S.Jl.-jport
Skifahrten in der blauen Silvretta.
Hauptmann Freund spricht.
Am Dienstagabend sprach in der Neuen Aula der Universität der vielen Gießener Skisportlern und besonder- den Studenten sehr gut bekannte Be^ührer Hauptmann Freund über seine Ski, ährten in der Silvretta. Die Aula war bi- auf den letzten Platz besetzt. Dr. Möckelmann sprach einige einleitende Worte. Hauptmann Freund, lebhast begrübt, schilderte zunächst in humorvoller Form die geographische Lage der Silvretta, die politische Situation in Tirol, er schilderte auch die durch die Notverordnung geschaffenen Schwierigkeiten, die heute einer Reise nach Tirol entgegenstehen, und gab in dieser Hinsicht einige praktische Winke. An Hand von Lichtbildern führte er dann seine Zuhörer in die Berge der Silvretta. 3n leichtem Plauderton wuhte er von seinen Bergtouren, die er al- Bergführer unternahm, von den mannigfachen Schwierigkeiten einer Skitour in die höheren Regionen, von dem Leben und Treiben in den Hütten, von guten und schlechten Hüttenmanieren zu erzählen und so den Zuhörern etwas von der Stimmung zu vermitteln, die über den Bergen liegt. Er vergast nicht, die mannigfachen Gefahren zu erwähnen, die einem Skiläufer In diesem Gebiete drohen, von den Notwendigkeiten der Unterordnung unter den Führer, von der Ausrüstung, von dec Notwendigkeit der Hilfsbereitschaft und von dem Mut, der eine DorauLsehung für schwierigere Be.gbesteigungen ist. Besonder- eingehend befastte sich der Redner mit den Gefahren der Lawinen; er verstand cs ausgezeichnet, das Wesen und die Art dieser Gefahr zu skizzieren, er räumte aber gleichzeitig auch manche falsche vor- gefastte Meinung auS dem Weg und sprach von den Hilfsmitteln, die dem Skiläufer zur Verfügung stehen und ihm im Ernstfälle einen im Rahmen menschlichen Ermessens zuverlässigen Schuh bieten. Sehr unterhaltsam waren seine Ausführungen über die von ihm in die Silvretta geführten Skiläufer, die er ebenfalls sehr humorvoll wiederzugebcn vermochte. 3m Bild lernten die Zuhörer die einzelnen Berge, Piz Linard, Silvrettahorn, Piz Buin, Groh-Litze usw., dieser Gebirg.gruppe kennen. Schöne Aufnahmen von den gigantischen Berggipfeln, den zerrissenen Felsgruppcn einzelner Berge, den weiten schnee- bedcctten Talflächen, den für den Skiläufer geradezu idealen Hängen, und von den tückischen Gletschern, die in diesem Gebiete sehr häufig den Skiläufer und Bergsteiger auf harte Proben stellen, bereicherten den Vortrag. Der Vortrog sand lebhaften Beifall. Veranstalter waren das 3nstitut für Leibesübung an der Universität und der Skiklub Giesten. 3m Anfchluh an den Vortrag verbrachten die Skisportler noch eine unterhaltsame Stunde im Stadtkaffee.
VfB-Gießen.
VfB. III — Steinbach komb. 6:4.
Auf dem Waldsportplah lieferten sich obige Mannschaften ein Freundschaftsspiel, das die technisch bessere Mannschaft als Sieger sah. Steinbach stellte eine flinke Elf, deren Sturm du.ch verständnisvolles Spiel der VfB -Verteidigung oft das Nachsehen hatte. Da- torreiche Treffen nahm einen interessanten und fairen Verlauf.
Jugcndsplele.
vsv. 1. Jugend — BfR. Butzbach 1. Jugend 1:1 (0:0).
Die DsD-3ugcnd spielte am vergangenen Sonntag ganz auster Form. Durch Verschiesten eines Elfmeters vergab sie zudem noch leichtsinnig den Sieg. Butzbach stellte eine körperlich sehr kräftige und gut eingespielte Mannschaft. Wessen Md bin ich?
