Die Polonaise, die Polen nur ihren Ramen, nicht wie die Mazurka und die Craco - Vienne chre Entstehung verdankt, erinnert cm jenen großen Aufzug in Form eines einfachen Reigens, mit dem im 17. Jahrhundert der Hot- ball durch den König eröffnet wurde. Ihr charakteristischer Dreivierteltakt, der sie vom Marsch unterscheidet, taucht zuerst in Sachsen auf, wo unter August dem Starken, dem König von Polen, der Tanz vielleicht seinen Ramen erhielt. Wie die Polonaise, so ist auch der K o t i l l o n gar kein Figurentanz, sondern nur eine Art Gesellschaftsspiel, er entlehnt seinen Ramen einer alten Contre-Tour und vereinigt in sich allerlei rhyth» misch« Unterhaltungen, wie sie die Tanzkunst der Vergangenheit erfunden. Dieser einst so sehr geliebte, so unendlich ausgedehnte Schlußakkord des Balles mit seinen zahllosen Touren und Abwechselungen ist heute aus der Mode gekommen, wie so viele heitere Harmlosigkeiten, an denen sich unsere Großmütter nach Herzenslust erfreuten. Er erschien früher als ein Teil des C o n t r e. Als dieser im Anfang des 18. Jahrhunderts seinen Siegeslauf durch Europa antrat, brachte er ländliche Frische und natürliche Anmut in die Reihen der Tänzer, die starr, steif und abgezirkelt gegeneinander gestanden hatten. Der englische „Country-Dance", der durch lustige Abwechslung und idyllische Intimität entzückte, wird schäferlich sentimental aufgepußt und als „Contredancc" von Paris aus überall hin verpflanzt. Die naiv bäuerischen Elemente erhal- ten nun einen graziös zierlichen Charakter; unzählige Figuren entstehen, und in dieser nie zu ^schöpfenden Fülle der Touren lag lange ein Reiz des Tanzes. Aber endlich erstarren diese wechselnden Formen; aus der verwirrenden Mannigfaltigkeit lösen sich fünf bestimmte Figuren heraus und vereinen sich zu einer berühmten Folge, es war die Quadrille Fran^aife auch schlechthin Contre genannt. Ihr amüsantes Potpourri historischer Typen hält gleichsam den Ewigkeitszug all der alten Contretänze fest.
Ist schon die Fran^aise heute veraltet, so ist dies in noch höherem Grade die „Königin aller Tanze . das Menuett, der Gipfelpunkt der choreographischen Kunst des 18. Jahrhunderts. Trotz mannigfacher Versuche ist es nie gelungen diesen .graziösen Tanz oder seinen älteren und schwierigeren Genossen, die Gavotte, im modernen Ballsaal einzubürgern. Als mühsam auf.
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Borbetmarsch der Fahnenkompanie vor dem Reichstag.
im Kriege, den Retter des Reiches und den Vater des Vaterlandes nannte. Den 18. Januar bezeichnete er als einen Nationalfeiertag, an dem das deutsche Volk den inneren Hader vergessen und sich als eine Familie fühlen soll, zusammengeschweißt durch gemeinsame Geschichte und gemeinsames Leid.
Nach einer weiteren Ansprache des Ersten Präsidenten des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyff- häufer", General a. D. von Horn, richtete
Reichspräsident von Hindenburg folgende kurze Ansprache an die Versammlung: „Liebe Kameraden! Heute vor 60 Jahren zählte ich zu denen, die dem er st en Kaiser des wie> derer st andenen Deutschen Reiches zujubelten. Seitdem haben wir vieles verloren, was uns lieb und teuer war und unseren Soldatenherzen auch weiterhin unvergessen bleiben wird. Eins aber ist uns geblieben: das Vaterland. Ihm wollen wir in seiner Not über alles Parteiwesen hinweg in selbstloser Liebe und Treue dienen und solches Gelübde in dieser Weihestunde durch den alten Kriegerruf bekräftigen: Deutschland Hurra!" Begeistert stimmte die Menge in den Ruf des Reichspräsidenten ein. Die Kundgebung fand mit dem großen Zapfenstreich und dem Ausmarsch der Fahnengruppen ihren Abschluß. Der Reichspräsident, dem erneut lebhafte Huldigungen dargebracht wurden, verabschiedete sich von seiner Umgebung, indem er jedem einzelnen seiner/olten Kameraden die Hand schüttelte.
