15. Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
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Gießen, den 19. Oktober 1931.
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Ziehung 17. Oktober
Der Professor bemerkte von all dem nichts. Er sah nur sein Kind und war ganz in dessen Anblick versunken, wie jemand, der etwas paradiesisch Herrliches vor sich sieht und nicht glauben kann, daß es wirklich sein Eigentum ist.
Horvath ging zu den Pferden, die unruhig zu werden begannen. RoSmarie hielt die Hände des Vaters in den ihren, bis er in den grauen Samtkissen lehnte und breitete fürsorglich eine Decke über seine Knie. Eie hätte sich schlagen mögen, denn sie verspürte das helle Rot, das ihr auf den Wangen brannte, als sie jetzt eine Frage an Dela Szengeryi richtete: „Willst du neben dem Vater Platz nehmen oder mit mir nach Hause reiten? Guido läßt dir die Wahl frei."
„Du kommst zu mir in den Wagen, Dela", befahl Török und faßte nach dessen Arm. „Wir sind beide müde von der Fahrt. Rosmarie, wirst du auch vorsichtig fein?"
Sie sah mit einem Lachen zu ihm herab. „Ach, Vater, wenn du dich um mich sorgen wolltest, kämst du aus dem Zanken nicht mehr heraus. Guido und ich reiten alle Tage zusammen, zuweilen sogar ohne Sattel und nur auf einem Pferd."
„Aber Kind?"
„Es ist so herrlich. Vater? Unsagbar schön, nicht wahr, Guido? Kürzlich waren wir weit draußen, beinahe an der Ezarda. als der Sturm uns überfieL Ich stürzte und hatte einen gräst- lichen Schmerz in den Hüften. Da baute mir Guido aus den Leibern der Pferde ein Zelt und hielt mit seinem eigenen Rücken die Hagelschläge von mir ab. Ich wäre zugrunde gegangen ohne ihn."
„Rosmarie ist ein sehr tapferes Mädchen, Herr Professor", hörte Török sagen. Er blickte flüchtig zu dem Geiger auf, der es gesprochen hatte, bemerkte dessen verträumten Blick, der an der Tochter hing und erschrak. „Hatte das Kind schon gewählt? Hatte es lieben gelernt, noch ehe Vela Szengeryis Kust es zum Erwachen bringen sollte?"
Er streifte die schlanke Gestalt neben sich im Wagen, die blassen Gesichtes nach dem Rand der Steppe schaute. Er liebte Szengeryi wie einen Sohn. Treu war der Junge gewesen, so treu, dast er mehr als einmal sein Leben für ihn in die Schanze geschlagen hatte. Sein Kind
Herzigkeit? Mitleid? Oder hatte er überhaupt nichts dabei gedacht?
.Mein lieber Junge.'" Török legte ihm die rechte Hand auf das Knie. .Was sagst du nun dem Kinde? Grost ist es geworden! Und auch ein bißchen hübsch. Findest du nicht? Väter sind alle eitel, weiht du. Auch wenn sie weniger schön wäre, würde sie mir reizend erscheinen."
Szengeryis Mund würgte an den Silben. »Sie passen gut zusammen."
.Dela!" Török griff erschrocken nach dem Arm des Jungen. .Warum urteilst du. ehe du weiht wie es um die beiden steht? Ich werde RoS^ marie noch heute fragen, damit es dir erspart bleibt, ihr Rein zu hören, falls sie ein solches für dich hat."
Von Szengeryis Lippen kam nichts als ein unverständliches Murmeln.
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Samstag, den 17. d. M, abends 11 Uhr, wurde nach schwerem Leiden mein lieber Mann
Karl Heinrich Wagner im Alter von 59 Jahren durch einen sanften Tod in die Ewigkeit abgerufen.
Im Namen der trauernden Hinterbliebenen:
Elisabeth Wagner Wwe., geb. Dort
Großen-Buseck. den 18. Oktober 1931.
Die Beerdigung findet Dienstag, den 20. Oktober, nachmittags 2 Uhr. vom Trauer hause an der Oberpforte aus statt
2ln den Pappeln stand Horvath und sprach aus Rosmarie ein. Sie hatte die Arme gegen die Flanken des Pferdes gelegt und da- Gesicht hineinvergraben.
