Ausgabe 
19.10.1931
 
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m. 244 Zweites Blatt Gietzener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen) Montag, 19. Oktober 1951

Oberhessischer Kunstverein.

Alle und neue Graphik.

Die zweite Ausstellung des Kunstvereins bringt ausschließlich Graphik, und zwar im Gegensatz zu den meisten früheren Kollektionen unter Ver­zicht auf alle lokale Bindung und Begren­zung in weitgespanntem Ausschnitt europäischer Gesamtentwicklung etwa vom Barock bis in die jüngste Gegenwart. Die verschiedensten Techniken sind vertreten, und es wird, was in den einheimi­schen Ausstellungen bisher nicht allzu häufig ge­schah, erfreulicherweise die Bekanntschaft mit den repräsentativen Meistern der graphischen Disziplin in charakteristischen Beispielen auf verhältnismäßig gedrängtem Raum vermittelt.

Bei der Fülle des vorliegenden Materials ist es allerdings nicht möglich, im Rahmen eines knappen Referates eine annähernd vollständige Aufzählung zu geben; wir müssen uns darauf beschränken, im Ueberblick auf besonders bemerkenswerte Stücke hin­zuweisen. Doch sei diese Ausstellung insgesamt von vornherein nachdrücklich zu eingehendem Studium Blatt für Blatt empfohlen. Man wird seine Freude daran erleben und in knappster Form zugleich eine lehrreiche Uebersicht gewinnen.

Italienische Barockmeister, A n s a l d o und Bal- d i n u c c i, mögen chronologisch den Reigen er­öffnen. Von den Franzosen nennen wir Boucher mit einem liegenden Hirtenknaben, dessen Stellung an den berühmten Mädchenakt des Meisters er­innert; ferner den graziösen Liotard mit einer Kastagnettentänzer-n. Unter den Niederländern ist B r o u w e r (Slgender Mann") am bekanntesten. Aus dem deutschen Dixhuitiöme ein schönes Blatt von Chodowiecki.

Nächst einigen kleineren Blättern von Hans Thoma ist der deutsche Impressionismus ausge­zeichnet vertreten: Corinth, dessen vehementes Temperament und dessen erstaunliche Technik auch auf den graphischen Blättern unverwechselbar und bestechend zum Ausdruck kommt. Liebermann mit einem älteren Selbstbildnis, Slevogt mit seinen nervös hingestrichelten, illustrativ gedachten, oft Vignettenhaft zarten Miniaturen. Dritte reife Kunst, Willi Geigermit einer Torerofigur, welche stilistisch auffallend an Sepp Frank erinnert. Meid mit feinen, trotz manchem harten Strich aquarellhaft locker anmutenden Phantasien. Stauffer-Bern ist nicht mit den bekanntesten, aber doch sehr charak­teristischen Blättern vertreten; seine Technik steht im schroffen Gegensatz etwa zu dem Stil von Sleoogt und Meid; die Porträtköpfe, z. B. von Menzel, sind

Oberschlefieu am zehnten Jahrestag -es Genfer Spruchs.

Ein Rückblick zum 20. Oktober.

Von Oberbürgermeister A. Kaschny, Mitgl. d. pr. Staatsrats, Vorsitzendem des Zentral« Vorstands der Vereinigten Verbände heimattreuer Oberschlesier e. V.

Zwei besondere Schicksalstage hat Oberschlesien: den 20. März 1921 den Abstimmungstag und den 20. Oktober 1931 der sich in diesem Monat zum zehnten Male jährt den Tag der Entscheidung über Oberschlesien durch den Völkerbund in Genf. Um diese beiden Daten gruppiert sich die Tragödie unserer Heimat. Aach dem unglücklichen Äusgang des Krieges begann das Vorspiel der Tragödie. Da glaubten die Polen den günstigen Augenblick ge­kommen, um ein Stück deutschen Bodens nach dem anderen an sich zu reißen. Mit fieberhaftem Eifer gingen sie an die Vorbereitung des ersten Ge­waltstreiches. Oberschlesien sollte ein zweites Posen werden. Der August 1919 brachte den ersten polnischen Aus st and. Die Furcht vor dem Recht, die Furcht vor dem Siege der Deutschen bei der angeordneten Volksabstimmung trieb die mit den Franzosen verbündeten Polen zur Gewalt. Roch aber hatten wir keineInter­alliierte Kommission", keineneutralen" Vertreter der Gerechtigkeit im Lande, noch konnte sich das oberschlesissche Volk selbst Helsen. Es lieferte wie in den gewaltigen Kundgebungen im Frühjahr des Jahres den Beweis seines deutschen Cha­rakters, es schlug den Putsch in wenigen Tagen nieder. Aber bald wendete sich die Gunst der Lage. Die fremde Besatzung hielt zu Beginn oes Jahres 1920 ihren Einzug.

