Ausgabe 
18.9.1931
 
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Oie Vorgänge auf der Atlantikslotte

xum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt, der sich aus Vertretern der Belegschaft und der Bürgerschaft zusammensetzt.

Hilfe für -en Lehrernachwuchs

Grimme verhandelt mit den Berufs» Vertretungen.

Berlin, 17. Sept. (WTB.) Der preußische Unterrichtsminister Grimme verhandelte zu­nächst mit den Vertretern der B o l k s s ch u l - lehrerschaft, dann mit den Philologen über die Hilfsmaßnahmen für den vom Ab­bau bedrohten Lehrernachwuchs. 2m Mittelpunkt der Erörterung stand die Fürsorge für diejenigen, die durch die Einschränkungs- mahnahmen der Notverordnung ihre Beschäf­tigung verlieren. Cs handelt sich schätzungs­weise um 6000 Junglehrer und 1600 Studienassessoren. Für die Junglehrer läßt sich durch staatliche Mittel eine mini­male Effistenzsicherung schaffen. Don den Philologen erhalten rund 1100 a l s Anwärter vier Fünftel ihrer Bezüge weiter. Die Vertreter der Verbände erklärten sich trotz aller Verärgerung über die von ihnen als Unrecht empfundenen Besoldungsänderungen der Notver­ordnung bereit, die von Minister Grimme ge­planten Maßnahmen der Arbeitsbeschaffung zu unterstützen. Sie werden sich bemühen, durch eine Hilfsaktion in ihren eigenen Reihen zur Milderung der Notlage beizu­tragen.

Die Hochschullehrer protestieren gegen die preußische Aotverordnung.

Berlin, 17. Sept. (TU.) Der Verband der Deutschen Hochschulen hat an das preußische Kultusministerium folgendes Schreiben gerichtet:Die preußische Notverordnung vom 14. September beseitigt mit einem Federstrich die Emeritierung der preußischen Hochschul­lehrer. Das bedeutet einen Eingriff in wohlerworbene Rechte und verstößt ge­gen Treu und Glauben. Die preußischen Hoch­schullehrer sind auf Emeritierung ange­stellt, die einen ErsatzfürlangeWarte- zeit bieten soll. 3m Gegensatz zu anderen Be­amtengruppen hat der Hochschullehrer eine viel längere, spezialistische Ausbildung notig und ge­langt dadurch meistens erst erheblich später, zehn bis fünfzehn 3ahre, in eine be­soldete Stellung. Ein großer Teil seiner wissen­schaftlichen und Lehrleistung liegt gerade, in Verbindung mit der Hochschule, im höheren Le- bensalter und der Verzicht darauf durch Ab­schaffung der Emeritierung bedeutet e i n e n v i e l größeren Schaden als die mögliche Er­sparnis. Die Leistung der Emeritierten hat im Haushalt der Hochschulen keine Belastung, son­dern im Gegenteil eine große Ersparnis bedeutet, die durch keine andere Organisation erseht wer­den kann. Der Verband der Deutschen Hoch­schulen legt gegen diesen Bruch vertraglich fest­gelegter Rechte und gegen diese vom Zaun ge­brochene Zerstörung bewährter Verwaltungsfor­men, die in keiner Weise sparend, sondern un Gegenteil verteuernd und verschlech­ternd wirkt, Verwahrung ein und wird da­gegen mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln ankämpfen. Die Hochschullehrer sind bereit, die allen Volksgenossen auferlegten Opfer zu brm- gen. Was sie ablehnen müssen, ist eine Son­derbelastung, die man nur ihnen $umutet Sie leben der Lleberzeugung, daß auch in Not­zeiten die Gerechtigkeit die Grundlage des Staa­tes ist und bleibt."

