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hin zu überspannen, sich vor gewagten Expert- menten zu hüten und statt dessen sich lediglich als Treuhänder des Volkes zu fühlen, der sein Amt in die Hände der von den verfassunggebenden Cortes bestimmten Gewalten, sei es eines repu­blikanischen, sei es eines monarchistischen Re­gimes, zurücklegt.

Bei der Betrachtung der letzten Vorgänge in Spanien sind die Gründe für die Bewegung des 14. April vielfach in der Person des Körrigs und seiner Stellung xur Diktatur Primo de Riveras und seiner Rachfolger gesucht worden. Aber die wahren Ursachen liegen doch tiefer und sie werden durch den Uebergang zum republikanischen Re­gime kaum beseitigt werden. Sie liegen in Ver­säumnissen, die Jahrhunderte zurück- gehen, in einer Lücke in der geschichtlichen Ent- wicllung Spaniens, die nicht mit einem Federstrich geschlossen werden kann. Riemond, der Spanien auch nur von einem flüchtigen Besuch her kennt, kann an der außerordentlichen Verschiedenartig­keit der geographischen Gegebenheiten, .wie der wirtschaftlichen und kulturellen Lage der einzelnen spanischmLandschast n vorüb.'rgehen Zwischen Len unter den heißen Winden Afrikas in tropischer Vegetation schwelgenden Küsten Andalusiens und den unter dem erfrischenden Seeklima des Atlantik in der Pracht grüner Laubwälder, feuch­ter Wiesen und üppiger Berghänge sich dem entzückten Auge darbietenden, fjordartig zerklüf­teten Gestaden der nördlichen Provinzen, -wischen dem blühenden Obstgarten Valen­cias und Murcias und den von eisigen, alles Leben tötenden Gebirgswinden bestrichenen, unter glühender Sonne in unfruchtbarem Fels und gelbem Lehm erstarrten und verdorrten Hoch­flächen K a st a l i e n s gibt es keine Parallelen. Die Landschaft hat ihre Menschen gebildet, und so verschiedenartig wie sie, war die wirt­schaftliche Entwicklung. Die Landschaften, die eine starke bodenständige Industrie zu ent­falten vermochten, sind gerade die, die dem seit der Einigung Spaniens unter den katholischen Königen Ferdinand und Isabella herrschenden -Zentralismus Kastiliens am heftigsten wider­strebten: Katalonien mit Barcelona und die bas­kischen Provinzen mit Bilbao. Aber gerade Kasti­lien, nicht gesegnet mit Reichtümern der Ratur, wirtschaftlich und kulturell rückständig gegenüber den meisten Randprovinzen, gab dank seiner poli­tischen Machtstellung in der Entwicklung das Tempo an. Kein Wunder, daß sich die land­schaftlichen Gegensätze, die einst der gemeinsame Kampf gegen die Ungläubigen überbrückt hatte, in den der Einigung unter dem Danner Kasti­liens folgenden Jahrhunderten wieder verschärfte.