Vornan von $r. Lehne.
(Urheberschutz durch E. Ackermann, Romanzentrcck« Stuttgart.)
7. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
5.
3n Reinshagen war man In freudiger Erregung: man erwartete den Sohn nach längerer Abwesenheit zurück. Während der letzten 3ahre war er viel auf Reisen gewesen. Hanno hatte sich doch einmal in der Welt umschauen wollen, ehe er sesthaft wurde.
Er war nun siebcnundzwanzig 3ahre alt, und die Sehnsucht nach der eigenen Scholle war groh. Mit dem väterlichen Besitz rechnete er ganz bestimmt. Der Vater hatte ihm versprochen, ihm das Gut zu übergeben und sich von der Leitung zurückzuzfth.n. Bei Hann s stark ausgeprägtem Selbstbcwuhtsein hätte Reinshagen nicht zwei Herren vertragen. Das gräfliche Paar beabsich- tlgte seinen Wohnsitz für den gröhten Tell dcS 3ahrcs nach Dresden zu verlegen, mit Rücksicht aus die Tochter, die nun erwachsen und in die Gesellschaft eingesührt werden sollte, wobei der Gedanke an eine passende Heiratsgelegcnheit für 3nga bei der Gräfin im stillen eine grohe Rolle spielte.
3nga sollte Bälle, Gesellschaften und Theater aeniehen: sie sollte etwas von ihrer 3ugcnd haben, wie die Gräfin meinte, die selbst nach den 3ahren ländlicher Zurückgezogenheit nun Verlangen nach einem abwechslungsreichen Stabi- leben bekommen hatte. Alle die Pläne waren nicht im Sinne der stillen, schlichten 3nga: doch ihr Widerspruch wurde von der Mutter nicht gehört Sie sühlte sich am wohlsten in Rein-Hagen: in Küche und Keller ging sie der Mamsell zur Hand, wobei sie ein beachtenswerte- 3nteresse und Geschick zeigt«.
M:t der Mamsell Auguste, die Im Dienste der Herrschaften ergraut, stand sie aus dem besten Fustc. Und die ältliche treue Person liebte ihr Komtestchen über alles. „Komtesse sind die geborene Landedelfrau. ES ist schade, dast Korn- testchen nun nach Dresden müssen und sicher auch dorthin heiraten!"
Lächelnd schüttelte 3nga, die eine sehr anmutige Er'cheinung geworden, den dunklen Kopf.
„Keine Sorge darum, Matz, wenn e- mir nicht mehr gefällt, brenne ich durch! 3d) mag da- viele Detanze nicht, ich bliebe lieber hier —
0b 3nga im innersten Grunde ihre« Herzen» sich wohl ctnzugestehen wagte, weshalb sie lieber in ReinShagcn geblieben wäre? Dast die 3u- gcndfreundschaft. die sie mit dem Ktndheit»-
Gegen Ende de- Spiels erst ging VfB. durch den Halblinken in Führung. Die Gäste glichen bald darauf aus. Dor Sturm der DfB.-3ugendlichen spielte reichlich zerfahren.
Der Gegner der 2. 3ugend blieb auS. Da cs sich um ein Diplomspiel handelte, wurde vom Schiedsrichter das Spiel für VfB. gewonnen erklärt.
Sandball im (hau Hessen (O T.)
Io. £ang-<B5ns I — Tu. Spo. Butzbach n 8:5 (4:1).
Am Sonntag standen sich beide Mannschaften im Freundschaftsspiel gegenüber. Das Spiel litt stark unter der schlechten Bodenbeschaffenheit. Der Platzverein konnte bis zur Halbzeit viermal erfolgreich einsenden, dem die Gäste nur ein Tor ent- gcgensetzen konnten. Noch Seitenwechsel konnten die Gäste das Resultat auf 5.6 stellen und drängten als- bann mächtig auf Ausgleich, jedoch ohne noch einen zählbaren Erfolg zu erzielen. Die Platzherren tonnten noch zweimal erfolgreich einsenden und den Sieg sicherstellen.
