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ficn Systems. Er setzte ausführlich auseinander, daß im parlamentarischen Staatswesen mit der Herr­schaft der anonymen Mehrheit und der wirtschaftlich interessierten Parteien eine wirkliche Vertretung des Volkswillens nicht durchführbar sei und daß die an­gebliche Freiheit des einzelnen zur Unfreiheit der ganzen Nation werden müsse. Der Nationalsozialis­mus bekämpfe das System als solches und lehne es ab, an ihm selbst eine Heilung zu versuchen. Seine Reformen seien radikaler Natur. Vor allem verlange der Nationalsozialismus eine scharfe und klare Scheidung zwi­schen Politik und Geschäft. Im übrigen stehe die Politik über der Wirtschaft. Eine gute Politik werde auch stets eine gute Wirtschaft zur Seite haben.

Hörsing über das Ziel

-es Reichsbanners.

Stuttgart. 19. Febr. (END.) Auf einer Kundgebung des Reichsverbandes der Kriegs- Geschädigten, Kriegsteilnehmer und Kriegs­hinterbliebenen, zusammen mit dem Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, erklärte der Bundespräsi­dent des Reichsbanners, Hörsing, u. a.: Das Reichsbanner wünscht den Bürgerkrieg nicht, sondern lehnt ihn mit aller Deutlichkeit ab. Wir stehen zwar gerüstet, aber wir sinh defensiv. Auch am 2 2. Februar werden wir den Bürgerkrieg nicht entfesseln. Wir werden un­sere Marschbereitschaft fe st st eilen, um verschiedenen Leuten den Alpdruck, der auf ihrem Gewissen lastet, zu nehmen. Mehr wird nicht passieren. Wenn aber die Rationalsozia-' listen oder die Kommunisten den Bürgerkrieg entfesseln sollten, dann sei ihnen gesagt: Wir werden ihnen entgen treten nicht mit einem Rosen- oder Myrtcnstrauß, sondern mit der Waffe in der Hand, und wir werden sie schlagen. Wenn das Interesse der Deutschen Re­publik es nötig macht, dann werden wir sie rest­los und erbarnmngslos vernichten.

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Die Kommunisten beabsichtigen am Sonn­tag im Lustgarten in Berlin, also an der gleichen Stelle, tpo die Reichsbannerkund­gebung stattfindet, eine Demonstration gegen die Regierung Brüning und den Faschismus zu veranstalten und haben außerdem für Sonntag roten Alarm" angekündigt. Wie von zu­ständiger Stelle bekannt wird, dürfte auch diese Demonstration der Kommunisten, ebenso wie dies mit der nationalsozialistischen Gegen* Kundgebung im Lustgarten geschehen ist, verboten werden.

Bang fordert sofortige Revision.

Dortmund, 20. Febr. (TU.) Auf der Tagung des Industrieausschusses des Landesverbandes 'Westfalen-Süd der Deutschnationalen Volkspartei sprach der deutschnationale Reichstagsabgeordnete Oberfinanzrat Dr. Dang über die politische und wirtschaftliche Lage. Die Regierung Brüning habe nicht mehr dos Vertrauen des Volkes. Sie drossele vielmehr in bewußter Umgehung des Artikels 54 der Reichsverfassung den Volkswillen ab. Die Durchführung des Voungplanes geschehe lediglich auf Kosten der Verelendung des deutschen Volkes. Die These Brünings:Erst Sanierung, dann Revision der Tributfrage" sei eine Unmög­lichkeit, da nach der Sanierung unserer Fi­nanzen keine Triburmacht mehr an eine Revision denken würde. Wenn man die deutsche Krise als einen Teil der Weltmarktkrise anspreche, so gehe man von ganz falschen Gesichtspunkten aus. Der beste Beweis dafür sei die Steigerung der Ar­beitslosenziffer proportional zur Ausfuhrsteige­rung. Das Gebot der Stunde sei daher s o f o r - . tige InangriffnahmeeinerRevision ^de r Tributfrage und rücksichtsloser Bruch ymit der verschleierten Enteignung öeS Volkes durch marxistische Tributerfüllungspolitik.