Das große, allen Landschaften gemeinsame histo­rische Erlebnis des spanischen Volkes war der durch sieben Jahrhunderte währende wechselvolle Kreuz- zug gegen die Mauren, der, von den letzten christlichen Königreichen Asturien und Lson aus­gehend, schließlich die ganze Halbinsel von der Herr­schaft der arabischen Kalifen befreite. Noch heute erinnern Reste großartiger Moscheen und Befehl- gunsbauten in Toledo, wie weit nach Norden mau­rische Kultur und Kunst festen Fuß gefaßt hatten. Der Fanatismus des Glaubenskrieges beseelte auch die zweite große Epoche spanischer Geschichte, d i e Zeit Philipps II. So weit muß heute die (Erin­nerung des spanischen Volkes zurückwandern, um auf einen Herrscher zu treffen, der feiner Zeit, der Epoche der Gegenreformation, über die damals noch weit gespannten Grenzen seines Landes hinaus den Stempel einer überragenden Persönlichkeit auf­drückte. Mit dem in Kraftlosigkeit und Entartung hinsinkenden Hause der Habsburger erlosch Spa­niens Stern, dem auch die Bourbonenherrscher keinen neuen Glanz zu geben vermochten. Im Prado zu Madrid bieten die Meisterbilder eines Tizian, eines Delasquez und eines Goya eine erschütternde Schau Über diese zwei Jahrhunderte spänischer Geschichte. Im absolutistischen Regime des Barock ist Spanien st e ck e n g e b l i e b e n. An der großartigen Ent­wicklung, die das übrige Eropa seitdem auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens genommen hat, batte Spanien bis zum Ende des vorigen Jahr­hunderts keinen Teil. Die erregenden, auflockernden Wellen derAufklärung" brachen sich gleichsam an der finster aufragenden Kette der Pyrenäen, die nicht nur geographisch die iberische Halbinsel von dem übrigen Europa scheidet. Bewundernswert und beispiellos zwar war der Heldenkampf der Spanier gegen die eindringenden Heere des ersten Napoleon, aber ihm folgte, weit härter noch als drüben in Frankreich, Deutschland, Oesterreich und Italien, unter dem Bourbonen Ferdinand VII. d i e poli­tische Reaktion, der Rückfall in mittelalterliche Wirtschafts- und Kulturformen Unter Isabella II. kamen Jahrzehnte wirtschaftlicher Verelendung, so­zialen und kulturellen Niedergangs. Die Car li­stenkriege zwischen den Anhängern Isabellas, der Tochter Ferdinands, und denen des Don Carlos, Ferdinands jüngeren Bruders, verheerten das un- Slückliche Land. Erst nach dem republikanischen nterregnum setzte unter Isabellas Sohn»Alfons XII., und dessen kluger, weitblickender Witwe Marie Chri­stine eine Zeit ruhigerer Entwicklung für Spanien ein. Indessen, der riesige Kolonialbesitz in Südame­rika war schon Anfang des 19. Jayrhunderts ver­loren gegangen. Und die -Reste, Cuba, Porto Rico und dte Philippinen wurden 1898 mühelos die Beute des nordamerikanischen Imperialismus.

Dieser Rückblick aus fünf Jahrhunderte spanischer Geschichte ist wesentlich für das Verständnis der Gegenwart. Ohne Wissen um die fast beispiellosen Tiefen, die das spanische Volk seit den Tagen Phi­lipps II. hat durchmessen müssen, ist eine gerechte Würdigung der großen Leistungen Marie Chri­stines und ihres Sohnes Alfons XIII unmög­lich. Ihnen fiel die Aufgabe zu, Spaniens Anschluß an die politische, wirtschaftliche und kulturelle Ent­wicklung zu vollziehen, von der Spanien, in innere Unruhen verstrickt, bislang ausgeschlossen geblieben war. Sie haben die Grundlagen für das moderne Spanien geschaffen, wie es sich heute dem Auge des Besuchers darbietet: neben vielem Ueberaltertem, in starren Formen früherer Jahr­hunderte Verkalktem neues, kräftig pulsierendes Leben, starke Ansätze zur Entwicklung eigener In­dustrien, frische Regungen in Wissenschaft und Kunst, die auch jenseits des Weltmeeres auf dem altspani­schen Kolonialboden der südamerikanischen Repu­bliken Boden fassen und hier mit dem Gedanken der geistigen Einheit Spaniens und Lateinamerikas eine politische Mission erfüllen. Diese außerordent­lichen Leistungen der letzten vierzig Jahre werden auch von liberalen Politikern willig anerkannt. Wenn auch Mißerfolge nicht ausblieben, namentlich in der Behandlung Kataloniens und in ier Fort­entwicklung Spaniens zu einem Regime ^der Mit­verantwortung des Volkes, so müssen dem Könige doch die großen Schwierigkeiten zuaute gehalten werden, die sich aus den vorhin geschilderten geo­graphischen Gegebenheiten und der Notwendigkeit ergaben, die Versäumnisse von Jahrhunderten in ebenso vielen Jahrzehnten aufzuholen.