Der erste Akt der Tragödie begann. Don dem Augenblick an, der dem französischen General L e R o n d die Macht in die Hände legte, wurde das Leben für die Deutschen unerträglich. Treu­händer des Völkerbundes sollte Gene­ral Le Rond sein. Er war in Wirklichkeit nie etwas anderes als einer der gerissensten franzö­sischen Diplomaten, ein Werkzeug des französisch-polnischen Militaris- m u s. Er hat seine Rolle glänzend gespielt, er hat seine Aufgabe restlos erfüllt. Richts hat er verabsäumt, was geeignet war, die Deutschen zu unterdrücken und die Polen zum Siege zu bringen. Die deutschen Beamten wurden verjagt, die deutsche P?esse unterdrückt, die deutsche Propa­ganda mit allen Mitteln gehemmt, dem polnischen Terror Tür und Tor geöffnet. Unö doch glaubten Le Rond und Korfanty nicht an einen Sieg.

Bald merkten die Franzosen, daß dieses Land deutsches La-nd ist, daß die Behauptung seines polnischen Charakters erfunden und erlogen ist. Aber.sre kamen nicht in Verlegenheit. Stärkere Mittel, wurden angewandt, um das Abstimmungs­gebiet koste es, was es wolle den Polen in die Hände zu spielen. In vollem Einvernehmen mit Warschau, unter eifrigster Beteiligung fran­zösischer Offiziere und Mannschaften wurde das Insurgentenheer ausgerüstet und organi­siert, um im geeigneten Augenblick in Aktion treten zu können. In den Augusttagen 1920 wiederholte sich unter vollkommener Verschiebung der Verhältnisse das Spiel vom August 1919. Die neutralen Franzosen entpuppten sich vollends als die Verbündeten der Polen, der zweite A u f st a n d war ein polnisch-französischer Auf­stand, war die Ausführung des französisch-pol­nischen Planes, vollendete Tatsachen zu schaffen.

Das ist der zweite Akt der Tragödie. Er machte das Dasein des oberschlesischen Volkes zu einem Höllenleben, dessen Grausamkeiten nur noch ein­mal, im dritten Aufstande Überboten worden sind. Ohne Scheu und Rücksicht verbündeten sich Polen und Franzosen. Die französischen Soldaten, be­stimmt, für Ruhe und Ordnung einzutreten, be­teiligten sich an der Entwaffnung der Sipo und den Mord- und Schandtaten der Insurgenten.

Keine Macht trat auf, um der Schreckensherrschaft Halt zu bieten, um diejenigen an den Pranger zu stellen, die ihr Amt als Treuhänder des Völ­kerbundes freventlich mißbrauchten. Die Trümmer des abgebrannten Dorfes Anhalt, die Gräber, in denen unzählige brave Heimattreue aller Stände und Parteien begraben sind, künden das namenlose Unglück eines vergewal­tigten Volkes. Wer dieses Dasein nicht durchlitten hat, dem erscheint seine Schilderung als der wüste Traum eines fiebrigen Kopfes, dem scheint es unmöglich, daß diese Schrecken noch einmal überboten werden sollten. Aber gerade die Leidensgeschichte des oberschlesischen Volkes läßt fein Bekenntnis der Treue in um so hellerem Lichte erstrahlen, das am 20. März 1921 abgelegt worden ist. Cs war der äußerste Höhe­punkt des Kampfes, der dritte Akt der Tragödie.

