Ausgabe 
18.7.1931
 
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Ht. 166 Erstes Blatt

181. Jahrgang

Samstag, 18. Juli 1931

Erschein, täglich,cmtzer Sonntag» unb feiertags. Bttlagee: Die Illustrier,, Gießener Jamilienbl&tta 5 et mal im Dill» Die Scholle

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Gietzemr Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Verantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr.H.IHgriot; für den übrigen Teil Ernst Diumschein unb für ben Anzeigenteil Max Filler, sämtlich In Diesten.

Oie pariser Reise.

Die »ergangene Woche hat ba8 deutsche Volk auf eine harte Rervenprobe gestellt, Hnb was war ihr schon vorangegangen! Sin Winter wach­sender wirtschaftlicher Schwierigkeiten und in ihrem Gefolge eine bedenkliche Zuspitzung der tn- n>er politischen Gegensätze, ein Frühjahr ohne merk­liche Entlastung auf dem Arbeitsmarkt, wohl aber stärtste^Jnanlpruchnahme der Steuerschraube un­ter dem Zwang zur Sanierung der StaatSfinan- ien, schließlich zu Beginn deS Sommers in gleicher Dichtung laufenden Entschlüssen der Reichsregierung vorgreifend der Hooverplan, der Deutschland wenigstens für ein Jahr von den TributzaHIungen entlasten sollte, aber dann immer noch zwei lange Wochen fast unerträglicher Span­nung. bi- endlich auch Frankreich als Hauptgläu­biger dem .Feierjahr" wenigstens in seinen Grundzügen zugestimmt hatte. Doch nun mit einem ödjlage die niederschmetternde Erkennt­nis Zu spät! Wohl hatte da« Reich sich dank der Srspamisse aus dem Hoovermoratorium von drückendsten Schulden befreien können, aber der Wirtschaft, die sich mit kurzfristigen AuSlands- frebiten über die letzten schweren Jahren hinweg- geholsen hatte, blieb die KrisiS nicht erspart. Der Abzug der Kredite, der namentlich durch fran­zösische und amerikanische Geldgeber schon nach ben Seplcmberwahlen begonnen hatte, hatte im Laufe des Winters und Frühjahr« fast stürmische Formen angenommen und war während des Hin und Her» der Pariser Verhandlungen schließttch zu einer Lawi'v? angeschvollen, die am Ende dsr zweiten Juliwoche die deutsche Wirtschaft in den Abgrund zu reihen drohte, wenn es nicht im letz­ten Augenblick gelang, durch eine großzügige Entlaftungs- und Hmschuldungsaktion eine schützende Barriere zu errichten. ES ist bekannt, haß nicht lediglich Mißtrauen in die politische Entwicklung Deutschlands die ausländischen Geld­geber zu umfangreichen Kündigungen veranlaßte und auch dies darf nicht verschwiegen wer­den - deutsches Kapital inS Ausland abströmen ließ. Der Zusammenbruch der Oesterreichischen Creditanftalt, der Skandal der Bremer Wollkäm­merei und die Illiquidität der Danatbank haben dann die Entwicklung überstürzt, die auch von der wirtschaftspolitischen Seite her durch die unorga­nische internationale Kapitalverteilung und die daraus resultierende Errichtung eine» auf allzu optimistifchen Dorausfetzungen ruhenden und feh­lerhaft konstruierten KreditgebäudeS begünstigt worden war.