Ob das spanische Volk heute schon für ein demo­kratisch parlamentarisches Regime reif ist, wird die nächste Zeit erweisen müssen. Auch überzeugte Re- pliblikaner des Landes bezweifeln es. Die Willkür der Cortes, die Politisierung der Armee, die Klüngel­wirtschaft ehrgeiziger Parteiführer hat Alfons nicht zu oefeitigen vermocht. Des politifchen Kampfes müde, der die besten Kräfte fesselte, die dem wirt­schaftlichen und kulturellen Aufbau des Landes dienen sollten, kehrte der König im Jahre 1923 mit der Außerkraftsetzung der Verfassung von 1876 und der Errichtung der Diktatur Primo de Riveras zu einem gemäßigten Absolutismus zurück, der für die Wohlfahrt des Landes im allgemeinen Gutes geleistet hat, wenn auch in Zeiten weltwirt­schaftlicher Scheinkonjunktur und nachfolgender De­pression nicht alle Blütenträume reiften und schwere Fehlgriffe nicht ausblieben. Die in amerikanischem Tempo großzügig durchgeführte städtebauliche Mo­dernisierung Madrids und Barcelonas, die Riesen- ausstellungen in Barcelona und Sevilla konnten nicht ohne Rückschläge und finanzielle Erschütterun­gen bleiben. Wesentlicher für das Schicksal der Dik­tatur war, daß die politischen Aufgaben nach wie vor u n g e l ö ft blieben. Ob die Republik, wenn die oerfaffunggebenben Cortes sich für sie ent­scheiden sollten, eine glücklichere Hand haben wird, muß die Zukunft lehren. Der extreme Syndikalis- mus, zu dem die Jndustriearbeiterschaft

neigt, stellt die neue Regierung vor fchwierige sozial­politische Probleme. Noch gefährlicher ist die Aus­einandersetzung mit Katalonien, dessen separa­tistische Bewegung sich bestenfalls mit einer- deratio-Verfassung zufrieden geben würde, unter Umständen aber auch nach dem alten katalanischen, erst seit dem Pyrenäischen Frieden von 1659 fron* zösisch gewordenen Roussillon übergreifen könnte und damit ernste außenpolitische Verwicklungen heraufbeschwören müßte. Auch die Stellung der Kirche, die, abgesehen von ihrem immer noch außerordentlichen geistigen Einfluß, als Besitzerin von Banken, Hotel- und Kinopalästen in den Groß­städten des Landes, von Bergwerken in Kantabrien, von Eisenbahnlinien und HandelsunternehmunHen eine wirtschaftliche Macht ersten Ranges in Spanien darstellt, ist noch ungeklärt und wird vermutlich das neue, an französischer Kulturpolitik gebildete repu­blikanische Regime zwingen, noch viel Wässer in den Wein erfter Begeisterung über die vermeintlich gewonnene Geistessreiheit zu gießen. So zeigt ein flüchtiger Ueberblick schon ernste Probleme, die zu ihrer Lösung ganze Männer erfordern. Das deutsche Volk, das sich stets der wahrhaft neutralen Haltung des ritterlichen Spanien im Weltkrieg dankbar erin­nern wird, kann ihm nur, möge es sich nun für die republikanische Staatsform entscheiden oder zur Monarchie zurückkehren, von Herzen eine neue Aera geistiger Blüte und materieller Wohlfahrt wünschen.

Beruhigung in Spanien.

Die Menge vor dem Regierungsgebäude in Madrid, von dessen Balkon die Republik proklamiert wird.

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Oie Ordnung wieder hergestelli

Belagerungszustand in Sevilla

Paris, 17. April. (TU.) Die aus Spanien hier vorliegenden Meldungen besagen allgemein, daß in fast allen Provinzen des Landes vollkommene Ruhe eingetreten ist. In Barcelona ist am Donnerstag die Arbeit wieder ausgenom­men worden. Man glaubt, daß jede Gefahr von feiten der kommunistischen Synidikate als beseitigt angesehen werden kann. Oberst M a c i a hat sich bereiterklärt, eine kommunistische Abordnung zu empfangen, um ihre Forderungen anzuhören. Er erklärte, daß er von Grund auf Demokrat fei und den Wünschen aller weitgehendst entgegenkommen werde. In Valencia haben die ausgebrochenen Strafgefangenen sich zum großen Teil wieder ge- stellt. Nur in Sevilla scheint die Ordnung noch nicht wieder hergestellt worden zu fein. Im An- schluß an die kornmunistifchen Unruhen hat sich die Regierung gezwungen gesehen, den Belage­rungszustand zu erklären. Nach Schluß der heutigen Kabinettssitzung erklären die Minister, die Lage im Lande sei durchaus befriedigend. Die Fi- nanzkreise hätten einen guten Eindruck von der politischen Lage und die Valuta habe merklich an­gezogen.