To. Grüdingen 1. und 2. komb. — To. Lang- Göns II 14 10:2); To. Grüningen Schüler —- To. Lang-Göns Schüler 0:7 (0:3).
Df£. wchlar I — To. o. 1846 Giesten I 2:4 (2:2).
ES war kein schönes Spiel, das den Zuschauern im Wetzlarer Stadion geboten wurde. Richt ganz schuldlos daran war der Schiedsrichter, der es nicht verstand, Härten zu unterbinden. Da die Hiesigen noch in letzter Minute Umstellungen vornehmen mustten, dauerte es sehr lange, bis sich die Mannschaft fand. Die erste Halbzeit zeigte deshalb auch eine leichte Ueberlegcnheit der Wetzlarer. Kern im Tor verhütete durch sein glänzende- Halten in dieser Zeit eine sonst sichere Niederlage. Nah der Pause klappte eS besser. Der Sturm kombinierte gut und konnte zwei schöne Tore vorlegen, während Wetzlar leer auSgtng. Mit diesem Spiel haben die 1816er dieVerbandSrunde beerbet und stehen mit acht Spielen und 12 Punkten hinter Friedberg an zweiter Stelle der Dezirkstabelle.
Handball im Lahn Oünsberg-Gau.
Gauklasse.
Allendorf I — wieseck I 5:2 (2:1).
Durch einen Strafwurf konnte Allendorf zunächst die Führung übernehmen. Wieseck glich sofort aus. Wieder war es ein Strafwurf, der dem Gastgeber einen weiteren Erfolg einbringt. Bald nach dem Wechsel gelang Wieseck wiederum der Ausgleich. Durch die Verwandlung eines wetteren Strafwurses erhöht der Gastgeber auf 3:2 und erzielt bis zum Schluh noch zwei weitere Erfolge, die den Sieg sicherstellen.
Dorlar I — £onbocf I 1:2 (1:1).
Nach anfänglicher Führung des Gaumeisters glich Dorlar kurz vor dem Wechsel aus. Nach der Pause konnte der Gast mit viel Glück durch ein weiter erzieltes Tor seinen Sieg hallen.
Lczirksklasse.
Erda I — waloglrmes I 0:2 (0:1).
Mit nur einem Erfolg für den Gast ging es in die Pause. Nach dem Wechsel kann Waldgirmes auf 2:0 erhöhen, während dem Platz- besiher jeder Erfolg versagt blieb.
Nordeck l — £ollar I 1:2 (1:1).
Lollar spielte von Anfang an überlegen und konnte in der 15. Minute den Erfolg buchen, dem Nordeck durch einen schwachen Schuh den Ausgleich entgegensetzte. Die zweite Hälfte brachte mit einem weiteren Erfolg für Lollar den Sieg, der bei richtiger Ausnutzung der Torchancen höher sein muhte.
Albach II — Steinbock I 3:6 (2:1).
3n der ersten Hälfte lieferten beide Mannschaften ein zerfahrenes Spiel. Nach dem Wcch-
gcspielen Christian Lenz verband, sich in etwas anderes verwandelt hatte, In eine scheue, tiefe Mädchenltebe?
Der junge Christian Lenz war nun schon ein 3ahr Geistlicher im Dorfe Reinshagen als Nachfolger des Pfarrers Sturm, der sich hatte pensionieren lassen und sein Ruhegehalt in einem kleinen Thüringer Städtchen, dem Heimatorte seiner Frau, verzehrte.
Lehrer Lenz war glücklich, bah sein Herzenswunsch in Erfüllung gegangen: den Sohn an den Sonntagen auf der Kanzel dcS schmucken Dorftirchleins zu sehen.
Und so beliebt war er geworden, „des Lehrers Christel", wie die Dorfbewohner ihn unter sich nannten! Trotz seiner 3ugend, und obwohl man ihn alS Kind gekannt, hatte man großen Respekt vor ihm und brachte ihm grohcs Vertrauen entgegen. Mit allerlei Anliegen kam man zu ihm, und waren sie noch so kraus und verzwickt, er wuhte immer Rat und Hilfe.