Aus allen Teilen des Reiches, aus aller Herren Länder strömten die Oberschlesier zusammen. Alle Drohungen, alle Gewalttaten der Franzosen und Polen waren nicht imstande, ihnen den Mut zu rauben, ihre Heimatliebe zu ersticken. Sie hatten sich seit Jahr und Tag für die Sache der Heimat eingesetzt, sie hatten unsagbare Qualen öurcblitten, sie ließen sich durch nichts davon abhalten, ihre Stimme in die Waagschale zu werfen. Das hatten weder Polen noch Franzosen er­wartet. Mit Schrecken hörten sie d a s B e - kenntnis des Volkes zum Deutsch- t u m. Allein, sie waren auch für diesen Fall ge­rüstet; der vierte, der traurigste Akt nahm seinen Lauf. Trotz oder gerade wegen des deutschen Sie­ges, brach der Terror schon am 21. März mit aller Gewalt erneut hervor. In den Kabinetten begann das diplomatische Spiel. Es schien ungünstig für Polen und Franzosen da stürzten sie sich zum dritten Male auf das wehrlose Volk, da erreichte die unerträgliche polnisch-französische Gewaltherr, schäft den Gipfel. Fast drei Monate hausten die wilden Horden, tobten die Insurgentenbanden und ihre Kampfgenossen blieben die neutralen Franzosen. Die Grausamkeiten des zweiten pol­nischen Aufstandes wiederholten sich nicht nur nein, sie wurden ins Ungemeffenc gesteigert. Polen und Franzosen wetteiferten in der Verfolgung der Deutschen. Freudig begrüßten die französischen Of­fiziere die polnischen Insurgenten. Richt ein einziger Schuß wurde gegen die Rechtbrecher ab­gegeben. Im polnischen Hauptquartier saßen französische Offiziere. Es war ein abgekar­tetes Spiel. Wer nicht rechtzeitig fliehen konnte, war weder Tag nc,ch Rächt seines Lebens sicher. Mord, Totschlag und Brandschatzung sind die Waffen der polnischen Tyrannen. IhreHel­dentaten" schreien zum Himmel. Aus den Ge­fängnissen und Kasernen tönten die Klage- und Hilferufe polnisch-französischer Brutalität. Immer weiter breitete sich die Herrschaft der Insurgenten aus, bis ihnen der deutsche Selbstschutz Halt gebot. In dieser schweren Zeit wichen die Deutschen nicht einen einzigen Schritt vom Wege des Rechtes, aber sie waren vogelfrei. Sie wur­den geknebelt, geknechtet, unterdrückt und verge­waltigt. Frech und offen verhöhnten die Polen die Anordnungen der Interalliierten Kommission, denen die Deutschen unentwegt Folge leisteten.

Der polnisch-französische Rechtsbruch war offen­bar. Unö dennoch sollte die brutale Gewalt trium­phieren. Die Rechtsbrecher wurden belohnt, die Deutschen schmählich verkauft. Das ist der Schlußakt der Tragödie. In Genf fanden sich ein Brasilianer und ein Chinese, ein Belgier und ein Spanier zusammen, um vor den Kulissen im Ramen des Völkerbundes ein Spiel zu spielen,

im ©efamteinbruef am entschiedensten einer male­rischen Wirkung angenähert.

Interessante Gegenüberstellungen findet man an einer Wand des Saales, wo neben verschiedenen Proben moderner Franzosen etliche berühmte Vor­bilder von Daumier, Gavarni und Goya hängen; auch M a s e r e e l s und Campen- öoncks Holzschnitte stechen merkwürdig davon ab.

Aus der deutschen Graphik der Gegenwart nennen wir noch: die technisch hervorragenden, menschlich tief erschütternden Bilder der Käthe K o l l- witz, von denen übrigens einige schon früher an dieser Stelle gezeigt worden sind. Ferner Erich Wolfsfeld mit einer Bettkerfigur, deren Ge­drungenheit und Ausdruckskraft an die Plastiken von Barlach erinnert; eine Schafgruppe des be­rühmten Tierbildners August Gaul; ein in feiner linearen Zartheit bestechendes Blatt von Felix Meseck; feine kleine, offenbar an östlichen Vor­bildern geschulte Landschaften von Struck; zuletzt eine expreffioniflifch-plakathafte, reichlich brutale Komposition von George Groß.

