Ausgabe 
19.11.1931
 
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völkerung um weitere Millionen Die Südmand^ schurei ist bereits fast vollständig erschlossen, wenn sie auch immer noch Menschen aufnehmen kann. Sn etwas geringerem Mähe gilt daS auch für Äitin u<> den südlichen Teil von Heilungkiang. Roch fast völliges Wildnisgebiet, eben erst in der beginnenden Erschließung, ist der grobe nördliche Teil von Heilungkiang, das Gebiet -wischen der russischen Grenze am Amur und der Chinesischen Ostbahn, unser Forschungsgebiet. Allein im Früh­jahr 1927 sind nach der Schätzung der Eisen- bahndirektion in Eharbin hier herauf eine Million Chinesen gekommen, im Frühjahr 1928 noch et­liches mehr.

DaS ist die mandschurische Völker­wanderung, die wir hier an Ort und Stelle erleben werden, eine Völkerwanderung, die wenig­stens an Umfang weit über die historische Völker­wanderung deS ausgehenden Altertums hinaus- geht. Und ihre Bedeutung für Asien ist auch nicht so sehr viel geringer. Hat doch die Mandschurei geopolitisch etwa die gleiche Schlüsselstellung für Rordostasien wie Indien für Südasien!

Sn diesen Jahren seit 1906 ist die Mandschurei. daS alte Reservat der MandschuS, zur chi ne« sischenKolonie geworden. Zu einer Ko­lonie, die ausgebeutet und zugleich kultiviert wird. Man kann sie nicht auf eine Stufe mit Kolonien europäischer Mächte stellen. Auch chine­sische Kolonialpolitik hat ihr besonderes Gesicht. Aber eine Kolonie sieht immer anders aus als das Mutterland. Um so mehr bin ich gespannt darauf, wie chinesische Kolonialpolitik in ihren ersten Anfängen aussieht.

Was an chinesischen Ansiedlern hereingeht in den Amurbogen, kommt über die Provinzhaupt­stadt Tsitsikar. Hier streifen sie das alte China ab und werden zu den Freibeutern der Wildnis, die der Vortrupp der Kolonisation sind. Die Stadt Lsitsikar zeugt bereits davon. Etöhner hat mich mit meinem Gepäck in zwei der kleinen vierräderigen russischen Pferdewagen gepackt, eine Art Phaeton, die auch im Strahenbild die ande­ren Fahrzeuge verdrängt haben. Rur am Vamen stehen noch ein paar von den alten chinesischen Wagen, zweiräderige, federlose Karren mit Maul­eseln. Rickshas sind überhaupt nur ein Dutzend in der Stadt. Kolonialgesicht! Sn den Aeußeriich- feiten hat man von Rußland übernommen, was brauchbar erscheint, wenn es auch niemand ein­fallen wird, die russische Herkunft zuzugestehen. Da^u kommen noch einzelne Eingeborenenkarren, hochräderige Arden von dogcartähnlicher Bauart, und die rücksichtslos durch die engen belebten Stra­fen rasenden Autos der Provinzialverwaltung, rie den in der Luft herumschwirrenden Staub chier unerträglich machen. Dabei steht schon vor edem HauS eine Wassertonne, aus der die Haus­besitzer alle Stunde die Straße besprengen müssen. Aber wer kann gegen die Glut der mandschurischen Sonne an, die einem schon beim ruhigen Sitzen im Schatten den Schweiß aus allen Poren treibt?

Die Russenwagen, die nur wenige Gent- kosten, werden von aller Welt benutzt: der Chinese hat auch an den kleinsten Gängen zu Fuß keinen Spaß. Besonders die Soldaten, die sich oft zu sechs im zweisitzigen Wagen von dem armseligen Schinder herumfahren lassen. Die Soldaten sind über­haupt ein Kapitel für sich! Mit dem Militär an der Ostbahn, daS von der Bahn ausgerüstet unö besoldet wird, sind sie nicht zu vergleichen, äleber- all laufen sie in Unmengen zu allen Tageszeiten herum, bald mehr, meistens wen ger ordentlich an* gezogen und, abgesehen von dem unvermeidlichen Fächer, mit irgendwelchem schönen Zierrat aus­staffiert, bei Regen auch mit Schirm. Die Uni­formen sind vernachlässigt, die Fußbekleidung ist im allgemeinen der leichte chinesische Tuchschuh, darüber nach einem Stück Strumpf eine gelbe oder schwarze Miniaturwickelgamasche.