Der Wunsch seiner Eltern war, dah er nun bald heiraten möge: doch dazu zeigte er noch nicht die geringste Neigung. Denn an Ordnung und Behaglichkeit brauchte er ja nichts zu entbehren, da die Schwester den größten Teil des TageS im Pfarrhause war und für ihn sorgte.
Ebba war nun achtzehn 3ahre alt und ein Mädchen von auffallender Schönheit. Ebba Lenz hieß sie — denn der Lehrer hatte sie inzwischen gesetzlich adoptiert — und wie ein holdes Lenz- wunder mutete sie an im Schmuck ihres sonnen- goldenen HaareS mit den tiefblauen Augen, dem rosigen, schmalen Gesicht und dem korallenroten seinen Mund«. Nur lächelte dieser rosige Mund gar selten, und die blauen Augen blickten immer so traurig — denn das Geheimnis der Geburt lastete au* ihr — jene- häßlich« Wort „Findling", das die anfang» so srohe Kindheit vergiftet, hatte sie nie vergessen können, nicht liebevollste CItcrnfütforg«, nicht zärtlichst« Bruderliebe. nicht treueste Freundschaft hatten vermocht, sie von diesem Druck zu befreien.
Sie ging der Mutter im Hau-Halt und Garten zur Hand: sie nähte und schneiderte.
Während de- 3ohreS, da- 3nga in einer Pension gewesen, hatte sie im Schlosse da- Kochen gelernt und alle-, was zu einem großen und feinen Haushalt gehört. Und dank ihrer Anpassungsfähigkeit und Beobachtungsgabe, di« sie bei den Herrschaften viel sehen ließ, wozu e» im Elternhaus« feine Gelegenheit gab. hatte sie sich auch zu einer vollendeten jungen Dame entwickelt. die der vornehmsten Familie nur zur Zierde gereichen konnte.
Schwärmerisch liebte sie die 3nqa. die diese» Freundschaftsgefühl In gleicher Stärke erwiderte — man hatte die alte Kindersreundschaft nicht vergessen: unzertrennlich waren die beiden.
fei konnte Steinbach durch bas Nachlaßen der Albacher Hintermannschaft das Spiel sicher gewinnen.
3agenbgruppe.
Garbenleich I — Garbenhrim I 1:4 (0 2).
Beide Mannschaften spielten mll großem Eifer und zeigten schöne Leistungen. Durch daS bessere Schußvermögcn des Gästesturme- konnten diese den Sieg erringen. — 3n einem ausgeglichenen Spiel zwischen Londorf I und Staufenberg I konnte Londorf mit 2:1 einen glücklichen Steg erringen.
NeuedeuffcheGchwimmerfolgeinWien.
Am zweiten Tage d«S internationalen Schwimmfestes der Danubia Wien im Diana- Bad konnten die Vertreter von Poseidon Leipzig einige weitere schöne Erfolge verzeichnen. 3n den Staffeln mußten die Leipziger, wie schon am Samstag. meist mit Plätzen vorlieb nehmen, lediglich die Damen der Poseidonen konnten die 3mal 200-Meter-Bruststastel in 1022.4 überlegen an sich bringen. Der frühere deutsche Meister Koppen, Leipzig, holte sich das 200-Metcr- Brustschwimmen in 2:56,8 sicher vor den Wiener Schwimmern.
Kurze Sportnotizen.
Di« DSB. plant, auch eine Expedition der grauen, die voraussichtlich auS sieben Leichtathletinnen bestehen wird, zu den Olympischen Spielen nach Los Angeles zu cnifenöen.
3m Stuttgarter Sechstagerennen bildeten nach 115 Stunden vier Paare die Spitzengruppe, und zwar Richli Buichcnhagen 343 P.. Charlier Deneef 252 P., Ehrner Kroschel 75 P., sowie Rausch, Hürtgen 66 P.
Hamburg gewann den Städtekamps im Fußball gegen Berlin mit 2:1, während es im Hockey ebenfalls gegen Berlin ein ehrenvolles ^-Ergebnis erzwingen konnte.
