Ausgabe 
18.3.1931
 
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Mittwoch, 18. März |93|

llr. 65 Drittes Matt

Ajefsener Anzeiger (General-Anzeiger für ®bert)efien)

Aus dem Reiche der Frau.

Zehn Gebote für junge Mutter.

Don Stadtmedizmalrat Dr. med. Marloth-Lcipzig.

Bekanntlich ist daS Wachstum Im Säuglings- alter sehr stark. Der normale Säugling hat nach sechs Monaten sein Gewicht verdoppelt, am Ende bcS ersten Lebensjahres sein Gewicht verdreifacht. Trotzt em ist der Eiweißbedarf nicht besonders hoch, infolge der Fähigkeit des gesunden Säug­lings, das Eiweiß der ihm naturgemäßen Boh­rung der Muttermilch gut auszunuhen. Weniger günstig sind begrelslicherweise die Der- hältnisse bei den Flaschenkindern, also bei der Ernährung mit nicht artgleicher Milch, die im Säuglingsalter stets als Ersah zu gelten hat. 3eoes neugeborene Kind hat das Recht auf Muttermilch, und jede Mutter hat biss Pflicht, nach Kräften ihrem Säugling den besten Nähr­stoff. zum mindesten in den ersten Monaten, zu spenden, von dessen Zufuhr meist die Wider­standsfähigkeit des Kindes für daS Leben ent- fcheid,end abbängt. Folgende xehn Gebote für die Mutter müssen Gemeingut aller werden:

1. Nähre dein Kind selbst! Dem Menschen­kindlein taugt Menschenmilch, keine Tiermilch! kein Nährmittel kann sich mit ihr messen. Bei künst­licher Ernährung sterben siebenmal mehr Kinder als bei natürlicher.

2. Gib deinem Kind fünf bis sechs Mahlzeiten am Tag! Nachts last deinem Kinde Ruhe!

3. Künstliche Ernährung verordne und über­wache der Arzt. Bei Durchfall lasse sofort die Milch und Zucker weg.

4. Dem Halbjährigen gib Deikost (Gemüse, Suppe, Obst, Drei).

5. Entwöhne nie dein Kind eigenmächtig: für Drustmilch kannst du ihm nur schlechten Ersah bieten. Macht dir das Stillen Deschwerden oder Schmerzen, so laß dir vom Arzt raten!

6. Laß Luft und Sonne an dein Kind! 3n dumpfer Stubenlu t, in heißen 'Betten und Kissen welkt cs und will nicht gedeihen. Drum bringe es v el ins F.e cl

7. Gönne deinem Kinde Ruhe! Allzuviele Qtnrcgung und Unterhaltung macht es erregt und zappelig.

8. Halte dein Kind reinlich! Gute Hautpflege macht eS rosig, frisch und appetitlich und schützt eS vor vielen Krankheiten!

9. Hüte dein Kind vor kranken Leuten! Ge­fährlich kann ihm schon ein Schnupfen werden, schwerste Gefahr droht ihm von Lungenkranken.

10. Frage den Arzt, wenn Nabel und Augen entzündet sind oder der Mund nicht geöffnet werden kann: ferner wenn dein Kind nicht ge­deihen will oder Fieber, Erbrechen, Durchfall oder Krämpfe, auch sog.Zahnkrämpfe" hat.

Auch bei Frauen, die zunächst nicht genügend Milch zu haben scheinen zur Ernährung des Säuglings, gelingt durch stetes wiederholtes An­legen des Kinde- sehr oft die Anregung hin- re.chender Milchabsonderung. Die Milchdrüsen der Mutter müssen in Anspruch genommen, d. h. die Milch 'm Notfälle abgedrückt und abgespriht werden, damit der Brunnquell der Kindernahrung dauernd zunimmt unb nicht versiegt. Die Brust­drüse der Frau ist nach der Geburt ein Organ, das trainiert werden muß. Als Gegenanzeige für das Nähren der Frau ist im wesentlichen nur die Tuberkulose (Lungenkatarrh) anzusehen, da diese sich erfahrungsgemäß oft während der Zeit des Stillens verschlechtert.

