Ausgabe 
19.8.1931
 
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besonderen Fonds zur Verfügung hat, vorläufig e i n- g e st e l l t und hat den Magistrat aufgefordert, d i e Berliner Besoldungsordnung spätestens bis zum 1. Oktober nach seinen Vorschlägen ab zu- ändern. Der Oberbürgermeister ist entschlossen, die Anordnung zu treffen, daß mit Wirkung oom 1. Ok­tober ab die Besoldung der Beamten und Angestell­ten nach Maßgabe des Beschlusses des Oberpräsi- dcnten vom 3. Juli geändert werden soll.

Oie Landkreise in der Krisis.

Weitere Einschränkung ter freiwilligen^ und Pflichtausgaben.

Berlin. 18. 2lug. (ERB.) In einer Vor- standssitzung des Deutschen und des Preußischen Landkreistages berichtete der Präsident Dr. von Stempel über die Lage der Landkreise. Der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giro­verbandes Dr. Kleiner ergänzte diese Aus­führungen nach der Seite des Kommunalkredites. Beide Redner hoben hervor, daß die bis­herige Hilfe des Reiches und der Länder gegenüber den Ertverbslosenlasten der ländlichen Bezirksfürsorgeverbände ungenü­gend gewesen sei. Obwohl der Bevölkerung bis­her schon kaum vertretbare Einschränkungen der freiwilligen kreiskommunalen A uf* gaben sozialer, wirtschaftlicher und kultureller Art zugemutet werden muhten, sei nicht nur ein noch weiterer Abbau dieser Aufgaben un­vermeidlich. sondern es würden auch bei den den Landkreisen durch die Gesetzgebung des Rei­ches und der Länder auferlegten Pflichtauf­gaben starke Einschränkungen eintreten müssen. Trotz solcher Einschränkungen und trotz der in den Landkreisen durchgeführten Einstel­lung wichtiger freiwilliger kommunaler Aufgaben steige die Finanznot der Landkreise weiter. Schleunige Hilfe von Reich und Staat mühte zur Vermeidung schlimmster Folgen ein­setzen. Die Frage, ob und in welchem Umfange Barunter st ühungen durch Ratural­leistungen in der öffentlichen Für­sorge erseht werden können, werde ernstlich erwogen, bedürfe aber noch eingehender Prüfung. Oer Sparkassen- und Giro-

verband zur Gparkaffenreform

Berlin, 18. Aug. (ERB.) Der Vorstand des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes hat zur Frage einer Sparkassenresorm eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt: Die Sparkassen- vrganisation ist entschlossen, alle auf gründ der Erfahrungen der letzten Wochen sich als notwen­dig erweisenden Maßnahmen zur Förderung der Liquidität der angeschlossenen Geldin­stitute, und zwar soweit erforderlich, auch unter Zurückstellung des Rentabilttätsgesichtspunktes, beschleunigt durchzuführen. Sie ist jedoch der Auf­fassung, daß eine ausreichende Sicherung der Li­quidität in Krisenzeiten nur dann gegeben ist, wenn auch die Sparkassen auf einen stärkeren Rückhalt bei der Retchsbank rechnen können. Im übrigen haben sich während der Krise irgendwelche Strukturfehler im Spar­kassenwesen nicht gezeigt. Die vorübergehend aufgetauchte Frage einerSparkassenreform" im Sinne einer Beschränkung des kurz­fristigen Sparkassengeschäfts kann da­her praktisch als erledigt angesehen wer­den. Im gegenwärtigen Zeitpunkt ist eine grund­legende Aenderung der Sparkassengeschäftspolitik wedernvtwendignvch nützlich. Don den Sparkassen werden neben 18 Millionen Sparern 2,5 Millionen Kreditnehmer betreut; allein als Personalkredit sind aus Sparkassenmitteln 2,2 Milliarden Mark gewährt. Auch für die Zu­kunft kommt der finanziellen Versor­gung des Mittelstandes und der wirt­schaftlich schwächeren Volkskreise durch die Spar­kassen eine besonders große volkswirtschaftliche und nationale Bedeutung zu.

Was wir- -er Wirtschastsplan bringen?

Elastischere Gestaltung des Tarifsystems.