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Die Berliner Fußballspiele am Bußtag sahen Eintracht Frankfurt mit 2:1 gegen den Berliner SD. 92 und München 1860 mit 2:0 gegen Tenms/Borussia Berlin erfolgreich.
Der Deutsche Tennis.Bund gibt de- könnt, daß Schaukämpfe zwischen Amateuren und Professionals, wie sie jetzt verschiedentlich zugunsten von Wohltätigkeitszwecken geplant sind, ausnahms- los nach der geltenden Wettspielordnung verboten sind.
Ferdl Lwatosch, der bekannte ehemalige österreichische 3nternationale und frühere Sturmführer von Köln/Sülz 07 ist ab 1. 3anuar 1932 wieder spielberechtigt, und zwar für den SC Sonnborn.
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Englands Tennisrangliste sieht bei den Herren wieder den jetzt verheirateten Bunny Austin an der Spitze, gefolgt von dem in diesem Jahre mächtig aufstrebenden Perry, Hughes, Lee und Kingsley. Bei den Damen führt Miß Fearnlcy Whittinsstall vor Betty Nuthall, Mudford, Nound und Heeley.
Oedland-Kuliivierunq im Westerwald.
(WSN.) Dom Westerwald, 18. Noo. Große Oedlandflächen im Gebiete des W e st e r • waldes harren schon seit langen Jahren der Kultivierung, die vom Staate unterstützt wird. Dor etwa einem Jahre begann man mit der Kulti- vierung der Heide bei dem Dorfe Elgert, die etwa 110 Morgen groß ist und in Weidengelände umgewandelt werden soll. Man gründete eine Wcldeaenossenschaft, deren Mitglieder im Laufe eines Jahres bereits 22 Morgen des Oedlandes um- gebrochen haben. Die Dauern haben die Kultivie-
Wenn die Gräfin In der Stadt Einkäufe für sich und 3nga zu besorgen hatte, so mußte auf 3ngas Wunsch Ebba die Damen begleiten. Abends besuchte man das Theater: und diese Theatervorstellungen waren dann das Köstlichste, was Ebba je erlebt! Mit heißen Wangen und leuchtenden Augen lauschte sie den Offenbarungen, die ihr von der Bühne her wurden: eine Well tat sich ihr da auf, von der sie bis dahin keine Ahnung gehabt. 3n ihren Gedanken beschäftigte sie sich unausgesetzt mit dem Gesehenen — „Maria Stuart", „Die Braut von Messina", „Lohengrin" — die Gräfin hatte ja immer klug für die jungen Mädchen gewählt-ah, mußte e« nicht ein erhebendes Gefühl sein, da eben -u stehen und die Gedanken und Töne der Dichter lebendig werden zu lassen?
Abends vor dem Schlafengehen machten ihre Gedanken abenteuerliche Fayrten. gingen ihre Wünsche in Gebiete, von denen sie zu niemanden zu sprechen wagte — sie sah sich selbst als Maria Stuart oder Beatrice oder Gretchen auf der Bühne.
Ach, Ziele, unerreichbar für ein Findelkind — doch in ihren Gedanken ging sie wie in einem Wundergärtlein spazieren. Und sie fühlte sich ganz glücklich darin.--
Nun war Hanno Reinshagen wieder da und erfüllte das HauS mit feiner lebensvollen Per- sönlichkell. Er war ein breitschultriger, großer, blonder Mensch, strotzend von Kraft und Gesundheit: etwa» Sieghaftes, Unwiderstehliche» ffing von ihm aus.
Für den Sonntagnachmittag hatte man den Jungen Pfarrherrn zu Tisch eingelaben. was man einmal im Monat zu tun pflegte. Und 3rga hatte die Freundin zum Kaffee gebeten. Die Sommerwochen biS Ende Septemb.-r würden schnell vergehen, und diese kurze Zell wollten die beiden auSnützen.
Und Ebba ging gern auf» Schloß.
Sie trug ein sehr hüb'ches weißes Kleid. Bildschön sah sie au», und bewundernd sahen die LehrcrSleute ihr nach, bewundernd und in Liebe.