Die Familie kommt vor dem Staat. DaS ist die Grundlage der chinesischen Kultur wie der chinesischen Politik. Hier ist der Ursprung der Entwicklung Chinas durch die Sahrtausende, zu­gleich die Erklärung auch für staatliche Organi- sationSmängel. Ein Beispiel dafür auS den letzten Wochen aus der Millionenstadt Honin: Der Mittelpunkt eines von Tausenden besuchten Tempelfestes war die Vollziehung der fürchter­lichen Strafe an Gattenmördern. Eine Frau hatte mit ihrem Geliebten und ihrer Mutter den Mann ermordet und zerstückelt. Bei der Unantastbar­keit der ehelichen Treue durch die Frau war schon die Liebelei ein todeswürdiges Verbrechen. Dazu der Mord und dann noch die Zerstückelung, die die Heimkehr des Toten in die heimatlichen Gefilde unmöglich macht.

Ist die Ahnenverehrung überall die Grund­lage des religiösen Kultes, so kommt in der Mandschurei, dem Kolonialland, noch dazu, daß die Geschlossenheit der Ahnenreihe, gebunden an den Boden der ursprünglichen Hei­mat, durch die besondere Art der Beerdigung sichergestellt werden muh. Die Chinesen hier stammen ja aus allen Teilen Rord- und Süd- chinaS. Dorthin muß die Seele des Toten zu­rückkehren können. DaS kann sie nur, wenn die unverletzte Leiche nicht in den Boden kommt, sondern im Freien auSgesetzt wird. Die Art der Aussetzung ist verschieden, richtet sich auch nach dem Vermögen. Der Reiche nimmt einen großen schweren Sarg auS dicken, bunt­bemalten Bohlen, der auf den eigenen Acker ge­stellt, unter Umständen auch noch mit einer Dacksteinummauerung, mit einem kleinen Loch für die Seele, umgeben wird. Der Arme hat nur ein paar dünne Bretter, die leicht mit Erde beworfen werden. Oft wird er auch einfach auf nkbt in den Boden gelegt und darüber ein Heiner Hügel geschüttet. Was dann weiter damit wird, kümmert keinen. Da spült das Hoch- wasfer^ gelegentlich die Särge weg, da mögen me Wölfe die Hügel ausfcharren und die Kreuz­ottern sich in den verfallenen Särgen einnisten. 5>le einmal bestattete Leiche interessiert nicht mehr, wenn nur dem Ahnenkult Genüge getan wird.

Dazu muß aber die Leiche unverletzt sein. Darum sind ja auch bei Hinrichtungen die Ver­wandten schnell dabei, ergreifen den eben ab- gebauenen Kopf und nähen ihn sofort wieder an den Rumpf Um so schlimmer daS Ver­brechen der Gattenmörder, die dabei erwischt wurden wie sie die Leichenteile auS der Stadt herauSbrachten. um sie zu verscharren. Die Strafe Mr alle drei war natürlich der Tod. Die Che-

®ar äulangfamem Tod" verdammt, der mit allmah ichem. zentlmcterweisen Abfchneiden der Crtrcmitäten und Glieder begann Ihre OHutter wurde erdrosselt, aber unter stunden- langem Würgen, so daß sie immer wieder Luft schnappen konnte. Und der Liebhaber wurde mit glühendem Eisen stückweise zerfleischt und ver- brannt. Morgen« begann das Temvelfest abends war eS zu Ende. DaS ist die Hechbaltuna der Fa- I milie die auch für die freie Republik China sakrosankt ist.

Aus aller Well.

Reichsschuhverband Deutscher Baujparer.