Berlin, 19. Aug. (ERB.) Der demokratische Dörfen-Courier" schreibt: Mit welchen Maß­nahmen die Reichsregierung den Erfordernissen der wirtschaftlichen Bedrängnis in den nächsten Monaten begegnen wird, steht im einzelnen noch nicht fest. Dennoch läßt sich schon jetzt ein Bild Der Gesichtspunkte gewinnen, aus denen das Kabinett Brüning seine Entschlüsse wird herleiten müssen. Cs gilt für die Wirtschaftsberater der Reichsregierung als unerläßlich, die zugestan­denermaßen auch weiterhin notwendige Senkung der Lohn- und Preisebene elastischer zu ge ft alten, als es bis jetzt möglich war. Das bedeutet eine Auflockerung der allzu starr en Tarifverträge und ihrer Sicherungen. Keineswegs denkt man dabei an eine Beseitigung solcher Verträge. Wohl aber müssen Aenderungen viel rascher als bis­her durchgeführt werden können.

Ferner wird auf die örtliche und sachliche Ver­schiedenheit der Wirtschaftsgruppen entsprechende Rücksicht genommen werden müssen. Man will aus den gleichen Gründen die Möglichkeit schaf­fen, daß einzelne Betriebe Löhne zahlen können, Die zeitweise unter dem allgemeinen Tarif liegen. Die Verbindlichkeit der Schieds­sprüche gilt in der jetzigen Form als unhalt­bar. Weiterhin gehören zu den Aufgaben, die der staatlichen Wirtschaftspolitik gestellt sind, die Senkung der Mieten und nicht zuletzt eine Zusammenlegung der bestehenden drei Systeme der Arbeitslosenfürsorge zu einem einheitlichen System.

40-stündige Arbeitswoche in der Kalksandstein- und Zementindustrie.

Berlin, 18. Aug. (XU.) Vor einiger Zeit haben im Reichsarbeitsministerium Besprechungen mit verschiedenen Industrien über die Möglich­keiten einer Arbeitszeitverkürzung und der Neueinstellung von Arbeitern stattgefunden. Nun ist in der Kalksandstein- i n d u st r i e eine Vereinbarung zustande gekommen, nach der die regelmäßige Arbeitszeit 40 Stunden wöchentlich beträgt und die zur Aufrecht­erhaltung des geregelten Betriebes notwendigen U e b e r ft u n d e n in der gleichen, spätestens in der folgenden Woche ab g efeiert werden müssen; jeder Betrieb ist verpflichtet, entsprechend der Ver­kürzung der Arbeitszeit auf 40 Stunden in gleichem Ausmaße neue Arbeitskräfte einzu st el- len. In der Zementindustrie konnte eben­falls in einer Reihe von Betrieben die 40stündige Arbeitswoche unter Neueinstellung von Arbeitern herbeigeführt werden.

Aus aller Welt.

Oie Englandfahrt desGraf Zeppelin"

Graf Zeppelin" hat auf seiner Englandfahrt Kurs durch Frankreich über Besan?on, Ehälons- sur-Marne und Amiens genommen und um 16.30 Llhr (MEZ.) bei der Stabt Hastens die englische Küste erreicht. Kurz nach 17 Uhr überflog er Brighton, wo er von Tausenden von Badegästen bewundert wurde.Zepp" auf dem Wege nach London! Haltet Ausschau nach demZepp"! schleuderten fettgedruckte Strahenplakate den Hunderttausenden entgegen, die um 18 Llhr i n London ihre Bureaus verließen und nach Hause zurückkehrten. Alles suchte den grauen Himmel ab, als plötzlich das Surren von Pro­pellern von Begleitflugzeugen das Heran­nahen des silbernen Riesen ankündigte, der in schneller Fahrt so niedrig fliegenh, daß der Rame Graf Zeppelin" mit dem bloßen Auge lesbar war, unter dem allgemeinen Iubel auf die St. Paul-Kathedrale zusteuerte, Don dort ver­schwand das Luftschiff in Richtung des Flug­platzes Hanworth, wo es um löil hr glatt landete. Der Landung wohnten über 10 000 Personen bei. Die Polizeimannschaften waren nicht in der Lage, die begeisterte Menge zurückzuhalten, die die Absperrungen durchbrach und auf den Luftriesen zustürmte. Dr. Eckener und die Be­satzung wurden von der Menge stürmisch be­grüßt. Acht Polizisten mußten Dr. Eckener einen Weg zu dem Lautsprecher bahnen, von dem aus

Amerika im Zeichen der Mischastskrisis.