Daß die KrisiS vorwiegend politische Ur­sachen hatte, ermutigte Regierung und Reichs­bank zu ihrer abwartenden Hattung. Beide glaub­ten offenbar bis zum letzten Augenblick, daß Eng­land es wie im Falle der Oesterreichischen Credit- bank nicht zum Aeußersten kommen lassen werde und durch Gewährung einer Anleihe die sranzö- zischen Angriffe abwehren werde. AIS dann aber die Bant von England Dr. Luther auf Paris ver­wies und man dort dem Reichsbankpräsidentem die kalte Schulter zeigte, waren für die Organi­sierung einer deutschen Selbsthilfe kostbare Tage verloren gegangen. Rur größter Energie deS Reichskabinetts und der Reichsbankleitung gelang es trotzdem eine Katastrophe zu vermeiden. Die sinanzwirtschaftliche Entwicklung der letzten Woche schildert ein Aufsatz des ehemaligen Reichsfinanz- ministerS Dr. Moldenhauer an anderer Stelle die­ses Blattes. Hier können wir uns mit der Fest­stellung begnügen, daß das Ausland erst dann deutschen Anleihewünschen geneigter war, als sich Regierung und Reichsbank der durch die Derzö- gerunq auf« äußerste zugespitzten Lage gewach- fen zeigte und die deutsche Selbsthilfe sich auszu­wirken begann. Der merkliche Stimmungsum­schwung der letzten Tuge wurde natürlich dadurch Wesentlich beschleunigt, daß man die Rückwirkun­gen der deutschen Krisis nicht nur in ganz Mit- teleuropa »erfolgen formte, sondern bald auch in den eigenen Ländern zu spüren begann. Die hef­tigen Angriffe, die von Frankreich auS auf das englische Pfund eingeleitet wurden, trieben Herrn Henderson in Eile nach Paris. Unb die Furcht vor einem ähnlichen Trommelfeuer an der Reu- vorker Börse, wo man die von Frankreich in Amerika kurzfristig investierten Gelder bis auf 500 Millionen Dollar schätzt, veranlaßte den auf ferner Europarundreife begriffenen amerikani­schen Staatssekretär Etimfon, sich mit seinem britischen Kollegen zu einer energischen Interven­tion in Paris zu vereinigen. Aber ihren Be­mühungen wäre wohl kaum so bald ein erster Erfolg beschicken gewesen, wenn ihnen nicht die Auswirkungen der deutschen Sti­ll» auf bie Pariser Börse zu Hilfe ge­kommen wären. Man war in Paris anscheinend der Meinung gewesen oder hatte wenigstens sich so gestellt. als ob die deutsche Finanzkala­mität Frankreich gar nicht berichten könne. Der *25erlauf der ersten Tage schien diese Auffassung zu bestätigen. Aber die Börsenruhe während der französischen Rationalfeiertage am 13. und 14. Juli hatte die wahre Situation verschleiert. Als die Pariser Börse am folgenden Tage ihrs Pforten wieder öffnete, gab es schwere Kurs­stürze, die auch vor den Anteilen der Bank von Frankreich nicht Haltmachten. Man hatte sich also empfindlich getäuscht in dem Glauben, Frankreich aus der Misere heraushalten zu können. Die enge weltwirtschaftliche Verflochtenheit erlaubt heute eben selbst einem wirtschaftlich so ausgeglichenen und finanziell so übermächtigen Lande wie Frank­reich nicht mehr, einfach beiseite zu stehen, wenn die ganze übrige kapitalistisch organisierte Welt ins Beben gerät

Der eindringliche Anschauungsunterricht der Dörsenbaisse am 15. Juli hat wenigstens soweit

Oes Reichskanzlers Abreise nach Paris.

Heute nachmittag die erste Aussprache mit den Franzosen. - Am Sonntag folgen Besprechungen mit Henderson, Gtimson und Grandi.

Berlin, IS. Juli. (ÖIB.) Reichskanzler Dr. Brüning und Deichsaußenrninisler Dr. Cur- Hu» sind mit den Herren ihrer Begleitung Freitag um 22 Uhr mit dem fahrplanmäßigen Rordexprcß nckch Paris abgefahren. Aus dem Bahnhof Friedrichstraße hatten sich außer einer großen Menschenmenge der französische Botschafter de 2U ar­ge r i e , der englische Botschafter horace Hum- boldmit dem Botschaftsrat Jleroton, ferner Staats­sekretär Dr. p ü n b e r und eine Reihe von Herren de» Auswärtigen Amtes zur Verabschiedung ein- gefunden. Während der Reichskanzler und der Reichs- auhenminister für einige Augenblicke den Photo­graphen und Jllmoperateuren zur Verfügung stan­den, wurden ihnen aus der Menge herzliche wünsche zugerusen. Der Rordexpreß mit dem Reichskanzler ist pünktlich um 6.30 Ahr l n Köln eingetroffen und hat fahrplanmäßig seine Fahrt nach Paris fortgesetzt.