.Du muht ihn recht verstehen, mein Liebes", mahnte er gütig. .Was hätte er tun sollen? Du hast doch gesehen, wie er außer aller Fassung war. Er hat das Kind von einst im Gedächtnis gehabt und ein junges Weib gesunden. Roch dazu ein schönes Weib! Du weiht nicht, wie das auf einen Mann wirkt. Er ist neunundzwanzig Jahre, Rosmarie, und hat in drei Jahren nichts zu sehen bekommen als die Wälder Afrikas und ihre Frauen."
Ihr Gesicht fuhr auf und starrte ihn aus rotgeränderten Augen an. .Glaubst du, dah er schon einmal geliebt hat?"
.Ja, Rosmarie!"
.Guido!" Das Pferd machte einen Sah nach rechts, so hart hatte sie es an der Mähne gefaßt und den Kopf darein vergraben.
.Rosmarie." Er wartete geduldig, bis sie das Gesicht hob. .Willst du ihm deshalb Vorwürfe machen?"
Sie tupfte erregt mit dem Taschentuch über die Augen. „Ich will keinen Mann, der schon einmal eine andere geliebt hat."
Der Arm Horvaths, der um ihre Hüsten gelegen hatte, fiel herab. In seinem farblosen Gesicht standen zwei müde, glanzlose Augen.
Rosmarie sah es mit Schrecken. .Guido, ich habe dir weh getan." ilnb als er den Kopf schüttelte, bettelte sie. .Wenn cs dich verletzt hat, vergib mir, Guido." Sie hob seine Hand hoch und zog sie rasch an die Lippen. .Ich wollte dich nicht treffen! Bei Gott, das wollte ich nicht!"
„Rosmarie, was weißt du?"
„Die Aga hat mir alles erzählt."
„Was hat sie dir erzählt, Rosmarie?"
Das Zittern, das sich um feine Lippen stahl, schnitt ihr tief in die Seele. Eie sah von ihm
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Kriegerverein GieOen.
Dte trauer feier un»
<\ sered Ehrenmitgliedes ---* Beb. Kommorsienrats
Louis Emmelius
Mitbegründer des Vereins von J-k und Altveteran von 1870/71 nudet Dienstag, 11 Uhr uornu auf dem Neuen ftrtebbof statt. Stege Beteiligung erwünscht.
tisu-Betten (Stehl a. Holl) PolNef, SfliUfzimm^tehlmetr. kioderb ChaiaeL a.?rt- vete.ReteniL leleLfr. LieeaeobeJIabrilSohl
Todesanzeige.
Heute morgen entschlief sanft nach kurzem Kranksein unser lieber Vater, Schwiegervater, Großvater. Bruder. Schwager und Onkel
Herr Heinrich M, Landwirt
im Alter von 72 Jahren.
Die trauernden Hinterbliebenen:
Familie Karl Keller III.
nebst Angehörigen.
Weitershain, Odenhausen, Aliendorf, den 18.10. 31.
Beerdigung findet Dienstag, den 20 Oktober, nachmittags 3 */t Uhr statt.
V. I. B. 08
Hallentrainiug f. alle Abteilungen ab Mittwoch. 21. 10.1931 in d. Turnhalle der schiller- schule. 20—22 Uhr. Teilnahme Pflicht.
Monats- Versammlung
Dienstag, den 20. Oktober 1931, nachmittag» 2 Uhr, sollen im „Löwen , Jleucn- mcg 28, dahier, zwangsweise gegen sosor- ttgc Barzahlung versteigert werden.
ein Grammophon, Hemden, Stosse, ein Kleiderschrank, Sofas, Schreibtische, Di- wane, Warenschränke, ein Sekretär. Ski. und blaue Mützen, Handschuhe, ein Roll schreibpult, ein Motor, ein Radioappa- rat, Schreibmaschinen, eine Bohner- maschine, ein Klavier, ein Kassenschrank, ein Eisschrank, ein Glasaufsatz, Roggen' mehl, ein Märklin-Modell, eine Dumps- maschine, eine Ladentheke, eine Schreibladenkasse, ein Nivellierinstrument, ein Schlafzimmer, Teppiche, zwei Dielen. Garnituren, ein Sessel, Chaiselongues, ein Tisch, ein Oelbehälter, eine Kaffeemaschine, eine Eismaschine, ein Spiegel- Ichrank, ein Eiskonservator, eine Hom. mode, ein Gewehrschrank, ein Öel- gemalde, ein Vertiko, Leviteus, Kragen
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Am Freitag,den 16,d.M.,verschied das Ehrenmitglied unseresVereins,der Geh. Kommerzienrat Ms Emmelius im hohen Alter von fast 82 Jahren.