Zwei des Eisenbahnanschlags verdächtige Kommunisten verhaftet. V u da pest. 17. Sept. (WTB.) Ein siellungs- loser Chauffeur teilte der Polizei mit, daß vorige Woche zwei Arbeiter, die Schlosser Szakacsi und Rszner, ihn aufgefordert hätten, für gutes Geld an einem Bombenanschlag tellzu nehmen. Detektive ermittelten Szakacsi und Rezner bald und stellten zunächst fest, daß beide Mitglieder der kommunistischen Par- tel sind. In den Taschen des Szakacsi wurde ein Notizbuch entdeckt, das u. a. e i n e n Situations­plan und den Maßstab der Eisenbahn- brücke in lljpest, ferner chemische For­meln für Schießbaumwolle und andere Sprengmittel enthielt. Bei der Vernehmung erklärte Szakacsi, er sei Kommunist aus Ueberzeu- gung und habe die Absicht gehabt, die Brücke mit sich selbst in die Luft zu sprengen, um hierdurch die Aufmerksamkeit der Oeffentlichkeit auf das Elend der Arbeitslosen zu lenken. Da beide wegen kommunisti­scher Umtriebe bereits vorbestraft sind, wurden sie von der Politischen Polizei verhaftet, die nun eingehend nach ihrer Tätigkeit während der letzten Zeit forschen wird.

Kleine politische Nachrichten.

Die Bank für internationalen Zahlungsaus­gleich gibt bekannt: Das Stillhalteabkom­men zwischen den deutschen Banken und Danken­gruppen in elf Ländern, das einen sechsmonatigen Aufschub von Forderungen gegen Deutschland vorsieht, ist von sämtlichen Par­teien unterzeichnet worden, wovon die Zen­tralnotenbanken der in Frage kommenden Län­der heute verständigt worden sind. Das Abkom­men ist somit in Kraft getreten.

Die Derhandlungen des Gefamtverbandes der Gemeindearbeiter mit dem Reichsverband kommunaler Arbeitgeberverbände haben das Er­gebnis gehabt, daß die Reichsmanteltarifverträge der Gemeindearbeiter und Straßenbahner bis zum 31. März 1932 verlängert werden.

Die inGießenzu einer Tagung versammelten Fuhr« des 3ungdeutschen Ordens aus beiden Hessen und Waldeck richteten an den Reichskanzler den Wunsch:Die Reichsregierung möge den angekündigten Besuch Briands in Berlin ablehnen. Wir Deutschen können nicht die Dertreter einer Regierung empfangen, die erst kürzlich durch Erpressung uns und unsere Brüder in Deutsch-Oesterreich des einfachsten Rechtes zweier Völker, des Selbstbestimmungs­rechtes, beraubt hat. Sie hat damit aufgezeigt, daß es ihr nicht um Derständigung zu tun ist. Eine solche ist nur unter Freien möglich. Daher kann der Besuch französischer Regierungsvertreter

London, 17. Sept. (WTB) Der Erste Lord der Admiralität, Sir Austen Chamberlain, teilte im Unterhaus mit, daß die atlantische Flotte dem ihr gegebenen Befehl, in die Heimathäfen zurückzukehren, damit der Oberbefehlshaber durch eine Untersuchung über die Wirkungen der neuen Soldordnung vorhandene Härten mil­dern könne, nachgekommen sei und sich auf der Rückfahrt befinde. Der Befehl enthalte einen besonderen Hinweis darauf, daß jede weitere Weigerung, irgendeinen Befehl auszuführen, als Gehorsamsverweigerung angeschen und dementsprechend b e st r a f t werden würde. Auf die Frage eines Abgeordneten, ob die Herab­setzung der Löhnung in der Marine zu den Kür- iungen gehöre, dieschonvon derfrüheren Arbeiterregierungprovisorisch be- ch l o s s e n worden seien, erwiderte Chamberlain, er habe, als er sein Amt übernommen habe, in der Admiralität Anweisungen vorgefun­den, wonach die Kürzungen der Löhnung in der Marine durchzuführen seien. Der frühere Erste Lord der Admiralität Alexander wandte sich gegen diese Darstellung; das frühere Arbeiter­kabinett sei von der Admiralität und politischen Führern vor dem gewarnt worden, was sich eitdem ereignet habe. Lebhaftes Aufsehen erregte es, als M a c d o n a l d nun folgende Erklärung abgab: Die frühere Arbeiterregierung erhielt von der Admiralität die Mitteilung, daß die See­leute die Kürzungen loh al hinnehmen würden, vorausgesetzt 1. daß die Kürzungen bei allen öffentlichen Dienstzweigen durchgeführt würden und 2. daß die Arbeitslosenunterstützun­gen in der gleichen Höhe gekürzt würden.

