Ausgabe 
18.9.1931
 
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Hr. 218 (Elftes Blati

181. Jahrgang

Zreitag, 18. September 1931

Eichener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberheffen

vrvS und Verlag: vrühl'fche UntversitLlr-vuch. und Stetnöruderei N. Lange in Sietzen. Schriftleitung und Sefchästrftelle: Schulfttatze 7.

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Dr. Fnedr. Will). Lange. Verantwortlich sürPolüiK Dr. Fr. Will). Lange, für Feuilleton Dr H.IHyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein und für den Anzeigenteil Ma^ FiU«, sämtlich in Gießen.

DerRun" auf Deutschland.

Luther über die Politik der Reichsbank während der Fulikrisis.

Berlin, 17. Sept (IU.) Reichrbankpräfideni Dr. Luther veröffentlicht in der ZeitschriftDer heimaidicnjt" unter der UeberschristDer Run auf Deutschland" einen Artikel, In dem er ju den Problemen der Kreditpolitik Stellung nimmt. Ausgehend von den Ereignissen feit dem 13. Juli verteidigt er die Politik der Reichabank und beschäs- tigt sich sodann mit der künftigen Reich»bankpoliiik. Er weist daraus hin, daß der Run der Au »- landgläubiger der deutschen Wirtschaft seit Beginn de» Jahre» 1931 f a ft drei Milliarden Gold und Devisen entzogen habe, und daß diese drei Milliarden im wesentlichen au» den De­visen. und Goldvorräten der Reichsbank und der Banken gezahlt worden seien. 6» handle sich um die Frage, ob etwa in dem gleichen Umsang, in dem ausländische Zahlungsmittel abgeflossen seien, da» Inländische K r e d t t o o I u m e n abgebaut werden müsse. Tatsächlich sei schon heute in starkem Umfang der Reich»bankkredit an d I e Stelle de» entzogenen ausländischen Kredit» getreten. Denn die Befriedi­gung der legitimen Kredltbedürsnisse müsse die oberste Regel der Bankpolltlk bleiben, weil sonst in Deutschland der Deflation-Prozeß, der ja international sei, und aus dem sich Deutschland nicht heraus,iehen könne, übertrieben werden würde, und dadurch zu einem so übermäßigen Druck aus­arte, daß die Folgen kaum absehbar seien. Aus der anderen Seite könne eine Aufrechterhaltung des Kre­ditvolumen, verantwortet werden, nachdem durch Slillhaltung und Devisenbewirtschaftung ein Zustand geschassen sei, mit einer geringeren ooIk»- wirtschaftlichen Kassenreserve an Gold und Devisen auszukommen. Anschließend beschäftigt sich Dr. Luther eingehend mit der Frage, ob und inwieweit da« deutsche Kredilvolumen noch aus­gedehnt werden kann, und kommt dann zu folgen­den Schiußsolgorungen:

1. was den K-rud) Im Kredit- und Zahlung»-« system am 13. Juli erzwang, war ein Run der Aus- landgläubiger aus Deutschland.

2. Stillhaltung und Devisenbewirtschaftung sind die vorläufige Sicherung gegen öle Wiederholung eines Runs der Auslandgläu­biger.

3. S4Klf)aKwg und Dsvifenordnung machen ce möglich, trotz de» starken Deoisenoerlustev der ersten sieben Monate de» Jahre» 1931 dasaltekredit- volumen, soweit ev noch wirtschaftlich gerecht­fertigt ist, im wesentlichen aufrechtzuerhal­ten. Eine Ausdehnung de» kreditoolumens hat zur Voraussetzung eine Ausdehnung de» Handelsvolumen», die zur Zeit nicht be­sieht.

4. Binnenwährungvprojekte und ähn­liche» können die Kreditnöte nicht befeitigen, sondern führen in eine Jnflation. Sofern eine enl- fprechende Ausdehnung de» Handelsvolumens sich vollzieht, ist eine gesunde und gerechtfertigte Kredit- ausdehnung auch in Relch»markwährung möglich.

