Ausgabe 
19.8.1931
 
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Mittwoch, 19. August (951

181. Jahrgang

Nr. 192 Erster Matt

GietzenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Einigung des Basler Siillhaliekonsortiums.

Auch die Frage der ausländischen Markguthaben bereinigt. - Oer Bericht der Sachverständigen veröffentlicht. - Er ver, langt Wiederherstellung des Vertrauens durch politische Verständigung als wichtigste Voraussetzung für die Hergabe langfristiger Kredite und fordert die Regierungen auf, keine Zeit zu verlieren.

Bafel. IS.Bug. (WIB.) Die bis in die späten Nachtstunden fortgesetzten Verhandlungen de» inter­nationalen Sachoersländigenausschustc» und de» fo- genannten Stillhaltekansortium» wurden kurz vor 1 Uhr z u L n d e g e f ü h r l. In sämtlichen Punkten gelangte man nach langwierigen, oft unterbrochenen Verhandlungen zu einer Einigung. Vie» gill auch für die fo heitz umstrittene Frage der aus- lündif chen Markguthaben In Deutsch- land. Diese» Problem, dem von deutscher Seile erhebliche Bedenken belgemeffcn wurden, ist, wie man Höri, In der weise gelöst worden, daß 2 0 v. h. dieser Guthaben sosort und der Best allmählich abgezogen werden können. Das Abkommen über diese Frage steht jedoch einen Vorbehalt vor Insofern al» öle Beichsbank gewisse Mahnahmen treffen kann für den Fall, dah sich durch den Abzug dieser Markgut­haben eine Gefährdung der Vevisenlage der Beichsbank ergeben könnte, ver Bericht de» Still Halteausschusses wird erst am Mittwoch hier unterzeichnet und zur veröstentllchung kommen.

Oer Layton-Berichi.

Tie Lachverständigen fordern Beseitigung deS System- einseitiger Reparationen.

-Bafel, 19. Aug. (TU.) Der vom internatio­nalen Sachverslänbigenausschuh, dem Ausschuß zum Studium der deutschen Kreditlage gestern unterfertigte Bericht, dessen Verfasser Daü englische Ausschußmitglied Sir Walther Lay ton ist, ist in der Rächt zum Mittwoch in englischer, französischer und deutscher Sprache, und zwar im vorläufigen Text, veröffent­licht worden. Wichtig sind vor allem seine Schlußfolgerungen Der Bericht führt zunächst über die Maßnahmen Deutschland- aus, dah es zwei Mittel gebe, durch die Deutschland ohne fremde Hilfe möglicherweise eine Sanierung er­reichen könnte:

1. durch weitere Veräußerung der deutschen Auslandsaktiven, und 2. durch Erwerb von Devisen mittels Drosselung der Einfuhr. Gewisse Einschränkungen der Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr und strikter durchgeführter Sparsamkeit sowohl bei den öffentlichen Ausga­ben aiS auch bei manchen Formen des privaten Aufwands würden in Zukunft er­forderlich sein, um Deutschland in die Lage zu versetzen, seinen jährlichen Verpflichtungen gegen da- Ausland nachzutomrnen und die Schulden, welche eS in den letzten Jahren ausgenommen habe, zurückzuzahlen. Aber eine Ausfuhr in beinahe der doppelten Höhe der Ein­fuhr wenn sie tatsächlich durchführbar wäre würde eine ernfte Störung seines Wirtschaftsleben- mit sich bringen.

Die Aulrechterhaltung der Ausfuhr unter dem infolge des scharfen Wettbewerbs gegenwärtig gegebenen Verhältnissen bringen den Verkauf von Waren zu sehr niedrigen Preisen mit sich, während die Drosselung der Einfuhr in dem vorgeschlagenen Maßstab ein niedriges Verbrauchernivcau in Deutschland be­dinge. Derartige Maßnahmen führten daher zu weiterer Verarmung und hoher Ar­beitslosigkeit. bedingt durch Einschränkung des Kredits. Dadurch werde zweifellos auch die Weltdeprefsion verstärkt. Wenn diese dazu führe, daß die anderen Länder zu Gegenmaßnahmen schritten, um ihre Märkte zu schützen, so werde da- Handelsvolumen noch weiter herabgedrückt. DaS Komitee erachte es deshalb im allgemeinen Interesse für höchst unerwünscht, daß Deutschland gezwungen würde, eine derart schroffe Lösung zu wählen.