„Wenn Ebba» Eltern sie sehen würden!" sagte der Lehrer unwillkürlich au» seinem Dedanken- garge herau».
Da traf ihn ein beinahe feindseliger Blick seiner Frau, und erregt entgegnete sie:
„Ebba» Ellern? Ebba» Eltern sind wir? Andere Ellern hat fit nicht!" Und doch lebte ständig in ihr die heimliche De'ürchtung, daß man eine» Tage» versuchen würde, Ebba toeasußolcn. Aber sie würde um diese» Kind kämpfen wie eine Löwin um ihr 3ungc»l
Etwa» zum Sorgen und Befürchten mußte Frau Berta ja Immer haben! —
— — — Voller Ungeduld war 3nga der Freundin schon entgegengegangen. Kurz vor dem
rurgsorbeiten In ihrer Freizeit ausgeführt und er» halten c.m S.aat zur Anschaffung von Materialien Zuschüsse. AehnUch der Kultivierung der Heid« bei Elgert sind weitete Äultioierungspläne in anderen Teilen des Wcfterwaldes in Aussicht genommen. So 3. B die Heidkslachcn bei den Orten Hohnerbusch, Wink Hagen, Rederscheid, Wienau. Um den Heideboden für den Weidebetrieb umzustellcn. wird zunächst eine dreijährige Bepflanzung mit Römer- und Hackfrucht erforderlich Noch insgesamt sieben Jahren wird das Oedland für eine lohnende Diehwirtschaft genügend umgcftcQt fein.
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Auflösung des Wormser EiadtratS gefordert.
WSN. Worm», 18. Nov. Die StadtratSsrak- tion der Deutschen Volk-Partei hat den Antrag auf Auflösung de- Stadtratgestellt. Dieser Antrag wird damit begründet, daß da- Srgebni- bet hessischen Landtag s w a h l eine derartige Verschiebung be» Stimmenverhältnisse» zwischen den einzelnen Parteien gebracht habe, daß der Bürgerschaft Gelegenheit gegeben werden müsse, die Zusammensetzung de- Stadtrat» neu zu bestimmen.
Dolksschriststeller Heinrich Tlaumann 75 Zähre alt.
1[ Marburg. 18. Nov. Am 20. November begeht ein treuer Sohn de- Hessenlande-, der Volk»- schriftstellcr und -d.chter Heinrich Naumann in Nauchaulen, seinen 7 5. Geburtstag. 3n seinem idyllischen und beschaulichen Heimatwinkel, bei harter Dauernarbeit sammelte Naumann seine Lebensweisheit und brachte sie zu Papier. Kernige Dauemgcstalten, tiefsinnige Naturbeobachtungen, Gottesfurcht und Vaterland-liebe leuchten un- in seinen zahlreichen Schriften entgegen, die oft auch köstlicher Humor durchweht. Al» Redner bei kirchlichen, vaterländischen oder heimatlichen Veranstaltungen ist Naumann durch seine voll»- tümliche Redeweise und schlichte Art weit über die Grenzen de- Hessenlandes bekannt und geschäht. Lange 3ahre war er eifriger Mitarbeiter in zahlreichen Kreiskommissionen und der Roifs- eisenorganisation, ferner ist er Laien Vertreter der oberhe'sisch-lutherischen Kirchengemeinschaft in der Gesamtsynode zu Kassel. Noch heute, an der Schwelle seine» 75. Lebensjahre». Ist er. der Mann des Pfluges und der Feder, noch landwirtschaftlich und literarisch tätig, soweit e» seine Kräfte zulassen.
Renovierung der Marburger Elisabethkirche.