Ihm war es vergönnt, den Aufstieg unseres Vaterlandes und die blühende Entwicklung unserer heimischen Industrie nach der Reichsgründung im Jahre 1871 zu erleben. Aufrecht und ungebrochen führte er seine angesehene Firma durch die Not der Zeit, als sein Sohn und Nachfolger im Geschäft als Offizier im Weltkrieg fiel und die Größe, des Vaterlandes dahinsank.
Vorbildlich in seiner unermüdlichen Arbeitsfreudigkeit war er seinen Mitarbeitern im Geschäft ein gütiger und verstehender Freund und Vorgesetzter.
Im Kollegenkreise half er mit weisem Rat die Tagesfragen der immer neuen Entwicklungen innerhalb der heimischen Wirtschaft zu meistern.
Der Vcrein verliert in dem Heimgegangenen sein ältestes Mitglied, jeder Kollege einen treuen Freund. Wir werden ihn nicht vergessen.
Verein der Tabak Industriellen von Gießen und Ding. e.V.
gez.: Schirmer, Kommerzienrat.
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entlaufen. Befand. Slcnnt. am Hals cingeiodete (hc- schwulst. (hutmann. Westanlage31.7:c,v
Hinweg und suchte nach Worten. .Daß du bis Raja liebst, daß — daß___“
.TDad noch. Rosmarie?" Er hatte das Gefühl alS müsse die Pappel, an die er gelehnt stand in der nächsten Sekunde in tausend Stücke splittern.
Er verspürte ihre Finger um die seinen ge. schmeichelt und hörte sie weiter reden. .Du host Vvsanyi aus dem Schlamm gerettet, obwohl er dich haßt. Ach, Guido, wenn Dela nur halb so gut wäre wie du!"
.Er ist-besser als ich, glaub mir'6, er ist besser" Horvaths Drust wölbte sich unter den befreiten Atemzügen, die ihm ihre Worte gebracht hatten. Sie ahnte nichts, wußte nicht, daß daS Kind, das Oa draußen in der Steppe in Ianos Hütte schlief, seine und Rajas lebendige Schuld war. Er sah flüchtig zu RoSmarie hinüber.
Wenn er ihr jetzt alles gestand? In einer krankhaften Begier der Selbstquälung und Selbst, erniedrigung erwog er für eine Minute, sich ihr zu offenbaren, nur um zu wissen, waS sie tun wurde. Ob sie bliebe oder vor ihm floh. Dann war der gefährliche Augenblick vorüber.
Er durfte die Seele der Achtzehnjährigen nicht mit solchen Dingen entweihen. .Wir wollen wieder in den Sattel steigen, Kind! Sie holen uns sonst ein . mahnte er.
.Guido, eine Ditte noch..
Er nahm den Fuß wieder aus dem Steigbügel.
.Glaubst du, daß er mir's gesteht, wenn ich ihn frage, die wievielte ich bin, die er liebt?"
©ein Gesicht stand in lohendem Rot. .Du gehst zu weit, Rosmarie."
Ihre Augen zitterten in feuchten Schleiern. -Willst du damit sagen, daß ich dich daS nicht hätte fragen dürfen?
.Rein — so nicht", wehrte er, nahm ihre Hand und legte sie gegen seine Wangen. .Dein Vertrauen ist für mich etwas sehr Kostbares! Vergiß das nicht! Aber siehst du, eine Antwort aus eine solche Frage wird dir ein Mann nie geben! Keiner! Oder — er belügt dich!"
„Lind du, Guido? Hast du Raja auch belogen?"
Sein Gesicht sank auf die Brust. Er fühlte den flehenden Blick, der auf ihm lag. „Eie hat mich nicht danach gefragt, Rosmarie."
„Aber wenn?"
Gr biß die Zähne in die Lippen. „Ich hätte sie — belogen, Rosmarie."
Der Hengst, auf den sie sich geschwungen hatte, machte einen Sah nach vorn. Aber Horvath streckte noch rechtzeitig die Hand nach den Zü- geln aus und schwang sich in den Sattel, Wortlos ritten sie nebeneinander her.