König Alfons in Paris stürmisch empfangen.

Frankreich mißtraut dem Regimcwechsel in Madrid.

Paris, 17. April. (TU.) Die Pariser Bevölke­rung hat dem spanischen König, dem direkten Rachkommen Ludwigs XIV., einen Empfang be­reitet, der an stürmischer Begeisterung alle frühe­ren Sympathiekundgebungen für ausländische Staatsoberhäupter in den Schatten stellt. Rach Schätzung der Presse ließen es sich a n d i e H u rv derttausende Menschen trotz der späten Rachtstunden nicht nehmen, dem hier überaus populären Herrscher vor dem Bahnhof und auf dem Wege zum Hotel ihre Te l lohne zu beweisen. Wenn man auch solche Kundgebungen nicht über­schätzen darf, so ist diese spontane Huldigung doch bezeichnend für die Einstellung weiter französischer Kreise gegenüber den spanischen Ereignissen. Man mißtraut einerseits der wahren Volkstümlich­keit und Lebensfähigkeit der spanischen Republik und hat anderseits das unbestimmte Gefühl, daß ein Regimewechsel jenseits der Pyrenäen den französischen Interessen nicht dien­lich sein werde. Sehr bezeichnend ist der Aus­spruch des linksstehendenQuotidien". man möge in Spanien dafür Sorge tragen, daß es später nicht heiße:Wie schön war doch Spanien unter Mfons XIII. und Bainville erklärt in dei? Liberte"Wir sind ein wenig abge­stumpft in bezug auf Schwesterrepubliken und erwarten nicht viel Gutes von Revo­lutionen." Darum sei es sehr verständlich, daß Frankreich dem Umsturz zur Enttäuschung der spanischen Republikaner nicht zujubele.

Am Lyoner Bahnhof wo der König eintraf, hatte sich lange vor Ankunft des Zuges eine gewaltige Menschenmenge eingefunden. Als König Alfons dem Salonwagen entstieg, wurde er mit begeisterten Hochrufen in französischer und spanischer Sprache begrüßt. In diesem Augenblick durchbrach die in der Bahnhofshalle wartende

Menge die Polizeipostenkette, umringte den König und führte ihn nach dem Aus­gange. Die draußen harrende Menschenmenge stimmte in die aus der Bahnhofshalle schallen­den Hochrufe ein. König Alfons wurde fast zum Ausgange gedrängt. Ein vor der Bahnhofshalle wartendes Automobil entführte den König schließ­lich der Menge. Vor dem Hotel hatte sich ebenfalls seit den frühen Abendstunden eine

König Alfons betritt in Marseille französischen Boden. (Funkbild.)

große Menschenmenge angesammelt, die bei der Ankunft des Königs die Polizeiposten­kette durchbrach und lebhafteHochrufeauf den König ausbrachte. Ein startes Polizei­aufgebot muhte dem Könige von seinem Auto einen Weg nach dem Hoteleingang bahnen. Vor seiner Abreise nach Marseille hat der König eine Erklärung abgegeben, in der er nochmals die Hoffnung durchblicken läßt, daß sich bei den Parlamentswahlen im Juni noch vieles ändern könnte. Er fügte hinzu, daß es ihm mehr Mut gekostet habe so zu handeln, wie er es getan habe, als an der Spitze einer Schwadron eine Attacke zu reiten. Bei seiner Ankunft in Paris erklärte der König dem Pariser Polizei­präfekten lächelnd, daß er sich bemühen werde, ein sympathischer Emigrant zu sein.