Feier der Reichsmanne.
Wilhelmshaven, 18. Jan. Die Reichs- marine beging den 60. Jahrestag der Reichsgründung in der Marinestadt Wilhelmshaven durch Militärgottesdienste in den beiden Garnisonkirchen. Anschließend nahm der Sta- tionSches Vizeadmiral Ti Hessen die Parade ab. Erschienen waren Abordnungen der Marineartillerieabteilungen und der Schiffsstation, der Linienschiffe „Schlesien" und „Hannover" sowie der Marinevereine und Kriegerverbände. Zum Schluß wurde der L a n d e s s a l u t von 21 Schüft . sen abgefenert.
3n Kiel wies bei dem Appell der Garnison auf dem Kaserncnhof in der Wiek der Stationschef. Konteradmiral Hansen, in einer An- spräche auf die Bedeutung des Tages hin. Um t 4.30 Uhr wurde auf allen im Hasen liegenden 5 Kriegsschiffen, die von morgens bis abends F Flaggenparade angelegt hatten, eine M u - . st e r u n g mit Ansprachen der Kommandanten ab- gehalten. Um 14 Uhr gaben das Linienschiff „Hessen" und die Salutbatterie .,Friedrichsort" 21 Schutz Salut ab, während von allen Kirchtürmen Glockengeläut ertönte.
Llnsere Gesellschaftstänze. ,
Von Or. Paul Landau
Der Sturm und Drang des Jazz, der in den letzten Jahren durch unsere Dallsäle tobte, ebbt langsam ab. Die vertrauten Bekannten aus der Zeit vor dem Kriege, besonders Walzer und Polka, kehren zurück, und so scheint eine neue Blütezeit der alten Gesellschaftstänze herauszudämmern. Sind doch auch sie bei ihrem Erscheinen auf dem Parkett als Auswüchse sittenloser Wildheit begrüßt worden, und es war eine viel gewaltigere Umwälzung als die der letzten Zeit, die die raschen Rundtänze um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert als Kinder der Revolution in die Salons brachte und die gemäßigten Figurentänze zurückdrängte.
Der Gesellschaftstanz, wie er in der Zeit der Renaissance ein wichtiges Clement der europäischen Gesellschaft wurde, bestand zunächst nur in einem feierlich gemessenen Schreiten. Diese steifen Aufzüge wurden dann belebt und beseelt durch eine persönlich« Kultur des Körpers, die m einer komplizierten Mannigfaltigkeit von Schritten und Figuren zum Ausdruck kam. Wäh. rend in den starren Ernst der ersten vornehmen Tanzformen, der Pavane oder Courante, nichts von dem derb beweglichen Gliederregen der niederen Stände hineindringt, bringt später gerade das vo.kstümliche Element in dies gravitätische Promenieren neues Leben, frisches Blut Aus dem unerschöpflichen Reichtum der Volkstänze erhält der Kunsttanz seine Anregungen die merkwürdigen Formen eines Reigens den man bei den Dauern von Poitou bewundert, werden umgebildet und zum M e n u e t t verfeinert. aus englischen Dauerntänzen entwickelt sich der Contre, von den deutschen Drehern führt ein direkter Weg über die gehaltene Allemande zum ausgelassenen Walzer. Spanische und slawische Moden, die die pikant verführerischen Bauerntänze dieser Länder einführen, hinterlaßen ihre Spuren im Ballsaal.
So entstanden allmählich jene beliebten Tänze der modernen Gefellfchaftskaltur. die durch öen Jazz vertrieben wurden und aus die man sich jetzt wieder besinnt. Aus diesen Tänzen, die nicht so jäh mit der Vergangenheit gebrochen hatten wie der kulturlose Jazz, schimmert die Geschichte der Choreographie deutlich hindurch.
Die Feiern im Reich.
München, Stuttgart und Karlsruhe.