Die neue Ausstellung wurde am Sonntagvormit­tag der Oeffentlichkeit übergeben.y

Goethe-Dund.

Eröffnungsabend:Tixt unk» Bettina".

In der Neuen Aula der Universität begann der Goethe-Bund gestern abend bei sehr gutem Besuch sein Winterprogramm 1931/32 mit einem musika­lischen Vortragsabend in origineller und interessanter Form. Die Veranstaltung wurde eingeleitet durch eine Ansprache des Bundesvorsitzender: Dr. Hen­ning (Berlin), der die Erschienenen willkommen hieß und einen Ausblick gab auf den kommenden Vortragswinter; dieser werde in eine noch nicht erlebte Notzeit unseres Volkes fallen und zugleich durch die bevorstehenden Jubiläen (Goethe, Wilhelm Busch; die Raabe-Gedenktage liegen schon hinter uns) besonderes Gepräge erhalten und bedeutende Ver­pflichtungen auferlegen. Die Darlegungen gipfelten in der Mahnung zur Besinnung auf die geistigen Werte der Nation; jeder müsse bereit fein, das ge­ringe Opfer zu bringen, das der Bund für die Durch­führung feiner kulturellen Aufgabe fordere. Mit einer Begrüßung der neu beigetretenen Mitglieder, Dankesworten an die Vortragenden des Abends, und mit der Bitte um tatkräftige Mitarbeit wurde die Ansprache beschlossen.

Hierauf machte Dr. Erich Fischer, der sich als Verfasser der musikalischen Hauskomödien schon

das ihnen von den Regenten der ausschlaggeben­den Mächte vorgeschrieben worden war. Sie küm­merten sich nicht um die Stimme des Voltes, um das Recht des Deutschen Reiches, um die Hilfe­rufe der Entrechteten und Vergewaltigten. Für sie war wie für ihre Auftraggeber die oberschlesische Angelegenheit nur eine Frage des Ge­schäfts. Sie zerrissen die organische Einheit des Landes, beraubten Oberschlesien seiner wichtigsten Kraftquellen und lieferten den wertvollsten Teil an Polen aus.

Das Unrecht hat gesiegt! Aber das Recht lebt! Es ist unsere Pflicht, immer wieder unsern Protest anzumelden, auf daß die Akten nicht geschlossen wer­den, bis die Welt zu einer Revision dieses Fehl­spruches gezwungen ist. Und selbst derjenige, der sich mit dem Raube urdeutschen Landes aosinden sollte, muß eintreten für das Wachhalten des deut­schen Gedankens im Osten, weil die unersättlichen Polen mit diesem Raube noch nicht zufrie­den sind. Systematisch gehen sie an die Ent- deutschung der uns geraubten, an die Polonisierung der uns verbliebenen Gebiete. Ostoberschlesien ist von Posenern, Kongreßpolen und Galiziern über­schwemmt. Systematisch werden die Deutschen ver­trieben, die maßgebenden Stellen mit Nichtober- schlesiern besetzt. Der Genfer Spruch ist für die Polen nur eine Etappe. Sie arbeiten zielbewußt dar­auf hin, den uns verbliebenen Teil von Ober- schlesien in die Hände zu bekommen. Ihre Militär- organifationen werden gefestigt und ausgebaut. Der Ankauf von Land und Häusern wird un­unterbrochen gefördert. Die polnische Jrredenta wird von allen wirtschaftlichen, kulturellen und militärisch- polnischen Organisationen geschürt.