Wie lange die Drustnahrung fortzusehen ist. hängt außer vom Befinden des Kindes und der Mutter von der Jahreszeit ob. 3n den heißesten Mo. a enw t man wegen ge ährlicherDer auungs- ftörungen ein Absehen des Kindes von der Brust vermeiden. Eine Fortsetzung des Stellens über den zehnten Lebensmonat hinaus ist in der Regel weder für die Mutter noch für das Kind zweckmäßig, weil dann besser andere Nahrung

Oie Frau a's Musikerin.

Don Artur Holde.

Zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Frau erst den Eintritt in die w sscnscha.tlich n und tommer- xlcllcn Berufe erkämpfen mußte, standen ihr in der Musik bereits alle Tore offen. Hier war die auf anderen Gebieten des Erwerbslebens um­strittene Cignungssrage längst entschieden: die Musikerin konnte als Solistin, als Pädagogin, nach Beseitigung alter Vorurteile auch als Or­chesterspiel. nn den Wettkampf aufnehmen. Wenn sie sich von einigen Zweigen der Musikausübung zurückhielt, waren durch Körperkonstitution und psychiiche D.ranlagung g.s he Schranken Ursache der Selbstbescheidung.

Fast ganz Domäne der Frau ist die Privat- Musikerziehung, b.scnd r^ de der jüngeren Kinder, geworden, denn für sie bringt die Frau mehr Geould und Einfühlungsvermögen als der Mann auf. 3hr ist die Beschäftigung mit dem Kinde HerzenSang ie_-,enheit. während der Mann nicht selten einer ie ner Meinung nach durch un­glückliche Zufälle vereitelten 6cl ftenkarrieve nach­trauert und diese Enttäuschung die Schüler spüren läßt.

3m 18. 3ahchundert war die Harfe ein bei jungen Mädchen beliebtes Hausinstrument. Auf diese Tatsache läßt cs sich zurückführen, daß bis zur ®cgcntoart in den meinen Orchestern Stauen als Harfenistinnen tärg sind. An die anderen Pulte zu g langen, ist für si: erheblich schwieriger. Die meisten Dirig n.e.» haben eine Scheu vor Orchestermusikerinnen: sie vermissen bei ihnen die Geistesgegenwart und die dem Manne ebenbürtige physische Kraft. Vorurteilslos hat in letzter Zelt Willem Mengelberg in seinem Amsterdamer Konzertgebouw-Orch^ster einigen Frauen an Strcicherpulten Platz eingeräumt. Lieber diesen Rahmen hinaus bestehen te ne Ent- Wicklungsmöglichkeiten: wir können uns eine Frau schon aus ästhetischen Gründen nicht als Bläser und als Betreuer des Schlagzeuges denken.

Enge Grenzen sind ihr auty im Dirigieren gezogen. 3n keinem Konzertorchester, in keinem Opernhaus der Welt ist eine Frau musikalische Führerin geworden. Das Dirigieren ist wie nur wenige Berufe eine spezifische Männerarbeit.

an Stelle von der Muttennilch zu treten hat. 3ede verständige Frau pflegt auch schon vom siebenten bis neunten Monat für langsame, teil­weise Ergänzung der Brustnahrung durch Kuh- milch, mit Zwiebackzu ah, Spinat oder Mohr­rübenbrei zu sorgen. Selbstverständlich darf das Absehen von der Brust für gewöhnlich nicht zu jäh geschehen, um das Kjnd an die veränderte Nahrung zu gewöhnen. 3st die ideale Ernährung des Säug.ings mit Brustmilch nicht möglich, so muh an deren Stelle die Kuhmilch oder die neuerdings öfters angewandte Duttermehlnah- rung treten.