Der Reichsbankpräsident Dr. Luther hat sich etwas spät der Aufgabe unterzogen, die Iulikrise in Ausggng und Entwicklung darzustellen, um von dieser Plattform aus nicht nur die Politik der ReichSbanl zu verteidigen, sondern auch zusam- menfassend mitzuteilen, wie die Krise sinanz- und währungspolitisch überwunden werden soll. Es hätte nicht geschadet, wenn der Reichsbankpräsi- dent darauf hir-cwiesen hätte, daß der Run auf Deutschland die Auswirkung des Zustandes war. der im Layton-Bericht als Erschütterung des DerttauenS durch die unge­sicherte politische Lage bezeichnet wurde. Richt um innerpolitische Dorgänge handelt es sich dabei, sondern <jm außenpolitische Vorgänge inso- sern, als in der internationalen Hochfinanz schon seit Monaten bekannt war und bekannt sein mußte, daß die deutsche Reichsregierung gezwungen sein werde, den Zahlungsaufschub für die T r i 6 u 11 a ft zu erklären. Da sich nickt über­sehen lieh, zu welchen außenpolitischen Verwick­lungen diese Erklärung führen könnte und würde, ging das internationale Finanzkapital gegen Deutschland vor. Das war der Run auf Deutsch­land.

3n der Darstellung Dr. Luthers zeigt sich auch, dah der dramatische Ablauf der Gescheh- "sike, der in feinen Einzelheiten von der Oef- fentlichkeit nicht sofort verstanden wurde, wie die Glieder einer Kette i n c i n a n b e r g e g r i f » fen hat. Es hatte wirklich schon zwölf LI h r geschlagen, als Reichsregierung und Reichs- bank die deutsche Wirtschaft durch die berühmte Durgschastserklärung in die Dresche springen lie­hen. ohne dah dies die beabsichtigte Wirkung der rechtzeitigen Ltillhaltung des Auslandgläu- biger erreichen konnte. Der Reichsbankpräfident kann wegen seiner Stellung nicht alles so deut­lich Tagen, wie es gewesen ist. denn er muh auch Diplomat sein, also schweigen können. Sonst hätte er auf die Tatsache Hinweisen können, dah die Winkelzüge der französischen Regierung gegen den Hoover-Plan für den deutschen Aus­landkredit geradezu vernichtend wirken mühten.

Wir können uns heute nur schwer zurechtrücken, was sich ereignet haben würde, wenn statt des Präsidenten Hoover die Reichsregierung Ende 3uni gezwungen gewesen wäre, von sich.au- den Zahlungsaufschub zu erklären. Das inter­nationale Finanzkapital muß über diese Krisen­gefahr wohl gut unterrichtet gewesen fein, sonst Hütte es nicht den Run aus Deutschland zu einer Zeit veranstaltet, in der es für die internationale Wirtschaft und für den internationalen Kredit darauf ankam, sehr vorsichtig zu handeln. Ein Zusammenbruch der deutschen Wirtschaft wäre nicht auf die deutschen Grenzen be'chrünkt geblie­ben, sondern hätte auch die Rachbarländer in den Strudel gezogen. Dielleicht sieht das heute auch Frankreich ein, da es aus einem anderen Grunde, der aber doch mit der internationalen Wirtschaftskrise zusammenhängt, entsetzt ausge­fahren ist, weil England die LuruSein- fuhr, die fast ganz aus Frankreich stammt, a b d r o s s e l n will. Es wird Frankreich nicht viel nützen, dah es auf einem gewaltigen Gold­hort festsitzt, wenn alle Länder, zu denen es handelspolitische Beziehungen unterhalt, sich ge­zwungen sehen, vor allem die überflüssige Luxus- einfuhr völlig abzustoppen. Dann könnte es so sein, daß die Schläge der Wirtschaftskrise mit voller Wucht auf Frankreich herniedersausen.

