Ausgabe 
19.2.1931
 
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Giderftedt herrscht große Erregung, da man dieses Vorgehen der Behörden gegen Hamkens allgemein als eine Antwort auf seinen Steuer­kampf für das Landvolk auffaßt.

Oie Kriegsschulden der englischen Dominions.

Wer erhält den Ucdcrjchufj?

London, 18 Febr. ITU.) Für die weitere Ent­wicklung der Frage der Revision der Kriegsfchulden kann cs bedeutungsvoll werden, wieweit die Kriegs, fchuldenzahlungen der Dominions an Großbritannien in den Rahmen der Balfour- Deklaration fallen. Diese sieht vor, daß England an Reparationen und sonstigen Kriegsschuldenleistungen nur soviel von feinen Schuldnern ein- treiben soll, wie e s s e l b st a n Amerika a b- zuführen hat. Gelegentlich der Lerhandlungen im Haag gelang es Snowden, durchzuseßen, daß ein etwa entstehender Ueberschuß England zu­gute kommen sollte, um hiermit die Ausgaben Englands zu decken, die es durch die Kriegsschulden- leistungen an Amerika zu einer Zeit hatte, wo noch keine Reparationen und interalliierten Zahlungen im vollen Umfange an England eingingen.

Für das kommende Jahr muß England etwa 3 3,5 Millionen Pfund an Amerika a b - führen und erhält von Deutschland und von den Alliierten eine Summe von 3 4,6 Mil­lionen Pfund Aus Aeußerungen Snowdens im Unterhaus geht hervor, daß die Dominions in der gleichen Zeit für Kriegsschulden an Eng­land d i e Summe von 7,6 Millionen Pfund abführen werden, und daß der Schatz­kanzler anscheinend diese Summe völlig für England vereinnahmen will. Es ist auf­fallend, daß dieser Betrag bei den Verhandlungen im Haag vollkommen übersehen worden ist, und daß die Schuldnerländer Deutschland und die ehe­maligen Alliierten Englands diese' Frage niemals aufgeworfen haben.

Die ganze Angelegenheit kann nunmehr dadurch wieder in den Vordergrund treten, daß A u st r a - lien eine Revision seiner Schuldenzahlungen an England verlangt. Die Forderung, daß feint Amortisationszahlungen statt über 33 ü b e r 6 2 Jahre verteilt werde, wie dies bei den übrigen interalliierten Schulden der Fall ist, und daß der Zinssatz von 5 auf mindestens 3,5 v. H. herabgesetzt wird, was dem Zinssatz entsprechen würde, d'n England an Amerika zu zahlen hat, kann die Verknüpfung zwischen dem Schuldenzahlungs- systern innerhalb des britischen Weltreiches und dem übrigen internationalen System geben. Bei einer ge­schickten Ausnutzung der Lage besteht die Möglichkeit, eine neue Interpretation der Balfour-Deklaration herbeizuführen, was unmittelbare Rückwirkungen auf die Höhe der Reparationsschulden haben würde.

Oase Schicksal Palästinas.

London, 18. Febr. ($11.) Der Präsident desarabischenVollzugsausschufsses in Jerusalem hat einen Brief an den Ober­kommissar von Palästina gesandt, in dem er er­klärt, daß die letzten Zusicherungen Macdonalds an Dr. Weizman ein Vertrauensbruch seien. Hierdurch sei alle Hoffnung auf eine Zusammenarbeit der Araber mit den Juden z e r st ö r t worden. Die den Arabern gemachten Zusicherungen seien voll­kommen wertlos geworden. Die neuen Grundsätze zielten lediglich darauf hin, Palästina zu einem jüdischen Nationalheim zu machen. Hierdurch werde das Vertrauen der Araber in die Negierung vollkommen erschüttert. Er müsse deshalb der arabischen Exekutive den Vorschlag unterbreiten, alle Juden zu boykottie- 'ren, da eine Einigung zwischen Arabern unld Juden _ durch den Brief Macdonalds gänzlich unmöglich geworden fei.