Zweckmäßiger und wichtiger als praktische Maßnahmen der Säugling.Hygiene ist neben der äußeren Sauberhaltung auch im 3ntercsse

der ncrvengeschwächten Mutter eine früh­zeitige Gewöhnung des Kindes an Regel­mäßigkeit und beschränkte Zahl der Mahl­zeiten. Diese sollen fünf- bis sechsmal am Tage in Abständen von 2*/; bis 4 Stunden gegeben werden, so zwar, daß in der Nackt eine Pause von 7 bis 8 Stunden eintritt. Der Säugling muh am ersten Tag an diese Regelmäßigkeit, zu dieser Trinkpause in der Nacht erzogen werden durch konsequentes Einhalten der Mahlzeiten. auch wenn er die ersten Nächte durchschreit. Erfahrungs­gemäß ist der gesunde Säugang nach wenigen Tagen fo weit, dah die Mutter, die ihre Nacht­ruhe cbensatls dringend zur Krä.tig ng braucht, viel Nervenkraft für die kommende Pflegezeit ihres Kindchens sparen kann.

Die Mode, die immer wiederkehrt.

Farbenfreudiger Frühling. Spitzenstösse und kurze Aermel. Oer mod.rne Handschuh. Das Kleid der arbeitenden Frau.

Don Bella Fromm.

)en; man kann sie vereinfachen, wo eS nötig ollte aber bedenken, daß auch hier ausgeben amer ist, alS auf dem Geldbeutel sitzen. Wer ich leisten kann, mag Geld unter die Leute

wer ist.

heil es

Der nahende Frühling bringt nicht nur Freuve. sondern die gewohnte Sorge: wie wird die Mode? Auch Frauen, die imBe­rufne. en stehen und schwer um ihr Brot kämpfen, müssen in diesen Tagen über­legen: waS ziehen wir an? Untere Mit- ar eiterin erteilt hier ungezwungen Ant­wort auf diese ewigen weiblichen Fragen. 3n der Vergangenheit liegt die Mode der Zu­kunft. D.r Modeniünstler schöpft immer wieder aus den Formen und Linien deSschon Da- gewesenen". Früher war die Mode nicht so wandelbar wie heute. Nun stellt man uns all­jährlich. ja beinahe vierteljährlich, einen neuen Frauentyp vor. Königin Mode befiehlt ihren Untertanen, wie sie auszusehen haben, und die Frau, sonst stets darauf bedacht, ihren eige­nen Willen durchzusetzen, fügt sich den Geboten dieser internationalen Herrscherin, die in den Modeschauen ihren Willen diktiert. So kommt es, daß Eva, heute noch Girl, morgen schon über ihre eigene Schleppe fällt. Heute tritt sie be­geistert als fescher 3üngling aus, morgen findet sie sich hinreißend in Schinkenärmeln, die sich wie Kinderluftbaklons um ihre Oberarme blähen, so dah es aussieht, als wollte sie sich jede Mi­nute in die Lüfte heben. Ob sie krumme oder gerade Deine hat wenn die Mode eS be­fiehlt, geht sie kniefrei und findet sich bezau­bernd. Sie beklagt sich auch nicht, wenn ihr, tue in diesem Winter, hundert Stoffetzen um die Deine wehen und sie beim Tanz hindern.

Wenn Ehemänner und Modefeinde uns Frauen die Schwere und Not dieser 3ahre vorwerfen: falsch gedacht, der Wechsel der Modelaunen wirkt sich immerhin als Wohltat auf die 3ndustrie aus! Die Delebung deS Arbeitsmarktes durch modische Neuerungen wird stets begrüßt und unterstützt. Und eine komplizierte Mode muh noch lange nicht in ihrer Kostspieligkeit verallgemeinert

bringen und dadurch neue Arbeit schaffen.