WSN. Marburg, 18. Nov. Au« Anlaß der 700. Wiederkehr de- Todc-tage» der Landgrüsin Elisabeth von Hessen ist die au» dem 12. Jahrhundert stammende Elisabethkirche, eine» der ältesten rein gotischen Bauwerke Deutschlands, im Laufe dieses Sommer» einer großzügigen Renovierung unterworfen worden. Man hat bafxio eie Stilwidrigkeiten und Geschmacklosigkeiten, die sich bei der letzten Renovierung vor etwa 80 3ahren eingcschlichcn hatten, beseitigt und, soweit e-möglich war, die ursprüngliche Stllreinheit wieder her- gestellt. So wurde der damal- erneuerte Dachreiter über dem Chor, der mit seinen vielen Verzierungen au- Zinkblech überhaupt nicht Im Einklang zu den schlicht gehaltenen Hauptti rmen stand, völlig abgerissen und durch einen neuen ersetzt, der an Hand von allen Stichen der ursprünglichen Form entspricht. Da- gesamte Kirchendach wurde neu mit Schiefer gedeckt. 3m Linner en der Kirche, die seither mit einem rosafarben Verputz überzogen war, hat man den Naturstein mit Fugen wieder freigelegt, der nunmehr den steinernen Massen der Pfeiler und Spitzbogen zu monumentaler Wirkung verhilft. Die reich vergoldete seitlich« Kanzel aus Vogesensandstein, ein Geschenk der preußischen
Parkeingang trafen fie sich, und Arm in Arm schlenderten sie durch den Park nach dem Schloss«. Die Gräfin halte sich zurückgezogen, um au ruhen, während die Herren allerlei wirtschaftliche und Gemeindefragcn erörterten, wobei 3nga sich überflüssig fühlte.
Die beiden jungen Damen besorgten unter einer großen schattenspendenden Ulme den Äaffee» tisch: 3nga suchte immer im Sommer jeden Tag ein andere- Plätzchen im geliebten Park au», wo man den Kasse« trank, und lächelnd ließ di« Mutter sie gewähren.
Schon am frühen Morgen halte sie mll der Mamsell verschiedene Kuchen gebacken, die nun einladend auf der buntgestickten Decke standen.
Die Augustsonne lag im breiten und goldenen Scheine auf den foftigprünen Rasenflächen, und betäubend dufteten Die Rosen auf dem großen Rondell.
Während Ebba die Kaffeemaschine bediente, weckte 3nga die Mama und bat die Herren zum Kaffee. Von dem dämmerigen, grüngoldigen nrunb hob sich Ebba» weiße Gestalt sörm- chaft ab; verlorene Sonnenstrahlen spielten in ihrem Haar und ließen e- wie lautere» Gold ausleuchten. Ebba war eine vollendet« Schönheit. Geradezu verblüffend wirkte di« Erscheinung diese» Mädchen». Hanno empfand die» wie eine Oftenbarung: wie feftgebannt blieb er stehen, indcslen sein Vater mit dem jungen Geistlichen weiterging, gar nicht auf ihn achtend, da sie in lebhaftem Gespräch begriffen waren.
Da» war Ebba Lenz, die Nein« Krabbe au» dem Schulhause, der bildhüb'che Backfisch mit den zwei Hänge öp'cn, um den er sich tvc gekümmert? Wie hatte sich da» Mädel entwickelt! Zu einer so auffallenden Schönheit, wie er kaum eine gesehen! Mit einem Blick hatte er da» erfaßt Diese wundervoll gewachsene biegsame Gestalt, da» schmale, edelgeschnittene Gesicht mit dem köstlichen keuschen Munde und den ttefleuchtenden Blauaugen — wo gab e» das wieder?
3n seiner frischen, ursprünglichen Weise begrüßte er dann Sbba, sie scherzend fragend, ob sie sich seiner noch erinnere.
.Freilich!" rief 3nga lustig, .nie hat Ebba e» dir vergessen, daß du sie und mich immer .Gänse* genannt hast! Tödlich gekränkt war sie —-
„O weh. da muß ich mich nun bemühen, diese» Verbrechen wieder gutzumachen! Nachträglich bitt« ich um Verzeihung, kann aber zu meiner Entschuldigung ansühren. daß eine Gan» für mich stet» der 3rbcgriff be» Genüsse» war — ich habe mit dieser Bezeichnung den jungen Damen also pur meine Hochachtung zeigen toofien!"
Man lacht«.
(Fortsetzung folgt)