Senaispräsident Oeerberg legt sein Mandat n eder.

Der juristische Sachverständige der deutsch­nationalen Fraktion im Preußischen Landtag. Senatspräsik^nt am Kammergericht, Dr. D e e r - berg, hat fein Landtagsmandat niedergelegt. In einem Schreiben an den Vorsitzenden der deutschnationalen Landtagsfraktion Dr. v. Win­terfeld begründet er diesen Schritt mit Ge­sundheitsrücksichten. Doch dürfte man nicht fehlgehen in der Vermutung, daß Dr.

Russische Tragödie.

Von Edwin Erich Ow nger

Der Dichter liest am kommenden Montag im Goethe-Bund; seinem BucheZwi- schenWeih undRot" sind, mit Geneh­migung des Eugen Diederichs-Derlags in Jena, die folgenden Abschnitte entnommen.

Trotzkis Taktik.

Man spricht davon, daß die Roten mancherlei Neuerungen in ihre Kampfweise ausgenommen hatten. Es gibt zum Beispiel dein gewöhnlichen gefangenen Soldaten gegenüber keinerlei Grau­samkeiten mehr. Jeder Gefangene wird sachge­mäß entwaffnet, mit gutem Lachen nach Haus geschickt, zu Frau und Hof und Feld. Das ist schlimm...

Als sie keinerlei Gefangene machten, jeder un­serer Soldaten wußte, daß Gefangenschaft einem grauenvollen Martertod gleich war, kämpften sie köwenhaft. Die Folge dieser Neuerung wird sein, daß jeder ans Lleberlaufen denkt. Wozu noch kämpfen, wenn wir nach der Gefangennahme gleich in unsere Heimat, zu Frau und Kindern gehen können? werden sie sagen. Lind sich der kleinsten Llebermacht gefangengeben... Ich fürchte sehr, daß diese neue Taktik, sicherlich wieder eine Er­findung des großen Trotzki, unsere Truppen mehr dezimieren wird als die schwersten Stürme. 3a, diese Neuerungen sind es, die uns alle Hoffnung rauben...

Bei den Offizieren ist natürlich alles beim alten geblieben. Sie werden erschossen, gemartert, ge­schlachtet wo man sie findet.

Ko ltsch a ks Tod.

Zwanzig Werst hinter 3rkutsk erreicht uns ein Offizier. Er liegt auf seinem Pferd wie ein Ge­marterter. Seine Gesichtszüge sind unnatürlich verzerrt, seine Augen von panischem Entsetzen ge­weitet.Koltschak ist tot!'^'schreit er.Koltschak ist tot..

Die ganze Abteilung bleibt mit einem Schlag stehen. Niemand tut mehr einen Schritt, aller Augen sind gleichsam erstarrt. Nur die Pferde

Vanderveldes Widerruf.

Es hat sich eine Sensation ereignet: Der Führer der belgischen Sozialisten, Vandervelde, er­klärt öffentlich in einem Artikel, die belgischen Sozialisten lehnten die alleinige Verant- wortlich^eitDeutschlandsam Kriege ab, ebenso wie sie sich nicht zu den astronomi­schen Zahlen für die Reparationszah­lungen bekennen könnten. Sie bedauerten die unberechtigte Vergrößerung Polens und erhöben schließlich sogar Einspruch gegen die Art, wie Eupen und M a l m e d y zu Belgien ge­kommen seien, obwohl in dem Friedensvertrag die Abstimmung der Bevölkerung gewährleistet war. Herr Vandervelde eignet sich damit also die stärksten Argumente, die von deutscher Seite gegen das Unrecht von Versailles geltend ge- mad)t werden, vorbehaltlos an. Wenn dieser ganze Artikel einen Sinn haben soll, dann könnte er eigentlich nur heißen, daß -Belgien künftig­hin Seite an Seite mit Deutschland für die Re­vision des Versailler Unrechts kämpfen wird.

