Nr. 297 Erster Blaff
18t Zahraanq
Samstag, 19. Dezember 1931
Eriche in« loglich.ouhei Sonntags und Feiertag».
Beilagen:
Die Illustrierte ©iefcener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle
Monatr-Vezugsprets: 2.20 Reichsmark und 30 Reichspfennig für Trägerlohn, auch bei Richter- Schemen emzelnerNummern infolge höherer Gewalt.
§ernfnrechanfchlüsfe anterSamme(nummer2251 Anlchrijt für Drahtnachrichten Anzeiger Stehen pofifchecktonto: fironlftirt~m Main 11686.
Gietzener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberhessen
vnt> verloa: vrLhl'sche Univerfitäis-Vuch- und Steinöruderei B. Lange in Gießen. Schriftleitnng und Geschäftrftelle: ZchnlNraße 7.
Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.
Preis jur l mm Höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re- klameanzeigen von 70 > m Breite 35 Reichspsennig, Platzoorschrist 20u , mehr.
Chefredakteure
Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr Fr. Wilh. Gange; für Feuilleton Dr H.THyrioi, für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Max Filter, sämtlich in Biegen.
Ringen um Erkenntnis.
Nur wenige Tage trennen uns noch vom Weihnachtsfest, aber eine richtige Feierstimmung, die in früheren Fahren - wenigstens mährend der letzten Dezem-erwochen geherrscht hat, will diesmal noch nicht aufkommen. Die Auswirkungen der vierten Notverordnung greifen tief in die Haushaltsführung einer jeden deutschen Familie ein, und wenn man es auch begrüßen muß, daß endlich durch die Bekanntgabe der Notverordnung gespannte Erwartung fester Gewißheit gewichen ist, so hat sie - doch zu den alten, uns vor wenigen Wochen noch unerträglich dünkenden Lasten neue Opfer gefordert, die wir nur dann auf uns nehmen können, wenn wir damit das Ziel der Befreiung aus dem Schuldturm, in den uns die Kriegstribute gebannt haben und festhalten, endlich erreichen. Die Notverordnung mit ihren rigorosen Maßnahmen hat innen und außen ihren Eindruck nicht verfehlt. Trotz starken inneren Widerstrebens gegen viele ihrer wichtigsten Bestimmungen haben weder die Sozialdemokratie noch die Parteigruppen der gemäßigten Rechten sich dazu entschließen können, ihre bisher gegenüber dem Kabinett Brüning geübte Tolerierungspolitik aufzugeben. So ist es, obwohl die Deutsche Volks- partei ihrem neuen Kurse, der sie schon bei der Herbsttagung des Reichstags in die Opposition zum Kanzler geführt hatte, treugeblieben ist, zu keiner Einberufung des Reichstags gekommen. Der Regierung ist also Zeit gelassen, die Notverordnung im einzelnen durchzuführen und zu sehen, ob ihre Auswirkungen den Erwartungen entsprechen, die der Kanzler an sie knüpft. Das eine kann jedenfalls heute schon als ein nicht zu unterschätzender Erfolg gebucht werden: der Eindruck im Auslande ist der, daß Deutschland seine ganxe Kraft anspannt und seine allerletzten wirtschaftlichen und moralischen Reserven einsetzt, um aus Eigenem über den Berg zu kommen, wenn man ihm durch Beseitigung der unsinnigen Tribute den Hals frei gibt, daß jedoch, sollte dieser letzte gigantische Versuch Deutschlands an der Sturheit seiner Gläubiger, insbesondere an der Unvernunft und dem schlechten Willen Frankreichs scheitern, die mit Naturnotwendigkeit sich daraus entwickelnden wirtschaftlichen und politischen Folgen neben den Reparationsforderun- gen auch jede Art von privaten Schuldansprüchen illusorisch machen müßten.
