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Kr. 271 (Erftes Blatt
18f. Jahrgang
Donnerstag, 19. November 1931
Erschetnl täglich, außer Sonntags und Feiertag».
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Landnöten.
Sn der Wirrnis der chinesischen Interessen- kämpfe holen die Japaner zu einem großen Schlage aus. Sie gehen offensichtlich mit dem Plane um. ihr Haupteinflußgebiet, die Mandschurei, endgültig von China abzutrennen, indem sie es zum selbständigen Kaiserreich machen und dadurch in einen unlöslichen Gegensatz zur Republik China bringen. Ein Schattenkaisertum natürlich nur, das völlig unter japanischem Einfluß steht und ihm nicht nur die Rückendeckung gegen China, sondern auch gegen die Russen gibt, die mit ängstlicher Besorgnis die Entwicklung in der Mandschurei beobachten, aber sich vorläufig noch nicht stark genug zum Eingreifen fühlen. Der Plan ist jedenfalls geschickt, besonders durch die Wahl des in Aussicht genommenen neuen Kaisers. Dafür haben sich die Japaner den früheren Kaiser von China wieder aus der Versenkung geholt, der seit einer Reihe von Jahren völlig zurückgezogen von der Oeffentlichkeit in Tientsin von einer bescheidenen Rente lebte.
Dieser junge Mann von siebenundzwanzig Jahren hat ein wechselreiches, man kann schon sagen, abenteuerliches Leben hinter sich. Mit drei Jahren schon wurde er Kaiser von China nach dem Tode der großen Kaiserin Tsuhsi, die kurz vor ihrem Sterben noch den von ihr abgesehten Kaiser Kuanghsy beseitigen lieh. Für den dreijährigen „Sohn des Himmels" — der als Prinz Puyi, als Kaiser Hsuantung hieß — führte sein Vater, Prinz C h u n, die Regierung, der im Juli 1901 als „Sühneprinz" den dem deutschen Kaiser nach dem Doxeraufstand die Entschuldigung der chinesischen Regierung für die Ermordung des deutschen Gesandten von Kettler aussprechen muhte. Viel Freude hat allerdings oer minderjährtge Kaiser an dem Drachenthron nicht gehabt. 1911 — er war eben acht Jahre alt geworden zwang ihn die Revolution zum Rücktritt. Immerhin blieb er noch als Exkaiser mit seinem Hofstaat in dem berühmten Pekinger Winterpalast wohnen, bis er, ein Spielball zwischen den ehrgeizigen Generälen, aus seinem Asyl vertrieben wurde. Der große Reformator Chinas TZü an- s h i k a i machte 1915 den vergeblichen Versuch, sich selbst zum Kaiser ausrufen zu lassen.
Zwei Jahre später rückte General Chanchun in Peking ein und rief den früheren Kaiser wiederum zum Kaiser von China aus. Allerdings dauerte die Herrlichkeit nur wenig mehr als eine Woche, Chanchun mußte fliehen, und der Kaiser erhielt nur dadurch die Verzeihung der Republik, daß er behauptete, ihm wäre seine alte Würde wieder aufgezwungen worden. Wieder einige Jahre später verhaftete ihn der christliche General Feng und führte, ihn als Gefangenen ab, bis es ihm 1925 gelang, nach Tientsin zu fliehen, wo er seither in der japanischen Konzession lebte. Wahrscheinlich wird auch jetzt die Rolle, die er spielt, ihm aufgezwungen sein. Seine angebliche Flucht aus Tientsin sicht mehr nach einer gewalt- Rainen (Entführung durch die Japaner aus, die den Versuch machen wollen, den letzten Erben der Wandschudynastie den Stammsitz seines Hauses, von dem aus es vor Jahrhunderten zur Eroberung Chinas aufgebrochen war, wieder zu sichern. Aber wenn das Experiment gelingt, wird er nur solange Kaiser sein, wie er dem Willen der Japaner folgt...