Ein interessanter Bericht über die innerpolitische Lage der Bereinigten Staaten- Verstimmung gegen Hoover. - Unzureichende Bekämpfung der Arbeitslosigkeit.

Vor einem kritischen Winter.

London, 18. Aug. (TU.) Ein Sonderbericht­erstatter derRews C hrvnicle", der sich auf einer wirtschaftlichen Studienreise in den Ver­einigten Staaten befindet, wurde am Montag von Präsident Hoover empfangen. Der Bericht­erstatter stettt fest, daß Präsident Hoover der ein­zige amerikanische Staatsmann ist, der um diese heiße Iahreszeit auf seinem Posten in Washing­ton verharrt und gegenüber einer weitverbreiteten nationalen Riedergeschlagenheit in den Vereinig­ten Staaten in beinahe hartnäckiger Weise freu­dig und zuversichtlich bleibt. Die Weige­rung Hoovers, in das allgemeine Horn der Trüb­sal zu blasen, sei auch der Grund für die feind - selige Propaganda, der der Präsident in seinem Lande seit einiger Zeit ausgesetzt sei. Die ganze Wut einer verwirrten und enttäuschten Ra­tion schiene sich auf den unglücklichen Präsidenten zu konzentrieren, der zum Sündenbvck der wirtschaftlichen Depression geworden sei. Dergroße Ingenieur von vor einigen Iah- ren sei inzwischen zumgroßen Versager" gestempelt worden. Seine Gegner wollten ihm nicht einmal die Anerkennung für den Gedanken des Schuldenmoratoriums zubilligen, sondern k«haupten, daß ihm dieser durch Männer wie Dawes, Morrow und Mellon, sowie einem Dutzend Reuyorker Bankiers in wochenlanger Be­arbeitung auf gezwungen worden sei.

Diel von der Krittk sei unverantwortlich, un­kontrollierbar und in ihrer Art unfair. In man­chen Kreisen schiene man zu erwarten, daß Hoover bloß irgendeine magische Formel zu murmeln brauche, um Amerika wieder in das holde Ieru- salem zu verwandeln. Aber in Amerika würde in dieser Zeit selbst der Erzengel Gabriel mit sehr kärglichem Respekt behandelt werden, wenn er nicht in der Lage wäre, die Aktien­kurse innerhalb 48 Stunden in die Hohe gehen zu lassen und für den ameri­kanischen Weizen wieder einen geeigneten Markt schaffen könnte.

Die Regierung habe sich für die augenblickliche böse Lage im übrigen selbst die Verantwortung zuzuschreiben, denn sie habe bisher keine andere Polittk -zu verfolgen gewußt als die Lohne hoch- zuhalten, um eine industrielle Beunruhigung zu vermeiden und dieses habe sie nur durch eine Ermunterungsmethode mit patriotischem Ein­schlag getan. Inzwischen sei aber bereits in vielen Industrien der Einbruch in das Lohnniveau er­folgt, und diese Bewegung schiene sich jetzt zu

verbreitern, ohne daß die Regierung irgendwelche Schritte dagegen unternehme. Gerade in dieser schwierigen Lage lasse sie es an der not­wendigen Führung fehlen und scheine die kurzsichttge Polittk zu verfolgen, auf eine günstige Konjunkturwelle zu hoffen, die ohne ihr Zutun wieder normale Bedingungen schaffen würde. Ihre Bemühungen, nationale Rot- standsarbeiten zu schaffen, seien so kläglich, daß sie wohl selber nicht daran glaube und sie ledig­lich als eine Geste mit Rücksichtnahme auf die öffentliche Meinung unternehme.