Man sollte in unserer Zeitsich selbst" tragen. Eigentlich paßt die Uniform der Mode nicht in allen Stücken auf die arbeitende Frau. Aber noch haben sich die Geister nicht durchgeseht, die für die 3ndividualität in der Kleidung noch streiten. Noch gibt es Modegesehe. nochmuh man tragen: nun in diesem 3ahr wieder Fraulichkeit. Gerade in unseren freude- arnen Tagen findet man plötzlich Gefallen an den verspielten Rüschen, an den Schleifchen und Dändchen, den Tüchern und Volants. Natürlich gilt das nur für die duftigen Sommerkleider am

Nachmittag und am Abend. Spihenstoffe, Ehifson, das neue duftige Erzeugnis Fleuret.e, Tüll, Voile und Batist stehen im Dorderg.und. Bunte zarte Muster sind cs, auf malten, lichten Far­ben. Es scheint, als wolle die Mo^e durch die fertige, fröhliche Devise die Menschen in dieser schweren Zeit aufheitcrn, ein wenig vergnügter machen. An der Spitze der Hellen Töne mar­schieren Palous gelb, das an Helle Schlüssel­blümchen, und grün, das an Maiblumenblätter erinnern. Dabei flattert eS von Capes. Krägel­chen und Pelerinen, angedeuteten 3äckchen und DoleroS um die Taillen, und immer sieht man kurze, enge, höchstens dreiviertellange Aermel, die streng vorgeschrieben sind. Auch die Kleider, ob elegant für den Nachmittag oder luftig blumiger ailS Sommerkleider, ob schwarz, ob gemustert, zeigen die neuen Aermclchen. Meist sind sie ganz glatt geschnitten und schließen mit einer Manschette ab, manchmal bringen sie die Andeutung und die Wiederkehr des Puffärmels. Unbebingt gehört der lange Handschuh dazu. Eine ungeheure Phantasie ist in den Krei­sen der Handschuhmacher lebendig geworden. 3n allen. Farmen, oft sogar abschattiert, mit Besätzen, Loch- und anderen Stickereien erlebt der Hand­schuh in allen Längen eine unerhörte, kostspielige Renaissance.

Die 3 ä ck ch e n, die Uebcrtoürfc und die Tü­cher weichen meist von der Farbe des Kleides ab. Zu Weih trägt man als Gegensatz kräftiges Türkis, Rot oder Pawugcün: zu Bunt werden dunkle Un.hüllen bevorzugt. Neu sind zum Abend­kleid Atlastüchcr, die, gaiu eng die Schulter umspannend, auf der Brust geknotet werden, so daß die Trägerin sich wie in einer Zwangs­jacke sestgehalten vorkommt. Gern nimmt man die 3äckchen aus Porzellanperlen, Pailletten, ja sogar Holzkügelchen wurden verwendet. Die Torheit höret nimmer auf. Sehr neu, sehr ele­gant sind weihe Seidenjäckchen mit passenden

> Hüten, zu dunllen Kleidern.

Mit dem Bolero lehrt der breite spa­nische Gürtel des Torero wieder. Seitlich zu einem Schlupp geknotet oder mit breiter Schnalle geschlossen, gibt er meist der Kleidung einen kräftigen Farbpunkt. Besonders ost sieht man diese Schärpen, die gerne aus Samtband gewählt werden, an den Wiederkehrenden Wasch­kleidern eine Erinnerung an den Anfang dieses 3ahrhunderts. Ganz konnte man dasewig neue schwarze Nachmittagskleid nicht in Acht und Dann tun. Es lebt in schlichter Ein­fachheit, ausgepuht mit einem duftigen Krägel­chen und passenden Manschetten am kurzen Aer­mel, ist aus feiner Wolle oder Seide und wird behütet" von einem weihen Hütchen. Neben

Theater, industrielle Betriebe, wie wir in Eng­land sehen: sogar Ministerien werden jetzt von Frauen verwaltet, nur an das Dirig ntenpult tritt von verhältnismäßig wenigen Ausnahmen in Frauen-Gesangvereinen abgesehen, kein we b- liches Wesen. Für die hier notwendige Ueber- lcgenheit b s ht s e zunächst schon nicht die körper­liche Disposition. Die aush lend n. oft notgedrun­gen jähen Bewegungen des Dirigenten in eine ihrer durch die Kle düng gehemmten Erscheinung gemäße harmonische Form umzusctzen. bleibt ihr versagt. Auch die suggestive Fähigkeit des Ka­pellmeisters liegt au ensche nlich nicht in der Na­tur der Frau, ebensowenig die für ein großes Werk unentbehrliche konstrultire D.gabung: Eigenschaften. Die daS eigentliche We.en der Dirigicrkunst auSmaoen. 3n den seltenen Fällen, in Denen Frauen Erfolg als Chorleiterinnen hatten, war es die spcz eile pädagogische Anlage und die Bereitwilligkeit, für neue3 Schaffen ein- zutreten, die der Dir g erleistung das künstlerische Profil gaben.