3n Heidewerg hielt der Reichsschutzoerband Deut« scher Bausparer e. 23. seine Generalversammlung ab. Zunächst erstattete der Geschäftsführer Lauter Bericht über die bisherige Tätigkeit des Derbandes. Der Reichsschutzoerband Deutscher Bausparer sieht seine Ausgabe als Interessenvertretung der in ihm organisierten Bausparer darin, die Bausparer in sämtlichen Bausparangelegenheiten zu beraten. Sein Kampf um die Reinigung des Bauspargedankens gilt allen Auswüchsen, die gerade in der letzten Zeit den Bauspargedanken überwuchern wollen. Er wird >hn auch trotz des Bausparkosjengesetzes in aller Scharfe fortsetzen. Die Dersammlung beschloß, die Regierung aufzufordern, rechtzeitig wirkungsvolle Vorkehrungen zum Schutze derjenigen Bausparer zu treffen, deren Kassen nicht vom Reichsaufsichtsamt die Genehmi­gung zur Weiterführung der ©efchäfte erhalten. Rechtsanwalt Dr. Bauer-Mengelderg (Heidelberg) sprach überFußangeln im Bausparvertrag". Solche Fußangeln sind Bestimmungen über das Zuteilungs- system und die Möglichkeit ihrer Aenderung üoer Kündigung oder Abtretung des Bausparvertrages, Ermäßigung der Bausparsumme usw. Erst wenn wir ein Bausparrecht haben, ähnlich wie heute beim Der« sicherungswesen, ist hier eine Besserung zu erwarten.

Kriegsopfer gedenken der Toten.

Der Reichsbund der Kriegsbeschä­digten, Kriegsteilnehmer und Krie- gerhinterblicbenen veranstaltet am To­tensonntag, nachmittags 2 Uhr, im Reichstag eine Gedächtnisfeier für die Toten des Welt­krieges. Die Gedenkrede "des Dundcsvorsitzenden P f ä n b n c r wird umrahmt von Rezitatiönen, Gesangsvorträgen und musikalischen DarbieMngen eines Doppelquartetts. Das Programm wird vom Rundfunksender Mühlacker übertragen. Der Herr Reichspräsident, die Mitglieder des Reichskabinetts und des Reichstages sind zu der Feier eingeladen.

Schiffsunfall auf dem Rhein.

Bei Et. Goarshausen ereignete sich auf dem Rhein ein schwerer Schyfszusammenstoh. Der DchraubenschleppdampferMargaretha" brachte einen Schleppzug von vier Kähnen zu Tal und drehte wegen des dichten Rebels in der Rähe des Sicherheitshafens bei St. Goars­hausen auf. Kurze Zeit darauf kam ein zweiter Schlep pzug ebenfalls zu Tal. Er wollte an der gleichen Stelle aufdrehen. Dabei stieß daS Schleppboot mit einem Lastkahn im Schlepp- -ug derMargaretha" zusammen. Der Lastkahn wurde schwer beschädigt. Er hatte Färb- und Säure st offe aus den Höchster Farb­werken geladen. Glücklicherweise wurde kein Be­hälter der chemischen Stoffe beschädigt, so daß ernste Gefahren für die Orte St. Goarshausen und St. Goar vermieden wurden. Die Größe der Gefahr erhellt daraus, daß über 56 Tonnen Säurestoffe geladen waren. Ihr Freiwerden hätte die ernstesten Schäden für Leben und Gesundheit der Bevölkerung zur Folge gehabt.

Lin Brautpaar auf dem Wege zur Kirche ertrunken.

Auf dem Wege zur Trauung ist in Finnland ein Brautpaar in einem Fluh ertrunken. Der Kraftwagen, in dem sie zur Kirche fuhren, geriet auf der Fluhbrücke ins Schleudern und stürzte i n S W a s s e r. Der Wagenführer und eine neben ihm fitzende Person konnten sich im letzten Augen­blick retten: das Brautpaar ging mit dem Wagen unter.

Das Auto im Bach.