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Die deutsche Außenhandelsbilanz zeigt auch im Oktober eine Vergrößerung des Ausfuhrüberschusses. und zwar liegt dieser mit 383 Mrll. Mark — ohne die 13 Mill. Mark Reparationslieferungen — um beinahe 20 Mill. Mark höher als im Vormonat. Die E i n f u h r ist wertmäßig von 443 Mill. Mark im September auf 483 Mtll. Mark und die A u s f u h r von 812 Mill. Mark aus 866 Millionen Mark gestiegen. Obwohl die Ausweitung des Außenhandelsvolumens im Oktober eine alljährlich wiederkehrende Erscheinung ist, bleibt doch bemerkenswert, daß auch in diesem Monat die Ausfuhr in weit größerem Umfange gewachsen ist als die Einfuhr. Man hatte doch allgemein erwartet, daß der Währungszerfall in England und den anderen Ländern auf den Weltmärkten stark preisdrückend und exporthemmend wirken werde. Diese Tendenz ist allerdings in der Oktoberbilanz des deutschen Außenhandels noch nicht offensichtlich geworden. Ihr mögen die englischen Zollerhöhungspläne entgegengewirkt haben, die den englischen Kaufmann veranlaßt haben, sich noch schnell mit ausländischen CB ar en einzudecken. Dadurch hat selbstredend auch die deutsche Ausfuhr stärker profitiert.
Der Ausfuhrüberi Huß vom Januar bis Oktober beträgt 2358 Millionen Mark, wovon 347 Millionen Mark auf Sachlieferungen entfallen, für die bekanntlich kein Gegenwert in die deutsche Wirtschaft zurückfließt. Trotzdem ist der reine Ausfuhrüberschuß noch außerordentlich hoch, und man könnte sich über den Erfolg des deutschen Kaufmanns im Auslande freuen, wenn man nicht wüßte, daß die deutsche Wirtschaft am Außenhandelsgeschäft recht wenig verdient, m den meisten Fällen sogar zuseht und eben z u jedem Preis verkauft, um vorläufig wenigstens weiter existieren zu können. Daß die Absatzmöglichkeiten angesichts der Währungs- unsicherheit in verschiedenen Ländern, verbunden mit einer rigorosen Zollpolitik, immer geringer werden, braucht nicht betont zu werden. Wenn Deutschland seine Währung aufrecht erhalten und auch in Zukunft Exportüberschüsse erzielen toi 11, dann muß eine Senkung der
Große Schlacht in der Mandschurei.
Schwere Niederlage der Chinesen am Nonnifluß. — Die siegreichen Japaner besetzen die Giadi Tsitsikar.
London, 18. Rov. (TU. Funkspruch.) Rach Meldungen aus Tokio hat die Schlacht zwischen den Japanern und den Truppen des Generals M a mit einem Siege der Japaner geendet. Die Japaner haben die Stadt Agantschi erobert und damit die chinesische O st bahn erreicht. Die chinesischen Truppen sollen sich in wilder Flucht auf Ifitfiiar zuriickziehen. Japanische Flugzeuge haben diese Stadt bombardiert. Rach dreistündigem schweren Ringen ist es den Japanern gelungen, die vorderen Gräben der Chinesen und die Stadt Tsitsikar zu besehen. Der Angriff soll in den frühen Morgenstunden von den Truppen des Generals Ma ausgegangen fein, die zunächst Fortschritte machten und den Japanern schwere Verluste beibrachten. Gegen Mittag (Ostzeit) trieben die Truppen Mas die Japaner n schwerem Kampfe zurück. Auch in Tokio herrschte zu dieser Zeit ernste Besorgnis. Man befürchtete dort eine schwere Riederlage der Japaner und warf dem General Ma Vertragsbruch vor. Besonders gefährlich für die japanischen Truppen war eine Sonderaktion der Chinesen bei T a s ch m u , bei der die Japaner durch die Zerstörung der Taonan-Supingkai-Lisenbahn und aller Telephon- und Telegraphenleitungen abgeschnitten waren. Rach diesem Anfangserfolg der Chinesen gingen die Japaner dann zu einer allgemeinen Gegenoffensive auf der Ronnilinie über. Sie schlugen einen Angriff von 2000 Mann chinesischer Kavallerie, der auf dem rechten Flügel erfolgte, erfolgreich zurück und gewannen hiermit die Oberhand. Die Stadt Tsitsikar wurde eingenommen. Die Chinesen befinden sich in voller Flucht und sind bereits 40 Kilometer weit zurückgetrieben worden. Bei dem japanischen Angriff spielte die Luftwaffe eine entscheidende Rolle. Die Flugzeuge stießen tief herab und sprengten die chinesische Kavallerie auseinander. General f) o n j o hat mitgeteilt, daherzumAngrifsgezwungen gewesen sei. um einem chinesischen Angriff zuvorzukornrnen. Die chinesische Riederlage sei vo 11 st ä n d i g. — Jn Tokio verlautet offiziell, daß mit der Riederlage der Chinesen das Hauptziel der Japaner, im Gebiet der Ronni-Brücke die Zusammenziehung der chinesischen Truppen zu verhindern, erreicht sei. Man hoffe daher, die japanischen Truppen in kürze- fter Zeit zurückziehen zu können.