Sir Austen Chamberlain erklärte zum Schluß: Es sei nicht gerecht, daß man allen Mann­schaften der Flotte die Beteiligung an den Un­ruhen vorwerfe. Ein großer Teil der Besatzun­gen und das gesamte Unteroffizierkorps seien lo­yal geblieben. Es sei natürlich wenig schön, daß man die Mannschaft überhaupt ersuchen muhte, Opfer zu bringen, aber im Rahmen der Spar­politik müsse das ganze Land angesichts der Notlage seine Beiträge liefern. Wenn bei ein­zelnen Kategorien Härten entstanden seien, so würde man diese untersuchen und, wenn möglich, Abhilfe schaffen. Nach seiner Ansicht wüßten die Leute auf der Flotte sehr wohl, wie die Lage des Landes sei. Der Abgeordnete Hall habe dar­um gebeten, daß für das, was in der Ver­gangenheit geschehen sei, keine Bestrafung eintreten solle. Die Vergangenheit sei Vergan­genheit und er wolle nicht rückwärts, sondern in die Zukunft blicken.

Oie Schiffe kehren in die Heimathäfen zurück. London, 17. Sept. (TU.) Die Schiffe der Atlantikflotte sind in der Nacht zum Donnerstag von Cromarty Forth aus in See gegangen, um ihre Heimathäfen Portland, Devonport und Chatham anzulaufen. Gegen 16.30 Uhr war bei der Flotte die Nachricht eingetroffen, daß die

Der Polizeipräsident von Berlin hat d.ie natio­nalsozialistische TageszeitungDer Angriff" mit sofortiger Wirkung bis zum 24. September 1931 verboten, weil in der gestrigen Ausgabe desAngriffs" eine Zeichnung enthalten war, die eine offenbare Aufforderung zu Gewalt­tätigkeiten enthält.

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Der Polizeipräsident von Berlin hat® i e Rote Fahne" einschließlich der Kopfblätter mit sofortiger Wirkung auf die Dauer von vier Wochen verboten. 3n einem von derRoten Fahne" veröffentlichten Telegramm der KPD. a n die englische Marine wird eine schwere Störung der freundschaftlichen deutsch-englischen Beziehungen erblickt. Der Schlußsatz des Tele­gramms stellt überdies eine Aufforderung zum Ungehorsam gegen die Gesetze dar.

Der Generalstaatsanwalt beim Kammergericht hat die Eröffnung des förmlichen Disziplinarver­fahrens gegen den Landgerichtsdirektor Arndt und gleichzeitig die Amtssuspension beantragt. Der Disziplinarsenat des Kammergerichts hat das Disziplinarverfahren eröffnet und die Arnts- suspension angeordnet. Dem Landgerichtsdirektor Dr. Arndt wird fahrlässiges Verhalten a I s Vorsitzender des Stinnes-Prozesses zur Last gelegt. Mit Rücksicht auf die in der Oeffentlichkeit gegen eine Reihe Berliner Rechtsanwälte im Zusammenhang mit der Stinnes-Angelegenheit erhobenen Vorwürfe hat der Vorstand der Anwaltskammer Berlin den Generalstaatsanwalt ersucht, in einem ehrenge­richtlichen Ermittelungsverfahren aufzuklären, ob und inwieweit diesen Anwälten Verstöße gegen die Standespflicht zur Last zu legen sind.