Oie katalanische Frage.

Eine separatistische Bewegung in den baskischen Provinzen unterdrückt.

Madrid, 18. April. (WTB.) Die Nachricht derChicago Tribüne", daß die Katalani­sche Frage bereits eine Lösung gefunden habe, muh als ver ruht angesehen werden. Die Ver­handlungen zwijchen Madr d und Barcelona sind noch nicht abgeschlossen. Der Justiz- min.ster, der Minister für öffentlichen Unterricht und der Marineminister haben sich heute vor­mittag zur Regelung der Frage im Flugzeug nach Barcelona begeben. Journalisten ge­genüber erklärte dec Arbeitsminister, daß von einer katalanischen selbständigen Republik keine Rede sein könne, Spanien bleibe eine einheitliche Republik. Oberst Maria ist den Gerüchten entgegengetreten, wo­

nach Barcelona nicht nur das Recht für sich in Anspruch nehme, Hauptstadt Kataloniens, sondern auch ganz Spaniens zu werden. Macia erklärte, daß zwischen Barcelona und Madrid voll­kommene Uebereinstimmung der An­schauungen bestehe. Die katalanische Republik werde sehr Wohl im föderativen Rahmen Spaniens leben können, indem sie die Ueber- lieferungen des katalanischen Volkes pflege.

Wie die Agentur Fabra aus Bilbao meldet, ist der Versuch der Rationalisten, eine auto­nome Baskische Republik zu prokla­mieren, von Truppen und Polizei vereitelt worden. Uebrigens sei die Zahl der baskischen Rationalisten nur gering. Zwischenfälle hätten sich im Zusammenhang mit dieser Aktion nicht ereignet.

Madeira wird blockiert.

Zuspitzung der Lage in Funchal.

L o n d o n, 18. April (WTB. Funkspruch.) Rach Meldungen aus Funchal (Madeira) ist das Ent­laden von Schiffen im dortigen Hafen nunmehr völlig unterbunden. Das in der Ferne am Horizont sichtbare Kanonenboot blok- kiert den Hafen; trotzdem, jann man von einer ernstlichen Lebensmittelknappheit bis jetzt noch nicht sprechen, dagegen besteht Mangel an Brennstoffen, so daß auch der Verbrauch an Elektrizität eingeschränkt worden ist. Im all­gemeinen spitzt sich die Lage zu. Die Arbeits­losigkeit ist gewachsen. Funchal mit seiner normalen Einwohnerzahl von 65 000 ist nunmehr fast eine Stadt ohne Frauen, da die meisten von diesen in den Bergen Zuflucht gesucht haben. Man rechnet mit der Möglichkeit von Zwistigkeiten innerhalb der Stadt, viel­leicht sogar mit einer gegenrevolutionä­ren Bewegung, wenn erst einmal die Dlok- kade stärker fühlbar wird. Dagegen glaubt man kaum an einen bewaffneten Zusammenstoß. Di« Passagiere von einlaufenden Dampfern werden durch die Boote des vor Funchal liegenden britischen KreuzersLondon" ein- und aus­geschifft, und zwar außerhalb der Drei-Mellen- Zone, also völkerrechtlich auf hoher See und außerhalb der Hoheitsgewäsier.

Oie Ursache des Eschweiler Grubenunglücks.

Verdächtige Dynamitfunde.