Die eigentliche Bedeutung der Kundgebung deS Reichsbankpräsidenten liegt wohl darin, alle Pläne und Dorschläge, die auf währungspoli­tische Experimente hinauslaufen. ein für

allemal abzulehnen. DaS ist deshalb bedeutsam, weil die Reich-bank zur Zeit wenigsten- die einzige Kreditguelle ist. au- der die deutsche Wirtschaft schöpfen kann. Aber diese Kreditquelle sott in nor­maler Verfassung bleiben, soll sich also nur auS- dehnen oder in sich zurückziehen. je nachdem die Produktionskraft der Wirtschaft die- notwendig macht. Das ist nicht- anderes als ein Bekenntnis zur Deflation, woraus sich wieder schliehen läßt, daß die ReichSregierung entschlossen ist, den Preis­spiegel aufzulockern. Dagegen wäre nichts einzu­wenden. wenn es die Reichsregierung gleichzeitig fertig bringt, die Preisbildung auch von der steuerpolitischen Seite her zu beein­flussen, denn die öffentliche Last nimmt den Pro­duktionsertrag noch immer biS au 60 v. H. in An- fpruch, so daß diese 60 v. H. auch irgendwie in den Preisen zum Ausdruck kommen müssen. Die Fi­nanz- und Steuerpolitik, die trotz aller Warnungen seit Jahren betrieben wurde, ist uns nun zum "Ver­hängnis geworden, denn wirtschaftliche und finan­zielle Verhältnisse sind nun so miteinander ver­wickelt. daß die Lösung von der Wirtschaft allein nicht möglich sein wird. Wir müssen doch auch be­rücksichtigen, daß die In- und Auslandverschul­dung eine Höhe erreicht hat, die uns schon finanz­politisch zwingt, an die Abtragung zu denken. Die Herstellung des Gleichgewichts im öffentlichen Haushalt ist die leichtere Ausgabe gegenüber dem Zwang, Staat und Wirtschaft von dem Druck der Verschuldung zu entlasten.

Oesterreich wieder unter Finanzkontrolle.

Oer Völkerbund fordert Ersparnisse als Voraussetzung für eine Anleihe.

Gens, 17. Sept. ("1B$B.) Das Finanz­komitee des Völkerbundes, das seiner­zeit mit dem Wunsche der österreichischen Regie­rung besaht worden ist, die wirtschaftlichen und finanziellen Schwierigkeiten Oesterreichs und die Mittel zu ihrer Behebung zu untersuchen, hat die ihm aufgetragenen Arbeiten beendet und wird unverzüglich einen DerichtandenDöl- kerbundsrat erstatten.

Der Bundeskanzler hat im Finanzkomitee er­klärt, daß die österreichische Regierung entschlossen ist, das Gleichgewicht im Budget herzu- stellen und alle notwendigen Maßnahmen im Interesse des österreichischen Kredites und Geld­wesens durchzuführen. Sie beabsichtigt, die be­reits eingeleitete Ersparnisaktion noch in diesem Jahr nachdrücklichst fortzusetzen. Die not­wendige Herstellung des Gleichgewichtes im Haushalt der LänderundGemeinden wird ähnliche Mahnahmen, wie sie im staatlichen Budget vorgesehen werden, und auch ähnliche Er­sparnisse erfordern. Die Regierung wird sich mit den autonomen Körperschaften über die erforder­liche Kontrolle ihrer Kreditaufnahme verstän­digen. Der Bundeskanzler erklärte ferner, daß die Regierung mit Rücksicht auf die Garantie, die sie für die Eredit-Anstalt übernommen hat, auf eine angemessene Herabsetzung der Ver­waltungskosten bringen werde. Die Regie­rung wolle die Bankengesetzgebung einer Revision unterziehen. Mit der Rationalbank wird die Regierung ein Einverneh­men darüber pflegen, dah ein Berclter für so lange bestellt werde, als der Völkerbund dies für notwendig erachtet. Der Bundeskanzler lud das Finanzkomitee zur Mitarbeit bei der Durchführung dieser finanziellen und wirtschaft­lichen Pläne der Regierung ein. Er legte dar, dah die österreichische Regierung zunächst eines Kredite- von 250 Millionen Schilling bedürfe.