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Der Landesführer des oberösterreichischen Hei­matschuhverbandes Ernst Rüdiger S t a r h e m - berg und Generalmajor a. D. Franz Puch- m a h e r, die am Montag im Zusammenhang mit dem Pfriemer-Putsch verhaftet worden waren, sind aus der Haft entlassen worden.

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Die chinesische Gesandtschaft in Tokio hat dem japanischen Außenministerium eine Note über die Ermordung des japanischen Offi­ziers Nakamura überreicht. Die chinesische Regierung verspricht, die Schuldigen streng zur Verantwortung zu ziehen und Maßnahmen zum Schutze der japanischen Staatsangehörigen auf chinesischem Staatsgebiet zu treffen. Dis Note hat in Tokio eine gewisse Entspannung in den japanisch-chinesischen Beziehungen gebracht.

Aus aller Well.

Absturz eines deutschen Flugzeugs in Schweden.

Ein deutsches Flugzeug stürzte einen Kilometer nördlich des Vire-Sees im Bezirk 3önköping in Mittelfchweden ab. Das Flugzeug zerschellte auf dem Boden, seine v,ier Insassen kamen ums Leben. Zeugen haben das Unglück nicht gesehen, doch war das Krachen weithin hörbar. Das Flugzeug dürfte vor dem Unglück über den Wolken geflogen sein, die ziemlich niedrig lagen. Cs handelt sich um ein Flugzeug

Admiralität bereit sei, gewisse Härten, die durch die Soldherabsetzungen entstanden waren, unter­suchen zu lassen. Die Offiziere ließen die Mann­schaften antreten und teilten ihnen die Ent­scheidung mit, die mit Beifallsrufen ausgenom­men wurde. Dennoch bedurfte es der ganzen Überredungskunst der Offiziere, um die Mann­schaften zum Dampfaufmachen und zum See­klarmachen der Schiffe zu bewegen. Die Besatzun­gen erhoben Einwendungen dagegen, daß die Schiffe voneinander getrennt werden, was geschehen muh, wenn sie auf ihre verschie­denen Heimathäfen verteilt werden. Auf einzel­nen Schiffen dauerte es über zwei Stunden, ehe sich die Mannschaften mit dem Auslaufen ihres Schiffes einverstanden erklärten. Auf dem Li­nienschiffDaliant", auf dem zuerst die Unbot- mäßigkeit ausgebrochen war, dauerten die Ver­handlungen am längsten. Kurz nach 22 Uhr lief das erste Fahrzeug, ein Torpedobootzerstörer, aus der Bucht von Cromarty aus.

Die Chefs der dreiMarinestationen Großbritanniens sind von der Admiralität nach London befohlen worden, um zusammen mit Vertretern des Ministeriums zu erörtern, wie die Untersuchung über die Beschwerden geführt werden soll. Der Chef des englischen Geschwaders in O st a s i e n berichtete, daß auf seinen Schiffen keine Anbotmäßigkeiten vorgekommen seien. Gleich- artigep Meldungen liegen auch aus den s ü d - amerikanischen Stationen vor. Auch die Mittelmeerflotte ist ruhig.

Großes Interesse in Frankreich

Ein heftiger Schlag für das britische Ansehen in der Welt.

Paris, 18. Sept. (TU.) Die Pariser Presse interessiert sich lebhaft für die Vorgänge in der englischen Kriegsmarine, die man hier trotz ihres verhältnismäßig ruhigen Charakters als eine offene Meuterei bezeichnet. DerTemps" betont u. a., daß eine Handlung der Disziplin­losigkeit in der englischen Flotte um so beun­ruhigender fei, als gerade die englische Marine, als die disziplinierte st e der Welt ge­golten und stets fern von allen politi­schen Einflüssen gestanden habe. Wie groß auch immer der Wunsch sein möge, die Angele­genheit nicht tragisch zu nehmen, so könne man sich doch nicht über die ganze Schwere einer derartigen Handlung hinwegtäuschen. Wenn England kein Vertrauen mehr zu seiner Flotte haben könne, so müsse man sich fragen, wie es in Zukunft seine Macht in der Welt behaup­ten wolle. Eine Meuterei in einem Lande, wo Lleberlieferung und Patriotismus auf höchster Stufe stünden, sei eine Angelegenheit, die alle Erwartungen übertreffe. Das Blatt macht sodann die kommuni st ische Pro­pagandatätigkeit für die Zwischenfälle verantwortlich und betont, daß diese Gefahr seit der Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen England und der Sowjetunion wesentlich zuge­nommen habe.