Diese ganze Einstellung ist um so eindrucks­voller, als ja schließlich Herr Vandervelde wäh­rend des Krieges zwar arrch Sozialist, aber ebenso starker Rationalist gewesen ist, daß er einer der Unterhändler von Versailles war und daß sein 'Harne unter dem Vertrag steht. Ein formeller Widerruf also, wie ihn nicht ganz in dieser schroffen Form vorher schon Lloyd George und der italienische Minister­präsident Ritti vollzogen haben. Schade nur, daß er um ein Dutzend Jahre zu spät kommt. Wenn Herr Vandervelde den Mut gehabt hätte, die Gewissens bedenken, die ihn heute quä­len. schon in Versailles auszusprechen, dann wäre der Friedensverttag vermutlich ganz anders ausgefallen, denn schließlich war doch

Wilson ein Mann des guten Willens, dessen Widerstandskraft nur erlahmte in dem Ring, der sich um ihn bildete. Hätte er das Gefühl gehabt, daß er nicht vollkommen isoliert war, dann hätte er sich doch vielleicht darauf beson­nen, daß die Bedingungen, die den Deutschen überreicht wurden, mit den unter Wilsons Ra- men abgeschlossenen Präliminarien unvereinbar waren, dann hätte er sich nicht der C-fahr ausgesetzt, daß sein eigenes amerikanisches Volk zuletzt den Vertrag eben wegen jenes Wider­spruchs ablehnte und ihn in einer Form des­avouierte, wie sie die Weltgeschichte bisher noch nicht gesehen hat.

Aber gerade, Herr Vandervelde erst jetzt sich wieder au: die Gedankengänge be­sinnt, die ihm als L ulist doch damals schon hät­ten heilig sein müssen, macht sein Bekenntnis mehr als verdächtig und legt die Vermutung nahe, daß es sich für ihn hauptsächlich um ein taktisches Manöver gehandelt hat, das entweder durch die augenblickliche Stellung seiner Partei in der Opposition oder durch Schwierig­keiten in dem französisch-belgischen Verhältnis bedingt wird, die durch Frankreichs Liebesweröen um Holland entstanden sind. Immerhin, das Wort selbst bleibt bestehen. Vandervelde kann davon nicht mehr zurück, daß er künftig als Kronzeuge gegen sein eigenes Werk aufgeru'en wird. Er hat dadurch mit dafür ge­sorgt, daß wieder ein kleines Steinchen aus dem Unterbau des Versailler Vertrages her­ausgelöst wird, und es wird weiterhin unsere Sorge sein müssen, darauf hinzuarbeiten, daß diese Aushöhlungsarbeit so lange fortgesetzt wird, bis das ganze Gebäude zusammenbricht.

Decrberg sein Rücktrittsgesuch einreichte, als er sah, daß seine Stellungnahme gegen das Buch Gefesselte Justiz" von großen Teilen der deutschnattonalen Landtagsfraktion angegriffen wurde.

Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 19. Febr. Der Finanzausschuß verabschiedete das KapitelKameralguter unter Dauverwaltung" mit 1 018 746 Mark Einnahmen und 427 650 Mark Ausgaben. Eine lange Debatte entspann sich über den Unterschied zwi­schen dem Mietpreis für Dienstwoh­nungen und dem Wohnungsgeld, das den Beamten ausgezahlt wird.

Der Landbund glaubt, daß die Spanne nur bei einer Reuregelung der Desoldungsordnung beseitigt werden könne, bei der das Wohnungs­geld überhaupt verschwinde. Diejenigen Beamten, die eine Dienstwohnung inne haben, sollen aber ab sofort kein Wohnungsgeld mehr bekommen. Alle Staatswohnungen sollten zu Dienstwohnun­gen gemacht und auf die einzelnen Ressorts ver­teilt werden.