Sin Mercedeswagen? der mit zwei Herren be­setzt war, rannte im Brohltal auf der ab­schüssigen Straße unweit der Ronnsmühle die Böschung hinab und fiel in den tiefen Drohlbach. Der Wagen überschlug sich dabei unb bie Snfaffen kamen unter bas schwere Auto zu liegen. Der Führer bes Wagens war sofort tot. Sein Mitfahrer würbe lebensgefährlich ver­letzt. Erst eine halbe Stunde nach dem Unfall

Oer Landtag tritt erst am 8. Dezember zusammen.

Darmstadl, 18. Rov. (WSR.) Da der alte Landtag nach den Bestimmungen der Verfassung erst am 7. Dezember abläusl, tritt der neu­gewählte Landtag gemäß Artikel 22 am S. De- jember 1931 zusammen. Der alte Landtag wurde zwar am 13. November 1927 gewählt, sein Vor­gänger dauerte aber bis zum 7. Dezember 1927, und deshalb hat die Wahldauer des Landtags 1927'31 erst mit dem Ablauf des genannten Tages begonnen.

Polizeiferien in Hessen.

Darmstadt, 18. Roo. (WSR.) Zur Erholung der während des Wahlkampfe» übermäßig in An­spruch genommenen hessischen Polizei und zur Be­ruhigung der Bevölkerung nach den wochenlangen erregten Parteikämpfen hat der Minister des In­nern in Ergänzung de» Umzugsverbot» die firei»- und Polizeiämter angewiesen, daß in der Zett vom 18. November bi» 15. Dezember einschließlich die politische Versammlungstätigkeit vorübergehend elnzuschränken ist. E» sind alle öffentlichen politischen Versammlungen in geschlosse­nem Raum zu verbieten, ferner auch Mit­gliederversammlungen, die lediglich al» Ersahvcrsammlungen zur Umgehung diese» Verbots abgebalten werden und eine» besonderen polizeilichen Schuhe» bedürfen.

öer Schiedsspruch der Eisenbahnarbeiter.

Die Gewerkschaft deutscher Eisenbahner, Gau jranffurt a. M., schreibt uns: Am 11. November in der Lohnstreitsache der Eisenbahnarbeiter ein Schiedsspruch gefällt worden, der die Löhne der 24jährigen Arbeiter in der Ort-klasse A in allen Lohngruppen um 41 o H. senkt. Die Reichsbahn« Hauptverwaltung bat diesen Schiedsspruch angenorn« men und gleichzeitig beim Reichsarbeitsministerium bic Verbindlichkeit serkläruna beantragt, die inzwischen erfolgt ist.

Sn den Kreisen der betroffenen Eisenbahnarbelter bat dieser Schiedsspruch leidenschaftliche Proteste bei den Funktionären der Eisenbahner-Gewerkschaften ausgeluff. Besonder» empört sind die Arbeiter des Dlrektionsbezirk» Frankfurt a. Main, weil gerade hier trog aller bisher gebrachten Opfer an Feierschichten. die schon eine erhebliche Lohnduhe

entdeckten Vorübergehende daS Im Dach liegende Auto und leisteten dem Schwer ersetzten Hilfe.

Explosionsunglück

an Bord eine» chinesischen Motorschiffe».

An Bord des MotorschcffeSStu**, daS a u f dem Vangtfe Verwendung findet, hat sich eine Explosion ereignet, der 14 Menschen­leben zum Opfer gefallen sind- Die Explosion geschah im Maschinenraum, wo vier Heizer und Maschinisten getötet wur­den. Das Schiff, das 200 Fahrgäste an Bord hatte, fing sofort Feuer und in der darauf folgenden Panik sprangen zehn Chinesen über Bord und ertranken. Dem Kapitän gelang es trotz der hohen Flammen, die bald da­ganze Schiff ergriffen, fein Fahrzeug bei Tfchung- kiang auf Grund z u sehen und Fahrgäste und Besatzung au retten. Der Kapitän und mehrere Fahrgäste der 1. Klasse wurden von den Behö.den fest genommen und mehrere Stun­den lang in Haft behalten.

Kamps mit einer Einbrecherbande.