Oie Kollektivierung der deutschen Wolga-Republik.

Moskau, 18. Febr. (lieber Kowno. TU.) In den Berichten, die von amtlicher Seite über den Fort­schritt der kollektiven Zusammenfas­sung der bäuerlichen Besitze veröffentlicht werden, fallen die Angaben über die Kollektivierungs- erfolge inderdeutschenWolga-Republik auf. Danach soll es denStoßbrigaden", die zur Propaganda für die Kollektivwirtschaften gebildet wurden, gelungen sein, dort große Fort- f ci, r i tt e ju erzielen. In den letzten zehn Tagen find allein 2000 deutsche Bauern in Kol­lektivwirtschaften ein getreten, und die ganze deutsche Wolga-Republik soll bereits zu 74 v. H. in den kollektiven Bauernwirtschaften zusammen­gefaßt sein.

Kunst und Wissenschaft.

Die Versteigerung im Schloß Glienicke.

Am Mitwoch begann im Schloß Glienicke die Ver­steigerung der zahlreichen Einrichtungsgegenstände aus dem Besitz des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen Das sonst so stille Schloß war umlagert von zahlreichen Neugierigen. Ein großes Aufgebot von Schupo und Gendarmerie stand bereit. Autos und Möbelwagen umsäumten alle Zufahrtsstraßen. In den Aufgängen drängten sich die Menschen, denen der Zutritt nur gegen Hin- terleaung einer Summe von 30 Mark gestattet wer­den sollte. Zahlreiche Lakaien in Lioren versahen den Ordnungsdienst. Als dann mit einiger Verspätung die Versteigerung begann, zeigte sich bald, daß die wirkliche Kaufneigung nicht über­mäßig groß war. Allerdings konnten auch die zunächst zum Ausgebot kommenden über hundert Farbdrucke, Kupferstiche, Photographien und ähn­liches kein höheres Interesse beanspruchen. So be­teiligten sich nur Wenige an dem Gebot, das oft­mals schon mit 50 Pfennigen begann und bei 10 und 20 Mark fein schnelles Ende fand. Von allen Bildern ging kaum eines über 100 Mark hinaus. Gegen Mittag wurden einige Gemälde verkauft und nachmittags antikes Mobilar und Stilmöbel. Soweit man bis jetzt fefteüen kann, find die Preise zum Teil sehr niedrig, zum anderen Teil erftaunlid) h o ch. Für einen Biedermeiertlsch aus Maserholz wurden 670 Mark bezahlt, für eine Kommode aus der Zeit Ludwigs XVI. 355 Mark. Es lag ein An­gebot des ehemals kaiserlichen Hauses mit 5000 Mk auf bie Uhr Friedrichs des Großen vor. Als der Auktionator dieses Angebot zur Sprache brachte, wurde die Summe nicht überboten. Unter dem Beifallsklatschen der Anwesenden ging die Uhr in den Besitz des ehemals kaiserlichen Hau­ses über. Bei dem Mobilar begegnete man den sachlichen Linien des späteren Empires und des Biedermeier in allen möglichen Formen.

Lin Rembmndi-Iild mit einem Seil demoliert

Die Anatcmieftunde des Dr. Deyman" von Rembrandt, ein kostbares Stück aus dem Reichsmuseum in Amsterdam, ist einem Verzweiflungsakt eines Arbeitslosen zum Opfer gefallen. Es wurde mit einem Beil schwer beschädigt Der Täter der jegliche Angaben über seine Person und die Gründe seiner Tat verweigerte, ist ein in Amsterdam ansässiger, nicht verheirateter Bureauangestellter namens Anceaux, der fast völlig taub und geraume Zeit stellungslos istz Das von ihm schwer demolierte Bild ist ein späteres Gegenstück zu der berühmtenAnatomie des Dr. Tulp" im Mauritshuis im Haag und war schon einmal durch Feuer schwer beschädigt worden.

Aus her Luche nach neuen Wegen mVekäinpsiuig der Arbeitslosigkeit.