Da» Ergebnis der mehrtägigen Beratungen be­steht. wie erklärt wird, im wesentlichen in einem vom Finanzausschuß ausgearbeitcten Spar­programm, da» Einschränkungen de» österreichischen Haushalt» um 200 bis 300 Millionen Schilling auf etwa zwei Milliarden Schilling oorsieht. Das Programm empfiehlt insbesondere: Herabsetzung der Gehälter der Staatsbeamten um 10 o. scharfe Kontrolle der Finanzgeba­rung der Länder und Gemeinden, Aufgabe der bisherigen finanziellen 11 n - terstühung der post und Eisenbahn, Revision der bisherigen Arbeitsoertrag»- Politik. Al» Kontrolleur für die öster­reichische Rationalbank ist bisher der frühere Direktor der Finanz, und Wirtschaftsabteilnng des Bölkerbundssekrctariats Sir Arthur 5 a l - t e r vorgesehen.

Bundeskanzler Dr. B u r e s ch hat die Verpflich­tung übernommen, dem Finanzausschuh bis zum Montag eine Mitteilung über bie Annahme bes vom Finanzausschuh ausgearbeiteten Spar­programme- für Oesterreich zu übermitteln. Der Finanzausschuh hat jedoch größten Wert darauf gelegt, dah das Sparprogramm nicht nur ge­schlossen vom österreichischen Kabinett und dem Bundeskanzler angenommen werde, sondern auch breiteste parlamentarische Unter- stützung finde. Auf Grund der in nächster Woche zu erwartenden Zustimmung der österreichischen Regierung zu dem Sparprogramm wird dann der

Finanzausschuß unverzüglich dem Völker- bundsrat einen Bericht über die end­gültige Regelung des österreichischen Finanzhilse- gesuches erstatten.

Die Vereinbarung zwischen dem Finanzausschuß und dem Bundeskanzler bedeutet nach allgemeiner Auffassung die Erneuerung einer F i - nanzkontrolle des Völkerbundes über Oesterreich, wenn auch in verschleierter Form. Aus den Erklärungen Bureschs in der Schluß­sitzung des Finanzausschusses gehen folgende zwei Punkte hervor:

I. Die Ernennung eines Beraters des Völkerbundes bei der Oesterreichischen Rationalbank zunächst auf unbestimmte Zeit, der die Kontrolle über die Oesterreichische Ratio­nalbank übernimmt.

2 Die Durchführung der jetzt vorn Finanzaus­schuß ausgearbeiteten Sparpläne der österreichi­schen Regierung erfolgt unter Mitwirkung des Finanzausschusses des Völker­bundes und somit unter dessen Kontrolle.

Verhandlungen mit Krankreich

Vöikerbundsoptimismus tucht über Lestcrreichs wahre Lage zu täuschen.

Paris. 17. Sept. (WTB.) Heber eine Unter« rebung bes österreichischen Dunbeskanzlers Bu­re s ch mit dem französischen Finanzminister Flanbin berichtet derPetit Parisien" aus Genf: Wenn sich ber französische Finanzminister auch herzlich unb sogar zuvorkommenb gegenüber einem Manne gezeigt habe, ber in glücklicher Weise gegen Schober absteche. so habe ber französische Minister boch wohl mehr feinen Partner sprechen lassen. Man erkenne kaum, was man für Oesterreich tun könne, bevor nicht eine Stabilisation des internationalen Krebitmarktes eingetreten unb das öster­reichische Du dget wieder ausgegli­chen sei. Im übrigen habe gestern in der Unter­redung Bundeskanzler Durefch gegen die Behaup­tung protestiert, dah französischerseits Bedin­gungen politischer Art gestellt worden seien. Die Unterredung hätte sich im Gegenteil nur auf finanziellem Gebiet bewegt.