Deutsche Volkspartei, Volksrecht­partei und Demokratische Partei erblicken darin eine Ungerechtigkeit, weil dann die Beamten mit Dienstwohnungen, die gezwungen werden, diese Wohnungen zu nehmen, in ihren Bezügen schlechter gestellt würden als die übrigen Beamten. Man solle eher darauf hinarbeiten, die Zahl der Dienstwoh­nungen zu verringern und den Dienstwohnungs­zwang nach Möglichkeit abzubauen. Eine Abände­rung der Besoldungsordnuna ohne Rücksichtnahme auf die Verhältnisse im Reich und in den Ländern fei nicht tragbar.

Minister Kirnberger sagt eine Nachprüfung der Mietpreise für die Dienstwohnungen zu. Einer Umwandlung der Staatswohnungen in Dienstwoh­nungen widerspricht er, denn dadurch würden z. B. in Mainz die Zahlen der leerstehenden Wohnungen noch größer. ,

Kapitel IV,Weingüter" schließt mit 40 000 Mark Einnahmen. Der Berichterstatter hält den Ansatz für Einnahmen aus dem Weingeschäft für zu hoch. Die Unkosten müßten noch wesentlich ge­senkt werden, vor allem durch Einsparung bei den Kosten der allgemeinen Bewirtschaftung.

Staatsrat Balser verweist auf die schwierige Loge des Weinbaues, die Weinpreise betrügen heute nur noch 70 bis 80 Prozent der Friedens­

hängen die Köpfe herab, mit jedem dampfenden Atemzug tiefer. Man hört keinen Laut als ihr erschöpftes, rasselndes Schnaufen.

Ich drehe mich sofort nach Vereniki um. Er sitzt vornübergesackt auf seinem großen Hengst, eine gewaltige Fleischmasse, ohne jedes Leben.Jetzt ist es also wirklich zu Ende wie er sagtel" geht es mir durch den Kopf.

Unb nirgends ist ein Halt mehr in der Welt.

Abends erfahren wir die Umstände seines To­des. An jenem Morgen, an dem wir Irkutsk stürmen wollten, um ihn aus dem Gefängnis zu befreien, hat man ihn und seinen Minister Pe- peljaew durch eine kommunistische Dollstreckabtei­lung in den Hof geführt. Man sagt, daß er wie ein Sieger zwischen ihnen hergegangen, daß seine Lippen so fest geschloffen gewesen wie an dem Tag, an dem man ihn verriet. Man sagt weiter, daß sein berühmtes Wort:Das heißt, daß meine Verbündeten mich verraten haben!" sein letztes Wort gewesen. O, er hatte recht! Er hatte diese Iammerwelt verstanden und schwieg eine an­dere Waffe hatte er nicht mehr. Aber dies Schweigen ist es nicht eine lautere Anklage als tausend große Worte?

Als man ihn an die Mauer stellte, hat er sich die letzte Zigarette angezündet und feine silberne Dose dem Rotgardisten geschenkt, der ihm den Platz anwies. Sein Gesicht ist wie aus Stein gemeißelt, der ganze Mensch unendlich ruhig ge­wesen im Gegensatz zu Pepeljaew, der um sein Leben gewinselt hat.

Die Rotgardisten haben angelegt, ein Kommis­sar hat Feuer kommandiert.

Aber nicht einer hat geschossen.

Man sagt, daß es die edle Ruhe des Obersten Regenten gewesen, die keinen Finger sich am Ab­zug knegen ließ. Daß sein Herrenblick sie ge­bannt, versteinert, entmachtet habe.

Plötzlich hat er die Zigarette fortgeworfen, den rechten Arm soldatisch aufgehoben, selbst das töd­liche Kommando gegeben.

Feuer!" ist sein letztes Wort gewesen.

Er ist im Knattern seiner eigenen Salve vorn­übergesunken. Wie ein Standbild, ohne einzu­knicken, steil und gerade...

preise, während die Unkosten auf 157 Prozent gestiegen seien namentlich durch die Steigerung der Löhne auf 184 Prozent.

