65*
Kreuzweg der Liebe
3. Fortsetzung.
Nachdruck verboten.
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Adresse wenden: Ich wünsche nicht, daß weiterhin mit meiner Braut tanzen!"
In dem Flieger zuckte es auf, aber er herrschte sich.
Vornan von Paul Grabein Llrheberrechksschutz: Romandienst »Digo", Berlin W 30.
„3a, ja.— gewiß!" Etwas ungeduldig kam es von ihren Lippen. „Aber du siehst wirklich Gespenster! Daß ich jetzt mal ein paar Tage vergnügt gewesen bin, das ist doch keine- Gefahr. — Außerdem, du sorgst ja schon genug dafür, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen!"
Wigand überhörte die Bitterkeit in ihrem Ton. Eine wirkliche Angst hatte ihn jetzt befallen. Daß sie auch so ganz ahnungslos war! Er konnte ihr doch nicht mit dürren Worten sagen: ,Fred liebt dich!' Das hatte sie ja erst gerade in die Gefahr hineingetrieben, vor der er sie bewahren wollte.
„Llrsel", bat er nach kurzem Besinnen. „Sieh mal, ich habe eine so große, innige Bitte an dich. Willst du sie mir erfüllen?"
Sie schwieg unschlüssig: der zärtlich bittende Ton Iörgs begann bereits, ihren Trotz allmählich wieder zu bannen.
„Gib dich weniger mit Fred ab — vermeide das Alleinsein mit ihm. Mir zuliebe!"
Wiederum höchst erstaunt sah sie ihn an: „Ia, aber so nenn' mir doch bloß einen vernünftigen Grund dafür, Iörg!"
„Weil — weil dein vertrauter Verkehr mit Fred schon auffällt! Die Leute reden bereits darüber." Es fiel ihm in seiner Ratlosigkeit nichts anderes ein.
„Pah — laß sie reden! Wenn man immer danach fragen wollte!"
„Vun gut, wenn es dir schon gleich ist, so tu's um meinetwillen!"
Llrsula blieb stehen und sah ihn forschend an. „Dir ist das Gerede der Leute lästig?" Er nickte. „Lind darum soll ich mir die ganze, harmlose Freude an diesem Verkehr verderben lassen?"
„Ah, für so egoistisch, so kleinlich hätte ich dich wirklich nicht gehalten!" In neuem Unwillen machte sie sich von seinem Arme frei.
Das raubte ihm die ruhige Lieberlegung.
„Vein, Llrsula, nicht darum." Mit finsterer Entschlossenheit stieß er die Worte hervor, nun ganz in die Enge getrieben. „Lim meiner Vuhe willen! — Vun weiht du den wahren Grund!"
„Ah — du bist eifersüchtig auf Fred?"
Er gab keine Antwort, da brach sie in ein Helles Lachen aus.
„Darum hast du dich also heut' und all die Tage so angestellt.' — Das ist ja zu komisch!" Lind sie schüttelte ihn, ausgelassen vor sich hinlachend, bei den Schultern.
Aber ihre Heiterkeit steckte ihn nicht an, sie verletzte ihn. Das also war das Echo, das all seine schmerzlichen Empfindungen, seine ernsten Vorstellungen bei ihr wachgerufen hatten! Weil sie in ihrer Linerfahrenheit und Leichtherzigkeit die drohende Gefahr nicht sah, lachte sie ihn aus. Das Blut stieg ihm heiß in die Schläfe.
„Mir ist die Sache nichts weniger als lächerlich. Aber nun genug! Da alle Vorstellungen bei dir
„Ihre Wünsche sind selbstverständlich ganz . .. maßgeblich für mich", erwiderte er mit kalter Ge
nichts fruchten, da du mich nicht verstehen kannst oder willst — so mag dir mein ausdrücklicher Wunsch genügen. Ich will nicht mehr, daß du mit Fred Drenck allein bist! Ich wünsche auch nicht, daß du heute mit ihm tanzst."