Rach Ansicht mahgebender Sacy- verständiger des Finanzkomitees ist die fi­nanzielle Struktur Oester reichs als durchaus gesund anzusehen. Die entstande­nen Schwierigkeiten sind größtenteils vorüber­gehender Ratur unb hauptsächlich durch die allgemeine Wirtschaftskrise hervorgerufen worden.

Was die Abrüstungskonferenz kosten soll.

Genf, 17. Sept. (TU ) Der Kostenvoranschlag für die im Februar beginnende Abrüstungs­konferenz liegt jetzt dem Haushaltsausschuh des Dölkerbundes vor. Danach werden die Kosten für die gesamte Abrüstungskonferetiz vorläufig auf vier Millionen Goldfranken ge­schätzt, darunter allein zwei Millionen für Schrift­sachen, 1.2 Millionen Goldfranken für das Zusatz- personal, 140 000 Goldfranken für Auto« und Radfahrdienst. 360 000 Goldfranken für Papier unb technische Utensilien, 50 000 Franken für die Repräsentation-kosten des Präsidiums. 50 000 Franken für Reise- und Aufenlhaltsentschädi- gungen, sowie 86 000 Goldfranken für unvorher­gesehene Ausgaben Der Doranschlag des Gene­ralsekretärs basiert auf einer sechsmonatigen Dauer der Abrüstungskonferenz.

Oie Raturalunterstühung für die Erwerbslosen.

Verhandlungen mit dem Väckergi werbe.

Berlin, 17. Sept. (ERB.) Reick-ernährung-- Minister Schiele hat mit den Vertretern deS ZentralverbandeS DeutfcherDäcker- InnungenGermania" unb der Brot­fabrikanten die Raturalbelieserung der Er­werbslosen und die Frage der LebenSmittelver- billigung für die Hilfsaktion erörtert. Die Ver­treter deS Däckergewerbes haben sich grundsätz­lich bereit erklärt, das Brot für die Erwerbslosen unabhängig vom MehlpreiS zu verbilligen. Um den Preisnachlaß aber noch zu vergrößern, haben die Vertreter deS DäckergewerbeS vorge- fchlagen, den Bäckern verbilligte- Mehl au liefern und u. a. den Kohlenpreis z u senken. Sie forderten weiter, daß die Ratural­belieserung sich auf die notwendigsten Leben-mittel beschränke. Mit ber Spihenorganisation de- FleischergewerbeS, bem Deutschen Fleischerverband. werden ähnliche Verhandlungen geführt.

DieAnsiedlungoonErwerbSlosen

Pläne der Ltadt Hagen.