Rach seiner Unterhaltung mit dem Präsidenten ist der Berichterstatter der Ansicht, daß Hoovers bekannter wirffchaftlicher25-Iahr-Plan" an sich gar fein Plan ist, sondern weiter nichts als eine großzügige Voraussage der möglichen Bedürfnisse des amerikanischen Volkes für die nächsten 25 Iahre, begleitet von der frommen Hoffnung, daß Amerikas Inittative diesen Bedürfnissen Ge­nüge tun wird. Gleich vielen altmodischen In­dustriellen fei die Regierung bei dem bloßen Gedanken an eine nationale Ar­beitslosenunterstützung entsetzt, ob­gleich Amerika tatsächlich doch schon die ganze letzte Zeit über Arbeitslosenunterstützung an Millionen von Erwerbslosen und in größtem Ausmaße aus Wohltätigkeitsfonds zahle, die zu 80 v. H. aus staatlichen Steuern beständen. Der Korrespondent fügt diesen Aus­führungen die interessanten Feststellungen eines großen amerikanischen Zeitungskonzerns hinzu, nach denen die Hälfte der amerikani­schen Bundes st aaten keinerlei Mit­tel für direkte Arbeitslosenunter­stützung zur Verfügung und auch keine Mög­lichkeiten habe, solche für den bevorstehenden Winter aufzutreiben. Die Wohltätigleitsvereini- gungen wären nicht in der Lage, in erforder­lichem Maße Hilfe zu leisten, zahlreiche ameri­kanische Städte hätten die Grenze der Möglich­keit in der Beschaffung von Mitteln in irgend­einer Weise erreicht, und die Steuerein­nahmen seien wegen Zahlungsschwierigkeiten der Steuerzahler stark gesunken. Der Kone- spondent erinnert an die Bemerkung des seiner Ansicht nach sehr gemäßigten Präsidenten der amerikanischen Arbeiterföderation, Green, der erst in vergangener Woche erklärt habe, daß in den Vereinigten Staaten ohne eine angemes­sene Vorbereitung auf den kommenden Winter die Gefahr einer Rev olutivn bestünde.

er einige Dankesworte an die Menge richtete, die jedoch in dem Begeisterungssturm untergingen. Mehrere tausend Engländer hatten sich freiwillig erboten, die Landemannschaft zu stellen, jedoch blieb diese Aufgabe einer besvndersausge- suchten Mannschaft von 200 Eisenbahnar­beitern unter Führung des Kommandanten und des Ersten Offiziers des englischen Luftschiffes R. 100" Vorbehalten. Ein besonderer Programm- Punkt war die Hissung der deutschen Flagge auf dem Flugplatz unter gleich­zeitigem Spielen des Deutschlandliedes mit Ueber- tragung durch einen Grammophonlautsprecher. Nach einem Aufenthalt von knapp 1% Stunden auf dem Flugplatz, ist das Luftschiff zu feinem großen Rundflug über England gestartet. Von Hanworth aus schlugGraf Zeppelin zunächst west- liche Richtung ein und verschwand in der Dunkelheit.

Frecher ZRau&übcrfall

auf eine Berliner Reichsbanlfiliale.

Zwei maskierte Räuber drangen Dienstag um die Mittagsstunde mit vorgehaltenen Revolvern in die Filiale der Reichsbank in der Innsbrucker Straße. Einer der Räuber schwang sich sofort über d t e Brüstung in den Kassen­raum, wo er den Geldoberzähler Kreye, bevor dieser zur Waffe greifen konnte, durch einen schweren Leerschuß nieberftretfte. Darauf ergriff er ein Geldscheinbündel Im Werte von 20000 Reichsmark, das

Warum derBerlmerBesuch derKranzosen verschoben wurde?

Enthüllungen desJournal de Genöve,,. - Briand intrigiert gegen den Ministerpräsidenten und zwingt Laval unter Drohung mit seinem Rücktritt zum Verzicht aus den Augusttermin.