Finanzminister Kirnberger führt einen Teil der Schwierigkeiten im Weinabsah auf die Ge­schmacksumstellung des Publikums zurück. Er hält es für falsch, daß die Domänen selbst Weinhandel treiben sollen, weil sie dann als Versteigerer ausfallen würden, denn der Han­del würde dann nicht mehr bei ihnen kaufen. Der Zweck der Domänen sei auch, den Ruf der rhein­hessischen Weine zu fördern. Dies sei ihnen gelun­gen, denn die rheinhessischen Weine stünden heute den Pfälzer und Rheingauer Weinen ebenbürtig gegenüber.

Südamerika und der Völkerbund. Star!e Wirtfchaftsdeprejsion.

Furcht vorPaneuropa".

Genf, 19. Febr. (WTB.) Der von seiner Süd­amerika-Reise zurückgekehrte Generalsekretär des Völkerbundes, Sir Erie Drummond, berichtete den Vertretern der internationalen Presse über feinen Aufenthalt in den südamerikanischen Staa­ten. Er habe überall feststellen können, daß sämt­liche Staaten von der wirtschaftlichen Depression schwerinMitleidenschaft gezogen würden, vielleicht in noch größerem Ausmaß als es in den europäischen Staaten der Fall sei. Infolge der Wirischaftsdepression sei das Gefühl der Unsicherheit in Süd­amerika so stark, daß ihm häufig die Frage ge­stellt worden sei, ob nicht in naher Zukunft mit dem Au s b ru ch eines neuen Krieges in Europa zu rechnen sei. Demgegenüber habe er immer darauf hingewiesen, daß erst kürzlich in dem Manifest der Europakommission des Völ­kerbundes der allgemeine Friedenswille der euro­päischen Staaten zum Ausdruck 'gekommen sei, und daß er deswegen einen Krieg nicht für wahrscheinlich halte. Mehrfach habe man ihm gegenüber Befürchtungen geäußert, daß die Ar­beiten für die Europaunion sich zoll- polittsch für die Ueberseeländer ungünstig auswirken würden. Die Kritik an der Tei- htng des Völkerbundsrates in ständige und nichtständige Mitglieder habe er mit dem Hinweis auf die fortschreitende Demokrati­sierung des Völkerbundes beantwortet, die sich auch in der Zusammensetzung des Rates zeige, in dem heute schon neun anstatt wie früher vier

Arbeit im Hafenbezirk.

Don Peter Bauer.

Man sieht in den Uferpappeln jede Krähe sitzen, so kahl ist ihr steiles Geäst. Einzelne Mö­wen fliegen Berg und Tal über dem breiten Fluh, auf dem die blasse Sonne spielt. Vorüber­gehend wird die schimmernde Strömung von zwei schweren Rauchfahnen überschattet, die an den Schloten eines Schleppers wehen. Er zieht mit mächtig rauschendem Rädergeschaufel sechs Last schiffe zu-tal. Sie gehen alle tief im Wasser, mit Kohlenmassen befrachtet, die viele Güter­züge füllten.

Am Ufer liegt mit breit und hoch aus dem Wasser ragenden Leib ein leerer Lastkahn. Ein Teil seiner säuberlichen Planken ist abgedeckt, was einen Blick ermöglicht in die geräumige Un­tiefe seiner Dauchkamrnern. Ein Schiffer fteigt auf einer Leiter hinab und prüft die Dichte des Bodens. Dann bebecft er ihn vorsorglich mit einer Strohlage. Es soll Gerste geladen werden.