In München marschierte die Reichswehr auf dem Königsplatz auf, der von vielen Lausenden eingesäumt war. Ministerpräsident Dr. Held schritt mit dem Landeskommandanten die Front ab. Rach einer Ansprache des Landeskommandanten erklang das Deutschlandlied. Gleichzeitig wurden 21 Salutschüsse abgefeuert. Ein Vorbeimarsch der Truppen folgte. Im Zirkus Krone fand die Reichsgründungsfeier der vaterländischen Verbände Bayerns statt, zu der u. a. Prinz Alfons. Justizminister Gürt- ner, zahlreiche Führer der alten bayerischen Armee sowie Mitglieder des Stahlhelms und der Kriegervereine erschienen waren. Im Odeon wurde auf Einladung der ba Ye rischen Staatsregierung eine offizielle Reichsgründungsfeier abgchalten, zu der der Ministerpräsident, die Mitg.iedcr des Kabinetts, Kardinal-Ezbischof Dr. v. Faulhaber, Laird» tagspräsident Stang und Vertreter der Reichsund Staatsbehörden erschienen waren, älniversi- tätsprofessor Dr. Karl Alexande'r von Müller hielt die Festrede. In einer anschlie- tzenden kurzen Ansprache brachte Ministerpräsident Dr Held ein Hoch auf das deutsche Volk und seinen getreuen Eckehart Hindenburg aus.
Die Feier in Stuttgart wurde mit einem Reichswehrappell im Hofe des Reuen Schlosses eingeleitet, dem eine Parade vor dem Kommandeur des Wehrkreises V, dem Staatspräsidenten Bolz und den Mitgliedern der württembergischen Regierung folgte. Die offizielle Reichsgründungsfeier fand in der Stadthalle statt.
Auch in Karlsruhe fand eine von der Regierung veranstaltete Feier statt.
Die Reichsgründurigsfeiern im Auslände.
Berlin, 19. Jan. (WTB.) In London wurde der Tag auf der deutschen Botschaft in würdiger Weise gefeiert Botschafter Frhr von Reurath veranstaltete eine Empfang, bei dem er des Reichsgründers gedachte und an die Worte Hindenburgs erinnerte: „Richts für uns, alles f ü r Deutschlan d." - In Rom veranstaltete die Deutsche Vereinigung Rom in ihrem Heim eine Feier. — In Amsterdam veranstaltete der deutsche Generalkonsul einen Empfang. — Die deutsche Kolonie in Helft ng° f o r s beging den Tag mit cfner kirchlichen Feier und einem Empfang in der Gesandtschaft. - Der deutsche Botschafter in der Türkei hob in einer Ansprache vor der deutschen Kolonie in Slam» b u I den entscheidenden Willen zum Besseren in
der Heimat hervor, wo ein fester Ausstiegwille herrsche. — Eine kirchlich« Feier fand auch in Paris statt, der Botschafter von Hoesch beiwohnte. Feiern veranstalteten auch die Gesandtschaften in Stockholm, Oslo, Athen u. a.
3n Genf.
Eine Ansprache des NeichSautzenministers.
Genf, 18. Jan. (WTB.) Anläßlich der 60. Wiederkehr des Tages der Reichsgründung veranstaltete Generalkonsul Dr. Bö Ickers eine Gedenkfeier, an der Außenminister Dr. C u r t i u s und die gesamte deutsche Völkerbundsdelegation teilnahmen. Ferner bemerkte man unter den Gästen den deutschen Gesandten in Bern, Ar. Adolf Müller, den llntergeneralfefretär des Völkerbundes, Dufour-Feronce, alle deutschen Beamten des Dölkerbundssekretariats und des Internationalen Arbeitsamtes sowie zahlreiche Vertreter der deutschen Presse und der deutschen Kolonie. Zn einer kurzen Ansprache erneuerte Reichsaußenminister Dr. Curtius für die Führer der Gegenwart das Gelöbnis, Mehrer
des Ruches zu jein an den Gütern und Gaben des Friedens auf dem Gebiet nationaler Wohlfahrt, Freiheit und Gesittung. Nachdem unsere Gedanken, so fuhr Dr. Curtius fort, die 43 Friedensjahre der Ausdehnung, Fülle und Macht des Reiches durcheilt haben, kreisen sie unablässig um das schwere Schicksal des Zusammenbruchs der Jahre 1918 und 1919, gegen das wir uns immer von neuem aufbäumen, das wir mit allen Kräften überwinden müssen. Unser Weg liegt gleichweit ab von Radikalismus und Illusionen. Wir bedürfen fester Führung, Gefolgschaft aller Verantwortungsbewußten. Wir dürfen das Bewußtsein der Volksgemeinschaft nicht verlieren. Wir müssen dem Volk zeigen, daß wir mit ihm in seiner Not fühlen, daß wir mit ihm heißen Herzens glücklichere Tage ersehnen, daß wir uns für die Erringung nationaler Freihett mit allen Kräften einfetzen. Bei den schweren Verhandlungen hier in Genf sind alle Beteiligten von nationaler Verantwortung durchdrungen; sie gewinnen Stärkung durch den Gedanken an das Reich und sind entschlossen, ihre Pflicht zu t u n.