Was tun aber wir? Es wird endlich Zeit, daß das deutsche Volk die Gefahr erkennt, ehe es wiederum zu spät ist. Die Erfahrungen der letzten Jahre haben einwandfrei gezeigt, daß der polnische Imperialismus von einem wilden Ausdehnungs­drange getrieben wird, der nur dort Halt macht.

wo sich ihm eine gleichstarke Kraft entgegenstellt. Bar aller militärischen Macht bleibt uns nur das eine Mittel: das Deutschtum in den ge­fährdeten Gebieten kulturell zu stärken, und so einen Wall zu errichten, der die polnischen Pläne vereitelt. Das Ringen der Ober- schlesier um ihr Deutschtum ist ein Ringen für das ganze Volk. Nur das Gefühl, von allen Volksschich­ten gestützt, getragen unö gefördert zu werden, gibt den Bewohnern der Ostgebiete die Kraft und die Fähigkeit, den deutschen Boden deutsch zu erhalten. Der deutsche Geist ist es, gegen den die feindlichen Bajonette nichts ausrichten können. Er stärkt unsere Brüder und Schwestern in den bedrohten und in den geraubten Gebieten. Wir bitten sie, mit uns den Glauben an das deutsche Volk aufrechtzuhal­ten, wir geloben ihnen dafür aus tiefster Seele: Treue um Treue.

Diese Treue beweisen wir dadurch, daß ein jeder von uns die heilige Pflicht empfindet, an feinem Teile mitzuarbeiten, mitzuopfern, um den bedrängten Volksgenossen das Schicksal zu erleichtern. Mannig­fach sind die Aufgaben, die die Erhaltung des Deuschtums im Osten dem deutschen Volk stellt. Es ist das große Ziel der Vereinigten Ver­bände ijeimattreuer Obers chlesier, die Bedeutung der Förderung und Erhaltung des deut­schen Gedankens im Osten zum Allgemeingut des deutiiyen Volkes zu machen, den Willen zur Abwehr zu stärken, die innige Verbindung zwischen Ober schießen und dem Reich von Tag zu Tag zu festi­gen, damit ein geistiger Wall der polnischen Flut j)alt gebietet. Diese vaterländische Arbeit fordert die Zurückstellung alles dessen, was uns trennt. Nur bann, wenn wir in Einigkeit und Treue hinter denen stehen, denen ein höheres Geschick das unauf­hörliche Ringen auf der Wacht im Osten auferlegt hat, wird der Raub weiteren deutschen Gebietes verhindert werden, wird auch der Tag kommen, da uns unser geraubtes Oberschlesien zurückgegeben werden muß.

G.Jl.-'fpOTt

Fußball der Gießener Mannschaften.

Die Spielvereinigung 1900 hatte am gestrigen Sonntag acht Mannschaften im Feld. Fünf Spiele konnten siegreich bestritten werden, zwei Spiele gingen verloren, eines endete unentschie­den. Die Ligamannschaft gewann nach einem in­teressanten Kampf mit 4:1 gegen die Elf des Sport­clubs Wetzlar-Riedergirmes. Bei Halbzeit stand dos Spiel bereits mit 3:0 für 1900. Die Reserve war spielfrei. Die Lehrmannschaft gewann gegen VfR. Lich mit 3:1. Die 4. Mannschaft schlug sich gegen die 2. Mannschaft derTeutonia" Watzen­born-Steinberg überraschend gut und blieb mit 6:2' in Front. Die neugegründete 5. Mannschaft verlor gegen die zweite Elf von Lollar ihr erstes Spiel knapp mit 5:6. Die erste Jugend errang gegen die erste Jugend von Wetzlar-Riedergirmes einen knappen Sieg. Das Ergebnis lautete 3:2 für 1900. Die zweite Jugend hatte auf eigenem Platze die Zweite des Lokalgegners zu Gast und spielte unentschieden 1:1. Die 1. Schülermannschaft blieb gegen die 1. Schülermannschast von Butzbach mit 3:0 Sieger und die zweiten Schüler verloren gegen Großen-Dufecks erste Schüler 0:2.