vle Finanzsachverständigen kommen daher zu dem endgültigen Schluß, dah es sowohl im all­gemeinen Interesse ab auch im Interesse veutschlands notwendig Ist,

L da» jetzige Volumen der deutschen Ausland»- kredite aufrechtzuerhalten und

2. auf alle Fälle einen Teil der zurückgezogenen Mittel aus ausländischen Quellen zu ersehen.

Wir sind daher der Aussassung, dah zur Sicherung von Deutschlands finanzieller Stabilität alle weiteren Kredite in Form einer langfristigen Anleihe gegeben werden sollten und daß die­jenigen Teile der bestehenden kurzfristigen Kre­dite, die hierfür in Betracht kommen, in lang- frlstige Verpflichtungen umgewandett werden sollten.

Der zweite Teil unseres Auftrages weist uns die Ausgabe zu. die Möglichkeit der Aus­nahme einer langfristigen Anleihe für Deutschland zu prüfen. Die Londoner Kon­ferenz hat der Ansicht Ausdruck gegeben, daß der Mangel an Vertrauen zu Deutschland, welcher die Kreditabziehungen verursacht und

damit die jetzige Krise so verschärft hat, .durch die wirtschaftliche Lage deS Landes nichtgerechtfertigt i st". Die gegenwärtige Regierung hat unter schwierigen Verhältnissen den Beweis ihrer Entschlossenheit, Deutschlands Öffentliche Finanzen auf eine gesunde Basis zu teilen, geliefert, diese Politik, wenn sie streng ortgeseht wird wird entschieden dazu beitragen, Deutschlands Kredit zu stärken. Es ist indessen klar, daß eS ohne eine Wiederherstel­lung des Vertrauens in die finan­zielle Zukunft Deutschlands u nm ög- i ch ist, eine langfristige Anleihe allein auf Deutschlands Kredit hin aufzunehmen. Schon die Fundierung der übermäßigen kurzfristigen Ver­schuldung würde dazu beitragen, die Lage zu bessern.

E» bleiben aber zwei grundlegende Schwie­rigkeiten:

Vie erste ist das damit verbundene politische Bisiko. Solange nicht die Beziehungen zwischen Deutschland und anderen europäischen Mächten auf der Grundlage freundschaftlichen Zusammen- arbeitens und gegenseitigen Vertrauen» beruhen und dadurch eine wesentliche Ursache innerpoli­tischer Schwierigkeiten für Deutschland beseitigt wird, ist keine Gewähr für einen dauernden und friedlichen wirtschaftlichen Fortschritt ge­geben. Vies ist die erste und grundlegende Voraussetzung für die Kreditwürdigkeit.

Die zweite betrifft die äuheren Verpflichtungen Veutschlands. Solange diese Verpflichtungen, sowohl die prioaien als auch die öffentlichen entweder eine dauernde lawinenartige Erhöhung der ausländischen Schulden Deutschlands oder aber ein derartige» Mißverhältnis zwischen seiner Einfuhr und Ausfuhr Hervorrufen, daß die wirtschaftliche Prosperität anderer Länder bedroht ist, wird ein Geldgeber die Lage kaum al» gefestigt oder dauernd ansehen.