zierten Verunglückten handelt es sich um den Piloten Johann Wirtz, den die Photogrammetrie gestellt hatte und einen Franz Paul, vermutlich den Photographen der Expedition. Der dritte der getöteten Insassen ist ein Diplomingenieur Da­ni e l s o n aus Stockholm, der als technischer Fachmann und Kontrolleur an dem Fluge teil* nahm. Die vierte Leiche sitzt immer noch fest eingekeilt in einem Daum und konnte bisher nicht identifiziert werden. Es dürfte sich aber um die Ehefrau des Ingenieurs Da- nielson handeln. Das Unglück ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß der eine Flügel der Maschine sich vom Rumpf gelöst hatte.

Graf Zeppelin"

zu seiner zweiten Südamerikafahrt gestartet.

Das LuftschiffGraf Zeppelin" ist in der Nacht zum Freitag um 1.15 Uhr bei finsterer Nacht unter Führung von Kapitän Lehmann zu seiner zweiten diesjährigen Südamerikafahrt nach Pernambuco aufge stiegen. An Bord be­finden sich neun Passagiere. Auf dem Werft­gelände hatten sich trotz der vorgerückten Stunde sehr viele Zuschauer eingefunden. Dr. Eckener, der an dieser Fahrt nicht teilnimmt, war beim Start anwesend.

Auf der Jagd tödlich verunglückt.

Auf seiner Jagd bei Bickenbach auf dem Hunsrück ist der Koblenzer Kaufmann Rei­chert tödlich verunglückt. Er hatte sich auf den Anstand begeben und sich auf einen Hochsitz ge­stellt. Sein Sohn, fein Schwiegersohn und ein Iagdsreund, die sich ebenfalls auf dem An st and befanden, hörten plötzlich einen Schuß und fan­den den Vater tödlich verletzt am Fuße des Hochsitzes auf. Beim Herabsteigen hatte sich das Jagdgewehr entladen, der Schuß drang dem Jäger unter dem Kinn in den Hals und durch­bohrte den Kopf. Der Tod war sofort eingetreten.

Schmiedemeister Behling stellt sich ein.

Der seit einigen Tagen verschwundene Schmiede­meister Behling aus Bruenen bei Wesel, dessen Frau und Söhne in den Tod gegangen lind, hat sich in Wesel gestellt. Sein körperlicher Zustand war derart, daß er sofort dem Krankenhaus zuge­führt werden mußte. Es kann angenommen werden, daß Behling während der ganzen Zeit umher- geirrt ist.

(Eine Hochzeitsgesellschaft verunglückt.

In der Nähe von Meaur bei Paris fuhr ein mit einer Hochzeitsgesellschaft besetzter Autobus, als er in der Dunkelheit einem Fußgänger ausweichen wollte, gegeneinHaus. Drei Insassen des Auto­bus wurden getötet und sechs verletzt.

Bier Menschen bei einem Brande ums Leben gekommen.

Im Anwesen des Landwirts Jankowski in Ple- schen bei Posen brannte eine Scheune mit den diesjährigen Erntevorräten und der Stall mit allem lebenden und toten Inventar nieder. Wäh­rend der Aufräumungsarbeiten wurden unter den Trümmern der Scheune zwei Frauen und ein Mann, die dort genächtigt hatten, als verkohlte Leichen aufgefunden. Auch ein Knecht, der aus dem brennenden Stall feine Habseligkeiten retten wollte, kam in den Flammen mn.

in Berlin nur bann erst möglich fein, wenn Frankreich bereit sein wirb, auf der Grundlage) bet Gleichberechtigung mit uns zu verhanbeln."

her Deutschen Verkehrsflug AG. Fürth. Die Maschine, bie mit einem siebenzhlinbrigenWright- Wirlwind-Motor ausgestattet ist, wurde vor eini­ger Zeit an bie Photogrammetrie in München verchartert, um in Schweben Luftbildauf­nahmen zu machen. Vei ben bisher identifi-

Aus -er provinzialhauptssadk.