In Kreisen des Reichskabinetts ist man sich über die schwerwiegende Bedeutung dieser Reise voll­kommen im klaren. Ihr Ergebnis ist zunächst ent­scheidend dafür, wie sich die Devisenlage gestaltet, wenn in der nächsten Woche das Bankgeschäft wie­der in normalere Formen hinüber geführt wird, von unterrichteter Seite wird aber betont, daß irgend­welche Bedingungen oder bestimmte Pläne, wie sie in der Pariser Presse ausgestellt werden, der Reichsregierung nicht zur Kenntnis ge­be a di t worden find. Trotzdem bezweifelt man natürlich nicht, daß die französischen Minister dem Kanzler und dem Außenminister Wunsche vor­legen, die die deutschen Staatsmänner vor ganz schwerwiegende Entscheidungen stellen.

Die französische Regierung hat die deutschen Her­ren gebeten, sich als ihre Gäste zu betrachten. Die Delegation wird jedoch aus Zweckmäßigkeitsgründen in der deutschen Botschaft wohnen. Sie kommt mor­gen um 14 Ahr in Paris an. Reichskanzler Brüning und Lurtius werden am Rorbbahnhof durch Ministerpräsident Laval, Außenminister B r i a n d und Unterstaalssekretär Franxois poncet be­grüßt. Am Samstagnachmittag wird Brüning dem Ministerpräsidenten Laval einen persönlichen Besuch abffatten, den der französische Ministerpräsident im Anschluß daran erwidert. Desgleichen wird auch ein Austausch von Besuchen zwischen Lurtius und Brianb stattsinben. Um 16 Uhr wirb bereits bie erste Besprechung stattfinben, unb zwar zu- nächst mit ben französischen Ministern. Für biese Aussprache stehen nur etwa drei bis vier Stunden zur Verfügung, da am Abend ein Essen zu Ehren des Duke vf Dork ftdVtfinbet, an dem die französische Regierung aus Gründen der Höflichkeit gegenüber England teilnehmen muh. Am Sonn­tag wird die Besprechung dann fort gefetzt unter Zuziehung der Vertreter von England und Amerika, möglicherweise auch von Italien, wenn Grandi über Paris nach London fahren sollte. In Berlin nimmt man an, bah henberson am Sonntagnachmittag bereits nach Lonbon zurückkehrt, ba er bie große Konferenz vorbereiten muh. Die

übrigen Teilnehmer werben Paris erfl am Mon - tagoormltlag um 10 Ahr verlassen unb um 17 Ahr In £ o n b on eintreffen.

Jlad) Auffassung unterrichteter Kreise kommt ev barauf an, Wege zu suchen, bie zu einer wirtschaft­lichen, finanziellen unb polnischen Beruhigung führen. Dazu wirb betont, bah bie beutsche Dele­gation keine Forberung annehmen wirb, bie der Ehre'N nb ben Interessen Deutsch- (anbs widersprechen.

Frankreich wünscht Klärung der Atmosphäre.

Havas zum Besuch der deutschen Minister.