Die Frau als Schriftstellerin: ein in der Siteraturg s ächte a l r Ku.t raöi e. w cht ges und großes Kapitel. An dieser Mitarbeit gemeßen ist die Beteiligung der Frau als Tonsetzerin nur recht bescpcidcn. 3hr die schöpferische Anlage generell abzusprechen, wäre eine Ungerechtigkeit. Es sei aber zugegelen, daß kein Werk c ner Kom­ponistin jemals nachhalt g: Wirkung au geübt hat. Nie ist von dem Tonwerk einer Frau mehr als ein freundlicher, schnell verblassender C.ndruck ausgeqangen. Daß sie in Einzelfällen Phantasie, Formbcgabung und Stilgefühl besitzt, zeigen unS die reizv - llen Klavierwerte und die empfindungs­reichen Lieder Clara Schumanns, ebenso die hübschen, von ihrem Bruder Felix Mendels­sohn ho. geschähen lyrischen Arbeiten Fanny Hensels. Mehrere e glische Komponistinnen, unter ihnen wchl als die begabteste Ethel Smyth, dann die Schwedin 3n g c E> o r g Bronsart, die vier Opern schrieb, bewiesen, daß die Frau auch zur Bühnenproduktion bean­tragen v.rmochte. Zu dur schlagendem Erfolg hat es jedoch kein? von ihre i g biaüä. Unter den d ut- ^hen Musikerinnen der Cegcntoart hat die Münch­nerin PhilippineSchick den Glauben an die schöpferische Begabung der Frau durch wertvolle Kompositionen gestärkt.

Als Solistin dagegen braucht die Frau die

Rivalität des Mannes nicht zu scheuen. Solange wir eine öffentliche Musikpslegc besitzen, hat sie als 3nftrumentalistin und als Sängerin Spihen- teiftungen vollbracht. Hier, wo sie nicht wie als Dirigentin einen großen Klangapparat xu be­herrschen braucht, fehlt eS ihr nicht an den für die große Form crf rderlillen Gestaltungskräften. Der edlen Frauenstimme huldigt man genau so wie der Dolalkunst des Mannes. Allerdings auch hier mit einer gewissen Einschränkung: für das fast stets übertorgence Frauenpublikum hat der männliche Sänger, zumal der lyrische Tenor, die größere Anziehungskraft. Die Sängerinnen-Kar- ricre gehört gegenwärtig zu den wen ^en Berufen, in denen sich der Frau auch de gleichen materiel­len Aussichten wie dem Manne b e en. Allerdings gibt cs nur wenige Beruf kzwege, in denen das Mißverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage so kraß ist.

Mit der anschwellcnden Ziffer der studierenden Frauen ist auch der Zulauf zu den musikwis­senschaftlichen Fächern g*fliegen. Die Frage ob (oft nur b sche'.dene) musikal sch? Anl g n b i> die D:r.of pclung nii. e ner w s en'chastlü--en Aus­bildung der Frau Berufsau si .)len bieten, wurde in wirtschaftlich günstigeren Zeiten meist-ens gar nicht gestellt. 3ctjt. wo zahlreiche Mus.kwif'en- schasllcrinnen zur B russarbeit he.angereift sind, zeigt sich, daß die-Frau auch für die produktive Form lüi.stlerisch-wissenscha'tlicher Arbeit nur Le- dingt Eignung besitzt. Speziell für die Musik­kritik wie für die aktuelle Kunstkritik über­haupt scheint die weibliche Psyche nur in Aus­nahmefällen die 3ntuition und die Fähigkeit der Distanzierung aufzubringen. Verschwindend we­nigen Frauen ist cs bisher gelungen, sich in maß­gebenden Stellungen der Musikkritik zu halten. Den besonderen körperlichen Anforderungen des Zeitungswesens zeigen sich die Frauen vielfach nicht gewachsen.