Der Angriff die beste Verteidigung.
General Homos Lieg vor Tsitsikar.
ß o n b o n, 19. Rov. (WTB. Funkspruch.) lieber die Riederlage der chinesischen Truppen in der Mandschurei berichtet der Sonderkorrespondent der Daily Mail" in Charbin: Die Japaner griffen um fünf Uhr früh mit 5000 Mann aller Waffengattungen — Infanterie, Kavallerie, Tanks, schweren Bombenflugzeugen usw. — an und durchbrachen die Front der C hin e - s e n, die auf dem Rückzüge hartnäckigen Widerstand leisteten. Ein Gegenangriff vor Agantschi verzögerte das japanische Vordringen. Der Ronnifluh ist zugefroren und Chinesen wie Japaner leiden schwer unter der Witterung. Kurz nach Sonnenaufgang eröffnete die japanische Artillerie das Feuer. Die Japaner standen einer fünffachen Tiebermacht gegenüber, waren aber in der Feldartillerie und der Luftwaffe dem Gegner überlegen, während die Chinesen über den Vorteil starker Kavalleriemassen verfügten. Die japanischen Militärbehörden erklärten, daß sie in keiner Weise
die russischen Interessen beeinträchtigen werden, wenn es auch möglich sei, daß die Schwungkraft der japanischen Streitkräfte ritweilig bis über die Eisenbahnlinie
i n a u s führe. Rach Mitteilung des japanischen Kriegsministeriums hatten die Chinesen am Dienstagnachmittag eine grohangelegte Offensive vorbereitet. Der gestrige japanische Angriff fei somit nur eine Verteidigung darauf gewesen. General H o n j o habe
zwar Weisung gehabt, keine Offensive zu unternehmen, aber die chinesischen Angriffe vom Dienstag hätten ihm Gelegenheit geboten, zu zeigen, daß der Angriff die beste Verteidigung sei. Mit dem Auseinandersprengen der Streitkräfte des Generals Ma und der Besetzung von Tsitsikar sei die letzte organisierte Autorität in der Mandschurei, die Tschanahfueliang gegenüber loyal geblieben sei, verschwunden.
Was sagt man nun in Paris ?
England wünscht keine „Scheinlösung".
hat wenig Aussicht, da Ehina direkte Verhandlungen ablehnt.
Paris, 18. Rov. (WTB.) In der nichtöffentlichen Sitzung des Völkerbundsrates legte zunächst der japanische Vertreter Botschafter Joschisawa den Standpunkt seiner Regierung dar. Rachdem er den Sitzungssaal verlassen, gab der chinesische Vertreter Dr. Sze ein Expose über die Haltung Chinas. Die Ratsmitglieder traten dann ohne die beiden Parteien zu einer geschlossenen Sitzung zusammen.
Der englische Außenminister Simon hielt eine Rede, in der er ziemlich deutlich zu verstehen gab, daß es besser wäre, dieTln Möglichkeit einer Lösung der überaus schwierigen mandschurischen Frage durch den Völkerbund offenzu- z u g e b e n, als sich mit Scheinlösungen nach der Art der bisherigen „Empfehlungen" zu begirügen. Derartige Scheinlösungen schadete ndemAn- sehen des Völkerbundes mehr, als jeder andere Beschluß. Simon soll darüber hinaus den Artikel 15 des Völkerbundspaktes erwähnt haben. Der Artikel 15 würde im Gegensatz zu Artikeln dem Dölkerbundsrat die Möglichkeit geben, vom Grundsatz der Einstimmigkeit abzuweich e n und die Stimmen der streitenden Parteien zu übergehen. Dann könne ein Autorin tätsspruch mit allen sich daraus ergebenden Folgen gefällt werden. Auch der Vertreter Deutschlands, Staatssekretär v. D ü l o w , soll sich den Ausführungen des englischen Außenministers insofern angeschlossen haben, als er Scheinlösungen ebenfalls als für das Ansehen des Völkerbundes untragbar bezeichnete. Eine andere Gruppe, in der F r a n k r e i ch die Führung haben dürfte, möchte es nicht zu einem unmittelbaren Eingreifen kommen lassen. D r i a n d in seiner Eigenschaft als Ratspräsident scheint eine Haltung
- Ein japanischer Kompromißvorschlag
einzunehmen, die mit dem französischen amtlichen Standpunkt nicht überein stimmt.