Die europäische Konferenz in Genf.
Aoch keine Entscheidung über eine Einladung an Rußland und die Türkei.
Genf, 17.Jan. (WTB.) Die europäische Konferenz hat ihre nichtöffentlichen Verhandlungen über die Hinzuziehung Rußlands und der Türkei vorläufig abgeschlossen. In der Diskussion waren drei Tendenzen zu beobachten: Hinzuziehung der europäischen Nichtmitgliedstaaten, ein Vorschlag, für den sich d i e Außenmini st er Deutschlands und Italiens wiederholt einsetzten; Hinausschiebung der Entscheidung auf einen späteren Zeitpunkt; inzwischen soll der Dölkerbundsrat durch eine Anfrage feststellen, ob die betreffenden Länder den Wunsch haben, teilzunehmen. Diese Anregung geht von Briand aus. Ein dritter Vorschlag, für den sich namentlich Henderson einsetzte, will, daß eine Wirtschaftskommission der europäischen Konferenz eingesetzt wird, die insbesondere das europäische Wirtschaftsproblem zu behandeln hat und zu der sofort Rußland und die Türkei ebenso wie alle interessierten Nichtmitgliedsstaaten des Völkerbundes eingeladen werden sollen. Die Versammlung hat eine Kommission eingesetzt, die den Auftrag bekommen hat, der Konferenz unter Berücksichtigung der verschiedenen Anregungen einen praktischen Vorschlag zu machen. Dieser Kommission gehören an: Dr. Curtius, Henderson, Briand, Titulescu und Motta Ueber diesen Vorschlag dürfte dann die Konferenz in einer der nächsten Sitzungen ihrer jetzigen Tagung entscheiden.
Die Wirtschastsknsis.
Die Verhandlungen wandten sich dann der Behandlung der W i r t f ch a f t s f r a g e n zu. In der Diskussion, die sich an den Bericht Colijns (Holland) über die wirtschaftliche Lage in Europa anschloß, betonte H e n d^e r s o n, daß die Hauptbedingung für eine wirtschaftliche Prosperität Europas die H e r a b s e tz ung der Zölle fei. Es liege
im eigensten Interesse jeder Nation,r e wirisch a f tl i ch e n Rü st ungen herabzusetzen. Der wirtschaftliche Nationalismus fei ebenso gefährlich wie der politische und der militärische. Er sei der Ueberzeugung, daß ein Fehlschlag der wirtschaftlichen Verhandlungen unbedingt zu einem Zolltarif« k r i e g in Europa führen würde.