Aachen, 17. April. (TU.) Eine Maßnahme der Oberstaatsanwaltschaft, die vielleicht in ursächlichem Zusammenhang mit der Aufdeckung einer kommuni­stischen Sprengstoffzentrale in Berlin steht, erregt hier berechtigtes Aufsehen. Der Oberstaatsanwalt in Aachen hat eine Bekanntmachung erlassen, die sich mit den Spreng st offunden auf Grube Eschweiler Reserve" befaßt, die im einzel­nen aufgeführt werden. Es heißt dann weiter: Nach den bisherigen Ermittlungen muß angenommen werden, daß diese Sprengstoffe in der Grube entwendet und daselbst in der Absicht versteckt worden sind, sie zu verbrecherischen Zwecken zu verwenden. Es besteht auch der begründete Ver­dacht, daß Sprengstoffe, die in der Grube gestohlen worden sind und in ihr verborgen waren, zu der Explosion geführt haben, die sich am 21. Fe- btuar 1931 im Revier zwölf ereignete und 3 2 Bergleuten das Leben ko st et e. Dynamit­patronen werden nur bann verwandt, wSnn es sich darum handelt, Gesteinsmassen loszusprengen, also an Orten, wo mit dem Vorhandensein schlagender Wetter nicht zu rechnen ist. Es liegt daher die Vermutung nahe, daß die Dyna- mitpatronen an diesem Ort einem anderen Zweck dienen sollten. Es ist noch erinnerlich, daß schon im vorigen Jahre vom Reichsgericht zwei Bergleute zu einer Zuchthausstrafe verurteilt wur­den, die auf der GrubeReserve" Dynamitpatronen entwendet und zum Teil im Propsteiwalde versteckt hatten mit der Absicht, Handgranaten für Revolutionszwecke herzustellen.

Der Kürlenprozeß in Düsseldorf.

Düsseldorf, 17. April. (WTB.) Dor Be­ginn des fünften Der Handlungstages gegen den Massenmörder Kürten kam der Staatsanwalt auf die Aussage des Angellagten über das Hinab- stohen eines Knaben in den Rhein zurück. Die Ermittlungen haben die Richtig­keit des Geständnisies des Angeklagten auch in diesem Punkte ergeben. Dieses Verbrechen ist jedoch nicht mehr verfolgbar, da es verjährt ist und der Angellagte damals noch nicht im straf­baren Alter war. Der Verteidiger teilte mit, der Angeklagte habe ihm mitgeteilt, daß er n o ch einen dritten Knaben ins Wasser geworfen habe, der allerdings unmittelbar vor der Schaufel eines Raddampfers gerettet wurde. Er beantragt, auch diesen Fall nachzu­prüfen.

Die Zeugin G. Sch. lernte Kürten am 25. August auf dem Wege zu einer Freundin kennen und lieh sich überreden, mit ihm zur Reußer Kirmes zu gehen. Kürten erzählte, er sei Postbeamter. Auf der Rückfahrt stiegen sie in Heerdt aus. Da die Zeugin die Gegend und den Wteg nicht kannte, sagte Kürten ihr, sie könnten am Rhein Vor­beigehen und seien dann schnell zu Hause. Die Wanderung dauerte sehr lange und die Zeu­gin zog ihre Schuhe aus, weil sie druckten. Sie kamen schließlich in die Rähe des Rheins, wo sie sich hinsehten, damit die Sch. ihre Schuhe wieder anziehen konnte. Der Angeklagte wurde zudring­lich. Sie wehrte ihn ab, versuchte aufzustehen und wollte um Hilfe rufen, worauf Kürten höhnisch lachend sagte:Hier kannst du ruhig schreien, hier hört dich doch keiner?" Mit den Worten: Hier"kannst du ruhig sterben!" stach Kürten auf sie ein Sie fiel aufs Gesicht, laut um Hilfe rufend, und bekam noch mehrere Stiche in den Rücken. Rachdem Kürten fortgegangen war. hörte sie eine StimmeHallo!" rufen, war aber außerstande, zu antworten

Vom Staatsanwalt befragt, ob sie Kürten jetzt bestimmt wiedererkenne, bejaht sie das. während sie ihn Ansang v. I. aus einer Photo­graphie nicht wledererkonnte. Zeuge Kirchcr, der die Hilferufe gehört hatte, die allmählich schwä­cher wurden und dann ganz aufhörten, sand die Sch., die stöhnend auf dem Rücken lag. Von Kürten war nichts mehr zu sehen Der Zeuge brachte die Sch. zu einem in der Rähe liegenden Zeltlager der Paddler, wo sie wieder zum Be­wußtsein kam und den Vorfall in Bruchstücken erzählte. Oberarzt C., der die Sch. behandelte, glaubte zuerst nicht, daß sie mit dem Leben davonkäme. Sie hatte über der Mitte des Halses eine klaffende Wunde und außerdem zahlreich^