Wir möchten jeboi» wiederholen, daß daS deutsche Problem einTeil einesgröheren Problems ist. welches auch viele andere Län­der der Welt angeht. In diesem Zusammenhang wollen wir zweierlei bemerken: 1. Um die Rach­frage wieder anzuregen, und dadurch die ständige Abwärtsbewegung des Preisniveaus auszuschal­ten. welche Ähuldner und Gläubigerländer in gleicher Weise in einen Circulus vitiosus der De­pression zieht, ist es wesentlich daß bie Unter­bringung neuen Kapitals wieber normal in Dang kommt 2. Wir möchten batauf Hinweisen, daß das Beispiel Deutschlands, die eindrucksvollste 311 u- stration der Tatsache ist. daß die Welt in den vergangenen 3ahren versucht hat, zwei verschiedene, sich widersprechende politische Prinzipien zu verfolgen, in­dem sie die Sntwicöung eines internationalen finanziellen Systems zuließ, dah b:e 3 a b r c 8 - zahlung großer Summen vonSchuld- ner anGläubigerländer mit sich bringt, demgegenüber aber gleichzeitig der freienGü- terbetoegung Hindernisse in den Weg legt. Solange bie'e Hindernisse bestehen bleiben, müssen derartige Kapttalbewegungen na­turgemäß das internationale finanzielle Gleich­gewicht stören. Finanzielle Hilfsmaßnahmen allein werden nicht imstande sein, die wirt­schaftliche Prosperität der Welt toieter- hetzustellen, wenn nicht die auf Obstruktion ge­richtete Politik eine gründliche Aenderung erfährt und der Welthandel, von dem ja der Fort­schritt jeglicher Zivilisation abhängt, seine na­türliche Entwicklung wteber auf­nehmen kann.

Die technische Untersuchung, auf die wir unsere Aufmerksamkeit beschränkt haben, gestattet e» uns nicht, Anregungen politischer Natur zu ge­ben. wir haben es aber für unsere Pflicht gehalten, die Gründe auseinanderzusehen, die es uns zur Zeit unmöglich machen, endgültige Maßnahmen zu empfehlen, um für Deutschland langfristige Kredite zu sichern, wir möchten aber hinzusügen, daß, wenn man dazu kommen sollte, dem getdgebcnden Publikum wieder vertrauen in Veutschlands zukünftige wirtschaftliche und finanzielle Stabilität einzuflöhen, nach unserer Ucberzeugung die Konsolidierung eine» Teils der deutschen kurzfristigen Verschuldung und die Beschaffung zusätzlicher Betriebsmittel für die deutsche Wirtschaft sicherlich keine ernsten Schwierigkeiten bieten würde.

Es gibt viele Möglichkeiten, wodurch dieses Ziel erreicht werden könnte. Wenn wir davon ab* grhen dahin zielende in Einzelheiten gehende Vorschläge zu machen, so geschieht dies nur in der Ueberjeugung. daß man sich erst zu Maß­nahmen. auf deren Ergreifung wir keinen Ein­fluß haben, entschließen muh, ehe irgendwelche langfristige deutsche Anleihen. wie sie auch ge­deckt sein mögen, untergebracht werden können. Wir schließen mit der ernsten Mahnung an alle

beteiligten Regierungen, in der Ergreifung der notwendigen Maßnahmen keine Zeit zu ver­lieren und unverzüglich eine Lage zu schaffen, die eS ermöglicht, Finanztransaktionen durchzu­führen, um Deutschland und dadurch der Welt die so dringend benötigte Hilfe zu bringen.

Oer kooperative Gedanke des faschistischen Staates.

Mussolini über Wirtschaft und Staat

Rom, 18. Aug. (WTB.) 3n einer Rede bei der 100-3ahrfeier des Staatsrates betonte Musso­lini. daß der italienische Staat faschistisch sei, weil er kooperativ sei, denn umgekehrt, ohne die kooperativen Gesetze der Carta del Lavoro, gebe es keine faschistische Revolution. Riemals mehr

als heute seidieWirtschasteine öf fen t- liche Angelegenheit geworden. Der fa­schistische Staat sei entschlossen an die Lösung der Wirtschastssragc herangetreten, indem er in die 3nteressenkonflikte Ordnung gebracht hätte durch die juristische Anerkennung der verschiede­nen Snydikate, die alle Schichten des arbeitenden Volke- vertreten. Die letzten 5 3ahre seien ein Beweis für die Zweckmäßigkeit des gegenwärti­gen System-, da- in 3talicn einem Klassen- k a m ps vorgebeu g t habe, denn der Koopera- tivstaat schasse einen guten Au-gleich zwischen den verschiedenen 3nteressen im Rah­men des Desamtinteresses Der Staatsrat wach« übet die Aktivität de- Staates auf wirtschaft­lichem Gebiete und verbessere dadurch die Le- benSbedingungen der einzelnen Schichten der Be­völkerung, ohne dabei dem Gesamtinteresse de- Staate- zu schaden.