Pari-, 17. Juli. (WTB.) Die Havasaaentur verbreitet aus Anlaß des Besuches deS Reichs­kanzlers Dr. Brüning und des Reichsaußenmini- ft er» Dr. Eurtius eine amtliche Auslassung, in der es heißt:

Die Reise des deutschen Reichskanzlers und deS Rcichsauhenministers nach Paris tft ein wich­tiges Ereignis in der Geschichte der Beziehungen zwischen den beiden Rationen. Don französischer Seite deutet man diese Reise als eine neue Etappe auf dem Wege einer deutsch- französischen Annäherung. Es würde zu viel verlangt sein, von eiligen Be­

sprechungen, die morgen stattfinden, entschei­dende Ergebnisse zu erwarten. Selbst wenn diese erste Fühlungnahme schon zur Folge haben wird, daß die Atmosphäre geklärt wird, und daß die beiden Dölkcr zu einem besseren gegenseitigen Der st eh en geführt werden, würde die Initiative des Mini­sterpräsidenten Laval nicht vergeblich gewesen sein. Der gute Wille der französischen Regierung steht fest, und man darf nicht zweifeln, daß Dr. Brüning und Dr. EuriiuS von den gleichen Ge­fühlen beseelt sind. Man wird bald wissen, ob diese loyale und vollkommene Aussprache, di« diese historische Begegnung bringen wird, ge­nügen wird, um in den öffentlichen Mei­nungen der beiden Länder eine Annäherung herzustellen, die eine grundsätzliche Einigung im Lause der Der Handlungen, die sich in den nächsten Tagen fortsehen werden, und an denen die Außenminister von England. Amerika und Italien teilnehmen werden, erleichtert. Der Atoeite Tag, den Dr. Brüning und Dr. EurttuS in Paris verbringen werden, wird den Besprechungen zu fünf Vorbehalten fein, in deren Derlauf man sich bemühen wird, die Meinungsverschiedenheiten zwischen den französischen und den deutschen Ge­sichtspunkten auszugleichen, um au einer Lösung zu gelangen, die für beide Länder in gleicher Weise annehmbar sein wird

Der französische Krediiplan.

Die pariser presse arbeitet vor. Der Wunschzettel des Tempel.

Paris 17. Juli. Seitdem die Teilnahme der deutschen Reichsminister an der Pariser Konferenz scststeht, macht sich in der Pariser Presse ein Op­timismus bemerkbar, der sicherlich auf amtlichem Boden gewachsen ist und feinen Zweck nur genau kennt. Es soll dadurch eine Atmosphäre geschaffen werden, die die tatsächlichen Schwierig­keiten bagatellisiert, die französischen For­derungen als selbstverständlich unb durchaus an- nehmbar hinstellt und schließlich die Weltmeinung möglichst eindringlich von dem guten Willen Frank­reichs überzeugen soll. Frankreich hat sich seit jeher auf Presseregie verstanden und weiß alle Mittel der psychologischen Einwirkungen geschickt zu verwerten. Je optimistischer die Verständigungsmöglichkeiten von vornherein dargeltellt werden, um so leichter ist es nachher, die Schuld an etwaigen Schwierigkeiten dem Verhandlungspartner in die Schuhe zu schieben. Des­halb wird auch die Fortsetzu n g der Konfe­renz in London mit sauerer Miene betrachtet, weil die französische Stimmungsmache dort keinen unmittelbaren Einfluß auf den Gang der Verhand­lungen ausüben kann.

Im übrigen verdient die Darstellung, die der T e m p s" von den französischen Forderungen gibt, besondere Aufmerksamkeit. Die Zeitung ist der felsen­festen Ueberzeugung, daß die Pariser Besprechungen nicht nur Deutschland die Hilfe bringen, die es zur Besserung seiner Finanzlage benötige, sondern auch dazu beitragen werde, die gesamte europäische Atmo­sphäre von Grund auf zu ändern und zu bereinigen. Wenn Dr. Brüning die Einladung nach Paris an­

genommen habe, so könne man ooraussctzen, daß die Reichsregierung zu der Ueberzeugung gekommen sei, daß die Hilfe Frankreichs unbedingt politische Garantien ooraussetze. Was man von Deutschland verlange, seien keine Verspre­chungen, sondern Handlungen.