Ein provisorischer Brettersteg, über Holzböcke gebaut, führt vom Fruchtlager bis zur Witte der etwa ein Meter lieferen Uferstraße. Auf ihm werden die Zweizentnersäcke mit Gerste herbei- gcrollt und einem Träger, der mit starken Mus- rcln zupackt, gegen die Schulter gekippt. Er schleppt die Last auf einer durch Steinunterlage leicht federnden Diele weiter über die Straße ans Ufer. Hier stürzt er den Sack vornüber in einen viereckigen großen Kasten, der sich nach unten trichterförmig verengt. Aus ihm faust die Körnerflut rauschend und rieselnd in ein am Auslauf befestigtes schräges Rohr, das bis in den Schiffsraum hinabreicht. Der Mann schüttelt den Sack bedächtig über dem Kasten aus, faltet ihn geschickt und legt ihn beiseite. Dann befördert er auf die gleiche Weise eine neue Last. Es ge­schieht mit der Gelassenheit und Ruhe der Kraft, die sich nicht zu überstürzen braucht. Trotzdem läuft der Körnerstrom ununterbrochen. Ein Schif­fer mit Ueberschuhen und Ledergamaschen steht

nichtständige Mitglieder sähen, die volle Gleich­berechtigung mit den übrigen Ratsmitgliedern genössen.

Kunst und Wissenschaft.

Gedenkfeier am <->rave von Goethes Mutter.

Frankfurt a. M., 19. Febr. (TU.) Ain Grabe von Goethes Mutter auf dem früheren St. Petersfriedhof veranstaltete anläßlich ihres 20 0. Geburtstages die Stadt Frankfurt am Donnerstagvormittag eine Geben k^e i e r. Nach dem Vortrag eines Mozartfchen Divertimentos schilderte Oberbürgermeister Dr. Landmann in einer kurzen Ansprache das Wesen von Goethes Mutter, wobei er u. a. ausführte, das Außerge­wöhnliche an Frau Aja fei nicht nur die Tatsache, daß sie der Welt ihren Genius geschenkt habe, son­dern auch daß sie als Mutter stets untrennbar ver­bunden gewesen sei mit ihrem großen Sohn. Goethe selbst habe immer gewußt, was er seiner Mutter schuldig war. Sodann wurden wertvolle Kränze niedergelegt, darunter einer vom Wiener Journa­listen- und Schriftstellerverein.

Der welsenschah endgültig verloren.

WSN. Frankfurt a. M., 19. Febr. Die Be­mühungen der vielen deutschen Kunstfreunde, Be­hörden und Organisationen, den W e4 p^n schätz dem deutschen Volke zu erhalten, waren in dem Augenblick gescheitert, in dem die wertvollen Stücke dieser Sammlung nach Amerika eingeschifft wurden. Daß sich in den Vereinigten Staaten trotz aller auch dort spürbaren wirtschaftlichen Notlage genügend ernsthafte Interessenten für den Welfen- schatz oder wenigstens für einzelne Stücke finden würden, lag auf der Hand. So hat das Städtische Museum der Stadt Cleveland für eine halbe Million Dollar den G e r t r u d i s - A l t a r und zwei wert­volle Kreuze der gleichen Epoche erworben, nachdem es vorher schon sechs Stücke aus dem Welfenfchatz gekauft hatte. Jetzt ist der Ankauf eines Stückes der Sammlung durch das Fogg-Mufeum der Harvard- Unioerfität perfekt geworden. Die Verhandlungen mit anderen Museen und Sammlungen stehen zum Teil vor einem erfolgversprechenden Abschluß. Das ver­armte Deutschland ist um ein wertvolles altes Kultur­gut ärmer geworden.

Die Flöle Friedrichs des Großen wird nicht versteigert.

Aus der Versteigerung in Glien icke teilte der Aukttonsleiter L. Joseph unter großer Span­nung mit, daß nun zur Versteigerung der Flöte Friedrich des Großen geschritten würde. Im Auftrage des Prinzen Leopold Sohn sollten sich zunächst- die Bewerber in eine Liste eintragen, damit die wirklichen Interessenten fest- bestellt werden könnten. Rachdem sich ungefähr ehn Herren eingezeichnet hatten, trat eine halb- i stündige Pause ein, während der in einem Reben­raum über das Schicksal der Flöte beraten wurde. Endlich wurde verkündet, bah sich Prinz Friedrich Leopold Vater entschlossen habe, die Flöte von der Versteigerung abzusetzen. Cs seien in Deutschland bittere Worte wegen des Verkaufes gefallen, er sei also zu dem Entschluß gekom­men, davon Abstand zu nehmen.