Genf, 18. Aug. (111.) DasJournal de Genöve" veröffentlicht sensationelle Mitteilungen seines Pa­riser Berichterstatters über Vorgänge innerhalb des sranzösischen Kabinetts, die die wahre Ursache der Verschiebung der Berliner Reife Lavals gebildet haben sollen. Rach der Darstel­lung des Blattes hatte anfangs August Laval be­schlossen gehabt, im Falle einer Ablehnung des Volks­entscheids dem Reichskanzler Brüning in Berlin be­reits Ende August seinen Besuch abzustatten, und zwar ohne Briand. lediglich in Begleitung von Berthelot. Briand, der von diesen Planen Mitteilung erhielt, sei es aber gelungen, die Ab- sichten des Ministerpräsidenten zu d u r ch k r e u ; e n. Laval habe zu feinem größten Erstaunen in der Presse ein Berliner Telegramm gelesen, demzufolge in Berliner politischen Kreisen größte Beunruhigung über die Verschiebung seiner Reise auf Ende September herrsche, obwohl zu diesem Zeitpunkt die Einladung der deutschen Regierung nochnichteingetroffenwar und daher irgendeine Mitteilung der französischen Re­gierung nach Berlin noch nicht ergangen sei. Line sofort eingeleitete Untersuchung habe ergeben, daß die Haoas-Agentur in aller Stille, und zwar ohne wissen des Ministerpräsidenten aus Veranlassung des Quai d'Orsay ein Telegramm offiziösen Lharakters nach Berlin gesandt habe, in dem von einer Verschiebung der Reise Lavals nach Berlin aus Ende September aus Grün­den der Zweckmäßigkeit Mitteilung gemacht wurde. Ministerpräsident L av a t, der in größte Entrüstung

geraten sei, habe festgestellt, daß die unmittelbare Umgebung seines Kollegen im Auswärtigen Mini­sterium versucht hätte, ihm die Hände zu binden. Im Hinblick auf die peinliche Situation sei es ihm jedoch nicht möglich gewesen, sich össenttich darüber zu beschweren. In diesem Augenblick sei dann die Einladung der deutschen Regierung eingetroffen, in der die französischen Minister auf­gefordert wurden, zum 27. August nach Berlin zu kommen. Laval habe darauf sofort Berlin wissen lassen, daß er durchaus bereit sei, zu diesem Zeitpunkt nach Berlin zu fahren, daß jedoch die end­gültige Annahme der Einladung von der Z u - stimmung des Außenministers ab­hänge, der aber unzweifelhaft diese Zustimmung erteilen würde. Briand habe jedoch Laval wissen lassen, daß er sich einer Reife nach Berlin für Ende August widersetze und erforderlichenfalls z u - r ü rf t r e t e n würde. Rach einem längeren Mei­nungsaustausch zwischen Paris und Locherei, dem Landsitz Briands, habe sich der Ministerpräsident ge­zwungen gesehen, nachzugeben und den Ber­liner Besuch für August abzusagen. Der Bericht­erstatter betont, daß die Tatsachen selbstverständlich von amtlicher Stelle geleugnet würden. Sie seien jedoch allgemein bekannt. Unter diesen Umständen müsse man damit rechnen, daß der Ministerpräsident eines Tages die Leitung des Außenministeriums persönlich übernehmen würde, insbesondere, da der gegenwärtige Außenminister bereits zweimal seinen Rücktritt angeboten habe.

rädern in Richtung des Schöneberger Stadtparke» davon. Bei den Schüssen, die die Einbrecher dann aus ihre Verfolger, die mit zwei Kraft­droschken und zwei Privatwagen hinterherfuhren, abgaben, wurde e i n Kind am Arme ver­letzt. In einer Kurve wurde einem verfol­genden Reichsbankbeamten, der auf dem Trittbrett eines Privatwagens fttmd, die Hand der­art herumgeriffen, daß fein Schuß den Führer des Kraftwagens in die Schulter traf. Wie nachträglich festgestellt wurde, war die Telephonleitung der Reichsbankfiliale von den Räubern durch­schnitten worden. Außerdem hatten die Täter wahrscheinlich in der Nähe einen künstlichen Auflauf in Szene gesetzt, denn im Augenblick des Ueberfalls rannten alle Leute in die ent­gegengesetzte Richtung.

Die Direktton der Reichsbank hctt für die Er­greifung der Reichsbankräuber eine Belohnung von 3000 Mark ausgesetzt. Der Zustand des an- geschossenen Obergeldzählers Kreye, der im Krankenhause sofort einer Operation unterzogen werden mußte, ist s e h r e r n st. Von den Beamten des Hauptdezernats wurde ein brauner Filzhut gefunden, an dem eineMaskeaus schwar­zem Tuch ain genäht war. Weiter wurde eine von dem einen der Täter ^urückgelassene Pistole gefunden. Die beiden Tätet' werden auf etwa 25 Iahre geschäht. Da die Kleidung der beiden Räuber schon etwas abgerissen gewesen sein soll, besteht die Möglichkeit, daß sie sich von dem geraubten Gelde neu einkleiden werden.