Antwort an Hitter.

Zentrum und Nationalsozialisten.

Köln. 18. Aug. (ERD.) Zu dem Appell Hitlers an das Zentrum bemerkt dieK ö l n i s ch e Volkszeitung": Hitler übersieht einS, näm­lich, daß es sich jetzt nicht um parteipolitische Fragen einer Regierungsbildung handelt, sondern um sachliche Aufgaben. Zu diesen wird er Stellung nehmen können, wenn daS Hot* Programm Der Reichsregierung vor­liegt. Daraus wird die Regierung in aller Ruhe warten können. 3m übrigen ist festzustellen, daß gerade der Volksentscheid bewiesen hat, daß dem nationalsozialistischen Vormarsch Grenzen ge­setzt sind. Die äleberheblichkeit, mit der Hitler für sich in Anspruch nimmt, daß hinter ihm das ganze Dolf' stehe, wirkt nach dem Scheitern des Volksentscheides einfach lächerlich. WaS auch Hitler immer proklamieren mag, b le Mehr - heitdesVolkesstehthinterBrüning. Wenn Hitler der Wahrheit die Ehre geben will, dann möge er zunächst einmal denVölkischen Beobachter" veranlassen, die Worte Musso­linis über Brüning, die daS nationalsozia­listische Blatt mit deutschem Mannesmut auS der Rede Mussolinis herausgestrichen hat, nachzu­holen. Vielleicht geht dann Herrn Hitler selbst, wenn er dies lieft, ein Licht auf über die De­placiertheit. mit der er über die Politik Brünings zu Gericht sitzt.

Die BerlinerGermania" schreibt: Die Rakionalsozialisten werden doch nicht etwa g'.au* ben, daß eine so überhebliche Einstellung, alS ob eseine politische und kulturelle Wiedergeburt deS deutschen Volke- nur ganz allein von Hitler- Gnaden gäbe, auf da- Zentrum Eindruck machen kann. Sollte man sich in diesen Kreisen eine» solchen Glauben- hin geben, dann ist es an der Zeit, dah man sich von ihm befreit; e- ist aus­geschlossen, daß da- Zentrum sich ins Schlepptau einer ganz einseitigen egoistischen Bewegung neh­men läßt". Die Behauptung,der Reichskanzler habe seine Fühler nach rechts au-gestreckt", ent*« spreche in keiner Weise den Tatsachen. Die Re­gierung sei sich der Schwere des kommenden Win­ters wohl bewußt; sie sei an der Arbeit, um ein umfassendes Wirtschaftsprogramm vorzube­reiten, mit dessen Hilfe der Winter überwunden werden solle. Es werde, wie auch in früheren Fällen, allein Sache der Parteien sein, zu zei­gen, wie sie sich zu diesem Programm ein ft eilen, und ob sie sich für eine Politik der Verantwor­tung und der Vernunft entschließen. Auch die Rationalsozialistische Partei werde Gelegenheit haben, zu bekunden, wie sie sich zu den kommen­den Ausgaben stellt.

Das Sanierungsprogramm derGemeinden

Präsident Muleri erläutert die dem Reich gemachten Vorschläge.