Sn Barcelona versuchte die Polizei eine Verbrecherbande auszuheben, die sich in einet berüchtigten Bar verschanzt hatte. Da die Beamten mit Schüssen empfangen wurden, wurde das ileberfalltommanöo herbeigerufen. Es entspann sich eine über zwei Stunden dauernde Schießerei, in deren Verlauf fünf Perso­nen getötet wurden, darunter ein Polizeioffi­zier, zwei Polizisten, eine Frau und einer der Verbrecher. Der Rest der Bande konnte über die Hausdächer entliehen.

Da» Rittergut der Lahufen».

Der Zusammenbruch des Nordwolle« Konzerns hat auch für das Ostprignitzer Ritter­gut F r e tz d o r f (Mark Brandenburg) schwere Fol­gen gehabt. Die Hauptritterschaftsdirektion als Hauptgläubigerin hat nunmehr über das G. C. La- hufen (Nordwolle, Bremen) gehörige Rittergut Fretz, darf die Zwangsoerwaltung angeordnet und gleichzeitig die Zwangsoer st eigeruna bean. antragt. Zum Zwangsoerwalter wurde Diplom- Landwirt Dr. Erich Meyer-Burow ernannt Das etwa 24 000 Morgen große Rittergut wird voraus­sichtlich im Frühjahr des nächsten Jahres zur Der- Steigerung kommen.

3m weißen Röhl" gefährdet den Bestand der Tschechischen Republik.

Sm Kampfe der tschechischen Behörden gegen Erinnerungen an die deutsche Vergangenheit dürfte es der Polizei in Troppau gelungen sein, den Vogel abzuschiehen. Sie verhängte gegen den Schriftleiter Fischer von der Tageszeitung Deutsche Post" eine fünftägige Arrcststrafe, um« gewandelt in eine Geldstrafe von 500 Kronen, weil Fischer bei einer Aufführung des Stückes Sm weißen Röhl" im Troppauer Stadt- theater dem Darsteller des ehemaligen österreichischen Kaisers sehr lebhaft Bei- fall gespendet hat. Die Strafe wurde verhängt, obwohl §. nachwies, daß der Beifall ledig­lich dem Darsteller, der ein persönlick^r Freund von ihm ist gegolten hatte. Die tschechische Polizei ließ es aber bei der Verurteilung des Schriftleiters nicht bewenden. Sie verbot außer­dem dem betreffenden Schauspieler, weiter in der Maske Kaiser Franz SosephS aufzutreten und un­tersagte den Gebrauch des Worte- ,M a j e ft ä t" auf der Bühne.

Traktoren zum Festhalten de» Zeppelin.

Bei dem LuftschiffGraf Zeppelin" wurde auf dem Werftgelände ein Versuch angestellt, die großen Landetaue statt durch Haltemann- schaften durch Traktoren festhalten zu lassen. Der Versuch verlief befriedigend.

Schneefall im Riefengebirge.

Sm Riesengebirge hat kräftiger Schneefall ein­gesetzt. Die Schneelage im Gebirge beträgt über zehn Zentimeter. Auf dem Gebirge sind 6 Grad Kälte, im Tal noch 2 Grad Wärme.

zur Folge hatten und die die Eisenbahnarbeiter im Interesse ihrer Kollegen gebracht haben, über 200 Kündigungen ausgesprochen wurden, für die Arbeitsgerichtsklagen zur Zeit am Arbeitsgericht Frankfurt schweben.

Di« Gewerkschaft deutscher Eisenbahner hatte vom Reichsarbeitsminister die Ablehnung der Verbind­lichkeit gefordert und diese Forderung ist, an nach- stehendem Beispiel erläutert, das einem amtlichen Abrechnungszettel entnommen wurde:

Ein Werkhelfer eines Reichsbahnbetriebswerkes mit einem Kind hat im Monat Oktober 1931 ins- gesamt 181 Stunden gearbeitet.

Lohn 112.22 Mk.

Kinderzuschlag 5.43

Gesamtlohn 117.65 Mk.

Abzüge:

Beiträge a. Krankenkasse u.

Arbeitslosenversicherung 8 68 Mk.