Die Verhandlungen, die in diesen Tagen im amerikanischen Kongreß über die nachträgliche Billigung des Hoovermoratoriums begonnen haben, zeigten in erschreckendem Maße, wie weit große Teile des amerikanischen Volkes noch ent- sernt sind von der Erkenntnis der großen politischen und wirtlchaftlichen Zusammenhänge und der trotz aller Drohungen doch unlöslichen Verflechtung Amerikas mit den europäischen Dingen. Man kann dem Präsidenten Hoover und seinem Kabinett nicht ganz den Vorwurf ersparen, für eine rechtzeitige und ausreichende Aufklärung-der amerikanischen Oeffent- lichkeit nicht genügend gesorgt zu haben. Namentlich im Westen und Süden, fern von Neuyork und Washington, den Zentren von Politik und Finanz, scheint man sich der durchaus irrigen Vorstellung hinzugeben, als ob es zur Wiedererlangung der vielgepriesenen und lebhaft betrauerten „prosperity" genüge, sich von allen üblen Händeln dieser Welt auf sich selbst zurückzuziehen, sich mit hohen Zollmauern zu umgeben und das streitsüchtige Europa sich irt seinem eigenen Fett schmoren zu lassen. Es wurde hier schon vor einigen Tagen auegefüfjrt, daß seit dem Sünbenfaltz den die Vereinigten Staaten mit ihrem Eintritt in den Weltkrieg begangen hatten, diese Dinge auch für den selbstbewußtesten Pankee nicht mehr ganz so einfach liegen. Aber wenn jetzt vor dem Kongreß Hoover und seine Mitarbeiter ver- suchen, die Zusammenhänge ihrem Parlament und dem Lande klarzumachen, so kommt das reichlich spät, außerdem ist es psychologisch gerade kein glück- llches Zusammentreffen, wenn man dem Kongreß mit einem Riesenbukett neuer Steuern aufwartet, wie es Mellon getan hat, um das erschreckende Defizit im Staatshaushalt zu decken, und gleichzeitig den Volksvertretern die Billigung für einen Zahlungsaufschub der ausländischen Schuldner abfordert, wobei im Hintergründe die Furcht lauert, ohne erhebliche Abstriche eines Tages überhaupt nichts mehr zurückzuerhalten. Daß der Präsident in den entscheidenden Junitagen wenigstens formell den Kongreß überging, indem er auf eine außerordentliche Session verzichtete und die Verantwortung für das Schuldenfeierjahr auf seine Kappe nahm, war schon damals Grund zu schwerer Verstimmung in den Kreisen des Parlaments, die Hoover nicht zu Rate gezogen hatte. Inzwischen hat sich auch innenpolitisch durch die wachsende wirtschaftliche Depression und die Arbeitslosigkeit, der das Kabinett einigermaßen hilflos gege^übersteht, ein solches Maß von Verärgerung und -.tißmut angesammelt, daß bei dieser Taktik schwere Nackenschläge für den Präsidenten nicht ausbleiben konnten. Und er hat es nur der überforschen Attacke des Herrn Mac Fadden zu verdanken, daß die an sich starke Opposition gegen das Hoooermoratorium auch in der eigenen Partei des Präsidenten nicht voll wirksam wurde, weil sich mit den maßlosen Anschuldigungen und Verdächtigungen Mac Faddens gegen die Bankwelt von Neuyork und das Staatsoberhaupt niemand ibenti- sizieren wollte, gleichgültig ob Demokrat ober Republikaner, gleichgültig ob Anhänger ober Gegner der Politik bes Präsidenten. Zweifellos unter dem Eindruck dieser unerfreulichen, bis zum äußersten Zugespitzten Debatte, — offenbar auch für amerika- nilche Verhältnisse ein Novum — konnte Hoovers Pferd die ersten Hindernisse, Finanzausschuß und Repräsentantenhaus, mühelos im ersten Anlauf nehmen und es besteht begründete Aussicht dafür, daß Hoover das ganze Rennen ohne weitere ernste Anstände gewinnen wird
Zahlungseinstellung hei Borsig in Berlin-Tegel.