Wie der „Temps" von maßgebender Seite erfahren haben will, hat die japanische Ratsabordnung ihrer Regierung einen Kompromißvorschlag unterbreitet, der als Hauptpunkt die Entsendung eines TI n t e r s u ch u n g s a u s s ch u s - sesdesVölkerbundes nachderMand- schurei und China vorsehen soll. Dieser Ausschuß solle prüfen, ob die chinesische Regierung in der Lage sei, die Ordnung und den Frieden an den Grenzen aufrecht zu erhalten und ob China die bestehenden Verträge a cht e. Der englische Außenminister, Sir John Simon, und der japanische Delegierte Mat- s u d a i r a haben mit dem amerikanischen Delegierten, General Dawes, verhandelt. — „Journal" will erfahren haben, daß sich bei diesen Verhandlungen die Möglichkeit einer L ö - s u n g des Konfl! ktes abgezeichnet habe. Engländer und Amerikaner hätten den japanischen Kompro- mitzvorschlag günstig ausgenommen und ihn noch spät abends Briand zurKenntnis gebracht. Japan würde zwar seine Forderung auf Bestätigung seiner sämtlichen Verträge mit China aufrechterhalten, sich jedoch zur Entsendung einer Veobachtungs- kommission nach der Mandschurei bereit erklären. Dagegen müßten sich die Chinesen zu direkten Verhandlungen mit To - k i o verpflichten, was die Chinesen allerdings noch gestern mit der strikten Erklärung ab - gelehnt haben, daß sie zu direkten Verhandlungen unter dem Druck der japanischen Besetzung in der Mandschurei auf keinen Fall bereit seien.
Wanderung zum mandschurischen Kriegsschauplatz.
Sonnentag in Tsitsikar. - Soldaten mit Zacher und Regenschirm. - Seltsames Familienleben. - Oer „langsame Tod".
Tsitsikar, eine Provinzhauptstadt in der Mandschurei, das war bisher ein Ortsname, der uns nichts sagte. Irgendwo im Fernen Osten — was geht das uns an? Durch die kriegerischen Ereignisse der Mandschurei in der jüngsten Zeit wird der Leser auf dieses unbekannte Asien aufmerksam. Was für Menschen leben dort eigentlich? Frithjof Melzer, der Berliner Journalist, gibt mit seinem Buche „Malaria, Gold und Opium" die Antwort. Er hat mit der Hei- lungkiang-Expedition Walther S t ö tz n e r s vor drei Jahren die Mandschurei durchforscht und dabei Gebiete betreten, in denen vorher noch kein Europäer war. In Tsitsikar begann die
Durchquerung des Landes — lassen wir uns von Melzer erzählen, wie es dort aussieht:
Bis 1906, wenige Jahre vor der chinesischen Revolution, war die Mandschurei verbotenes Land. Da erließ die Kaiserin-Witwe die Freiheits-Edikte, die auch den Anstoß für die Zuwanderung chinesischer Bauern in die Mandschurei gaben. Damals zählte das Land, die drei östlichen Provinzen, wie die Chinesen sagen — sie sind zugleich die nördlichsten — Heilungkiang, Kirin und Mulden, knapp sechs Millionen Einwohner. Anfang 1928 schätzte man die Zahl auf über fünfundzwanzig Millionen; und von Jahr zu Jahr wächst die Be-
Gestehungskosten eintreten, da eine Volkswirtschaft schließlich nur eine Zeit lang an den Außenhandelsgeschäften zusetzen kann, wenn sie sich nicht völlig ausverkaufen wird.