Gießen, ben 18. September 1931.

©er Spiegel.

Der Spiegel ist ohne Zweifel ein sehr nütz­licher Gegenstand, über dessen vielfältige Ver­wendung kein Wort zu verlieren ist. Indessen ...

In einer größeren Gastwirtschaft ist eine große Spiegelglasscheibe angebracht. Nur zur Zier, zur Belebung der Ausstattung. Wenn die Lampen im Hellen Licht erstrahlen, wirft dieser Spiegel die Flammen vielfältig zurück, und der Raum empfängt etwas Festliches. Schon das rechtfertigt sein Vorhandensein.

Wenn man sich aber einmal vornimmt, die Mitmenschen in ihrem Tun und Treiben zu be­obachten, kommt man zu dem Schluß, daß die Aufgabe des Spiegels, dem Raum zur Belebung zu dienen, recht untergeordneter Art ist. Das liegt natürlich nicht am Spiegel.

Wer immer an ihm vorübergeht, wirft einen Blick hinein, und die Wirkung dieses Blickes ist, daß sich der eine die Krawatte zurechtrückt, der andere aus seiner schlechten Haltung zu Ge- strafftheit gelangt; das junge Mädchen^chaut in das Glas, und man kann in seinen Blicken lesen: Bin ich nicht hübsch? Die nicht mehr ganz junge Frau überprüft sich: Nun, ich kann mich auch noch sehen lassen! Lind so fort in allen mög­lichen Abwandlungen, je nach Persönlichkeit und Neigung.

Dazu noch die Gelegenheit, unbeobachtet zu beobachten! Er ist ein vortrefflicher Spion, dieser Spiegel, und so manche boshafte Bemerkung über liebe Mitmenschen ist ihm als Verdienst zuzu­rechnen. Gar nicht gerechnet die Möglichkeit, daß sich Blicke kreuzen, in denen das Suchen zum Finden wird.

Er dient vielen Zwecken, dieser Spiegel, und mit ihm auch viele seiner Kollegen. Wenn man nun noch wünschte, daß sich ihm auch Blicke zu­wenden würden, die nicht von Eigenliebe erfüllt sind, wie wäre es dann? Er zeigt stets nur die gefällige Hülle, und wendet sich ihm ein unfreundliches Gesicht zu, so wird es im Hand­umdrehen freundlich. Sich selbst wird man doch nicht ein unfreundliches Gesicht widmen! Denn wenn man auch sonst mit allem unzufrieden ist, mit sich selbst zufrieden zu sein hat man bestimmt allen Anlaß! Allerdings wäre es mög­lich, daß der Spiegel, wenn er es vermöchte, nicht nur das bißchen zurechtgemachte Maske zu zeigen, sondern ein wenig, nur ein wenig von dem, was sich darunter verbirgt oder verbergen möchte, daß er dann viel weniger Freunde fände. Aber das tut er nicht. Er ist Kavalier. Noch dazu mit der Einschränkung, daß er nur offen­bart, was man ihm zu offenbaren gestattet. Da die Eigenliebe die Regie führt, ist es nicht zu verwundern, daß er viel Gefälliges und Selbst­gefälliges sieht.

Was jedoch der Spiegel tut, das äußere Bild zu malen, das tut doch auch die Netzhaut im Auge des Nächsten. Auch dort bildet sich ja ein Abbild der Wirklichkeit, und es ist ganz sicher, daß dieses Bild noch nicht einmal davon abhängig ist, ob eine Glasscheibe blank geputzt wurde oder nicht. Wie sonderbar ist es da, daß die auf diese Weise gezeichneten Bilder bei wei­tem nicht so häufig freundliche Züge auftoeifenl

r.