Beiträge z. Abt. A 3.60

Beiträge z. Abt. B 2.80

Waisenhort 0.10

Summe der Abzüge 15.18 Mk.

Nettolohn 102.47 Mk.

ab Miete 26.00

verbleiben 76.47 Mk.

zur Bestreitung der gesamten Lebenshaltung ein. schließlich Kleider usw, dabei handelt es sich hier um Löhne, die nicht etwa als die niedrigsten des Bezirks angesprochcn werden können, sondern die der mittleren Entlohnung entsprechen.

Daß unter solchen Verhältnissen die (Erbitterung in den Kreisen der Eisenbahnarbeiter ständig wächst, wird dem verständlich fein, der sich in die Lag« eines Arbeiters mit dem genannten Lohn versetzen kann. Der Protest ist jedoch, wie die erfolgte Dee« bindlichkeitserklärunq beweist, erfolglos geblieben. Die Gewerkschaft fordert daher von der Reichsregie« rung energisch« Maßnahme zur Verbilligung der Lebensmittel und zwar durch Aushebung sämtlicher Preisbindungen im Wege der Notoerord- nung, Senkung der Preise für Lebensmittel und sonstige Bedarfsartikel, Senkung der Wohnungs- mieten, Senkung der kommunalen Verkehrstorife, sowie der Tarife für Wasser, Gas und Elektrizität.

England wird ungeduldig.

London, 18. Rov. (WTB.) Der Arbeiter- parieiler Wedgwood bat den Staatssekretär für auswärtig« Angelegenheiten um eine Mit­teilung über di« Fortschritt« der französisch­

deutschen Verhandlungen bezüglich der Priorität bzw. der Rückzahlung der im Fe­bruar fälligen Kredite durch Deutschland ge­genüber den später an Frankreich fälligen Re­parationen. älnterstaatssekretär Eden erwidert«, die gegenwärtigen Verhandlungen zwi- 'chen der franzv ischen und der deutschen Regie­rung biegen sich lediglichaufeineFrage de- Verfahrens. närn.i<b, wie die Bestim­mungen des Voungplane- über die Einsetzung eines besonderen beratenden AuS'chusses zur Prü­fung der Finanzlage Deutschland- den gegen* toärtigenllmftänben anzupassenseien. Er sei nicht in der Laz:, irgenowelche Mittei­lung über die Besprechungen des Staatssekretärs für auswärtige Angelegenheiten in Paris zu machen. Wedgwood fragte hierauf: Sft dem Staatssekretär klar, daß die öffentliche Mei­nung in England viel besorgter darüber ist. ob wir im Februar bezahlt wer­den. als über den mandschurischen Streit? Eden erwiderte, die Regierung sei sich der Bedeutung der kommerziellen Kredite und kommerziellen Anleihen voll bewußt.

Oer Franken

als internationale Währung.

Ein Weg zur franzö.iichcn Wirtschaft».

Hegemonie.

/ß !5.' 18 A°o. (WTB.) Die Bereinigung für wirtschaftliche Interessen gab zu Ehren des Minister. Präsidenten Laval ein Bankett. Der Gründer der Vereinigung, der ehemalige Senator Billlet. wandte sich gegen eine Vermengung der privaten und der politischen schulden. Er wolle die Solidarität der Völker nicht verneinen, betonte er, aber Frankreich könne ihnen nicht dadurch zu Hilfe kommen, daß es sich selbst ruiniere. Billlet forderte die Schaffung einer internatlo- nalen Währung, die an die Stelle des Pfund Sterlings treten müsse und befürwortete, daß der französische Franken zu einem internatio­nalenAbrechnungsgeld- erhoben werde. Minister. Präsident Laval erklärte, die Regierung habe sich die Aufgabe gestellt, unverzüglich ein Programm von Arbeiten öffentlichen Interesses im Werte von fünf Milliarden Mark ausführen zu lasten. Es fei uner» läßlich, den französischen Exporthandel zu verteidigen. Ein Land wie Frankreich, das ge- beten werde anderen Nationen zu Hilfe zu kommen, obwohl es selbst bei der Stützung feiner Währung oder seines Kredites niemals ei nefolche Un« terstützung von den anderen Volkern erhielt, habe in cinjr Epoche, in der niemand daran denke, die Zollschranken herabzusetzen, bei aller Verhandlungsbereitschaft zuerst die Pflicht den innerfranzöfischen Markt zu schützen.