„Wie?" Seine herrischen Worte liehen ihre Stimmung im Augenblick umschlagen. Dicht trat sie vor ihn, mit sprühenden Blicken: „Verbieten willst du mir —?"
„Ich wünsche es nicht", beharrte er fest.
„Wortklaubereien!" Verächtlich warf sie ihm das Wort hin. „Gleichviel — ich will dir zeigen, daß ich nicht deine Sklavin bin." Llnd schon wandte sie sich heftig von ihm ab.
„Llrsula!" Halb erschrocken, halb bittend scholl es ihr gedämpft nach, aber vergeblich: Sie entschwand im Tanzsaal.
Einige Augenblicke blieb Wigand allein zurück, ganz gelähmt von einem Gefühl tiefen Schmerzes und bitterer Kränkung. Wie konnte sie ihm das antun: ihm, der cs doch so gut gemeint, der nur schwere Kümpfe ihr wie ihm hatte ersparen wollen!
Dann aber wich die weiche Regung aufwallendem Zorn: Sie verlachte ihn, sie mißachtete seine Wünsche — ja, sie tat in offenem Trotz gerat)’ das Gegenteil! Sie wollte ihre Kräfte mit ihm messen — gut, sie sollte ihn kennen lernen. Vun mußte jede Rücksicht aufhören, sein Maimesstolz stand auf dem Spiele — nun wollte er ihr zeigen, daß er sich nicht ungestraft herausfordern ließ. Ietzt hieß es für ihn nur noch: Biegen oder Brechen!
Schnellen, festen Schritts, mit einer fiebrigen Kampferregung in allen Verven, ging Wigand in den Tanzsaal hinüber. Er spähte ungeduldig, mit grimmiger Erwartung in das Gewühl — richtig, da hing sie in Freds Arm, lachend, strahlend, und er blickte mit seinem verhaßten Triumphatorenlächeln auf sie herab, während er sie mit eleganter Sicherheit durch die Wogen der Tänzer steuerte.
Wigand war auf diesen Anblick gefaßt gewesen, er hatte ihn kampfbegierig ja herbeigewünscht, aber doch — wo er nun die beiden so sah, nun krampfte es ihm mit einem Male das Herz zusammen.
Gerade jetzt, wo er die Braut in all ihrem .Reiz in dem Arm des andern, des Verhaßten, geschmiegt sah, gerade jetzt fühlte er, wie heiß er sie liebte. Das war nicht mehr jenes abgeklärte, innige Empfinden, das aus Mitleid, aus Seelenverwandtschaft entsprungen war — nein, das war eine flammende, aufbrausende Macht, die ihn im Innersten erzittern machte. Zum ersten Male sah er so recht ihre junge, lockende Schönheit; in dieser Stunde liebte er in ihr zum ersten Male das Weib.
Die Musik war verstummt, Alfred Drenck hatte die Cousine mit Scherzen und Lachen wieder
Das war wieder der strenge, überlegene, schulmeisterliche Ton an ihm, den sic für den Tod nicht leiden konnte und der denn auch jetzt gleich wieder den wilden Trotz in ihr wachrief.
Mit einem Ruck riß sie jetzt ihre Linke aus seinem Arm, und fast feindselig blitzten ihn ihre dunklen Augen an, die sonst stets so lieb und gut blickten. Ein Warnsignal! Iörg sah es und sagte zu sich selbst: Du darfst den Bogen nicht- überspannen. Im selben Moment tönte ihm aber auch schon ihre erregte Frage im Ohr:
„Vun. unt> was habe ich denn jetzt wieder verbrochen? Ich bin wirklich begierig. Ich dächte, es wäre an dir, wieder etwas gutzumachen!"
„Ich begreife vollkommen, Llrsula, daß dich mein Benehmen vorhin überrascht hat." Seine Stimme nahm einen freundlichen Klang an. „Darum will ich dir ja alles erklären. Aber, das ist nicht so eins, zwei, drei gesagt: das ist eine peinliche Angelegenheit."
Er stockte, und ihre Augen blickten ihn groß und verwundert an.