Berlin, 18. Dez. (TU.) Die A. B o r f i g G. m. b. fj. Tegel teil« mit: wir haben uns gezwungen gesehen, mit dem heutigen Tage unsere Zahlungen e i n z u st e l l e n. Die Gründe liegen in der verhängnisvollen Verschlechterung der Wirtschaftslage im 3 n - und Auslande, die besonders feit Juli den Auftragseingang fo stark beeinflußt hat, daß es unmöglich war, den Auftragseingang und die Unkosten in einem tragbaren Verhältnis zu erhalten, verstärkt wurden die Schwierigkeiten durch Verluste bei einer Tochtergesellschaft. Um das Unternehmen wieder aus eine gesunde Grundlage zu stellen und damit die Vernichtung großer Werte zu vermeiden, die in nahezu lOOjähriger technischer Entwicklung und Erfahrung und in dem Weltruf des Unternehmens begründet liegen, sehen wir uns gezwungen, eine Sanierung durch Einleitung des Vergleichsverfahrens anzustreben, nachdem die versuche, eine Gesundung ohne Anrufung der Gläubiger herbeizuführen, nicht den gewünschten Erfolg hatten. Die erforderlichen Schritte sind eingeleitet. Das Werk ist für die derzeitige Lage bei einem Auftragsbestände von zirka 12 Millionen Mark und einer Belegschaftsstärke von 3 7 0 0 köpfen noch verhältnismäßig gut beschäftigt.
Ergänzend erfahren wir hierzu: Die Zahlungen eingestellt hat ausschließlich die A. B o r f i g G. m. b. h., Tegel, die ein Einlagekapital von 10 Millionen RM. hat. 3m vorigen 3ahre ist die Lokomotivfabrikation von der A Borfig G.m.b.h. abgetrennt worden. Bei der Tochtergesellschaft B o r s i g h a 11, Vereinigung deutscher Pumpenfabriken, sind sehr beträchtliche v e r l u st e entstanden, die wesentlich großer als das Einlagekapital sind, und durch die die 21. Borfig G m b H in Anspruch genommen worden ist.
Die Schwierigkeiten resultieren auch aus dem Währungswirrwarr in verschiedenen Ländern, denn Borfig Hal im letzten 3ahr etwa 80 v. h. des Umsatzes in das Ausland geliefert, wovon naturgemäß ein Teil i n ausländischer Währung bezahlt wurde. So lagen Auslandsaufträge vor aus Ungarn (Stickstoff- anlage für Budapest), 3ndicn (Del Lrack-Anlagen), Aegypten (Stauwerke von Assuan) und andere.
Hauptbankengläubiger ist die DD-Banf, im geringeren Umfange sind ferner u. a. die Dresdner Bank, die Reichs-Kreditgesellschaft und die Berliner Stadtbank beteiligt. Die Bankschulden sind größer als die Warenschulden. Sicherungen für diese Bankschulden sind vorhanden durch Hypothekeneintragungen, für Grundstücke und durch die Anlagen in Tegel. Bei den össentlichen Geldern, die der A. Borfig G.m.b.h. gewählt worden sind, han
delt es sich um Reichsvorschüsse auf Warenlieferungen in höhe von 1,2 Mill. RM.
Eine Sanierung hängt fast ausschließlich von der Frage ab, ob das Werk weitergeführt werden kann.vas Werk ist nach der technisch-wirtschaftlichen Seite von maßgebenden Stellen eingehend unter
sucht worden mit dem Ergebnis, daß seine Existenzberechtigung unbedingt anerkannt wurde. Der gegenwärtige Auftragsbestand würde für eine Beschäftigung bis in den Februar bzw. Mär; hineinreichen. Die Verwaltung hofft, daß das Werk nicht ftillgelegt zu werden braucht.
LL.
Oben: Die Stammsabrik der Borsigs im Jahre 1837 am Oranienburger Tor in Berlin. — Oben llnks: August Borfig, der Begründer der Werke. — Oben rechts: Ernst von Borfig, der heutig« Chef und Mitinhaber des Unternehmens. — Unten: Blick auf die heutigen Anlagen der Borfigwerke in Berlin-Tegel — Unten links: Conrad von Borfig, der Mitinhaber der Werke und Bruder Ernst von Borsigs.