Wie es um die deutsche Wirtschaft selbst bestellt ist, zeigen die täglichen Hiobsbotschaften. So kam der Sanierungsvorschlag des großen deutschen Uhrenkonzerns, der Gebrüder Junghans AG., für die Oeffentlichkeit völlig überraschend, zumal auch das Ausmaß der Maßnahmen — das Kapital wird von 20 auf 12 Millionen Mark herabgesetzt — recht tiefgreifend ist. Sollte auch hier neben der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung der starke Expansionsdrang sich als wenig nützlich erwiesen haben und jetzt Wertberichtigungen notwendig machen? Auch die Minimax AG. muß eine Sanierung 5:1 Vorschlägen, da es ihr nicht gelungen ist, die Unkosten gegenüber dem erheblichen Umsatzrückgang entsprechend schnell zu verringern. Von besonderer Bedeutung sind die ersten Abschüsse aus der Montanindustrie, da sie uns Aufschluß über die Entwicklung der Schwerindustrie überhaupt geben. Die Klöckner-Werke AG., die im Vorjahr noch sechs Prozent Dividende verteilen konnte, kommen gerade noch an einem größeren Verlust vorbei, dagegen schließt die Gute- hoffnungshütte, die großeMontanbetnebsge- sellschaft, mit einem Millionenverlust ab. Bei den demnächst noch herauskomiüenden Montanabschlüssen sind demnach große Gewinnergebnisse
ebenfalls nicht zu erwarten, von Dioidendenaus- sichten kann also gar nicht gesprochen werden.
In halb Europa ist Max Reinhardt herumgezogen mit dem jahrelangen vergeblichen Versuch, seine Che scheiden zu lassen. Jetzt scheint er endlich in Riga die gesetzlichen Voraussetzungen dafür gefunden zu haben. Tlnd fein Beispiel hat Schule gemacht. Rach lettländischem Recht kann nämlich jede in Lettland ansässige Person ohne Rücksicht auf die Staatsbürgerschaft die Ehescheidung beantragen, falls die Ehegatten mindestens drei Jahre voneinander getrennt gelebt haben. Bei dem Prozeß braucht nur der klagendeTeil vertreten zu sein, falls er den Wohnort feines Ehepartners als „unbekannt" bezeichnet, in welchem Falle nur eine Vorladung im lett- ländischen „Regierungsanzeiger" an den beklagten Partner gerichtet wird. Dieser Rcgierungsanzeiger gehört nun nicht gerade äu den weitverbreitetsten Zeitungen Europas, woourch also der beklagte Gatte kaum Kenntnis von der Vorladung erhält und so von dem Prozeß erst erfährt, wenn alles vorbei ist.
Nach Max Reinhardt sind schon unzählige andere europäische Größen aus aller Herren Länder nach Riga gekommen, um sich hier scheiden zu lassen. Der Komponist Eugen d'Albert, der Schrist- I steiler Jakob Wassermann und andere mehr.
Der Ruf Rigas ist sogar schon über den großen Teich gedrungen. Von Amerika ist aus der bekannten Milliardärsfamilie A st o r ein weibliches Mitglied gekommen und hat sich bereits in der östlichen Stadt niedergelassen, um hier den Schlußstrich unter ihre Ehe zu ziehen. Alle diese Ehemüden sind plötzlich und geheimnisvoll in dem Scheidungsparadies aufgetaucht und nach vollendeter Arbeit wieder abgezogen. Am schwersten hat es sich wohl Reinhardt gemacht, der sich in Riga häuslich niederließ, mit der lettischen Nationaloper und dem Rigaer deutschen Schauspiel Regieverträge abschloß, um dadurch den Eindruck der Ansässigkeit zu verstärken, nur — um geschieden zu werden.
In Lettland ist man begreiflicherweise recht erbaut über die ungeahnten Möglichkeiten, den Verkehr und den Geldzustrom um ein Bedeutendes zu heben. Auch das Kunst- und Ge - fellschaftsleben der Stadt hat viel Anregung gewonnen: Reinhardt hat hier bereits eine überaus glanzvolle „Fledermaus"-Aufführung inszeniert, d'Albert will seinen östlichen Aufenthalt zur Konzeption einer Oper aus dem Leben der lettischen Fischer nutzen, Wassermann hat bereits mehrere literarische Vorträge gehalten. So haben die Lettländer mit dem Anfang der Saison in ihrem Scheidungsparadies mehr Glück als die schottische Schmiede von Gretna Green mit ihren Heiratslustigen.