Während das Spiel der Ligamannschaft des VfB. gegen die Liga der Kurhessen Kassel abgesagt wurde, da die Kurhessen nicht ohne ihren Repräsentativen Weben antreten wollten, spielte die Ligareserve gegen die l.Monnschaft von Hermannstein in Her­mannstein und verlor mit 3:2 (1:1). Die 2. Jugend spielte gegen die 1. Jugend 1900 1:1, die 1. Schüler- rnannschaft gewann gegen die 1. Schüler von Stein­bach überraschend mit 4:1.

Fußball in Hessen-Hannover.

Die Spiele des Sonntags brachten in Hessen- Hannover bis auf den Kampf zwischen dem Bezirksmeister SC. 03 Kassel und Borussia Fulda

früher in Gießen oorgestellt bat, mit dem Thema des Abends bekannt: mit dem Werk des bis vor kur­zem noch unbekannten Komponisten Johann August Sixt, dessen Leben in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts fällt, und dessen Musik entwick­lungsgeschichtlich erstaunlich genannt zu werden ver­dient. Durch einen glücklichen Zufall fand Dr. F i - scher ein Werk des von den Zeitgenossen tot­geschwiegenen oder schroff abgelehnten Komponisten: zwölf Liederbeym (Hamer zu fingen", von denen elf hier vorgetragen wurden; diese interessante Ent­deckung wurde ergänzt durch die Auffindung einer Sonate von Sixt in der Berliner Schloßbibliothek, wovon mit dem von Dr. Fischer gespielten Andante ebenfalls eine Probe gegeben wurde. Der Entdecker der vergilbten Notenblätter teilte dann das Wenige mit, was mit Sicherheit vom Leben des weiland Fürstlich Fürstenbergifchen Kammermufikus" zu Donaueschingen bekanntgeworden ist. Fischer hat die biographischen Daten mit den Liedern Sixtens zu einer dreiteiligen Erzählung unter dem TitelSixt u n d B e 11 i n a, ein Musikerschicksal aus der Goethe- Zeit" verbunden, die von Charlotte an der Heyden im Kostüm der Zeit gesprochen, gesungen und mit zwei Tanzeinlagen verziert wurde. Dr. Fischer begleitete feinfühlig am Klavier.

Diese elf Lieder nun, die im Mittelpunkt der Auf­führung standen, wirken in der Tat als eine musik- historisch sehr bemerkenswerte Entdeckung, welche die freudige Zustimmung der modernen Kritik ebenso verständlich wie die Ablehnung der Zeitgenossen des Komponisten unbegreiflich erscheinen läßt; man fühlte sich abwechselnd an Mozart, an Schubert, stellenweise auch an Beethoven erinnert, und die Folge der Lieder offenbart einen erstaunlichen Reichtum der musikalischen Erfindungsgabe, der Ausdrucks- und Wandlungsfähigkeit ... vom melancholischenGrab­stein" über den mozartisch leichten und beschwingten Liebeszauber", die zart melodiöseRomanze", das Scherzo von denReisen eines Schneiders" zu den abschließenden Gesängen voller Schwermut und Re­signation,Lied in der Abwesenheit" undAn das Klavier".

*

Charlotte an der Heyden in der Rolle der mit Sixt zärtlich befreundeten Bettina erwies sich als eine liebenswürdige und geschulte Erzählerin die mit dem fast völlig freien Vortrage des umfang­reichen Textes schon rein gedächtnismäßig eine re­spektable Leistung bot; vor allem aber als Sän­gerin von Kultur und feiner Einfühlungsgabe, deren weicher, fchlanker und sehr reiner Sopran'zur Jnter-

zumeist die erwarteten Ergebnisse. Rach äußerst hartem Kampf blieben die Borussen mit 5:2 Toren überraschend siegreich und übernahmen dadurch in der Gruppe Süd die Tabellen­führung. SC. 03 Kassel ist mit 10:4 Punkten auf den dritten Platz zurückgefallen, während Ger­mania Marburg, das Ockershausen mit 3:2 be­siegte, hinter den mit 12:2 Punkten führenden Fuldaern mit 11:3 Punkten auf dem zweiten Platze liegt. In der Rordgruppe liegt nun­mehr Göttingen 05 mit 20:8 Toren aus sieben Spielen und 12:2 Punkten vor Sport Kassel (sechs Spiele) mit 26:9 Toren und 11: 1 Punkten an der Spitze, während Hermannia Kassel mit 10:2 Punkten auf dem dritten Platze gleichfalls noch sehr gut im Rennen liegt.