Aber das darf darüber nicht Hinwegtäuschen, daß Mac Fadden, wenn er auch in den heiligen Hallen des Kongreßgedäudes von Washington wütete wie ein Elefant im Porzellanladen, nur einer in gewissen Kreisen sehr verbreiteten Meinung allerdings äußerst schroff und drastisch Ausdruck gegeben hat, wenn er behauptete, daß der Präsident mit Wallstreet unter einer Decke stecke und das Schuldenmoratorium nur deshalb unter Verletzung seines Amtseides erlassen habe, um durch Beseitigung her Kriegsschulden die von Wallstreet in Deutschland angelegten Pri- oatkapitalien zu retten auf Kosten des amerikanischen Steuerzahlers, der nun zur Deckung des Ausfalls der ausländischen Schuldenrückzahlungen mit neuen Steuern beglückt werde. Gewiß ebenso törichte wie populäre Gedankengänge, die, wenn sie die künftige Einstellung Amerikas zum Reparations- und Schuldenproblem beeinflussen würden, gefährlich werden müßten. Um jo wichtiger sind Mellons Hinweise auf die katastrophalen Folgen eines Ausfalls des europäischen Marktes für die amerikanische Export- wirtschaft, wenn neben Deutschland und Mitteleuropa nun auch das Britische Reich, die nordischen Länder, ja auch Japan und Südamerika sich notgedrungen der amerikanischen Einfuhr versagen müßten. Mellon hat weiter dargelegt, daß Englands Aufgabe des Goldstandards auch auf das Schuldenabkommen mit Amerika nicht ohne Einfluß bleiben könne und schon von dieser Seite hei zwangsläufig das Gesamtproblem der internationalen Verschuldung. das das Hoover-Moratorium im Juni auf* gerollt habe, weitergetrieben werde. England muß an Amerika in Golddollars zahlen, während es, mit Ausnahme von Deutschland, von seinen Schuldnern Papierpfunde erhält. Das bedeutete schon Anfang Dezember eine Erhöhung der britischen Schuld an Amerika um 47 v. H., eine Revision des Palfour- Abkommens vom 1. August 1922, das Englands Schuldenzahlung regelt, ist also nicht zu umgehen. Während England bisher von seinen Schuldnern die gleiche Summe einforderte, die es an Amerika zu zahlen hatte, wünscht es nun umgekehrt nicht mehr an Amerika zu zahlen, als es von seinen Schuldnern eintreiben kann. Wie sich eine solche Regelung, die vorerst kaum in den gröbsten Umrissen zu erkennen ist, auf die deutschen Peparatio- nen und die Haltung Frankreichs auswirken würde, wo man jeder Sondervereinbarung der angelfächsi- schen Mächte mit dem größten Argwohn begegnet, läßt sich heute noch gar nicht übersehen. Von ausschlaggebender Bedeutung ist aber für uns sicherlich,
daß die amerikanische Oeffentlichkeit mehr als bislang den engen Zusammenhang zwischen dem wirtschaftlichen Zusammenbruch des Auslandes und der Krise in den Vereinigten Staaten selber erfaßt und den amerikanischen Staatsmännern freie Hand läßt, nach dieser Erkenntnis zu handeln, statt eine Politik der Isolierung zu erzwingen, die mit dem Ruin der Weltwirtschaft auch die eigene Krisis aufs äußerste verschärfen müßte Amerika kann sich heute nicht mehr ohne gigantische Verluste aus dem europäischen Geschäft zurückziehen, dazu ist es zu spät, es ist unlösbar mit der Weltdepression verbunden und kommt ohne die Zusammenarbeit mit Europa aus ihr nicht mehr heraus.