Die Bayreuther Tristan-Aufführung über 200 Rundfunksender.

Die erste Bayreuth-Uebertragung des deutschen Rundfunks, der am Dienstag die OperTristan und Isolde" über 2 0 0 Sender verbreitete, ist nach den vorliegenden Berichten ein großer Er­folg geworden. Es waren außer Deutschland alle europäischen Rundfunksender, Nord- afrika und über Neuyork ganz Nordame­rika angeschlossen. In Deutschland war der Emp­fang überall gleichmäßig gut. Auch die Meldungen des Auslandes betonen fast durchweg den störungs­freien, klaren und akustisch guten Empfang. Aus allen Ländern liefen Danktelegramme für die reiche Gabe des deutschen Rundfunks ein, die im Sinne der Tradition von Bayreuth geboten worden fei. Wilhelm Furtwängler als Dirigent und die besten deutschen Sänger als Solisten gaben beste Leistungen. Der deutsche Runfunk hat somit eine hochstehende künstlerische Wiedergabe des Werkes auch in technischer Beziehung der ganzen Welt voll­endet vermittelt.

Lin ExempeL

Dor dem Schnellgericht Berlin hatte sich dev Malergeselle Knispel zu verantworten, der am 15. August am Bülow-Platz vor einem Zeitungs­stand beleidigende Aeuherungen ge­gen den Reichskanzler Dr. Brüning und gege ndie Reichsregierung hatte laut werden lassen, so daß sich um ihn eine größere Ansamm­lung bildete. Den Polizeibeamten, der ihn zum Weitergehen aufforderte, beschimpfte er gleich­falls. Das Schnellgericht verurteilt« Knispel wegen Beleidigung zu zwei Monaten und zwei Wochen Gefänanis und wegen Richtbefol­gung polizeilicher Anordnungen zu fünf Tagen Haft.

vom Spiel in den Tod.

In B i l st o n (Staffordshire) schwangen sich drei Kinder an einem Krankabel, das sie plötzlich 70 Fuß hoch zog, von wo sie, da sie sich nicht mehr halten konnten, hernieder stürzten. Ein Knabe ft a r b, während ein anderer und feine Schwester schwer verletzt wurden.

Oie Wetterlage.

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Q wolkenlos O neuer, c» halb bedeckt ® Molkig. bedeckt. Kege^ * Schnee <s Graupeln Nebel K 6ewit«-r.(§) Windstille. «Q-. 3d» «eichte» osi -nissiger Südsüdwest q stürmischer «ordwesl die Piene fliegen mit dem winde. Die beigen Stationen stehenden Zah­len geben die Temperatur an. Pie Linien verbinden Orte mit-gielchcofc auf nrtresniveau umoereenneten Luftdruck

Wettervoraussage.

Rachdem das Tiefdruckgebiet, das in den letzten Tagen unser Wetter bestimmt hat, über Süd- Schweden und die Ostsee abgezogen ist, rückt vom Ozean her eine neue kräftige Störung heran. Durch ihre Vorderseite ist bereits eine südliche Luftströmung entstanden, die sich über England, Frankreich und Westdeutschland durchgeseht hat und warme Luftmassen heranbringt. Dabei hat sich bei ihrem Ausgleiten ein verbreitetes Regen­gebiet entwickelt, das schon bis in unseren Bezirk reicht. Mit dem Weiterzug der Störung gelangt noch mehr feuchtmilde Ozeanluft nach dem Fest­lande, so daß das regnerische Wetter noch keinen Abschluß findet.

Vorhersage für Donnerstag. Meist wolkiges Wetter mit Niederschlägen, vorerst etwas milder.

Lufttempreraturen am 18. August: mittags 18 Grad Celsius, abends 14,4 Grad; am 19. August: morgens 12,1 Grad. Maximum 18,7 Grad, Minimum 8,8 Grad. Erdtemperaturen in 10 an Tiefe am 18. August: abends 17,6 Grad; am 19. August: mor-

er in eine dort liegende Aktentasche steckte und gens 13,6 Grad Celsius. Niederschläge 6,7 mm., machte sich dann mit seinem Komplicen auf Fahr- Sonnenscheindauer 2K Stunden.