_____________ (Fortsetzung folgt.)
Wasch-Vorlülinin^eo
veranstaltet der Konsumverein Gießen an folgenden Tagen für die städtischen Verteilungsstellen im Saale des Gewerkschattsbauses Gießen:
Dienstag, den 20. Oktober
Mittwoch, den 21. Oktober
Donnerstag, den 22. Oktober
Genossenschaftern Theunlssen von Düsseldorf wird dort einen aufklärenden Vortrag über praktische Waschmaßnahmen und richtige Anwendung über GEG-Famos und sonstige Seifenprodukte halten. Die Veranstaltungen finden jeweils nachmittags 2'/, Uhr statt Wir erwarten deshalb, daß alle Mitgliedertrauen und sonstige Interessenten hierzu erscheinen 6997 a
wollte er ihm zum Lohn dafür ans Herz legen, und nun war ihm ein anderer zuvorgekommen.
Szengeryi saß schweigend. Kaum, daß er hörte, wenn ihn der Professor etwas fragte. Jede Ant- wort mußte zwei- und dreimal von ihm erbeten werden.
Braun und rissig lag die Erde, verdorrt, verkohlt, ausgebrannt biS ins Mark. .Wie ich", dachte Szengeryi und schloß die Lider, um nichts mehr sehen zu müssen.
Rosmarie warf einen raschen Blick auf ihn und fror. So also sah der Mann aus. auf dessen Kommen sie drei Jahre mit Sehnsucht gewartet hatte, mit einer Sehnsucht, die beinahe größer war. als die nach dem eigenen Vater. Wie hatte doch Ianos damals gesagt? .Wenn einer so lange fortgewesen ist, bringt er vieles mit heim, was einem fremd ist."
Fremd war ihr Dela Szengeryi geworden, vollkommen fremd.
Der Professor begriff sein Kind nicht mehr, als plötzlich schwere Tropfen über dessen Wangen zitterten. .Was ist, Rosmarie?"
»Richts, Vater. Ich hatte mich nur so unsinnig gefreut, das muß nun wieder verebben in mir." Mit einem Sah ließ sie ihr Pferd neben dem Horvaths tanzen. .Ich habe der Aga versprochen, daß ich ein Stück vorausreite und ihr Rachricht bringe, ob die Herren eingetroffen sind. Ditte, bleib du, Guido." Dann mit einem leisen Flüstern: .Laß mich ein wenig allein, ich muß erst mein Gleichgewicht wieder finden."
Er verstand sofort. .Drüben bei den Pappeln schneide ich den Dogen ab. Dort mußt du dich wieder einholen lassen. Ja?"
Sie nickte. Ein Lächeln nach dem Vater hin, ein kurzes, starres Grüßen zu Szengeryi hinüber, dann ließ sie dem Hengst die Zügel locker.
Török sah vorwurfsvoll zu Horvath auf, der an der rechten Seite des Wagens ritt. .Eie kann sich Hals und Dein brechen."
Der Geiger sah der schlanken Gestalt mit einem stolzen Dlicke nach. „Sie sitzt wie ein Mann im Sattel, ilnb Dela ist verlässig. Der Hengst reagiert auf den leisesten Zügelgriff. Die beiden sind unzertrennlich."
.Warum hat sie gerade den Dela gewählt?" fragte Szengeryi aus der Stumpfheit seines Drütens.
.Weil sie ihn liebt", sagte Horvath schlicht. Dann mit einem knappen Lüsten des Hutes: .Entichuldigen Sie mich, Herr Professor, ich möchte Rosmarie einholen. Auf Wiedersehen, Dela'" Mit einem Kosewort ließ er den Schimmel ausholen.
Richts als eine dicke, schwarze Wolke körnigen Staubes blieb zurück.
In Dela Szengeryi klangen die Worte nach: „Weil sie ihn liebt." Sein Dlut kreiste. War das Absicht gewesen von Horvgth? Spott? Darm
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Nachruf.
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Wir betrauern in dem Verstorbenen ein Vorbild unermüdlicher Arbeitskraft und reichen Wissens, einen Vorgesetzten wohlwollender 1 ierzensgüte. einen Kaufmann reinster Lauterkeit und einen Menschen schlichtester Einfachheit Wir werden seiner stets in Treue und Dankbarkeit gedenken.
Die Angestellten
und Arbeiter der Firma Carl Emmelius.
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