Der südslawische Außenminister Marinko« witsch setzte sich für die bekannten Agrar- wünsche der füdo st europäischen Staaten ein. Entgegen der An icht Colijns sei er der Auffassung, daß die Lösuna der wirtschaftlichen Schwierigkeiten durch Herabsetzung der Zölle allein nicht erreicht werden könne. Mit doktrinären Formeln werde das Problem überhaupt nicht gelöst: man müsse praktische fragen in Angriff nehmen. Die südosteuropäischen Staaten befänden sich in einer äußerst schwierigen Lage. Wenn der Absatz ihrer Produkte in Europa nicht erleichtert würde, seien sie gezwungen, sich einen inneren Markt zu schaffen und die Zollschranken z u erhöhen Und wenn diese Staaten keine Möglichkeit erhielten, mitteleuropäische Jndustriewaren zu kaufen, so würde die Zahl der Arbeitslosen in Mitteleuropa sich bald noch um einige Millionen erhöhen Darauf erklärte C o l i j n , er glaube nicht, daß die Schwierigketten der europäischen Wirtschaft durch die Lösung der südeuropäischen Agrarfragen behoben würden. Marinkowitsch unterschätze die allgemeine Gefahr eines wirtschaftlichen Protektionismus, der eine allgemeine Überproduktion im Gefolge habe. Er verwies auf die gegenwärtigen Bestrebungen, zu einer Rationalisierung der Zuckerprotz u k t i o n zu gelangen, und meinte, daß es vielleicht auch möglich sei, zu ähnlichen Vereinbarungen bezüglich des Getreides zu kommen. Die wirtschaftliche Prosperität der Welt hänge hauptsäch ch von einer Senkung des Zollniveaus ab.
Der freiwillige Arbeitsdienst.
Erneut Besprechung im Reichsarbeiitzministerium.
Berlin, 17. Jan. (Vdz.) Im Reichsarbeitsministerium fand eine Besprechung über di« Fragen des freiwilligen Arbeitsdienstes statt, an der mit einer Ausnahme alle in dieser Richtung tätigen Organisationen teilnahmen. Ausgiebig wurden die vom Reichsarbeitsministerium über die erste Besprechung ausgegebenen Ziffern besprochen. Entgegen der bisherigen amtlichen Berechnung, wonach je Arbeitsdienstleistenden im Jahre etwa 3 000 M k. Unkosten entstehen würden, erklärten die Vertreter der anwesenden Organisationen übereinstimmend, daß sich die Kosten höchstens auf rund 1 0 0 0 M k. im Jahre belaufen würden, daß sie also nicht wesentlich höher seien, a l s die jetzige Arbeitslosenversiche
rung, die für den Mann im Durchschnitt: 1000 Mk. im Jahre beträgt.
Ministerialrat L e h f e l d t würdigte die Aktivseite der vorgelegten Pläne durchaus. Bei einem, Einsatz von 450000 Mann würden die Ersparnisse an Arbeitslosenkosten etwa 4 2 0 Millionen betragen. Di« w.i- teren Aktivposten, der Wert der Produktion und die Belebung der Kaufkraft, seien aber unsichere Größen, äleberdies gehe die fetzige Krise vorwiegend auf unzureichende Kapitaldecke, auf fehlende Absatzmöglichkeiten und auf lieber- Produktion zurück, und in dieser Hinsicht biete der Arbeitsdienst keine Abhilfemöglichkeiten, da ja beispielsweise die landwirtschaftliche Produktion noch gesteigert werden solle.
In seinem Schlußwort stellte Ministerialrat Lehfeldt fest, daß von den anwesenden Organisationen — Kuratorium für Arbeitsdienst, Arbeitsgemeinschaft für neuzeitliche Siedlung, £ an
gelegene Treibhauspflanzen erscheinen sie, mehr korrekt als schön cinstudiert, heut nur noch als Schaustücke, besitzen aber nicht die volle Lebenskraft wie die früher so verachteten Volkstänze, aus denen unsere wichttgsten Rundtänze hervor» gegangen sind. Ein uralter deutscher Volkstanz rst der Walzer, der zunächst als „Ländler" oder. „Langaus", als „Zweitritt" oder „Steirischer" auftritt. Französische Tanzmeister haben freilich auch den Ruhm der Erfindung des Walzers ihrem Volke sichern wollen, indem sie auf die übermütige „Volte" bei dem alten Spring- tanz der Gaillarde hinwiesen. Aber nicht hier liegen die Vorstufen