Heber die Art der finanziellen Hilfe gibt daS Blatt anscheinend Mitteilungen aus amtlicher Quelle wieder. Hiernach werden die EmisfionS- banfen Amerikas, Frankreichs und Englands Deutschland einen Kredit von 500 Mil­lionen Dollar eröffnen, der sobald wie mög­lich durch eine von den Gläubigerregierungen garantierte und in zehn Jahren rückzahlbare internationale Anleihe erseht werden soll. Ga­rantiert wird diese Anleihe deutscherseiit« durch die Zolleinnahmen, über die ein aus der BIZ. hervorgehender Ausschuß wachen soll. Bis zur Rückzahlung dieser Anleihe, d. h. auf die Dauer von zehn Jahren, soll Deutschland die Derpflichtung eineSpolitischen Moratoriums" übernehmen, d. h., seine Mi­litärausgaben nicht erhöhen und keine einzige Frage aufwerfen, die geeignet fei, die europäische Ordnung zu stören. Man werde von Deutschland außerdem das feierliche Derfprechen verlangen, die Tributzahlungen nach dem Hoover­moratorium wieder aufzunehmen. Dem Heberwachungsausfchuß sollen etwa die gleichen Rechte zugestanden werden, wie seinerzeit dem Reparationsagenten Parker Gilbert. Er soll im übrigen b i e Anleihepolrtik der

Früchte getragen, als die Pariser Presse, soweit sie nicht dem ertrem nationalistischen Lager an­gehört, seitdem sanftere Töne anschlagt und Mi­nisterpräsident Laval feinen Widerstand gegen den englischen Plan einer großen Minister- konferenz in London aufgegeben hat. Aber mit dem Hinweis, daß eine deutsch-fran­zösische Verständigung der Schlüssel ist, der einzig und allein zu der Tür paßt, durch die wieder Dertrauen in die Stetigkeit der europäischen Wirtschaft zurückkehren fann, sehte Laval es durch, daß die deutschen Minister auf ihrer Reife nach London den ilmtocg üb er Paris nahmen. Der Besuch Macdonalds und Hender­sons in Berlin ist damit bis auf weiteres ver­schoben. Das bedauern wir, denn er hätte den Engländern zweifellos reichlich Gelegenheit ge­boten. die außerordentlichen Schwierigkeiten Deutschlands, aber auch seinen entschiedenen Wil- leg zur Selbstbehauptung an Ort und Stelle kennenzulernen und sich einmal ohne die Pariser Drille ein eigenes Urteil zu bilden. Statt dessen sind nun Reichskanzler Dr. Brüning und der Reichsauhenminister Dr. Eurtius in Beglei­tung von Herren aus dem Finanz- und Außen­ministerium. denen sich ein Dorstandsmitglied der Reichsbank angeschlossen hat, in der vergangenen Rächt nach Paris gefahren, wo Tie heute und Sonntag in Dorbesprechungen mit der franzö­sischen Regierung und den Außenministern Eng­lands und der Dereinigten Staaten die Situation namentlich im Hinblick auf das deutsch-französische Verhältnis soweit zu klären versuchen werden, daß auf der xum Montag nach London ein­berufenen Konferenz der am Doungplan inter­essierten Mächte auf der in Paris gefundenen Grundlage weitergearbeitet werden kann.

Wir haben dieser Pariser Reise des Reichs­kanzlers immer mit einigem Dangen entgegen- gefdjen und hatten es begrüßt, daß er den Lockun­gen widerstand, schon während der Detchand-