Oie punfffämpfe in Hessen.

In der Gruppe Hessen büßte der Tabellenführer Kastel 06 seine Position durch eine 2:0-(l:0) Rie­derloge ein, die er in Worms durch den Alt­meister Wormatia bezog. Wormatia lieferte aller­dings auch nur ein schwaches Spiel, und wenn die Els jetzt auch den zweiten Tabellenplatz erreicht hat, so bleibt es doch weiter fraglich, ob sie noch einmal die Meisterschaft an sich bringen kann. Mainz 05 schlug zuhause die in der Abwehr ver­sagende Alemannia Worms 4:2 (1:0) und setzte sich damit erneut an die Tabellenspitze. Wormatia und Kastel folgen mit je zwei Punkten Abstand. Wies­baden erlitt in Langen eine 0:1 (0:0)-Riederlage und kommt nun für die beiden ersten Plätze schon nicht mehr in Frage. Olympia Lorsch hält nach seinem 2:1 (1:0)-Sieg über Urberach zusammen mit Alemannia Worms den 4. Tabellenplatz. Darm­stadt 98 schlug Walldorf 2:1 und hat nun die' gleiche Punktzahl wie Urberach erreicht. Die beiden bilden das Tabellenende.

pretation dieser alten Musik ungemein befähigt er­scheint. Die Sängerin fand sich in den wechselnden Stimmungen des kleinen Liederheftes und des ver­schollenen Musikantenschicksals mit zwangloser Na­türlichkeit zurecht und konnte zumal an den letzten Stücken der Folge ihre sympathischen Mittel in schöner Fülle und Höhe entfalten. Auch tanzte sie, in anmutigen Kostümen der Goethe-Zeit, sehr reizend (und sicher auf begrenztem Raum) ein Me­nuett auf die Melodie deszugleich edlen und galanten" LiedesAn die Rofen" unö das anafreon» tische ScherzoDas Mädchen an ihren Spiegel".

Das Publikum dankte mit herzlichem Beifall für diese Aufführung, mit der der Goethe-Bund fein neues Programm vorteilhaft unö verheißungsvoll eingeleitet hat.r

Oer Spiegel als Einbrecherschutz.

Das Bild im Spiegel hat in den Menschen manche magischen und unheimlichen Eindrücke er­weckt, und in romantischen Erzählungen wird ge­schildert, wie der bon seinem Doppel-Ich Gehetzte in dem Abbild, das ihm aus dem Glase ent­gegengrinst, seinen Feind und Verfolger erkennt und tötet. Aber das plötzlich auftauchende Spie­gelbild kann auch eine ganz unerwartete Schutz­wirkung hcrvorbringen, wie dies jetzt in Amerika der Fall war. Reuyorker Blätter erzählen von einem Einbrecher, der in eine Bank zu Atlanta in Illinois eingedrungen war. Mit dem Revolver in der Hand näherte er sich dem Ort, wo der große Geldschrank stand. Aber plötzlich prallte er entsetzt zurück, denn im Scheine der Blendlaterne sah er einen Mann auf sich zukommen, der ganz so wie er die Waffe drohend in der Hand hielt. Von Schrecken gepackt, wandte er sich um. stürzte heraus und verschwand mit seinen Helfershelfern, die auf ihn vor dem Hause gewartet hatten. Die Erschei­nung, die den schweren Jungen so eingeschüchtert hatte, war sein Abbild in einem großen Spiegel, der in dem Raum neben dem Geldschrank ange­bracht war. Er war vor sich selbst geflohen.

Hochschulnacbrichlen.

Professor Dr. Hans Geiger in Tübingen hat den Ruf an die Universität Heidelberg abgelehnt. Er sollte hier den durch die Emeritie­rung des Geheimrats Pros. Lenard freigewo.d.ncn Lehrstuhl der Physik übernehmen. Sein Spezial­gebiet ist Atomphysik.