des Walzers, sondern in der aus Deutschland stammenden, im 17. Jahrhundert vielgetanzten Allemande, einer Misch- form des Contre, bei der die Bewegungen der Hände die Hauptsache waren und im einfachen Tanzschritt die Drehungen des Paares durch Beschränken und Kreuzen der Arme erfolgten. Schließlich ließ man die komplizierten Berschlin- gungen der Hände als unwesentlich bei Seite; die enge Beziehung, in die Herr und Dame durch die beständige Berührung der Arme getreten waren, gipfelte nun darin, daß der Tänzer den Arm um die Taille der Tänzerin legte. Der einfache Drehschritt des Volkstanzes, der schon so lange Bauern und Bürger bei ungebundenen Lustbarkeiten erfeut, zuckte jetzt auch in den Fußen der Vornehmen und ließ sie einen Tanz- taumel auskosten, wie ihn die feinste Courante das schönste Menuett nie hatten ahnen lassen. Das riesige Aussehen, das ein 1787 in Martinis Op" »Ona cosa rara" zu Wien getanzter Walzer entfesselte, kann als Markstein gelten für das allgemeine Eindringen dieses Tanzes in di« gute Gesellschaft. Vergebens suchte der Wiener'Kongreß, der die Geselligkeit des ancien r^gime zu einem letzten Scheindasein erweckte, das würdevolle Phlegma der Polonaisen und Quadrillen wieder zur Äorm zu erheben; es schwebte doch alles im raschen Saunte! des Walzers bunt durcheinander, mochte man auch noch so sehr über "diesen Würger der Moralität und Keuschheit" zetern.
^^achdem man erst einmal zu Anfang des 19. Jahrhunderts mit Behagen von dem süßen, prickelnd unruhigen- Rhythmus dieses flinken Drehtanzes gekostet hatte, wollte man die leiden- I bjafthefje Erregung solch raschen Tempos bis zv.r Reige gemeßen. Mit dem langsameren «Drei- l
Hochschulnachnchten.
Das durch die Emeritierung des Professors R. Weinland an der Universität Würzburg erledigte Ordinariat für Pharmazie und angewandte Chemie ist Dr. Fritz von Bruch Hausen Ordinarius der pharmazeutischen Chemie in Münster, atu geboten worden.
schrittwalzer" wetteiferte bald der galoppartige „Zweischrtttwalzer", und noch schnellere wilder« Tänze drangen von Osten her ein, geboren aus Dem heißen Blut und der starken Sinnlichkeit slawischer Völker, der Böhmen, der Polen. Die Polka, von der berichtet wird, sie sei umd 2ahr 1830 von einer einfachen Bauernmagd> Anna Slezak erfunden worden, soft ihren Ramen von dem böhmischen „Pulka" = Hälfte haben, weil der Halbschritt darin vorherrscht. Sie ist eigentlich nur die Wiederbelebung des sogenannten „Schottischen", der wieder als ein Gemisch zweier uralter Volksschritte, des Polkapas und Doppelspringens, im „Rheinländer" cme Erneuerung erfährt. Ums Jahr 1840 als der Prager Tanzlehrer Raab die Polka auf dem Pariser Odeontheater vorfuhrt, erreicht die Polkamode ihren Höhepunkt. Man trägt Haare und Kleider ä la Polka, ißt Speisen ä la Polka; dec neue Tanz wird in Dichtung und Kunst verherrlicht und erhält seinen Lobredner in dem letzten Klassiker der Tanzliteratur Cellarius. Ein anderer slawischer Tanz, der durch den Polenkult der Restauration seine romantische Folie erhielt, ist die Mazurka, der einzige jener vielen stolze Ritterlichkeit und weiche Hingebung atmenden polnischen Tanzschrttte, der sich in einer gemäßigten Form unter unfern Tänzen einbürgerte. Dieser erschien dann als anmutig feuriger Rundtanz, mit Polkaschritten untermischt, als Pvckka-Mazurka. Der Galopp mit seinem Zweivierteltempo, wohl aus dem zweitaktigen altdeutschen „Langaus" entstanden, war der einfachste und rascheste dieser Rundtänze. Er ist dann von Onestep noch übertroffen worden, wie überhaupt mit der Herrschaft der exotischen Tänze das Tempo sich immer schneller gestaltete. Aber der Tango bot ein wohltätiges Gegen- (jeuHdjt: das jetzt mehr und mehr zu Anmut und Melodik zurückleitet.