Minister a. O. Brauner über die Aufgaben des von der Regierung berufenen Guiachierausschuffes.

Berlin, 18. Febr. (TU.) Reichsminister a. D. Dr. Brauns sprach im Rundfunk über die Auf­gaben, die dem von der Reichsregierung einge­setzten Gutachterausschuß zur Beratung des Arbeitslosenproblems erwachsen. Dr. Brauns führte im wesentlichen folgendes aus: Heute sind rund 5 Millionen Arbeitslose, mit ihren Fami­lienangehörigen zusammen minbeftens 10 Mil­lionen Menschen von ber Arbeitslosig­keit unmittelbar betroffen, b. i. etwa ein Sechstel ber Gesamtbevölkerung. Von der Jndustrie- arbeiterschaft ist heute fast ein Drittel arbeitslos, ein weiteres Sechstel arbeitet verkürzt, nur etwa die Hälfte der gewerblichen Arbeiter ist voll beschäf­tigt. Von den fünf Millionen Arbeitslosen werden gegenwärtig mehr als vier Millionen arbeitsfähige Arbeitslose, also mehr als ein Fünftel der gesamten Arbeitnehmerschaft in den versch ebenen Formen ber Arbeitslosenhilfe u n - terstützt. Das ist eine Not- und Unterstützungs­leistung, die ihresgleichen in der Geschichte sucht. Die Reichsregierung hat einen Gutachteraus­schuß eingesetzt, der unabhängig und unvoreinge­nommen prüfen soll, ob in Gesetzgebung und Ver­waltung nichts versäumt ist, was zur Rettung aus einer solchen Volksnot beitragen kann. Der Ausschuß soll weiterhin alle Anregungen und Vorschläge fich­ten, die in großer Fülle von allen Seiten ausgehen und die Oeffentlichkeit aufwühlen. Sein Blick ist bestimmungsgemäß auf die konkreten und begrenzten speziellen Aufgaben deutscher 21 r = beitsmarkt Politik und deutscher Ar­beitslosenhilfe gerichtet. Deshalb ergeben sich für ihre Arbeit in der Hauptsache zwei große Gesichtspunkte.

Zuerst: Läßt sich in größerem Ausmaß als bisher, zusätzliche Arbeitsgelegenheit schaffen, und welche Wege sind hierfür gangbar? Mit dieser Frage werden alle Vorschläge, die zu einer pro» duktivenGcstaltungderArbeitslofen-

Hilfe gemacht worben sind, ernst geprüft werden müssen. In diesem Zusammenhang seien genannt: Arbeitsfürsorge und Pflichtarbcit, freiwilliger Ar­beitsdienst und Dienstpflicht, Förderung der privaten Wirtschaft und Notstandsarbeiten. Aber auch alle Vorschläge zu einer Verteilung der Arbeit nach aus­gesprochen arbeitsmarktpolitischen Gesichtspunkten sollen erwogen werden, wie die Frage einer A r - beitszeitverkürzung zur Erreichung von Neueinstellungen, das viel umstrittene Problem einer Ausschaltung ungerechtfertigten Doppeloer- d i e n ft e s und andere.

Die zweite Hauptfrage ist diese: Ist es not­wendig, die drei Formen der Arbeits­losenhilfe, die heute nebeneinander bestehen (Arbeitslosenversicherung Kri'enunterstühung und öffentliche Fürsorge) mehr als bisher auf­einander abzustimmen und sie jede für sich und im Verhältnis zueinander stärker dem veränderten Nisiko der Arbeits­losigkeit anzupassen? Auch der teil­weise Uebergang von kurzfristiger zu langfristi­ger Arbeitslosigkeit, der wachsende Anteil von jugendlichen Arbeitslosen, die Anspannung der Finanzlraft der Gemeinden nötigen zu nüchterner und gründlicher Ueberprüfung der Unter- stützungsformen. Um dieser Aufgabe gerecht zu werden, verfügt der Ausschuß weiterhin über ausgezeichnete Sachkenner des Versicherungs­rechtes und ber öffentlichen Fürsorge, während er im übrigen absichtlich so zusammengesetzt ist, daß die Probleme von allen Seiten der Theorie und der Praxis und nicht vom ein­seitigen Spezialistenstandpunkt Beleuchtung er­fahren. Der Ausschuß hofft trotz aller Schwierig­keiten seines Auftrages, daß er in dem einen ober anderen Punkte zu positiven Vorschlägen kommen wird, bie geeignet sind, zu einer Ver­minderung ber Arbeitslosigkeit und zu einer Milderung ber Not zu führen.