Vorher wurde immer noch Mobiliar verstei­gert. Eine 16teilige Salongarnitur im Stile des Hochbarocks, reich geschnitzt und vergoldet, to- stete nur 760 Mark, ein Musiksalon im hollän­dischen Barock, versilbert und mit geschmack­vollen Blumenmalereien versehen, 1500 Mark. Der sogenannteSch inck el t isch", ein rundes Tischchen auf vergoldeten Füßen, das auf seiner Platte Porzellantafeln mit Ansichten Schinckel- schor Bauten enthält, brachte 1300 Mark. Der be­rühmte Iohanniter-Thrvnsessel, eine kostbare Arbeit des 16. Jahrhunderts, mußte zurückgezogen werden, da selbst der niedrige Ausgebotspreis von 1000 Mark von keiner Seite geboten wurde.

Marie Lugenie delle Grazie f.

WTB. Wien, 19. Febr. Die bekannte Wiener Schriftstellerin und Dichterin Marie Eugenie delle Grazie ist hier im 67. Lebensjahre gestorben.

watther-RathenauPreis.

Die Walther-Rathenau-Gesellfchaft gibt die Verteilung des Preises für 1930 bekannt. Die neu geschaffene Medaille hat Ministerialdirektor G a u s im Auswärtigen Amt erhalten. Der Geld­preis (3000 Mark) wird geteilt zwischen Professor Dr.Kurt Saenger in Hamburg und Friedrich K a y h e r. Die Verteilung entspricht der Ein­teilung der Gesellschaft in eine politische, wirt­schaftliche und kulturelle Sektton.

in der anwachsenden Flut und schippt die rasch sich emporhügelnden Haufen auseinander.

Etwas weiter stromab ist das Riesengeschlecht der Krane bei der Arbeit. Einer dieser gigan­tischen Einarmer hebt an Ketten und Haken Zentnerlasten von Fellen aus einem Frachtschiff in einen Eisenbahnwagen. Andere, auf der Mole des Hafens aufgestellte Krane entleeren mit ihren mächtigen Ereifern einen Güterzug voll Zucker­rüben. Ihre Anfuhr aus den Ortschaften der weiten Umgebung erfolgte in fo ungeheuren Men­gen, daß die Läger der Fabriken die Vorräte nicht mehr fassen konnten. Sie müssen für kurze Zeit anderweitig gelagert werden. Am schrägen Ufer der Mole ist in geringer Höhe über dem Wasserspiegel eine breite Plattform heraus­gebaut, die die Länge des Hafendamms hat, und gewaltige Vorräte zu fassen vermag. Auf ihr werden seit Tagen die Rüben aufge chichtet, und noch immer schütten die Krane ihre Greifer über sie aus. Der gelbe Hügelzug der Rüben ragt seltsam fremd aus der schwarzen Umgebung der Kohlenläger.

Ein Kran lehrt auch die Kieskähne, die von kleinen Schleppern bis an die Mündung des südlichen Hafenbezirks gezogen werden, und dann, abgehängt, chre Bewegung langsam auslaufen ans gewünschte Ziel. Der auSgeschöpfte nasse Fluhkies wird an den Lägern reingeglüht von dem ihm anhaftenden Sand und dann über Siebe geschippt, wodurch man klein- und grobsteinigen Kies in vielen Sorten erhält.

An der Hafenspihe, oftmals auch in ufernah verankerten Rachen stehen Angler mit weit­ragenden Gerten unb warten geduldig, bis es anbeiht. Es sind meist Arbeitslose, die sich dieser geduldheischenden Beschäfttgung mit Eifer hin­geben. Dabei schrnöken sie mit bedächtigen Zügen ihr Pfeifchen.

Andere, die im Hintergrund sitzen, rauchen ohne zu angeln. Sie unterhalten sich gedämpft und bewundern heimlich die Ausdauer der reg­losen Schweiger.