Doch die künstlerisch hochstehende Musikerin kann auf die ihrem inneren Wesen fremden Zweige verzichten: ihr stehen genügend Geb ete der prak­tischen Musilp leg: o f n 3m Privat-Musik­unter r ich t uno in ien jetzt entstehenden Volks- und 3ugendmusik schulen hat sie ein W r- kungsfeld von größter Crgieb gle t. Hier kann sie ohne jede Beeinträchtigung zur Geisteskultur te; Volkes beitragen, und von der Frau wird es mit in erster Linie abhängen, ob die Musikpslege in

Weiß sind Koralle TürliS und Gelb als auf- Hel.c..de Schmuck- und 5ut.trfar.cn gedacht. Dann gibt es t.eingemusterte Seidenlleidchcn dazu, und uni Söckchen ober Mantel. Diese anspruchslosen Kleider, deren tadelloser Schnitt Bedingung ist. sind in unserem Klima aus Wolle ober Seibe ein nötigeres Toilettenrequisit alS baS Helle Sommersähnchen.

Dies ist baS Heitere der Frühjahrsmobe 1931. Aber auch ber Ernst des Tages forbert Rechte unb Aufmer.samlcit. Wichtig ist daS Kleid ber berufstätigen Frau, der Anzug für die Stabt und den Sport. Wenn auch an betSlablkleibung" mehr Farbe als in vorher­gehenden 3ahren auffällt, so kann man keines­wegs von bunt sprechen. Die deutsche Frau legt stets lepndcren Wert auf gute Dollqualitäten ihrer Kostüme. Das Schneibcrllcid ist wieder baS Neueste vom Neuen. 3n englischen Stossen, in Wolle. Twecb unb für wärmere Tage in Cröpe unb Shanlung wird eS gebracht. Den etwas strengen Stil heitert man durch die Helle gleichfalls Wied rgekehrte Bluse oder den von neuem in Gnaden ausgenommen en 3um*xc auf. Das kunstvoll geschneiderte Blüschen aus Woll- und Seidenstoffen, die liebe alte, immer etwas zerknitterte Linon- unb Batistbluse sind wieder da. Ganz besonders elegant zum einfarbigen Desuchskostüm ist die gleichfalls toieberauferftan- benc Tüllblusc, mit Spitzen und Rüschchcn be­seht.

Auch Schotten- unb uni Wolllleidchcn mit passender ober abstechender 3ackc gehören zu den Günstlingen des Tages. DaS W oll­en se mb le hat sich eingcsührt: daS Material, so fein unb weich wie Seide, unb auf den ersten Blick oft nicht für Wolle angesehen, ist meist ein­farbig, schon wegen des farbigen Aufputzes. Wenn nicht baS ganze Komplet aus Wolle ist. so wählt man doch das lose 3äckchen zum Seiden­kleid aus feinstem 3ersey. Auch Wollspihe für 3umper, Blusen unb ganze Kleider sieht man oft. Mäntel treten zugunsten ber 3ackcn etwas zurück. Brachte Paris schon im Winter mit Vor­liebe 3adcn auS Pelz, so hat man bei unS diesen Vorschlag zum Frühling weitgehend an­genommen.

Sinnlos, aber dennoch sinnverwirrend erscheint manchem männlichen Beschauer die Mode, die vielleicht nur ihm zuliebe gemacht wird: denn er will sie hauen, er liebt die Frau in immer neuen Gewandungen. Unb bic Frau? Himmel unb Hölle. Nadel unb Scheeren, Augen unb Herzen seht sie jetzt in Bewegung, um bas ihr gemäße Frühjahrsgcwand zu e rhalten. DaS Abendkleid, das Gesellschaflslleid stellen manche Probleme. Mer über diese TageSkleidung kann man zum Glück sagen: alles in allem überwiegt angenehm die Schlichtheit, daS einfach Vornehme, der persönliche Geschmack.