Men forhert Schuh der deutschen Solzwirtschast.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 18. Febr. (WHP.) Der Finanz­ausschuß beriet Kapitel I des Staatsvoranschla­ges:Fo r st - und K a m e r a I g ü t e r zu Ende, das einstimmig angenommen wurde.

Landforstmeisler Hesse

wies darauf hin, daß die Lage des Wald- b e s i h e s in ganz Deutschland außerordentlich schwierig geworden fei. Die Krise ber Waldwirt­schaft fei in erster Linie eine Abs atzkrise in­folge des allgemeinen Niederganges ber Wirt­schaft. Dazu werde das Holz heute vielfach durch andere Stoffe erseht. Eine der ern­stesten Erscheinungen für die Holzwirtschaft sei das moderne Flachdach, ferner die HerstellungvvnStahlmobeln.derEr- sah für den Holzfuhbodenbelag und endlich die Benutzung von Eisen- ober Stahlschwellen durch die Reichsbahn. Be­sonders ernst sei auch, daß das in Deutschland erzeugte Holz in immer stärkerem Maße durch ausländisches Holz erseht werde, das infolge fehlender Produktionskosten, billigen Ar­beitslohnes und günstiger Frachtverhältnisse durch bie osteuropäischen Staaten zu einem Preise auf ben deutschen Markt geworfen werde, mit dem die deutschen Erzeuger einfach nicht konkurrieren konnten. Die russische Einfuhr sei von 1926 mit 468 000 Festmeter auf 2 294 000 Festmeter im Jahre 1930 gestiegen. Abhilfe müsse angestrebt werden auf handelspolitischem Gebiete durch bie Erhöhung bet autonomen Holzzölle für Papierholz und durch die Erhöhung der Holzwarenzölle, vor allem aber durch die Kontingentierung ber russischen Einfuhr. Zur Förderung des Absatzes des deutschen Holzes fei auf eifenbahntarifarischem Gebiete eine Frachtsenkung für Holz und eine Qlenberung der vertikalen Staffelung der Holztarise erforderlich, außerdem müsse ein Ab­bau der Durchfuhrtarife erfolgen.

Um den abgleitenden Holzpreisen entgegen­zuwirken, sei auch in Hessen in bescheidenen Grenzen eine Drosselung des Einschla­ges vorgenommen worden. Für das neue Wirt­schaftsjahr sei lediglich ein Gelbetat aufgestellt worden, von einem Materialetat habe man im Hinblick auf die Unsicherheit der allgemeinen Wirtschaftslage Abstand genommen. Die Ein­sätze wurden außerordentlich sorgfältig geprüft, so daß ihr Eingang mit sehr hoher Wahrschein­lichkeit angenommen werden kann. Durch den Abbau von Forstämtern und Förstereien wurde die Senkung der Beförsterungsbei- trä ge ermöglicht. Die Senkung der Beamten­gehälter durch das Notprogramm wirke sich in den Voranschlagsziffern noch nicht aus. Bezüg­lich der PachtPreise werde nach den im vergangenen Jahre vom Ausschuß gebilligten Richtlinien verfahren. Von einer Senkung der Holzhauerlöhne könne nicht gesprochen werden, da bie in vollem Ei «wer nehmen mit ben Gewerk­schaften vorgenommenen Qlenberungen vielmehr einen Umbau als einen Abbau ber Lohne dar­stellten. Die Kürzung der Wegebau­kredite soll nur eine vorübergehende Maß­nahme fein. Weitere Ausführungen bezogen sich auf die Regiejagden, bie Lefeholzverordnung ufw.