Berlin, 18. Aug. (ERB.) Der Präsident des Deutschen Städtetages Dr. M u l e r t hob in einer Presse-Unterredung vor allem hervor, daß die zu erwartende wachsende Arbeitslosigkeit den Gemeinden eine energische Selbsthilfe zur Pflicht mache, wenn ihr Haushalt ins Gleichgewicht ge­bracht werden solle. Die daraus entspringenden Wohlfahrtslasten der Gemeinden zwingen zu wei­teren Abstreichungen des ohnehin schon re­duzierten Etats. Präsident Dr. Mulert bezifferte die neuen Abstriche mit 325 Millionen RM ein s ch w e- rer Eingriff in das Wirtschaftsleben, wie er sagte, und nicht genug, so daß die Hilfe des Reiches unumgänglich notig fei. Anschließend daran wandte er sich der Frage der Angleichung der Gemeindebeamtengehälter an die der Reichs- und Länderbeamten zu, um auszuspre- chen, daß es den Kommunen nur erwünscht sei, wenn über die tatsächlichen Verhältnisse in aller Oefsentlichkeit Klarheit geschaffen und damit der Legendenbildung ein Ende gemacht werde. Es sei eine durch nichts zu rechtfertigende Behauptung, daß die meisten Oberbürgermeister der Großstädte M i - ni st ergehälter bezögen. Dies treffe nur für sieben Oberbürgermeister zu, die in der Vorkriegszeit bereits dieselben Bezüge hatten. Was die mittleren B e a m t e n g eha 11 e r anlange, so müsse hier berücksichtigt werden, daß in den Ge­meinden eine große Hahl von Ausgaben, die i m Reich von höheren Beamten geleistet werden, von mittleren Beamten durch- zuführen seien. Die Lohne der Gemeinde­arbeiter schließlich liegen im Durchschnitt nur um 8 bis 10 v.H. über ben Reichslöhnen und dies meistens deshalb, weil oom Reich ein- aesetzte Schlichter gegen den Wider­spruch der Gemeinden die Tarife so f e ft g e f e 6 t hätten. Für die Bezüge der höheren Beamten bereite Preußen Richtlinien vor: die An­aleichung der Gemeindearbeiterlöhne werde mit sozialem Verständnis durchgeführt werden.

Präsident Dr. Mulert ging hierauf auf die Kon­solidierung der kurzfristigen ^S ch uI - den über und anfnüpfenb an die vom Städtctag , vor zwei Jahren eingeleitete Konsolidierungsaktion.

die durch die Rot der Zeit zum Stillstand kommen mußte, verlanate er im Gesamtinteresse des deut­schen Wirtschaftslebens eine endgültige Um- schuldu ng, die gleichfalls von Reichsregierung und Reichsbank gefordert werden müßte. Alles in allem: Wenn das Reich ihnen hilft, bann werben die Gemeinden durch ihre Selbsthilfeaktion ihre Etats ausgleichen können.

Oie Finanznot der kleineren Städte.

Geringe Erfparnismöqlichkeiten.

Berlin, 18. Aug. Der Vorstand des Reichs st ädtebundes wird Ende d. M. zu einer Tagung zusammentreten, der angesichts de- finanzieklen Elends m den kleinen und mitt* lerenStädten besondere Bedeutung zukommt. 3m Vordergrund der Beratungen wird die Frage stehen, die der Rot der Städte und chrer Be­völkerung durch Selbsthilfe und Maßnahmen des Reichs und der Länder gesteuert werden kann. Gleiche Ersparnismöglichkei ten wie in den Großstädten bestehen im Rahmen der engen Etat-Verhältnisse der kleinen Städte nicht, zumal diese seit 3ahren in steigendem Maße die vorhandenen Sparmöglichkeiten ausgenuht haben. Erneute Sparmaßnahmen, die die kleineren Städte kraft eigenen Rechts bei fich etwa noch durchführen können, vermögen daher ihre Lage nicht wesentlich zu bessern. Um so stärker wird deshalb der Vorstand des Reichsstädtebunde- sein Augenmerk darauf richten, der 'Reichs- und den Landesregierungen Vorschläge zu ge- setzlichenM nahmen zu unterbreiten, die auch den kleinen und mittleren Städten nennenswerte Ersparnisse bringen und ihre Existenz sichern.

Besoldungsänderung der SiadiBerlin.

Berlin, 18.Aug. (ERB.) Der Ober prüft- be n t ber Provinz Branbenburg hat bie Z a h l u n g von Zuschüssen zu ben Wohlfahrt saus, gaben der Stadt Berlin, für die er einen