lungen über den Hooverplan in Paris zu er­scheinen, wo man ihn nur zu gerne al» Sünden­bock mißbraucht hätte, wenn es nicht zu einer Einigung gekommen wäre. Diese Gefahr ist na­türlich auch heute noch riesengroß, aber die Situation ist doch insofern eine andere geworden, als Deutschland in den letzten Tagen den Deweis erbracht hat. daß es nach dem Ausbleiben der Hilfe des Auslands entschlossen ist, feine Wirt­schaft aus eigener Kraft, wenn auch auf erheblich schmalerer Dasis, wieder in Ordnung zu bringen ohne Rücksicht darauf, daß die Sol­ee n dieser Selbsthilfe sehr bald auch das Aus­land auf allen Weltmärkten empfindlich zu spü­ren bekommen mühte. Das g:bt heute dem Reichs­kanzler in Paris den Rückhalt, nein zu sagen, wenn die Franzosen ihre finanzielle Hilfe mit politischen Forderungen belasten sollten, deren Erfüllung für Deutschland nicht tragbar ist. Es versteht sich von selber, daß jeder pri­vate Geldgeber den von ihm gewährten Kredit an Bedingungen knüpft und von Dvr- ausfehungen abhängig macht, die ihm die Sicher­heit geben, fein Geld solide angelegt zu wisien und zurückzuerhalten. Es ist also auch nicht mehr als billig, wenn auch Frankreich für seine Be­teiligung an einer Finanzhilfe für Deutschland gewisse Garantien fordert, bie ihm aus­reichende Gewähr für eine sichere Anlage feine» Geldes geben. Kein vernünftiger Mensch wird ihm bei ruhiger Heberlegung das Recht hier»! streitig machen wollen- Wir halten es für selbst­verständlich. daß der Reichskanzler in Paris Gelegenheit nehmen wird, zu erklären, daß die deutsche Außenpolitck auch in Zukunft der Er­haltung des Friedens auf dem Boden der Gleich­berechtigung der Dölker dienen wird. Aber wir haben auch zu der Persönlichkeit des Reichs­kanzlers das feste Dertrauen. daß er Zumutun- | gen zurückweisen wird, die einem neuen Kniefall I vor dem Sieger txm Versailles gleichkämen und

ein Hohn auf den Grundsatz der Gleichberech­tigung der Dölker fein würden.

Hm eine Auseinandersetzung mit Frankreich kommen wir nicht herum, mag man auch den Zeitpunkt dieser grundsätzlichen Aussprache in Erinnerung an die vorangegangenen Erörterun­gen. die bei uns begreiflicherweise einen bitteren Rachgeschmack hinterlassen haben, für nicht sehr glücklich hatten. Aber mit dem Aneinander­vorbeireden muß es einmal ein Ende haben. Das führt zu nichts, als zu neuen Mißverständ­nissen und zu tieferer Entfremdung. Die Fran­zosen müssen sich endlich darüber flar werden, daß die innerpolitische Entwicklung in Deutsch­land. die immer wieder ihr Mißtrauen erregt und ihren Argwohn nicht ruhen läßt, eine selbst­verständliche und ganz natürliche Folge einer Politik ist, die nach errungenem Siege Demüti­gungen auf Demütigungen häufte und sich später jede Erleichterung durch neue schwere Opfer abkaufen ließ. Ein Dolk, das. wie die Franzosen, sich in seinem Rationalstolz von keinem an­deren überbieten läßt, sollte dafür DerständniS haben, daß eine durch maßlose nationale Krän­kungen wieder und wieder genährte Erbitterung die schlechteste Atmosphäre für eine aufrichtige "Verständigung schafft. Don Deutschland, dem feit mehr als einem Dezennium das Messer an der Kehle sitzt, kann man billigerweise keine Ge­fühle der Sympathie erwarten, bei ihm kann man auch nicht den Glauben an eine europäische Solidarität vvraussetzen. von der es selbst bis­lang wenig genug zu spüren bekam. Sache der grundsätzlichen Aussprache wird es in Paris fein, den Franzosen diese Zusammenhänge deut­lich zu machen, und in ihrer Hand liegt es dann, aus der Erkenntnis von Hrsache und Wirkung die Folgerungen zu ziehen, die die enge Schick­salsverbundenheit beider Dölker schon seit langem gebieterisch fordert.