Oie Abstimmung.

Bei der Abstimmung wird der Landbund­antrag, bei der Reichsregierung für eine Er­höhung der Zolle für Schnitt- und Rundho lz und für die Einführung des Zolles auf Papierholz mit 6 Stimmen bei 7 Stimm­enthaltungen angenommen. Mit 8 Stimmen bei 5 Stimmenthaltungen angenommen wird der Landbundantrag, eine Kontingentie­rung der Holz einfuhr aus dem Auslande von der Reichsrcaierung zu fordern. Einstimmige Annahme fand ein weiterer Landbundantrag,

bei staatlichen Arbeiten nur beut« sches Holz zu verwenden. Annahme fand ein Zentrumsantrag, für die fünf Forstämter deS ehemals besetzten Gebietes Wegebaukosten aus dem Ruhrfoni^ zu entnehmen. Auf einen sozialdemokratischen Antrag hin wird die Regierung ermächtigt, einen Betrag von 200 000 Mark für Wegebaukosten zu verwenden. Einstim­mige Annahme fand ein Zentrumsantrag, die Regierung solle mit allen Mitteln die Propa­ganda für den Holzhausbau unter­stützen.

Kapitel II S i e d l u n g s we s e n wird einstim­mig genehmigt. Der Finanzminister erklärt dabei, daß die Verhandlungen über den Ankauf des Besitzes von Stolberg-Wernigerode zur Zeit ruhen, da der Staat die erforderlichen langfristigen Gelder nur zu einem hohen Zinsfuß erhalten könne. Von sozialdemokratischer Seite wird die Regierung aufgefordert, äu verhindern, daß dieses für Siedlungszwecke sehr geeignete Land der Spekulation in die Hände fällt.

Aus aller Welt

(Eröffnung der großen Berliner Automobilausstellung.

Die große Berliner Automobilausstellung, tne nach zweijähriger Pause in der Ausstellungsstadt Am Kaiserband" veranstaltet wixd, ist Donners­tag ohne irgendwelche Feierlichkeiten für den allgemeinen Besuch geöffnet worden. Die Schau, die den NamenInternationale Auto­mobilausstellung Berlin 1931" führt, bietet einen umfassenden Ueber&lia über die deutsche und ausländische Automobiltechnik. Sie ist vor allem geeignet, jeden Besucher davon zu überzeugen, daß die deutsche Autotechnik nicht nur Hervor­ragendes leistet, sondern in den letzten Jahren Neuarbeit auf den verschiedensten Gebieten voll­bringen konnte. Die Schau vereinigt alle bedeu­tenden Werke auf dem Gebiete des Automobil­baues und gibt so einen Ueberblicf über die tech­nische Entwicklung. Bei allen Konstruktionen ist die Pendenz maßgebend, eine Vereinfachung der Wartung des Fahrzeuges auf ein Mindestmaß herbeizuführen und aus dem Fahrzeug einen Gebrauchsgegenstand zu entwickeln, der jederzeit betriebsfertig ist. Die Ausstellung hat weit über 400 ausstellende Firmen zu verzeichnen, unter ihnen 31 deutsche Automobilfabriken und 41 Fa­briken des Auslandes.

Zwei Münchener Theatergefellschaften stellen ihre Zahlungen ein.

Wie von der Deutschen Allgemeinen Treuhand- AG in München mitgeteilt wird, haben die Fir­men Hans Gruß, Deutsches Theater in Mün­chen, und die Deutsche Theater ®. m. b. H. Mün­chen, ihre Zahlungen eingestellt. Cs scheint hier der leider jetzt so häufige Fall eines zwar noch vorhandenen Ueberschusses der Aktiven über die Passiven, aber verbunden mit einer akuten Illiquidität vorzuliegen. Mit der Aufstellung und Durchführung des Sanierungs­planes ist Prof. Dr. Rhein ström in München betraut. Die Hauptursachen ber. Krise sollen in großen Verlusten aus dem Starnberger Unter­nehmen derBonbonniere" und in der Be­lastung mit Steuern und sozialen Lasten liegen. Den letzten Ausschlag gaben die schlechten Einnahmen des eben zu Ende gegange­nen Faschings.