IBinfernoWlfe 1931/32.

Aus Einladung des Arbeitgeberver­bandes für Lahngau und Oberhessen E. V. fand in dessen Bureau gestern eine vor­bereitende Aussprache statt über Maßnahmen zur Linderung derNot, die der kommende Winter voraussichtlich für viele erwerbslose Mit­bürger bringen wird. Die anwesenden Vertreter der Behörden, der Wohlfahrtsverbände, der wirt­schaftlichen Verbände der Arbeitgeber und Ar­beitnehmer, der Industrie- und Handelskammer und der Handwerkskammer waren sich einig in dem Willen zur Hilf sberei tsch af t uni) ju tätiger Mitarbeit. Sie bekannten sich aber ebenso einmütig zu der Notwendigkeit, jede Zersplitterung und jedes Son­dervorgeyen im Interesse einer zielbewutzten und wirksamen Hilfe zu verhindern. Die An­wesenden schlossen sich deshalb zu derW inter- n o t h i l f e 1 9 3 1/3 2 zusammen. Die Führung wurde dem städtischen Wohlfahrtsamt übertragen.

Cs ist in diesen Tagen viel von der Durch­führung einer Winterhilfe gesprochen wor­den, die unter Förderung amtlicher Stellen die Wohltätigkeit jedes einzelnen Bürgers zusammen­fassen und sammeln will. Diese Arbeit im Dienste hilfstätiger Nächstenliebe verdient gewiß nach­haltige Unter ft ütjung. Aber es wäre falsch, wenn man sie als ausreichend ansehen würde, oder gar als vollwertigen Ersatz für den Einsatz der eigenen Hilfsbereitschaft. Vielmehr wird sich für jeden, der helfen kann und will, noch reichlich Gelegenheit bieten, im eigenen nach­barlichen Kreise mit Rat und noch besser mit der Tat beizuspringen. Eine warme Mahl­zeit, notleidenden Mitbürgern in der Bekannt­schaft regelmäßig zur Verfügung gestellt sollte überall da bereitgestellt werden, - wo sich das noch irgendwie ermöglichen läßt. Manches Klei­dungsstück kann Nutzen stiften in einer Familie der Umgebung, die in besondere Notlage geraten ist. Schließlich: Nicht dieverschämten Armen' vergessen, die es aus verständlichen Gründen nicht fertigbekommen, die öffentliche Wohlfahrt in Anspruch zu nehmen; sie leiden vielleicht am schwersten unter der Not unserer Tage.

Zinsverbilligung bei der Viehverwertung.

Das saisonmäßige Ueberange6ot an nicht schlachtreifen und schwer verkäuflichen Rindern wird in nächster Zeit mit zunehmender Beendi­gung des Weideganges auf den Schlachtvieh­märkten noch erheblich steigen. Um dem daraus sich ergebenden ungesunden Preisdruck zu be­gegnen, wird vom Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft die Möglichkeit geboten, daß die Käufer von angemästetem Weidevieh, welche dieses bei einem Diehmäster zur weiteren Mast aufstellen, für einen vom Viehmäster akzeptierten, von ihrer Bankverbindung girierten zur Diskon­tierung gelangenden Wechsel (Mastwechsel) eine Zinsverbilligung von 4 v. H. p. a. auf die Dauer von höchstens sechs Monaten erhalten. Mit der Durchführung der Zinsverbilligung ist die ge­nossenschaftliche Reichsviehverwertung m. b. H. Berlin SW 11, Hafenplatz 5, beauftragt. Dorthin sind von den Banken, die die Wechsel giriert haben, die Anträge auf Zinsverbilligung zu sen­den. Näheres ergibt sich aus dem in den Fach­blättern des Diehhcmdels und in den ^Nachri.Htyß