Der beste Beweis, daß zumindest die Regierung von Washington diese enge Verbindung nicht leugnet, sind ja die Verhandlungen des Beratenden Sonderausschusses bei der BIZ. in Basel unter Teilnahme eines amerikanischen Banksachverständigen. Hier steht das Ausmaß der deutschen Zahlungsfähigkeit zur Debatte und Amerikas Interesse daran liegt auf der Hand, denn die Reparationen, die Deutschland unter dem Regime des Dawesabkommens und des '2)oungp(ans geleistet hat und deren Löwenanteil die Franzosen eingesteckt haben, hat bas Reich aus privaten Anleihen gezahlt, die neben England vor allem auch Amerika finanziert hat. Während also Frankreich tatsächlich bares Geld erhielt, haben sich Engländer und Amerikaner nicht nur den auf sie entfallenden Reparationsanteil selber bezahlt, sondern sie haben auch obendrein durch ihre Anleihen überhaupt erst dafür gesorgt, daß Frankreich zu seinem Gelde kam. So hängen private Verschuldung und Tributleistung innig zusammen, auch wenn die Franzosen diesen Zusammenhang abstreiten und auf dem Vorrang der Reparationen auf Grund des Poungplans vor den privaten deutschen Auslandskrediten beharren. Mit dieser scharfen Kontroverse begannen bereits die Verhandlungen des Ausschusses und nichts deutet darauf hin, daß sich die französische Regierung, die ihren Baseler Delegierten natürlich fest an der Strippe hält, inzwischen unter der Last beweiskräftigen Materials zu einer anderen Auffassung durchgerungen hätte. Der Ausschuß hat die erste Woche damit verbracht, durch Anhören von deutschen Sachverständigen sich ein umfassendes Bild von der Finanz- und Wirtschaftslage zu machen und diese so gewonnene Bestandsaufnahme bann in kleineren Unterausschüssen nach Einzelfragen zu güebern. Nun gilt es, sie aus. zuwerten unb in einem Bericht die Grunblage für
bie Beratungen ber vorgesehenen Regierungskonferenz zu schaffen. Aber es hat leiber fast ben Anschein, als ob bie Sachverstänbigen mit bieser Endformel nicht recht zu Rande kommen würden und es am liebsten den Regierungen selber überlassen möchten, die Schlußfolgerungen . aus dem ihnen geordnet unterbreiteten Material zu ' ziehen. Selbstverständlich könnte auch der französische Delegierte, will er nicht seinen Ruf als wirtschaftlicher Sachverständiger aufs Spiel setzen, so wenig wie seine Kollegen sich der Logik der Tatsachen verschließen, die die deutschen Sachverständigen vor den Mitgliedern des Ausschusses lückenlos aufgebaut haben und deren schlagendste die letzte Notverordnung gewesen sein dürfte. Aber die Anweisungen der Pariser Regierung verbieten ihm, über die unbedingten Jahreszahlungen des Poung- Plans auch nur zu sprechen. Frankreich verficht starr seine Auffassung, baß es sich lediglich um eine augenblickliche, durch bie Wirtschaftskrisis verursachte Zahlungsunfähigkeit Deutschlands handle (wobei der französischen Maxime zuliebe Ursache und Wirkung umgekehrt werden) und daß infolgedessen, da die tatsächliche Zahlungsfähigkeit Deutschlands jetzt gar nicht festgestellt werden könne, man lediglich ein Provisorium, eine Zwischenlösung für die Dauer der Wirtschaftsdepression unter grundsätzlicher Aufrechterhaltung des Poungplans und der französischen Ansprüche daraus feststellen dürfe. Es kann heute schon als ausgeschlossen gelten, daß der Beratende Sonderausschuß sich in seinem Bericht an die Regierungen dieser französischen These beugen wird, aber leider kann man auch kaum erwarten, daß die Sachverständigen nun klipp und klar Deutschlands Zahlungsunfähigkeit feftfteUen und für bewiesen erachten, daß der wirtschaftliche Unsinn der Reparationen daran die Hauptschuld trage, ohne deren Beseitigung an eine Behebung der Weltwirt- schastskrisis nicht zu denken sei So wird das deutsche Volk auch in diesem Jahre wieder unter den Lichterbaum, das Symbol der Hoffnung, treten mit dem beklemmenden Gefühl, daß die Weihnachtsbotschaft vom Frieden auf Erden noch immer Verheißung bleibt, aber auch in dem Bewußtsein, mit letzter Kraft für die großen Entsck-eidungen gerüstet zu sein, die jetzt kommen müssen, wenn nicht Unvernunft unb Starrheit, Selbstsucht unb Mißtrauen diese gequälte Welt in Finsternis unb Chaos stoßen sollen.