„Komm, Llrsel!" Zärtlich nahm er plötzlich wieder ihren Arm und begann mit ihr in dem Raum ‘auf und ab zu gehen. „Sieh, es tut mir aufrichtig leid, daß ich dir da vorhin einen anscheinend so harmlosen Wunsch abschlagen mufjte, aber" ...
„Ia, ich weiß schon: du kannst Fred nicht ausstehen! — Aber warum in aller Welt nur nicht? Was hat er dir denn getan?“ Erregt rief sie es aus.
Wigand zögerte einen Moment, dann kam es leise und innig von feinen Lippen, während er ihren Arm fest an sich Preßte:
„Llrsel — glaubst du mir, daß ich es so gut mit dir meine wie keiner auf der Welt, daß ich dich unendlich liebe und nur dein Bestes will?"
„Vun, ja", doch es kam nur widerstrebend von ihren Lippen, „aber was hat denn das mit Fred zu schaffen?"
„Llrsel, ich muß dich warnen vor ihm — er droht dir gefährlich zu werden!"
„Was — Fred?" Verständnislos, aber doch betroffen blickte sie ihn an.
„Ia, meine Llrsel. Er ist Gift für dich, er weckt all die verhängnisvollen Veigungen in dir, vor denen du selbst dich so oft gefürchtet. Weiht du nicht mehr die Stunden, wo du dich zu mir geflüchtet und gebeten hast: ,Steh mir bei, Iörg, daß ich den Dämon in mir überwinde!'"
ringschätzung. „Für mich existieren nur die meiner Cousine." Damit wollte er hochmütig den anderen stehen lasten.
„Sie sind ein Llnverschämterl" Bebend vor Erregung stieß es Wigand hervor.
Drenck war bleich geworden, als ihn das Wort traf: aber er bewahrte die Fassung auch jetzt iwch:
„Ich werde Ihnen morgen meinen Kartellträger schicken — nun aber wären wir Wohl fertig?"
„Selbstverständlich." Straff aufgerichtet kehrte sich Wigand ohne Gruß von dem Gegner ab, ein Gefühl grimmiger Befriedigung im Herzen. Ah, das tat Wohl! Vun hatte der heiße Haß, der ihn zu verzehren drohte, sein Opfer erreicht.
3. Kapitel.
Durch die dürre Krefcrnforst holperte auf hartgefrorenem, tiefspurigem Sandwege der Wagen hin. Still lag im kalten Grau des frühen Winwr- morgens der spärliche Wald da, verhängt von einem nebligen Dunst: nur hin und wieder brach krächzend eine Krähe vom Waldrand am Wege auf, mit schwerem Flatterflug nach dem braunen Acker drüben streichend.
Schweigend und ernst sahen auch die drei Insassen des Wagens, Doktor Wigand mit einem älteren Kollegen, der die Instrumententasche bei sich führte, und seinem Sekundanten, einem befreundeten Assessor.
(Fortsetzung folgt.)
den Ihren zuaesührt, nun ging er zum Büfett, um ein Glas frappierten Sektes zur Abkühlung hinabzustürzen. Da trat ihm plötzlich am Eingang zu dem Vorsaal unvermutet ein Herr entgegen — Wigand. Ah! Das sah ja gerade aus, als sollte ihm der Weg versperrt werden.
Kalt und hochmütig reckte sich der Flieger auf, feinen Gegner verächtlich mit dem Blick streifend. Dann wollte er langsam an ihm vorüber. Doch da trat ihm Wigand wirklich entgegen:
„Ich wünsche mit Ihnen zu reden!" Fast heiser vor Erregung klangen die gedämpften Worte, und auf Wigands Gesicht entbrannte eine fliegende Röte.
„Aber bitte! Ganz zu Ihren Diensten."
In Wigands Augen schoh es nachtdunkel auf, aber doch beherrschte er sich:
„Ich habe vorhin einen Wunsch zu meiner Braut geäußert", sagte er ruhiger, aber scharf und herrisch. „Bedauerlicherweise hat es Llrsula ober nicht für nötig gehalten, ihn zu beachten. Vunmehr muh ich mich also direkt an Ihre
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