Wie derIungdeutsche" auS Hagen berichtet, besaßt sich die Stadtverwaltung mit dem Plane, in ganz kurzer Zeit einer größeren Zahl von Erwerbslosen in land­wirtschaftlichen Betrieben eine neue Arbeitsstätte zu verschaffen. Wie fast überall, so ist auch im Umkreis der Stadt Hagen ziemlich viel landwirtschaftlich nutzbare- Land zur Ver­fügung. Die Eigentümer sahen bislang in diesen Komplexen nur zukünftige- Bauland. Langfristige Verpachtungen liegen daher meisten- nicht vor. Es besteht durchaus die Möglichkeit, diese- Land zum Zwecke einer intensiveren Bewirtschastung iGarten- und Gemüsebauten) bereitzustellen. Die Stadtverwaltung hat dazu einen Plan auSge- arbeitet, der drei Möglichkeiten vorsieht. Ar­beitslosen. die sich mit ihrer Hände Arbeit mehr RahrungSmittel verschaffen wollen, als ihnen die Unterstützung sichert, sotten Feldgärten zur Verfügung gestellt werden. Sind unter ihnen Leute, bie sich al- Dauerkleingärtner niederlasscn wollen, so sollen auch diesen die Voraussetzungen dafür gegeben werden. Dritten- sotten aber auch jüngere Erwerbslose von 18 Jah­ren an z u Arbeitsgruppen zusammen- gefaßt werden, die von landwirtschaftlichen Fachleuten regelrecht angelernt werden sollen. Während dieser Lehrzeit sollen sie ihre Unter­stützung weitergezahlt erhalten. Soweit daS für diesen Zweck hergegebene Land Erträge abwirft, sollen diese Erträge ihnen gutgeschrieben werden zum Erwerb eines Landstrichs. Die Stadt will aus ihren Steinbrüchen und Wäldern Baumaterial zur Verfügung stellen, da- zur Herstellung der ersten Unterkünfte dienen sott.

Oie Ostsiedlung.

Eine Entschließung des Iungdeutschc« Crbrnd in Hejscn.

Die in Gießen zu einer Tagung versammelten Führer des Iungdeutschen Orden- auS beiden Hessen und Waldeck brachten in einer Entschließung die Auffassung zum Ausdruck, daß aus dem bisherigen Wege durch Rotverord­nungen die Rot deS Volkes und deS Staate- nicht gemeistert werden kann: im Gegenteil, die Rot wird von Tag zu Tag größer. Sie sind weiterhin der Auffassung, daß die Ursachen dieser Rot nicht in einer KonjunkturkrisiS, sondern darin liegen, dah bie Struktur unsere- Vol­kes unb unsere- LebensraumeS falsch ist: auf ber einen Seite Gebiete, die die auf ihnen woh­nenden Menschen nicht beschäftigen und nicht ernähren können, auf der anderen Seite toeite Landstriche, die so von Menschen entblößt sind, dah sie nicht nutzbar gemacht werden können. Aus dieser Erkenntnis heraus glauben die jung» deutschen Führer auch nicht, daß der frei­willige Arbeitsdienst allein die wirt­schaftliche Rotlage zum Bessern wenden kann, wenn sie ihm auch al- erster Schritt auf einem von ihnen schon jahrelang geforderten neuen Wege und als Mittel, die Rot wenigsten- weitgehend au lindern, aufrichtig begrüßen. Sie glauben vielmehr, dah die Lage nur bann von Grunb auf geänbert wirb, wenn bie Regierung ben freiwilligen Arbeitsbienst in großzügiger Weise einseht unb ihn bazu benutzt, die De s i e b- lung bes menschenleeren beutschen Raumes, bes beutschen Osten-, auf genossenschaftlicher Grunblage zu ermöglichen. Der Iungdeutsche Orben hat hierzu schon seit vielen Jahren immer wieder ben Weg gezeigt. Er steht ber Regierung auf biesem Wege bis zum letzten Wann zur "Verfügung.

Ein wirtschaftspolitisches Experiment.

Ratingen, 18 Sept (TU.- In Rating en (RegierungsbeAirk Düsseldorf) ist eine sozial­wirtschaftliche Rotgemeinschaft ge­gründet worden, die den Zweck hat, die alte Ratinger Spinnerei auf genossenschaftlicher Grundlage wieder in "Betrieb zu sehen. Sie hat das Werk gepachtet unb wird am 1. Oktober zunächst mit 200 Arbeitern den "Betrieb eröffnen. Die Finanzierung geht auf genossenschaftlicher Grundlage so vor sich, dah alle Werksangehörige 25 Prozent ihres Einkommen- zur Kapitalbildung Aut Verfügung stellen. In der ersten Generalversammlung der neuen Ge­sellschaft wurde der Ratinger Bürgermeister