküste Frankreichs verbreitete Riederschlägc verursacht, nicht recht zur Entwicklung. LInserem Wetter dürfte sie vorerst keine wesentliche Aendc-, rung bringen, höchstens zeitweise hohe Bewölkung auskommen lassen.
Aussichten für Samstag: Teils heiter, teils hohe Bewölkung, trocken, nachts Temperaturen noch um den Gefrierpunkt und etwas darunter, tagsüber wärmer.
Aussichten für Sonntag: Vorübergehend stärkere Bewölkung aufkommend, sonst wenig Acnderung der Wetterlage.
Lufttemperaturen am 19. März: mittags 13,1 Grad Celsius, abends 5,3 Grad: am 20. März: morgens 0,2 Grad. Maximum 13,5, Minimum —2,6 Grad.
(Schluß des redaktionellen Teils.)
Gerade im Frühjahr heißt cs achtgeben auf die Gesundheit. Der Körper ist durch die klimatischen Ein. flüssc des naßkalten Winters geschwächt. Durch die düsteren Tage, Stürme und Regen ist die Stimmung gereizt. Es heißt Vorsicht üben in den Genußmitteln, will man die Nervosität nicht noch steigern. Am besten bekommt Kaffee Hag, der erstklassige Bohnen- kaffee: er schont Herz und Nerven, ist coffeinfrei und vollkommen unschädlich. 1100V
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