Eine Kopie des Remarque-Films in Holland verbrannt.

In der nahe der deutschen Grenze liegenden Stadt Enschede drangen in der Nacht mehrere unbekannte Personen in das FilmtheaterAlham­bra" ein, entwendeten im Vorführungsraum den Remarque-FilmIm Westen nichts Neues", der in dem Theater bereits feit 14 Tagen vorgeführt wurde und steckten ihn hinter dem Thea- ter in Brand. Der Film wurde voUkornmen vernichtet. Die Direktion des Filmtheaters hatte in den letzten Tagen wiederholt anonyme Droh­briefe erhalten, in denen die sofortige Ein­stellung der Vorführung des FilmS gefordert wurde. Im Hinblick auf diese Drohun­gen hatte die Direktion bereits vor mehreren Tagen ihre Absicht wieder aufgegeben, in Extra­zügen deutsche Filmbesucher aus der Gegend von Dortmund nach Enschede bringen zu lassen.

Sämtliche Schulen In Bottrop wegen Grippeerkrankungen geschloffen.

Wegen zahlreicher Grippeerkrankungen ordnete der Stadtschulrat im Einvernehmen mit dem Kreis- und Stadtarzt die Schließung sämtlicher Volksschulen und der Mittelschule bis einschließ­lich Samstag dieser Woche an.

' Lawinenunglück.

Ain Dienstag ging von dem schmalen lieber- gang Kreuzbergalm und Elendalm bei Day - rö4ch-Zsll eine Lawine nieder, durch die der Student Richard Radenbach, ein geborener Westfale, verschüttet wurde. Das Lawinen­feld hatte etwa 700 Meter Länge, 3 bis 4 Meter Tiefe und 20 Meter Breite. Die Rettungsarbei­ten wurden sofort ausgenommen, blieben aber bis jetzt ohne Ergebnis. .

Schwere Unwetter über Italien.

Aus allen Teilen Italiens werden schwere Unwetter gemeldet, die sich im Norden in Schneestürmen und im Süden in Regen­güssen und Gewittern auswirkten. Der lat« kusplatz. in Venedig steht infolge des außergewöhnlich hohen Standes des Meeres­spiegels zwanzig Zentimeter unter Wasser. Aus Mailand und Umge­bung wird starker Schneefall gemeldet, der viele Unfälle verursachte. Die Straße ParmaSpezia ist stellenweise durch Schneever­wehungen gesperrt. Im Hafen von Livorno führte der Sturm zum Zusammenstoß mehrerer dort vor Anker liegende Schiffe, die beschädigt wur­den. Ueber Rom und Neapel entluden sich schwere Gewitter. In Neapel sind einige Stadtteile überschwemmt. Im Bergland von Bel- luno gehen zahlreiche Lawinen nieder. Eine Lawine zerstörte die Starkstromleitung, so daß ein Teil der Stadt Belluno ohne Licht ist.

Holländische Grube fördert deutsche Kohlen.

Ein interessanter Prozeß wird zur Zeit vo» dem Gericht in Maastricht geführt. Die hol­ländische Grube Dominial in Kirchrath hat unter der deutschen Grenze hinweg Stollen vvrgetrieben und gewinnt so auf deutschem Gebiet unterirdisch Kohlen. Vor der Zivilkammer ses Landgerichts in Maastricht wurde nun in einer Verhandlung die Frage er­örtert, ob die Dvminialgrube die Kohle be­zahlen muh. Als maßgebend wurde die Frage aufgeworfen, ob Holland auf Grund des Wiener Vertrages von 1815 Souveränitätsrechte auf das unterirdische Gebiet hat. Das Urteil ist noch nicht gefällt worden. ___