Gegensätze

auf der Indienkonferenz.

Gandhi verlangt Kontrolle über $cet und Außenpolitik.

London. 17. Rov. (Sil.) Bei den Verhand­lungen des englisch-indischen V«rfassung-au-schuf- ses kam es bei der Erörterung der indischen Ar­meefrage zu schwerenGegensätzen zwischen den englischen Vertretern und Gandhi, der den völligen ilebergang derKontrolle über die Armee und die auswärtigen Be­ziehungen an das indische Parlament verlangte, denn wenn die Kontrolle die Verteidi­gung einer Ration durch eine andere auch noch so freundschaftlich gesinnte Ration erfolge, so könne von einer eigenen Verantwortlich- keit Sndien - keine Rede mehr sein. Sin« Armee sei für eine Ration der Snhalt und Begriff ihres Bestandes. Andere Sndcr mußten einsprin­gen, um die durch Gandhi entstandene Spannung -u lösen und erklärten sich damit einverstanden, daß Armee und auswärtige Angelegenheiten Reservate der Krone für die Heber, gang-zeit bleiben sollten.

Heimwehren

und Nationalsozialisten.

ter Heimatschutz bleibt selbständig.

Wien, 19. Rov. (TU.) Auf Grund einer An­frage der österreichischen Rationalsozialisten, die unter dem LeitwortHabsburg oderHarz- bürg eine Stellungnahme zur HabSlurce^ Frage und zum Anschluß verlangte, hatten vor einiger Zeit in Steiermark und Kärnten örtliche Ver­handlungen zwischen den Heimschutzver­bänden und den Rationalsozialisten stattgefunden. Die Verhandlungen hatten jedoch kein Ergebnis, weil die Rationalsozialisten, wie die Heimwehren behaupten, in der zu grün­denden Gemeinschaft die Führung ver­langten. Auf einer Tagung der Landesführer der Hcimwchren in Linz wurde nunmehr der Be­schluß gefaßt, unter allen Umständen politisch selbständig au bleiben. Sn der Entschließung heißt e« u. a., daß die Hauptsorge des Staates die Erhaltung deS deutschen Volks­tums auf österreichischem Boden sein müsse. Daher könne sich der Heimatschutz niemals in irgendeine politische Richtung drängen lassen, die sich gegen die Snteressen de« deutschen Volkes richten konnte. Der Heimatschutz lehne es ab. sich als Werkzeug dynastischer Snteressen verwenden zu lassen. Sn der Erkenntnis, daß die Verhält­nisse in Oesterreich wesentlich andere seien als im Deutschen Reich, müsse sich der Heimatschutz seine politisch« Selbständigkeit bewahren.

Ein Wahlprogramm

der amerikanischen Republikaner.

R e u y o r k. 18. Rov. (WTB.) Präsident Tu 'tt von der Columbia-Universität legte im Rational Republican Club den Entwurf eines republlkani- schen DahlprogrammS 1932 vor. Er betonte darin als wesentliche Forderungen einen sofor­tigen bedingungslosen Widerruf deS ProhibitionSgesetzeS. eine Tarif­reduktion und die Budgetbalancier- rung, da die Gesamtverschuldung der Vereinig­ten Staaten nahezu ein Drittel des geschätzten gesamten Rationalvermögens erreiche, so daß bei weiterer Verschuldung die (Bereinigten Staaten sich ähnlichen Problemen gegenüber sähen, wie Deutschland und England. Weiter forderte et Unterstützung des Völkerbundes und der D S Z. wie in letzter Zeit, sofortige Schritte zur Abrüstung. Einberufung einer internatio­nalen Konferenz zur Prüfung der Repara­tiv n S f r a g e und der Kriegsschulden zwischen den Regierungen und Einberufung einer weiteren Konferenz zur Erörterung der Gold- und Silberfrage.