Rezepte für Gründonnerstag.

Grüne Soße: Man rührt von drei Eidottern und dem nötigen Oel eine schöne, dicke Mayon­naise und würzt sie mit Salz. Zitronensaft und nach Belieben mit etwas Senf. Feingewiegte Kräuter wie Kerbel, Schnittlauch, Petersilie, Bor­retsch, Pimpernelle, Estragon, zusammen etwa zwei Hand voll (ungetoiegt) werden mit der Mayon­naise gut vermengt. 3c mehr Sorten Kräuter es sind, desto würziger wird die Soße. Diese Soße wird in vielen Gegenden zu hartgekochten Eiern am Gründonnerstag gegessen.

Spinatklöße: Ein Pfund geputzter, ge­waschener Spinat wird kurz in Salzwasser ausge­kocht, abgeschüttel, ausgedrückt und grob gehackt. Bier eingeweichte, wieder auSgedrückte Milchbröt­chen und der Spinat werben mit einem Stück Butter in einer Pfanne so lange gerührt, bis bic Masse trocken ist und sich ballt. Nach dem Erkal­ten rührt man drei Gier, etwas Salz unb nach Belieben etwas Muskatnuß unter die Masse. Wenn alles gut zusammen verarbeitet ist, legt man

Deutschland einen weiteren Niedergang haben wird ober zu neuer Blüte gelangt.

ßrprob'e Kleinigkeiten.

Tasten am Klavier und der Schreib­maschine, die gelb ober schmutzig wurden, rei­nigt man mit einem Drei aus Schlämmkreide mit Seifenwasser oder auS Schlämmkreide mit Sal­miakgeist. Man reibe die Tasten alsdann recht trocken mit einem Wattebausch nach, und die Tasten werden wieder weih und sauber sein.

Verschmutzte Gummistempel drückt man in warme Siegellackmasse, sie werden rein, da alle Farbrückstände am Siegellack haften bleiben.

Ein Tablett au« Papiermache darf niemals mit Wasser gereinigt werden. Man be­streue es mit heißem Mehl, wische es dann mit einem trockenen Tuch ab unb reibe mit Leder nach.

Eisblumen, die am Fenster die Aussicht versperren, lassen sich durch eine wässerige Koch­salz- ober Alaunlösung entfernen. Die Lösung wird mit einem Schwamm recht dünn aufgetragen. Das herabfließende Wasser ist mit Tüchern aujAn­fängen. DaS Glas des Fensters wird mit einem weichen Fensterleder tüchug abgetrocknet und mit gufammengeballtem, weichem Sei.enpapierbausch nadjgericbcn.

Fest sitzende Holzschrauben, dir ohne Beschädigung von Schraube und Holz gelöst wer­den sollen, muß man sol end ermaßen behandeln: men halte kurze Zeit eine heißgemachte Zange ober ein glühenoeS Stück Eisen an den Schrauben­kopf. Da Metall ein vorzüglicher Wärmeleiter ist, wird die ganze Schraube bald heiß und dörrt das Holz in ihrer unmittelbaren Umgebung trocken aus. Dadurch lockert sich das Schraubengewinde und die Schraube läßt sich leicht herauSdrehen.

3 m Gasbackofen wird der Kuchen leicht trocken. Dies liegt nicht immer an der zu starken Flamme oder der kleinen und der in diesem Fall damit verbundenen Längeren Dackzeit. Der Grund ist in der fehlenden Feuchtigkeit zu suchen. Es ist za-eckmäßig, bei Anzünben des Ofens einen Koch­topf mit Wasser hineinzustellen. Wenn der Ofen heiß genug zum Hincinstellen des Kuchens ist. nimmt man den Topf heraus. Der Ofen hat bann schon durch die Wasserdämpfe Feuchtigkeit er­halten.